Ausgabe 
5.2.1908 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

;xz

zwungen durch die Parteileitung, vom parlamentarischen Schauplatz abtreten mußte; jedenfalls haben in ihm seine Parteigenossen einen ihrer geschicktesten Wortführer ge­wonnen.

AusSanS.

London, 5. Febr. In Tanger ist die Nachricht einge- trcnen, dak ein neuesblutigesGefechtzwischenMa- rokkanern und Franzosen bei Settat stattgesundcn habe. Gmeral Damade marschierte mit einem starken Detachement, unter­wegs alte Dörfer zerstörend, von Redschid aus Settat, als sie plötzlich auf eine starte Kolonne von angeblich 25000 M a- rokkauern stießen, die anscheinend Muley Hasids Avantgarde angehörte. Tic Eingeborenen erlitten bei dem Gefecht grotze Verluste, doch verloren auch die Franzosen 60 Mann an Toten und Verwundeten. Unter den Toten befanden sich ein Oberst, 2 Majore unb mehre andere Offiziere. Namentlich soll die französische Artillerie schwer gelitten haben.

Petersburgs. Febr. Das o b e r st c M i l i t ä r g e r i ch t hat gestern die Generale Stössel, Fock und Reiß zum Tode verurteilt. In der ersten Instanz war nur über Stössel die Todesstrafe verhängt worden, während Fock zu Rangcntkleidung und 20 Jahren Zwangsarbeit unb 3iciß zu Nangcntkleidung und Deportation verurteilt word-en war.

Batof gab den König, und zwar verhältnismäßig sehr ein­fach, d. h. er verzichtete auf'bie Hilfsmittel mimischer SUemmalerei und zeichnete den Charakter im wuchtigen Lapidarstil. Er saßt Lear nicht eigeritlich als ein pathologisches Problem an und aus, in dem es sich darum handelt, die verschiedenen Merkzeichen der Altersschwäche und dann die rnelverschlnngenen Wendungen des Irrsinns dem Zuschauer mit abstoßender pjuchopathischer Nalur- lreiie zu veranschaulichen. In Bako s Darstellung ist Lear der Träger eines fürchterlichen Aienschenschicksals, das voii sittlichen, nicht von physischen Bedingungen vernichtet wird. Und diese schlichte Aufsasiuilg kann man and) als berechtigt anerkennen. Er ist, so sagt Vischer,eilte jener Nalnren, deren Größe niemals in Klugheit und Selbstbeherrschung bestehl, ein weiches, tiei inniges, aber unendlich launisches Herz". Und diese Weichheit des Herzens beionte Bakoi besonders. Trotzdem aber nm reit die Szenen des Vaterflnches von eindringlicher Tiefe des seelischen Ausdrucks, Stücke überzeugender Seelenmalerei, dabei nicht ganz ohne feier­liche Rhetorik. Schon m der Slurmszene, beim Einblicke Edgars, zeigt Bakois Lear Vorboten der Geisteserkrankung. Tie dann folgende Psendo-Gerichtsszene zeigt nicht groteskes Spiel nut un­ruhigen Gebärden, noch nicht wirr wechselnde Töne, sondern es ist noch Methode darin. Ohne viel blendendes Beiwerk, eigemlid) nur durch die Gliederung der Rede verleiht B. dreien Szenen monu­mentale Kraft und die ergresiende Größe des Leides. Er gibt der Phantasie des Zuschauers nur beschränkte Reizmittel, redet sich aber überzeugeild um seinen Verstand und ersdiüliernd in sein Gemüt hinein. Es ist künstlerische Ehrlichkeit, die sicher wirkende Hills- mittel verschmäht, die nicht unbedingt zur Sache gehören. Im ganzen zeigte sich B. als ein starker Führer der Gemüter aui die volle Höhe tragischen Mitleibs. Tie Szenen, in denen weiche, elegische Stimmungen die Oberhand hatten, ergriffen nns jedenialls am meisten. Hier fand B. cmeit verinnerlichten, rührenden Ton, der endlich zunt Notschrei der ganzen leidenden Menschheit wird. - Wenn and) eine wirksame Steigerung der leldensd)ajtlld)en Ans- brüche ausblieb, ivenn eine gewisse Gleichwertigkeit zu beobachten war, so ist dod) festznslellen, daß Bakois künstlerijd)e Schasfei.iskrast an dieiem Abend wieder in ichönslem Lick)te erstrahlte. Ihm haben wir es zu verdanken, daß diese grandiose Dlchliing Shakespeares überhaupt aui unserer Bühne erscheineit konnte. MU Recht wurde ihm lebhaitesler Beifall nad; jeder Szene gespendet.

