Ausgabe 
6.3.1908 Zweites Blatt
 
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Hestern vom Hause lautes Bravo zugerufen worden, als derselbe Sie Grundsätze darlegte, nach denen unser Hessenland regiert werden müsse. Drob dieses Sympathiebeweises aber sei er der Meinung, datz es in Hessen noch sehr an der notwendigen Fühlung »wischen Regierung und Volksvertretung fehle. Tas Wort des MinistersMit dem Volk, Alles für das Volk" habe doch durch den bisherigen Verlauf der Debatte über die Vereins- und Ver­sammlungsfreiheit eine etwas sonderbare Illustration erfahren. In dieser wichtigen Frage nehme die Regierung einen völlig isolierten Standpunkt ein. Tas hessische Volk hätte von der Re­gierung doch erwarten dürfen, baß sie unter allen Umständen die hessische Verfassung aufrecht 511 erhalten bestrebt sein würde. Schon bei der früheren Besprechung seiner Interpellation habe sich das Haus geschlossen gegen jede Beschränkung des Vereins­und Versammlungsreclsts ausgesprochen, aber der Vertreter Hessens im Bundesrat habe daselbst feine entsprechende Erklärung ab­gegeben, weil er keine Instruktion dazu hatte. Es sei aber dazu auch jetzt llwch nicht zu spät, und rwch wirksamer würde eine solche Erklärung fein, wenn sie im Plenum des Reichstags abgegeben würde. Wenn das jetzige Reichsgefetz zur Annahme komme, so würden wir zweifellos unser freiheitliches Versammlungsrechl ver­lieren und mit einem reaktionären vertauschen. Redner bespricht bann die Haltung der Regierung zur Wahlrechtsfrage. Tie Feinde des direkten Wahlrechts hätten ihre Freude gehabt an der neuen Vorlage der Regierung, und dieselbe habe bei derselben fidj-cc nicht nach dem Grundiatz gehandelt: Mit dem Volk Alles für das Volk! Man müsse dar Regierung and) den Vorwurf machen, daß sie bei der Beratung der beiden Gesetzgebungsausschüsse mit verschränkten Armen dabei gesessen und nichts zu einer Verstän­digung getan habe. An dem vollen Budgetrecht der Zweiten Kämmer dürfe nidjt das Geringste preisgegeoen werden, dagegen werde er gern zu jedem anderen Entgegenkommen bereit jein und auch dem vorgefchlagenen Art. 75 der Verfassung zustimmen. Zu beklagen sei, baß die Regierung ihr Versprechen noch nickst erfüllt und die neue Gemeindeumlagenreform eingebracht habe. Dieselbe fei schon deshalb sehr wichtig, da sie auch mit dem Wahl­recht zusammenhänge. Dem Ministerium sei von allen Seiten das volle Vertrauen ausgesprochen worden. Dasselbe werde aber er­heblich herabgesetzt durch die absolute Bedeutungslosigkeit und Er­folglosigkeit, dem Verhalten der preußisch-hcisiscistn Eiscnbahn-Ge- mernschast gegenüber. Tie letztere haue selbst ihre festen Zusagen bezüglich der Mainzer Vertehrsverhältnisfe nicht gehalten und dadurch überall die tiefste Erbitterung hervorgerufen. Zu -den vom Abjg. Dir. Osann besprochenen verschiedenenFallen" müsse er mit Bedauern feststellen, daß dieselben auch von einer Stelle mit verschuldet wurden, die verfassungsmäßig keine Verantwor­tung zu tragen hat, die aber tatsächlich doch öie größte Verant­wortung trägt, die cs in einem Staate geben rann. Den hessischen Ministern müsse er zurufen: Es ist ein Unglück für die Fürsten, wenn sie nickst die Wahrheit hören, die reine ungeschminkte Wahr­heit, die nicht durch höfische Rücksichten verduntelt wird. Wenn unsere Minister diese absolute Wahrheit an der geeigneten Stelle zum Ausdrull bringen würden, so wären die verschiedenen Vorfälle, die überall das bedenklichste Kopfschütteln hervorgerusen haben, nicht vorgekommen. (Lebh. Beifalk.) (Abg. Adelung ruft: Welche Fälle!) Ich wtll aus die Einzelheiten hier nicht naher eingehen, auch Herr Adelung ist nicht mehr so jung, das; er nicht wissen sollte, Ms hier gemeint ist. (Heiterkeit.) Tr. Osann hat mit 'Jieajl aus das