Ausgabe 
6.7.1908 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

bau Verkehrshindernis der ober hessischen Linien eine immer bring» Licherc Forderung.

Im erster Linie hat meines Erachtens die preußisch - Hess. Eisenbahngcmeinschan das größte Interesse daran, den Haupt- Fnotenpunkt Gießen, der auch strategisch von größter Wichtigkeit ist, lebenssähig und cnu icklunqsmöanch zu erhalten und die Aen- derung der jetzigen Zustände ist nicht der einseitige unb ausschließ­liche Wunsch der Stabt Gießen.

Leiber ist das Reich im Vcrk.hrsivcscn noch vielfach vom Partikularismus in der gesunden Weiterentwickelung gehemmt. Man Hal iwch nicht überall erkannt, daß Grenzw'ähle den Ver­kehr nicht hindern dürfen, daß, wenn irgend etwas internationale Bedeutung hat, das Verkehrswesen sie hat.

Tabei muß bei aller Betonung berechtigter lokaler Wünsche die Vcrkehrspolitik über kleinliche Bezirlsintcrcsfcnvcrtrctung hin­aus weitsichtig und großzügig sich nur von den allgemeinen In­teressen bes großen Verkehrs leiten lassen.

Tic Aenderung der Gießener Eisenbahnanlagen könnte radikal durch eine Verichiebung über die Lahn erfolgen, ein Riesenprojekt, das vielen sympathisch ist, aber zurücktreten muß, so lange man unter Belassung der Hauptanlagcn mit geringeren Mitteln, aber unter Vermeidung von Flickarbeit eine gründliche Besserung der jetzigen Verhälttussc erreichen kann.

Als ein Hauptmittcl hierzu und zugleich als dringendste Auf­gabe ist die Umlegung der beiden o b er he ssi s che n Linien zu nennen. Prinzipiell ist hierbei zu fordern: Frei- laiscn der Hauptstrecke ÄasselFrankfurt von lveiterer Belastung, also eigne Gleise, ferner: Vermeidung des gefährlichcit Einschnitts (schlüpfriger Ton, in der Lindener Mark, mit der Umlegung sofort Tovpclgeleise, Frcilassen des Geländes zwischen Wieseck und Gießen und zwischen Klein-Linden und Gießen als Bau­gelände.

Tic natürlichst: Einführung der Fuldaer Strecke scheint die von Norden ber, der Gcjnhäu,er, die von Süden her zu fein, erstere von Großcn-Buseck an Trohe vorbei, hinter Wieseck her, zwischen Iol-annes- und Wellcrsburg unter der Staatsstraße durch­stoßend und hinter dem Friedhof am Rodtberg am Nordende des Einschnitts auf den Hauptbahndamm einmündend.

Als Vorteil bietet diese Umlegung: gemeinsamen Bahnhof für Allen-Bnseck, Trohe und Rödgen, Bahnhof für Wieseck, Ver­wirklichung der Hallcstcllc von Gießen-Noro Schwarzlach, später nördlich bis zum Schnittpunkt als Güter und Rangicrbahuhof Gießcn-Nord vorgeschoben, Ersparung von Wörtern, Straßcnübcr- gängen, Vermeidung des Militörschießplatzes: als Nachteil darf nicht verschwiegen werden: kostspielige Verbreiterung des Nord- dammes, Belastung ber Main - Weser - Seite des Bahnhofs. Einschaltcn möchte ich, daß im Interesse des Turchgangsverkehrs von West- nach Mitteldeutschland der doppelgeleisige Ausbau für Gießen bis Alsfeld und von da die neue Strecke Nieder-Aula bis Hersfcld (Bebra \> vorzuseben wäre. Ein Blick aus eine gute Eisenbahnkartc wird mir Recht geben. Tie Strecke Alsfeld bis Fulda bat nur alsPendKstreckc" Berechtigung und kommt dann mit einfachem Geleise aus.

