Ausgabe 
1.7.1908 Erstes Blatt
 
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kehr intimer; ich nahm ihn roieberljoit mit auf mein Zimmer. Um diese Zeit hörte ich, daß Merker and) andere Verhält­nisse halte. Es gab Szenen und Austritte, in deren Verlauf Merker hartnäckig leugnete, ülber ick) blieb mißtrauisch. Da lernte ich am 15. Februar 1906 aus dem Ingenieurbau in Chemnitz Preßler kennen. Es folgte ein längerer Briefwechsel; schließlich lud er mich ein, ihn in Chemnitz zu besuchen. Wir besuck)tcn das Theater. Für den anderen Tag war Preßler zu Mittag geladen; er sagte, daß er durchaus ernstliche Absichten habe, ich wollte mich aber nicht gleick) binden. Als er mir vor dem Essen auf dem Flur das Jackett hielt, versuchte er, mich an sich zu ziehen. ,So schnell aus keinen Fall," sagte ich. Benn Essen faßte er plötzlich meine Hand mit den Worten :Wir beide müssen zusammenbleiben/ Ich wußte nicht, was ich sagen sollte. Dieser Händedruck war eigentlich die ganze Liebeserklärung Preßlers. Dann habe ick) mid) eben mit ihm verlobt. Preßler halte schon den Tag der Hochzeit festgesetzt; er hatte die Ringe gekauft. Je näher aber ich ihn kennen lernte, desto mehr erfuhr ich, daß er doch ein ganz anderer war, als wie ich ihn zuerst kennen gelernt hatte. Er war unfreundlick) und grob zu mir, ich kann wohl sagen, daß ich Furcht vor ihm hatte. Tas konnte id) nicht vertragen, ich wurde unglücklich. Auf den Spaziergängen mit Preßler sah id) häufig Merker. Auch halte ich gehört, daß.'JJZerfer gesagt hatte, er könne mich nicht vergessen, und daß er bei der Nachricht von meiner Verlobung sich wie rasend benommen hätte. An einem Tage, an dem mich Preßler besonders schlecht behandelt hatte, faßte ich den Entschluß, mit Merker zu- sainmenzutrefsen. Ich mußte von Preßler los, sonst sah id) em Unglück voraus.

Hierauf tritt, um der erschöpften Angeklagten Gelegenheit zur Erholung zu geben, eine kurze Pause ein.

Nach der Wiederaufnahme der Verhandlung sd;ilderl die An­geklagte den weiteren Verlauf des Dramas, das unseren Lesern aus unseren früheren Mitteilungen nod) in Erinnerung sein dürfte. Den Al o r d v o r g a n g s e l b st schildert die Angeklagte wie folgt: In Chemnitz holle mich Preßler von der Bahn ab. Er halle Kaffee­gebäck gekauft, wir gingen sofort zu ihm, und er bat mich, Kaffee zu kochen. Währenddeß holte er Sahne, da er mußte, daß id) sie gern. Tann tranken wir gememsdiaftlid; Kaffee. In den Kaffee konnte ich das Gift nicht tun, da id) ihn and; trank. Ich mußte es also dem Zufall überladen. Preßler war übrigens sehr zärtlich, nach dem Kaffee lud er mid) zu einem Gläschen Eierkognak ein. Ick; lehnte ab, worauf er sagte, ich solle ihm bann wenigstens ein

Glas enlschenken. Ich tat dies und ließ schnell das Gift hinein- sallen. Dann rührte ich mit dem Löffel mehrere Male herum und hätte beinahe in der Erregung den Löffel an meine Lippen geführt. Ich besann mich aber noch rechtzeitig. Preßler saß währenddem abseits auf der Chaiselongue. Ich trat vor ihn hin, er wurde jn- dcinglich und suchte mich auf den Schoß zu ziehen, wobei er sagte: ,Ta wir doch bald heiraten, köniiten mir doch einmal glücklich sein!' Er ivar sehr leidenschaftlich und seine Gesichtszüge waren derart verzerrt, daß mich Ekel und Abscheu ergriff. Niemer Sinne nicht ganz mäd)tig, reichte id) ihm den Kognak und sagte: »Hier trinke!* Er nahm das Glas unb trank es auf einen Zug aus. Kaum Halle er es aus bar Hand gesetzt, als er auch schon umsank. Was nun geschah, habe id) nur nod) dunkel in der Erinnerung. Alles Folgende tat ich nur rein mechanisch. Ich glaubte nicht, daß Preßler tot war, ich dachte, er könne wieder zu sich kommen und würde bann furchtbare Schmerzen haben. Ta nahm ich eine Ser­viette, banb sie ihm um ben Kopf weshalb, weiß ich nicht, beim seine Augen waren gesd-lossen hielt ben Revolver ihm weit in den offen'itehenden Munb hinein und brückte ab. Dann legte id) das Testament aus dem Schrewtisch heraus, die zwei Veroni-Brieie daneben und schlich davon. . Um 7 Uhr kam ich in Freiberg an und begab mich in eine Gesellschaft, wo es allerdiiigs sehr luftig zuging.

