Bibelstunde.
Pfarrer B e ch t o l s h e i m c r.
November
Wetter
1908
gezeigt.
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Erfolglose Berufung.
NNE
4
Höchste Temperatur am 31. Eft bis
Niedrigste
31. Cft. bis
Hande)
des
94.20 I Elektriz. Lahmeyer
84 45
. 84.46
Obeischlcs. Eiseu-Iudustrie 97.55
Portugiesen
III
100.00
97.10
l'nuce-Henn-Eiseubahu . 122.00
222.00
Tendenz: schwächer.
war
1. Nov.
1. Nov.
Lanrabütte . Nordd. Lloyd
120.00
120.90
016
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4- 6,9 0 C.
4- 3.4 * C.
Italien. Rente . . . Portugiesen Serie I .
91.00
98.00
99 30
92.90
November. Anfangskurae. liarpener Bergwerk. . Lanrabütte .... i-uinbarden E. B. . . Nordd. Lloyd .... l'ürkenlose.....
185 50 106.30 191.00 192.00
‘i>% 3Jä°/0 3%
3>»7o
Berliner Handelsges. Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Deutsch-Asiat Bank Diskonto-Kommaudi t» Dresdner Bank . . Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio-
Eisenbahn . . . Gottbardbahn . . . Lomuard. Eisenbahn Uesterr. Staatsbahn .
- 140 80
. 49 60
. 86.30
. 190.75
. 192.30
. 22.40
. 84.50
. 140.60
. 94.20
. 84.60
. 92.40
Elektriz. Schuckert . . . Eschweiler Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg-Amerik. Paket!. Harpcner Bergwerk. . .
o.o
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. 165.70 . 126 30 . 237.70 . 137 00 . 177.30 . 145.75 . 11)9.20
22.50
147 40
Börse, 2 - . 174.10 . . 126 00 . . 237.50 . . 57.00 145.60
Bed. Himmel Bed. " „ Bed.
lürkenluse.....
4 % G riech. Monopol-Anl.
4-ä äussere Argentinier j°/0 Mexikaner . . i>i7o Chinesen . . .
Aktien:
Bochum Guss . . . Buderus E. W. . .
Tendenz: fest
Berliner
Canada E. B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . .
do. Konsols do.
Hessen . . Oberbessen
6,8
3,7
0,7
Fabrikant:
August JacobüDarmstadti
aufgeb coii;cn, um diese mm Feldwebel zuruckzujuhren.
Durch das Schöffengericht Ortenbcrg wurde der in Gelnhaar bedienstete Gärtner A. K. aus Merkenfritz wegen Bedrohung zu 25 Tagen Gefängnis verurteilt. Eine teilweise verbüßte Strafe von zwei Wochen wegen Körperverletzung wurde einbezogen und daraus eine Gesamtstrafe von 5 Wochen gebildet. Ter Angeklagte bestritt, eine ernstlich gememte Drohung ausgestoßen zu haben und focht das Urteil an. Tie Beweisaufnahme ergab jedoch, daß er einem Milchkutscher mehrere Ohrfeigen versetzt und ihm zugerufen hat, er schneide ihm ben „Krios" ab. Es wurde auch festgestellt, daß der Bedrohte sich in seinem Sicherheitsbewußtsein beeinträchtigt gefühlt hat, dcun er hat statt seines bisherigeii Weges mit seinem Milchwagen schlechte Feldwege benutzt; auch stand fest, daß der Angeklagte an einem Waldrande auf ihn gelauert hat. Unter diesen Umständen mußte das Urteil seine Bestätigung finden.
Meteorologische Beobachtungen
der Station Gießen.
Die Furcht vor dem Arbeitshaus
trieb den Schlößer H. St. von M eng s h ausen zur Berufungseinlegung gegen ein Schöffengerichtsurteil, daß ihn wegeli Bettelns zu G Wochen und wegen Ruhestörung zu 2 Wochen Haft verurteilt hatte, nach deren Verbüßung er in daS Arbeitshaus sollte. Wie aus seinem Sündenregister hervorgeht, hat er die Gewohnheit zu jkandalieren und die Leute zu beleidigen, wenn er beim Betteln abgewiesen wird. So hat er cs auch in Vilbel gemacht. Als er zu einer unpassenden Zeit eine Bäckersfrau um einen Teller Suppe bat und ihm nichts verabfolgt wurde, nannte er die Frau eine „Rotznase" und skandalierte, bis seine Festnahme erfolgte. Er ist jo häufig wegen Bettelns vorbestraft, daß alle Voraussetzungen zur Arbeitshausüberweljung vorliegen, weshalb das Urteil b e “ {tätigt wurde.
