Nr. 28«
zweites Blatt
158. Jahrgang
Freitag 4. Dezember 1908
G^chettrt «fM» mti Httfna^mt bet Sonn tagt.
General-Anzeiger für Gderhesftn
the „Gießener $amlllenblötter* werben dem eiln^eiqer* dermal wöchentlich bergelegt, bat „Kreisblatt für Otn Krell Hiehen" zweimal wöchentlich. Die „LanDwirtschastllchrv Seit- hagtn" erschemen cnvnatiid? zweimal.
Redaktion. Grorbttion und Druckerei: Schul» strage 7. (Srpebuton und Vertag. 6L Redaktion:112. Lel.-Adr^AnzeigerGießen.
▲ Rolanonsdruet int» Verlag der vrüblich« Uui»er|uäi6 • Buch- und Sieindruckeret.
ÖL Lange. Gießen.
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Sttmmungsbilö aus drm Reichstage.
Berlin, 3. Dezember.
Schluß der verfaffungSpolitiichea Aussprache.
In cricvuiiajcr oaaiuaju.u luyue dec Rciei-stag beute die verfajiung^volitische Aussprache zu Ende, und nach der Haltung der Parteien und der gestrigen Erklärung des Staatssekretärs v. Beth mann-Holl weg ist zu erwarten, daß ein positives Ergebnis sowohl hiniichtlich der Revision der Geschäitsordnung ioie der Fejilegniig von Ber- antnwrtlichkeitcn in der Neichsversassung l-erauskoinmen wird. Welche Entschließung hernach die oerbünbeten Regie, rungen trcssen werden, darüber besteht natürlich völlige Ungewißheit; aber man darf voraussctzen, daß sie sich auch an der Beratung in der Kommission von vorllherein betci- ligen werden. Im Mittelpunkt der heutigen Berhand- lungen stand eine Rede Naumanns, die aus das Haus einen großen Eindruck machte. Es ging ein Zug vvn Resignation durch sie, und nicht mit völligem Unrecht sprach Singer von einer Grabrede aus das eiiiftige Joeal Rau^ ntuiuid, das er in seinem Buche über Demokratie und Kaiser- tum hvsiuungSsreudig vertreten hatte. Im Grunde hatten alle Redner den Wert der Kanzlerverantivvrtlichkeit uttd Kuuzleranklage nur darin gesehen, daß die Bestimmungen hierüber In der Versassung stehen würden; eine Wasse, die an dec Wand hängen soll, damit man weiß, daß sie an der Wand hängt; von der nieinanb wunstyl und niemanb glaubt, daß sie je zur Anwendung kommennvirü. Weit wichtiger ist es im Grunde, daß die Arbeit des Reichstages erfolgreicher und gewichtiger wird, gegenüber dem anderen Fatlvr dec Gejetzgebung, dem Biuidesrat, und bamil bte ganze Siellung des Reichstages. Nauruann sprach das aus und cs rour eine Wahrheit, die von allen längst empfunden und nur nicht assen gesagt mar, daß schon die ganze Arbcitvmcchvbe des LleichStagcs seine Tätigkeit im Grunde unfruchtbar macht und er vor lauter Fleiß und Arbeit die großen politischen E^sichtSpunkte aus dem Auge verliert Ten Anteil der Volts- Vertretung an dem Geschick der Nation zu erhöhen, das ist ja auch eigentlich der Grunügedanle der jetzigen Altion.
Bon den Parteien nxtteit die Konservativen und die kleineren Gruppen der wirtschaftlichen Bereinigung und der Resvrmpartei noch nicht zum Wort gekommen. Die beiden (enteren verstärken die Mehrheit des Hauses, die in Verfassung und Geschäftsordnung die Fvlgeruiigen aus den erkanliten Mißständen ziehen wollen; die Mgg. Graes und Bindewald gaben in der Hauptsache grundsätzliche Erklärungen ab, ohne sich auf Einzelheiten näher einzulassen. Die Konservativen lehnten, wie zu erwarten war, durch den Mund ihres Fraktionssprechers Dietrich die Mitarbeit ab, da nach ihrer Meinung die Verantwortlichkeit, deren sie von ihrem monarchischen Standpunkte aus zu bedürfen glauben, in aenügendem Umfange bereits besteht Der Elsässer Ricklin erinnerte an die noch unbefriedigten Bersassungswünsche seiner engeren Landsleute, und dann brachten uur Schlußreden, der Abag. v. Payer, v. Dziembowski, Heine und Dr. Spahn neben einer parteipolitischen Auseinandersetzung, in der Haup.sacl)e eine Wiederholung der Gründe, mit denen die Hauptredner der Parteien die Anträge vertreten hatten. Bemerkenswert war dabei eigentlich nur die scharfe Verwahrung des Zentcums- führers auf eine Andeutung einer Zukünftigen Regierungsmehrheit von Zentrum und Sozialdemoiralie, die Dr. von Payer bei seinen Ausführungen über das parlamentarische Negierungssystem gemacht hatte.
