Ausgabe 
5.9.1908 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

amstag 5. Septemder 1908

Nr. 209

Zweites Blatt

Gießener Anzeiger

Erlcheinl täglich mit Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Oberheften

tofio abgehaltcne erste Kongreß für Sozialpolitik, Geistliche, die praktische Erfahrungen int Kirchendienstc bc-

1907 in

timmtc dem Entwürfe eines Fabrtzkgesetzes zu. dessen Haupt-

eine fahrbare Werkstatt,

ttb Montag, den 7.

Bekänepfung deS

E.

A.

erkenne.

den unlauteren Wettbewerb", lich-technischen Rcichsbehörde

Auto-OmnibuS für das Werkstallpersonal, 2 Pcrsonen-Automobile nnb 2 Krafträder.

Die Errichtung einer gewerb- Die Besteuerung von GaS

158. Jahrgang

--- W

stheksmarkc«

Berichtigung. In dem gestern veröffentlichte Briese Friedrick)s des. Großen ist anstatt dünner dümmer zu lesen.

sitzen und befähigt sind, den hebräischen Unterricht zu erteilen. Meldungen sind vor Slblmif bc6 September bei oben be­zeichneter Behörde einzureichen. Erledigt ist die mit einem cvang. Lehrer zu besetzende zweite Lehrcrstcllc an der

Rotationsdruck und Verlag der Brübl'sch« UniversitätS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Sozialpolitik in Japan.

Nicht uninteressant ist cs, daß sich jetzt selbst im fernen Osten, in Japan, eine sozialpolitische Bewegung zeigt. Heber diese Bewegung berichtet der Professor an der Universität zu Kyoto «.Japan) Masero Kambe im neuesten Hefte der Dokumente des Fortschritts «Verlag Georg Reimer-Berlin). Die Großbetriebe, die infolge der ökonomischen Umwälzung der letzten Jahrzehnte auch in Japan vorherrschend geworden sind, haben viele soziale Probleme aufgerollt, darunter das des Arbeiterschutzes insbesondere. Der im Dezember

Gemeindcschule zu Gonterskirchen.

Der neue Mainzer Eiscnbahnpräsident. Der .Reichsanzeiger* veröffentlicht die Ernennung dcö Ge­heimrats Michaelis zum Präsidenten der Eisenbahndircktiou in Mainz.

"Lastautos beim Heer. Gegemvärlig erfolgt die Zu­teilung der Lastaulomobile an die Armeekorps. So erhält das 18. Armeekorps 8 Antomobilwagen mit je einem Anhänger, einem Lastzug mit 5 Anhängern, einem Schnellaslwagcn, einem

Tabakbau und Tabakerute im Erntejahre 1907.

lieber den Tabakbau und die Ergebnisse der Tabakernte im deutschen Zollgebiet enthält das III. Bierteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reichs", Jahrgang 1908, eine lieber- sicht für das Erntejahr 1907, wonach insgesamt 96 868 Tabak- pslanzer 148 925 Grundstücke mit einem Flächeninhalt von 15 405 ha mit Tabak bepflanzt hatten (1906 : 97 139 Pflanzer, 145 420 Grundstücke mit 14 684 ha Flächeninhalt). Bon den Pflanzern hatten 30 149 je eine Gesamtfläche bis zu 1 a, 6422 über 1 bis 5 a, 15010 über 5 bis 10 a, 28 326 über 10 dis 25 a, 15 499 über 25 a bis 1 ha und 1462 über 1 ha mit Tabak bebaut. Die Ernte ergab einen Ertrag von 288 398 dz Tabak in dachreifem, trockenem Zustande, also auf 1 ha einen Durchschnittsertrag von 19 dz (1906 : 320 750 dz oezw. 22 dz). Der Gesamtwert der Tabalernte, einschließlich der Tabaksteuer, wurde auf 27 012 977 Mark (1906: 30 231290 Mark) ermittelt; der mittlere Preis für 1 dz Tabak betrug demnach 93,67 Mark (1906: 94,25 Mark).

