Barge. Mit Maiblumen ist der Tode bestreut, Helm und Säbel sowie auf zwei Kissen die zwanzig Orden, darunter an rotem Bande das Großkreuz des Hessischen Ludewigs- ordens, liegen zu seinen Füßen. .Heute um 3 Uhr findet im „Kleinen Saal" die Trauerfeier statt, an der S. K. H. der Großherzog und eine große Zahl Fürstlichkeiten oder deren Vertreter sowie die Spitzen der Militär- und Zivil- behördcn teilnehmen, worauf die Leiche nach dem Bahnhof mit militärischen Ehren, zu denen das Infanterieregiment Nr. 115 kommandiert ist, zur letzten Fahrt nach der Heimat, nach Schönberg, überführt wird. Der Leichenkondukt trifft 53/2 Uhr auf dem Bahnhof Bensheim ein. Bon hier erfolgt in der Stille die Ueberführung nach der Kirche in Schönberg, woselbst die Leiche aufgebahrt und am 3. Februar 11 Uhr vormittags auf dem herrschaftlichen Friedhof neben der Kirche beigesetzt wird. Zahlreiche Kondolenztelegramme, so von Kaiser Wilhelm, vom Kaiser von Rußland, von der Königin der Mcderlande, der verwitweten Königin der Niederlande, von den Königen von England, Spanien und Griechenland, von sämtlichen deutschen Bundesfürstcn und Standesherren usw. sind eingelaufen. Kränze und Blumen ohne Zahl sind dem Verstorbenen, der sich im Leben stets als ein ritterlicher, dabei schlicht und einfacher Mann von großer Herzensgüte und seltener Treue bewiesen, als letzter Gruß gesandt worden, nicht allein von Hochstehenden, sondern auch vom schlichten Bauer der Bergstraße und des Odenwalds. — Senior des Gesamthauses Erbach ist nunmehr Graf Georg Albrecht zu Erbach-Erbach.
** Landwirtschaftskammer. Der Generalsekretär der Landwirtschaftskammer, Oekonomierat Dr. Müller-Darmstadt, ist durch einstimmigen Beschluß der Hauptversammlung derbadischenLandwirtschafts- k a m m er vom 29. Januar zum geschäftsführenden Direktor dieser Körperschaft mit dem Wohnsitz in Karlsruhe berufen worden.
— Preisrückgang. Unsere Schweinemetzger haben in dankenswerter Weise beschlossen, entsprechend den gesunkenen Einkaufspreisen einen Preisabschlag für Schiveinefleisch ein- treten zu lassen. Vom morgigen Sonntag ab kosten fette Stücke, die seither 70 Pfg. kosteten, nur noch 66 Psg. das Pfund, während der Preis für magere Stücke von 84 auf BO Pfg. herabgesetzt wurde. Ein weiterer Preisabschlag würde nach einer Mitteilung der Metzgerinnung eintreten können, wenn von den Konsumenten fette Stücke so oft begehrt würden wie magere.
**GießenerJndustrie. Laut Verfügung des Kgl. Preußischen Ministers für Landwirtschaft und Domänen ist sämtlichen Preußischen Oberförstereien aufgegeben worden, den Forstmeister Dr. Web ersehen (Konradsdors) Waldgrubber zur schnellsten Anschaffung zu bringen. Der Minister nimmt Veranlassung, auf die hohe Vollendung und die Vorteile dieser Bodenbearbeitungs-Maschine hinzuweisen und erwartet baldige Arbeitsberichte. Die Maschinenbauanstalt H. Hansel in Gießen baut diese patentamtlich mehrfach geschützte Maschine.
** Die öffentliche Versteigerung von sechs Bauplätzen — vier nach der Gartenstraße und zwei nach der Bergstraße zu gelegen — vom Sterns Garten hatte das Resultat, daß für einen Bauplatz nach der Garten- straße zu für den Quadratmeter 15 Mk. vom Bauunternehmer H. W. Rinn und für die beiden Bauplätze nach der Bergstraße von Architekt Becker für den Quadratmeter 12 Mk. geboten wurden. Die .Gebote für das restliche Gelände waren nicht hoher.
•* Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Otto Leinweber zu Froschhausen eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Klein-Steinheim. In den Ruhestand versetzt wurde die Lehrerin an der Volksschule zu Mainz Margarete Nies auf ihr Nachsuchen, unter Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienste. Erledigt ist eine Lehrerstelle an der katholischen Schule zu Lampertheim.
ALernes LenßUeton.
-7- Im Neubau der Landes-Baugewerkschule D a r m st a d t soll im Hofe ein steinerner Brunnen errichtet werden. Derselbe ist als einfacher Zier- unb Trinkbrunnen gedacht, dessen Kosten sich in mäßigen Grenzen bewegen sollen. Das Material ist freigestellt. Das Hausteinmaterial der Landes-Bau- gewertschule ist roter Sandstein. Es ist beabsichtigt, den Brunnen alsbald zur Ausführung zu bringen und während der Landes- Ausstellung im Arbeiterdorf aufzustellen. Einer der preisgekrönten Entwürfe wird zur Ausführung gewählt. Der Preisträger soll mit der Lieferung dex Detailzeichnungen oder Modelle beauftragt Iverden. Es sind zu liefern: 1. Grundriß; 2. die nötigen Ansichten und Schnitte; 3. eine Perspektive oder ein Modell, sämllich int Maßstab 1:10. Als Preise kommen zur Verteilung: die Gesamtsumme von 300 Mk., wobei für den 1. Preis 150 Mk., für den 2. Preis 100 Mk. und für den 3. Preis 50 Mk. vorgesehen sind. Nötigenfalls behält sich das Preisgericht eine andere Verteilung der Preise vor. Das Preisgericht besteht aus den Herren: Regierungsrat Noack, Direktor Wienkoop, Prof. Riegel, sämtlich aus Darmstadt, Direktor Kübel-Mcainz und Direktor Eberhardt-Offenbach. Die Entwürfe sind bis zum 24. Febr., vormittags 11 Uhr, bei der Großh. Zentralstelle für die Gewerbe, von welcher auch die erforderlichen Unterlagen (Lageplan und Bild) bezogen werden können, cinzuliefern. Mit der Post ein- gesandte Entwürfe müssen mindestens den Stempel vom 23. Febc. tragen. Zugelassen zum Wettbewerb sind alle in Hessen zur Zeit des Äusschreibens wohnhafte Architekten und Bildhauer. Die gelieferten Modelle und Entwürfe werden nach erfolgter Beurteilung im Gewerbe-Musemn in Darmstadt öffentlich ausgestellt.
— Künstlerische Reichsmünzen. Professor Maximilian D a s i 0 hat bei dem Preisausschreiben, das der Dürer- Bund zur Erlangung neuer Reichsmünzen ausgeschrieben, den höchsten Preis im Werte von 1500 Mk. erhalten. Auch der zweile Preis (500 Mll) ist auf einen Münchener, auf Friedrich Lommel, entfallen. Der Kunstwart, das Organ des Dürer- Bundes, schreibt zu diesem Ergebnis: „Hinsichtlich der Münzen darf das Ergebnis des Preisausschreibens als überaus erfreulich bezeichnet werden. Vor allen die Münzen von Dasio, aber auch mehrere der ausgezeichneten anderen sind so sch.n, daß es nicht zu kect wäre, ein oeruh.ntes Wort jetzt umzuwandeln: „Wenn Sie Wollen, so h.bcn Sie nun eine Reichs-Münz'Kun st." Cn. schlöße sich das Reich auch nur, die Münzen, tue ihm der Dürer-Bund letzt anbieten kann, ausführen zu lassen, so hätten wir uns fürderhin vor keinem Volke der Welt mehr wegen der Häßlichkeit unseres Geldes zu schämen."
— EinRealschülerals Erfinder eines Photophonographen. Der Kaiserl. Akademie der Wissen- schaften in Wien hat ein dortiger Realschüler die Beschreibung eines p do top honv graphisch en Apparates emgesandt, der von der Akademie angenommen und veröffentlicht worden ist. Im wesentlichen enthält die Beschreibung folgendes^ Das von einer Lichtquelle ausgehende Strcrhlenoüutel
* * Kunstverern. Die seit 14 Tagen ausgestellte Kollektion des Dr. H. I. Wagner-Dtünchen-Rom sowie die übrigen seit dieser Zeit ausgestellten Bilder bleiben nur noch acht Tage, einschließlich zweier Sonntage, ausgestellt. Die Ausstellung ist täglich mit Ausnahme des Samstags von 11—1 Uhr, Mittwochs auch nachmittags von 3—5 und Sonntags von 11—3 ununterbrochen geöffnet.
