Sitzrrsss der Stadtveror-neten.
Gießen, 30. Avril.
Anwesend: Oberbürgermeister Mecum, die Beigeordneten Keller, Georgi und Heyligenstaedt; die Stadtverordneten: Dr. Bieriner, Brück, Dr. Ebel, Eichenauer, Ernrnelius, Faber, Grünewald, Dr. Gutfleisch, Habenicht, Dr. Haberkorn, vaubacb, Helfrich, Helnr, Huhn, Jann, Jughardt, Krumm, üeib. Loder, Loos, Orbig, Petri, Plank, Simon, Troß und Wrnn.
Mitteilungen.
Vom Rektorat der Landesuniversität ist die Erinnerungsplakette an die Jubelfeier als Geschenk eingegangen.
Die Familie des Kanzleirats Demut h hat sich schriftlich für die BeileidskundgehzMA der Stadt bedankt.
Vom G a st w i r t e c i n ist ein Dankschreiben für die gestifteten Ehrenpreise und die Lieferung des elektrischen Stroms zum Kraftstrompreis geschickt worden. In einer anderen Zu- schrift des Vereins wird mitgeteüt, daß von dem erzielten Ueber- schuß bei der Ausstellung 100 Mk. dem Fonds für warmes Frühstück für bedürftige Schulkinder zugewendet worden sind, wofür gedankt wird.
Dem Alice -Frauenverein wird für die Abhaltung bon Vorträgen zur Ausbildung in der Pflege von Verwundeten und Kranken wie in früheren Jahren die Turnhalle an der Schillerstraße zur Verfügung gestellt.
Eine Besichtigung des Elektrizitätswerks durch die Stadtverordneten soll am nächsten Montag abend */»8 Uhr stattfinden.
Habenicht beantragt, die an erster Stelle der nichtöffentlichen Haubach Beantragt, die an erster Stelle der nichtöffentlichen Sitzung stehende Position der Tagesordnung,
Leistung der Stadt für Umverfitätszwecke
in öffentlicher Sitzung zu beraten.
Dem Antrag wird stattgegeben und sogleich in die Beratung der Vorlage eingetreten.
Oberbürgermeister Mecum führt dazu aus:
In der letzten nichtöffentlichen Sitzung habe ich zur Begründung des Antrags folgendes gesagt, was ich für die damals nicht anweseirden Herren heute wiederholen will:
Der Staat hat in den letzten Jahrzehnten für die Universität Gießen erhebliche Aufwendungen gemacht und sie in jeder Weise zu fördern gesucht. Die Anträge der Regierung haben volles Verständnis gefunden bei den Beratungen in beiden Kammern. Es wurde großer Wert darauf gelegt, alle Lehrstühle mit hervorragenden Lehrern zu besetzen und für die Kliniken die besten Aerzte zu gewinnen. Dadurch ist die Zahl der Studierenden, und infolgedessen auch wieder die Zahl der Lehrkräfte in stetem Anwachsen begriffen. Während noch vor 40 Jahren von kundiger erteile die Meinung ausgesprochen wurde, die Studentenzahl werde wohl niemals über 600 wachsen, haben wir jetzt etwa 1300 Hörer, und der Lehrkörper umfaßt über 160 Köpfe.
Auch äußerlich zeigt sich diese Fürsorge In den stattlichen Neubauten für die Universität. Vor etwa zwei Jahrzehnten entstanden das Kollegien haus, das chemische Laboratorium und das physikalische Institut au der Ludwig- und Goetheftraße, die medi zinische Klinik, die Frauenklinik, die psychiatrische Klinik und das hygienische Institut auf dem Seltersberg: diesen Anstalten schlossen sich in neuerer Zeit an die Bibliothek in der Stephans- mark, die veterinär-medizinischen Institute, die chirurgische und die Augenklinik auf dem Seltersberg.
Die Stadt zieht nicht nur Gewinn daraus, daß die Universität zahlreiche Einwohner hierherzieht, darunter auch eine größere Zahl von solchen, die das Steuerergebnis in recht fühlbarer Weise günstig beeinflussen, sondern noch viel höher sind die Vorteile einzuschätzen, die die Kliniken und die dort wirkenden Spezialärzte für Leben und Gesundheit unserer Bürgerschaft bedeuten.
