Verschmelzung örtlicher und persönlicher Beziehungen wurde eine feste Tradition geschaffen, die die politischen und gou- vememcntalcn Strömungen und Wandlungen des Tages überwand und überdauerte und so ein gewisses berechtigtes konservatives Element im besten Sinne des Wortes, ohne das ein gesunder und haltbarer Fortschritt im Staatslcben kaum denkbar ist, lebenskräftig erhielt. Wer erinnert sich nicht icner anheimelnden politischen Zustände, wo ein Königlich PreuMicher Landrat, wie v. Meyer-Arnswalde, die Interessen seines Streif es inner- und außerhalb des Parlaments selbst seinem Chef, dem allmächtigen' Ministerpräsidenten gegenüber, rückhaltslos unb freimütig, ohne nach rechts oder links, nach oben oder unten zu schielen, vertreten durfte und die reichen Erfahrungen, die er in enger Fühlung zu den Kreisinsassen gesammelt hatte, den zentralistischen Bestrebungen und einer allzugroßen ministeriellen Bevormundungstaktik, die vom grünen Tische diktiert wurde, gegenüberstellte, gleichzeitig aber alle etwa auskommenden Gegensätze durch schlagfertigen Humor und untrügliche Menschenkenntnis, sowie durch die überlegene Weisheit des geschulten Praktikers zu mildern und auszugleichen verstand?
Ein hessischer Meyer-Arnswaldc ist unser verehrter Schon- seld-Schotten geworden. Er nimmt in dem kleineren Hessenland dieselbe charakteristische Stellung ein, wie sein berühmter altpreußischer Kollege, der, obgleich schon seit Jahrzehnten abberufen, noch heute bei politischen Feinschmeckern unvergessen ist. Ein volles' Vierteljahrhundert wirkt Herr Geheimrat Karl Theobald Schönfeld als Kreisrat in Oberhessen, das ihm, dem Sohn des lebenslustigen und frohgemuten Rhein- landes, eine zweite liebe Heimat geworden ist.. Von seinen fünfzig Dienstjahren kommen über dreißig, also ein ganzes Menschenalter, auf die Provinz, die sich heute anschickt, dem jugendfrischen Greise in Dankbarkeit und Verehrung ihre Huldigungen darzubringen.
Unser Schönfeld, der in Oberhessen wie kaum ein anderer bodenwüchsig geworden ist, dafür aber auch getragen wird von der Liebe von Tausenden, hat nie den landläufigen Ehrgeiz des Beamtens der zielbewußt aufwärts strebt, an den Tag gelegt, und man muß auch unserer Staatsregierung aufrichtigen Dank dafür zollen, daß sie das Oberhaupt des hiesigen Kreises trotz seiner hervorragenden Veitwaltungstalente in dem Wirkungskreis, für den er nun einmal wie geschaffen war, belassen hat. Das' Mnisterium wußte freilich sicher, daß es damit auch dem eigenen Interesse diente, denn es verfügte über einen „ehrlichen Maller" zwischen den Interessen des Ganzen und eines Teils desselben. Unsere Regierung konnte nie im Zweifel darüber sein, daß der Schottener Kreisrat auch dem Staatswillen mitt kräftiger, niemals aber mit bureaukratischer, Hand, also gerade so, wie man es von alters- her gewöhnt w:ar> Geltung verschaffte und dem gesunden Ausgleich der Regierungspolitik mit einer freieren Selbstverwaltung — stets auf vernünftiger Grundlage und nach bewährten Grundsätzen — sich, untei^uordnen verstand.
Auf diese Weise gelang unserm Jubilar ein Doppeltes: dr blieb ein treuer und geschickt arbeitender Diener seines Souveräns und eine zuverlässige Stütze der maßgebenden Zen- tralinstanzen. Auf der anderen Seite machte er, da er selbst sich einer Popularität sondersgleichen erfreute, auch die Maß- nahmen und Reformen des von ihm vertretenen Staats populärer und annehmbarer. Solche seltenen Männer braucht besonders unsere heutige Zeit, wo alles im Fluß ist und täglich neue staatlich^ Aufgaben erwachsen ober wenigstens zu erwachsen scheinen.
