Ausgabe 
1.12.1908 Erstes Blatt
 
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«ahnen behandelt und (für nächste Zeit) Herr Professor Dr. Kampsmeyer aus Karlsruhe einen Vortrag über den Bebauungsplan als Gartenstadt zugesagt hat. ist der Vorstand bemüht gewesen, über das z. Zt. aktuelle Thema ^der Gesetz­entwurf zur Sicherung der Bau fordern n gen" einen sachkundigen Redner zu gewinnen, lieber dieses Thema wird Amtsrichter Dr. Mahr aus Darmstadt, der auch schon dort im OrtSgewerbeverein einen gleichen Vortrag gehalten hat, am Mittwoch abend im Hotel Einhorn in einer allgemeinen Bürgeroersammlung sprechen. Dieser Gesetzentwurf kommt tu allernächster Zeit im Reichstage zur Verhandlung, und es durfte für jeden, insbesondere für die Bauhandwerker von großem Interesse sein, die Erläuterungen des Entwurfes durch einen Juristen zu hören. Durch die vorgesehene Diskussion ist auch Gelegenheit gegeben, Ansichten der Interessenten kund- zugeben.

** Der Männerturnverein feierte am vergangenen Samstag sein 23jähriges Bestehen durch ein in Steins Garten abgehaltenes Winterfest mit Ball. Tie Festfolge brachte im.ersten Teil säst nur turnerische Aufführungen, die durchweg selbst den verwöhntesten Ansprüchen Rechnung trugen. 16 Turnerinnen der Frauenabteilung führten einen Blumenreigen auf, der ob seiner hübschen exakten Ausführung ungeteilten Beifall fand. Darauf traten 33 der aktiven Turner zu zusammengesetzten Freiübungen an, wie solche in dieser Zusammenstellung im Gau Hessen noch nicht gezeigt worden sind. Auch sachverständige Zuschauer er­kannten unumwunden an, daß die Vorführung in Form und Ausarbeitung eine Musterleistung war. Ein von Herrn Schmidt jr. zum Vortrag gebrachter Lylophonsolo erntete so reichen Beifall, daß sich der Vortragende zu einer Zugabe ent­schließen mußte. Alsdann zeigten 14 Turner der ersten Riege ihre Fertigkeit am Reck. Ihre Hebungen »raren fast durchweg Gipfelübungen und fanden den verdienten Beifall bei allen An­wesenden. Die Gesangsriege trug alsdann zwei hübsche Lieder vor, wobei leider die Bühne mit den Kulissen störend die Schall­wirkung beeinträchtigten. Jin zwecken Teil führten 16 Tur­nerinnen einen Fahnen- und Guirlandenreigen auf, der ob seiner tadellosen Ausarbeitung und Durchführung lebhaften Beifall her­vorrief. Dasselbe ist von den Stabpyramiden zu sagen, die von 24 Turnern ausgeführt wurden. Für die Lachmuskeln berechnet war das flott gespielte Theaterstüctcheu,eine Kiste beim groben Gottfried!". Tie Zuschauer kargten nicht mit ihrem Beifall. Was den gesellschaftlichen Teil der Feier anlangt, sei hervorge­hoben, daß sowohl der Gauausschuß als auch auswärtige Vereine durch Abordnungen vertreten waren, sowie daß zahlreiche Glück­wunsch-Telegramme und -Schreiben eingelaufen waren. In ber Begrüßungsansprache wies der erste Sprecher, Mchtsanwalt K auf- mann, auf das gute kameradschaftliche Verhältnis hin, das zwischen dem Männer-Turnverein und den anderen Vereinen des Gaues besteht. Er brachte auf die deusche Turnerschaft und die erschienenen Gäste ein dreifaches Gut Heil aus, das lebhaften Anklang fand. Früh morgens kehrten die Unermüdlichen der gasllichen Stätte den Rücken, und selbst dann sollen die ganz Unermüdlichen noch nicht die heimatlichen Penaten ausgesucht haben. Am Sonntag nachmittag waren bei der Nachfeier auf der Liebigs- höhe viele sehr viele Männerturner mit ihren Damen vertreten. Waren am Abend vorher 117 Paare zur Polonaise angetreten, so tanzten jetzt nahezu 90, ein Zeichen, daß die Veranstaltung gefallen hatte. Musik- und Gesangsvorträge ernster und heiterer Art füllten die Pausen zwischen den Tänzen aus und sorgten, daß neben der Unterhaltung auch die nötige Stimmung vor­handen war.