Redaktion, Expedition und Druckerei: bchul- straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion: 112. Tel.-Adr^AnzeigerGießen.

Die«tehener Famllienblätter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Kretsblatt für den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Dietandwirtschastllchen Seih fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Der Verband deutscher Gewerbeoerei ne, desien Vorsitzender Negierungsrat Noack m Darmstadt ist, hält seine 15. ordentliche Hauptversammlung in Darm­stadt am 21. und 22. September ab. Tie Tagesord­nung verzeichnet u. a. Referate über:Die Erhebungen über die Wirkung des HaudwcrkergesetzeS, veranstaltet vom Ver­bände deutscher Ge>verbeoereine".Der Gesetzentwurf über

Sten

Mk. 4.50

Hk. S-50

und Elertrizität".Der Scheckverkehr".

Borgunwesens im Handwerk".

Krieger verein. Das am letzten Sonntag im Philosophenwald abgehaltene Waldfest, mit dem die Feier deS Sedantages verbunden war, erfreute sich eines sehr guten Besuches. In seiner Begrüßungsansprache warf Kamerad Schiffnie einen Rückblick auf die Ereignisie vor 38 Jahren und ermahnte besonders die jüngeren Mitglieder, festzuhalten an dem, was die Väter damals im heißen Kampfe errungen haben. Er schloß mit einem Hoch auf den Kaiser und den hohen Landcsfürsten. Ein mährend dieser Rede heftig ein* setzender Regenschauer zwang die Festteilnehmer, sich in den Saal zu begeben, wo dann die Feier ihren Fortgang nahm. Die linder, die vom Verein mit Fähnchen und Bretzeln be­schenkt wurden, führten einen Reigen auf. Aber auch die tanzlustige Jugend kam zu ihrem Rechte und auch mancher Alter" schwang munter das Tanzbein, Nachdem sich daS Wetter etwas aufgeklärt hatte, wurde das vorher im Freien begonnene Preisschießen fortgesetzt. Tas von Kamerad A. Dickorö sehr gut vorbereitete und geleitete Schießen fand großen Anklang und währte dis zur eintretenden Dunkelheit. Hierauf fand die PreiSvecteilung statt. Allseitig wurde dem Wunsche Ausdruck gegeben, dieses Preisschießen im nächsten Jahre in größerem Rahmen zu wiederholen. ES ist sogar die Veranstaltung eines VereiuSschießenS für das nächste Jahr in Aussicht genommen. Gegen 11 Uhr fand die Feier ihr Ende. (Verspätet eingegangen.)

** M ä u n e r - T u r n v e r e i n. Ein F a m i l i e n - A u s * fing des Männer - Turnvereins findet morgen nachmittag 4 Uhr nach dem P h i l o s o p h e n w a l d statt. Es sind für Alt und Jung Unterhaltungen vorgesehen, so daß den Teilnehmern einige vergnügte Stunden in Aussicht stehen.

Das Museum ist am Sonntag wegen Vornahm» vou Reinigungsarbeiten geschlossen.

Der Evang. Arbeiterverein läßt im Oktober für seine Mitglieder und deren Angehörig»! einen Buch - führungskursuS nach dem System des Baumeiiters Traber abhalten. Der Unterricht ist für die Teilnehmer gratis; die zu ihm erforderlichen Bücher stellt dec Verein. Gleichzeitig soll bei genügender Beteiligung ein Wieder­ho l u n g s t u r s u S stattfinden für die Personen, die an dem bereits im vorigen Jahre vom Verein abgehaltenen Kursus teilgenommen, bis jetzt aber noch keine Gelegenheit zur prak­tischen Verwendung des Gelernten hatten. An dem vor­jährigen Kursus nahmen etwa 30 Personen, darunter zehn Damen teil.

"Maul- und Klauenseuche ist ferner anSgebrochen im Schlachthose zu Ludwigshafen am 3. September.