Aufsehen hingewiesen, welches die Tat,ache erregte, daß der Bürgermeister Tr. Dullo in ganz besonderer Weise ausgezeichnet wurde, und zwar zu einer Zeit, in der man schon wußte, wie dort die Sachen lagen. Tas versteht man draußen im Lande einfach nicht. (Zustimmung. Rufe: Sehr richtig!) Tann eine andere Sache: In der Kämmer waren gelegentlich der Besprechung der Mainzer Zugumleitungen einmütig die schärfsten Vorwürfe gegen die Eisenbahnverwaltung erhoben worden. Tas ganze Haus hatte laut protestiert gegen diese Behandlung Hessens unozwei oder drei Tage darauf erhielt der preußische Eisenoahnminister einen der höchsten hessischen Orden. Auch das wird man draußen nicht verstehen. LZustmtzmung.) Gegerr die Verteihung des Ordens will ich gar nichts entwenden, aber der Zeitpunkt der Verleihung mußte aufsallen. lind werter muß ich sagen: In nnferm Lande erhärt der höhere Staatsbeamte nach tadelloser 20 jähriger Dienstzeit das Ritterkreuz 1. Klasse. Wenn em Mitglied der Zweiten Kammer auch einmal zur Dekorierung vor geschlagen wird, so wird erst eine gründliche Untersuchung über seine Würdigkeit angesteln und bann erhält der Betreffende in ber Regel das Verbienpkreuz 2. Klasse, (^rehr richtig!) Dagegen aber wurde man im vorigen Jahr plötzlich mit der Rach richt überrascht, daß ein Zirkusoirettar eurer benachbarten Stadt (Direktor Schumann in Frankfurt) das Ritterkreuz 1. Klasse erhalten habe. Es muß ein er Heven des Ver­gnügen sein, zu sehen, wie der Mann mit der Peitsche in der Hand und dem Orden angetan, im Zirkus seine Kiowns und Pserde arbeiten läßt. Was hat sich der Mann für ein Verdienst um das Großherzog tum Hessen erworben? (Zustimmung.) Die Minister kann man für em solches Vorkommnis gewiß nicht verantioortlich machen, sie haben wahrscheinlich auch erst aus der Zeitung daoon erfahren, aber man muß doch an die Regierung oas dringende Ersuchen stellen, alles zu tun, was ihr möglich ist, um derartige Sachen zukünftig zu vermeiden. Redner kommt dann zum Ernt zurück und betont, daß die Verhanolungen der Zweiten Kammer nickst mehr aut ber Höhe ber Zeit stanoen und eine Abänderung der Geschüstsöronung ormgenb notwendig sei. Für zweijährige Budget­perioden könne er sich nicht erklären, so lange sie nicch auch im Reichstag erngesührt ,eten. Dagegen sei eine Revision der Be- svldungsorbnung notwendig. Zu beklagen sei, daß oet 2insienung oder Beförderung von Beaniten die K'atholiten vielfach übergangen würden, was Redner mit statistisckstn Angaben naher darzuiegen sich bemüht. Bezüglich der Verwaitungsgesc^evisivn meint Redner, er betrachte dieselbe durchaus nicht als gefcoeirert, sondern fei der Ansicht, daß sich die Landgemeinde- und die Sradieoranuiig sehr wohl noch m diesem Landtag erledigen lasse. Mit Bezug au, die anderweitige Regelung des Kreisolciillvefens wolle er bouj feststellen, daß es in .so en en immer noch Kreisblätter gebe, welche den politischen Gegner in ungehöriger Weise herunter,etzen. Die Regierung sollte solchen Blattern ernfaci) die awiitchen Inserate entzielstn. Hinsichtlich der Weinsrage wünscht Redner, daß die Regierung mit größter Energie alle Magregetn treuen möge, durch weiche die yicu traut leiten beujmbcrt unu die Reblausheide vernichtet werden, damit die rheinhei,chen Weinbauern in Zu- kunst von neuen, unbereü;enuaren Schaden vewahrt werden Wenn die gestrigen Ausspruche des Ministers Braun m Erfüllung gehen sollen, dann sei vor allen Singen erforderlich, daß die drei ge- fetzgebenden Faktoren Hessens gemeinsam zusa.nmenaroeiten üiw nickst die drei Pferde des Staalswagens, Regierung und beide Ständekammern, uack) verschiedenen Richtungen auseiuanderlaufm, sonst muß dir Wagen stellen bieuien und das nioLen imr nicht, wir wollen vorwärts schreiten! (Beifall.)