** Der Evans. Arbeiterverein hielt mir Sonntag im Vereins lokal seinen dritten Vortragsabend ab. Stadt­baumeister Braubach sprach über T e u t s ch - Südwest- Afrika. Ist das Interesse für unsere Kolonien durch die im Reichstag geführten Kolonialdebatten, sowie durch die südwest- ,afrikanischen Kämpfe in den letzten Jahren in bedeutendem Maße gestiegen, so trug zu dem guten Besuch des Vortrags wesentlich der Umstand bei, daß der Referent des Abends das Vorgetragene selbst erlebt und dadurch! imstande war, den Anwesenden ein wirk­liches Bild über die Verhältnisse in Südwestafrika zu geben. Er erläuterte zunächst kürz den Zweck der ausgesandten und von ihm geleiteten Expedition, um dann an Hand von Lichtbildern die Reiseerinnerungen und Eindrücke auf der Hiir- und Rückreise, wie auch während des Aufenthaltes in Südwestasrika in fesselnder Weise zu schildern. Besonders interessant waren die Beschrei­bungen über die Beschaffenheit des Geländes, durch das an unsere Truppen bei dem Aufstlmd der Hereros außerordentlich große Anforderungen gestellt wurden und wodurch cs möglich war, daß oft ein Dutzend verschanzter Hereros ganze Kompagnien un­serer Soldaten zurückhalten konnte. Die weiteren Ausführungen über die Beschaffenheit des Bodens, sowie die auf den einzelnen Lichtbildern gezeigten herrlichen (hartenanlagen ließen erkennen, was in dieser Kolonie mit genügendem Wasser zu erreichen ist, und es ist zu hoffen, daß nach Ferttgstellnng der projektierten Talsperre, das für die Kolonie Geopferte gute Früchte bringt, damit die von dem Referenten scherzweise erwähnte Katze, bie auf die Frage ihrer HerrinWie ist es in Südwestakrisa?" prompt antwortete:man" mit Lügen gestraft wird. Nach Schluß des Vortrags spendeten die Zuhörer reichen Beifall, während der Vorsitzende dem Referenten herzlichen Tank aussprach. Die an­gesetzte viertelstündige Pause wurde zur Veranstaltung einer Samm­lung für die Angehörigen der auf Grube Radbod Verunglückten verwendet, die eine ansehnliche Summe ergab. Den Schluß des Abends bildete ein Gesangvorttag des Gemischten Chors des Vereins.

** Nachahmenswert. In der heutigen Quittung über die für Radbod bei nns eingegangenen Spenden finden wir aus unserer Nachbargemeinde Großen-Bus eck den Ertrag einer dort veranstalteten Sammlung mit 260 Mk. verzeichnet. Hiervon hat die Gemeindekasse 50 Mk. gegeben, während die Übrigen 210 Ml. durch eine Sammlung in der Gemeinde aufgebracht wurden, die von dem Ortspfarrer und dem Gemeindevorstand veranstaltet worden war. Die Gemeinde Großen-Buseck hat sich mit dieser hochherzigen 'Tat ein ehrenvolles Zeugnis ausgestellt und es ist nur zu wünschen, daß ihre Opferwilligkeit auch anderwärts Nach­eiferung findet.

** Kleiner Befähigungsnachweis. Der Orts- gewerbcverein veranstaltet am Mitttvoch den 2. Dezember d. I. eine Besprechung über den tleinenBefähigungs- nachweis. Die beteiligten Personen machen wir deshalb auf die Wichtigkeit der in Betracht kommenden persönlichen Interessen besonders aufmerksam.

** Die Gewerbelegitimationskarten für 1909 müssen nach einer polizeiamtlichen Bekanntmachung in den nächsten Tagen genommen werden, worauf wir In­teressenten aufmerksam machen.