Für alle Krankheitsfälle stehen uns die besten Pflegeeinrichtungen und hervorragende Spezialärzte zur Verfügung. Das alles konnte natürlich nicht auf einmal beschafft werden, denn auch der Staat muß mit seiner sinanzieUen Leistungsfähigkeit rechnen. Nachdem bereits viele Millionen für Kliniken und andere Universitätsbauten aufgcwendet wurden, erübrigt noch die Einrichtung einer Ohren- und Hautklinik. Negierung und Kammern sind darüber einig, daß dieser Schlußstein zum vollständigen Ausbau unserer Kliniken möglichst bald eiuzufügeu ist, und dann wird unsere Universität mit ihren Kliniken den Vergleich mit den bedeutendsten Universitäten Deutschlands und des Auslandes wohl bestehen können.
Seit 3 Jahrhunderten ist das Schicksal der Stadt Gießen mit dem Gedeihen der Universität aufs engste verknüpft: man kann wohl sagen, in früheren Jahrhunderten vollständig dadurch bedingt. Wenn die Stadt auch in neuester Zeit nicht mehr allein von der Universität abhängig ist, so ist und bleibt diese doch einer der wesentlichsten Faktoren in ihrem Wirtschaftsleben. Und wie die Stadt andere Unternehmungen, die ihr Vorteil bringen, unterstützt, Jo ist es ihre Ehrenpflicht, sich auch dessen stets bewußt zu bleiben, was sie der Universität in Vergangenheit uni) Gegenwart verdankt, und was die Universität für ihre Zukunft bedeutet: es ist ihre Ehrenpflicht, zu gegebener Zeit ihre Dankbarkeit auch dadurch zu bezeugen, daß sie der Universität hilft, ihre hohen Ziele auch fernerhin zu verfolgen: sie hat für ihr Teil mit dafür zu sorgen, daß der Universität dabei nicht durch materielle Rücksichten zu enge Grenzen gezogen werden. Das noch frisch in unserer Erinnerung lebende Jubelfest des 300jähr. Bestehens der Universität gibt Anlaß, daß die Stadt sich gerade jetzt ihrer Pflichten erinnert, und Borschlagskommission und Finanzkommission stellen einstimmig den Antrag, die Stadtver- ordneten-Versammlnng möge als einmaligen, außerordentlichen Beitrag für Universitätszwccke die Summe von 100 000 Mk. bewilligen.
Der Vorsitzende fuhr bann fort:
Es ist in jener Sitzung die Meinung ausgesprochen worden, day> mit den früher bewilligten 200 000 Mk. auch bereits ein Zuschuß für die Ohren- und die Hautklinik bewilligt worden sei, und bte Beschlußfassung wurde ausgesetzt, um dies festzustellen.
habe hierzu folgendes festgestellt: Aus unseren Akten geht hervor, daß die am 31. Mai 1900 beschlossene Schenkung von 200 000 Mk. für den Neubau der chirurgischen, der Angen- uno der veterlnärmediziniichen Klinik gele.stec wurde. Damals waren außer den Kosten für diese Kliniken und deren Grund- erwerb „für die vorsorgliche Erwerbung von Gelände zur 1 bäte reit Errichtung medizinischer Institute 120000 Mk. gefordert. Die Geländeeirteignung für Kliniksbauten bezieht sich lediglich auf Gelände für die chirurgische und die Augenklinik.