In dem entlegenen Städtchen Schotten aber,, auf den Höhen des Vogelsbergs, erwuchs unter Schönfelds pädagogischer Leitung eine angesehene Ausbildungsstätte zukünftiger und zünftiger Verwaltungsbeamter, und seine vielen Schüler erinnern sich gewiß mit Freuden dessen, was sie ihrem Lehrer und väterlichen Berater zu danken haben. „Wir alle" — so heißt ein gesticheltes Adinisterwort — „sind Meister Schönfelds Lehrlinge und Gesellen gewesen."
Es kann nicht meine Aufgabe sein, alle Verdienste, die sich Herr Geheimrat Schönfeld um Stadt und Land erworben lmr, die aber glücklicherweise handgreiflich zu Tage liegen, aufzuzahlen und zu würdigen. Sie sind ja allgemein bekannt und erstrecken sich auf alle erdenklichen (Gebiete des verwaltungsrechtlichen Regiments. Rur das eine will ich hervorheben, daß der Kreisrat vorn SckDtten besonders nach finanztechnischen Grundsätzen, wie sie kaum besser sein könnten, jahrzehntelang sorgsam geschaltet und gewaltet hat und gar manche bedürftige Gemeinde auf eine solide finanzielle Basis emporgehoben hat. Rur leise andeuten will ich dabei die weitere Tatsache, daß der edle Philanthrop jederzeit mit eigenen Mitteln tatkräftig mit- hals und auch sonst, ohne daß die eine Hand wußte, was die andere tat, mancherlei Rot im Stillen gelindert hat. „Edel sei der Mann, hilfreich und gut!" war seine Devise, und sie befruchtete das schöne Feld seiner stillen Tätigkeit. —
Es gibt keinen Politiker und Patrkoten von Namen, der die enorme vaterländische Bedeutung der Krieger- und Veteranen- »ereilte verkennen wird. In jener Zeit, wo die deutschen Armeen ihre glorreichen Siege erfochten, bedurfte es einer Belebung unseres Sinnes für das stolze Volk in Waffen nicht. Aber nachdem wir Deutschen länger als ein Menschenalter im Frieden gelebt, ja der Kulturwelt den Frieden diktiert haben, gleichzeitig aber gefährliche. Mächte, an der Wühlarbeit sind, tun unser Heer mit sozialistischem, llafsenverhetzendem Gift zu durchtränken und den Sinn für militärische Autorität und Disziplin zu untergraben, ist die Bedeutung der Kriegervereine ganz außerordentlich gewachsen. Sie sind geradezu eine nationale Macht geworden. Das hat niemand rechtzeitiger erkannt als Geheimrat Schönfeld. Auch nach dieser Richtung hin ist der Schottener Kreisrat, als tatkräftiger und zielbewußter Förderer des Kriegervereinswesents seines Wezsirks, das Muster eines modern gerichteten Verwaltungsbeamten geworden. Auch sonst hat er es verstanden, den Reichsgedanken in allen Bevölkerungsschichten zugkräftig zu erhalten. Ein Blick in die heutige Festversammlung lehrt uns, welche ungewöhnliche Verehrung unser Jubilar gerade in den Kreisen _ber reichstreuen Veteranen genießt, und ich bin Ihrer aller Zustimmung gewiß, wenn ich im Hinblick auf die hier versammelten ehemaligen Krieger und Soldaten Herrn Geheimrat Schönfeld für seine treue Anhänglichkeit und Liebe einen ganz besonderen Dank votiere. Diesen Dank hat der Gefeierte wirtlich ehrlich und reichlich verdient. —