♦♦ Wichtig für zur Entlass ung kommende Schüler, die ein Handwerk erlernen wollen. Nach den Bestimmungen über den sogen, kleinen Befähi­gungsnachweis dürfen für die Folge nur noch solche Hand­werker Lehrlinge anleiten, die die Meisterprüfung nach § 133 G.-O. bestanden haben, während den älteren Nteiftern, die das fragt Recht bereits besaßen, die weitere Anleitungs­befugnis durch die Verwaltungsbehörden auf Antrag ver­liehen werden muß. Falls nun Lehrlinge bei einem Meister, der diese Berechtigung nicht besetzt, in die Lehre treten, so erwachsen den ersteren ganz erhebliche Nachteile, da ihnen die Lehrzeit nicht bei der Zulassung zur «Gesellen­prüfung angerechnet werden kaum, sie also unächst keine Gesellenprüfung, später Ecine Meisterprüfung ablegen lönneu uno damit kein Recht erwerben können, ihrerseits später Mieder Lehrlinge anleiteu zu dürfen. 2>ic Handwerks­

kammer hat sich nun an Großh. Mrnisteriunr des Innern, Abteilung für Schulangelegcnhciten, mit der Bitte genxmbt, durch die Lehrer die zur Entlassung kommenden Schüler, welche ein Handwen erlernen wollen, darauf ausmerksam inadjeit zu lassen, daß die Befugnis zum Anleiten von Lehrlingen nicht allen Handwertsmeistern znsteht und daß sich die künftigen Lehrlinge, bezw. deren Eltern vor Ein­gehung eines Lehrvcrhältnisses erst darüber vergewissern sollen, ob der in Aussicht genommene Lehrmeister auch tatsächlich die Befugnis zum Anleiten von Lehrlingen besitzt. Dem Wunsche der Handwerkskammer hat die genannte Be­hörde durch entsprechende Weisung an die Großh. Kreisschul- tommissiouen Rechnung getragen. Jeder Handwerker, der künftig Lehrlinge anleiten will, muß sich im Besitze eures schriftlichen Ausweises hierüber befinden. Als solche gelten bei abgelegter Meisterprüfung die hierüber ausgestellten Meisterbriefe, in allen anderen Fällen die von der Berwal- tungsbehöroe ausgestellten Bescheinigungen, daß die Be­treffenden zum Anleiten von Lehrlingen befugt sind. Hierbei wollen wir nicht versäumen, baraitf aufmerksam zu machen, daß in vielen Zweigen des Handwerks wieder wesentlich günstigere Aussichten für ein Fortkommen be­stellen und das umsomehr, als auch jetzt die Lehrlings­verhältnisse usw. geregelt sind.

Verhüteter Unfall. Als ein Fuhrmann der Firma Gebr. Kahl heute mittag mit Einspannen beschäftigt mar, rissen die Pferde plötzlich aus und der Fuhrmann wurde eine Strecke Weges mit geschleift. Ein hinzu- kommender junger Mann brachte die Pferde zum Stehen.

©t ein berg (Kr. Gießen), 30. Roo. 9(m Sonntag feierte der Gastwirt Konrad Schneider seine silberne Hoch­zeit. Ec steht seit 30 Jahren als Kutscher im Dienste des Oekononnerats Müller auf dem Neuhof. Am Sonntag abend brachte ihm der Gesangverein Eintracht, dem Schneider als Mitglied angehört, ein Ständchen dar.