Reimer-Schlegel betonte mit gutem Grunde die tragische Kraft, die in dem Narren steckt, und gab der Figur ienes

Stimmungsbild aus dem preuh. Abgeordnetenhaus.

Berlin, 4. Februar.

Ehe man sich int Abgcordnctcnhause heute mit dem Etat ' der Berg-, Hütten- und Saliucnverwaltung be­schäftigte, besprach man erst vier Stunden lang einen neuen Gc- sehentwurf, der allerdings mit dem Bcrgetat in imljcr Beziehung steht. Es handelt sich darum, daß die Staatsrcgierung einen Kredit bis zu 5 5 Mill io neu Mark zur weiteren Auf- schließungdes staatlich en Besitze sanSteinkoh le n- feldern in Westfalen fordert. Tas Zentrum benutzte die günstige Gelegenheit, um zu gleichem Zwecke für Oberschlcsien 25 Millionen Mark zu fordern. Tr. Hagrr, der frühere lang­jährige Generaldirektor des Grafen Ballesttem, hatte es über­nommen, die letzte Forderung zu begründen. Er tat das in etwa einstündiger, nicht gerade kurzweiliger Rede. Er meinte, daß sich der Landtag, noch kurz bevor er das Zeitliche segnet, ein schönes Denkmal setzen würde, wenn er die Regierungsvorlage und den Zentrumsantrag annehmen würde. Herr Stackmann von den Konservativen stand zwar der Forderung für Westfalen durchaus sympathisch gegenüber, wenn er auch nachdrücklichst erklärte, daß es sich um eine Ausnahme handele und man nicht etwa einen Präzedenzfall schaffen wolle. Mit dem Zenrrumsantrag tonne er sich aber weniger befreunden. Wenn in Oberschlesien Hilfe notwendig sei, wie in Westfalen, so werde der verantwortliche Nessortchej sckon dafür sorgen, daß auch dort eingeschritten werde. Ter nationalliberale Abgeordnete Hilbek konnte der Bergver­waltung zahlenmäßig nachweisen, daß die H a u p t s ch u l d an den hohen K o hle n pr e i se n Lor etaat selbst trage, der nicht in der Lage gewesen sei, seine Produktion so zu vermehren, wie die Privaten Gruben das getan haben. An sich habe er gegen die Forderung für Westfalen nichts anzuwenden, und auch für die oberschbesische Forderung würde er zu haben sein, wenn das Bedürfnis dort ebenso dringlich wäre. Tas scheine ihm aber zurzeit nicht der Fall zu sein. Niemand habe etwas dagegen, wenn der Staat einen angemessenen Anteil an der Kvhlcnproduk- lion erhalte.