Herr Baurat Becker gab mir heute folgendes an: Die später noch zu erbauenden Institute umsassen eine Ohrenklinik, Hautklinik, zahntechnisches Institut, Anatomie, physiologisches und pharmakologisches Institut, möglicherweise atm. ein zoologisches Institut. Anfangs hatte man die Absicht, hierfür Gelände neben der medizinischen und psychiatrischen Klinik zu erwerben; dann nahm man hierfür die Wiesen der früheren Aktienbrauerei in Aussicht, und itod) spater beschloß man, für diese später zu erbauenden Institute Gelände unmittelbar neben der chirurgischen und der Augenllinik zu erwerben; letzterer Beschluß wurde ausgesührt. Das Enteignungsverfahren bezog sich allein und aus>chliechich auf Grundstücke, die für die chirurgische und die Augenklinik benutzt worden sind; die übrigen Ankäuse geschahen freihändig und zwar aus dem vorsorglich für später zu erbauende Jnltitute bewilligten Betrag von 120 000 Mk. Damals be stand die Absicht, alle später zu erbauenden Institute, also auch Ohren- und Hautklinik, provisorisch in Baracken unterzubringen. £ie apoalbige Erbauung einer Hautklinik ist erst von Herrn Profcstor Leutert angeregt worden. Professor Leutert ist nadi Angabe des UniversitätsfekretariatL am 20. November 1901 nach Gießen gekommen. Den ersten Auftrag zur Bearbeitung von Skizzen chr eine Ohrenklinit hat das Universitätsbauamt im jjtoi 190o unb zur ausführlicheren Bearbeitung eines Entwurfs cm Juli 1906 erhalten. Für bie Hautklinik find zurzeit noch Nicht einmal Skizzen bearbeitet, sondern es liegt nur ein Bau- Programm vor. Die Kosten für Ohren und Hautklinik schätzt Herr Becker aus 4o0 000 bis 500000 Mk. ohne Grunderwerb '
Aw Drenstag verhandelten die vereinigte Vorschlags, die
Finanz- und bie juristische Kommissionen «nochmals über die Sache. Es nxrren 12 Herren anwesend und es wurde einstimmig — bei einer Stimmenthaltung — beschlossen, bei der Stadtvcrordneten- Versammlung die Annahme des Antrags „dem Staat für Universitätszwecke ein Geschenk von 100000 Mark z u geben mit der Maßgabe, daß die Zahlung der Summe am Tage der Grundsteinlegung der Ohren- und der Hautklinik erfolgt", zu befürworten.
Stodtv. Dr. Gut fleisch bemerkt, er habe einen wesentlichen Anteil an der Stellung des Antrags und den vom Oberbürgermeister dafür vorgetragenen Gründen wenig beizufügen. Mit Recht habe der Vorsitzende darauf hingewiesen, daß es ein Irrtum sei, wenn gesagt werde, man habe mit den srüher für Kliniksbauten bewilligten 200 000 Mk. bereits einen Zuschuß für die jetzt in Frage stehenden Bauten bewilligt. Dies geh? u. a. aus der Begründung der damaligen Vorlage in der Zweiten Kammer burd) Staatsminister Rothe hervor. Es bestehe für die Stadt unzweifelhaft das Bedürfnis, von Zeit zu Zeit mit der öffentlichen Anstalt, mit der ihr Wohl und Wehe so innig verwachsen, und bie uns unentbehrlich sei, Fühlung zu nehmen und zum Gedeihen der Anstalt beizutragen. In den letzten Jahren seien vom Staat für bie Universität über 7 Millionen Mk. für Bauten verwendet worden und es sei kein Institut im ganzen Lande, für das staatlicherseits auch nur entfernt soviel aufge- gewendet worden fei wie für bie Universität. Auch bie dauernden Ausgaben, die vor wenigen Jahren 600 000 Mk. jährlich betragen hätten, seien im fortdauernden Wachsen begriffen und hätten jetzt einen Betrag von 1040 000 Mk. erreicht uni) würden sich and) in Zukunst noch weiter vermehren. Diesen Summen gegenüber begegne man häufig im Landtag dem stillen oder lauten Vorwurf, daß es mit den Leistungen für die Universität endlich einmal aushören müsse, zumal für die Technische Hochschule an laufenden Ausgaben jährlich nur über 300000 Mk. ausgewendet würben. Man stelle öfter bie Frage, ob