X Inheiden, 4. Sept. Unser Bahnhof, der bisher nur dem Personenverkehr diente, wurde am 1. September für die Abfertigung von Eil- und Frachtstückgütern im Einzelgewicht diL 100 Kg., sowie für die Abfertigung ein­zelner Stücke Kleinvieh in Käsigen, Kisten u. f. w. eröffnet. Lebende Tiere und Gegenstände, zu deren 93er» nnb Entladung eine Rampe erforderlich ist, sind von der Abfertigung au5* geschloßen.

Butzbach, 4. Sept. Droben auf der Schrenzcrhöhc thront über unserem Städtchen die bekannte Melchiorsche BrauereiZum Gamorinus", welche oiefer Tage ihr öOjähriges Geschästsjubiläum! begeht. Aus kleinen Anfängen in der Stadt rind einem später auf genannter Höhe errichteten Felsenkeller ist das ftattlid)e Eta­blissement hervorgegangen. Während anfangs nur die Wirb» schäftZum Stern" in Butzbach und darnach einige hiesige Gast­häuser mit dem schäumenden Tranke des Gambrinus versorgt wurden, wird heule der erfrischende Gerstensaft aus der Gaiw- brinusvrauerei in der Stabt, wie von der näheren und weiteren Umgebung viel getrunken. Pietät und Dankbarkeit haben nun die beiden Söhne d.s Gründers veranlaßt, im Jubiläumsjahre dem Gebäude, von dem die Brauerei ihren Ausgang genommen hat, eine nime, würdige innere und äußere Ausstattung zu geben, das GasthausZum Gambrinus" in Butzbach gleichsam zu einem Denkmale für den Gründer umzugestalten. Während die Er­öffnung des oben beschriebenen Lokales am Samstag, den 5. Sep­tember statt findet, soll am Geburtslage des Gründers eine Feier für die Beamten und Angestellten des Etablissements abgehalten wor­den.

= Bad-Nauheim, 4. Sept. Bis zum 3. Sept, sind 27 773 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem. Tage noch 4703 anwesend waren. Bäder wurden dis zum 3. Sept. 355 854 abgegeben.

w. Mainz, 5. Sept. (Tel.) In Bretzenheim hat ein t o l l w ü t i g e r W o l f s h un d des Spezcreiwaren-HändlerS sechs Schulkinder gebissen. Tie Kinder kamen in daS Hospital und werden nach dem Pasteur-Institut nach Berlip

ifommen her keine Kuchenbleche -

:n Bleche sind alSboli i Zurückbehallen wirb: ils Unterschlagung vriii

5&

mgGch

politische Tagesschau.

Tie Anerkennung Muley Haftds.

Der deutsche Geschäftsträger in Paris, Baron Laucken, Tjüt, wie der Korrespondent desDaily Chronicle" mitteilt, fein Erstaunen über den internationalen Lärm ausgedrückt, den die deutsche Note verursacht habe. Ter Zweck deS deut­schen Vorschlages sei doch nur gewesen, die Verhandlungen über die Thronfrage in Marokko zu beschleunigen. Das zeitliche Zusammentreffen der Reise des deutschen Konsuls Bassel nach Fez und das deS deutschen Antrages sei bloß ein Zufall gewesen. Das weiß man iu England und Frank­reich sehr gut, aber man l)at seltsamer Weise in den maß­gebenden englischen und französischen Kreisen nichts getan, um den neuen Hetzereien der Presse gegen Deutschland Ein­halt zu tun. Die vom dem französischen Geschäftsträger im Berliner Auswärtigen Amte gemachten Mitteilungen über die Stellung Frankreichs zur Frage der Anerkennung Muley Hafids sollen übrigens nur orientierenden Inhalts gewesen sein. Die Bedingungen, die Frankreich zu stellen beabsichtigt, würden erst aus der französisch-spanischen Note zu ent­nehmen fein, deren Ueberreichung für die nächsten Tage zu erwarten sei. Aus der vorläufigen Mitteilung sei zu ent­nehmen, daß Frankreich von Muley Hafid eine offizielle Anzeige seiner Thronbesteigung zu erhallen wünsche, die zweifellos in wenigen Tagen zu beschaffen sei. Wie nun von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, soll in der franko- spanischen Note nicht nur von Muley Hafid verlangt werden, daß er die Akte von Algeciras annehme, sondern daß er auch alle Konzessionen sowie die genehmigten Arbeiten, die von feinem Vorgänger bestätigt sind, ebenfalls annehine. Außer­dem werde die Note darauf Hinweisen, daß Muley Hafid alle Verträge, die fein Vorgänger mit fremden Mächten ab­geschlossen hat, ratifizieren müsse. Frankreich und Spanien würden die Ansicht ausdrücken, daß mit Mulen Hafid nur dann amtlich verkehrt werden dürfe, wenn er diese Forde­rungen unterzeichnet habe.