Schwieriger als die Nordeinsührnng gestaltet sich die Um­legung der Gelnhöuser Linie. Sic ist nur auszuführcn als große Umgehungsbahn mit Vermeidung des Waldes und der Haupt- strecke Gießen - F-ranksurt a. M. Folgende Lösung scheint mir die natürliche und der künftigen Entwickelung entsprechend zu sein: Neben der Koblenz Kölner Strecte bis Stellwerk XIII. (wo die neue Straße des sog. Bcrnhardthöuser-Viertcls entst.ht), bann um Klein-Linden herum, zwisck-en dem Haasschcn Kalkwerk und dein Wald durch den hohen Tamm der Hauptstrecke mit Richtung aus Leihgestern durckfgcstoßcn, mit möglichst nahem An­schluß von Leihgestern und Watzenborn-Steinberg auf die ncu- projekiicrte Haltestelle Garbenteich zu.

Ter Nachteil des großen Bogens, ber sich übrigens bei allen Umführungsbahnen bei Vcrkchrszentren findet, wird ausgeglichen burd) den Anschluß von 5 bis 6001) Einwohnern (Klein-Linden, Leihgestern, Watzenborn-Steinberg , durch die Möglichkeit, die K'leebachtalbahn an Klein-Linden mit 5 Kilometer Ersparnis an zu hängen, ebenso das Projekt Grüningcn nsw. an Watzenborn-Stein­berg leichter anzuschließen, und durch die namhaften Zuschüsse, die diese t'Kmeiitden sich r leisten würden zur rascheren Verwirk­lichung dieser Bahnverlegung.

Tic Strecke von Garventeich bis zum Heyligcnstaebtschcn An- fchlußgeleise müßte als Stichbahn (Fabrik-, Industrie- und Wald­bahn ohne Wär.er nsw.) bestehen bleiben.

Hält man die Schwierigkeiten der AlsfeldFuldaer-Nord' 'Umführung für zu groß und anderfeits den Nachteil größerer Bogcnfül ruiig nicht für so schwcnvicgend, darin läge eS nahe, die Fuldaer Linie zusammen mit der Gelnhäuser Linie bis etlva Hausen südlich, mic vorhin beschrieben, auf gemeinsamem Dopf^l- gelcise herumzusühren und die Fuldaer Strecke etwa bei Hausen llbzuzweiche» und über Steinbach, Albach und Zwischen Opp. nrod u. B trrkl-ardsfeld. it bis etwa mitten zwischen Reiskirchen und Großcn- Buseck wieder in das alte Geleise cinzusührcn.

AlS Nachieilc mürben sich ergeben, daß der Bahnhof Gießen Nord daun sehr fraglich würde und für Großcn-Bufeck eine Stich­bahn für Güterverkehr bleiben müßte.

Als Ergänzung wäre eine elektrische Bahn GießenWieseck Alten Buseck (Trohe) bis Großeu Buseck zu denken. Ms Vor- teile der Toppelsübumsültrung kämen in Betracht: Tic Main- Weser Seile des Bahnhofs Gießen bleibt entlastet, die Einteilung des Bahnhofs könnte bleiben, ba alles andere auf der obcrhcss. Seite sich abspielt, wo nur die Geleise KölnKoblenz mit Geln­hausen, Fulda vertauscht zu werben brauchten. Man könnte auch hier die Kleebachtalbahn auf dem fünften Geleise einlausen lassen (also auf dem mittleren zwischen beit beiden anderen Paaren». Die kostspielige Veroreiterung des "Norbdammes mürbe vermied 'n, bis Haujeu über (öaibcitteich ein Doppelgelcisc gespart (etwa iA biS Wetzlar die Kölner und Koblenzer Steeden gemeinsam sind, und durch beit Anschluß der großen Orte Steuibach, Albach, Oppenrod und Burkhardssclden würde ein Teil des Projektes Gießen Van bad) verwirklicht (ber Rest des Projekts hat seit Grün- berg Lich starke Einbuße erlitten . Tie technischen Schwierig­keiten sind gering und die finanzielle Unterstützung der interessierten Gemciitdeit iväre gesid-ert, Gießen mürbe mit feinen "Aachbar- vrtsd,-asten im Süben in regen Verkeil, kommen und im Norden würde die elektrische Bahn das Gegenstück sein, der Lahnkanal mit Endhafen würde erhöhte Bedeutung erhalten bei direktem Anschluß an die Haupt und Umstchrungslinien. Ter Schwer­punkt des ganzen Güterverkehrs (zu Wasjer und zu Land» würde sich »ad) Klein Linden verschieben.

