Ausgabe 
6.7.1908 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

% 156 Erstes Blatt 158. Jahrgang Montag 6. Juli 1908

vt«vener Anzeiger if Ä BezugSpretS:

nl*la9l\$'{Iau6et Ägk 'fi V monatlich75M., viertel-

Mitniononor -inrolgor

äs ^Lr l-V 11VIIV #- V> I »IV IHV > asTÄ

tiÄ Kf , w, -**7 ÄSÄ

ä General-Anzeiger für Oberheffen ?a§

Annahme von Anzeigen v 1 ff »u Land* undGerichts-

L Do?mut,agTionuK RotafionsÖHKt und Verlag der vrühsschen Unlv.-Vuch- und Steindruckeret. R. Lange. Redaktion. Expedition und Druckerei: Zchulstratze 7. AnMgenteU'^

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

politische Tagesschau.

Die neue Krise im Flottenvereia.

Nach bet Danziger Tagung war allgemein die Ansicht ver­breitet, baß im beut]eben Flottenverein ber Friede hergestellt sei. Zu bieser Annahme hatte ber Verlaus ber Generalversammlung berechtigt, obwohl man noch nicht wußte, ob ber Fürst z u Salm-Horstmar die Wieberwahl als Präsident annehmcn iverbe. Der Uttst war in Danzig nicht anwesend und ließ auch nwchenlang nichts darüber verlauten, wie er sich zu dem Be­schlüsse der Generalversammlung stelle. Erst in diesen Tagen ließ er erklären, daß er die Annahme des Präsidiums von ge­wissen Bedingungen abhängig madye und bald darauf erfuhr man seinen endgültigen Verzicht. Darauf war man nicht vor­bereitet, im Gegenteil, man glaubte und hoffte, daß cs zu einer Verständigung kommen werbe. Es heißt, von oben her sei man nichtauf bieWuns che des Fürsten cingcgangen. Eine gewisse Gruppe habe dem K aiser die Meinung beigebracht, als ob die Wiederwahl des Fürsten nur ein Akt ber Dankbarkeit und eine bloße Ehrenbezeugung gewesen sei. Ms ber Fürst in voriger Woche in Kiel beim Maiier zum Frühstück auf derHohen- zollern" war, wurden auch die FlottenvcreinSangelegenheitcn be­sprochen. Lieber den Jnl>alt dieses Gespräches ist nichts bekannt geworden, aber an dem "Resultat der Ablehnung des Fürsten kann man ersehen, daß er das nicht erreicht hat, was er von dieser Untcrcebung erhoffte. Unter ariderem dürfte die Haltung des Bayerischen Landesverbandes des Flottenvereins, dessen Ansäwunngcn über die Ziele und Mfgaben des Vereins lid) mit den auf ber Danziger Tagung bekundeten Auffassungen reicht durchweg decken, für die Entschließung des Fürsten Salm niitbeftininicnb gewesen sein. Es imrb ihn auch verstimmt haben, daß Prinz "Rupprecht vorläufig noch auf Wieberannahme des "Protektorats verzichtet hat.