parlamentarisches*
Jur preußischen Abgeordneten Hause wird am 10. Dezember wieder eine Plenarsitzung statlsuiden, in der vermutlich nur Interpellationen (Arbeilslosigteit unv.) zur Verhandlung anstchen werden. Der 1L Dezember soll für Beratungen der Fraktionen frei bleiben, die zur zweiten Komiuisiionsveratung her Lchrerbesoldungsvvrlage Stellung nehmen müssen. Am 12. Dezember schließt sich wieder eine Plenarsitzung an. Am 14., 15. und 16. Dezember wird das LehrerbcsvlOungsgcsetz in der giocitcn Kvnrmessionslcsnng beraten und zu Ende geführt werden.
Berühmte Euartette.
Als vor einem Jahrhundert Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert jene herrliche, für alle Zeilen unvergüng- liehe Folge von Kammermusikwerken schrieben, gehörten letztere ihrem Namen entsprechend und unter ihnen in erster Linie Wiederum das S t r e i d^q u a r t e 11 jur echten und rechten Hausmusik. Wo man die Tonkunst liebte, da wurde aud) das Geigen- und Cellospiei gepflegt, und man kam zunächst gar nicht auf den Gedanken, jene Werke im Konzertsaale hören zu wollen.
H a u s l i ck schreibt u. a. in seiner Geschichte des Konzert- wesens in Wien, der wichtigen bcutfdjen Kunststätte damaliger Zett: „Man sand ein Siieidfquartett mit Sidfcrlfc.t in befreundeten Familien und konnte cs leicht im eigenen Hause her- stellen, — nidjiS drängte noch diese j?unftgattuiig in die Defjentlidp leit, weder ein Bedürfnis der Hörer, noch weniger der Spieler. Die Virtuosen ließen sich öifcnUid) zum Quartettspicl nicht herab, die Dilettanten wagten sich damit an die Oessentlich- reit nicht hinauf: das Publikum endlid), an ein bunteres, effektvolleres Kvnzerigenre gewöhnt, empsand lange Zeit nad) öffentlichen Kammermusiken keinerlei Sehnsucht." — Als aber das Klavier mehr und mehr zum Modeinstrument wurde, verdrängte es auch allmählich die bisher im Kreise der Familie so beliebten intimeren Hausinstrumente: Violine und Cello und mit ihnen die Kammermusik. Es war nun nichts naturlid-er, als daß sich die Virtuosen der verivaisten Kunstgattung annahmen und ihr im Konzertsaale eine bleibende Stätte zu bereiten suchten. Die erste Kammermusikvereinigung, welche in dieser Weise wirkte, mar das sogenannte „R a s u m o w s k y Q u a r t e 11", das aus den Herren Schuppanzigh, Sina, Weiß und Linke bestund. Wie sehr Beethoven durch das Quartettspiel gerade dieser Herren inspiriert wurde, ist allgemein bekannt. Während der mehrjährigen Abwesenheit des hervorragenden Schuppanzigh trat ms Pnm- geioer an dessen Stelle Joses Böhm, einer der vorzüglichsten Virtuosen jener Zeit, zugi-nch der unvergeßlia-e Lehrer von em st, Hellmesberger, Grün und Joachim. Am zwcüen Geigenpulte fungierte an Sinas Stelle Karl Holz. — Wahrend man )iaj ein und ein halbes Jahrzehnt hindurch in den Zwnzertsälen der damaligen Muiikzentralc Wien auf dem Gebiete der Kammermusik in angedeuteter Weise betätig.e, lebte das Sireie-- quartett in den üurigen nunststidten Ekmmerlidfc Lage, bis sich endlich in den 30er Jahren die „Gebrüder Muller" aus Braunschweig zu einem neuen Virtuosen- und zwar zu einem .Fieisequartett" zusammenschlossen.