Aus dem deutschen evangelischen Pfarrhaus sind viele hervorragende Männer und Geisler hervorgegangeu. Auch unser Jubilar stammt daher und hat von. dorther die zu Herzen gehende hinreißende Redegabe, den humanen Sinn, seine selbstlose Nächstenliebe und eine Weltanschauung, ans der immer neue und reiche Ströme menschenfreundlicher Gesinnung flössen, mit- gebrachl und deswegen dürfen wir nicht unterlassen, heute auch des elterlichen Pfarrhauses in Wöllstein, des väterlichen Blumen- und Literaturfreundes und der liebevollen Mutter in Wehmut und Treue zu gedenken. Ihr treuer, pietätvoller Sohn, den wir heute feiern, hat! swar anscheinend keine Zeit gehabt,, sich nach dem Vorbilde des Vaterliauses ein eigenes trautes Familienheim zu schaffen. Seine einzige Lebensgefährtin,blieb der Kreis, seine nächsten Angehörigen waren die Kreisinsassen und als Lebensnerv adelte sein auch ohne Hausfrau gastfreundliches Heim der unversiegbare goldene Humor des Rheinländers, dem hier inmitten des ernsten Cl;attenstammes eine gemütvolle und liebenswürdige Zweigniederlassung bereitet war. Der funkelnde Sorgenbrecher seiner schönen Heimat vereinigte dort immer neue Freunde zu löblichem, feuchtfröhlichem Tun, gab dem gastlichen Hause einen urdeutschen Charakter, verlieh ihm einen besonders anmutigen und behaglichen Zauber, machte es zu einer Schutzhülle, wo jeder willkommene Unterkunft fand, der kein Spielverderber und ein echter Kerl war.
So stellt sich uns Karl Theobald Schönfeld als Mensch dar. Er ist ein Lebenstünstler sondersgleichen geworden, und wenn wir uns heute dem- einmütigen Gefühle des ehrerbietigsten Dankes hingeben und dem Gefeierten ein weiteres gesegnetes Wirken, volle Gesundheit und die bisherige unverwüstliche
Arbeitsfreuide auch für die Zukunst wünschen, _ so können wir das nicht besser tun als in dem jubelnden Rufe:
Herr Geheimrat Schönfeld, „unser Schönfeld", der Kreisrat, wie er fein soll, der Zweiitndsiebziger mit dem Jünglings- herzen im Busen, er lebe hoch und nochmals hoch und zum drittenmal hoch!!! ,v , „
Tief empfundener Dank des Jubilars folgte danach, weiterhin sprach Bürgermeister Viehl-Rainrod:
Eine seltene Feier hat uns heute festlich vereiiligt. Ich hege den Wunsch, daß es mir gelingen möge, aus meinem
kurzen Sprüchlein, das ich im Namen des Kreisausschusses
und des Kreistages zu sagen habe, alles Steifleine zu entfernen. Ich bin ein schlichter Mann, der das ihm über
tragene Amt schlecht uitd recht verwaltet, aber auf das, was man in der großen Welt das Offizielle zu nennen pflegt, verstehe ich mich nicht. Ich' chofse aber, daß dies hier und auch heute nicht nötig ist. Wir Vogelsberger Männer sind zusammen gekommen, um unserem Kreisrat als Kreisvater Glückwunsch und Dank darzubringen, und Wir wissen, daß er lein Freund der geschraubten und gedrechselten Worte, sondern ein Mann der Tat ist. Wir wissen noch mehr, nämlich, daß er froh sein wird, die Geschichte bald überstanden zu haben. Aber das hilft nun einmal nichts, hochverehrter H. Geheimrat,! nachdem Sie über 20 Jahre für Ihre Vogelsberger gesorgt und gewirkt haben, müssen Sie es sich gefallen lassen, daß wir einmal gründlich und ordentlich danken hintereinander weg, dann gehts desto leichter, schneller