Tie Kostensrage ist schwierig. In erster Linie ist eS Auf­gabe des Staates, die Opfer zu bringen. Tic Stadt Gießen müßte für das sreiwerdcnde Baiigcländ. den Gegenwert zusteuern, aud) für die ideellen Vorteile einen Beitrag leisten die im Wert erhöhten Aulicgensgrundstückc ivürben später in F-orm derW.rl- auwad.sstcuer der Stab, einen Ersatz bringeni, die beteiligten Gemeinden müßten außer freier Gcländest'cllung ihr Interesse burd) namhafte llntcrftucnugeu zur Verwirklichung biejer Pro­jekte beweisen.

Ter Lahnkanal ist allen Anzeichen nach voraussichtlich mit der Ausführung des Moselkanals zu erwarten. Ten be­teiligten Regierungen liegen Projekte vor. Für Gießen ist der Endpunkt beö Kanals mit Hafenanlagcn von besonderem Wert. Als natürlidjcr Hasen kommt das Terrain in Betracht, bei dem daS Niveau der Bahnanlagen und der Wasserspiegel die ge­ringste Tiiürcnj zeigi, also die Gegend des sog.Heßler". Weil die Interessen von Klcin-Linben mit denen Gießens identisch sind, muß Klein Linden cingcmcinbct werden. Tann werden erst die zum Teil herüber- nnd binübcrfallmbcn Ländereien, die an fid) ziemlich wertlos sind, int Inter.«se ein s wirklichen End- hasenS voll ausgenutzt werden. Tic Verlegung bes Giuerbahn- IwfS nach Klein Lindener Feld, desgleichen d.r Betriebswerkst.ittcn, des Gasicrks mii Anschluß von Alein-Linden und eventuell Leuchell-eim uird die natürlidic Folge sein. Das Gelände der Margareleul,ütlc muß für die Erweiterung der Bahnanlagen frei bleiben, deshalb bar. dorthin daS Gaswerk nicht verlegt iverden

Klein-Linden als Klein Gießen 3üb ist bic mit Bestimmt, heil vorauSzusagendc, natürlid;c Etttwickclung.

Erwähnt sei nebenbei, daß man viel energischer den Bau einer norntalspurigen B o b n i n s K l e e b a ch t a l biS Brand- vderndorf betreiben sollte, ebenso den AuSdau der Bieder­

t alb ahn zur Vollbahn mit Durchführung bis Bischoffen (an der Strecke HerbornNieder-Walgern) und mit Einführung in den Gießener Bahnhof (entweder mit, Steigung von der Lobnbrücke aus, am Bahndamm allmählich hinaufsübrmd, oder von Heuchel­heim südlich abbiegend und über Klein-Lrnben in den Gießener Bahnhof einlaufend. Auch für das Projekt Mucke Ulrich­stein, sowie für die Durchführung der Rabenauzüge bis in den Gießener Bahnhof müßte man mehr Interesse zeigen. Ueber- haupt ist, wenn irgend möglich, anzustreben, daß auch die Neben­bahnen in den Gießener Bahnhof einmünden.

In der Stabt selbst bilbet bie von der Stadtverordnetenver­sammlung beschlossene elektrische Straßenbahn für die lokalen V.rkckrsbebürsnisse bie nötige Ergänzung. Die elektrische Bahn mit 2 Linien wirb erst nach Anschluß bcc Vororte Wieseck unb Klein Linden, also für letzteres erst nach ber Umlegung ber oberh-efsischen Linien ihren Zweck erfüllen. Die von Tr. E Reuning angeregte Einschiebung bes Bogens: Bank sür Handel unb Industrie und Theatcr-Rück'cite, Iohannesstraße (Bezirks- fparkassc, Schwesternstist, Gymnasium, Mitteldeutsche Er.bitbank, Iol-anneskirche, Goethestrase bis Universität, Ludwigstraße (Lber- Realschule und Realgymnasium) bis Ludwigsplatz in die Linie Bahnhof'Licher. Straue (statt des teeren Stückes am Theater vorbei, Gartenstraße bis Ludwigsplatz halte ich für eine sehr glückliche Idee und eine Versöhnung mit der Svrnrnerschen Linien­führung. Ter Umweg macht bei 20 Kilometer Fahrtgeschwindigkeit etwa 2 Minuten aus, bic Verbindung der Universität mit den Kliniken wäre allerdings auf dem Umwege über den Markt­platz mit Umsteigen in die Selters.veg- später: Klein-Lindener Fortsetzung Linie dann nad) Umlegung ber oberhessischen Linien, oder vorher bei einer PenbKstreckc BahnübergangKlein-Linden gegeben.