Abg. Kohler oemertt, er jei erstaunt, daß man über seinen Artikel imBayerischen Vaterland" in betreff derGeschtudirten' so viel Aufsehen gemacht habe. Redner versucht seine darin ent­haltenen Aussührungcn zu rechtfertigen und memi, er habe dabei defoirderS au, frühere Verhältnisse Bezug genommen. Er bedauere aber den Ausdrullakademische Maulaffen ' und nehme ihn zurück

Nach einer kurzen Pause kommt zunächst der Antrag Haas und 41 Genossen, inbetresf

des Vereins- und Versammlungörecht zur Beratung.

Abg. Reinhart erstattet darüber kurz mündlichen Bericht, worauf der Anttag ohne weitere Debatte unter lebhaftem Beifall angenommen wird.

Bei Fortsetzung der Etatsberatung führt Abg. B e st - Osthofen aus, auch er habe den Tank der Beamren für ine Gehaltsaus- befserung sehr vermißt. Es werde überhaupt zu viel mit Beamten gearbeitet. Em gr0s,ere Bereinfachung und ^parsamk ^.i druia^uo notwendig, auch das Institut der Landwirtschafiskamnnr sei zu kostspielig und kompliziert. Redner bespciast dann kurz das Reidis- weingesetz und die Lage der hessischen Winzer und warnt vor ber Verpflanzung der amerikanischen Rebe nach den rbein1) » scheu Weinbergen. 1

Abg. ~r. Frenay betont, er müsse auch für sein licrfon dw Vor.vurse IstohwrS zuruaweifen und dagegen peate liieren daß sich Köhler als der einzig fleißige Abgeordnete hinstelle und die

übrigen Ausschnßmitglleder nichts schafften. Dem Abg. Adelung stimme er bei, daß die Eisenbahnnebeichetriebe nicht unter die Ge- werbeaufficht fallen. Es fei nicht angängig, die eine Behörde der anderen zii unterstellen. Redner bespricht dann die Frage der Gewerbeaufsicht und der Wohnungsinspektion und meint, daß die Wohnungsfürsorge vielfach noch viel verkannt werde. Sie bilde aber gewissermaßen eine sehr wichtige Erziehungsftage und er müsse namentlich den Frauen den Vorwurf machen, daß sie oft selber an dem ungesunden Zustand ihrer Wohnung schuld tragen. Allerdings hätten sie auch zumeist nicht gelernt, einen, Haushalt zu führen. Zu diesem Zweck empfiehll Redner eine Einschränkung der Fabrikarbeit der Frauen.

