M i Butter.
Zweites Blatt
Freitag, 6. März 1908
158, Jahrgang
Nr. 56
Erschein! ȟgNE tnti Ausnahme M VmmtagS,
General-Mzeiger für Oberheffen
(Beifall.)
Abg. Graf v. Kanitz (kons.):
tpoiUtSdic Lagesdedtt«.
Die neue Kongo-Vorlage
Die »Siegener ZamllienblStter- werden dem „Hngeiger* Biennal wöchentlich bergelegt, daS „Mtetsblatl ffli den Kreis Siegen" zweimal w-chenUich. Der „hessisch« Landwirt" erscheutt monatlich einmal.
tRafafisnStmie? anb Tiertofl bet Vrüblichen Unwccfnät» - unb ^Utirb rüder ei. tft Bang«. Siegen.
Es gibt kaum noch einen Bedarfsartikels der noch nicht shndi- ziert ist, der noch nicht der Preispolitik der Syndikate unterworfen ist. Nur wenige landwirtschaftliche Produkte sind noch frei. 347 Syndikate gibt es schon, die das tägliche Leben verteuern. Darum stimmen wir der Resolution deS Zentrums zu, auch dem Antrag Wagner, der Maßnahmen gegen diejenigen Kartelle verlangt, die die Beanstandungen des Kartellamts nicht beachten. Tie V e r. hältnisse in Amerika mahnen zur Vorsicht. Die dortige Kartellwirtschaft hat schon 3u einem Riesenkampfe geführt, dessen Ende noch nicht abzusehen ist. Sogar die Eisenbahnen sind dort vertrustet, waS Gott sei Dank bei uns nicht möglich ist. Und mit Jubel wurde es begrüßt, als Präsident Roosevelt das Messer an die Korruption der Trustwirtschaft setzte. Wir sind leider aus
nischen Schiffswerften sind sogar nach Holland gegangen, weil sie das deutsche Material dort billiger erhalten, als bei uns. (Hört! hört!) Dem Ausland ist das natürlich sehr angenehm. Es ist Pflicht des Staates, hier einzugreifen. Das ist kein Stück Staats. sozialisnrus, das ist ureigenste staatliche Pflicht. Der Staat muß ein Aufsichtsrecht über die Kartelle haben. Er muß einen Kommissar zu allen Beratungen seiiden können. Jndi. rekte Eingriffe in das Kartellwesen sind nicht angebracht. Aber auch auf indirektem Wege kommt man zum Ziel, durch Rückvergü, tung von Zöllen, Heranziehung einer ausländischen Konkurrenz, Verbilligung des Imports ausländischer Waren, staatlichen Ankauf von ausländischen Waren und vor allem durch eine entsprechende Wasserstraßen, und Eisenbahutarifpolitik.
Der neue englische Flolten-Verein.
Unter dem Namen „Imperial maritime League“ hat sich in England ein neuer Flotten-Verein gebildet, der die Stelle der aufgelösten „Navy League“ einnehmen wird. Das Programm der „Imperial maritime League“ besteht aus folgenden fünf Punkten: 1. Herrschaft über das Meer als politisches Programm. 2. Schaffung einer strategischen Direktion in der Admiralität. 3. Aufrechterhaltung des „two power Standard“. (Die englische Schlachtflotte muß stets den vereinigten beiden mächtigsten fremden Flotten überlegen sein.) 4. Ausführung der von der Navy League begonnenen Arbeiten. 5. Vermehrung der Zahl der englischen Matrosen an Bord englischer Schiffe.
Redaktion. Ervebttion or<t Dm cf ereil Schul» strotze 1. Lrvedtlron anb iB erlag . 6L Redaktion; 112. ZeL-Vlbu AnzeigerGietzen.