Gießener Strafkammer.
) ( Gieß^cn, 30. Oktober.
Wegen Diebsiahls im Rückfall
wurde der H a u ? b u r s ch e P. O. aus Z a h l b a ch zu 6 Monaten Gefängnis abzüglich 1 Atonal Untersuchungshaft verurteilt. Er hat einem mit ihm in einem Friedberger Hotel bediensteten Mädchen einen Siegelring und einen kleinen Geldbetrag entwendet. Ein Wüstling.
Auf Grund einer unter Ausschluß der Oefsentlichkeit geführten Verhandlung wurde der Taglöhner A. M. hier wegen Sittlichkeitsoerbrechens und Blutschande ju 1 Jahr 6 Monaten Zuchthaus veriirteilt. Nach bein Urteil hat das Gericht die Strenge des Gesetzes walten lassen, da er sich an der seiner Obhut anvertrauten kaum 11 Jahre alten Stieftochter zweimal unsittlich vergangen hat. Es wurde für jeden der Fälle 1 Jahr Zuchthaus in Ansatz gebracht und die Strafen onf l1/2 Jahre zurückgesührt.
Aus schiefer Bahn
befindeii sich die 15jährigen Taglöhner P. E. und O. G. hier. Die wegen Diebstahls vorbestraften Jungen sind im letzten Monat an der alten Klinik hier vorbeigekommen. E., der durch seine frühere Unterbringung als Patient in der Ohrenklinik die Lokalitäten kannte, machte den Vorschlag hineinzugehen. Da niemand anwesend war und der Schlüssel stak, durchsuchten sie den Operatious- raum und nahmen eine Elektrisiermaschine mit. Hierauf gelangten sie durch ein Fenster in den Küchenbau, wo sie zwei Elemente und einen kupfernen Kessel Mitnahmen, den G. seiner Mutter zum Geschenk machte. Wenn auch einerseits die früheren Strafen strafschärfend wirken mußten, so wurde doch strafmindernd die Tatsache berücksichtigt, daß die Angeklagten das Gestohlene, das übrigens keinen besonders großen Stiert hatte, mehr aus Lust zum Spielen als aus verbrecherischer Neigung sich angeeignet haben. Es erschienen deshalb Gefängnisstrafen von je drei Wochen für ait-
Geborene: Herrn Otto Grumbach und Frau in Düsseldorf eine Tochter.
Gestorbene: Herr Johannes Bücking in Alsfeld. — Herr Johann Adam Lutz in Elpenrod. — Herr Hermann Röder in Dorheim. — Frau Leopold Wallach, geb. Spier, in Alsfeld. — Frau Witwe M. Marr in Berlin.
Mochttche Nachrichtens
Evangelische Gemeinde.
Montag, den 2. November, abends 8 Uhr, im Lukassaale:
58 40 59.95
97 35
91.15
90.90
4 russ.Staatsanl. 1905
4/a l/o japan. Staatsauleihe
1 % Couv. Türken vou 1903
95 I
96
1.
1.
2.
TeEeioniscfoe Kursberichte
Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und Industrie. Giessen.
I 754.1
754,3 j 753,7
Uesterr Goldreute. 4l/6?6 Uesterr. Silberrente 4% Ungar Goldreuto . .