ft Hungen, 30. Nov. Der Gemeinderat der Stadt Hungen hat kürAich den Beschluß gesaßt, eine Straße im neuen Stadt­teil Hartigftraße zu nennen. Man will damit bie Er­innerung an einen Mann wachrufen und erhalten, der als prak­tischer Forstmann, als Organisator in verschiedenen deutschen Lan­den, als forstlicher Lehrer und Schriftsteller wie als begeisterter Patriot sich einen ruhmreichen Namen erwarb. Dieser Mann war Georg Ludwig H a r t i g, der als Sohn eines Großh. Hess. Forstmeisters in Gladenbach am 2. September 1764 geboren wurde. Er lernte zunächst bei feinem Onkel im Harz vom Jahre 1779 an die Jägerei, dann aber bei seinem Vater in Gladenbach die Forstwirtschaft. Von Wifsensdrang getrieben, studierte er für einen Jäger damals ein ungewöhnliches Ereignis auf der Universität Gießen zwei Jahre lang. Er vervollkommnete dann feine Kenntnisse wieder in der Praxis bei seinem Vater, er­hielt im Jahre 1785 den Akzeß beim Oberforstamte in Darmstadt, um in den Geschäftsgang bei der Forstdirektionsstelle ein geweiht zu werden. Hier lernte er seine künftige Frau, die Tochter b«i Heimchen Staatsministers Klipstem kennen. Ende des Jahres 1786 verließ er den Hess. Staatsdienst und trat als Forstmeister in Fürstlich Solmsischeu Diensten seine Stelle in Hunge n an, gleichzeitig seinen Hausstand gründend. Die Jahre in Hungen waren sehr glücklich. Hartig errichtete in Hungen die erste d e u t s ch e F o r st s ch u l e. Sie begann mit 2 Schülern, von denen einer sein jüngster Bruder war. Doch bald nahm bie Schule zu, sodaß Hartig in Hungen schon 20 Schüler um sich sah, die zugleich volle Pension in seinem Hause genossen. Im Jahre 1797 ging er als Landforstmeister nach Dillenburg in Fürstlich Oranien- Nassauische Dienste. Hier entfaltete er eine segensreiche organi satorische Tätigkeit, während seine Schülerzahl bereits aus 50 Eleven anwuchs. Als aber 1806 Napoleon dem Prinzen von Oranien die Länder nahm und zum Großherzogtum Berg zog, verzichtete Hartig aus patriotischer Gesinnung nnf die ihm ange­tragene Stelle und nahm kurz darauf einen Ruf in kgl. Württem- bergische Dienste an. Im Herbst 1806 siedelte er also als Ober­forstrat zur Forstdirektion nach Stuttgart über. Im Jahre 1811 endlich trat er als Oberl'andforstmeister und Staatsrat an die Spitze der kgl. Preußisckfen Fvrstvcrwaltnng. Hier lehrte er neben­bei erfolgreich an der Universität Berlin vor einem Auditorium von 200 Hörern. Er wurde zum Honorarprofessor und zum Doktor der Philosophie honoris causa ernannt. Seine organisatorische Tätigkeit wurde in den drei Staaten, die ihn an die Spitze der Forstverwaltnng beriefen, besonders aber in Preußen anerkannt und hat weit über seinen am 2. Februar 1837 erfolgten Tod hinaus gewirkt. Seine Lehren waren bahnbrechend und grunb- legcnb, sodaß sie großenteils heute noch Geltung haben. In einer großen Zahl selbständiger Werke sind sie niebergelegt. Denkmäler würben Hartig errichtet im Kranichsteiner Wilbvark bei Darm­stadt, bei Gladenbach und bei Hohenheim in Württemberg.

X Friedberg, 30. Nov. In Dewsbury in der Graf­schaft 'Aork ist im Laufe dieses Bäouats cüt aus Friedberg stammender Hesse, der Aldermann Friedrich Wilhelm Reuß einstimmig zum Bürgermeister (Mai>or) gewählt wor­den. Einer seiner Vorfahren, Nitolaus Muß, war übrigens von 1616 bis 1692 Bürgermeister von Friedberg. Der jetzige Bürgermeister von Dewsbury ist 1839 in Friedberg geboren, und zwar in dem seit 1714 seiner Familie gehörigen Hause. In Frankfurt trat er, 15 Jahre alt, in ein Spezereiwaren­geschäft als Lehrling eui und war später in der Garn- und Textilwarenbranche als Komnlis tätig. 1863 ging er erst nach Paris und etablierte sich im nächsten Jahre in Dews­bury, wo" er sich auch vor itnn 44 Jahren verheiratete. Er bat zwei Söhne und drei Töchter. Die ersteren sind Teil­haber seines Geschästes. In Friedberg weilt zurzeit ein Enkel von ihm in einer dortigen Erziehungsanstalt und wohnt bei einem Verwandten.