In einem gewissen Widerspräche zu dieser Meldung steht nun wiederum eine Nachricht der Neuen Freien Presse, wonach die spanische Negierung am 1. September alle Kabi­nette davon benachrichtigt habe, daß sie Muley Hafid an-

scoto Mer*

ittscrklärungen am onptinzenslr. 54 zu mbe, Sekt.

Kleines Feuilleton,

E i n Kunstwerk, für dessen Vorarbeiten der Kaiser- großes Interesse bewies, ist jetzt in Wiesbaden ausgestellt. Es ist das KolossalgemäldeKaiser Wilhelm I. beim Blumenkorso in Wiesbaden". Ter Maler, A. v. Rößler, hat nahezu zwei Jahre zu dem Werke gebraucht. Im Mittelpunkte steht der greise Kaiser, tbm zur Seile ferne Tochter Luise, Großherzogin von Baden. Wagen, Livree sind nach Originalen, die aus dem Privalbesiy Kaiser Wil­helms I. stammen. Ter Kaiser Hal bei seinem tetzlen Besuch in Wiesbaden das Werk sich nicht zeigen laßen. Er äußerte jedoch die Absicht, in absehbarer Zeil zu kurzem Aufenthalt dorthin zu ommen, um das Bild zu besichtigen.

lieber das neue Phvletische M useum in Jena wird uns geschrieben: Das 'IKufeum soll ein Bild von der Entwicklung der organischen Welt geben und die ^auptthpen in der ausstcigenoen Entwicklung der Tierreihc vorführcn: Haeckels Plan ist, nicht durch Reichhaltigkeit zu verwirren, sondern durch zweckuuißige Auswahl Fi einen Materials der: gebildeten Leuen zu belehren. Aehnliche Museen gibt es in der Welt taum; m London ist dem Vernehmen nach das South K e n s i n g t o n Museum ähnlichen Zwecken geweiht, wenn auch vermöge seiner Größe nicht leicht für den Uneingeweihten verständlich: ferner Dient das Museum für Wissenschaft und Technik tn M unchen und das M u f c u m für Meereskunde in B e r - lin ebenfalls der Entwicklungsidee aus einem bestimmten Felde. Jedenfalls aber sind die Vorbilder für dieses Institut autzerst sprülich, und man kann es fast als ein Unikum betrachten. ^Einst­weilen steht allerdings nur der Dau, während die gesamte Innen­einrichtung noch der Ausführung barrt. An den Plafonds sind die Formen von Radio.arien, Quallen, Seestemen und anderen, von ixtcdel in seinem bekannten Werke gezeichnetenDtnftsormcn der Statur" als Rosetten dekoraiw verwendet, die Wand. >-nd mit Haeckels Bildern aus fremden Weltteilen und mit naturwu-. schriftlichen Zeichnunegn bebedt, unter anderem wird die Entim. lung von Goethes Kvps vom Jüngling bis zum Greis dargcl- .lt. Sckföne Exemplare des Gorilla und Lraug-Utangs sind jchott jCvt aufgestellt. Als besonderen wissenschafrlrchen Leckerbtsfen zeigte .vmcdel einen prähistorischen Schädel, der schon in den ueoziger Jahren in Australien gefunden, aber bisher nicht beschrreben roor- den ist und einen durchaus NeanderlHaral/.i 1:chcn -.'S zeigt,