Finanzminister G n a u t h: In den bisherigen Verhandlungen waren alle Redner darin einig, daß etwaige erhebliche Mehr- rorberungen, besonders einer Erhöhung ber Beamtengehälter, nicht ohne Steuererhöhung durchgeführt werben könnte. Er erinnere bem gegenüber baran, baß für diese Ausgaben im gegenwärtigen Etat ruub 18 Millionen angesetzt sind, denen nur 14,3 Millionen an direkten Steuereinnahmen gegenüber standen. Wollte man auch nur eine Erhöhung biefer Bezüge um 10 Prozent eintreten lassen, so würde bas eine Erhöhung ber biretten Steuern um 121/2 % bebingen. Wenn die gegenwärtigen Kämmermitglieder nach den Wahlen im nächsten Jahre als Sieger wiederkehrten, unter der TebiscSteuererhöhimg", so würde man ja die Wünsche der Beamten wohl erfüllen können. (Heiterkeit.) Er wolle jedoch daran erinnern, daß die vorjährigen Beivilligungen erfolgt feien unter der Voraussetzung, daß keine Steuererhöhung erforderlich werde. Tie Frage der Reichsfinanzresorm laste wie ein Alp auf den Bundesstaaten und dem ganzen wirtschaftlichen Leben. Erst wenn dieselbe glücklich erledigt sei, werde sich ein freieres Weiter­arbeiten ermöglichen lassen. Was der neue Reichsschatzsekretär zur Regelung der Finanzreform in Vorschlag bringen werde, wisse man noch nicht, aber man müsse ihm Hochachtung dafür entgegenbringen, baß er den Mut hat, an die Lösung dieser schwierigsten Aufgabe der Gegenwart heranzntreten. Von dem Lob dieses Mannes sei hier im Hause ein kleiner Abglanz auch auf ihn, den Redner, gefallen. Er werbe trotz dieses Lobes niajt übermütig werben. Dasjelbe werbe aber boch bazu beitragen, ihm bas Verbleiben in seinem schweren und unbankbaren Amte zu erleichtern. Er habe ja ais Finanzminister biesmak roieber ver- schiebentlichNein" sagen müssen, boch verfichere er, baß bas nickst aus Bösartigkeit geschah, jonbent weil es sein mußte. Er freue sich, baß wir endlich gelernt haben, die Finanzfragen mit den gleichen Augen anzusehen und oie gleichen Folgerungen daraus zu ziehen und er hoffe, daß auch Die ^pezialberatungen in diesem Geiste geführt werden. Tann werde es dem Haufe leicht werden, die Regierungsforderungen nach den Anträgen des AusfchusfLs anzunehmen.

Avg. Erk bringt verschiedene Einzelwünfche in Eisenbahn- aiigelegenheuen vor.

Abg. K 0 r e 11 macht längere Auslührungkn und bespricht auch den Fall Ulrich-Brauer. Die Aeuperung Ulrichs auf bem parlainenlarljchen Abend sei eine Beleidlgimg des ganzen Bauern- Handes gewesen, und wenn Abg. Brauer nicht gebildeter märe als Herr Ulrich, jo hätte er diejem ivohl sofort eine handgreifliche Ant­wort erteilt. (Heiterkeit. Abg. Ulrich rüst: Die wäre ich auch nicht schuldig geblieben!) Ter Minister habe gestern mit großem Pathos feine Rede gejchlossen, sich aber doch um verjchiedene Fragen herumgemuliden.

Äbg. Ai 0 l t h a n vermißt noch immer eine bestimmte Er­klärung der Regierung über die Schiffahrts-Abgaben. Erfreulich fei die Erklärung, daß die Rheinjchlffahrts-Abgaben nur mit einer Bersassungsänderung durchführbar |eien. Weiter fei anzuerkennen, daß sich Regierung und Kammermehrheit jetzt bereit zeigten, für die Beiierung der Lage des Pttttelflandes eiuzutreten. Auch eine reichsgejetzliche Regetuiig der Wemkomrolle fei dringend erwiderlich.