Was nun weiter werden wirb, steht einstMilen dahin. Wie erinnerlich, hatte die Danziger Versammlung für den Fall, daß Fürst Salm ablehnen sollte, den Großadmiral von Köster zum Präsidenten gewählt. An diesen wirb nunmehr die Äuf- Ktberung ergehen, sich .über die Wahl zu äußern. Bisher ist nicht bekannt geworden, wie er über die Frage denkt, er hat lediglich int Anschluß an die Danziger Versammlung telegraphisch dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß Fürst Salm die Wiederwahl annchmen werde. Selbst roenn Admiral von Köster jetzt an die Spitze des Deutschen Flottenvereins treten wird, ist die Krise noch nicht beendet, dadreiweitereVorstaudsmitglieder sich schon in Danzig mit dem Fürsten Salm solidarisch erklärt hatten. Es werdet: also aller Wahrscheinlichkeit nach, diese drei Herren von ihrem Amt zurücktreten, falls Köster an die Spitze des Vereins treten sollte. Es ist also nicht abzusehen, wie sich die Zukmrst des Flottenveveins gestalten wird. In der Presse machen sich bereits die beiden Strömungen derart be­merkbar, daß voraussichtlich sehr bald die alten Zänkereien zwischen Nord und Süd von neuem losbrechen Wer­dern Wieder sind es die Anhänger des Generals Keim, die übers Ziel schießen und die Bayern mehr als nötige an- greisen. Eines dieser Blätter, das auch in dem früheren etreit den Ton angab, meint, die Bayern hätten zwar gesiegt, aber man könne bezweifeln, ob sie sich dieses Sieges zu freuen haben werden. Was Oberpräsident von Jagow in Danzig betont habe, daß der Flottenverein für d i e Regierung wie für das Volk die Bedeutung verloren habe, wenn er nichts weiter werde, als eine Zusammenwürflung von Menschen, die als Appendix des Jieichsmarmeamts erscheinen, das sei jetzt ein- getrossen. Pr.tfiocnt sei ein Großadmiral, geschästssührender Vor- litzender ein Konlreadmiral; der vor ein paar Tagen noch Ab- leilungschef im Reichsmarineamt war, Geschäftsführer werde wahr- scheinlicy ent Mar ine stabszahl m cister, dessen 9iame schon in Dan­zig genannt worben ist. Damit feien die drei einflußreichsten Posten mit Marineleuten besetzt. Zunächst wird man abwarten müssen, rb dies ciiuretcn wird, da man nicht weiß, wie Admiral Don Köster über die auf ihr: gefallene Wahl denkt. Lehnt er ab, daun wirb jedenfalls die Krisis aufs neue verlängert. Der Charak- tcr deö ehemaligen Oberstkoiumaudicrenden unserer Marine läßt darauf schließen, daß Großadmiral von Köster als Präsident des Flottenvcreius dem Reichsmarincamt gegenüber die Unabhängig­keit besitzen wird.

Die kommende Welternte.

Für Deritschland unb andere Länder, insbesondere arich für die Vereinigten Staaten von Amerika, lauten die Erntebcrichte recht günstig. Das ist um so freudiger zu begrüßen, als eine gute Ernte den wirksamsten Anstoß zur Besserung der allge­meinen geschäftlichen Lage liefern konnte. Wird das Er­gebnis der Wellernte sehr umiangreich, so ivird unter dem wohl­tuenden Einfluß weichender Preise der Konsum sich heben, und nach Lein nationalökonomischen Lehrsätze, daß die Nahrung des in» dustrieilen Arbeiters mit zu den Erzeugungskoslen der Industrie gehört, darf inan 311 dem Resultat gelangen, daß der Produktionsprozeß eine Verbilligung erfahrt. Hoffentlich bestätigt die weitere Ent- uicklinig die arigenblicklichen günstigen Erwartungen.

Die Frauenrechtlerinnen Italiens.

Man muß deren zivei Kategorien unterscheiden. Die erste um­laßt die Fraueil unb Mädchen, welche mit Dolch, Revolver unb <&ift bie minber ritterlichen Angriffe auf ihre Personen parieren unb mit denselben Radikalmitteln über verratene Liebe quittieren. Wenn man liest, daß eine Frau, die einem ihr mit Liebesanträgen aiachsleUenden Alaune im kritischen Moment ein Messer in den Unterleib gestoßen, daranfhin von hundert anderen Frauen aus ^er Straße mit sympathischen Ovationen begrüßt worden ist, so erfennt man, daß es sich hier um Aeußerung eines typischen weid» kichen Rechtsbewußtseins handelt. Bis beute wagt es anch fein Gericht in Italien, ivegen eines Verbrechens ans geschlechtlicher «Ehre eine Angeklagte z»i verurteilen. Tie Gerichte sanktionieren rilso ein primitives utiö populäres, aber gesetzwidriges Verhalten ler Frauen und bestärken sie bamit natürlich in biesem Verhalten. Unter b c n Frauen Italiens, bie eine intellektuelle Bilbung unb eine engere Beziehung zu den leitenben Faktoren des mobernen Lebens haben unb teilweise selbst erhebliche Berufe mehr und tumber öffentlichen Charakters versehen, ist das Rechtsbewußtsem wesentlich anders. Diese zweite Kategorie der italienischen Frauen hat eine gciviffe systematische Opposition gegen den Mann und bis hohem Grade ihr Vorbild in den deutschen unb angelsächsischen jwauenrechlleimnen. Sie forbert für bie Frau die gleichen poli­tischen Rechte ivic für den Alaun und hält Kongresse ab. Ein solcher Kongreß, der erste nationale italienische Frauenkongreß, hat kürzlich in Rom getagt. Frauen der höchsten Aristokratie be­gegneten sich hier nut Lehrerinnen unb Hcuwlimgsgehilsinnen, und Die regierende Königin sowie die Königin-Miitker, ivic die Prin I