Ta alle Parteien grundsätzlich mit der Regierungsvorlage einverstanden nrnren, hatte der Herr Minister Delbrück, der dann das 5Bort erhielt, es nicht nötig, noch vieles zur Begründung auszusülwcn. Er war mit der Tendenz, auch für Oberschlesien 25 Millionen Mark zur Aufschließung zu gewähren, einver­standen, meinte aber auch, daß es damit noch keine Eile habe. Im übrigen wiest er darauf hin, daß am Ende die Kvhlcnknapphcit nut dadurch hervorgerufen sei, daß der Konsum stärker steige, als die Produktion. Tast da ein Loch entstand, sei erklärlich. In Ost- -und Westpreusten, Posen und Pommern habe teilweise geradezu eine Kvhleniwt und nicht nur eine Kohlentnappheit be­standen, die jetzt glücklicherweise gehoben sei, auch durch die Mit- hllfe der beiLen inbelrackt kommenden Grvsthandelsfirmcn. Das sei sehr interessant, denn es beweise, daß tatsächlich der Gro st - handel nicht ganz entbehrt werden könne. Der Abg. G y st l i n g von b:r freisinnigen Vollspartei stimmte dem Minister darin bei, daß sich auch hier wieder gezeigt habe, daß der Groß­handel bei der Versorgung mit Kohlen nicht zu entbehren sei. Die Genossenschaften, in deren Händen sich jetzt vielfach der Detailverkauf befinde, seien nicht imstande, den ganzen Bedarf zu decken. Dabei wende die Konkurrenz der Genossenschasten von einem großen Teil der Kaufleute bitter empfunden. Dem leiten­den Gedanken der Vorlage stimme er ohne weiteres zu. Die Re­gierung hätte sich den eklatanten Mißerfolg mit der Hibernia" ersparen können, wenn sie den Weg früher be­schritten hätte. Tie Verstaatlichung des gesamten Kohlenbergbaus freilich wäre nicht empfehlenswert: erst solle man einmal die Kohlenfelder fruktifizieren, die man habe, damit das Volk bald wieder billigere Kvhlenpreise bekomme. Ter Zentrumsantrag erscheine auch ihm verfrüht- Wolff-Lissa (freis. Vgg.tz schloß sich dem durchaus an, er könne es nur begrüßen, wenn die Köhlen- sörderung erhöht werde.

Um 3 Uhr machte dann ein Schlußantrag der Debatte ein Ende. Sie wurde aber, als nun der Etat der Bergverwaltnng an der Reihe war, im gleichen Genre fortgesührt. Minister Telbrück meinte, daß er es nicht leicht habe, es allen recht zu machem Dein einen wirtschafte er nicht kaufmännisch genug, dem anderen roieber seien die Kohlen zu teuer, dem dritten er­schienen die Wohlfahrtseinrichtungen unzureichend, ein vierter werfe ihm noch vor, daß die Arbeiterlöhne zu niedrig seien. Er müsse aber nach allgemeinen wirtschaftlichen Erwägungen disponieren. Der Auslandsexport sei auch nicht ganz zu ent­behren. Ebenso könne der Zwischenhandel nicht ganz ausgeschaltet werden. Nachdem zum Schluß B r u st (Ztr.) wie alljährlich, wenn auch in maßvoller Weise, Klagen der Bergleute über zu viele Ueberschichten, zu vieles Nullen, über das noch immer vorkommendeSchmieren" der Bergbeamten vorgcbracht, auf der anderen Seite aber im Namen des Zentrums die gesunde Lohnpolitik und die Urlaubsgewährung gebilligt hatte, trat Minister Delbrück noch einmal auf den Plan, um zu ver­sichern, daß die Regierung schon seit Jahrzehnten gegen das Schmieren" kämpse und auch weiter kämpfen werde, womit man auf allen Seiten des Hauses durchaus einverstanden war.

Der Präsident hätte gewiß gern eine A b end sitz u ng vor­geschlagen, mußte aber davon absehen, damit die Kommissionen, insbesondere die Budgetkommission, Zeit für ihre Arbeiten erhalten.

DeueSches

Berlin, 4. Febr. DieDeutsche Tagesztg." demen­tiert aufs entschiedenste die Gerüchte von einer Zurück­ziehung der Polen Vorlage.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht den Entwurf eines Gesetzes über die Arb e its kamm er n.