Tie Sitzung wild Darauf nach 1 Uhr abgebrochen. Forlfetzung der Beratung morgen früh 9 Uhr.

§Ztzung der Stadtverordneten«

(Sießen, o. Atärz.

Aiimefenb: Oberbürgermeister Mecum, die Beigeordneleu Keller, Georgi unD Heyligenflaedt, die ©taotoerorbneien: Brück, Dr. Ebel, Eichenauer, Emmelius, Faber, Gabriel, Dr. Gutfleljch, Habcnicht, Tr. Haberkorn, Haubach, Heichelheim, Helfrich, Helm, Huhn, Iann, Jughardi, Krumm, Lobet, Loos, Orbig, Petri, Plank, Schaßftaedt, Simon, Troß, Wallemets, Tr.'Lvimmenauer und Winii.

Die Werlzuwachssteuec.

Der Vorsitzende teilt mu, daß das Ortsstatut über die Werlzuioachssteuei vom Ministerium des Innern unter Zustimm­ung des Finanznimifieriums genehmigt ivorben fei. Einige vom 'Dhnifterunn geivinischle Zusätze, die in der Hauptsache die s,UuV nähme einiger im Landesgejetz enthaltenen Beitimmungen in das Ortsstatut betreffen, finden die Zustimmung der Vcrfammlung. EbciifaUs auf das Verlangen des Ptmifterlums wird m die Ein­leitung des Statuts emgeiügt, daß esnad) Anhöiuiig des Kreis- ausjchufies" beichlofjen worden fei, und als Termin für das In­krafttreten der 8. wtärz bestimmt.

Für die Heimarbeitsausstellung

in Frankfurt ivar vom sozialpolllischen Ausschuß ein Zuschuß von 200 Atk. beantragt morden. Von den übrigen hessischen Stabten hat Offenbach 2UU0 und Darmstadt 300 Atk. bewilligt. Tie An­gelegenheit hat die Versammlung schott einmal beschädigt und mar öaniQls an den Finanzausschuß vermiesen morden. Tiejer empiiehli Ablehnung nut Rücksicht daraui, daß hier Heimarbeit nur m sehr geringem Umfang betrieben wird.

Siadtv. K r u m m meint, es fei auch hier großes Interesse iür die Heimarbeusverhättnisje vorhanden. Wenn auch der Umfang Der in Der Stadt betriebenen Heimarbeit nicht groß fei, so sei sie doch im Kreise sehr verbreitet und die Ausstellung werde dazu bei­tragen, die Keniitnis über diese michtige Frage zu erroeitent. Er beantrage BemiUigung der 200 2)tt.

Siadtv. Wallenfels tritt für den Antrag des Finanz- ausschusjes^ein. Von zmei Ausnahmen abgesthen hätten die anderen hejftjchen Städte keinen Zufchuß geleistet, trotzdem z. B. m Worms die Hennarbeit sehr verbreitet sei. llebugeiis glaube er nicht, daß mit Der Ausstellung etwas für Die Verbesserung Der Hetmarbetter- Berhältnisse erzielt werde.

Gegen ettva 10 Stimmen wirb bem Antrag bes Finanz­ausschusses ziigesttmml.

Sonstiges.

Stabtv. Habeilicht regt eme Verbesserung bes stark be­gangenen Fußpfades im Rolhoyl an, der Die nächste Verbindung Oer isuömiguraße nut den Kliniken bilder. Der Vorsitzende gibt eine zuwgende Antwort.

Hiermit i|i die Tagesordnung ber öst'entlichen Sitzung erlebigt.

Die Erüslich Erbach-Lrbachjche Irrung.

sc. F r a n k f u r t a. M., 5. Mürz.