Rodheim v. d. H., 30. Nov. Gestern abend kurz vor 9 Uhr entgleiste bei der Einfahrt in den hiesigen Bahnhof anscheinend durch vorschriftswidrige Bedienung des Stellwerks ein unbesetzter Personenwagen des von Hoin- bürg ankommenden Zuges. Die Betriebsstörung dauerte bis 1.30 Uhr nachts. Materialschaden entstand nicht. Der Ver­kehr wurde durch Umsteigen aufrecht erhalten.

Mainz, 30. Nov. Hier ist ein zugereister Spa­nier an den echten Blattern erkrankt. Alle Vorsichts- maßregeln sind getroffen, um eine weitere Ausdehnung zu verhüten.

R.-B. Viernheim, 1. Dez. (Tel.) Eine entsetzliche Tragödie trug sich gestern abend hier zu. Der Küfer und Wemhändler Renz ließ anscheinend plötzlich geistes­gestört geworden einem Verwanden über 100 Hektoliter 'Bier auslaufen. Dann gab er auf einen Fabrikarbeiter Lang mehrere Schaffe aus einem Revolver ab und verletzte ihn schwer. Dann verletzte er sich selbst durch mehrere Schüsse und erhängte sich schließlich.

st. FrankfnrZ a. M., 30. )lov. Die Vereinigten Landwirte von F-ranksurt a. M. und Umgegend bieüen heute hier eine Vo r stau dss itznng ab. Zunüchff wurde beschloßen, zu dem am o. um» 6. Dezember in Würzburg stattsindLndcn ersten V-erbanb-ütrnj b/r Sudwcstoeu tsck)en-Di ckchprobuzenteii-Berein igung vbrt relegierte xu entsenden und eine außeroidenllick)e Hauptver- lammlung der Vereinigten Landwirte am 11. Dezember In der ...pannonic" in _achienhausen abzuhalten. Nach einem Vortrag öcö Rcchtsaiavalts v. H et molt Friedberg libcrEingetragene 'bereute beauftragte inan zwei Vo ri Lands mit gl ieder, um bie Ein- tragung derVereinigten" beim hiesigen Amtsgericht zu bewirken.

Hierauf wurde der seitherige Direktor der Lanbw. Hauptgenoffen- sä,ast in Friedberg, Hirschel, einstimmig zum DirekwrDer Vereinigten Landwirte" gewählt, nachdem besonders der Vor- sitzende desOkerhessischen Klubs der Landwirte in Nidda", Hosgutspäckter Güngerich-Engeltal und der Vorsitzende desKlubs für Saubroirrc in Frankfurt a. M.", Tomänenpächter Wittmer- Dottenfelderbof sich für Hirschel erklärt und die gegen Hirschel von Friedberg aus unternommenen Maßnahmen mißbilligt hatten.

h. Franksurt a. M., 1. Dez. Bei den am Diomag in 5 Bezirken vollzogenen 11 Stichwahlen zur Stadtverordneten- Versammlung wurden gewählt: 3 Mittclständler, 3 Freisinnige Demokraten und 5 Sozialbemokraten. Die Versammlung der Stadtverordneten wird sich in Zukunft wie folgt zusammensetzen: 17 Demokraten, 15 Sozialdemokraten, 12 Fortschrittler, 10 Na- tionalliberale, 7 Mittelständler, 1 Zentrum, 2 Wilde. Die So­zialdemokraten gewinnen 9 Sitze, bie Mittelstänbler 3. Tie .Demo­kraten verlieren 7, die Nationalliberalen 3, Fortschrittler und Zentrum je einen. Einbrecher, die in bie Bureauräume ber deutsch-amerikanischen Petroleum-Gesellschaft am Hasen ein­drangen, wurden bei ber Arbeit, als sie ben Kassenschrank an» bohrten, von einem Nachtwächter überrascht, ber 5 Revolver­schüsse auf sie abgab. Tie Einbrecher flohen. Anscheinend wurde einer von ihnen verletzt. Tie Polizei hat mehrere Ver­haftungen vorgenommen.

