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1.12.1908 Erstes Blatt
 
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Nr. 283 Erstes Blatt 158. Jahrgang Dienstag I. Dezember 1908

Der Eichener Anzeiger XX. A BezugSpret S:

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füi öie Redaktion 112, __ iVfir * für den politischen Teil,

WS Geimal-Anzelger für Oberheffen WZZ Jül die Tages,nnn.ner E0föfl0n$fruä und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruuerei n. Lange. NedaMon, Expedition und Druckerei: Zchttlstrahe 7. AEiaenieii^'v Beck bis vornnllags ttyr. 0 M v"

Die heutige Nummer umfafet 12 Seiten.

Holsen zu haberr.

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Das Abkommen zwischen Japan und Amerika.

Europa wirb aufftordjen bei bev Nachricht, baß Japan und die Bereinigten Staaten ein Abkommen über den Stillen Ozcan ge­schlossen haben, in dem sie sich erstens ihren gegenseitigen äugen- blicktichen Besitzstanb an der Stufte der Pacific garantieren und im Folle von Verwicklungen gemeinsame Verhandlungen in Aussicht nehmen, zioeitcns aber sich verpslichten, die Integrität Chinas zu verteidigen und dort allen Nationen gleiche Vorteile für Handel und Industrie zu gewähren. Diese amtlich 'bestätigte Nachricht muß in hohem Grade überraschen, Menn man sich erinnert, wie gespannt die Beziehungen zwisckieu der Union und Japan aus Anlaß der japanischen Einwanderung in Kalifornien noch im vorigen Jahre waren. Als die amerikanische Flotte sich im Januar zu ihrer Fahrt in den Stillen Ozean rüstete, nachte man sich aus Kampf um die .Herrschaft im Pacific zwischen beiden Mächten gc- saßt, umsomehr als die Amerikaner mit allen Kräften an der Befestigung der Philippinen arbeiteten, um diese Inseln, auf die sich der erste Angriff der Japaner richten mußte, zu einer Flottcn- fbation ersten Ranges -u machen. Und nun? .Kein Krieg, sondern ein Abkommen, roic es ftiedenverheißender und großzügiger niclst gedacht werden kann.

Natürlich bat sich diese Regelung in der Stille schon vor- bereitet. Unstreitig >raren die Beziehungen zivisclfcn Japan und Amerika, seitdem die amerikanische Flotte den Stillen Ozean erreicht halte, besser geworden. Möglich, baß Japan niemals erwartet hatte, dass die ammfanifdj-c Flotte in so ausehnlidfcr Stärke aus den Philippinen eintreffen würde, möglich auch, dass es, da seine Finanzen aufs ärgste daniederlagen und der Boykott Nlpanischer Waren und China ihin iwch immer größere pekuniäre Wunden schlug, seine Zett im Jahre 1908 noch nicht für ge­kommen hielt und deshalb den Fchbcgang mit der Union ver­tagte. So gab es in der Frage der japanischen Einwanderung nach, indem es die Auswanderung aus Japan auf dem Ver­waltungswege beschränkte, so erhob es keinen Protest gegen die Befestigung der Philippinen, sondern empfing vielmehr den Kriegs- sekrctär und künftigen Präsidenten Taft in Tokio mit größter Freundlichkeit. Ja, als Admiral Sperry mit seiner Flotte auf direkte Einladung des Mikado mit einer Botschaft des Präsi­denten Roosevelt Japan befudfte, bereitete man ihm einen be­geisterten Empfang. Gleichzeitig wußte der Ncwyorker Korre­spondent desStandard" zu melden, daß Japan eine Konferenz der am Stillen Ozean beteiligten Mächte zur Erledigung gewisser Fragen wünsche, die später Schwierigteiten bereiten könnten, und vier Wochen später, am 19. 'Jtobembcr, wurde diese Meldung schon dahin berichtigt, daß Japan mit den Vereinigten Staaten Verhandlungen angeknüpft habe, znrecks Regelung ihrer beiher» fettigen Beziehungen im fernen Osten und zwecks Erklärung der Integrität des chinesischen Reiches.