• • Bei günstiger Witterun g wird morgen vormittag IP/a Uhr Anlagemusik in der Süd-Anlage abgehalten. Der Spielplan lautet: 1. Ouvertüre zu „Flotte Bursche" von Suppe. 2. Martin-Walzer von Zeller. 3. Potpourri aus der »Afrikareise" von Suppe. 4. Radetzky-Marsch, Armeemarsch 145, von Strauß (Vater).
* * Königl. Preußische Klassenlotteric. Die Erneuerungslose zur 2. Klasse der Klassenlotterie sind unter Vorlegung der bezüglichen Lose 1. Klasse bis zum 3. Febr. bei Verlust des Anrechts einzulösen. Die Ziehung der 2. Klasse dieser Lotterie nirnmt am 7. Februar chren Anfang.
O Grüningen, 31. Jan. Der A. Jsyeimsche Gesangverein feiert am 9. Februar sein 45jähriges Stiftungsfest in der Wirtschaft des Gastwirts Fay, bestehend aus Gesangsvorträgen, komischen Vorträgen des Komikers Th. Schäfer aus Gießen und Tanz.
X Burkhardsfelden, 31. Jan. Am Sonntag feierte der hiesige Kriegerverein im geschmückten Saal der Frau Hojftnann Wwe. Kaisers Geburtstag. Lehrer Görg brachte nach längerer, weihevoller Rede, in der er insbesondere der Veteranen gedachte, ein Hoch auf S. M. den Kaiser aus, das begeistert ausgenommen wurde. Dann sang die Versammlung unter Begleitung der Musikkapelle „Heil dir im Siegerkranz". Der Vorsitzende überreichte den Veteranen und unserem Bürgermeister Hoffmann, die dem Verein 25—31 Jahre angehören, Ehrenurkunden als Ehrenmitglieder. Bürgermeister Hoffmann dankte im Namen der Ausgezeichneten und brachte ein Hoch auf unseren geliebten Großherzog aus, das ebenfalls mit Begeisterung ausgenommen wurde. Hierauf dankte der Vorsitzende dem Lehrer Görg für seine weihevolle Rede und brachte ein Hoch auf die Veteranen aus. Hieran schloß sich ein Tanz an.
= Dors-Güll, 31. Jan. Die kürzlich vorgenommene Neuverpachtung unserer Gerneindejagd hatte für die Gemeindeiasje ein sehr güirstiges Ergebnis, da der jährliche Pachterlös von 150 auf 275 Mk. stieg. Der seitherige Pächter, Landwirt Hch. Ben »er V., blleb Höchstbietender.
S. Londorf, 31. Jan. Bei der heute vorgenommenen Jagdverpachtung blieb Dr. Wagner von hier Letztbietender mit 450 Mk. Seither betrug der Pachtpreis 255 Mk., also auch hier eine ganz ansehnliche Steigerung.
-f-BadSalzhausen,31. Jan. Ein Freund unseres Blattes schreibt uns: Im Anschluß an die kürzlich veröffentlichte Nachricht in Ihrem geschätzten Blatte, daß die von verschiedenen Blättern gebrachte Notiz, es sei in Bad Salzhausen ein heißer Sprudel erbohrt, unrichtig wäre, drängt sich dem Schreiber dieser Zeilen und Kenner der Verhältnisse die Frage auf, ob der hessische Staat nicht klüger getan hätte, statt die enorm hohen Summen in jahrelange und bis jetzt aussichtslose Bohrungen zu stecken, den vor etwa fünf Jahpen, erbohrten, sehr stark auf« treib enden Sprudel und eine recht ergiebige Soolquelle, beide nahe Bei Ortenberg belegen, zu erwerben und nach Salzhausen zu leiten. Sowohl der Sprudel als auch die Soolquelle sind nach den Gutachten hervorragender Chemiker und Aerzte sehr heilkräftig. Nach der Stadt Eisenach hat man eine weniger starke Quelle mit bestem Erfolg auf eine weitere Entfernung geleitet, als diejenige von Ortenberg nach Salzhausen ist. — Es dürfte zu erwägen sein, ob der hessische Staat nicht jetzt noch dazu übergehen sollte, statt ins Ungemessene weiter zu bohren, der angeregten Heilwchserzuleitung von Ortenberg nach Salzhausen näherzutretcn.