Als Prinzip für den Betrieb selbst muß reichliche Fahr- gclcgcnh.it, DcrkchrSerleichlcrung und Betrübs insachheit gefor- bert merben. Man glaubt, ohne bei'onbcrc Schassncr auskommen zu könnei:: Zahlung erfolgt an den Wagen!enker ohne Ausweis. Es toärc vielleicht praktisch, für Passagiere, bic urnfteigen wollen, im Wagen einen Automat anzubr ngen, in bem sie UmfHgefarten lösen, bic bann dem Wagenlenker hc5 zweiten Wagens (wie bic 10 Pfg. bet übrigen Passagiere, einfach ausgehäubigt, bczw. von diesem in eine verschlossene Kassette zu den Barocträgen getan merben. Tics unb die Selbstkontrolle des Publikums wird die Anstellung besonderer Schaffner überflüssig machen.

Man soll in Gießen einen allgemeinen, großen unb groß­zügigen, wenn ick) so sagen bar".Verkehrs"- Bauplan schaffen, bei beut bie Einzelheiten fo angesetzt werben, baß sie wenn aud) nad) und nach ausgesührt sich in bas Ganze im Sinn einer gesunden Weiterentwickelung einstigen. ,

vom Grasen Zeppelin.

In der Ersten württemb. Kammer wurde am Samstag m einem feictlichen Akte eine Ehrung des Grafen Zeppelin beschlossen. Nach Neben des Präsidenten Grafen NeichSberg und des Ministerpräsidenten Dr. Weizsäcker würbe e in ft i in m i g beschlossen, folgendes Telegramm an den Grafen abzusenden:

Eurer Exzellenz beehre ich mich im Auftrage der Ersten Kammer die aufrichtigsten und herzlichsten Glückwünsche -u dem großartigen Erfolge ausziisprcchcn, den Eure Exzellenz durch Ihre unermüdliche und bewimbernsiDÜvbigc Tätigkeit errungen haben. Ihnen ist cs zn verdanken, daß das Problem der Lenkbarkeit ber Luftschiffe g e 13 ft ist, was Ihnen selbst, wie dem ganzen deutschen Reiche und besonders bem fchwcibilchen Lande zur großen Ehre gereicht. Graf Reichsberg.

Außerdem wurde der Präsident beauftragt, dem Grafen Zeppelin am 8. Juli zu seinem 70. Geburtstage die Glückwünsche des HauseS darzubringcn.

Auf das Glückivunsch-Tclegramm deS Kaisers an den Grafen, worin eS heißt, daß er dem genialen Erfinder nach wie vor die Stange halte, hat dieser wie folgt geantwortet: Euer Alajcslät danke ich aücnmtcrtäniflft ans tiefbewegtem Herzen Uir den allergnädigsten Gruß. Tat'Dextranen Ew. Majestät wird den Vorteil für Deutschland zu Tage fördern, der indem, ivas ich schaffen burite, liegt. Gras Zeppelin.

In der württemb. Abgeordnetenkammer teilte Präsident v. Payer mit, daß ein Telegramm des Grafen Zeppelin ein- gelaufen sei des Inhalts:

Tie Anerkennung der Zweiten Kammer erfüllt mich mit ganz besonderem Stolz und Tank.

Ter in Friebrichshaven weilende Vertreter des preuß. Kriegsministert ums habe eine bcvorstch.tlb." bedeuten de Erweiterung des bisherigen Ln ftschi f f er- korps der denlschen Armee angekündigt.

Der Lnlenburg-Prozetz.

Hd. Berlin, 4. Juli.