Unter ganz enormem Andrang des Publikums wurde am Dienstag die Verhandlung fortgesetzt. Es gelangen zunächst zahl­reiche für diesen Prozeß in Frage kommende Briese und Schrat- ftüde zur Verlesung, die ebenso, wie die sich aiischließende Zeugen- vernehmiing, die Darslelliiiig der Angeklagten bestätigen. Um Mitternacht wurde das Urteil gesprochen: Tie Angeklagte wurde wegen Mordes zum Tode unb wegen Urkunden­fälschung zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Außerdem wurde aut dauernden Ehrverlust erkannt. Grete Beier nahm bas Urteil ruhig unb gefaßt entgegen. Nachbem sie einige Worte nut ihrem Verteibiger gewechselt hatte, ließ sie sich widerstandslos abführen.

Gießener Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung für Hesien am Donnerstag ben 2. Juli: Forlbauernb heiter. Trocken, sehr warm. Auch in ben nächsten Tagen keine Aenderung.

Miiller'sche Badeanstalt.

W a s s e r w ä r ni e b e r Lahn 20 °R.

Grigirral-Drahtmel-rrirgen.

London, 1. Juli. Eine Abordnung von 1300 Frauen^ rechtlerinnerr begab sich zum Minister Asquith, um von diesem empfangen zu werden, der aber die Audienz ver­weigerte. Erst nach mehrstündigen Anstrengungen gelang es der Polizei, die Demonstrantinnen zu zerstreuen.

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Fronhausen (Bez. Cassel), 30. Juni 1908

Die Beerdigung findet Donnerstag, den 2. Juli, 1 Uhr mittags, statt.

Im Namen der Hinterbliebenen:

Hermann Meyer und Dora Meyer.

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Heute Nacht 1 Uhr starb nach kurzem, schwerem Leiden unser guter Vater, Bruder, Schwager und Onkel, der

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Um stille Teilnahme bitten

Heuchelheim, den 1. Juli 1908

Die trauernden Hinterbliebenen Familie Ludwig Vollmann III, Gastwirt.

Die Beerdigung findet Donnerstag, den 2. Juli abends 6 Uhr vom Sterbehause, Brauhausstraße Nr. 2L aus statt. (4040

Frau Kath. Elisabetta Volkmaon, geb, Juug im 68. Lebensjahre.

Heute morgen 2 Uhr verschied nach kurzem, schwerem Leiden unsere liebe Gattin, Mutter, Schwiegermutter, Schwiegertochter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante

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Lollar, den 30. Juni 1908.

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Die Beerdigung findet Donnerstag Nachmittag 3 Uhr statt.

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Insbesondere der Krieger- 4027

Werkmeister

sagen wir hierdurch herzlichen Dank, danken wir seinem Prinzipal und kameradschaft.

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Dtc trauernden Hinterbliebenen.

Gießen, den 1. Juli 1908.

Danksagung.

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem schweren Verlust unseres treuen, guten Vaters

Wilhelm Seng

Bekanntmachung,

betr.: Bcitragsleistung zur Invalidenversicherung.

Die vom 1. Juli 1808 ab geltende Neufestsetzung des orts­üblichen Tagelohns gewöhnlicher Tagearbeiter hat zur Folge, daß von diesem Zeitpunkt ab tu Gießen alle nicht der Krankenversicherung unterliegenden Versicherten und zwar:

die männlichen zur Lohnklasse IV

die weiblichen III

gehören.

Für erstere sind daher fortan als Wochenbeitrag 30 Pfg., für letztere 24 Pfg. zu entrichten.