und schmerzloser. S. Exzellenz, der Herr Minister Braun, hat vor' zwei Jahren eben hier in diesem Saale in scherzhafter Mißbllligung ausgeführt, daß unser Kreisrat es vortrefflich verstanden habe, die Staatskuh im Interesse seiner Vogelsberger Gemeinden zu melken. Ein größeres und schöneres Lob, eine bessere Würdigung der Verdienste eines Verwaltungsbeamten kann es gar nicht geben. Damit es nicht so aussieht, als wenn wir gar zu viel Milch bekämen, haben wir dankbaren Männer einen Schönfeldbrunnen gestiftet, der nur reines klares Wasser gibt. Man möge jetzt einmal landauf, landab fahren, so weit die Farben rot-weiß wehen: unsere Bannmeile kann sich mit Ehren sehen lassen. Kreisstraßen, Brücken, Wasserleitungen, Schulhäuser sind entstanden und im Kreiskassetopf sinh doch noch ein paar Spargroschen geblieben. Das hat inner Kreisrat zu schaffen verstanden, ohne uns armen Gemeinden das letzte Fell abzuziehen. Und nun gehe man hin und nenne im kleinsten Dörfchen den Namen Schönfeld. Da leuchten die Augen, da freuen sich die Herzen, und da sprich,h dankbar und in ehrlicher Hochachtung jeder Mund: Das ist ein wackerer, tüchtiger Mann.^ Ich glaube nicht, verehrte Festgenossen, daß irgendwo in unserem Lande Kreiseingesessene mit solcher Herzlichkeit, mit solch persönlichem Vertrauen an ihrem Kreisrat hängen, wie wir an dem unseren. Bürger und Bauern — von den alten Kriegern gar nicht zu reden — sind stolz auf den Mann, der in uneigennütziger, unermüdlicher Arbeit nur für ihr Wohl besorgt bleibt auf den Mann, der immer zu sprechen ist, und dem das Wort „Hochmut" ein unbekannter Begriff blieb.
Wir sind hocherfreut, hier eine so große Zahl früherer Mitarbeiter und (verzeihen Sie, meine Herren, wenn ich den Ausdruck gebrauche) früherer Schüler unseres Herrn Geheimrats um ihn versammelt zu sehen. Tas beweist. Wie viel Liebe und Anhänglichkeit er gesäet hat. Und nun haben wir an diesem festlichen Tage, an diesem Markstein eines treuen gesegneten Wirkens einen herzlichen Wunsch: Möge es durch Gottes Gnade unserem Herrn Geheimrat vergönnt sein, noch lange bet uns zu bleiben, noch lange für uns zu sorgen und zu schaffen, als das Muster eines kerndeutschen wetterfesten Mannes, der feine Pflicht tut und noch mehr als seine Pflicht. Das ist der Wunsch von Kreisausschuß! und Kreistag, das ist der Wunsch jedes redlichen Vogelsbergers. Diesen unseren Wünschen und unserem Dank geben wir Ausdruck, indem wir nach echter alter Soldatenart rufen: Unser lieber hochverehrter Kreisrat Herr Geheimrat Schönfeld jetzt und immerdar Hurra! Hurra! Hurra!
Schotten hat miü dieser Feier ein Fest erlebt, wie wohl noch nie zuvor, und lange noch werden diese Tage in Erinnerung der Bewohner des Vogelsberges bleiben.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 5. Mai 1908.
"Der Tasch enfahrplan des Gießener Anzeigers liegt der heutigen Landauflage bei.
** Der Bericht über die Stadtverordneten- Sitzung erscheint erst morgen.
"* Aus dem Militär Wochenblatt. v. Baumbach, Rittm. und Eskadr.-Chef im Thüring. Ulan.-Regt. Nr. 6, zum Adjutanten des Generalkommandos des 18. Armeekorps ernannt.