M ü n ch e n, 4. Febr. Die Erklärung des Straßburger Theologieprofessors Dr. Ehr hardwirdvom Vatikan als ungenügend betrachtet.

Straßburg (Els.), 4. Febr. Der kommandierende General des 16. Armeekorps hat den Soldaten seines Korps den Besuch der katholischen Kirche in Ars an der Mosel verboten, weil an Kaisers Geburtstag der Geistliche in der Kirche eine Predigt gehalten hat, die eine schwere Verunglimpfung der Person des Kaisers darstellte. Der Geistliche, Abbe Mansey, in Ars sagte in seiner Predigt am Geburtstag des Kaisers: Brave Katholiken hätten keinen Anlaß, sich über die Geburt des Kaisers zu freuen, da sie nur dazu da seien, Steuern zu zahlen und Militärdienste zu leisten. Bei Besetzung höherer Aemter müßten sie beiseite stehen. Das einzige, was einem guten Katholiken fromme, sei, zu Gott zu bitten, daß er den Kaiser mit besserer Ein­sicht orte u

Politische Teige-schan.

Zur Lage in Portugal.

Die Einbalsamierung der Leichen des Kö­nigs und des Kronprinzen war heute morgen 6 Uhr beendet. Die Leichen werden in Särgen von morgen bis Freitag ausgestellt.

DasBerl. Tagebl." meldet aus M a d r i d: Nach einer Meldung aus Lissabon wird jetzt erst bekannt, daß bei dem Attentat am Samstag auch vier Soldaten, meh­rere Polizeibeamte unb Privatpersonen verwundet wur­den. Lissaboner Anarchisten behaupten, das Attentat sei das Werk der Republikaner gewesen. Aus Bada- goz wird telegraphiert, daß die Ruhe nur scheinbar sei. Die Revolutionäre planten weitere Schläge, um die Repu­blik auszumtfcn. Telegramme aus Lissabon schildern fol­genden pathetischen Auftritt im Totengemache, wo die Königin an dem Lager ihres Gatten und ihres Sohnes saß. Plötzlich trat Franco ein. Die Königin wies auf die Leichen und sagte: ,^ier ist Ihr Werk!" Franco erbleichte, stotterte einige Worte und verließ den Raum, während die Königin in Tränen ausbrach.

Das Ministerium hat sich definitiv wie folgt kon­struiert: Admiral Ferreira do Amaral, Vorsitz und Inneres; Campos Henriguez, Justiz; Agosto Castilho, Ma­rine; Wenceslau Lima, Auswärtiges; Sebastian Telles, Krieg; Espregueira, Finanzen und Calvet Magalhaes, öffentliche Arbeiten. Das Ministerium wird heute im Kö­niglichen Schlosse zusammentreten. Ferreira do Amaral, Magalhaes und Castilho sind unabhängig, Henriguez und Lima sind Regeneradores, Telles und Espregueira Pro- gressisten; Magalhaes und Castilho sind zum erstenmal Minister. _______________

Ans L^no.

Gießen, 5. Febr. 1908.

** Tageskalender für Mittwoch, 5. Febr.: Sladt- tHeal er: Abends 7 Uhr:Der Andere."

*

** S. K. H. der G r o ß h e r z o g fuhr am Montag mit seinem Automobil in Neu-Isenburg vor der Wohnung

mehr. Jedenialls aber ist zu betonen, daß die gestrige Aufführung desKönig Lear" reich an packenden Momenten war und für unser Theater als em erfolgreicher Abend zu biichen ist. P« W.