Wie bekannt, ist bet Spruch in ber Schiebsgerichtsklage ber Agnaten bes Gräflichen Hauses Erbach-Erbach, nämlich der Grafen Arthur, Kourab, Eberharb unb Alexanber, sämtlich Grasen zu Erbach-Erbach bic ersteren brei vertreten durch Staats­anwalt und Kammerdirektor a. D. Schön in Berlin, Graf Alexander vertreten durch seinen Pfleger, den regierenden Gra­fen zu Erbach-Fürstenau gegen den regierenden Grafen Georg Albrecht zu Erbach-Erbach, erbliches Mitglied der Ersten Kammer des Großherzogtums Hessen und erblicher Reichsrat der Krone Bayern, wegen ilcichtbeobachtung der Erbach-Erbachfchcn Familiengesetze zu Ungunsten .des Letzteren ausgefallen. Tas Schiedsgericht, das am 2. Tezember 1907 imEng^ lifchen Hof" zu Frankfurt a. M. tagte, an dem Fürst Clstistian Ernst zu Stolberg'Wernigerode, Prinz Hermann zu Schönburg- Waldenburg und Graf Wilhelin zu SolinS-Laubach als Schieds­richter teilgenommen haben, hat für Recht erkannt' Der Erbgraf EraSmus zu Erbackf-Erbach ist wegen Umgehung der Vorschrift des § 19 Absatz 1 des Hausgesetzes für das Gräf- ^ast Haus Erbach-Erbach und von Wartenberg-Roth vom 3 Ok­tober 1870 als vom Genüsse des Erbach-Erbachsck>en Haus- und ^tammvermögens ausgeschlossen anzusehen. Ta ber reaieteude (Stal zu ErbaA-Etbach Dies nicht anerkennt, fonbern fortfährt seinen Sohn Erasmus als Erbgrafen zu, behandeln^ so hat er

sich einer NichÄeoÄichtnng der Hausgesetze für bas Gräfliche Hans Erbach fchulbig gemacht. Die Kosten bes Rechtsstreits hat ber regicrenbe Graf zu Erbach-Erbach zu tragen.

In ber B e g r ü n b u 11 g wirb gesagt: Objektiver Tatbestand ist bet, baß Erbgraf Erasmus zu Erbach-Erbach ohne Konsens in Lonbon mit Dora Fischer, bet Tochter einer Waschfrau in Erbach, eine Ehe eine notorische Mißheirat cingcgangeti, bic durch Urteil des Landgerichts Franksnrt a. M. wegen Geistes­gestörtheit des Erbgrafen bei Eingehung der Ehe für nichtig erklärt wurde. Der Erbgraf wußte damals nicht, was er tat. Nach § 19 Abs. 1 des Erbach-Erbachschen Hausgesetzes hätte der Erbgraf die Einwilligung zu ber Ehe beim Chef des Hauses seinem Vater einholen müssen. Da er bics nicht getan, ist er wegen Nichtbcobachtung ber Hausgesctze, wegen Ungehorsams, als vom Genüsse bes Erbach-Erbachschen Haus- unb Stammvcrmögcns auszuschließen. Jnbezug auf Nicht­einholung bes Konsenses kann nicht behauptet werben, baß dem Erbgrafen infolge seiner Geisteskrankheit ein Entschulbigungs- grunb zur Seite ftünbe, bezw. baß man behaupten könnte, er hätte auch hier nicht gewußt, was er tun sollte. Aber biefer Ungehorsam gegen bie Hausgesetze mußte ihm trotzalle- bem bewußt sein und hierfür sprechen auch verschiedene Mo­mente. (Diese Momente werden int Urteil nicht angegeben.) Gerade in der Jetztzeit sei es geboten, baß bie Mitglieder des Hohen Abels bie Hansgesetze unb Familientradition scharf beobachten. Deshalb 'war wie geschehen zu erkennen.