** Otzernvorstellung im Stadttheater. Nach Mozart und Rossini, nach Beethoven und Ander wird in der fünften vom Theaterverein veranstalteten Opernaufführung am nächsten Freitag wiederum ein deutscher Komponist zu Wort kommen: Albert Lortzing, der Klassiker der deutschen Volksoper, mit seinem „Waffenschmied von Worms", und im Gegensatz zu den vorangegangenen Opern, deren ^Handlung in Spanien oder Italien sich abspielte, erwächst diesmal die Handlung im deutschen Bürgerleben des Mittelalters. Der nun 62 Jahre alte „Waffenschmied" gehört zum eisernen Bestand eines jeden Opernreper- toirs, er ist populär im besten Sinne des Wortes, und viele seiner schönen, heiteren Melodien mit ihrer leichten Faßbarkeit sind Gemeingut des Volkes geworden. In dieser Vorstellung werden sich zwei, §uch in Gießen rasch beliebt gewordene Mitglieder der Darmstadter Oper von uns verabschieden: Frl. Roediger, die reizende Marzelline und Zerline au5 Fidelio und Fra Diavolo, welche nach Bremen geht, und Herr Dr. Kuhn, dar an das Münchener Hosthealer übersiedelt.
** Mi t dem Schn tz der Singvögel beschäftigt sich eine in der heutigen 9htmmer enthaltene Bekanntmachung des Großh. Polizeiamts, worauf besonders hingewiesen sei.
** Genosse ns ch a.f t sverband. Die Verhandlungen des Verbandes der Erwerbs- und WirtschastSge- n o s s e n s ch a f t e u der Provinzen O b e r h e s s e n und Starkenburg fanden am Samstag und Sonntag in Darmstadt unter dem Vorsitz des Verbandsdirektors Stein- Darmstadt statt. Von der Stadt waren Bürgermeister Dr. Gläffing und Baurat Jäger erschienen. Ferner waren anwesend Verbandsanwalt Dr. Erüger-Eharlottenburg, Landesökonomierat Müller im Auftrag der hessischen Regierung, die Direktoren Justizrat Alberti-Wiesbaden und Huber-Frankfurt, sowie der Vorsitzende der Zentralstelle für die Gewerbe Regierungsrat Noack. Es waren im Ganzen 140 Abgeordnete anwesend. Am ersten Tage wurde nach Bericht der Rechnungsprüfungstörnmission dem Verbandsdirektor Entlastung erteilt. Eine Abänderung des § 19 der Satzung betr. Erhöhung der .Gebühren des Revisors wurde gutge- heißcn. Der Voranschlag pro 1908/09 wurde genehmigt. Es folgte _bann der Bericht des VerbandSrevisors Direktor Habicht- Darmstadt über die in den Jahren 1907 und 1908 vorgenommenen Revisionen. Zum Schluß hielt der Verbandsanwalt Dr. Erüger- Eharlottenburg einen Vortrag über die Sicherung der Bau- f o r b e r u n g c n, wobei er eingehend die Vorteile unb Nachteile des vorliegenden Gesetzentwurfs berührte und Verbesserungsvorschläge machte. Am 2. Tage berichtete Vcrbandsdirellor Stein über die Tätigkeit unb Entwicklung bes Verbanbes im Jahre 1907/08, wobei er sehr erfreuliches Vorwärtsschreiten feststellen konnte. Heber die Lianibät der K r e b i t g e n o f f c n i d) a f t e n sprach der Bankbirektor T h o r w a r t - Frankfurt a. M., der bie Beschlüsse des Baden-Badener Verbandstages hierbei zur Kenntnis brachte. Vankbirektor Malz- Frankfurt besprach das aktuelle Thema: Scheck- und Heberweisungsverkehr, wobei er die außerordentlichen Vorteile eingehend erörterte. Als Abgeordnete zum Alig. Deutschen Genossenschaststag wurden die Vertreter von Kl.-Gerau, Lampertheim, Lorsch unb Seligenstadt ausgelost. Hierauf wurden VerbaudMrektor Stein-Darmstadt, so- I wie sein Stellvertreter Weitzel-Darmstadt, ebenso als Verbands-
vevisor Direktor Habicht-Darmstadt und fein Stellvertreter Seibert - Wiesbaden wiedergewählt. Endlich wurde als Ort des nächsten Verbandstages Eberstadt bestimmt.