Daß diese Verhairdlungen so schnell zu dem jetzt vorliegenden Abkommen führen würden, hat wohl niemand gedacht. Es läßt fid) das vielleicht so erklären, daß Japan, das sich ja mit Eng­land und Frankreich im ofhfiatiidjcn Abkommen und mit Ruß­land im mandschurischen Abkommen über die Abgrenzung der gegenseitigen Interessensphären geeinigt und sich im Bunde mit diesen Mächten für die Integrität Chinas verbürgt hatte, hier einem von England c,us geäußerten Wunsch gefolgt ist, der die Angliederung dec Vereinigten Staaten an die ostasiatischen Ab- fonunendmaebte bezweckte, und daß es diesem Wunsche um so lieber folgte, als cs für lange Zeit hinaus mit der Sanierung feiner Finanzen und seinem inneren Ausbau viel zu viel zu tun hat, um an einen Kantpf mit der Union denken zu können. Aber auch in Washington scheint man, zumal man mit der Unterstützung Japans ldlurch England und Frankreich rechnen mußte, froh ge­wesen zu fein, einstweilen Frieden im Stillen Ozean zu behalten, und ist baljer gern auf die iapaniscl)en Vorschläge ciugcgangen. Ist man doch jetzt im ungestörten Besitz der Philippinen, kann die Schlachtflotte ruhig nad) Dause fahren lassen und braudjt vorläufig nickst an den Ban einer zweiten Fwtte zum Schutze der sximat zu denken.

Es ust sehr wim möglich, daß das Abkommen zwpchen Japan

Lehrerstelle an der Gemcindcschulc zu Nieder-Lieber s- bad). Eilte mit einem lall). Lehrer zu besetzende Lehrer­stelle an der Gemeindeschule äu Hain Hausen. Mit der Stelle ist Organistenviensr ucrbunacn. Eine mit einer kath. Lehrerin zu besetzende Lehrerinstelle an der Gemeinde­schule zu Seligenstadt. Dem Kreisrat zu Offenbach und dem Gemeinderat zu Seligenstadt steht das Prasen- talionsrecht zu. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende dritte Lehrer,telle an der Gemeindeschule zu Gedern. Dem Fürsten zu Swlberg-Wernigerode-Gedern steht das Präsen­tationsrecht zu. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ein ar ts Haus en. Mit der Stelle ist Organisten- und Vorleserdienst verbunden. Dem Grasen zu Solms-Rödelheim steht das Präsentations- recht zu.

* Brandpersichern ngSkammer. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben den (Seb. Oberfinanzrat i. P. Joh. Vittel zu Tannstadt auf sein Nachsuchen von der Sieben- stelle eines Mitgliedes und Rates bei der BrandoersicherungS- lammer enthoben.

* In Audienz empfangen wurde von S. K. H. dem Grobherzog u. a. Kurdirektor Freiherr von Starck von Bad-Nauheim.

"'Auszeichnungen. S K. H. der Großherzog haben dem sDhtinl)abcr der Recdereifirnla Stinnes zu QJiül» heim a. d. Ruhr Leo Stinnes zu Auerbach a. d. B. den Charakter als Kommerzienrat erteilt und dem Kaiserlich deutschen Generalkonsul Geh. Lcgalionsrat Dr. Johannes m London das Kointurkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

"In den Ruhestand. Se. Kgl. Hoh. der Groß­herzog haben den Bureaiivorsteher bei dem Felcsteremig- ungskomniissär in Friedberg, Gg. Hotz, bis zur Wieder­herstellung seiner Gesundheit auf sein Nachsuchen in den Riihesland versetzt.

" Serbischer Paßzwang. Durch Verfügung des Serbischen Ministeriums des Innern vom 23. v. Mls. ist der Paßzivang für Reisende nach Serbien wieder ein­geführt worden.

" Eine Sitzung des Provinzial-Ausschusses findet am Samstag, 6. Dez. d. I., d o r in. 9 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Beschwerde des Rechts­anwalts Raab m Gießen gegen die Veranlagung deS Lony'schen Hauses in der Bahnhofstraße zur Kanal­steuer; 2. Rekurs des Johann Sann zu Burg-Ge- m u n d e n gegen einen Polizelbefehl Großherzoglichen KreiS- amts Alsfeld. <

" Gießener Studenten in Prag. In der Sitzung deSAusschusses der Gießener Studentenschaft" am vorigen Samslag wurde beschlossen, drei Vertreter zu den Festlich- testen anläßlich der Grundsteinlegung zur neuen Universität nach Prag zu senden, die sich auch an den Demonstrationen der dortigen deutschen Stuöenten beteiligen sollen. Die drei Vertreter, cand. phil. Strate meyer (mathem. - uaturw. Zerein) als Vorsitzender des Ausschusses, cand. phil. Köhler (Burschenschaft Germania) und cand. phil. SU r n (Verein deutscher Studenten) fuhren heute nad)t nach Prag ab.