Maeterlinck über Shakespeare. Unlängst hat der Belg. Dichter Maeterlinck im PariserFigaro" einen in­teressanten Aussatz über denKönig Lear" veröffentlicht, das er hier den übrigen Werken Shakespeares und den griechischen Tragödien gegenüber stellt. Tie Tragödie des alten Königs gilt ihm als die machtvollst^, erschütterndste und tiefste dramatische Dichtung, die je geschrieben worden ist.Prometheus", die Orestie",König Oedipus" sind wunderbare, aber einzeln flehende Bäume,König Sear" ist ein wunderbarer Wald. Jene gehören ebenso wieHamlet" undMacbeth" zu einer erhabeneven Klasse von Dichtungen als alle anderen, bcun sie spielen sich ab aut einer Art von heiligem Berg, der von einem Mysterium um­geben ist. ImKönig Lear" dagegen gibt es nichts eigentlich Uebernatürlick-es; die Götter mischen sich nicht in die Handlung ein; das Schicksal selbst ist ein ganz innerliches, es ist nichts als eine närrische Leidenschaft. Und dennoch entfaltet das Drama seine fünf Akte auf einem so hohen, an Zauber und Poesie reichen Gipfel, daß es scheint, als ob alle Kräfte des Himmels und der Hölle wetteiferten, um es in die Lüfte zu erheben. Tie Nichtigkeit der Fabel verschwindet in der grandiösen Höhe, zu der es sich emporschwingt. Dabei ist es der Ausdruck des Mensch- lchsten, das es im Menschen gibt. Und darum bleibt es das jüngste von allen Damen, das einzige, an dem die Zeit nichts zerstört hat. Zugleich ist es von allen großen Tragödien diejenige, die ihrem Wesen nach am meisten lyrisch ist, und doch die einzige auf der Welt, in der die Pracht Ber Sprache niemals der Wahr­heit des T-ialogs schadet.

Kleine K u n st ch r o n i k. Tie Beisetzung A u g u ft Wilhelinjs, des in London verstorbenen berühmten Geigers, anb in Wiesbaden am 1. b. Alts, statt. Simfon von Henry Bernstein, bem Verfasser beöTieb", wurde in einer Ueberfetzung von Ruboll Lothar am Deutschen Volkstheater in Wien aufgeführt. Die außerorbentlick^e biamatiidje Schlagkraft des Stückes hielt bas Publikum fortwährend in größter Spannung. Da außerdem die Darstellung ausgezeichnet war, so gestaltete sich der Abend zu einem starken Erfolg, besonders nach dem wirkungs­vollsten dritten Akt. Der "Ausschuß der Bürgerschaft zu Hamburg beantragt den Neubau des Hamburger Stadttheaters.

des Kaufmanns Passet vor und Nesi durch feinen Hof- marfchall dem 10 jährigen Sohn Passets einen Besuch ab- statten und sich über dessen Befinden erkundigen. Der Knabe wurde vor etwa drei Wochen durch das Automobil des Großherzogs überfahren und ziemlich erheblich verletzt. Das Befinden des Knaben ist ziemlich gut.

* Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten 911fr. Deggau aus Darmstadt eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Brcidenbach, dem Schulamtsaspiranten Wilh. Seng aus Atzenhain eine Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Wallernhausen. Erledigt ist eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Viernheim. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden.

** G i e ß e n e r V o l k s b a d. Jrn Januar wurden 6719 Bäder ucrabceid)t gegen 7721 tm Dezember 1907 und 7567 im Januar 1907 ober tm Durchschnitt pro Tag 217 Bäder gegen 249 im Dezember 1907 unb 244 im Januar 1907. Der Be,uch im ein­zelnen hat sich wie folgt verteilt:

Schwünmbab: 2931 Männer, barintter 423 zu 10 Psg., 541 Frauen, 105 10

Wannenbäber 1. Klasse 235 Männer, 76 Frauen, 2. 608 379

Brausebäber 1. Klasse 799 Männer, 70 Frauen, 2. 785 89

Dampf- u. Heißlustbäber, sowie Massage zus. 187 Männer, 19 grauen. Tie Personenivage wurde von 200 Personen benutzt unb das Bab von 8 Personen befid)iigt.