** Das Diakonisscnmutterhaus Elisabethen- stift in Darmstabt begeht in diesem Jahre das Jubiläum seines fünfzigjährigen Bestehens. Ströme des Segens find in dieser Zeit durch den Dienst seiner Schwestern an den Kranken und leidenden Gliedern unserer Familien von diesem Hause in unser Land gegangen. Davon weiß auch unsere Stadt, in der die Schwestern schon seit vierzig Jahren wirken, zu erzählen. Das HauS darf eS darum auch von uns erwarten, daß der Dank dafür an fetneih Jubiläum zum Ausdruck kommt. Die Gelegenheit ist gegeben durch die dringende Bitte des Hauses, ihm zur Errichtiing eines dringend nötigen Jsolierhauses, verbunden mit einem Heim für unheil, bare Kranke, behilflich zu sein. Das wäre in der Tat ein rechtes Jubiläumsgeschenk. Die Pfarrer der vier Gemeinden und der Klinikspfarrer Adolph sind gerne bereit, Gaben dafür entgegenzunehmen.
Lauda ch, 4. Mai. Am Donnerstag besichtigte Geh. Rat Prof. Heß aus Gießen die hiesige forstliche Versuchsstation, mit deren Anlegung Forstassessor Leo seit mehreren Wochen beschäftigt ist. — Am Samstag besuchten unter Führung des Geh. Oberforstrats Walther aus Darmstadt die Mitglieder des Großh. Hess. Forstwirt- ichastsrats und verschiedene Forstreferendare, etwa 20 Herren, die hiesige Stadt. Von der Bahn fuhren sie in zwei Sommerwagen nach den nächstliegenden Waldungen, wo der hiesige Forstmeister Andre bie weitere Leitung übernahm. Nach einem Mittagessen im „Solmser Hof verließen die Herren um 5.06 Uhr wieder unsere Stadt.
R. B. Darm stadt, 4. Mai. Die Beisetzung deg Generals, Exz. Wilhelm Rau sand heute nachmittag unter starker Beteiligung statt. Der Trauerfeier wohnten n. a. Staatsminister Ewald mit Gemahlin, Bürgermeister Dr. Glässing und Beigeordneter Kahlert, sowie ehemalige Kameraden des Verstorbenen vom 49. und 116. Infanterie- Regiment bei. Namens der Letzteren legte Oberst v. Müller am Sarkopharg einen prachtvollen Lorbeerkranz nieder. Die Gedächtnisrede hielt der Dlvisionspfarrer Fick en sch er, der besonders darauf hinwics, daß der Verstorbene sein Leben den militärischen Dienst dem Vaterland gewidmet hat; als 16 jähriger machte er den badischen Feldzug mit, als 60 jähriger war er Festungskommandant von Neu-Breisach. Am offenen Grabe legte Prof. Dr. Staudinger namens der Groß- Loge zur Eintracht nach einer warmherzigen Gedächtnisrede und Widmung der 3 symbolischen, freimaurischen Rosen, einen prachtvollen Lorbecrkranz nieder; ihm folgten mit Reden und Kranzspenden die Meister vom Stuhl der verschiedenen hessischen Bundeslogen Darmstadt, Offenbach, Gießen (durch Herrn Wilh. Triblis), Worms, des Kriegervereins Darmstadt ii. a. m.
GerichtssaaL.
Berlin, 4. Mai. Tie Straskammer des Landgerichts I uer* urteilte den früheren Geheiinsetretär im Auswärtigen Amt, Oskar Pvplan wegen versuchter Nötigung, begangen gegen den Staatssekretär des Auswärtigen Alntes, v. S ch ö n, zu einem Monat Gefängnis. Wahrend ber Verhandlung und der Urteilsbegründung wurde im Interesse der staatlichen Sicherheit die Oeffentlichkeit ausgeschlossen.