im Freien tor Regen und Dunkelheit nichts mehr gesehen. Gr wisse mir noch, daß er mit seiner Mannschaft im Freien herum, getorkelt und über einen Graben gesprungen sei. Spät in der Nacht sei er aufgewacht, er habe auf einer Wiese gelegen, seine Leute habe er nicht mehr gesehen nni> seine Waffen hätten ihm gefehlt. Weil es noch regnete, habe er Unterkunft in einer in der Nahe liegenden Mühle gesucht und bis jwm Morgen auch gefunden. Major Micker stellt aus den Akten fest, daß die beiden Kameraden, die zur Patrouille gehört haben, ebenfalls auf jener Wiese im Regen übernachtet haben und das Seitengewehr, Koppel und Patronentasche ihres Führers bei der Kompagnie abgeliefert hoben, als sie allein zurückgekehrt waren. Das Gewehr des Marx hat man später auf einem Kartoffelacker zufällig gefunden, so idaß es wieder in Besitz der Kompagnie gekommen ist. Aus die Frage, wie er dazu gcfomm’cn sei, sich Nachts auf die nasse Wiese zum Schlafen hin zu legen, kann Marx keine Antwort geben. Oberleutnant Schwendy ist der Ansicht, der Angeklagte sei kur; nachher, als er die Wirtschaft verlassen hatte, so sinnlos betrunken gewesen, daß er strafrechtlich für das, was passierte, nicht verantwortlich ‘,3 -emadit werden könne, er lasse deshalb die Anklage aus § 137 des M. Str. G. wegen Beschädigung unb Preisgabe eines Tienstzegenstauves fallen. Dagegen müsse der Angeklagte aus § 147 des M. Str. G. bestraft werden, denn dieser habe als Befehlshaber eines Kommandos oder einer Ab- teilnug in schuldhafter Weise sich außer Staub gesetzt, den ihm o6Iiegenbcn Dienst zu versehen, er hat den ihm erteilten Befehl, nach einer halben Stunde seine Leute zur Wache zurückzuführen, nicht ^»usgeführt. Ter Fall liege um so schwerer, als es sich hier um inne Feldwache handelte, die sich im Ernstfälle, im Kriege, auf die ausgesonderten Leute unbedingt verlassen müsse. Marx mutzte sich des Vertrauens, das sein Vorgesetzter in ihn setzte, als er ihm die Führung der Patrouille anvertraute, würdig zeigen, er ist auch bereits wegen Ungehorsams auf dem Diszip. linarwege dreimal bestraft, deshalb -müsse im vorliegenden Fallt nicht auf mittleren, sondern auf strengen Arrest erkannt werden, den er auf d rei Wochen zu bemessen bitte. Das Urteil lautete demgemäß. — In einem weiteren Falle verurteilte das Standgericht den Ersatzreservisten Schlosser Fr. Karl Blomberg, z. Zt. in Siegen, wegen Kontrollentziehung in 1907/08 und wegen Nichtbefolgung eines Gestellungsbefehls zu 10 Tagen Mittelarrest, indem angenommen wurde, daß dies Könttvllvergehen fahrlässig begangen ist. — Ter Musketier Hermann Schmidt, gebürtig vus Dietesheim (Kr. Offenbach) von der 3. Kompagnie des 116. Infanterie-Regiments hatte sich gegen die schwere Anllage der Gehorsams Verweigerung, Achtungsverletzung, teilweise bei versammelter Mannschaft, zu verantworten. Tie Affäre hatte sich z. Zt., als unser Regiment im Manöver war, an der Wache der alten Kaserne abgespiett. Tie Verhandlung, die über 2 Stunden in Anspruch nahm, endete mit der F r e i s p r e ch - u n g des Mannes, weil der Gerichtshof im Gegensatz zu dem Anklagevertreter der Ueberzeugung war, daß Schmidt für die Straftaten nicht verantwortlich zu machen ist, weil er sinnlos betrunken war, als er sie beging.
Al. - G l a d b a ch, 31. Oft. In dem großen Prozeß wegen des Schmuggels an der h 0 l l ä n d s ch e n Grenze wurden die vier Hauptangeklagten solidarisch zu 38 800 Mk. Schadenersatz für hinterzogene Zölle und zu fünf bis 10 Monaten Gefängnis, der fünfte Hauptangeklagte zu dreitägigem Gefängnis verurteilt. Acht Mitangeklagte wurden freigefprochen, sechs zu cm bis drei Monaten Gekängnis verurteilt.