Abg. Fuhrmann (nL)
begründet die von ihm und Dr. Junck gestellte Resolution, die Regierung zu ersuchen: 1. die Handwerks- und Gewerbekammern aufzufordern, sich gutachtlich darüber zu äußern, ob und für welche Handwerksarten, sowie für welche Handwerksfertigkeiten und Fabrikate die Abänderung des § 100 q der Gewerbeordnung über die Festsetzung von Mindestpreisen möglich und wünschenswert sei; 2. dem Reichstage über das Ergebnis der Umfrage eine Denkschrift zugeben zu lassen. Es ist daö keine Parteifrage, sondern eine Frage des praktischen Lebens. Mit den Kartellen darf man die Zwangs- Innungen nicht vergleichen ; denn jene sind freiwillige Organisationen, während bei den ZwangSinnungen die Minorität an die Beschlüsie der Mehrheit gebunden ist. Uns Nationalliberalen ist in der Diskussion von der Sozialdemokratie der Vorwurf gemacht, wir seien garnicht mehr liberal. Den Manchesterliberalismus haben wir allerdings lange abgeschüttelt. Wir verstehen unter Liberalismus politische Freiheit, das Bestreben, ein Volk freier Bürger zu erziehen, aber wir glauben nicht mehr an den reinen Individualismus als Allheilmittel für alle wirtschaftlichen Schäden. Wir treiben Sozialpolitik, weil wir die Bedeutung einer aufsteigendeu Arbeiter-
Abg. KvlerSki (Pole) spricht sich für eine Arbeitslosenversicherung aus. , Unerhört ist es, wie der preußische Finanzmini- st er v. Rhcinbaben d. i Arbeitern geradezu in den Mund schaut, wie er ihnen jeden Bissen nachrechnet und sie besteuert, wo er nur kann. Ich finde es eigentümlich, daß er bei der Beratung der Osrmarkenvorlage im Abgeordnetenhaus«: eine Parallele zwischen dem früheren unb dem jetzigen polnischen Arbeiter zog. Er hat es sogar für geschmackvoll gesunden, dem polnischen König, Stanis. laus Lescynski, das Wort in den Mund zu legen, die Mehrzahl der Bevölkerung Polens sei nur eine rechtlose Maste gewesen, unb Preußen habe erst etwas daraus gemacht. Es scheint ihm nicht zu genügen, daß er den Ruf hat, nicht einer der besten und klügsten Finanzminister zu sein, er scheint auch nach dem Ruhme zu geizen, ein Hrstoriker von zweifelhafter Güte zu sein. (Heiterkeit.) Der frühere polnische Arbeiter stand sich nicht schlechter als der jetzige unter der Knute Preußens. Polnische Magnaten haben ihre Landeskinder nicht als Schlachtvieh an fremde Völker verkauft, wie bet Kurfürst von Hessen, der feiner Geliebten gern Brillanten tau. fen wollte. Die Regierungsherren und besonders Herr v. Rhein, haben sollten sich doch besser mit der polnischen Geschichte beschäf. tigen, und nicht Sachen in die Welt setzen, die nicht der Wahrheit entsprechen. (Unruhe.)
Die Gewinnsucht der Unternehmer hat es soweit gebracht, daß manche Arbeitsstätten der Danteschen Hölle zu vergleichen sind. Mit Menschenleben wird ejn frevles Spiel getrieben.
Der Redner bringt eine Reihe von angeblichen Uebergrisfen der preußischen Polizei vor.
Der Vizepräsident Dr. Paasche macht ihn darauf aufmerksam, daß diese mit dem Gehalt des Staatssekretärs nichts zu tun haben. Der Redner rafft darauf unter der Heiterkeit des Hauses seine Papiere zusammen und verläßt die Rednertribüne.
Abg. Dr. Meyer^Kaufbeuren (Zentr.)' empfiehlt die Zentrmnsresiüution auf Vorlegung eines Gesehent- wurfs über Kartelle, Trusts und ähnliche Vereinigungen. Wünschenswert sei die Errichtung eines Reichskartellamts, die Feftschung von Mindestvarschriften bezüglich der Satzungen, die Veft>flichtung zur Anmeldung, Aufsicht des Kartellamts über die Geschäftsführung usw. Die Konsumenten müsten gegen die Kartelldiktatur in Schutz genommen werden. Sogar das „Berliner Tageblatt", daö doch gewiß nicht im Verdachte der Kartellgegner, schuft stehe, habe kürzlich festgestellt, daß Panzerstahlplatten nach England billiger abgegeben wurden als im Jnlande. Unsere rhei.
Deutscher Reichstag.
116. Sitzung, Donnerstag, 6. März.
Am Tische des Bundesrats: v. Bethmann.Hollweg, Wermuth, Caspar.
Präsident Graf Stolberg eröffnet bis Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten.
Gtat deö ReichSamts des Innern.