Durch ihr wunderbares Juianrrnen spiel verbreitete sich ihr 3bü io uuch, daß sie sich und der Kammermusik in wenraen Jahren
Auch die vci stärkte Budgelkvmmisfion wird bis kur; vor Weih nachten tagen. Sie will unbedingt die Steuer- und Beamten- besvldungsvvrlagen iwdj vor dem Feste fertigstcllen. — In der fvrtgejetzien Ucncra (Debatte der verstärkten Vudgetkonnnission uiv Abgeordnetenl-aufes über Die Swuergesetzc spmch sich der Oder- laiiDsvistmetster gegen die Verpachtung von siska l- lischen Jagden aus.
Die Gciverbekommissiondes Reichstages hat fid> nach erregter Debatte mit großer Mehrheil dasur ausgespivchen, daß die Beratungen über die GeivcrbeNovelle im Plenum mög- hutft noch vor den Ferien beendet werden. Der Kommisstonsvor- sitzeilde Dr. Mugdan soll dies dem Präsidenten imitcilcn. Bei der nun folgenden Weiterberatung der F-rage des Fortbil- dungsunierrid-ls wurde dr frei;innige Antrag angenommen, wonach dee Schulpflicht auch für Arbeitslose ucft-cljvn bleibt
, Dem R e i d) 5 t a ff e ist ein Antrag der wirtschastlidten Dei> einigung aus Einberufung einer Konserenz zugegangen, die unter- suchen soll, wie eine größere Sidjerbcit der Beamten und Arbeiter im Bergbau herdeigesührl rocxxvu kann, sowie, iveidjc Mittel geeignet sind, dem sozialen Frieden zwischen Arbeitgebern und Arbeiknel/m^rn zii fördern.
Die We i n ko m in r > s io n des Reichstages hak nach eingehender Beratung die ^Kimmung der RcgiiwiingSvvrtage gi-- strichen, tuoiuid) verboten fern soll, bei der Benennung des ge- zuckerten Weines die Weinoergslage anzugcbcn, wenn occ Wein nicht als gezuckert bezeichnet ist Somit ist die Angabe ber LR in- berasläge bei gezuckertem Wein gestattet. Ferner luuibt euii Brstnniuung angenommen, daß der VerLiuftr verpslichiet sei, aU| Bei langen vor dec llcoevgaae Miizuieiwii, ob der Weiii gezudrri wird.
Ueber die Mißhandlung Deutsckier in Prag be* absidstigle der >mtiv>ialliberale Reid-stÄ^S.i.g o.oueie Prrnz isä-o- Rnd)-Carolath zu inierpellirren. Er nuhui Aostaud von diesem Plane, iuutjv.ni von nrehreren Paiicieii errläri iwit>c:t n>ur, daß [rc die iige in Pra^ bei der am Sa.uSiag biginueichen ersten Le-sung deS Emts zur Sprache bringen würden.
Heer und Flotte.
— Rach dem neuen .ji i i i. u i e i a i werden vvm 1. Oktober IVuU ab Das Jnsanterierrgiimiu Ar. lu von touitau nach ■öiljuj, Die Jrigerbalailtoire Ar. 4 und lu von Biilch uatj Raum bürg und Gosnrr, eui Bataillon ixs Infanterieregiments Äc. U6 von Raumburg nach Gera, ein Bataillon des Iufaniericrrgrurems 'Jtr. 16ü vvn Goslar nach Quedlinburg verlegt
)agSvirpacht«»g in fiskalischen Lsrfien.
In den LUicii Wuä>.,i hat sich eine bleä/e udu Bi-ittern der Tagespreise mit der Frage d.r Verpachtung sorstsiskal.stlier Jagden als einer sthr ergiebigen neuen Einnahmequelle cingrlzeiw beschäftigt. Während die mutmaßliche Einnahme sich anfangs in dem noch bescheidenen Rahmen weniger Millionen beoegte, hat neuerdings ein Blatt den zu erwartenden Pachu:r.rag au| Mari 30 060 0UU steigern zu können geglaubt
Demgegenüber dürste cs von J.i.eresse sein, die Jagdpadst einnahmen einiger beul|d)cr Bundesstaaten, die, nad) der Berliner Correspondenz, die Jagden ihkes Staatssorstbefitzes ganz ober leiliveisc durch Verpach.ung nutzen, ^ur Vergleichung l)cranzn- ziehen, um aus dieser Grundlage der Wahrsel)einlichkeit mehr entfpirdÄNde Fvlgcrungen j..r Preußen ziehen zu könneit
Rach der neuesten Statistik waren in ElsachLuhrulgen von dem rund lül ÜOj Hektar uinsassenden S aatsjvrft.nsitz rund 78 UUU Hektar mit einem durcch'chni111chen Jagopachiergcbnis von 1,10 M. pro Heltar ösfenllich verpachtet
Enifprechende Angaben iur das Grvßherzogtum Vaden besagen,^ daß der im Jahre 1903 vorhandene Staalsforstbesitz von 94 486 Hr-kior ffenäiujö meistbietend verpad)tet und daß dabei ein Jagdpachtaufkommen .von 53 217 Mark, alio ‘pro Hektar 0,56 M., zu verzeichnen gewesen war. Seit 1904 hat Laden begonnen, Die aus her Pacht kommenden Jagden wieder in eigene Siegte zu übernehmen, wird aber noch) Jahre gebrauu-en, um Die Wunden zu heilen, die die Jagdverpa.n.uug feinem W-st. stand geschlagen hat.