Tas Standgericht trat am Freitag vormittag in der alten Kaserne zusammen. Ter Gerichtshof wurde aus Major Nücker als Vorsitzender, Hauptmann Buhtz und Oberleutnant Boetzig^als Beisitzer gebildet. Tie Anklagen vertrat Oberleutnant Schwettdy. Ter erst kürzlich zur Ersatzreserve entlassene Bergmann Robert Marx I. hat als Musketier bei den 172ern in Straßburg gebient und das diesjährige Manöver mitgemacht, das sich an der schweizer Grenze aöspielte. An einemlRegentage — die Truppen waren vom frühen Morgen aus den Beinen gewesen — bezog die Kompagnie des Marx ^rachmittags gegen 5 Uhr Feldtvache. Ter Feldwebel beauftragte Marx, mit noch zwei Manu als Patrouille gegen einen Wald vorzugehen und fefarf die Schneisen nachzuselien, ob sich ein Feind zeige. Er sollte spätestens in einer guten Ijalben Stunde mit seinen Leuten sich zurückmelden. Wer aber erst am anderen Vormittag zu seiner Truppe zurückkam, war der Patrouillenführer Marx und zwar meldete er sich ohne Gewehr, Koppel, Patronentasche und Seiteu- bewehr. Der Mann sah aus nicht wie ein Vaterlandsverteidiger, sondern wie ein Stromer, der in einer Lehmgrube genächtigt hatte. Marx erzählte dem Standgericht, wie er unter strömendem Regen am Waldrand entlang gezogen sei, ohne vom Feinde eine Spur zu sehen. Ta.tn habe man in der Ferne ein Dorf gesehen und sei Garant losmarschiert. Ganz friedlich seien dann die drei Leute in das Wirtshaus des Torfes gegangen, wo sie bei Sckmaps und Wein eine Stunde rasteten. M. hat dort 4 Schnäpse und 1 Schoppen Wein getrunken. Tann sei er mit seiner Patrouille
aber sckwer > auszuführen, als gedacht gewesen. Denn erstens hatten sie alle drei die Getränke gespurt und weiter habe man ‘
6.3
5,7 ।
4,7
den. Gestern nachmittag hatte sich ent größerer Kreis von Ausstellern und Beteiligten im Ehrensaal der Ausstellung eingefunden, darunter Staatsminister Ewald und die Minister Braun und Gnauth. Minister Braun gab darauf einen längeren Rückblick über den Verlauf der Ausstellung. Rund 600 Aussteller, sowie 200 Künstler und Architekten waren auf der Ausstellung vertreten und die Zahl der Besucher habe sich auf nahezu 235 000 belaufen. Ter Erfolg der Ausstellung sei groß und des Unternehmens würdig gewesen, auch oer materielle Gewinn sei hocherfreulich, so daß ein sehr ansehnlicher Ueberschuß verbleiben wird. Der Minister teilte zum Schluß mit, daß der Großherzog dem Leiter der Ausstellung Ober-Regierungsrat Tr. Wagner die Große goldene Medaille für Landwirtschaft und Gewerbe und den Professoren Scharvogel und Alwin Müller, sowie Landgerichtsrat Tr. Schwarz und Ingenieur Markwort das Ritterkreuz 1. Klasse verliehen wurde. Die Rede des Ministers schloß mit einem dreifachen Hoch auf den Großherzog. Nach der Schlußfeierlichkeit fand ein zwangloses Essen im Ausstellungsrestauraut statt. — Der Groß- Herzog hat der Isidora Tunean, die ihre Tanzschule von Berlin nach Tarmstadt verlegt, ein ausgedehntes Grundstück auf der Marienhöhe, unweit der Ludwigshöhe für den Neubau einer Tanzschule zur Verfügung gestellt. Das Ter- raitt liegt in herrlicher Lage, durch bewaldete Hügel geschützt und bietet einen wundervollen Fernblick in die Oden- walhberge, die Bergstraße und die Nheinebene. Das Komttee, das sich für die Erweiterung der Schule einsetzen wird, ist vergangene Woche zusammengetreten und hat seine konstituierende Versammlung für Anfang November festgesetzt.
w. Wetzlar, 1. Nov. In sämtlichen Landgemeinden sind nunmehr Wanderbibliotheken eingerichtet, die eifrig benutzt und meist von den Lehrern verwaltet werden. Sie wechseln jedes Jahr: es waren im letzten Jahre 49 970 Bücher im Umlauf. Tabei wurde die Bemerkung gemacht, daß Bücher wissenschaftlichen Inhalts (Kolonien, Marine) mit Vorliebe gelesen wurden. — Ferner wurden .Haushaltungskurse im Kochen, Waschen, Flicken, Krankenpflege und erste Hilfeleistung in 25 Gemeinden mit 495 Teilnehmerinnen in den letzten Jahren durchgeführt. 18 Gemeinden sind bereits mit Krankenpflegerinnen versehen und 16 haben bis jetzt Sanitätsschränke erhalten. In neuester Zeit hat man begonnen, für die schulentlassene Jugend S p i e l k u r s e einzurichten, die sich einer regen Teilnahme erfreuen.
Frankfurter Börse, 2. November, 1.15 Uhr.
Reichsanleihe “ ’ ~......