(Dritter Tag.),
Abg. Bruhn (Reformp.):
Auch wir schließen uns der allgemeinen Anerkennung für den Grafen Pojadowsky an, wenn wir auch mit ihm nicht immer einer Meinung waren. Wir hoffen, daß da2 Gesetz gegen den unlau. teren Wettbetverb bald kommen wird, insbesondere gegen Warenhausunwesen und Ausverkaufsschwindel. Schutz müssen wir ver. langen gegen den Terrorismus der sozialdemokratischen Gewerkschaften, die die Unzufriedenheit fort, während schüren, und für die auch die Tarifverträge nur Kampfmittel sind. Welchen Mißbrauch die Arbeiter mit ihrer Macht tteiben, zeigte der Kampf im Berliner Baugewerbe. Man provozierte einen Prinzipienkampf um den Achtstundentag. Mit Gewalt hielt man fremde Arbeiter fern. Dagegen muß das Gesetz Schutz bieten. Den mächtigen Arbeiterorganisationen müssen machtvolle Arbeitgeberverbände gegenübergestellt werden. Die terroristischen Auswüchse werden erst verschwinden, wenn die Arbeitgeber sich organisieren. Dann werden die Herren Arbeiter bald einsehen, daß sre nicht tun können, was sie wollen. Es ist die Pflicht aller bürgerlichen Parteien, dafür zu sorgen, daß den Ar. beitswilligen ausreichender Schutz gewährt wird. Ein Re i ch ö. Handwerksamt ist notwendig, schon deshalb, weil die Hand. Werker glauben, daß man im preußischen Ministerium des Innern nicht das richtige Verständnis für Handwerkerfragen hat. Eine schwere Belastung des Handwerks bedeutet die Bestimmung, daß ungeheure Summen bei den Berufsgenossenschaften als Reserve, fonds angesammelt werden müsten. Die Abgrenzung von Fa. b r i I und Handwerk muß gesetzlich geregelt werden. Einer Ausdehnung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe können wir im Interesse der kleinstädtischen BevLkerung nicht zustimmen. Die Beiträge zu der Arbeiterversicherung müsten nach dem Einkommen der Unternehmer, nicht nach der Zahl der Arbeiter verteilt werden. Tie Fürsorge für die Arbeiter ist allmählich zu einem Wettrennen ausgeartet. Die Parteien sollten sich doch nicht gegenseitig an Wohlwollen für die Arbeiter überbieten. Jede Partei will möglichst sozial erscheinen, aber an die kleinenArbeitgeber denkt man nicht. Auch wir wollen dem Arbeiter das zukommen lasten, was ihm gebührt. Wir wollen aber nicht, daß sich alles nur um ihn dreht. Wir verlangen, daß man auch auf den Handwerker, stand Rücksicht nimmt. Hoffentlich wird der Staatssekretär seine Politik in diesem Sinne führen. (Beifall.)
wurde gestern nachmittag in der belgischen Kammer em- gebracht. Sie entspricht den bereits mi(geteilten Angaben bezüglich Abschaffung der Krondomäne und der Einverleibung der Immobilien und der Finanzen in den belgischen Sta-t Der Annexionsvertrag sieht eine Rente von jährlich 120 000 Francs für den Prinzen Albert und eine solche von 75 000 Frcs. für die Prinzessin Clementine vor. Ferner übernimmt der belgische Staat alle Verpflichtungen bezüglich der verschiedenen Gesellschaften erteilten Konzessionen. Ferner ist ein Spezialfonds von 45 Millionen vorgesehen zur Ausführung von gemeinnützigen Arbeiten in Belgien, speziell in Laken, Tcrvueren und Ostende. Eine Summe von rund 50 Millionen, zahlbar in 15 Jahresraten, wird dem König als Zeichen der Anerkennung zur Verfügung gestellt. Dieser Betrag wird ausschließlich zur Ausführung von Bauten,
schäft für ben Staat wohl leimen. Die jetzt mächtig aufftcigenbe nationale Arbeiterbewegung berbient die Unterstützung aller Vatcrlandsfreunde. Als Stresemann das äußerte, da riet ihm fiebebour zu: Sonntagnaclmnitagsrede 1 Ich wünschte, daß unsere Arbeiter solche Sonntagsreden immer häufiger zu hören bekämen, als Ihre verhetzenden Reden. (Lachen der Soz > Heißen wir aber die nationale Arbeiterbewegung gut, dann müssen wir auch gewisse Folgeerscheinungen hinuehmen, die mit jeder Gewerkschaftsbewegung verbunden sind, müssen ihr zugestehen, daß sie Vertretung von Arbeiterinteressen ist und müssen es auch in den Kauf nehmen, wenn die Worte nicht so fein gewählt sind. Hoffentlich kommt sie bald aus den Lümmeljahren heraus. (Heiterkeit und Gelächter der Soz.) Ein Teil der Arbeitgeber hat in dieser Bewegung anfangs eine Schutztrupps für Uuternehmerinteressen unb eine Kampftruppe gegen sozialdemokratische Gewerkschaften erblickt und es sind bann Worte von Unternehmern gefallen, die chri st lichen Arbeiter seien ja eigentlich schlimmer als die sozialdemokratischen. Das können wir nicht gutheißen. In den sogenannten gelben Gewerkschaften können wir leine Zulunfts- Eeime erblicken.