** Oesfentliche Lesehalle. Im Januar wurden 2 6 7 1 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 1332, Zeitschritten 561, Jugendsck)rüten 209, Vers- bid)tungen 75, Literaturgeschichte 11, Länder- unb Völkerkimbe 88, Kulturgeschichte 49, Geschichte unb Biographien^ 133, Kunst­geschichte 22, Naturwisienscha't unb Technologie 95, Heer- unb Seewesen 23, Haus- unb Lanbwirtscha't 5, Gesundheitslehre 22, Religion und Philosophie -7, Slaatswissenschatt 7, Sprachwissen- schail 7, Fremdsprachliches 5 Bände. Nach auswärts kamen 123 Bände.

** Das Kolosseum hat, seit b:m 1. Februar ein ganz ausgez-eichnetes Programm, das so reckst geeignet^ ist, FastnackstS- sttmmung h^rvorzurufeu. Es wird eröffnet durch MißAnita, die mit großem Geichick auf der rollenden Kugel, mancherlei Evolutionen aussührl. Dann kommtLa belle Tilly" und tanzt und singt recht temperamentvoll einige hübsche Sachen. Der Hunwrist Kutt Speyer bringt alte und neue Sachen mit großem Humor zum Vortrag. Er verfügt über ein außer­ordentliches Mienenspiel, mit dem er im geeigneten Augenblick trefflich zu arbeiten versteht. Allerliebst und sehr sehens­wert sind die interessanten und sehr schwierigen Tressurbor- sührungen von divra Hamann, die mit 24 dressierten Kakadus, Arraras und Hrmden arbeitet. Tie Troupe Guerro de Me­xiko ist von ihrem früheren Austteten her den Kolosseumsbe- suchern sicher noch in bester Erinnerung. Auch diesuual wieder fand-en sie für ihre vorzüglichen gymnastischen Leistungen leb­haften Beifall, insbesondere die neu zu der Truppe gehörende kleine Künstlerin, die für ihr Alter etwa 12 Jahre schon sthr gutes leistet. Ten Glanzpunkt der Vorstellung bilden aber unstreitig die Ausführungen von Peter PrangsKölnerBur- l e s k e n - E n s c in b l e. Gestern kamenKölner Blut" undTie Perle der Garnison" zur Darstellung, zwei Stticke von über­wältigender Komik. Es hieße ihre drastische Wirkung beeuv trächttgen, wenn man auf Einzelheiten eingehcn würde. Man kann nur raten, die Stücke sich anzusehen und mitzulachen, zu lachen namentlich über die Tümes-Gestalt des Direktors Peter Prang, ter Vorsteller, Spielleiter und Verfasser in einer Person ist.

"Zu der Laubacher Versammlung, über die wir gestern berichteten, sendet uns Oberlehrer Tr. Werner folgende Zuschrift:

Ter Bericht über die Versammlung in Laubach enthält ver­schiedene Unrichtigkeiten. Die Versammlung war von über 1 0 0 Z u h ö r e r n besucht. Tas Thema hieß : »Die gemem- iamen Aibgaven der Deulschjozialcn und Chrlsttld)sozialen." perr Pfarrer Nebel, der Christllch-Sozialer ist, hat s e l b st v e r ,l a n d- lick; nichts Grundsätzlick)es entgegnet, sondern mich teilweise fallet) verstanden, wie auch Herr Pfarrer Fntsd) feststellte, ^emzuwlge habe ich in meiner Erwiberuug uid)tseiugeschräukt".

Wir geben dieser Zuschrift loyaterweise Raun, unb be­merken bazu, baß unser Laubacher Berichterstatter bis jetzt sich stets als sehr zuverlässig erwiesen hat. Vielleicht nimmt er Veranlassung, sich zu ber vorstehend abgebrueften Zuschrift zu äußern.