Verkaufsstellen durch dieses Plakat 6s-/uJ_ kenntlich.
folgenden Jahres das 14. Lebensjahr vollenden, sind nur ganz ausnahmsweise zu berücksichtigen. Nicht zu genehmigen sind die Gesuche, wenn die Gefahr besteht, daß die Kinder in landwirtschaftlicher oder gewerblicher Arbeit übermäßig angestrengt und dadurch an ihrer Gesundheit geschädigt und in ihrer Entwicklung gehemmt werden könnten. Kinder, die, obgleich sie das sechste Lebensjahr vollendet, wegen Gebrechlichkeit, Krankheit oder Unreife nach Art. 20 des Volksschulgesetzes nicht rechtzeitig in die Schule ausgenommen, sondern durch den Schulvorstand noch eine Zeitlang vom Schulbesuch freigegeben worden waren, können trotzdem im allgemeinen mit ihren Altersgenossen — auch nach kürzerer als der achtjährigen Schulzeit — entlassen werden, sofern nicht Art. 21 des Votksschulgesetzes auf sie anzuwenden ist. Die Fortbildungsschulpfficht der Knaben wird durch die frühere ober spätere Entlassung aus der Schule nicht berührt, da Art. 23 des Volksschulgesetzes alle aus der Volksschule austretenden Knaben noch für drei Jahre zum Besuche der Fortbildungsschule verpflichtet.
— Das Kinernatographen-Theater am Selters- weg bringt uns in dieser Woche wieder viele neue und sehr gute Sachen. Die Ansichten von Rom, sowie der Brand von Donaueschingen sind Naturaufnahmen und sehr interessant. Die Dramen: „Der alte Schäfer", sowie „Der Traum des Trinkers* und »Der eifersüchtige Bräutigam" sind sehr spannend und sinden allgemeine Bewunderung. An humoristischen Sachen werden die Zukunftsvolizei, sowie „Nehmen Sie, bitte, mal den Korb weg" gegeben. Und erst die durchgegangene Schwiegermutter bringt wahre Lachsalven hervor. Wer eine interesiante Stunde verleben will, in der Ernst und Scherz an ihm oorüberzieht, dem empfehlen wir einen Besuch des Kinematographen.
§ Lollar, 31. Okt. Ter Barbier H. P. hatte wieder «einmal, wie dies öfters bei ihm vorkam, am vergangenen Dienstag einen „Blauen" gefeiert und sich dabei gehörig betrunken. Als. er sich in seiner Trunkenheit anderen Gästen gegenüber zu viel erlaubte, sah man sich genötigt, ihn nach ieiner Wohnung zu verbringen. Man brachte ihn alsdann sogleich zu Bett. Sein Durst war jedoch so groß, daß er es im Bett nicht lange aushielt und sich eine im Zimmer befindliche Bierflasche herbeilangte. Da er diese nicht zu öffnen vermochte, setzte er sich vor den Tisch auf einen Stuhl, um den Hals der Flasche an der Tischkante entzwei zu schlagen. Hierbei schlug er sich jedoch, ohne die Tischtante zn treffen, derart in den Fuß, daß eine Wunde entstand und neben mehreren kleinen Adern auch die Hauptader vollständig durchschnitten wurde. Elli großer Blutverlust war die Folge. Trotzdem der rasch herbeigerufene Arzt die Wunde vernähte, trat heute nochmals eine derartige Blutung ein, so daß man sich genötigt sah, ihn sofort nach der I i n i t nach Gießen zu verbringen. An dem Aufkommen Les Patienten wird gezweifelt.