Der Redner erhebt die Forderung direkter Stenern, indem er sich gegen Herrn von Rheinbaben wendet. Wenn dieser von Schrittmachern der Sozialdemokratie gesprochen hat, nun, so befinden wir uns in guter Gesellschaft, bann ist auch der bayerische F i n a n z m i n i st e r von Pfaff ein wlcher Schrittmacher. Das preußische Legitimationspapier können wir nicht als einen Eingriff in die ReichSgesetz- gebung ansehen.Das „Berliner Tageblatt" schrieb im Anschluß an eine Gerichtsverhandlung: unsereAgrarier lieben es bekanntlich, im Parlament von Leutenot zu sprechen. Wenn man ihnen dann von liberaler Seite entgegenhält, daß einen großen Teil der Schuld die unwürdige Entlohnung und schlechte Behandlung der Leute trage usw. — Wir verwahren unS dagegen, daß das „Berliner Tageblatt" den Liberalismus ge- pachtet hat. Es gibt kein Blatt, das ihn mehr in Mißkredit gebracht hat. Erfreulicherweise wird eS auch von den eigenen Parteigenosten abgeschüttelt. (Hört, hört! und Heiterkeit der Soz.) Ich nenne bloß Heckscher. Die „BreSlauer Zeitung" hat genau so über das „Berliner Tageblatt" geurteilt und wenn Sie ins Land hinausgehen, finden Sie diese Auffassung bestätigt. Ich glaube, politisch ein gut liberaler Mann zu sein, kann es damit aber wohl bereinigen, für erhöhten Zollschutz einzutreten. Wenn das „Berliner Tageblatt" daS nicht eiusehen kann, so bedaure ich es.
dem Wege zu ähnlichen Zuständen. (Hört! hört!) Wie lange wird cs noch dauern, und die Syndikate wachsen der Regierung über den Kopf. (Sehr richtig!) Noch heute erscheint es ja so, als ob die Regierung gar nicht wagt, gegen bi. Trustmagnaten einzuschreiten. (Lebhaftes Hört! hört!) Das Kohlensyndikat hat im Jahre 1906 an Umlagen 3 900 000 Mk. er. hoben. Zu welchem Zweck? Wahrscheinlich zur Gewährung von Exportprämien. (Hört! hört!) Die ganze (Enquete hatte gar fei. nen Zweck. Die Vertreter des Syndikats verschanzten sich stets hinter der Behauptung, es handle sich um Geschäftsgeheimnistc, wenn sie über den Preis der nach dem Auslande gelieferten Kohle Auskunft geben sollten. Aber die Regierung wagt ja nicht, einzu. schreiten. Jetzt hält noch das Kohlensyndikat an seinen hoben Prei. fen fest, ja es hat sogar wegen der nachlastenden Konjunktur eine Einschränkung der Produktion verfügt. (Hört! hört!) Und erst kürzlich hat es 200 000 Tonnen Gaskohle zu bedeutend ermäßigten Preisen nach Belgien gegeben. (Lebhaftes Hört! hört!) Auf den Stteit zwischen Dueck unb Stresemann gehe ich nicht ein. Von all den rheinisch-westfälischen Zechen zahlt keine unter 11 Prozent Dividende, die meisten aber 15, 30 und mehr Prozent. (Hört, hört!) Der Redner spricht über die Relation von Bergarbeiterlöhnen und Kohlenpreisen. (Lachen der Soz., Zuruf: Brotpreise.) Auf seine Lohnberechnung ruft Hue : Woher stammen die Zahlen? Gras Kanitz: Von H i l b ck! (Aha! unb Gelachter.) Durch diese ungesunde Entwicklung der Bergarbeiterlöhne werden nicht nur die Kohlenverbraucher geschädigt, sondern auch alle Erwerbszweige, die nicht so hohe Löhne zahlen können, vor allem die Landwirtschaft. Wir Landwirte sind nicht in der Lage, Kartelle zu bilden. Wir müsten es uns gefallen lasten, daß die Arbeiter, die wir michsam großgezogen haben, uns den Rücken