zessin Laetitia nahmen offen Stellung zu seinen Gimsten. In­sonderheit aber lag ihnen daran, wissen zu lassen, daß sie aui Mütterlichkeit und alle natürlichen und traditionellen Vorzüge und Aufgaben der Frau nach wie vor das größte Gewicht legen und eigentlich nur eine Revision der Rechtsverhältnisse der Fran im allgemeinen, sowie bei der Wahrnehmung gewisser Posten begehren. In dieser Hinsicht muß man selbstverständlich durchaus auf ihrer Seite stehen, beim bie italienische Gesetzgebung kennt z. B. keine Ehescheidung und läßt der F r a u keinerlei Verfügungsrecht, selbst über ihr eigenes eingebrachtes, er­erbtes oder erworbenes Vermögen und über die Kinder. Die zahllosen Mißstände, die sich aus dieser Untevorbnung der Frau unter den Mann ergeben, haben eine sehr ernste materielle und moralische Wichtigkeit. Wenn es der Organisation der Frauen, die sich ja des mächtigsten Protektorats crireut, gelingt, in dieser Beziehung Wandel 311 schaffen, so ist das recht verdienstlich. Ta sich der Justizminisler veranlaßt gesehen hat, einen Gesetzentwurf betreffend das Recht zur Feststellung der i(legitimen Väwrschast auszuarbeiten, so ist an den guten Chancen der italienischen Frauen­rechtlerinnen auch im übrigen kaum zu zweifeln.

Bansai.

In demfelben Verlag, der vor zwei Jahren den viel viel­leicht : zu viel gelesenenSeestern 1906" aus den Markt roart, der Tielrichschen Verlagsbuchhandlung in Leipzig, ist eine neue kriegerische Utopie erschienen. Die betitelt sich nach dem Kriegs- geschrel der JapanerBansai" und schildert packend mid anschaulich, mit großer stilistischer Gewandtheit und starker Phantasie, wie die Spannung zwischen den Vereinigten Staaien und Japan, die in den letzten Jahren sich angefnminelt bat, zur Entladung kommt; wie die Japsen, niederträchtig und tückisch, über die Amenlaner herlallen; zuerst, ohne vorherige Kriegsanjage, einen Teil ihrer Flotte vernichten; bann aus ben mit klugem Vorbebacht übers stille Meer entlaubten Einwanberern ihnen un eigenen Laube eine Invasions- und Okkupationsarmee erstehen lassen und wie die bereinigten Staaten all das fürchterliche Ungemach völlig unvorbereitet auf sich zukommen sehen, nur dadurch gerettet werden, daß die anderen großen Koloniallande englischer Progenitur sich der Gemeinsamkeit ihrer Interessen bewußt werden, Kaiiada und Australien von Eng- land endgülug sich losreißen und der Union zu Hille eilen. Silit dem ersten ainerifan. Sieg und der Aussicht auf eine Reihe weiterer schließt das Buch. Zugleich auch mit dem (für manche Leute immer tröstlichen) Ausblick, daß Albion, das ansängllch in aller Heimlich­keit mit den Japanern im Bunde war, solche Ruchlosigkeit heimgc- zahtt wird. Das Laster erbricht sich, die Tugend darf sich zu Tische setzen.....