* * H e i rna t s b e r e ch t i g u u g der Studenten. Das Buirdesamt für das Heimatwejen in Berlin veschästigte sich mit der Frage, wo ein Student den Orr seines gewöhn­lichen Aufenthalts habe; das Bundesamt i|t der Ansicht, daß für einen Studenten, möge er seine .crien auch regel­mäßig in der Heimat zubringea, der Ort, wo sich die Uni­versität bejinbet, und nicht die Heimatgemeindc als Ort Les gewöhnlichen Aufenthalts im Sinne des Reichsgesetzes über den Unterstützungswohnsitz zu gelten habe. Von ent­scheidender Bedeutung sei in dieser Beziehung, daß der Student von vornherein die Absicht hatte, nach der frag­lichen Universitätsstadt immer wieder zurückzukehren. Der Umstand, daß der Student nach derselben Universität immer wieder zurückkehre, reiche für die Annahme nicht ans, daß der Student während der Ferien in der Universitätsstadt seinen gewöhnlichen Ausenthalt habe beibehalten wollen. Wenn ein Student sich polizeilich in der Universitätsstadt nicht abmelde, so türme angenommen werden, daß er dorthin nach den Ferien zurückcelwen wolle. Innerhalb eines Orts­armenverbandes werde durch ziveijäyrigen Aufenthalt der Unterstützungswohnsitz erworben; als ll.ntcrbrcchung des Aufenthalts werde eine freiwillige Euürnung nicht an* gesehen, wenn aus den Umständen erhelle, daß beabsichtigt fei, den Aufenthalt beizubehalten.

** Stadttheater. Es sei noch darauf hingewiesen, daß in der heutigen Vorstellung von Djömsons Fa l l i f) e m e n 1", die von Oberregisseur Baiäs inszeniert ist, der größte Teil unserer ersten Kräfte beschäftigt ist. Wir nennen die Herren Bakof, Goll, Roden, Weingärtner, Pauly, Bold, Kohlmann u. a. m. und die Damen Höcker, Albrecht und Nöber.

♦♦ D i e Schlier feer kommen! Die Schlierseer haben soeben ein sünfzigabcndliches Gastspiel im Neuen Königlichen Opcrn- tt-cater zu Berlin beendet, das der Truppe große Erfolge brachte. Während des Monats Dezember gastieren die Baucrnspicler in Wiesbaden; am 3. und 4. Dezember findet daselbst der Andreas- martt statt. Direktor Steingötter hat daher, wie wir schon mit» teilten, die Truppe für diese beiden Abende für Gießen ver­pflichtet. Wir werden daher Gelegenl-ett haben, den allzeit luftigen Terofal in unserrn Stadtthcater begrüßen zu tonnen. Da man von den Schlierseern nur luftige Stücke erwartet, wird als erstes Gastspiel Donnerstag, 3. Dez.In der Sornrner- > frisch ' n ' und Freitag, 4. Dez.D e r Paragrapben- s ch i: ft e r" zur Ausführung gebracht. Beide Stücke, die in Gießen noch nicht gegeben wurden, sind von den beiden Münchner Humo­risten Benno Rauchenegger und Sionrad Dreher versaßt.

" Burger verein Gießen. Eine recht rege Tätigkeit entwickelt in diesem Jahre der Bürgerverein. Nachdem erst vor einigen Wochen das interessante Thema der elektrischen

woh!tätigkeit5ko:,zert im Ztadttheater.

Ein trauriger Anlaß, die furchtbare Grubenlalastrophe in Westfalen, war es, die unsere einheimischen Künstler bewogen hat, ihre Kunst in den Dienst der Wohltätigkeit zu stellen und an einem Konzert des Bauerschen Gesang­vereins zum Besten der Hinterbliebenen der aus der Grube Radbod Verunglückten mitzuwirken. De-: Abend hat einen doppelten Erfolg gebracht, einen finanziellen und einen künstlerischen. Das Haus war sehr cpit besucht und die ein­zelnen Nummern des Programms fanden lebhaften Bei­fall. Was der Bauer sch e Gesangverein unter der Leitung des Herrn Otto Gör lad) darbot, das verdiente aber auch den Beifall eines anspruchsvollen Publikums, und den musikliebenden 5mi,en unserer Stadt kann es daher nid)t warm genug empsohlen werden, keine Gelegenheit zu versäumen, diesen wirklich vorzüglich geschulten Manner- d)or zu hören. Es ist nahezu das Vollendetste, was man auf diesem Gebiete überhaupt hören kann. Der Chor ist ja nicht übermäßig groß, aber er verfügt über ausgezeichnete Stimmen, die sich mit seltener Reinheit und ExaUheit dem Gesamtchore cinftigen. So hört man hier fast nie, daß eine einzelne Stimme sich etwa vvrdrängt; es ist ein har­monisches Ineinander stießen der Stimmen zu einem ein­zigen großen, schönen Atkvrd. Und wie fein und zart ab­getönt und abgerundet ist der Vortrag und welches innige Empfiirüen strömt dieser Gesang aus. Dieser Dirigent^slößt Staunen und Bewunderring ein, wie sicher er feine Sänger bei aller ihrer individuellen Bersd)iedenheit zusammenzu­halten weiß, um aus diesen vielen Stimmen ein eigen­artiges Musikinstrument zu schaffen, das seinen künst­lerischen Jnteritionen volltvmmcn entspricht. Sd)ade, daß man diesen Gesangverein nicht noch häufiger in der Oessenl- lichkeit zu hören bekommt.