kehren. Im Jahre 1906 find allein aus Ostpreußen 42 000 Leute nach dem Bergrevier ausgewandert. (Hort, hört!) Ich bin fein prinzipieller Gegner der Syndikate, die wirtschaftliche Berechtigung der Kartelle aber hört auf, wenn die Preise über das notwendige Maß hinaus gesteigert, die Produktion eingeschränkt und Produkte billig nach dem Auslande abgeschoben werden. Tann muß der Gesetzgeber einschreiten. Es ist schwer, die richtige Grenze zu finden. Aber her Staat hat Machtmittel, vor allen Dingen in den Eisenbahntarifen. Es kommt nur darauf an, daß davon auch wirklich Gebrauch gemacht wird. (Sehr wahr! rechts.) Ein weiteres wesentliches Machtmittel ist die öffentliche Abschreibung des staatlichen Bedarfes an Kohlen, unter Beteiligung des Auslandes. Wir wünschen eine gesunde Entwicklung der Produktion. Dazu können Kartelle sehr gut fein. Aber wir müssen einer Hypertrophie entgegenwirken, sonst kommen wir zu haltlosen Zuständen. (Lebhafter Beifall.)
hessische Zweite Kammer.
Darmstadt, 5. März.
Am Ministertisch: Staatsminister Ewald, Finanzminister (5Fnaui§, Minister des Innern Braun, Geh. Staatsrat Krug von Nidda.
Präsident Haas eröffnet die Sitzung unv 9^2 Uhr. Tas? Haus setzt die
Generaldebatte zum Staatshaushaltsetat
fort. Mg. Tr. Schmitt führt aus: Kem Herrn Minister sei
tag nur einem Gesetzentwürfe zustimmen werde, ui dem eine auf ärztlicher Grundlage aufgebaute einheitliche Organisation mit besonderen Abteilungen für die Angestellten vorgesehen wird. Dem eventuellen Bedürfnis, die Wahrnehmung der für Juteressen einzelner Berufe gesonderte Z^r- tretungsbefugnisse zu schaffen, könne ohne ^chwrengielt durch Bildung entsprechender Unterabteilungen genügt werden.
Abg. v. Dirksen (Rp.):
Es ist mir von sozialdemokratischer Seite vorgeworfen worden, ich hätte anläßlich der Arbeitslosende mon st rationen in Berlin in einer Versammlung erklärt, man hätte auf die „Bande" schießen sollen. So gemütsroh und so unvorsichtig bin ich nicht. Ich habe nicht von ben Arbeitslosen gesprochen, sondern von den Wahldemonstrauten. Diese Wahldemonstration war eine Mache der Sozialdemokratie, die bei Wiederholungen leicht zu Blutvergießen siihren konnte. Ich habe nun erklärt, baß dieses Blut auf die Häupter der Sozial- bemofratie falle. Es waren rüde, unreife Bengel, die von dem Gegenstand ihrer Demonstration gar keine Ahnung hatten. Solchen Demonstrationen muß man energisch entgegentreten. Hoffentlich geschieht das auch bei den geplanten Umzügen am 18 März. Von den Arbeitslosen haben viele im Sommer gestreikt unb so ihre Stellen verloren. Sie sind also selbst schulb daran. Es wäre daher ganz verfehlt, eine staatliche Arbeitslosenversicherung einzuführen. Eine solche Forderung ist geradezu frivol. (Unruhe der Soz.) Von einer Verelendung der Massen ist keine Rede. Ebenso lächerlich ist die Behauptung, daß das Leben der Landarbeiter eine unerträgliche Qual sei. (Gelächter der Soz.) Ich möchte nur wünschen, daß die Arbeiter in den sozialdemokratischen Betrieben so gut behandelt werden wie auf dem Lande. (Sehr richtig! rechts.) DaS Auf- kommen der christlichen Gewerkschaften haben wir freudig begrüßt. Leider lassen sie sich aber jetzt doch hin und wieder Terrorismus zu schulden kommen.