-r. Büdingen, 31. Jan. Wie bereits bekannt, findet in den ersten Tagen des Monats Juli hier ein nativ«
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wird mittels einer Sammellinse konvergent gemacht. Die Vereinigungsstelle der Strahlen ist teilweise durch ein Plättchen abgeblendet, das mit einer Schallmembrane in Verbindung steht. Das Strahlenbündel wird in dieser Art entsprechend den Schallwellen mehr oder weniger abgeblendet und gelangt, entweder unmittelbar oder nach dem Durchgang durch Linsen auf einen sich senkrecht zur Lnrsen- achse bewegenden Film. Um das Gespräch zu reproduzieren, wird der Film entwickelt und hierauf durch den Sammelpunkt eines Strahlenbündels durchbewegt. Das Strahlenbündel gelangt entweder unmittelbar oder nach dem Durchgang durch Linsen zu einer Seelenzelle, die in den Stromkreis eingeschallet ist, der ein Telephon enthält. Vom Standpunkte der wissenschaftlichen Theorie ist gegen diese Darlegungen nichts einzulvenden; es wird sich aber fragen, wie die praktische Ausführung sich dazu verhält.
— In völlig neuer Gestalt erscheint mit Beginn ihres 32. Jahrganges die bekannte, in ihren letzten Jahrgängen fast in jeder Hinsicht hinter den anderen größeren deutschen Revuen, zu bereu besten sie einst gehört hatte, idcü zurückgebliebene Zeitschrift „Nord und Süd" (Schottlaenters Schlesische Verlagsanstalt). Nicht nun die äußere Gewandung ist jetzt den Anforderungen des modernen Künstgeschmacks angepaßt; auch der Inhalt ift aufs Reichhaltigste weiter ausgebaut und weist Au- to reim amen ersten und anerkannten Rufes aus. So steht sie denn mit einem Schlage wieder mitten unter den führenden deutschen Monatsschriften als eine der anziehendsten und gediegensten da. Eine würdige Einführung des Januarheftes bildet der Roman: „Tie reines Herzens sind" von Felix Hollaen- ber. Einen größeren Raum des Heftes nimmt die von der Zeitschrift über „Tic ku lt urelleni Werte d es T heaters" veranstaltete Umfrage ein. Die Veröffentlichung der Antworten wird durch einen Aufsatz Ern st von Wolzogens: „Theatralische Probleme" eingeleitet, der die Theaterfrage von objektivem Standpunkte aus mannigfach beleuchtet und den Einfluß der Dichter wie des Publikums, weiterhin auch der Kritik, auf das Theater dar legi. Es folgen dann zunächst die interessanten Bemerkungen, die unser leider so früh verstorbene H 0 l z a m> e r, die Hamcs von Gumppenberg, SaluS, Servaes zu der Frage cinsairdten, und von dem längeren „Versuch über das Theater" von Thomas Mann wird in dieser Nummer der erste Abschnitt veröffentlicht. — Gerhart Hauptmann hat jetzt durch sein letzthin ausgeführtes Stück wieder die Aufmerksamkeit aus sich gelenkt; es ist daher von Wert, zu lesen, was der Berliner Universitäts-Professor Rich. M. Meyer über „Gerhart Hauptmanns literarische Entivickelung" zu sagen hat. Er erkennt eine große Linie seiner Enävickelung, — keine gerade Linie, sondern eine verschlungene Kurve, deren Gang aber doch aufioärts führt zu immer höheren Absichten. — Aktualität können zwei weitere Beiträge für sich beanfpruchen: „Englands Weltmacht und Die Motorsuftfchiffahrt" von Regiernngsrat Rudolf Martin, mü> „Dia ersten Dolen 1::.: '
naler Gbsangswettstreit, veranstaltet vorn Gesangverein i ed er kranz" statt. Die Vorarbeiten sind zurzeit flott im Gang. In den Einzelausschussen wird eine rege Tätigkeit entfaltet Von besonderem Erfolge begleitet war das vom Verein gestellte Ersuchen um Zeichnung von Ehrenpreisen. Zahlreiche Preise stehen nunmehr dem Verein zur Versügung. Besondere Erwähnung verdient der von Sr. K. H. dem Großherzog gegiftete Ehrenpreis, auch dürfte in kürzester Frist die Bewilligung eines Kaiserpreises erfolgen. Als Festplatz ist die sogen. „Bruchwiese" gewählt, ein zwischen zwei Straßenzügen in der Nähe des Bahnhofs gelegener Platz, von dem man eine wundervolle Aussicht auf unser herrliches, von hohen Bergen umrahmtes Städtchen genießt. Der Wettstreit scheint sowohl in nächster Nähe wie in weiter Ferne großen Anllang gefunden zu haben, dies beweisen die zahlreich eingegangenen Anmeldungen.