Tas Buch hat mit Literatur nichts zu tun, aber es hat feine politischen Seiten. Parabellurn nennt sich der anonyme Verfasser und will vermutlid) so andeulen, daß er einer von den guten Freunden ist, bie eine minutiöse Vorbcreüunq auf ben Krieg für bie beste Form, deu Frieden zu bewahren, halten. Gegen den Rat ist an sich nicht das geringste einzuwenden; nur wird nicht ganz klar, wem er erteilt werden soll. Allem den Amerikanern? Oder nach Analogie der befarmten allegorischen Zeichnung denBöllern Euro­pas"? Oder will Parabellurn uns nur wieder einmal bie Briten im Bilbe zeigen, unbjft bas Pseubonym in Wahrheit einfkategorischer Imperativ, bei allem, was wir tun unb treiben, ber Vettern jenseits des Kanals tticht zu vergessen?

Unsere Zeit ist ernst. Diesem Ernst kontmt man durch Schlüssel» roniane und Utopien nicht nahe. Tie regen nur hüben unb brüden Unbesonnenn auf unb hier unb ba reizen sie selbst bie Verständigen. Wer ba wünscht, baß unser Volk mit kaltblütiger Ruhe (einen Weg burch bie neue Welt der wahren unb falschen Alliancen und Ententen geht, wird von solcher Redseligkeit sich keinen Gewinn versprechen. Tas Wort: Bilde Künstler, rede nicht! gilt auch für andere Lebensgebiete als die der Aesthetik.

Evangelische Landessynode.

R.B. Darmstadt, 4. Juli-

In bet um 91/4 Uhr eröffneten Sitzung werden zunächst ohne bemerkenswette Debatte die Vorlage b.s Oberkonsistoriums, bett, die Erbauung eines Synodalgebäudes (Bewilligung der Nachttagsforderung von 44 800 Mk., um welche die Bau- fummc überschritten wurde), ferner die Vorlage, bett, die Ab­trennung bet Filialgemeinde Friesenheim von der Pfarrei- Dal­heim und Zuteilung derselben zur Pfarrei Undenheim. Nach der Vorlage, bett. Aenderunginden Kirch engemeinde- verhaltnifsen, stimmt die Synode ber Errichtung einer 5. Pfarrftelle an ber Stabtgemeinde Darmstadt und einer 2. Pfarrstelle an ber Jo Han nesg e meinbe Darmstadt unter Aufhebung der bestehenden Afsistentenstelle zu; ferner die Errichtung einer Filialgemeinbe Gadernheim mit Reidelbach unb Kolmbach und einet Filialgemeinde Gau-Algesheim, sowie einer Filialgemeinbe Weickartshain, auch erklärte sich die Syirode mit der Zu­teilung von Enzheim zu Lindheim unb van Heegheim zu Glauberg einverstanben, ivährenb die provisorisch erfolgte Bil­dung einet Filialgemeinbe zu Schlierbach gestrichen wird.

Zur Beratung gelangt dann bie Interpellation bes Synodalen Jost, bete, bie ärztliche Untersuchung pensionierter Geistlicher.

Der Interpellant fragt, ob die Kirchenbehörde bereit ist, der Landesfynode einen Gesetzentwurf darüber vorzulegen, daß für die Zukunft entweder durch bie Kreisgesundheitsärzte oder durch einen oder einige besonders zu beftimmenbe Aerzte, die bis zur Wiederherstellung ihrer Gefuchheit pensionierten Geistlichen ctlva alljährlich auf ihren Gesundheitszustand untersucht werden. Syn. Jvft begründet seinen Antrag. Da derselbe aber nicht die genügende Unterstützung findet, kann keine Besprechung der Sache crfglgcn.

Eine Interpellation des Syn. D. Schlosser sragt, in wel­chem Maße von dem in dem Gesetz vom 17. Nov. 1888, bett, die Besetzung der Pfarrstellen, den Kircheuvorstanden ver­liehenen Rechte, die $crfoncnfrage betreffend Anträge zu stellen, Gebrauch gemacht worden sei, ferner: Hat sich bie Ausübung bieses Rechtes nach bem Urteil bes Oberkonsistoriums beloährt unb hat es zur Förderung des kirchlickMi Lebens gebient, ober haben sich Mißstände dabei herausgestellt und welche? Haben die Bestimmungen des Gesetzes ausgeveicht usw.