DaS Haus vertagt sich.
Abg. GicsbertS (Ztr.) persönlich:
Die christlichen Gewerkschaften verurteilen prinzipiell jedes unmoralische Machtmittel.
Der Präsident teilt mit, daß er die Beamteninterpellationen auf die Tagesordnung am nächsten Dienstag setzen werde.
Freitag 1 Uhr: Weiterberatung.
Frhr. v. Herlling (Ztr.) wünscht den Sitzungsbeginn schon um 11 Uhr.
Abg. Baffermann (nL) widerspricht. Es tagen Kommissionen. Wir haben schon bittere Bemerkungen in der' Presse darüber gelesen, daß wir neben dem freien Sonn- unb Montag den Freitag zum Reisetag machen wollten. Es darf nicht die Praxis einreißen, daß die Herren um 11 Uhr sich in die Anwesenheitslisten eintragen und um 11 Uhr 30 Min. die Züge benutzen (Heiterkeit). DaS haben wir nicht beabsichtigt, als wir alle 14 Tage die freien Tage einsührten. Wir wollen die Kommissionsarbeiten fördern.
v. Nornmnn (kons.)
stimmt zu.
Die Blockmehrheit stimmt für 1 Uhr.
Schluß 6 Uhr 10 Min. __
Missionen 2c. im Kongogebiet verwandt werden. Ter König erhält ein Gebiet von 40 Hektar mit der Provinz Maymnbe zur Vornahme von Anpflanzungsversuchen von Kaffee und Kakao. »
Die Arbeitskammern und die technischen Angestellten.
Tie technischen PriLatangestellten, die in dem über '0000 Mitglieder umfassenden „Sozialen Ausschuß von Vereinen technischer Privatangestellten" ihre Vertretung sehen, mben in einer Delegiertenversammlung am Sonntag den 23- Februar zu dem Gesetzentwurf betr. Arbeitskammern vtellung genonrmen. R-ach einem von $>errn Karl Sohlich löont Bund der tcchn isch-industriellen Beamten) erstatteten neferat und nach einer lebhaften Debatte wurde von den Vertretern der Angestelltenorganisationen einstimmig eine Resolution angenommen, in der es zunächst zwar begrüßt ^rd, daß der Entwurf vor Zustellung an den Reichstag iien weitesten Schichten der Bevölkerung zugängig gemacht ^nli'de, zugleich aber mit aller Entschiedenheit erklärt wird, t^lß die Gesetzesvorlage nach keiner Richtung den Erwar- lungen entspricht, die die technischen Angestellten auf eine Kesetzlich geordnete Interessenvertretung der Arbeitnehmer gesetzt haben. Die vorgesehene fachliche Gliederung sowie «re Anlehnung an die Berufsgenossenschaften machten den Entwurf auch für die technischen Angestellten völlig unannehmbar. Dazu komme das völlig verfehlte Wahloerfahren, «as ein wirkliches Jrrteresse der Arbeitnehmer an diesen Kammern von vornherein ausschließe. Die vorgesehene Ver- wetung der technischen Privatangestellten sei nach diesem Entwurf völlig problematisch. Äa der Soziale Ausschuß sich nur von einheitlichen Arbeitskammern eine fruchtbare 'V™ min™Mmftrirt™
tahafext verbrechen könne, so erwarte er, daß der Reichs-1 Gründung von Schulen, Ausrüstung von wiffenschastlichen
rgs 4 Ubrin
rslimg desRechnr
Ter Vorstmid,
randplat1.
gora- und
Vare
er Teppiche, i erstaunlich C5/,
Wa!
ng.
aus bcr.Mi« auf drei iMy jme dieser Vs--
teniW-'*3,
Mndel und u> *
-Ss fielt* ""t1"
IWiW'jÄ
M Sei* * ldüE
<
I*'
)nzert
8s*
ZA
Mit 3M
“Pinedo h','
§?a! 60 pf„ **
^Leillaich, J^bTOli j, jt'j donges.i
- Stützen- deppen ek
n
[1050 Tauben str. 6.