Gießen, den 27. Juni 1908. B3%

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

M e c u in-

Todes-Anzeige.

Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, heute Morgen 7,11 Uhr unsere Schwester, Schwägerin und Tante

Dorothea Moos

nach kurzem Krankenlager, im 46. Lebensjahre, zu fid) zu rufen.

Die trauernden Hinterbliebene»

Familie Baltb. Römer und Siatl Volkmanu.

Bekanntmachung.

In das Handelsregister 9lbt. B wurde bezüglich der Firma Gesellschaft zur Errichtung eines Oberhessischen Hauses in Darmstadt, G. m. b. H. zu Gießen, folgendes eingetragen: Die Firma ist geändert in: Gesellschaft zur Erbauung eines Oberhessischen Ausstellungshauses in Darmstadt, Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Gießen. Das Stammkapital ist um 2000 Mk., also auf Achtunddreißigtausend Mark erhöht worden.

Gießen, den 24. Juni 1908.

Groß herzoglich es Amtsgericht-

(5487

Johann Einig, Postschaffner. Gießen, den 1. Juli 1908.

Danksagung.

Für die vielen Beweise inniger Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben, unvergeßlichen Kindes, Brüder­chen und Enkelchen

Franz Ludwig

sagen wir herzlichsten Dank.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen.

Bekanntmachung.

In das Handelsregister 9lbt A wurde bezüglich der Firma August Frees, Hof- und Universitäts-Buchhandlung zu Gießen folgendes eingetragen: Das Geschäft ist auf den Kaufmann Hermann Behrendt 511 Gießen ohne Aktiva und Passiva übergegangen, der die seitherige Firma weiterführt mit dem Zusatz: Inhaber Hermann Behrendt.

Gießen, 24. Juni 1908. B1/,

__________________Großherzoglichcs Amtsgericht.__________________

Vergebung.

Für die Klinik sür psychische und nervöse Krankheiten in Gießen soll die Lieferung von Bett-, Leib- und Tisch­wäsche auf dem Wege der öffentlichen Ausschreibung ver­geben werben.

Die Bedingungen liegen an den Wochentagen von 4 bis 6 Uhr nachmittags in dem Verwaltungsburcau zur Einsicht offen.

Angebote sind versd;lossen und mit entsprechender Auf­schrift versehen bis zunt Eröffnungsterm in

Freitag, den 17. Juli 1908, vormittags 12 Uhr,

in dem vorerwähnten Bureau abzugeben.

Gießen, den 30. Juni 1908. ß';

Die Großherzogliche Direktion

der Klinik für psychische und nervöse Krankheiten.

S 0 m m e r.

Pttgebnug von Wnsserlcitnngsarlieiten.

Die zur Herstellung der Zuleitung für die Wasscrver-( sorgung Wieselt nötigen Arbeiten und Lieferungen, umfaffend 3800 m Gußrohrleitungen von 8090 m/m I. W. sollen auf Grund schriftlichen Angebots vergeben locrben.

Zeichnungen und Angcbotsunterlagen liegen auf dem! Büro des Unterzeichneten, Zimmer Nr. 24, zur Einsicht offen,! woselbst auch Angebotsunterlagen käuflich erworben merben können. Die mit entsprechender Aufschrift versehenen Ange­bote sind postfrei bis zum

Freitag, deu 10. Juli, vormittags 11 Uhr an den Unterzeichneten emzusendeu, ivoselbst die Eröffnung in Gegenwart der etwa erschienenen Submittenten stattsindet.

Freie Auswahl bleibt Vorbehalten, Zuschlagsfrist 4 Wochen/

Gießen, den 30. Juni 1908.

Der Großh. Kreisbauinspektor des Kreises Gießen.

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Straßenbahn.

Zur Bearbeitung der Pläne unb gegebenen Falls zur spä­teren Beaussichtigung ber Bauausführung der

elektrischen Strasicnstahn der Stadt Gießen

wirb ein im Bau unb Betrieb solcher Anlagen grünblich erfahrener

Techniker

zum balbigen Eintritt gesucht. ,

Melbungen mit Lebenslauf, Zeugnisabschriften, Angabe der Gehaltsansprllche unb der Zeit bes etwaigen Diensteintrttts um­gehend erbeten.

Gießen, ben 30. Juni 1908. B*/e

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

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