bas Land so große Ausgaben auf die Dauer tragen könne, und diese Frage werde von denen, die der Universität nicht Wohlwollen, sehr oft verneint und von denen, bie ihr gleichgültig gegenüberstehen, nur mit Mißtrauen beantwortet. In seiner Tätigkeit in der Kammer werbe es ihm immer schwerer, bie Gunst für bie Universität zu erhalten. Wenn man bedenke, was kleinere Städte oft aufwenden, um z. B. ein Amtsgericht zu erhalten, so erscheine die Bewilligung der Summe nicht zu hoch, zumal das für die Universität aufgewendete Geld zum großen Teil in Gießen verbleibe. Wenn man die 100 000 Mk. Zuschuß in Zinsen umrechne, komme man auf einen jährlichen Zuschuß von 4000 Mk. Das sei nicht viel im Vergleich mit den 1040 000 Mk., die der Staat für die Universität jährlich aufwenbe. Er erkenne an, baß man der Stadt, die selbst finanziell schwer zu kämpfen habe, nicht ohne Not diese Ausgabe zumuten solle. Dennoch sei er für die Bewilligung und meine, daß fein Geld besser und nützlicher für das Gedeihen der Stadt verwendet werde, wie diese 100 000 Mk. Auck) der Staat sei zurzeit finanziell in einer schwierigen Lage. Lange Jahre habe eine freigebige Finanzverwaltung mit vollen Händen für alle möglichen Zwecke G?ld gegeben, jetzt sei bie Sage so, daß Mangel eingetreten fei und man den staatlichen Aufgaben kaum ohne Steuererhöhung gerecht werben könne. Aber angesichts der unsicheren Lage der dringend notwendigen Neichsnnanzreform sei es dem Staat nicht möglich, jetzt eine Steuererhöhung durchzuführen und er glaube nicht fehlzugehen, wenn er sage, daß in dieser Hinsicht ein ernster Notstand für den Staat vorliege. Deshalb sei jetzt der Augenblick da, wo die Stadt dem Staat vergelten könne, was er für das Gedeihen der Universität getan habe, und wenn einmal die Geldquellen des Landes wieder besser flössen, sei cs fein Verdienst mehr, dem Staat zu helfen. Angesichts der finanziellen Lage müsse man es anerkennen, daß der Staat trotz alledem diese Bauten jetzt ansführen wolle, und man solle dies unterstützen. Er wolle zum Schluß nochmals eindringlich auf den Nutzen Hinweisen, den gerade die Kliniken der Stadt brächten und wiederholen, daß kein Geld so gut und nützlich angelegt werde, wie das hierfür bewilligte. (Zustimmung.)
Stadtv. Grünewald bemerkt, es hätten sich bei der Besprechung der Siche in letzter Sitzung iiu^wei Richtungen Anstände ergeben. Formell sei es nicht richtig gewesen, daß bie Bezeichnung des Gegenstandes in der Tagesordnung es nidit genau erkennen ließ, um was es sich eigentlich handelte. Sodann sei er grundsätzlich der Ansicht, daß man alle wichtigen Angelegenheiten in öffentlicher Sitzung behandeln solle, soweit sie nickst persönlicher Natur seien. Diese formellen Bedenken seien jetzt behoben. Besuchen bleibe das weitere materielle Bedenken, ob man überhaupt mit derartigen Forderungen an die Stadt herantreten solle. Er sei grundsätzlich der Ansicht, daß der Stadt für Ausgaben, die der Allgemeinheit zu gut kommen, and) selbst aufkommen müsse. Abg. Dr. Gutfleisck) in seiner Rede über den Gegenstand in der Stammenipung vom 17. März ds. Js. betont. Auch der Finanz- minist.r habe sich in derselben Sitzung grundsätzlich gerade so geäußert, aber gemeint, es sei in dieser Hinsicht ein Unterschied, ob es sich um Lehr- ober Heilzwecke handle und für letztere die Beihilfe der Stadt verlangt. Auch er (Redner) verkenne die •Segnungen der Universität nicht und es könne fick; wohl niemand die Stadt Gießen ohne die Universität denken. Höher noch als die finanziellen Vorteile, die der Stadt aus dem Besitz der Universität erwachsen, bewerte er bie ideellen Faktoren, ihre Bedeutung ür Bildung, Wissenschaft usw., und kein moderner, freigesinnter