Ausgabe 
2.3.1908 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

schild ist bankerott! Allenthalben sah man Gruppen auf­geregter Äute, in deren Mienen sich Bestürzung oder Schaden- ^eude nnderspiegelten. Manches Bäuerlein, das die Nachricht Vom Markt in sein Dorf mit heimbrachte, wirb dort als Un­glücksbote erschienen sein, und die Herren vom Provinzialaus­schuß, die unter Fühimng des Geheimerats Dr. Breidert nach­mittags einen Nundgang durch die kotigen Straßen der Stadt unternahmen, um sich an Ort und Stelle über die Frage der Enteignung des Baugeländes für das neue Schulhaus zu orien­tieren, konnten zugleich die Nettigkeit vernehmen, daß ein guter Teil des Baukapitals flöten gegangen sei.

Wie war der Funke in das Pulverfaß geflogen? Vor einigen Jahren hat die Stadt Büdingen für Kanalisation, Schulhausneubau und Straßenanlagen ein Kapital von Ve Million Mark aus­genommen. Ein beträchtlicher Teil der Summe wurde dem Bank­haus Wertheimer il Eo überlassen, das dafür entsprechenden Gegenwert in guten Papieren in Pfand gab. Tiefe Papiere wurden in den Tresors des hiesigen Vorschuß-^und Kreditvereins aus- bewahrt; den einen der beiden Schlüssel erhielt der Bürger­meister. Durch die Offenbacher Vorfälle veranlaßt, beantragte ein Gemeinderatsmitglied eine Revision der städtischen Gelder. Sie fand in der Frühe des 25. im Beisein des Großh. Kreisrato statt und hatte das verblüffende Ergebnis, daß man anstelle der einst deponierten Stücke höchst minderwertige Papiere vor­fand. Bürgermeister Knaf hatte in unverantwortlicher Leichtfertig­keit einem Boten Rothschilds seinen Schlüssel ausgehändigt und dieser den verhängnisvollen Umtausch vorgenommen. Was man vorfand, sind neben nicht börsenfähigen Hessen-Philippsthalschen Schuldverschreibungen von zweifelhafter Güte, namentlich ein großer Posten längst ausgeloster und zurückbczahlter Obligationen (nicht Aktien) der in Liguidation befirrdlichcn Aktienzuckerfabr'.k Büdingen in Stockheim. Rothschild, der alsTreuhänder" (!) der Gesellschaft figurierte, hatte sie offenbar schon damals zu unlauteren Zwecken zurückbehalten. Natürlich liegt auch ein Ver­säumnis des meist aus wohlhabenden Pächtern bestehenden Vor­standes der Fabrik vor, der die Vernichtung der ausgezahlten Obligationen hätte überwachen müssen. Von der Frage, wie weit man die Vorstandsmitglieder haftbar machen kann, wird die Größe des Schadens abhängen, den die Stadt erleidet.

Löb (gen. Ludwig) Rothschild ist als Sohn kleiner Leute in Oberseemen geboren, hat die Alsfelder Realschule besucht, in Frankfurt konditioniert und war 1886 in das hiesige Bank­geschäft Wertheimer cingetreten. 1892 übernahm er es auf eigene Rechnung, während Herr Wertheimer als wohlhabender Mann nach Frankfurt verzog. Man kann nicht leugnen, daß sowohl die Persönlichkeit als Such das Geschäftsgebahren Rothschilds einen durchaus vertrauenswürdigen Eindruck machte, und dies Vertrauen wußte er in den 16 Jahren zu erhalten und zu befestigen. Tas fürstliche Haus, die angesehensten und wohlhabendsten Bewohner der Stadt arbeiteten nut ihm, und als Kuriosum verdient Er­wähnung, daß die Bauern mancher rein antisemitischer Dörfer (Diebach am Haag), zu seinen besten Kunden gehörten. Er lebte allem Anschein nach nicht über seine Verhältnisse, schien/sich von gewagten Spekulationen fernzuhalten, und hatte für m'loe Zwecke stets eine offene Hand. Vor etwa vier Jahren verlieh ihm der Landgraf Alexis von Hessen-Philippsthal-Barchfeld (Borgfeld hieß cs damals durch einen ominösen Druckfehler im Kreisblatt) den Hoftatstrtel. Es war der Dank für eine Anleihe, die er einem Neffen des Landgrafen vermittelte, nicht dem Landgrafen selbst, wie einige Blätter meldeten, denn der ist gleich seinem Hanauer Vetter steinreich. Rothschild nxtr auf die ihm zuteil gewordene Auszeichnung nicht wenig stolz. Er suchte nun auch die soziale Stellung seiner Familie zu heben, wurde Mitglied der Frei­maurerloge und, wenn auch nicht ohne Widerspruch, der Tü­binger Kasinogesellschaft. Der Handelskammer für die drei Kreise des südlichen Oberhessen hat er feit deren Bestehen als ge­achtetes Mitglied angehört.'