Das Obetkonsistotium hat darauf erwidert: Unter Be­rücksichtigung bet Präfentationsstelten, bie hier nicht in Bettacht kommen, finb feit Erlaß des fraglichen Gesetzes 458 Pfarrstellen zur Besetzung gekommen unb in 248 Fällen von ben Kivchen- votständen bestimmte, bie Petsonensrage betreffende Anttoge ge­stellt worden. In weitaus ber Mehrzahl ber Fälle richtete sich ber bestimmte Antrag bes Kirchenvorstckndes auf einen bereits in bet Gemeinde amtiaenben Pfarrverwalter, bejlv. 2. Pfarrer. Die Frage bezüglich ber Ausübung bieses Rechtes unb ber etwa hettoryciretenen Mißstände läßt sich von verschißenen Seiten ber ins Auge fassen. Vom Standpunkt d.r berechtigten Interessen der Geistlichen, die sich um Stellen bewerben, sind mancherlei p.'.'Mande nicht zu ..erkennen gewesen. Es ist der Mangel eines

jedem nicht aus freie Pfarrwahl mir Wahlprebigt usw. hinaus- gehenden Gesetzes, baß es die Möglichkeil, in legitimer Weise sich bekannt zu machen, für die Beweroer vermindert oder beseitigt. Die Folgen des fraglichen Gesetzes vom Stanbpuuft des firdp licken Lebens zu beurteilen, fei außerordentlich schwierig. Die Bestimmungen des Gesetzes hätten, abgesehen von einigen nähet bezeichneten Mckingeln im allgemeinen auSgerücht, llnzuttäglicl>- feiten zu begegnen und, auch wo ein als ungeeignet erscheinender Antrag eines Kirchenvorstandes vorlag, die Interessen der Ge­meinde unb der Landeskirche wahrzuuehmeu. Wenn auch vom Lberkonsistotium nicht verkannt werde, daß dem Gesetz nickst un­erhebliche Mängel anhasten, so habe cs doch seitlxr Bedenken getragen, au eine Aenderung heranzutreten, zumal VorsckMge, die eine wesentliche Vetbessemng herbeiftihren könnten, bisher nicht gemacht worden seien.

An diese Interpellation und die Antwort des Oberkonsistoriums knüpft sick) eine länget.' Debatte, die sich namentlich um die Be­setzung einzelner Pfarrstellen in Darmstadt dreht. Als Redner beteiligen fich daran bie Syiwdalen Stamm, Jost, Dingel- dey, Schaub, Keil, Widmann, Präs. Stamm, Prälat D. Flöting, Syn. Gr0sch, Hainer, Eik, Pfaff, Becker, Kolb, Vogt, Lucius, Loos, Bernbeck unb Wahl.

Tas Gesuch der Frau Pfarrer L a m p a s Witwe zu Gießen, der Frau Pfarrer Seipel zu Dillenburg, ber Frau Pfarrer Te- waag zu Asel bei Vöhl und b:r Frau Pfarrer Dietrich zu Darm­stadt, bie Erhöhung ihres Witweugehaltes betteffcnd, wirb dem Ausschußautttig entsprechend, abgelehnt.

Zur Beratung kommt daun ber Ekrtivurf eines Kirchen-Ge­setzes, bett. E r g ä n 3 u n g des § 32 ber Geschäftsordnung der evangelischen LaudeSiynvde. Derselbe soll den Zusatz er­halten : Für den Fall ber Verhinderung ber ordentlichen Mitglieder wird für jeden den in § 1 bezeichneten Ausschüsse eine von ber Synode jeweils zu bestinimende Zahl von Stellverttctern gewählt, welche in der durch die Stimmenzahl gegebenen Reihenfolge ciw- zulreten haben. Der Antrag wird mit einer vom Ausschuß votgeschtagenen unweseittlickien Aenderung angerwmmcn.

Eine weitere Vorlage des Oberkonsistoriums, bclt. die Aew> berung ber Weise der

Abendmahlsfeier in der evang. Gemeinde zu Mainz

lautet dahin: Hohe Synade wolle bem von ber Kirchenvertretung in Mainz genehmigten Beschluß des borstigen Kirchenvorstandes: Beim Abendmahl soll bas Brot nicht mehr in der bisherigen Gestalt von zerteilten Kuck-en, sondern in' ninbeit Schecken ge-, backen, zur Verwendung kommen" ihre Zustimmung erteilen.