** Panorama (Kirchenplatz 9). Die dieswöchentliche Serie ersetzt dem Beschauer eine Reise nach Nor­wegen, dieses Land mit seinen wildromantischen nordi­schen Fjorden, Bergen und Schluchten, das unser Kaiser alljährlich auf seiner Nordlandsreise besucht. Die Auf­nahmen, von denen wir nur nennen: Szenen und Partien bei Helgoland, im Kieler Hafen, an Deck der HoheuzvUeru, Odde, Hardanger Fjord, Bergen mit seinem Hafen, das hübsche Molde, die malerische und wilde Szenerie am Gey­ranger Fjord usw. Wir wollen erwähnen, daß die Vor-

diangierte Kolorit, das allem sie verständlich macht, beim ber Narr ist ein Geistesverwanbler Hamlets: seine Llistigkeit hat etwas iii.enblid) Bitteres, sie schmeckt nach Wermut. R.-Sch. war and) ein Narr, ber nicht lachte. Nach Vem-Vorbilbe von Kainz, ber wohl als erster ber sonderbaren Bühnentrabilion cutgegentcat, bas; Die Starren ihre Lustigkeit immer im Gesicht tragen. Des Narren letzte wehmutsvollen Worte finb übrigens:Ich will am Mittag zu Bett gehen". Sollte baraus nicht der Schluß 511 ziehen jein, daß der Narr trotz der Atitiagshöhe seines Daseins nicht länger mehr das Lew seines Königs mitzutragen vermag unb bahuisiecht? .

Tie Damen Achter berg unb Färbung ließen bie Ent­artung ber beibcn märchenhatt bösen Schwestern wohl zu nachbrücklid) zur Geltung kommen. Tie Corbelia ber D 0 r a Ormont war eine liebliche Erscheinung, bie ber verschlossenen Seelengröße seine Turchempsinbimg zu teil werben ließ. Gareis spreite beu Graten von Kent mit trotziger Robustheit unb finsterer Kargheit. Daß der Cbelmaiin nicht zur Geliiing kam, kann man ihm nicht gerade verargen. Zum inuigamen Seiltet hat Weingartner, unser jvmpäthischer Held, nicht das rechte Zeug. Darum gab er ihn mehr als gleichmütig frohgemuten Gentleman, ließ a?er bebet bas Ver'ührerijche, Flotte bes skriipellosen Rassemenschen sowohl wie daS Atitreißeube bes um die Mittel niemals bangenben Helben leibet stark vermissen. Goll mad)te als Ebgar, namentlich in den Szenen simulierender Verrücktheit, seine Sache gut, ebenso Roden als Cornwall, und Gsell als Gloster genügte.

Mit der Inszenierung hatte man sich offensichtlich größte Muhe gegeben. Tie Emrid)tung des Trauerfpiels war, nach dem Zettel zu fd)licBcn, im wesentlichen wohl eine Arbeit des Dir. etein- ßoetter. Mit den allermeisten Kürziingen konnte man einverttanden jein, besonders damit, daß er den Sprung Glosiers beseitigte. Unb einzelne Zusammenziehungen im Texte weil getrennt hegenber Szenen verblüfften wohl, aber erwiesen sich als dramaturgijd) äußerst gesdsickt. Atanches baoon kam bem genialen Ei bes Columbus gleich. Die Aiisstallung war burchweg wohl gelungen unb bas Zusammenspiel ließ nur wenig zu wünsd;e>i übrig. Un­richtig war es ja, baß am Schlüsse bes ersten Aktes Vear mit ben Seinen statt nach rechts, nach links roieber verschivinbet, roo man sich boch bas Sd)loß Gonertls zu denken hat, bas; ferner bie barauf krtgenbe erste Szene bes 2. Aktes nicht gleich bie volle Finsternis der Nackft zeigt, roährend der doch Cornwall unb Regan erjcheinen, uub bergt Kleinigkeiten