Mensch werde sick) bieser Einsicht verschließen. Auch die Erbauung. der in Frage stehenden Kliniken sei als dringendes Bedürfnis längst allseitig anertännr. Aber dies alles entbinde nicht von der Prüfung der Frage, ob die Stadt Gießen in der Lage sei, den Beitrag zu leisven. Den Vergleich zwischen der Leistung des Staates und der Stadt könne er nickst billigen, denn der Staat gebe den Betrag von 1040 000 Mk. dock) nicht um der sctstmen Augen der Stadt Gießen willen, sondern weil er der Wissenschaft dienen und Beamte ausbilden wolle. Es müsse geprüft werden, was bie Stadt in den letzten Jahren für die Universität getan habe und ob sie den angesonnenen Beitrag leisten könne. Er selbst habe den Einornck gehabt, daß in den früher für K'linifs- bauten bewilligten 200 000 Mk. der Zuschuß für die Ohren- und bie_ Hautklinik bereits enthalten gewesen sei und er glaube auch, daß man mit den damals bewilligten Geldern auch nock) beide Kliniken habe bauen können, wenn man nicht von Seiten des Staates mit den zur Verfügung stehenden Mitteln etwas zu freigebig umgegangen sei. Das gelte sowohl hinsichtlich deS gewählten Platzes wie der Ausstattung. Was oic jetzige Forderung betreffe, so müsse man sein Augenmerk auf die Finanzlage hin- lenken und prü,en, ob von diesem Standpunkt aus dem Antrag, dem er allerdings grundsätzlich widerspreclje, für den aber starke Opportunttillsgründe sprächen, cntfprochcn werden könne. Wenn man den Beitrag bewillige, müsse man, wie ja in ben vereinigten Kommissionen beschlossen worden sei, daraus sehen, daß man das Geld erst bezahle, wenn bie beiden Kllnllcn wirklich geraut würben.
Weiter beantrage er ein Amendement, daß der zwischen Staat und Stadt bestehende Vertrag über die Behandlung der kranken Stadtarmen in den nächsten 10 Jahren vom Staat nicht gekündigt werden könne. Im Fall der Annahme dieses Amendements werde er für bie Bewilligung stimmen.
B o in Schot ten er Z n ch l v i e h in a r k t für Vogelsberger Vieh und S a a n e n z i c g e n. Nächsten Mittwoch, den 6. d. Nits. wird in Schonen bie zur Vorbereitung biejes Marktes gebildete Kommission, bestehend ans Vertretern des Land- wirtichafiskamnier-AiisschnffeS, des Kreisamtes, der Stadt Scholten und der^ in Betracht konnnenden Zuchtvereine, zu einer gemcin|d)aft= liehen Sitzung zufaminentreten, in der über eine äuiznsiellende Marktordnung, sowie über Durchführung des Marktes selbst beraten werden wird. Dieser Zuchtviehinarkt soll m Verbindung mit dem Scholtener Prännenmartte am 3. Psingstseiertage abgehalteii werden, uni einem in Züchiertreisen schon längst eniphmöeiiem Bedürfnis 'ür bequemere Beschaffung raffenreiner und guter Zuchttiere beibcilei Geschlechts aus der direkten Hand des Züchters Rechnung zu tragen. Zur Beteiligung an dein Markte werden zugelassen: die Bezirkszuchtvereine Schotten und Gießen für Vogelübelger und der Kretszuchtoerein Schotten für Ziegen.
Gcrscbirsaal.
B. B. Dar m ft a b t, 30. April. Vor dein Kriegsgericht der 2 5. Division hatten sich heute die Gardisten Heinrich L ö s aus Ni e d e r ° Ej ch b a ch und Albert Bährn, beide von der 6. Komp. des Jnf.-Rgts. 115, wegen Karner ade ndicb st ahls zu verantworten. Sie hatten gemeinschaftlich den Schrank eines iin Lazarett) befindlichen Kameraden erbrochen und ein Paket daraus entwendet, in dem sich Eßwaren, Seife re., soivie eine Mark be-- ianden. Den Raub verteilten die beiden unter sich. Als der Kamerad ans dem Krankenhaus ivieber in seine Stube zurückkcun wiirden die beiden Genannten als Täter ermittelt. Tas Kriegsgericht verurteilte Lös und Avlnn wegen schweren Stamerabem diebstahls zu je ^Monaten Gefängnis und Versetzung in die 2. Klasse des Soldatenstandes.