Die Synode stimmt bieser Vorlage zu und der Präsident sckstießt darauf bie Sitzung um 1 Uhr.

Slächste Sitzung: Montag früh 9 Uhr.

Heev nnd Flotte.

Der Kaiser verlieh den st)larine-Jng enieuren; das Recht zum Tragen der Offiziersschärpe.

Kolonialpoft,

In ber französischen Kuimue^..m...:ision für auswärtige unb koloniale Angelegenheiten stößt die Annayme ber fran­zösisch-deutschen Konvention über Abgren­zung Kameruns und des Kongo auf einige Schwie­rigkeiten, da die französischen Jnteresfenten Reklamationen eingereichk haben. Der Minister für die Kolonien hat aus sachlichen, der Minister des Aeußern aus politischen Gründen die Annahme befürwortet, doch hat die Kommlssion zunächslf drei Deputierte mit einer Prüfung der erwähnten Reklama­tionen beauftragt.

Unser erster Kolonialkrieg in Deutsch -Siid^ westafrika, der uns einem verschlagenen, des Landes kundigen Gegner im aufreibenden Guerillakriege unter dem heißen, erbarmungslosen Himmel Afrikas gegenüberstellte, hat uns auch in neue Kampfmittel dieser Naturvölker Ein­blicke gegeben. So legten die Hottentotten 511 ihrem Schutze gegen die Angriffe unserer Reiter auf ganzen Hügelketten riesige Grasbrände an, um sie zu weiten Umwegen zu zwingen und so Zeit zu gewinnen. Im ganzen wandelt sich das Bild des Krieges unter Kulturvölkern hier mehr zu einem Nahkampfe, der die heroischsten und rührendsten Taten zeitigt. Diese werden in dem von: Deutschen Verlagshausc Bong & Co. (Berlin W. 57) verlegten unb vom Generalleutnant z. D. Friedr. Freiherr 0. Dincklage-Campe verfaßten WerkeDeutsche Reiter in Südwest, Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Südwestafrika" zusammengefaßt. Die mit Porträts unb Illustrationen ausgestatteten Blätter geben bie Selbsterlebnisse von Offizieren und Mannschaften aus unmittelbarer An­schauung und frischer Erinnerung wieder und machen den Leser fast zum Augenzeugen der wechselvollen Ereignisse.

Aus Saigon wird gemeldet: Infolge des Attentats vom 27. Juni es handelt sich um einen Vergiftungs- versuch gegen 20 0 französische Kolonialsoldaten ist die Erregung unter der europäischen Bevölkerung aufs höchste gestiegen. Mehrere Offiziersfrauen sind in die. Zitadelle geflüchtet. In einem Hotel fand ein Meeting statt, wobei die Versammlungsteilnehmer eine Kundgebung be­schlossen. Sie zogen vor das Generalgouvernement, zer­störten das Gitter und drangen in die Wohnung des Gouver­neurs ein. Sie forderten diesen persönlich auf, die schuldigen Eingeborenen auf der Stelle hinrichten zu lassen. Der Gouverneur versprach, zu der schnellsten Jurisdiktion zu greifen. Er werde übrigens bas Gesetz nicht verletzen unb das evtl. Urteil ausführen. Hiermit beruhigten sich die Kund­geber und verließen ben Palast.

Siebener verkehrsoerlMmjse.

Von Rechtsanwalt Raab, Gießen.

Die Umgestaltung bet Gießener Eisenbahnanlagcn, bie Ver­wirklichung bes Labnkanalprojekts unb bet Bau ber elektrischen! Straßenbahn sind die wichttgsten Punkte auf bem Pwgrarnm. Gießener Verkehrswesen".

Bei ben: von Jalw zu Jahr stärker iverbenben Verkehr, bet; Notwendigkeit, auch bie obethessischei: Linien bvppelgtcisig auS- zubauei:, bem AuSdchiiiingsbcdurfnis der Stadt ivttd die Be-I freiung bet Frankfurter Straße, des Stephansmarkviertels von