Universitäts-Nachrichten.
Aus Anlaß bes goldenen Toktorjubiläums des befanden Forschers aui dem Gebiet der Chemie, Geheimrat Prof, von Baeyei in München, sandten Glückwunschadressen: die Preußische Akadein« der Wissenschaften, bie philosophische Fakultät der Berliner Universität bie technische Hochschule Berlin und Kultusminister Dr. Holle.
£?<utfccl.
Schwerin i. M., 4. Mai. Tas hiesige Landgericht hak über das Vermögen des Herzogs Heinrich Borivin zu M e ck l e n b n r g - S ch w e r i n, der vorige Woche entmünbigl wurde, das Konkursverfahren eröffnet.
Kleine TagcSchronik.
Das Automobil des Brauereibefitzers Mller aus Rothenburg a. d. Dauber wollte, wie man uns aus Nür nberg schreibt, zwischen Burgbernheim unb_ Steinach einem Gefährt ausweichen, und fuhr gegen einen Straßenbaum. Die Insassen, Frau Adler und bet Braumeister, flogen ui großem Bogen I-eraus, wobei elftere einen Armbruch erlitt, letzterer getötet wurde.
In Berlin bat sich der Gefreite Becker vom 3. Gawe- Grenadier-Regiment, nachdem er zuvor einen Schuß auf den ihm vorgesetzten Unteroffizier abgegeben hatte, mit feinem Tienstgewehr erschaffen.
Die 16 jährige Tochter eines angesehenen Landwirtes auf R aj betrat!) (Rhl.) wurde feit Donnerstag vermißt. Gendarmen: erhielten Auftrag, die Gegend mit Spürhunden abzusuchen. Eie fanden die Leickw des Mädchens mit einem Knebel im Munde auf. Es wurde Lustmord konstatiert. Man nimmt an, baß der Täter ein aus Belgien ausgewiesener Deutscher ist.
In Marseille wurde der Mann, dem die Obhut über vier Elefanten in dem Sonderivagen des von Nizza nach London gesandten Hagenbeckschen Alenageriezuges anüeriraut war. tot aufgefunden. Eines der Tiere hatte dem Schlafenden den Kvpf eingedrückt.
i In Rad Yinno (Galizien) wurde der Jahrestag oev p o l n i s ch e n M a i v e r f a s s n n g gefeiert, wobei ein furchtbare» Gedränge im ©arberoberaume,entstand. Der Fußboden braa) zusammen und eine große Anzahl Personen samt den Mr- berobetaften fiel in den Kellerraum. 14 Personen wurden ver- Wunbet, barunter drei lebensgefährlich. ____
Äorausfichtliche Witterung für Hesse» am Millivoch den 6. Mai: Ziemlich heiter, nur strichweise Regen. Warm, südliche Winde.____________________ —
OrrginaL-OrahtrnetSnngen.
Mailand, 5. Mai. Die Lage in Parma wird immer bedenklicher. Ausständige Landarbeiter beschmierten in den seuchefreien Ställen die Wände mit Schaum von Tieren, bie mit der Maul- un? Klauenseuche behaftet waren. Der Belagerungszustand über die ganze Provinz dürfte heut« verhängt werden. ,
Lemberg, 5. Mai. Der Polizei-Korporal ^zpa wurde aus offener Straße von einem bei den Exzessen Verhafteten durch zwei Revolverschüsse getötet. — Wie auS Zakapane gemeldet wirb, ist dort neuerdings heftiger Schneefall eingetreten. Alle Verbindungen sind unterbrochen.
Newyork, 5. Mai. Bei dem Feuer im Avelanetz otel im Fort Wayne sind über 3 0 Personen verbrannt, etwa 40 verletzt. Das Gebäude brannte vomg aus. Da die Fremdenbücher mitverbcannt sind, weitz man nicht genau, wie viel Personen beim Ausbruch des Bran e im Hotel waren. 12 Leichen wurden geborgen.