VI.

Im Euleuburg-Prozeß wurde Justizrat B c r n st e i n heute vernommen. Er bekundet, der Mitchhandler Riedel sei aus freiem Antrieb mehrfach zu ihm gekommen. Er habe Riedel eindringlich ermahnt, iheng bei dec Wahrheit zu bleiben und ihm nur das zu sagen, was er genau wisse, und ja nichts ihm Erzähltes mit selbst Erlebtem zu vciivcchjeln. Riedel habe ihn zunächst nö­l'ragt, ob er strafrechtlich verfolgt werden könne. Er habe Riedel bebentet, daß alles, was er mit bem Fürsten unternommen habe, verjährt fei. Riedel habe ihm dann ausführlich mitßctcilt, was er nut dem Fürsten unternommen habe. Ter Fürst habe ihm nach und nach 1 ;>00 Mk. gegeben. Er, Riedel, sei damals in München Soldat gewesen und habe ivährend dieser Zeit viel Geld ge­braucht.

Ter Verteidiger, Justizrat Wronker, fragt Bernstein, ob er Artikel für dieÄlüuch. N. Nachi." geschrieben habe. Ter Zeuge verweigert hierüber die A n t w o r t. Ter Vorsitzende be­merkt, daß der Gericknshof eventuell werde beraten müssen, ob er das Zeugntszwangsversahren gegen B e r n st c i u amvenöcn müsse. Justizrat Wronkcr zog schlteßlick) feinen An- trag mit dem Bemerken zurück, daß er aus kollegialen Gründen auf die Beantwortung verzichte.

Der jetzige Bergmann, frühere Cbcrmatrofc Tro ft als Zeuge auigcrii'en, bekundet: Ei war 1898 Stewart auf der faifeil. v)art)t .Hohenzollern" unb Hal mit dem Kaiser und dem Fürsten Euleii- lurg eine ^lordlandsreife imtgenmdit. Bei dieser (Gelegenheit soll der Aiigeklagte dem Zeugen u u j i 111 i ch e Aut r ä g e gemocht haben. Fürst Eulenburg beteuert, daß er den Zeugen überhaupt nicht kenne. Es muffe eine Personen-Verwechs- lung vorliegen. Tro ft hält Demgegenüber an feinen Aus- jagen fest.

Alsdann wird der Sozius des Justizrats Tr. yeruftein, Rechts- amvalt Dr. Prager verhört. Er bestätigt im Wesentlichen bic Bekundungen Bernsteins bezüglich ber Erzählung des Riedel. Tie Verhandlung wurde gegen 3'/. Uhr auf Montag vertagt.

Ta-3 Befinden bcs Fürsten Eulenburg l>at sich bisher nidjt gcbejscrt. Es k urbe bcslxtlb davon Abstand genommen, die »?ins- laLri ui dem Kranken-Automobil am gestrigen Sonntag zu unter­nehmen. Tic Beweisaufnahme ist soweit vorgcsdutttten, daß heute wahrfdieinlich die Haupxbclastungszcugeu Ernst unb Riedel ver­nommen werben können.

TieNorrdd. Allg. Ztg." schreibt offiziös: In der Presse ist kürzlich die Behauptung alifgeta»,cht, der S p i v i 11 s m u s des Fürsten E u l e n b u r g habe höchst schädlich auf die Umgebung des Kaisers gewirkt. Se. Majestät seist habe epirinftifd)en Sitzungen beigewohnt unb lange Zeit in seiner Uhr cm Stück Zeug getragen, das angeblich bei einer Geislererscheinung zurückgeblieben iväre. Wir find ermächtigt, diese Angaben als' glatt erfunden Alt bezeichnen. 0

Arbeiterbewegung,

Budapest, 4. Juli Zwischen b?r a -5 und den streikenden Gasarbeitern find U* gepflogen worden, bic rciultatlos verlaufen sind, obr kenden auf die 5vrDeran;, daß die entlaßenen 27 _ eingestellt würden, verzichte;.n. Tic Gasgescllfcbaft lieh, nur 600 ber Sirctfenbcn roieber annchmen z bie übrigen Stellen bereits anderweitig besetzt seiet- Paris, 5. Juli. Heute vormittag sand hier Vauxhall eine von 8000 Erdarbeitern besucht. Jung statt. Tie anwesenden Vertreter der Svndika! arbciicr und Elektriker erklärten 'ich bereit. Den Ge; stand anzuorbnen, falls bic Unternehmer bie Erdart sperren sollten.