<8erid?ts$aaL

Darmstadt, 30. Nov. Rechtsanwalt Keil in Fürth i. Obw. würbe im ehrengerichtlichen Verfahren von der Anwalts­kammer mit einem Verweis und 500 M. Geldstrafe bestraft. Den Hauptpunkt der Anklage bildete die gewohnhettsmäßige Teilung größerer Streitobjekte zur Begründung der amtsgerichtlichen Zu- jcändigkeit.

Regensburg, 30. Nov. In dem Maxhütte-Prozeß gegen 64 Arbeiter, die wegen Landfriede nsbruches anläß­lich des Streiks im Mai an geklagt waren, wurde heute nach« mittag das Urteil verkü idet. 46 Angeklagte würben zu Gesängnis- ftrafen von einer Woche bis zu drei '.Utonaten verurteilt, die übrigen 18 wurden freigefprochen. Das Strafmaß richtete sich in der Hauptsache nach den Stnträgcn des Staatsanwalts.

Spenden für Radbod.

Die Sammlung deS Gießener Anzeigers:

Bisher quittiert: 1954.40 Alk., Gesangverein ri5tobfinii*, Vetzberg, 5., Klasse IVb der StabUnäbchenscyute 7., M. D. 2., Johann van gen Hassend 9.30, Dr. L. 20., N. N. 20., Sr. 10, Bürgermeister Schwalb in Großen-Buseck: a) in ber Gemeinde ge$anune(t 210., b) aus ber Gemeinbekasse 50., Gesangverein (Säcilin" in Lieh 18.35, Psarer Staubach aus bem Kirchspiel Groß-Eichen 36.27, Psarrer Stanback) aus bem Kirchspiel Kleie Eichen 12.35. Zusammen 2354.67 Mk.

VerinS-Lvres.

* Das große Grubenunglück in Amerika. Ter e i n z i g e, der bei dec Pittsburger Katastrophe geretteteBerg- mann ist infolge der furchtbaren Erlebnisse irrsinnig ge­rn o r b e n. Unter ben Toten befinbet sich ber Vetter des millionen­reichen Bergwerkspräsibenten Jones. Der staatliche Bergwerks­inspektor Henry Louthitt hatte mit bem Minendirektor Alfreb Becson bie Mariannagriibe in Pensylvanien fünf Mi- nutenvorderKatastrophe besichtigt und alles in m u st er- haf ter Ordnung gefunden. Als sich Louthitt ungefähr 100 Schritt von bem Schacht entfernt hatte, erfolgte bie Explosion, und bie Flammen schossen haushoch aus bem Schacht, ben er eben erst gemächlich und beruhigt verlassen Ijpttc.

* Die AusroetJung desHauptmanns von Kü­pen ick". Bor einiger Zeit wiesen wir, nach einer Meldung der Welt am Montag", auf die befremdete Tatsache hin, baß trotz des schmähttchen Fiaskos ber polizeilichen Ausweisungspraxis, das ber Prozeß gegen ben 'Schuhmacher Voigt erwies, die Berliner Ausweisung gegen diesen selbst auch bei seiner Begnadigung und Entlassung aus bem Gefängnis nicht aufgehoben wordcic war. Tazn berichteten^wir, baß Herr Voigt nachträglich burd) seinen Rechtsbeistand Scl ritte zur 9Uif>ebung bieser Maßregel unternommen harte. Wie dieW. u. M. mitteilen kann, ist nunmehr endlich durch ben Polizeipräsidenten ber Ausweisungs­befehl wegen den Schuhmacher Wilhelm Voigt aufgehobenl worben. TerHauptmann von Köpenick" hat biefen Schritt des Polizeipräsidenten mit einem Dankschreiben beantwortet.