Don dem StaoiSsorstbesitz Bayerns mit rund 937 000 Hclmr waren nach bei Verhandlungen im anhaitischen Landtag im Jahre 1906 gemachten Angaben die Jagden aus rund 400 000 Hektar verpachtet. Tas Paastergebnis ocrrug in der Pfalz 0,82 M. pro Hektar, östlich; des Siheuts 0,22 M. pro Hektar. Rach der neuesten Statistik hui dch.Jagoberpaastung hier eine Einnahme von 115 03< Mark oder bei 400 000 Hektar pro Hektar 0,29 Mk. ergeben.
Dec preußische Swaissorstbejitz umfaßte im Jahr. 190/ eine Flääie von rund 2 900 000 Hektar. Zieht man in Betracht, daß fdjon das reiche Baden nur ein Jagdpn-!»an^- nrincn von 0,.i>6 M.
pro Hektar erzielen konn.e, so ourriv un WJiuiid auf das ftirte Uebenviegen der Staatssorst.n in den ärmeren ostlidZen Landesteilen fei ost auf ein durtpichnittlic-cs ^agdpachtauflomm-.n von 0,25 M. p.o Hektar kaum gerechnet w.wdcn können und die ange* kündigten 30 Mütionen auf noch nicht eine Million juianiinen* jchrutnpsen. Wie hoch sich das IagdpachtuuiEonimen nach Ablauf Der ersten Paa-iperiode stellen könnte, wenn, wie in Baden, voll- ständig ausgcscliojsene Jagden in bic Hand des Fiskus zurück- gelangen würden, möge vorurteilsloser Beurteilung überlassen bleiben.
21 n» ts-ta&t itiiO (and.
Gietzen, 4. Dezember 1908.
•* Empfangen wurde von Sr. Kgl. Hoh. dem D r o ß h e r z o g am Riittwoch u. a. Bürgermeister Dr. Kayser aus Bad Rauheim.
” OrdenSauSzeichnungen. Se. König!. Hoh. der Aroßherzog hoben verliehen: das Nillerkreuz 1. Klasse des Beidicnstordeiis Philipps des Großinüngen bem Hariplniann und Bütleiikchef Fieiherr von dein BuSsche-Lohe; baS Rilleikrenz 2. Klaffe desselben OcbenS dein Leulitant v. Reben; das Llllgenieine Ehrenzeichen mit ber Jnschost ,Für Ber- oienüc" Dem Wachtmeister Heise und bem Bizewachlinelsler Böller; sämtlich un Großh. ArtillerlekorpS, I. Grotzh. Hess, Felb-ArtiUerie-Regunent 9ir. 26.
Litte an die Hausbesitzer!
Das Aiitderschutzgesctz üerbicld die ^)eschäfttgnng bar Amber, (oöay die ^eUui gsträgennncn die Hilfe ihrer limbar bei der «Zustellung entbehren müssen. Dadurch wird diesen grauen die pünktliche Zustellung der Zeitungen sehr erschwert und sie vereinigen sich nnl uns in der Litte an die Hausbesitzer, au Ihr eil Gebüuiichleitcs
Vrieflüften
für die verschiedenen Zloekwerke anbringen zu lasten.
Das wurde nicht nur den Z.itungslrägeriimen die Zustellung erleichtern, sondern es würde auch den poflbeamten, Ausläufern ufw. zugute kommen.