ck. Alsfeld, 31. Okt. Gestern tagte hier im „Deutschen fönus" unter dem Vorsitz des Kreisrats H ö l zi. n g e r und im Beisein des Krcisschulinfpektors Eck und der Mitglieder der KTeis- ^hnlkommission Realschuldirektor Tr. Pit, und Dekan Saucr- tocin die Kreiskehre rkonferen-. D r Vorsitende bct.nte, wie der Wegfall der KreisschulkommifsionSprüsung seinem warmen Interesse für die Schule keinen Abtrag zu tun vermöge, wie viel imehr seine Freude über die Leistungen der Schule ihn stets veranlassen werde, sich von den einzelnen Verhältnissen auch fernerhin yt überzeugen. — Hierauf machte >ercisschulinspektor Eck Mitteillmgen über das Schulwesen des Kreises. Darnach bestehen zurzett im Kreise 75 Volksschulen, wovon 49 einklassig, 21 zweillassig, 2 dreiklassig, 2 vierklassig und eine neunllassig. Diese 114 Schulklassen besuchen 6203 Schüler (gegen 6246 im Vorjahr). Auf eine Lehrkraft entfallen durchschnittl'ich 54,4 Schüler (gegen 55,8 im Vorjahre). Unter dieser Schülerzahl befinden sich 3053 Knaben und 3150 Mädchen. Den verschiedenen Religionen gehören an: 5746 der evangelischen, 356 der katholischen und 101 der israelitischen. Die Zahl der Fortblldungsschüler •betrug 929 gegen 907 im Vorjahre, wovon 870 evangelisch, 51 katholisch''und 8 israelitisch. Von den im Kreise wirkenden 110 Lehrkräften sind 101 evang., 7 kath. und 2 israel. Bei der Mitteilung über die SchulhauSncubauten, denen die Schulbehörde ihre Fürsorge stets widmet, betonte der Berichterstatter, daß nunmehr auch eine größere Seßhaftigkeit statt der seitherigen Landflucht bei den Lehrern Platz greifen möge und damit eine Erstarkung des Heimatgefühls, das für Schule wie Lehrer nur von Segen sei. — Aus der Tagesordnung stand nun das Thema von aktuellem Juteresse „Der Lehrplan der Fortbildungsschule", der durch Einfügung der modernen Forderung von Landwirtschaft und Gewerbe eine neue Gestaltung benötigt. Als erster Referent führte Kreisschulinspektor Eck in einem einstündigen sehr lehrreichen und lichtvollen Vorträge die Bedeutung und Behandlung der landwirtschaftlichen Naturkunde aus. Es würde wett den Rahmen unseres Berichtes überspringen, wollten wir auch nur die klaren Hauptpunkte dieses zeitgemäßen Themas bringen, dem die Anwesenden mit großem JMeresse zuhörten. Hauptlehrer Rudolf führte hiernach aus, wie die gewerbliche Berufskunde in der Fortbildungsschule zu lehren sei und Herr Lehrer N e e b referierte über die Umgestaltung bezw. Neugestaltung des Lehrplanes der Fortbildungsschule. Ter Vorsitzende dankte den Referenten für ihre anregenden, aus dem praktischen Leben geschöpften Vorträge. Bei der gemeinsamen Mittagstafel toastete Kreisrat Hölzingcr auf S. K. H. den Großherzog, Kreisschul-- ulspettor Eck auf die Lehrerschaft des Kreises und Lehrer Maurer auf die Kreisschulkommission.
△ Lauterbach, 31. Okt. Tas The ater des Rhein-Main-Verbands spielte gestern abend den „eingebildeten Kranken" vou 9)? öftere. Vor saft ansverkauftern Hause gingen die Gestalten des großen Franzosen über die Bretter. Wie dieser Alte (Herr Stumpf) mit seinem Geld und seiner Angst nm sein Leben, seiner Einbildung und Torheit, seiner Gereizthett und seiner Gutmütig- feit sich und sein Haus tyrannisiert, sich betrügt und selber betrogen wird und endlich zur Vernnnst kommt, das wurde ausgezeichnet gegeben. Aehnlich fein spielte das Tienft- mädchen (Fräulein Wenter) und wußte Ueberlegenheit, Spott und Humor mit liebenswürdiger froher Anmut zu ver- -binden. Als erst die beiden Diaforus, der Herr Doktor und sein Sohn (Herr Gürtler und Herr Nygrin) auftraten und all ihre Hohlheit, ihren Hochmut und ihre Gewinnsucht ‘offenbarten und doch die Uebertreibung in Grenzen hiellen, da wuchs' der Beifall und die Heiterkeit immer mehr. — Tie Regie hatte ein so geschlossenes, einheitliches Ganze herausgearbeitet, daß selbst Theaterroutiniers bewundernd der Handlung folgten und auch in den kleinen Rollen gehaltvolle Leistungen (des Herrn Seasa, Janson, der Damen Frau Gürtler, Fräulein Pagendors und Störckel) anerkennen mußten. — Die neue Lauterbacher Turnhalle, über deren 'Architektur schon manches den Kopf schüttelte und die sich gar nicht in das altertümliche, ehrwürdige Bild unseres Städtchens einfügen will, gab aber mit ihrem mächtigen Saal und der brillanten Beleuchtung einen eindrucksvollen Rahmen für die Vorstellung. — Tie Festftimmung lag über einem, und das paßte just zu dem lebendigen, geistvollen Stück des Dichters.
R. B. Tarmstadt, I. Nov. Die hessische Landesausstellung s ür freie und angewandte Kuntz, die am 23. Mai d. I. auf der Mathlloenhll,' eröffnet wurde, ist Sonntag uachm. endgültig geschlossen war-
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