Neben solchen musikalischen Genüssen, wie sie gestern der Bauersd)e Gesangverein bot, wird es den Solisten nicht leicht gemacht, sich ebenfalls Geltung zu verschufien. Die drei Solisten des gestrigen Abends, Frl. JdaStammler, Herr Z. Hahn und Herr W. Schattier, verstanden es indessen ausgezeichnet, oas Interesse der Zuhörer auxl) ihren Darbietungen zuzuwenden. Frl. Stammler sang Lieder von Schumann und Hugo Wolf. Neben ihrer glänzenden, fym-

unb bei Union nicht so rasch zustande grüimmen wäre, wenn nickft bar Thronwechsel in China, bet ja alleMngH wider Er­warten ohne Unruhen verlauten ist, in Japan die Bcsüvchtung erweckt hätte, uhc europäisck>en Mächte könnten einmal wieder Gelegenheit zum Einschrettcn finden und- Japan der Früchte seiner stillen, aber energischen Politik in China berauben. Eine von Engtanb, F-rankceich, Rußland und den Bereinigten Staaten er­klärte Integrität Chinas kommt ihm daher desto gelegener, je gedeckter unter ihr die japanischen Emissäre ihr Untcrwühtungs- iverk fortsetzen können. Vielleicht sind auch bie lebten In­diskretionen über Aeußerungcn Kaiser Wilhelms, mögen sie nun wahr oder erdickftet sein, in Tokio nicht ohne Wirkung geblieben, so daß England mit Japan ein leickZtes Spiel hatte, wenn cs ifan nahclcgtc, jcpt auf feinen 22affengang mit den Vereinigten Staaten zu verzichren und statt dejfcn ein Abkommen über den Stillen Ozcan mit ihnen zu schließen.

Denn daS ist ja wieder das Zentren auch dieses Abkommens: TXnitsckiLaiid, das doch wegen seiner Pack)iung in Kiaulschau auch daran interessiert ist, hat man wieder üoergangen. Anscheinend hat auch in diesem Falle unsere Diplomatie nicht auf ber Höhe ihrer Ausgabe gcstianDen. Oder hatte vielleicht der Besuch des Gouverneurs von jtiautschau, Admiral Truppcl, in 'Tokio den Zweck, eine 2>crfUnbigung üoer Kiauifd^aii anzubahnen? Kann cs doch kaum zwcifclhast sein: wenn tue Vereinigten Staaten und Japan sick; jetzt für bic Integrität CbinaS eiugeseht haben, so zuhlt dabei Kiautschau als chiuefifck>cs Land, und wir werden es nad) Ablauf unserer Pachtzeit in 90 Jahren schön hcrausgebcn müssen, wollen wir nicht mit England, Rußland, Frankreich, Japan, den Vereinigten Staaten, sowie mit dem bann wohl gänzlich er­wachten ober unter japanisci)cm Einfluß st.henden China, in Kon­flikt kommen. Ein so fern liegender Pächtbefitz läßt sich eben nicht verteidigen, er ist von vornherein ein verlorener Posten, und alles Geld, was wir fiu Kiautfck-au ausgcwcnbct und noch serncr aufiociüxn, kann als verloren gelten. Bismarck nannte die Pad>- tung Küautschau ans diesem Grunde einen schweren Mißgriff derb cutfdjen Politik, unb General v. b. Goltz bezeichnete sie kürz­lich als Achillesferse Deutschlaubs. Das zeigt fid) wieder so recht aiigesichts des Avkommens Japans mit der Union. Mit ihm Haden nrir einen Bundesgenojscu, auf den wir im Kriegs­fälle noch allenfalls zählen konnten, an den großen Ententen- komplex König Eduards verloren, mit ihm wird uns auch China, daS Moltke als den nalürlidjcn Bundesgeiiosscu Teutschlands im Kampfe geegn Rußlaiib bezcickjncte, eutfrenibet, da ihm jetzt seine Jrttcgrität von allen Seiten verbürgt ist.