der stark an den Asfenschädel erinnert; die Augei.-rau.mvullte treten mächtig hervor, bte jlichcndc Stirne bag.g. .. j , lowoyl was Höhe als L,uerdurchmesser anberrisft, »oesentlich geringere jjühifie, als sie dem Homo sapiens heute sackourmen.

«tstelhm

°"d m der L Qutani 'niePt

Wember; °ne f e&v°rslel|^

P'g. item CÜ,.

Ar8teilu"8 ® Band"

"Wellung

-6 Baud ££**

^Ul°in Marie

Mtigkest'L bchst em nn.

eiidvlf a. Ä

S' dcu U. Zettemin

Tanz

I

er, Gasthaus zur Sten ne ijt bestens neiorgi H H

Die Jahresversammlung des Bundes Heimat schütz findet am 22. und 23. September in Lübeck ^unmittelbar vor dem Tag für Denkmalpflege- statt. Die Sitzung am 23. Sept, bringt ein Referat des Geschäftsführers Koch in Meiningen übereinige Grundfragen der Organi­sation und der Propaganda des Heimatschutzes",ferner unter Vorführung von Lichtbildern Berichte des Geschäfts­führers und der Skrtreter der einzelnen Heimatschutz-sBereine über praktische Tätigkeit in .Heimatschutzfällen. Es wird so ein anschaulicher Ueberblick über den Stand der deutschen Heimatschutzbewegung in ihre praktischen Leistungen ver­sucht. Einzelne Fragen werden ausführlich erörtert, z. B. Meisterkurse und Hcimatschutz",Museen und Heimatschutz".

Tolstoi und die griech. - kath. Kirche. Aus Anlaß der Feier des 80. Geburtstages Tolstois wendet sich, wie cnls Petersburg offiziös gemeldet wird, der Heiligste Synod mit einem Aufruf an alleRechtgläubigen", in welchem zwar die großen Verdienste Tolstois auf lite­rarischem Gebiete bis in die siebziger Jahre, die ihn zu einem weltberühmten Schriftsteller gemacht haben, nicht in Abrede gestellt werden, aber darauf hingewiesen wird, daß Tolstoi später seine literarische Tätigkeit schroff ver­ändert habe, da er die ch ristlich e Lehre angefeindet (?? o, o! D. Red.) und sich als hartnäckiger Gegner der orthodoxen Kirche gezeigt habe. Tie Ehrung eines von der Christus-Kirche Abgefallenen (Wie unsinnig! D. Red.) könne Anstoß unter der Jugend und den Glaubensschwachen er­regen: daher fordert der Synod alle Rechtgläubigen auf, njt) der Feter Tolstois zu enthalten. Die Geistlichen sollen für die Verbreitung von Schriften sorgen, die die Lehre Tolstois widerlegen.

Kleine Chronik aus 5t u n ft und Wissenschaft. Als Tireiwr des Berliner Kaiser-Friedrich-Ainseums in Berlin ist i'-ofrat Dr. Karl Kötschau, bisheriger Letter der Weimarer Kunstsaiumluugen, berufen worden und wird, wie die B. Ztg. meldet, demnächst nach Berlin übersiedeln.