Rothschild hat, wie schon erwähnt, nicht verschwenderisch ge­lebt. Nur seine Kuren und Badereisen erforderten befondere Geldopfer. Er äußerte gelegentlich, man glaube, der Name Roth­schild bedeute für einen Bankier ein Kafntak: ihn komme er nur teuer ru stehen, da ihm jedes Hotel auf feinen Namen hin extra hohe Preise mache. Rothschild ist feit seiner Jugend lungen­leidend und wurde vor Jahren von Professor Czerny in Heidel­berg an einer tuberkulösen Tarmerkrankung operiert. Sein Zu­stand nötigte ihn zum Gebrauch von Opiaten in ungeheuren Dosen. Angeblich war er auch Morphinist. Wenn er wirklich auf die Anklagebank kommt, wird sein Verteidiger diese Umstände zu seinen Gunsten geltend zu mach«: wissen. Ob es aber der Fall sein wird? Daß er eine Einkerkerung nicht lange überleben würde, kann als sicher gelten. Seine Familie befindet sich jetzt wieder hier; außer einem gut talentierten Sohn, der seither die Obersekunda des Gymnasiums besuchte, besitzt er zwei Töchter im Alter von 12 und 19 Jahren.

Wann Rothschild die Bahn der Rechtlichkeit verlassen hat, steht noch nicht fest. In Frankfurter Börsenkreifen war man seit einigen Monaten mißtrauisch, aber nur ganz wenige hatten davon Wind bekomm«: und sich beizeiten salviert. Manche, die ihr Guthaben zurückziehen wollten, wurden mit allerlei Aus­flüchten abgespeist. Gerade in der allerletzt«: Zeit hatte R. durch Zusicherung hoher Zinsen sehr bebeutenbe Summen an sich gezogen. Die Unvorsichtigkeit, einen: kleinen Bankier ihr ganzes Barvermögen, Mäntel und Talons, anzuvertranen, haben aus Büdingen selbst, soviel man weiß, nur vier Personen, darunter zwei Witwen begangen, die sie mit Verlusten von 10 bis 40 000 Mark büßen müssen. Ein hiesiges Lokalblatt weiß von einem Posten von 25 000 Mk. zu berichten, den eine Frau aus Gedern, und einen von 20 000 Mk., den ein D. S. aus Schotten verlieren soll. Die meisten Einbußen sind in Kontokorrent-Einlagen erlitten worden, und zwar handelt es sich auch da in einzelnen Fällen um Summen, die nach Zehntaufenden zählen. In den letzten Tagen hatte R. namentlich alleinstehenden Damen Wertpapiere unter dem Vorwand abgeschwindelt, sie müßten zur ,/Neunummerie­rung" (!) eingesandt werden. Von Verlusten der Landleute weiß man noch sehr lücnig Details. Fabrikant Thomä in Lorsbach i. T., früher hier, muß für eine Bürgschaft in der Höhe von 150 000 Mk. aufkommen; der strebsame, tüchtige Geschäftsmann ist da­durch wahrscheinlich ruiniert. Sehr schwer trifft der Schlag die 400 bäuerlichen Mitglieder des Kreditvereins zu Ober-Mockstadt, dessen Vorstand alle Rothschildschen Wechsel blindlings akzeptierte. Bekanntlich hasten die Mitglieder nicht nur mit ihren Einlagen, sondern mit ihrem ganzen Vermögen. Daher der Nameunbe­schränkte Haftung"!