Das Urteil setzt söch mit bett Anschauungen ber heutigen Zeit, auch in rechtlicher Hinsicht in mannigfachen Wiberfprucb. Es sei hier auf folgendes hingewiesen. Wenn der Erbgraf wirklich bei Eingehung der Ehe irrsinnig war, so ist die Ehe, wie das Land­gericht Frankfurt a. M. erkannt, hat, nichtig. Dann kann dem Erb- grafett aber kein Vorwurf gemacht werben, baß er bie Ein­willigung zur Ehe nicht eingeholt hat, infolgebessen kann er nicht vom Genüsse bes Erbach-Erbachschen Haus- unb Stamm- vermögens ausgeschlossen werden. Nimmt man an, daß der Erbgraf mit Bewußtsein versäumt hat, bie Einwilligung zur Ehe einzuholen (wie das Urteil sagt) unb damit bewußtermaßcu auf sein ganzes Vermögen verzichtet hat, so hat er auch bei Eingehung ber Ehe, bie demgegenüber ein Minus ist, das nötige Bewußtsein gehabt, unb bic Ehe hätte auch nicht für nichtig erklärt werben können. Gegen ben Schiebsgerichts- spruch hat kürzlich ber regicrenbe Graf Georg Albrecht zu Erbach-Erbach Berufung beim Oberlanbesgericht Darmstabt ein­gelegt. ~ Es ist zu hoffen, baß biefer bnrch unb durch unmo­derne Streit beim Oberlanbesgericht wenigstens einen bem nio« beinen Empfinben mehr gerecht werdenben Abschluß finben möge. Das wäre ein versöhnendes Moment in dieser unerquicklichen Affäre.

T eSewmscfo® des Giessener Anzeigers, mitge und Industi

Frankfurter Kör 3j-£°/0 Reichsanleihe . . 92.401 0% do. . . 82.85 3^°/0 Konsols .... 92.50 3% do 82.80

Hessen 91.50 3>5°/o Obeinesseu . . . 92.00 4So Oesterr. Goldrente. 9925 4*/6 ?6 Oesterr. Silberrente 99.75 4 S6 Ungar Goldrente . . 94 30 4% Italien. Rente . . .. 326 Portugiesen Serie I . 60.70 3% Portugiesen III 61.00 4>6°/0 rass.Staatsaul. 1905 93 90 4^°;0 japau. Staatsanleihe 87.50 4 26 Couv. Türken von 1903 94.90 Türkenlose 151.20 126 Griech. SIonopol-Anl. . 49.70 1% äussere Argentinier . 85.70 ou/0 Slexikaner .... 65.60 4>» °/0 Chinesen .... 96.40

Aktien:

Bochum Guss 198.50

Buderus E. W 111.50

Teuden;; fest.

Berliner Börse, Canada E. B. Darmstädter Bank . . . 123.80 Deutsche Bank .... 238.20 Dortmunder-Union C. . . 56.40 Dresdner Bank . . . 137.30

Tendenz: fest.

Kursberichte

teilt von der Bank für Handel ie, Giessen.

*e, 6. März, 1.15 Uhr.

Elektriz. Lahmeyer . . . 116.80

Elektriz. Schlickert . . . 103.50 Eschweiler Bergwerk . . 204 50 Gelsenkirchen Bergwerk 183.00 Hamburg-Amerik. PaketL 113.00 Harpener Bergwerk. . . 194.80 Laurahütte ..... 209.70 Nordd. Lloyd .... 101.50 Obeischles. Eisen-Industrie 95.00 Berliner Handelsges. . . 158.50 Darmstädter Bank . . . 124.20 Deutsche Bank .... 238.50 Deutsch-Asiat Bank . . 137.50 Diskonto-Komuiandit . . 174.80 Dresdner Bank .... 137.50 Kreditaktieu 203.20 Baltimore- und Ohio-

Eiseulahu 80.10 Gotthardbahu Lombard. Eisenbahn . . 25 90 Oesterr. Staats Dahn . . . 144.00 Pnnce-Hcuri-Eiseubahu . 117.00

6. Mälz. Anlangskurse.

Harpener Bergwerk. . . 194.50 .Laurahütte 209.70

1.umbarden E. B. ... 25.60 2\ordd. Lloyd 100 20 l ürkenlose . . . . . . 151.40

familie

Herzlichen Dank Allen, iocldjc und bei bem Hin- fcheiden unserer lieben Muttdr unb Großmutter ihre Teilnahme bewiesen haben.