So schließt sich, nachdem aud) ansd-cinenb bie Türkei ein Bündnis mit England emgegangen ist, der Ring um Deutsch­land immer enger. Das einzige Gute an der neuesten politifajen Sensation ist, daß die roirtidjaftüdte Gleichberechtigung aller Vlächte in China jetzt auch von den Vereinigten Staaten und von Japan anerkannt roirb. Unb ivenr die2iorbb. Allg." unb bieKöln. Ztg." bieses Momcitt bei ihrer Besprechung des AoLammens in den Vordergrunb rücken, so ist bas von ihrem Standpunkce aus, der die dcutsd)« Diplomatie in jedem Falle decken will, sehe verständlich.

Aus Siafct uud LauS.

(Sieben, 1. Dezember 1908.

" 93 o m Groß herzoglichen Hofe. An der gestrigen Frühstuckslafel im 9leuen Palais nahm teil der Staatssekrctäi int 2lusivärtigen Amt v. S ch ö n.

" Der Zusammentritt deS 34. Landtages ist, wie derDarmst. Zig." mitgeteilt wird, duich landesherrliches Edikt vorn 28 d. M. auf Mittwoch, 16. Dezember b. I., bestimmt worden. Tie feierliche Eiöffnung des Landtages wird am Donnerstag, 17. Dezember d. Js., ttattsinden. (DaS ist der schon von uns mitgcteilte Termin. Red.)

♦♦ Lehrerpersonalien. Uebertrageu würbe dem Schulamtsafpiranten Karl Hening aus Otterlheim (bayr. Psalz) bic Lehrerstellc an ber kath. Schule zu Ervack) i. O. Erledigt sind: Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende

pathischeu und sorgsam ausgebildeten Stimme fes.elt den Zuhörer hier vor allem der Vortrag. Frl. Stammler gehört zu den hochbegabten Sängerinnen, die frei über alle Register des musikalischen Ausdrucks verfügen. J)r gelingt das Heitere, Leichte und Graziöse ebenso mciirerhaft wie das Äd)wcrmütige uni) Traurige (Wotss El.entieo und Schu­mannsMit Myrten und Rosen"). Herr Schüttler ver­fügt als Violinist über eine ganz großartige Technik. Sein Lion ist glänzend und rein. Sein Spiel verriet gestern aber dock mehr den reflektierenden als den empsindenocn Musiter, er oegegnct fid) in dieser Beziehung ein wenig mit Mancau.

Herr Hahn bewührle sich auch gestern wieder als aus­gezeichneter und verständnisvoller Kiavierbegleiter bei den Liedern und dem D-moll-Konzert für Violine von Wie- niawski, ebenso in den Trios für Sopran, Violine und Klavier. Als Solist rief er durch seine immense Ted)nik Bewunderung hervor. Die Wiedergabe der Schumann- Lisztscken Frühlingsnacht zeichnete sich durck) die saubere Ausführung und tieses Empfinden aus.

Sehr beachtensiverte Leistungen waren die Sololieber, bic ein Mitglieb bes Bauerschen l^sangvercins, Herr Laux, sang. Dieser Sänger verfügt über glänzende Stimmittel, die bei sorgsamem und unablässigem Studium sehr viel verspred)en; durch ein solches Studium würde bie Stimme jedenfalls auck noch viel voller werden.

Es war alles in allem ein sehr genußreicher mii)ifalqd)r Abend, und das Publikum hat alle Ursache gehabt, den Künstlern des gestrigen Abends, dem Bauerschen Gesang­verein und seinem Dirigenten Tank zu zollen. Neben den ausübenden Künstlern sei an dieser Stelle aber auch noch derer gedacht, die in bescheidener Qpferwilligkeit das ihrige zum (gelingen dieses Konzerts beign.ragen haben, vor allem der Leitung des Stadtthcalers für die Hergabc der Räume, Herrn Rudolph, der den Flügel zur Verfügung gestellt hatte und Herrn Musikalienhändler Challicr für seine unermüdliche und von den Fernstelfenden nicht immer ge­nügend beachtete und gewürdigte Ltitarbcih. Den schönten Dank für ihre Op,erwllligreit haben die Veransratter des gestrigen Konzerts jrcilia.) erst in dein Bewußtsein, den armen unjtucHidjen Notleidenden nach befren Kräften ge-