Jn einer großen Aeihe anderer Städte sind derartige Briefkasten fchon lange Z it angebracht unb haben sich nach jeder Richtung bewährt, da dadurch auch eine Schonung der Hauser und der Treppenaufgänge herbeigcsührt wurde. Wir zweifeln daher nicht, daß auch hier diese praktische tin< richtung Eingang finden wird. Oie LNieler haben ebenfalls ein großes jnkicffe an der Anbringung der Briefkästen und dürften gewiß gerne einen Teil der Höften übernehmen.
Verlag des Eietzener Anzeigers.
♦* Großherzogs Geburtstag in Berlin. Der Verein ehemaliger Kaineraden der Grvßh. 5^efsischen (25.) Division ’u Berlin feierte den Geburtstag des Grvßherzogs, seines Prvtettvrs, in den Festsäleu der Reuen Philyaniivnie und beging gleichzeitig die Feier des 10. S t i f t u n g s - f e sl e s. Die zahlreiche F-estversammlung ergab den Beweis, wie gern man der Einlaoung zum „Hessensesf gefolgt mar unb in wie hohem Ansehen der Verein in der Hauptstabt steht. Unter den Erschienenen d-sanden sich der größte Teil Oer nach Berlin und den umliege.ioen Garnisonen zurzeit tünunaabierten Offiziere, Ossiziere des Beurlanbtenstanoes der Hess. Dvision, hohe Reichs- unb Militärbeamle, die Vorsitzenden des Berliner Kriegervereinsmejens ufw. — Rach Absolvierung eines Musikpronramms wurde das Fest-« Programm burd) einen Prolog, gesichtet von bem Vereins- kameraben Polizeihauptmann v. E a r n a p und vorgetragen
Die Musikalität We.t etouetitn, zug.em- auei aucy anbcivn Virtuosen zu ähnlichen Unternel-mungcn Anlaß gaben. Sv entstand das Rcisequartett der Brüder Morali aus München, das Jansaquartett in Wien (mit Lcidhacker uni> Dem alten Holz unb Linke), sowie das H e 11 rn e s ü e r g e r q u a r t € 11, in lucidum der Bestand fortivährend wechselte, bis die bekannten irüiifller Brodsky, Bachrich unb D. Popper in dasselbe cutt raten. Sv vorzüglid) aber auch alle diese Quartette waren, so erreichte doch keines von ihnen den Rus des alten Müller- quartettcS, beiien Etangtw'.lcr Ramc auch dein Quartett der jüngerenGebrüder Müllev (den 4 Söhnen Karl Müllers- die Wege ebnete. Da erfdyien 1868 ein neues Gestern am musikalischen Himmel: das „Florentiner Quartett" Der Herren Vecler, Masi, E h i o st r i unD Hilpert. Der Eindruck des Zusammenspieles derselben war so gewaltig, daß das Publikum damals vvn weit her zusammenströmte, wo sich das Beckerquartetl hören ließ. Tie MunftJerul>te über ihr Spiel gipfeln in folgenden Sätzen: „Wie für ihre Tonoildung das erste Prinzip Schönheit ist, sv für ihren Vvrtrllg Klarheit. Beel ho- vens letzte Quartette sind uns nicma.s so durchsichtig und verständlich entgegengetreten wie in der Becierscheu Ausführung. Tas vcrwirrenDe Gesiecht dieser Polyphvnie, das unbequeme Dunkel dieser ost lavyrinihiid-en Periodisierung und Rhythmik, hier er- ideinen sie wie von mildem Svnncn^cht burchienchiel." Jean Becker wußte sein Quartett auch bann auf gleicher Höhe zu erhalten, als er nur noch mit seiner Familie reifte, dessen bcruhm- icstes Milglieb, Prof. Hugo Becker^ nunmehr eine Hauptstütze des Marteau-Quartett es i|t Erst seit den Reisen des Florcniiner Quartettes gelangte ui den größeren Stäbien die Quartettmufik zur vollen Blüte. Es seien von den verdienstvollsten Kaimnerinusik-Bereinigungen ber letzten Jahrzehnte nur noch das Joachim-, das Heamann- und des Si o । e - Q u a r • t e 11 genannt. Die Virtuosen-^..^mölcs unserer modernen Seit st. hen ui Bezug auf Zulaimnenspiel und technische Le.stungs- lähigkeit aus einer Höhe der Vollendung, daß es uns Mvcr wäre, einem ober dem anderen den Vorzug zu gcoen. Weil üoer diese alle jedoch ragt augcnolidlid) in kunst!.cr.f^er Veziehung das wunderbare Streichquartett: to o j j m a n n , S u k, Herold und W i ha n hervor, uns unprünglüh unter Mitwirkung von R e d b a 1 unb Berger als „Böhmisches Streichquartett" ins Leven tun. Wo aua, immer die Böhmen" eriUA'.iic» mögen, da )£i)iagcii |ie den Juharer Durch ine Genialität ihrer Aujsasiung und das herzhaft Miireißende ihrer Ausführung m Bann, ullcs strömi bei ihrem Spiel ivarmulütig unv traft voll dahin, ohne ic tue Grenzlinie mafibaliicher Schönheit zu üuerschreüen. Sie yaben das Euftvare Erve der „Florentiner" aiigetreien: oernuge chccs aaiu eüiiiaen Zusammciuvirkens auch das tunjtwliiu
Stimmgeweve jur jeven ^urer [v vcriuuiDiia) zu machen, daß auch der bviu ^eaumrermujikstil F-crnstchenbc Stunden reimte» Genujfes Durchlebt und als ncugenwrbcncr Z-veund dieser Kunstgattung gern dem Rufe folgt, wenn es wieder heißt:
^Die Böhme n kommen." Tr.