Eben lese ich imFranks. Gen.-Anz." den ArtikelKom­munale Fmanzwirtschaft", der eine Parallele zwischen Offenbach und Büdingen zieht und ausführt,daß beide Fälle -r- die Schädigung der Gemeinden durch die SchuU) des Stadtoberhaupts nicht hätten geschehen tömien, wenn die Geschäfte von einer in finanziellen und handelstechnischrn Dingen besser informierten Stelle geführt worden wären." Diese Parallele trifft nicht zu. So profunde finanztechnische Kenntnisse, wie sie zur Verwaltung eines großen Vermögens erforderlich sind", hat von Bürger­meister Knaf, der von Haus aus Wirt und Metzger ist, fein Mensch je verlangt. Tie Verfügung über das städtisci>e Vermögen hat ausschließlich der Gemeinderat unter Kontrolle des Kreisamts ausgeübt; frnaf hatte nur die Beschlüsse auszuführen und den Tresorschlufsel aufzubewahren. Ter an Pflichtvergessenheil gren­zende Leichtsinn, mit dem er ihn hergab, halte ihn: sein Amt gekostet. Minister Brann, bet heute hier weilte, bat das Vor­gehen bes Großh. Kreisamts in vollem Umsang gebilligt Herr Knaf, ber seither schon bie geschlossene Mehrheit des Gememderats gegen s:ch hatte, wirb schwerlich seinen Poften wieder einnehmen tonnen, und es mag ihm doppelt bitter sein, daß er bie Cella curulrö nun boch bem Rivalen überlassen mußte, über den er . Jahren in einem mit größter Erbt terung q tu - Wahlkampf gesiegt hatte.

Bei der burch die Staatsanwaltschaft angeortu en O f tuita ber Kaffenschränke, zu ber man einen Schlosse'' aus Gießen . ; V rufen mußte, fanb sich in bem einen ber V.trag von R Pfennig vor, tn dem anbern eine Anmhl leerer Tinte.; Opium flaschen. Tas Hans, das einen reellen Wert von26 00 - fDlarf .barstellen mag, ist mit einer Hypothek der Elsässer Bank

in ber Höhe von 40 000 Mk. belastet. Bei dieser Lage der Dinge hatte ber hiesige Rechtsanwalt Keil seinen Antrag auf Konkurseröffnung wieber zurückgezogen, boch ist er von ber Stabt inzwischen aufs neue gestellt worben, ba immerhin einige Deckung durch Bürgschaften vorhanden zu fein scheint, die immer wieder auf bie unglücklichen Ober-Mockstäbter zurückfallen.

Morgen hält der Landtagsabgeordnete Bürgermeister Stöpler- Lauterbach intFürstenhof" einen Vortrag über die Beleuch- tungsftage. Er soll im Auftrag bes Provinzialausschuffes Sttm- mung für ben Anschluß an bas Lißberger Elektrizitätswerk machen. Unter besonbers günstigen Auspizien findet ber Vortrag gerade nicht statt. Indessen ist die Stimmung ber Bevölkerung hier im allgemeinen nicht eigentlich niebergefchlagen, vielmehr tragen bie meisten Betroffenen vorerst noch einen gewissen Galgenhumor zur Schau.

Die geschäftliche Erbschaft des Bankhauses Wertheimer u. Co. wird augenscheinlich der Mitteldeutschen Kreditbank zufallen. Am Donnerstag weilte Bankbirektor Heichelheim-Gießen hier, um ein Zweiggeschäft einzurichten. Sie hat bereits ben Geschäftsbetrieb eröffnet. Letter besselben find die Herren Ludwig Kolle unb Friedr. Gräf. Auch das Bankhaus Baruch Strauß hat eine Agentur errichtet. ______

Provmzial-Ausschuß der Provinz Oberhessen. Gießen, 29. Februar 1908.