toiMuchei

sächlichste Bestimmungen wir im nachfolgcnbcn wiedergeben: Kinder unter 12 Jahren dürfen nick', beschäftigt werden; Knaben unter 16 Jahren und weibliche Mbeiter sollen nicht mehr als täglich 12 Stunden beschäftigt werden dürfen; eine- und Ruhepause von täglicy einer Stunde und zwei Erholungstage im Monat jollen gewährt werden; Knaben unter 16 Jahren und weibliche Arbeiter dürfen während der Stunden von 10 Uhr abends bis 4 Uhr morgens nicht beschäftigt werden (mit bestimmten Ausnahmen'; in gesundheitsschädlichen und lebensgefährlichen Betrieben müssen die notwendigen Schutzeinriajtungen getroffen wer­den ; Knaben unter 16 Jahren und weibliche Arbeiter dürfen in solchen Betrieben nicht beschäftigt werden; der Erlaß von Arbeitsordnungen soll an behördliche Erlaubnis ge­knüpft werden; das Gesetz gilt für alle Betriebe mit mehr als 10 Arbeitern, soweit sie motorische Kraft verwenden; im übrigen für alle Betriebe mit mehr als 20 Arbeitern. Angesichts der im ganzen Lande stark anwachsenden sozia- lisnschen Propaganda wird die bisher noch zögemtde Re­gierung wohl bald dem Lande eine Arbeiterschutzgesetz­gebung geben, zur Beschämung mancher ost- und west­europäischen Länder, in denen sich noch kaum die ersten Anfänge einer solchen Gesetzgebung zeigen. -n.

Ans Stabt unb Land.

Gießen, 5. Sept. 1908.

Ländliche Wohlfahrt- und Heimatpflege.

Auf der Hauptversammlung des hessischen Vereins für Heimat-, Wohlfahrt- und Kunstpflege fanden die nachstchcn- den von Geh. Negierungsrat Fey aufgestellten Leitsätze über Blumenschmuck an Häusern den Beifall der Versammlung: 1. Eine kreisweise erfolgende Prämiierung vermag zwar anzuregen und ist für den Anfang zu empfehlen, sie vermag aber keinen nachhaltigen Erfolg auf Umfang und Qualität der Leistungen in den einzelnen Orten auszuüben. 2. Es empfiehlt sich bezirksweise Vereinigung einzelner be­nachbarter Orte zu Prämiicrungsbezirken. 3. Die Förderung des Blumenschmucks an Häusern bedarf vor allem einer lokalen Organisation. Reben der bezirksweisen Prämiierung ist ein lokaler Wettbewerb zur Veranlassung befriedigender Leistungen empfehlenswert. Auf die Förderung durch Schule und Vereine ist wesentliches Gcivicht zu legen. Gemein­schaftlicher Bezug von Blumcnscherbcn, Pflanzen und Blumen­brettern ist in die Wege zu leiten. Auch auf dem Wege der Verlosungen solcher Pflanzen und Gegenstände läßt sich uianches erreichen. 4. Es erscheint sehr wünschenswert, die Einpflanzung von Schlinggewächsen und von Spalierobst an Häusern wieder mehr zu pflegen. lieber d ie Stellung der Kreis- und Gemeindeverwaltungen zur ländlichen Wohlfahrtspflege sprach sich KreiSrat Fey folgendermaßen aus: 1. Die Beschäftigung mit der länd­lichen Wohlfahrtspflege ist daS beste Mittel, um eine bureau- krotische Verwaltung und die damit verbundenen Fehler zu verhüten. 2. Sie ist nötig, damit auch über den Rahmen der gesetzlichen Verpflichtung hinaus Einrichtungen getroffen werden, welche vdrhütcn, daß der Landbewohner seine Heimat als minberiüertig und im Rückgänge befindlich ansieht, das Vertrauen auf Besserung der Verhältnisse einbüßt und damit eine wesentliche Qiielle seines Glückes und seiner Zufrieden­heit verliert. 3. Sie ist nötig, damit am richtigen Ort das gerade Rotivendige geschieht und damit anderwärts bei den gleichen Einrichtungen gemachte Fehler vermieden werden.

Lehrerperfonalien. Uebertragen wurde dem Schulverwalter Gg. Jung zu Hergersdvrf eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Angenrod. Die Stelle des Religionslehrers am Wolfgang Ernst-Gymnasium zu Büdingen ist neu zu besetzen. In Betracht kommen solche