Goeteborg, 4. Juli. In Lvsekil kam es zu StTciftunbgcbungcn. Ungt :r 600 Mann ha., in ber vergangenen Nack, eine drohende Haltung angei Der Zuzug ?:i den Sd en ist versperrt. Tic Poliezi: wurden von den Bergen herab ununterbrachen mit Steil warfen. Heu.e riih kam das KanonenbootShaeggalb" an um» landete einen Lffizier und acht Mann. Ter Sifijtrr ferberte bie Menge roieber bojt zum Auseinander gehen auf. Als bie Auf forbmmq Gelachter bcaiitinortti würbe, feuerten bie Sol­daten blinde Sd üife, woraus sich bic Demonstranten in die Berge soll r - m Holzvfropfen einer Platz Patrone gelrvssen und verwundet worden sein. Tas Kanonen boot feuerte ebenfalls,-doch waren bic Schüsse nur aus bic Über fläche bcs Wassers gerichtet.

" Konkurse in Hessen, lieber daS Vermögen des Fuhrmamis unb Laiidwiris Kinton Qaiierl in Ockenheim wurde am 17. Juni daS KankiirSveria ren gehilfe Wendel Funk in Bingen wurde zmu Koiilur---vcifi?allcr cv naunt. Koiiklirsfordcrungeu find bis zum 9. Juli bei dem Amts­gericht Bingen anzumelden. lieber das Vermögen dcS Buch­binders Philipp G c v b r ach t in Wörrstadt wurde am 22. Inui das Konkursverfahren eröffnet. Rechtsprakukant Landau tu Wörr­stadt ivurbc jutn Konkursverwalter ernannt. KonkuiSfordcruugcu sind bis zum 8. Juli bei Dem Amtsgericht Wömtadt anzuineideu. lieber das Bermögei, des Bäckermeisters Adam I c d c l in ©au Dem beim wurde am 24. Juni das Koiikursvcrfahrcii er* öffnet. Kaufmami Julius Bauer in BciiSheim wurde zuiii Kou- kilisvcrwalter ernannt. KonkurSfoiderniigcu sind bis zum 11. Juli bei dem Amtsgericht Bensheim anzumelden. lieber das Ver­mögen des BäckeittneifterS Ludwig Balser m Friedberg ist am 1. Juli das KouknrSversahrcu eröffnet. Rcchlsamvalt Keller in Friedberg wurde zum Konkiirsveiwaltcr ernannt. Konkurs- fprbcnmnen sind bis zum 27. Juli bei dem Amtsgericht Friedberg anjumclöcn.

Lingefanor.

Für Form und Inhalt eilet ... . i .. Rubrik liebe üben Artikel

i:bcrn. :::! die Redaktion dem Pnb'.ikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Lollar, 3. Ilili. In letzter Zeit ist cs mehrfach vorgekommeii, daß unsere W a s s e vl c i tu n g plötzlich versagt. Tadiuch entftebt natürlich icdcsmal große Bcrwiirmig, uunat bei der jetzigen Hitze anbauernD Wasser gebrau Ist wirb. Es vt uns nicht bcfnunl, ob das Wasser abqcücllt wird oder ob keins vorhandcn. Ist ersteres der Fall, dann »väre cs doch Psiidit des Waffcrmeislers, dies bei Bürgermeisterei auzuzcigen, damit c5 den Einwohnern bekannt ge­geben würde.

Eine Reinigung des Reservoirs müßte aud) wohl in einer Zeit hattfinben, wo man kein Wasser benötigt, entweder vor sechs Uhr morgens ober nach acht Uhr abends.

Für Politik in Vertretung verantwortlich: P. Witt ko.

Meteorologische Beod tchtniigeu

der Station (dienen.