Der Ortsarmenverband Stör ndorf klagt gegen den Ortsaimenverband Liedcrbach auf Erstattung von Pfle gekosten für die Kinder der Johs. Roth Eheleute. Oie Ehefrau Roch war verstorben und halte zwei Kinder Hinterlasten, die einstweilen von der Schwiegermutter in Pflege genommen wurden, weil der Bater nicht in der Lage schien, für ihren Unterhalt sorgen zu können. Hier­durch entstanden Kosten in Höhe von 16 Mark, deren Er­satz den Gegenstand der Klage bilden. Der Ortsarmen­verband Licderbach bestritt die Ersatzpflicht, da er eine Hilfsbedürftigkeit nicht als vorliegend erachtete, indem er die Meinung vertrat, daß Roth in der Lage sei, seine Kinder selbst zu ernähren. Nach eingehender Berhandlung entschied heute der Provinzial-Ausschuß, daß der Ortsarmenverband Liederbach die Hälfte der entstandenen Pflegekosten mit 8 Mar,k zu tragen habe. Die entstandenen Kosten des Lersahrcns sowie die Anwaltskoflen sind von beiden Teilen

fünf Handelskammern, ebenso ist die Mehrzahl für territoriale) Begrenzung, ben Vorsitz soll ein unparteiischer Beamter führen, bie Kosten sollen das Reich oder ber Bundesrat tragen.

** Eine große militärische Hebung hielten am Samstag vormittag das Kaiser Wilhelm-Regiment von hier, das 1. Bataillon der 168 er aus Butzbach unb das Jägerbataillon aus Marburg in der Umgebung unserer Stadt ab. Das Jäger-- .bataillon war von Marburg per Bahn nach Butzbach gefahren und vereinigte sich mit ben 168 ern, bie 116 er marschierten über Klein-Linden -pnb Großen-Linben. Bei Lang-Göns begann das Gefecht, das sich entlang des Kleebaches über Hörnsheim, Lützel- linden, Allendorf bis Dutenhofen zog, wv um ben Lahnüber­gang gekämpft wurde.

** Aus bem Bunb ber Landwirte wurde, wie wir aus dem Friedberger Bündlerblatt ersehen, Landtagsadg. Bähr ausgeschlossen, weil er sich bei ber letzten Aichchstagswahl als Gegenkandibat des offiziellen Bunbeskandidaten Gras Oriola aufstellen ließ.

** Aus bem Bure au bes Stadttheaters. Wegen ber Vorbereitungen zum Evsoldt-Gastspiel in IbsensWbeute" av HD. März ist für bie laufende Woche auf ältere Werke zurück­gegriffen worden. Am Fastnachtsbienstag geht Mosers allbeliebter luftiger SchwankDer Bibliothekar" in Szene. Für die Mittwoch-Abonnementvorstellung istEhre", für die des Freitags Een idealer Gatte" angesetzt worden. Die Inhaber von Gutscheinen seien besonders daraus [jingeroicfen, daß wederEhre" nochEin idealer Gatte" im Abonnement weiter wiederholt werden.

** Ausbrecher. Heute morgen gegen 6 Uhr entsprangen b r et int Zuchthaus arieusch 1 o ß" internierte Ge­fangene, bie noch eine längere Zuchthausstrafe zu verbüßen haben. Zwei bavon wurden bereits triebet- eingefangen. Es fehlt letzt noch ber Sträfling Adam Stumpf geb. 22. Nov. 1881 zu Nteber-Olm ber noch 1 Jahr unb 6 Monate zu verbüßen hat. Er trägt Anstaltskletder, ist mittelgroß, ziemlich fräUtg, hat rundes Gesicht unb ist bartlos.