B e u t h e n , 30. 'April. Die Straskammer verurteilte den Mädchenhändler Bonowicz and Kielen und den Kellner Loudner aus Sosnowil; zu zwei und drei Jahren Zuchthaus. Im 9looembcr wurden beide abgefaßt, als sie ein siebzehnjähriges Mädchen aus Kielen unter Heiratsversprechungen nach Argentinien verschleppen wollten.
Görlitz, 30. April. Die Strafkammer verurteilte den Kellner Brulin alis Hayuau, der uoin Restaurateur Ritschet, mit dem er Verfehlungen gegen den § 175 StGB, begangen hatte, 2000 Mark erpreßte, zu 1'/, Iahren, sein Opfer Nitschel zu drei SDlonaten Gefängnis.
Reims, 30. April. Das Schwurgericht verurteilte den Direktor und den Verwalter einer Molkerei zu je 4000 Francs Geldstrafe wegen Herstellung und Verlatifs gefälschter Butte r.
Vermischtes.
* Unwetter. Starke Regen fälle veranlaßten in ganz England, namentlich im oberen Themsegebiet, lieber- schwemmnngen. In Henley und Maidenhead zeigte der Pegel zwei Zoll mehr als beim Hochwasser im Juni 1903. Auck die Crickellplätze in Oxford stehen unter Wasser. Die Einwohner der Dörfer am oberen Stromlauf verlassen ihre Häuser in Booten. — Aus Lorin t in Frankreich wird gemeldet, daß 3 Zollbeamte, die bei Sturm in einer kleinen Barke ins Meer ftthren, verschwunden sind. Man nimmt an, daß sie während des Unwetters ertranken. — Ein Orkan überraschte eine westaustralische Perlenfi scher-Flotille in der Lagrange-Bucht. 19 Fahrzeuge mit 52 Personen sind verloren.
* Aetna und Vesuv. Tas Observatorium auf dem Aetna teilt vom 30. April -mit: Tie heutigen Eruptionen waren sehr schwach. Tie Lava sclxreitet langsam vorwärts. Indessen erfolg;? um 5 Uhr 40 Akin, uachm. eine große Eruption mit dunkler Raudientwickelung, bie von einem sehr lange anhaltenden, unter- iröijdjen Getöse begleitet war. — Gleichzeitig hat auch der Vesuv begonnen, eine lebhafte Tätigkeit zu entwickeln. Die Spannung im Vulkan ist sehr groß.
* Gefälschte französische Banknoten. Eine Bank in Mannheim sandte am 1. April Zinskoupons von französischer Rente, bie sie von einem ihrer Kunden erhalten hatte, dem Finanzministerium zu Paris ein, damit dieses die Echtheit prüfe. Die Kcnipons wurden als 'gefälscht festgestellt und demgemäß ein Ermittelungsverfahren eingeleitet. Nachdem der Kunde der Mannheimer Bank, der dieser die Falsifikast übergeben hatte, ein gewisser Muller in Wiesbaden, verhaftet worden war, ergab die Untersuchung, daß die falschen Coupons von einem gewissen Hill in London hergestellt sind und daß Hill sich Mullers für die Verbreitiing der Falsifikate ir Deutschland bediente. Zur Verbreitung der Falsifikate in England bediente sich Hill eines gewissen Trebner. Dieser wie auch Hill wurden ebenfalls verhaftet.
ipc. Noch höher wie der Eiffelturm. Immer höher hinaus, so lautet scheinbar die Devise der Baumeister, nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa. Mit dem Eiffelturm können wir uns immer noch den Amerikanern gegenüber brüsten, das höchste Gebäude der Welt in unferm Kontinent zu besitzen. Hut damit die Vellern jenseits des Ozeans ttns nicht gar zu schnell einholen, werden die Belgier jetzt eilten neuen Rekord aufslellen. Wie uns aus Brüssel gemeldet ivwd, Haldas Komitee der Brüsseler Weltausslelluiig 1910 beschlossen, in Jxelles einen Turm aus Eisenstahl aufführen zu lassen, welcher den Eiffelturm noch um ein beträchtliches Stück überragen wird. Tie Kosten des Baues werdeii 12 000 000 Franes betragen.