w. Ober-Breidenbach, 31. Jan. Unsere Gemeindejagd, die seither an die Großh. Hosjagdver- w a 11 u n g zu einem Jahrespachtpreis von 300 Mk. verpachtet war, blieb auch bei der Neuv erstach tun g in deren Besitz, jedoch beträgt der Pachtpreis jetzt 350 Mk.
-st Fr is ch b 0 rn, 31. Jan. Gestern weilte der Untersuchungsrichter hier und stellte in Sachen Roth wegen Blutschande und Lachmann wegen Sittlichkeitsverbrechens Erhebungen an. Die Vernehmung erstreckte sich auf zehn Personen. Wie verlautet, sollen durch den Zwiespalt zwischen Roth und Lachmann, die früher gute Freunde waren, noch verschiedene, bis jetzt unaufgedeckte Delikte bekannt geworden sein.
XLauterbach,31. Jan: Zum Vorsteher der hiesigen israel. Neligionsgemeinde wurde wiederum Kaufmann Sigmund Strauß einstimmig gewählt.
W. Bingen, 3L Jan. Auf Bahnhof Gaualgesheim fuhr gestern abend um 8 Uhr der Güterzug Nr. 6885 von Münster am Stein bei der Einfahrt von Gleis 3 nach Gleis 1 über das Merkzeichen der Weiche 15 stehenden Güterwagen in die Flanke. Menschen sind nicht verletzt. Die Lokomotive und acht Wagen ent« gleisten. Vier Wagen wurden stark beschädigt. Das Hauptgleis ist nicht gesperrt. Die gesperrten Ueberholungsgleise sind bis heute abend wieder fahrbar.
O Krofdorf, 31. Jan. Die Zeit der Brennholzversteigerungen ist wieder hcrbeigekommen. Die erzielten Preise smd bei den ersten Versteigerungen normal zu nennen. Es kostete beispielsweise am vorigen Mittwoch der Raummeter Scheitholz bei bequemer Abfahrt durchschnittlich nur 0 Mt., Prügelholz 8 Mk. und Reiser 1 Mk. Die Holzmassen, welche alljährlich in dem weiten Kisdorfer Forst geschlagen werben, üben von Jahr zu Jahr eine größere Anziehungskraft aus, denn nicht allein die Bewohner der benachbarten Gemeinden, sondern auch die vom Biebertal und selbst auch von der Lahn (Heuchelheim, Kleinlinden, Dutenhofen usw.) decken hier vorzugsweise ihren Bedarf. Bei der Gemeinde-Holzversteigerung am Montag wurde durchschnittlich das Hartholz um 1 Mk. teurer bezahlt. Diese Preissteigerung hat in den günstigeren Zahlungsbedingungen chren Grund. Während die Holzgelder für den Fiskus bereits bei der Abfahrt entrichtet werden müssen, sind solche an die Gemeindelasse erst zum 1. November jeden Jahres fällig, von welcher Begünstigung der Heine Mann mit Vorliebe Gebrauch macht.
!! Atzbach, 31. Jan. Wie verlautet, wird hier mit Beginn des neuen Schuljahres die dritteLehrer stelle errichtet. Wir haben schon seit Jahren eine starke drei- 'klassige Schule mit nur zwei Lehrkräften. Die Gemeindevertretung ist mit der gewünschten Neuerung vollständig einverstanden.