**Berhaftet. Gestern abend wurden zwei 15-jährige Burschen von hier verhaftet, die die in letzter Zeit vorge­kommenen Kellerdieb st ähle verübten. Beide sind bereits trotz ihrer Jttgend mehrmals vorbestraft. Sie hatten in einer Waschlüche in einem Haufe am Asterwcg ihr Waren­lager eingerichtet. Eine ganze Anzahl Flaschen mit Wein, Kognak, Sherry, Seife, Kaffee rc. fand sich vor. Zunächst sind sie geständig in verflossener Woche aus einem Keller in der West-Anlage Wein gestohlen zu haben, dann haben sie gestern abend atis zwei Kellern in der Plockstraße Wein und

und zwar soll eine Frauensperson

tel-

ern aui

In der Nacht zum Sonntag wurde an eine Fischerbube erbrochen unb gestohlen.

scheibe eingcschlagen Täterin sein.

* Einbruch, dem Wießmarenveg sonstige Gegenstände

je zur Hälfte zu zahlen.

Gelegentlich des Baues der Nebenbahn Friedberg- Friedrichsdorf hatten sich die Gemeinden Friedberg, Holzhauseu, Nieder-Nosbach, Ober-Nosbach und Nodheim v. d. H. mittelst Privatvertrag verpflichtet, das erforderliche Gelände kostenlos zu stellen und zwar derart, daß als Regel jede Gemeinde das Gelände zu stellen hatte, das innerhalb ihrer Gemarkung zum Bau erforderlich wurde. Infolge einer nachträglicheu Aenderung des Projekts wurde nun der Erwerb von Gelände in Gemarkung Rodheim v. d. H. erforderlich, das in der Hauptsache zur Erhöhung des Bahnhofs Holzhausen verwendet wurde. Die Gemeinde Rodheim fühlte sich zur Stellung dieses Geländes nicht verpflichtet und reichte bei dem Kreisausschuß des Kreises Friedberg Klage mit dem Antrag ein, der Kreisausschuß möge entscheiden, welche von den geländestcllenden Ge­meinden zur Rückerstattung des aufgewendeten Betrages verpflichtet sei, und wem die Kosten des Verfahrens vor­dem Kreisausschuß zur Last zu setzen seien. Der Kreis- ausschuß erkannte dahin,' daß der von der Gemeinde Rod- Heim verauslagte Betrag von den geländestellenden Ge­meinden Friedberg, Ober-Rosbach, Nicber-Rosbach, Holz­hausen und Nodheim gemeinsam zu tragen sei, und daß die Kosten den Gemeinden Friedberg, Ober'Nosbach, Nieder- Nosbach und Holzhauseu zu gleichen Teilen zur Last fielen. Gegen dieses Urteil haben die Gemeinden Friedberg, Ober- und Nieder-Nosbach Rekurs an den Provinzial-Ausschuß verfolgt. Die Gemeinde Friedberg beantragte in erster Linie Aufhebung der Entscheidung des Kreisausschusses und Abweisung der Klage der Gemeinde Rodheim. In zweiter Linie beantragte sie eine genaue Feststellung der an dem Bahnbau interessierten Gemeinden und der von diesen zu leistenden Beiträge. Die Gemeinde Nieder-Nosbach stellte die gleichen Anträge, während die Gemeinde Ober-Nosbach beantragte, entweder das Kreisausschußurteil aufzuheben oder die Gemeinde Holzhausen zur Zahlung der Kosten zu verurteilen. Der Provinzial-Ausschuß beschloß heute, sein Urteil in einer der nächsten Sitzungen zu verkündigen.