— Eine ,/Ceylon über beutfd>e Sprache". In Rußland erscheint eine Zeitschrift zum Selbstunterricht in fremden Spraclien. Herausgeber ist ein Herr Gurjanow in Moskau. In der Vorrede wind angekündigt. Die Zeitschrift wolle „eine Brücke vauen zwiseifen Licht und Finsternis, zwisd-en Unwissenheit und Wisscnsd-qjt". Proben der darin verzapften lichtvollen Wisien- idjßft gmi Herr A. Petww in Wolinar in einer an die „Rig. Rundsd-iu" gcrichtclen Zujcl-rift, indem er aus der „Lektion über deutsche Sprache" einige >^ä.tze heroorhebt, von denen der Vcr- fasfer des Lehrbnd-es wünscht, daß sie aus bem Deutschen ins Russische übertragen werden. Sie lauten: „Der Arm ist rein, oie Aerme sind rein. — Mr suchen Würmer, ihr lehrt, sie achten Lehrer. — Ein unb ein macht zwei. — Ich werde em Fräulein uegegnen. — Ihr wcrOct dieses Uhr bezahlen. — Mein A)unD hing dort. — Ich erschrak dich. — Das Tier galt zehn Rubel. — Mas isst ec lieber, als der Käse? — Rarowa quellt vvn Peipus. — Mr mussten hier sonst, aber etzi wir sollen gehen fort; künftig wir denken zurückLummen. — Schämtest du vich deinen Fehler? — Wo ist die Säfwalbe fortgeslogcn hin'? — Er hat ihr ein Rubel gehegt. — Er hat meine Weste ousiges-ctzt. — Beweist die Hilfe gen Holländer. — VecmiUest des Sd-reibeu versahen d.e Leute die Meinung der anderer. — Starkes >sd)nce- gvltouer find idjpn an. — Des stacken nördlid>en Waides nx-gert ulieb das Scl/ifs um das User. Ihrer Meter nach ist daS Saziff schon angclbnunen. — Dieser gütige Deutsche wird von der Wespe gi)ü>d)ciL — Auf einer Wüste reissend, bctragtcte uh die arme 'Diatur. — Sein kindliche Betragen icbccmann ucleibigt. — Diese Mtwe ging ins Kloster weg. — Die 9iose l>ai die Dorne. — Deine Ikennuiifjcn ist wenig." — Wahrlich, deine Kenniiiissen .st wenig, du jii)uni|t dich nicht deinen Feh.cr, und jeder gütige Deutsch:, Der das lieft; jnh.l ,ich von Der Mspe gestochen!
— Ä leine E h r o i! , k au n f ch a s t.
„Tie -l c u i e l § f i r d) e" von Adolf Paul ist von ber Polizei- beyvide ui v a in b u r g unterjagt worben. Jn Berlin Hai Die KomöDie leine Beanstandung durch die Zpnsur er'ahren. — Tas Disijerige Gältn e r theater in d)l ü n d) e n wirb bis Frühjahr 1919 ais Lpernhäus umgebaut, um als ziveue Sper Münchens Die cpietoper zu pflegen. — Generatdiicttor Werner des Groß h. Honheaicrs in Ta cm stabt beabfidjtigi von feinem Amts zurück- iuueteiu