0 Marburg, 3L Jan. Die bekannte Eingabe der Marburger Studentenschaft gegen den Stadtbcbau- ungsp lan und die sonstigen Angriffe gegen die sogen. Verschandelung Marburgs haben Erfolg gehabt. In der heutigen S.aotverorönecens.tzung machte Oberbürgermeister Troja die Mitteilung, daß man beabsichtige, die Bauordnung im Sinne der Antragsteller (Landhauscharakter) zu ändern, die vorhandenen Baufluchtlinien zu revidieren und
preußischer Herrschaft" von Universitäts-Professor Dr. Phi- lippson. Mit einem einleitenden Kapitel beginnt Ricarda Huch eine Arbeft, die ttyr Gelegenheit gibt, ihre glänzenden schrift- Ittllerischen Eigenschaften zu entfallen: „Nierkwürdige Menschen unb Schicksale aus dem Zeitalter bes Risorgimento". Zu ter Umfrage über bas durch die bevorstehende Strafrechtsreform immer aktueller werbende Thema ter „Vorstrafen" ergreift der Heidelberger Universitäts-Profcssor Geheimrat Dr. von Lilienthal das Wort. — Meter „Ftaubert und die Kritik" schreibt Heinrich Mann; Hermann Hesse bringt eine Novelle „Aventiure", — Gustav Falke eine kraftvolle, ergreifende Ballade „Die Mordeiche". — Literarische Berichte über neu erschienene Roman- und Nvvellcnbüchcr schreiben Aram und ter Berliner Universitäts-Professor Dr. Geiger; es folgt ein „Dramatischer Monatsbericht" von Philipp Stein. — Außer all diesem reichen und mannigfaltigen Inhalt bietet aber das Heft noch viel mehr: nämlich Ku ustbeilagen in den vollendetsten Repro- dullionsverfahren und Musi kbeigaben. Zwei Reproduktionen Rembrandtscher Gemälde in modernem Vierfarbendruck gehören zu einem Aufsatze des holländischen Künstlers Joses Israels über Rembrandt; das Bildnis Gerhart Hauptmanns und den drei übrigen Kunstbeilagen — nach Bildern von Whistler, Leistikow und Israels — smd im Text Bettachtungen von Felix Pvppenberg, Dr. Paul Ktaemer, Gisela Freiin von Berger und Hermann Bang gewidmet. — T-ie musikalischen Beigaben bestehen aus drei Liedern von Humperdinck, Weingartner und Mahler.
---KleineChronik aus Kunst und Wissenschaft. ,E i n S ch e i d u n g s f a 11" von Paul Bourgck, ein dreiaktiges Tendenzstück, wurde im Pariser Vaudeville-Theater von jenem Teile des Publikums, der des Autors grundsätzliche Ablehnung der Ehescheldling billigt, beifällig aufgenommen. Tas Stück erregt auch außerhalb der Theaterkreife Jnleresse, besonders da Bourget sich üeranlaßt sah, in einem Interview die vom Jnstizminister Briand verteidigte freie Liebe als Symptom der sittlichen Verwilderung unserer Zeit zu kennzeichnen. — „Der D u m m k 0 p f", fiubrotg Fuld a's neues Lustspiel, wird demnächst am Neuen Schauspiel- Hause in Berlin in Szene gehen. Das Werk bat seine Uraufführung nn 9loDcmber v. Js. am Hofburgthealer m Wien und gleichzeitig im Frankfurter Schauspielhause erlebt. — Aus Graz wird dem „B. B.-E." geschrieben: Em selten gegebenes Schauspiel Shakespeares, „Cy m b elin", erschien an unserer Bühne in einer neuen Bearbeitung durch Dr. Ingo Kraus. Der Text vermeidet Langen, zieht die Handlung straffer zusammen und gibt schöne poetische Lichter. Bon den Darstellern ist Herr Lippert (etwa unser früherer vorttefflicher Charakter-Komiker? D. Red.) zu nennen. — Tie Stadt St. Gallen stehl vor der Frage eines Theater- Neubaues. Die Finanzierung des Unternehmens ist zum gröstten -teile schon erfolgt. Die noch fehlenden 80 000 Ircs. sollen durch eine Theater-Lotterie aufgebracht werden. — Der Plan für die nächste Expedition von Amundson wird auf der 9. internationalen geographischen Konferenz ui Genf unter dem Titel „Geplante Expedition zur Erforschung des nordischen Polar-
< 1 uitneaeben werden.