Leonhard Jüngling zu Usenborn hat einen Brunnen in seiner Hosreite errichtet, zu dem er nach dem für den Kreis Büdingen erlassenen Statut kreisamtliche Genehmig­ung bedurfte. , Als er um diese nachträglich cinkam, wurde sie ihm verweigert, weil sich bei der chemischen Untersuchung des Brunnenwassers ergab, daß es zum Genuß und Ge­brauch untauglich war. Das Großh. Kreisamt Büdingen gab ihm deshalb durch Polizeibefehl die Untauglichmachung des Brunnens auf. Hiergegen verfolgte Jüngling Beschwerde an den Provinzial-Ausschuß. In der Verhandlung vom 13. Juli 1907 wurde dann behauptet, daß sämtliche Brunnen in Usenborn gesundheitsschädliches Wasser enthielten. Die Berhandlung wurde demzufolge ausgesetzt, um eine Unter­suchung der .Wasserverhältnisse in Usenborn stattfinden zu lassen, was inzwischen geschehen ist. Es hat sich dabei er­geben, daß zwar das Wasser der vorhandenen Brunnen nut einer einzigen Ausnahme nicht völlig einwandfrei ist, daß aber andererseits das Wasser im Jüngling'schen Brunnen am allerwenigsten den an es in gesundheitlicher Beziehung zu stellenden Anforderungen genügt. Der Provinzial-Aus- schuß kam deshalb heute zur Bestätigung des fraglichen Polizeibesehls.

Aus Stadt und Land.

Sieben, 2. März 1908.

" Das Bild des Erbgroßherzogs. Fräulein Marie Felchner malte den Erbgroßherzog unb wurde zur Vollendung bes Bilbes von I. K. H. ber Großherzogin nach Darmstadt berufen. Tas Porträt fiel zur größten Zufrieden­heit der hohen Eltern aus.

raten des Syndikus der

Kognack geholt und (t\i§ einem Hause des AsterwegS holten sie Seife und deutschen Kaffee. Es wird den Burschen auch noch zur Last gelegt, das Wasserhäuschen am Neuenweger- Tor erbrochen und Schokolade und Zigarren gestohlen zu haben, ferner ein Wurstdiebstahl bei einem Metzger, aber diese Taten bestreiten sie vorerst noch.

** Sachbeschädigung. Am vorigen Samstag ver- gnüglen sich zwei Lehrlinge damit, an einem Gartenhause beim Elektrizitätswerk Fensterscheiben einzuwerfen, wurden aber dabei abgesaßt und angezeigt. In verflossener Nacht wurde an einem Hause in der Ederstraße eine Fenster-

schen Hande är äftattfinben

nnann lotrb int Prinzip ber Deutschen Handelstages

** Kön: gl. Preu ß. Klaffen-Lotterie: Die Er­neuerung der Lose zur 3. Klasse der 218 Lotterie muß mit Vor­legung der Lose 2. Klasse spätestens bis zum 3. März re. geschehen sem. Auch müssen bie Freilose der 3. Klasse bis zu vorerwähntem Termine emgeforbert {ein.

Garbe nteich, 29. Febr. Der Gesangverein Viktoria feierte am Samstag abend fein 29-jähriges Stiftungsfest, das von einer großen Zahl Sangesfreuude besucht tvar. Die von mehreren Vereinsmitgliedern aufge­führten Theaterstücke sowie die Gesangsvorträge des Vereins, unter Leitung des Dirigenten Harnisch, wurden begeistert auf­genommen. Als ganz besonders hervorzuheben waren die von der Kapelle Harnisch aufgeführten Konzertstücke, denn sie ernteten reichen Beifall.

0 Ettingshausen, 28. Febr. Lehrer Dörner, der über 10 Jahre m unserer Gemeinde als erster Lehrer tätig war, hat, wie berichtet, feine Versetzung nach seinem Heimats­städtchen Lich erhalten. Von hier sieht man den beliebten Lehrer nur ungern scheiden. Besonders hat er sich auch als Dirigent des hiesigen Männcrgesaugvereins um die Hebung des Volksgesanges verdient gemacht.