Kleine Tageschrouik.
Ter R e ck) t s a ii iv a l t Abrahamson in Berlin, der vor einiger Zett bei Köstritz in Reuß j. L. mit seinem A uto- mobil ein Kind überfahren und getötet hatte und dafür zu einer lltägigen Geiängnisstraie verurteilt worden ioar, ist letzt zu tausend Äi a r f Geldstrafe begnadigt worden. Ter Automobilklub soll sich nach eingehender Prüfung für die Umwandlung der Sirafe verwandt haben.
In Goslar wurde aus das B i s m a r ck°Te n k m a l ein D y n a m i t a n i di 1 a g verübt. Der Sockel und ein Fuß des Standbildes lviirden beschädigt. Ter Täler ist noch nicht ermittelt.
Die Giitmischerin Scholz aus Gruuau (Schles.) ist hin- gerichtet worden. Sie war wegen GlitmordeS, begangen an dem Arbeiter Schäffer, zum Tode^verurleilt worden.
Infolge Streiks der Studenten dürfte die Universitäl A g r a m für em S e in e ft e r gesperrt werden.
In R 0 m verlautet, daß Professor F e i l b 0 g e n aus Wien wegen Beleidigung b •> r katholischen Religion unter A n f l a g e gestellt werben wirb. Alehrere 'JJlonfignort, bie Zeugen der Szene in der Sixtinischen Kapelle waren, iverden sich zum Zwecke der Aussage nach Wien begeben. Die erste Person, die den Zwischeniall bemerkte, war die Schwester des Papstes, die neben ßrau Feilbogen kniete.
Original-Vvahtmel-ungen.
Hannover, 1. Mai. Die Polizei verhaftete einen Menschen, der vor dem Gebäude des Oberpräsidiums Revolv e r- s ch ü j s e abgab und hierbei mehrere Passanten verletzte. Ter Revolverschütze ist em Hausdiener, der bei seiner Vernehmung an- gab, er habe auch einmal mit einem Revolver schießen wollen.
Wien, 1. Mai. Der deutsche Landmauiischasts- m t n i ft e r v 0 u Pejchka ist beute uacht '/,2 Uhr infolge eines Herzschlages plötzlich g c ft 0 r b c n.
Wien, 1. Mai. Wegen der Dlaifei er sind heute früh in Wien keine Zeitungen erschienen.
Lemberg, 1. Mm. Nach einer Meldung des Sloivo Polski ivnrde in Hnllcze das Gebände der polnischen Schiile von Ziuthenen in Brand gesteckt. Ans Furcht vor roeiteren Brandstiftungeu kampiert deS Nachts die polnische Bevolkkrung un Freien.
Paris, 1. Mai. Nach Meldungen aus Casablanca ist es Muley Ha'ib gelungen, m das Kahirgebiet einzudrmgen. Es ist noch ungewiß, ob er fid) von hier gegen Fez oder gegen Rabat wenden wird.
Venedig, 1. Mai. F ü r st Bü 1 0 w wird die Rückreise nach Berlin a m nächsten Montag antreten.
Louden, 1. Mai. Das neue englische Kriegsschiff , Ind 0 m i t a b l e" hat alle bisher erreichte Geschwindigkeit übertroffen. Nach Meldungen aus Glasgow erzielte es bei einer ProbeialM eine Geschwindigkeit von 28 Knoten und bei der Dauerfahrt 26". Knoteu.
Lo n don, 1. Mai. Wie aus Lissabon gemeldet ivird, verhaftete gestern die dortige Polizei deii Dok tor NI a z e d 0 Braganza, Vorsitzenden des porlugiesischeii Zweigverbaudes, sowie den Sekretär Niendes A Imelda, die verdächtig sind, an dem 'Attentat des Königs Carol 1c,(genommen zu haben. Auch der Köuigsniördcr Bliwa Eostu durste zu jenem Verbände gehören. Dr. Braganza erlitt während des Verhörs einen Schlaganfall und mußte ins Spital gebracht werden.