* We l tpv st-Statistik. Drei Dutzend Jahre sind es nun her, da beschloß der internationale statistische Kongreß zu St. Petersburg, baß über den Postverkehr, über bie Zahl ber gewhönlichcn Briefe und Pakete, ber Weripakete und der Post­anweisungen statistische Angaben regelmäßig veröffentlicht werben sollten. Die Möglia kett einer Vergleichung mit Hilfe bieser statistischen ^Angaben war aber erst vorhanben, als burd) ben Berner Postkongreß eine Einheitlichkeit ber Grunbsätze bei ihrer Ausstellung erzielt worden Ivar, llnb die vom internationalen! Bureau 'des im Oktober 1874 begründeten äöeltpostoereins heraus­gegebene Statistik über die Organisativn des Postbienstes in den verschiedenen Ländern, über ben inneren und ben inter­nationalen Postverkehr, über unbestellbare Sendungen und über bie finanziellen Ergebnisse ber Post bietet ein volkswirtschaftlich wie statistisch wertvolles Material. Danach teilt Postrat Jo­hannes Bruns in seiner kleinen Schrift überDas Postwesen, feine Entwicklung und seine Bebeutung" (Leidig, Teubner) bie folgenden Zahlen aus bem Jahre 190-1 mit. Alle zum Weltpost­verein gehörigen Länder der Erde verfügen über 1>,_> Millionen Postbeamten, unter denen gegen 100 000 Postillione und Post­fuhrunternehmer sind. In ber Zahl seiner Po st beamten steht Deutschland weit voran. Seinen 261 985 können bie Vereinigten Staaten nur 241820, Großbritannien nuu 192 454 gegenüber» stellen. Ter Aktualität halber wollen wir auch die Zahlen aus Europas Wetterwmkcl, ber Baitanhalbinsel, nennen. Tas ganze Postpersomtt ticr Türkei umfaßt 1829 Mann, Rumänien hat 6956, während fick Griecheiiland mit etwas weniger als bie Türkei, nämlicb mit 1488 behilft und Serbien gar nur 843 hat. Sehr erfreulid) ist es auch für uns, baß in den finanziellen Er­gebnissen Teutschlanb, wenn auch nicht an erster Stelle, so doch recht tyod> steht. Dem lleberfluß von 933/ü Millionen Mark, ben die großbritannische Post aufznioeiscn hat, und den 622/s Millionen Rußlands folgen 613/5 Millionen in Deutschland. Nahe kommt diesen^Beträgen nur noch die französische Post. Die der Vereinigten Staaten von Amerika arbeitet sogar mit einem Fehl­beträge von 173/j, Millionen Mark, weil hier der Landbestelldienst und der Postbefördernngsdienst gewalttge Summen verschlingen. Am dichtesten ift bas Po st netz in ber Schweiz, hier kommt auf je 11,3 qkm eine Postanstalt, in Großbritannien auf 13,9, au^ A^Qkni. Dann folgt in ziemlich weitem Ab stände Belgien mit 24,1 qkm. _ Eine Vorstellung von ber Riefenausdehnung ber Vereinigten Staaten bekommen wir, wenn wir erfahren, daß fie mehr Postanstalten haben als Deutschland und England zusammen und doch erst auf je 129,3 qkm eine fommt. Insgesamt wurden im Jahre 1904 in den Vereinigten Staaten 9,Vs, in Deutschland gegen 7, in Großbritannien etwa 42, itt Frankreich, in Oesterreich P/5, in Rußland IV« Millionen Posticnbnngen befördert. In den meisten Ländern nehmen die eigcntiirfjcn Briefe von dieser Zal,l nicht die Hälfte in An- Ipruch.^ Der Postkarten- wie ber Drucksachenverkehr ist überall n Aunchwunge begriffen. Teutschland steht an der Spitze un Palet-, Wertsendungs- uitb Postanweisungsverkehr.

frung des Großfürsten Kyrill. Groß- surft Kyrlll -ü'laduniwwitfch ist, wie bereits kurz gemeldet wurde, exTtcxn ttntieren Range eines Kapitäns zweiten Ranges und - einc5 Flugeladjutanten des Kaisers wieder in ben kommen worden. Großfürst Kyrill, ein Cousin des Zaren ^ttvlaus IL, wurde bekanntlich wegen seiner ohne Zu- fnmmung ues Zaren geschlossenen Ehe mit der geschiedenen Grost- herwg.u '-Jiciitta von Hessen, einer Prinzessin von >ivburg-Gotha, aus dem '.Aarmebienit enrlassen und zum ständigen Ausent^ill im -lu^lan? angaouien. Tas war im Jahre 1905. Ein Jahr V",tlC. es dem Großfürsten ^kyrlll auf Fürbitte seines ^>alerö> ue» Großfürsten Wladünip, gestattcü iettweist ji^ zmq