0 Grebenhain, 1. März. Der Frühlingsmonat März hat nut ausgiebigem Schneefall, heftigem Wind und gelindem Frost eingesetzt und Flur und Feld in eine richtige Winterlandschaft verwandelt. Der Schnee liegt durch­schnittlich einen Fuß hoch, an einzelnen tiefer gelegenen Stellen sogar 23 Fuß hoch, hier hat ihn der Sturm zusammengeweht. Die Tannenbäume hängen ihre Aeste unter oer Last des Schnees. An ben Bahnhöfen wird fleißig Schnee geschaufelt, im Oberwald sind die Waldwege dicht verschneit, hier unb da sieht man Skiläufer. Die Schlitten­fuhrwerke lasten auf der Landstraße ihr fröhliches Klingeln erschallen, und die Kinder huldigen eifrig dem Rodeln mit den kleinen Handschlttten. Es schneit und stürmt noch un­unterbrochen weiter.

l! Ni e d e r-W e i se l, 29. Febr. Als eine große Seltenheit baii es verzeichnet werden, daß hier ein Schwesternpaar bas 68 Jahre alt loivb, feinen 17.'G e b u r ts l a g bei voller Rüiligkeit begeht. Es sind dies Frau Jak. Hailb 11. und Frau Joh. Gg. Hilbebraiid 10. Wwe.

Schotten, 1. Attirz. Die bem Geheimen 31cgierungSrat Schonse l b aus Anlaß seines 50 jährigen Tienstjubiläums zuge- ^chte offizielle Ehrung finbet an: Sonntag, 3. Mai, statt. Das tfefHomitee hat bereits ein Programm festgesetzt; bauach ist bie ttüpelle des 61. Artillerie-Regi.ments in Darmstadt für bre: A-age engagiert. Samstags finbet Fackelzng zum Kreisamt t.att'^nnc6 ben Ansprachen begibt sich ber Zug zum Festbankett in bie Turnhalle. Sonntag Empfang ber Gäste unb Vereine, hoher Bejuch wirb von Darmstadt erwartet. Gratulationscour, Parade- ausitcllnng ber Kriegerbereine, darauf Festessen der letzteren in verschiedenen Wirtschaften, wobei in Abteilungen bie Musik spielt. Nachmittags Festzug burch bie Stadt, Feier in ber Turnhalle. Vorsitzenber bes Festkomitees ist Prvfeffor Dr. Biermcr in ©lefjen. Für gute Bewirtung ber Festteilnchmer hat das Komite, in ausgiebiger Weise gesorgt, zur Deckung der Festkosten sind vorläufig 3000 Mk. vorgesehen.

' * Der Hessische H a n d e l s k a m m e r t a g hielt gestern unter dem Vorsitzenden seines Präsidenten Beig. Dr. M. Bam­berger im Stadl! missaalc in Mainz eilte Sitzung ab, ber Mi- iit'i rialrat 2r. ginget beiwohnte Man bcidjaftigte sich zu­nächst mit ben Beratnngsgegcnstänben ber"

^bic Errichtung der Arbeitskammern L.v < ö'ür die paritätischen Kammern iinb vollendet.

ft- Herbstein, 1. VLärz. Mit dem Wiederaufbau desniedergebra nuten Stadtteils wird mit enittetcn- dem Fvühjahrswetter sofort begonnen. Tie Baupläne unb Straßnv- anlagen sinb b'v.tts volienbet, die Oberleitung hat Bammisttr Zang-^armstabl. Ter altertümliche Charattcr des Städtchens soll x Bolirn in* «Manttanliige erhalten bleiben, doch werden

l -öoiioc.jammlung des der Marktplatz geräumiger und die Straßen breiter unb aerober.

,rb t voraussichtlich am 20. bis, Tas Sckntthaus mit bem Pfarrhaus kommt wieder auf den früheren Platz neben ber Kirche, es soll 6070 000 M kosten das ehe­malige Stabtwirtshaus wirb nicht toieber ausaebant,' an seiner u^t.|i.!niniL Amelie fall das Rathaus errichtet werden. Die Abgebrannten, 1 'Ky vor der ^Ltadt ansiedelten, haben ihre Neubauten bereits

-- - ---- stehen -um Teil an der Bahnhofstraße, zum Teil