Kennel, Darmstadt

D-Va

Haftvftrcpt. Wer einen Unfall bvl, an feiner Gesundheit oder Ieinem Eigentum einen Schaden erleidet, der jucht sicher nach lemaud, den er für Den Schaden y an bar machen tarm. Kömmt er nicht selbit Darauf, io treiben iyn Freunde unö iderannte. Fast täglich licp man darum in den Zeitungen von Haftpstrcht'Prvzeyen, unö die Rcchl- jprechung zeigt, day die Bermlichtung zotr Haftung lehr weit und feyr fchart gefaßt wird. Für ben Geichaötgtbn ist dies sehr gut, aber es ist bitter jur öen, oer den Schaden tragen soll. Ganz ahnungslos tarnt man durch einen einzelnen HafwflichtsalUum fein ganzes Vermögen, um lelue ganze wtrtfchaitllche ZuLunit toutmen. Und gebt es nicht um das Vermögen, 10 hat man doch minbejtend die Unannehmltchteiten unö evtl, öie Kosten eines Prozeßes. «Gegen diese Gefahren gibt cs nur einen mtrifnuicn Sckiup: Die Hastf uichtveriicherung. Die Gc- leuichasten ueyuien vertragsgemäß die geictzliche Entichadlgungspsticht auf itch, fuhren den Prozeß unö besagten evtl. Die Stinten. Die Victoria bietet m ihrer neuen Haftpflicho-Vorjörge-Verncherung einen beionöers mnfaiienden VerficherungsjchuP, sowohl hmiichtlich öer Bc- rufshaftpüicht als auch der ummngreichLu Privathastviilchl, der icber« mann eunach als wtensch, Fauittieiivvrjtand, Lienitherr, Ätieter, -vundebejitzer, Diaöfaorer ufro. unterließt. Lvayrend Der zcynianrigen Verncherungsbauer bleibt Die Prämie hi der Regel unucranöeri, lelbit wenn eine Vergrößentlig oder Veränderung des RäilkvS ein- tritt. Die Verilcherullg des Ehegatten ist ohne weiteres mit eilige- Idjloifen. Die Gefeufmaft verpflichtet sich zu ben inanmgfadjiien Eiinnerungen, um öie Versicherten vor Schaden zu bewahren. Die Prämie kann in Wochenraten von einer Mark an entrichtet werden, öie betragt für bie Privathaftpülcht aafc t)agr berechnet ca. luivit Bser. turnt es verantworten, stch des Schußes öieicr umiaiienöcn Berstcherung zu begeben, blos weil er aus ,aifcher Sparsaimcit Die winzige Ausgabe scheut'? c6h

N»n diu ich mit meinem Latein nm Ende!

Mein Katarrh hat sich in Pcrmiilunz erklärt und alle Mittel wollen nicht helfen. Gcjchivißt hab ich Tee hab id) getrunken, «onbvns geluticht, daß nur ganz cletiö tin Magen wurde - - und öer Seatarro tu immer noch Da. So? >dabcn Sie'S Denn LLÄXj aber auch mit <>al)s cchtenSoöenerMineral-Pauillcnoeiiuchf? ^ge ZDiicn, Die raumen mit 10 einem Mntnrrb auf. Daß c- eine x.uit i)t, unöjie fchaden nicht etwa Dem Ata gen sie -lyuualiHeren die überschüssige Säure. 4ver Zays echte 'E^ouer nimmt, iuhlt sich wohl! Zu haben für S-» "Big- Die schachtel m icDer Apotheke, Drogerie u. AkineralwäiicrhDlg. Bian weise aber jeDwebe Nachahmung ganz entschieden zurück»