Juli

1908

~Saronictci aui 0° reduziert

Temperatur der Lust

Absolute Fcuchtigkc.i

Relative FcuchNgkcii

cs j i

, Windstärke

Wetter

6. 2

747.3

20,2

10.2

57

w

4

Bew. Himmel

5. ! 9»

747,9

16,6

10,6

<o

w

2

6. 7

748,1

13,5

9,5

83

NW

2

Souucufcheiu

Höch

le Tem

peraltir

am

1. bis

5. Jul

4

20,5 0 C.

Niedrigste

4. ,

5. *

= 4- 13,4 L C.

Telefonische Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitgeteilt vou der Bank für Handel und Industrie, fliessen, Frnnkharter Itörwe, 6. Juli. 1.15 Uhr.

3j$e/e Reichsanleihe . . 91.35 3% do. . . 82.60 3$,% Konsols .... 91.28 3% do.....82.65

3 ><j °/0 Hessen.....90.60

OberheMsen . . . 89.40 4 Ucsterr Goldreute . 98 50

4* 6 Ucsterr. .silberrcnte H9.90 4% Ungar Goldrente . . 93.45 4"o Italien. Heute . . . 3,% Portugiesen Serie I 62.60 3?6 Portugiesen 111 63 CO

A'/au 0 rass.Staatsaul. 190.» 95 90 41i' 0 ,apan. btantdunleihc 89.35 1 :o Uouv. Türken von 1903 95.50 Tdrkenluso...... 147 40

Griech. Monopol-Aul. . 51.00 4So äussere Argentinier . 86.80 u°/e Mexikaner . . . 65.90 4/s*7a Chinesen .... 96.60

Aktien:

Lochum Gass..... 208 10

Butlern# L. W.....109.90

Tendenz: fester.

Elektriz. Lalunejer . . . 115.00 Elcktriz. 8chnckert . . . 103.60 Eschwciler Bergwerk . . 192.0) Gelsenkirchen Bergwerk . 185 80 Hamburg- Amerik Paket.. 106.10 Harpcncr Bergwerk. . . 196.25 Lanrahütte .....201.00

dordd. Llojd . ... 90.70

Übeischics. Eiscn-Indnstrie 96 25 Berliner tlandeisges. . . 159.20 Darmstädter Bank . . . 122.9u Deutsche Bank .... 229 70 Deutsch-Asiat Bank . . 132.00 Diskonto-Koinmaudit . . 171.00 Dresdner Bank . . . . 136.10 Kreditaktien.....191.75

Baltimore- und Ohio-

Eiseulabn.....85.40

Gotthard bahn.....

Lombard. Eisenbahn . . 22 ÖU

Ucsterr. Maatsoaun . . . 149 60

Priuce-licun-hieenbahu . 120.00

Berliner Börse, 6 Juli. Anfangskurie.

Canaaa E B. . . .

Darmstadter Bank . . Dciitscüe Bank . . . Dortmunder-Union C. . Dresdner Bank . . .

*1 endenz still.

. 156 80 llarpener Bergwerk.

LauraUUtte . . .

. 229.00 i.ombarden E. B.

.. .\ordd. Lloyd . . .

1 urkenlose . . .

201.20

22 öo

90 JO

147.10

In aufopfernder Liebe nntcrlaffen junge lihittcr zur Sommers zeit Die ihnen io nötige Erholungsreise, weil sie einen Milchwechiel fürchten. Hier hilft Restles Mindermehl ans jeder Verlegenheit, da es mit Waner actodu ollcroito eine gleichmäßige, teimsreie, krai ngendc uub fein leicht verdauliche yinbrunn ergibt, welche die gesahilichen BrechbnrchmUe unb Diarrhöe aiicidilicut.

Wir htiö ' Automobilfahrer, Wabinbrer u. X ouniten- t i i u 111yind) Den großen Cualcn vou Staub unb Hitze ivitlt ein crfiiitbeiibeo Bab, unter Buhüiienabmc bei rür bic Reinigung ber Haut unb Oesfiiung bei 'Boten vieltauienbfndj ärztlich emp­fohlenen MyrrtzoNnseise, geradezu Wunder.

Drucksachen aller Art liefert in jeder gewünschten Aus­stattung, stilrein und preiswert die ßrühl'eche Universitäts - Druckerei, Schuletr. 7