Ausgabe 
5.8.1907 Zweites Blatt
 
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Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaktion.e^ilL, Tel.-AdruAnzeigerGießen.

Die .Lage in Marokko.

London, 3. Aug. Die heutigen Meldungen aus Marokko lassen deutlich erkennen, daß ein allgemeiner heiliger Krieg der mohammedanischen Einge­borenen gegen die Europäer ausgbrochen ist. Aus Tanger kommt heute die Meldung, daß auch Deutsche in Sifrou (sechs Wegstunden von Fez) von Berbern angegriffen worden seien. Auch gegen die Engländer richtet sich nunmehr ebenfalls die Wut der Eingeborenen. In A l k a z a r, das von Eingeborenen vollständig umzingelt ifV wurde der engl. Konsul Car le ton angegriffen. Fünf Diener des Konsulats wurden grausam ermordet; Carleton selbst entkam noch vorläufig und verbirgt sich jetzt in dem Hause eines befreun­deten Juden. In El Ksar hatten die bewaffneten Diener des englischen Konsuls einen heftigen Kampf mit den Soldaten des Gouverneurs. Die Stadt Rabat ist von fanatischen Marok­kanern umzingelt, sodaß alle ansässigen Europäer in großer Gefahr schweben. In Casablanca drangen die Marokkaner in den christlichen Friedhof und schändeten die Gräber der dort beerdigten Europäer. Aus anderen Städten kommen ähnliche Meldungen über den dort herrschenden Fanatismus. Die Lage deS Kaid Mac Lean erscheint absolut hoffnungslos. Tie Truppen, die entsandt waren um ihn zu retten, sind en die Flucht getrieben worden.

In Casablanca spülte die See die Leichen der ermordeten Arbeiter auf den Kai; die Mauren verbrannten sie. Die spanische Kolonie suchte im spanischen Konsulat Zu­flucht, die Franzosen gingen auf ein britisches Schiff, sie sollen auf das französische Kriegsschiff übergeführt werden. Ein bitt. Torpedoboot traf aus Gibraltar in Tanger ein und ging nach Westen weiter, wahrscheinlich nach Casablanca. ,

Paris , 3. Äug. C l e m e n c e a u hat aus Karlsbad em Telegramm gesandt, worin er alle, vom gestrigen Ministerrat getroffenen Maßregeln billigt. In diesem Ministerrat soll eine gemeinschaftliche Aktion Frankreichs und Spa­niens vereinbart worden sein. Insgesamt sollen 3000 Mann beider Nationen gelandet werden. Ter Oberbefehl wird einem höheren französischen Offizier, wahrscheinlich einem Vize­admiral übertragen werden.

Eine Beschießung Casablancas soll vermieden werden Die Maßnahmen werden den Mächten mit dem Be­merken notifiziert, daß Frankreich und .Spanien im Namen der Algeciras möchte Ordnung schaffen. e ,

Das Einver st ändniSzwrschenF rankreich und Spanien bezüglich der in Marokko zu unternehmenden Schritte ist vollständig. Mau weiß aus guter Quelle, daß auch alle Mächte die französisch-spanische Intervention billigen. Für die Kabinette von Berlin und Rom haben dies die Bot­schafter Jules Cambon und Barrere bestätigt.

Päris, 4. Aug. WiePetit Parisien" meldet, wird der französische Admiral Philibert den Oberbefehl über das nach Marokko zu esttsendende franMsK-spanische Geschwader über-

tion festzustellen. Die Zusammenkunft in Swinemünde sei ein erfreuliches Zeugnis des stabilen Gleichge­wichts, das sich zwisckfen den Hauptmmppni der großen europäischen Mächte herausgebildet habe, sie sei ein erfreuliches Symptom der allgemeinen politischen Lage, ein Beweis für die herzliche Wärme des Verhältnisses zwischen den beiden Sou­veränen und für die guten Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland. Die österreichische Monarchie könne sich eines solchen .Verhältnisses zwischen Deutschland und Rußland, das mit ihren eigenen Intentionen so völlig im Ein­klänge sei, nur freuen. Auch Oesterreichs warme Shm- vathie n seien der Zusammenkunft der Kaiser Nikolaus und Wilhelm gewidmet. Das Deutsche Reich sei Oesterreichs Alli­ierter, Rußland seit vielen Jahren Oesterreichs Freund. Das vor Jahren hergestellte Einvernehmen zwischen Oesterreich-Un­garn und Rußland über die B a l k a n f r a g e sei immer mehr ausgstaltet und vertieft worden. Die Balkanpolitik der beiden Mächte habe immer mehr die Zustimmung aller Mächte gefunden. Oesterreich-Ungarn habe die neuerliche Klarstellung deS Einvernehmens zwischen ihren Alliierten und dem befreundeten Rußland zweifellos als Aktivum auch in seiner politischen Rech­nung zu buchen, kein anderer Staat habe aber auch das Er­gebnis von Swinemünde als Passiv um in seine Rechnung einzustellen. Tie Zwecke der Kaiserzusammenkunft seien gegen niemand gerichtet, und man habe niemals Grund, sie zu beargwöhnen.

W i e n, 4. Aug. Die hiesigenmaßgebenden Kreilr begrüßen die Entrevue in Swinemünde mit ungeteilter Sym­pathie. Man verweist darauf, daß die österreichische Diplomatie stets bestrebt gewesen sei, ihrerseits zur Herbeiführung intimer deutsch-russischer Beziehungen beizutragen.

Rom, 4. Aug. Ein Leitartikel derTribu na" führt aus, die Begegnung in Swinemünde wie die bevorstehende Zusammenkunft Kaiser Wilhelms mit König Eduard tun dar, daß nicht nur die Isolierung Deutschlands auf­geb ö r t, sondern daß auch die Tendenz der deutschen Politik friedlicher, denn je geworden ist.

Paris, 4. Aug. Bisher fyat es die Regierung vermieden, Winke über den möglichen Zusammenhang der Swinemünder Be­gegnung mit Frankreichs Zielen in der auswärtigen Politik zu geben. Wie in Pichons Umgebung kräftig betont wird, sieht Frankreich die Sicherheit seiner Bündnisse und Freund­schaften keineswegs gefährdet. Man ist zwar überzeugt, daß in Swinemünde viel von Frankreich gesprochen werden würde, und das Zustandekommen neuer dem allgemeinen Friedensbc- dürfnis Rechnung tragender Verträge erscheine nicht ausgeschlossen; doch würden solche Neuerungen sich gewiß nicht ohne Frank­reichs Vorwissen vollziehen. Darum könne Frankreich mit voller Zuversicht die Ergebnisse dieser Monarchenbegegnung er­warten.

Swinemünde, 5. Aug. Gestern mittag gegen 11 Uhr And an Bord der Kaiserjacht Hohenzollern ein Gottesdienst stiatt, an dem auch dep Zar teilnahm. Kaiser Wilhelm las die Andacht und hielt die Predigt. Punkt 12 Uhr verließen beide Monarchen die Jacht, um dem Wettrudern von Kriegsfchiffbooten beizuwvhnen.

Ter Zuzug von Fr emdenhat am gestrigen Sonntag seinen Höhepunkt erreicht. Sieben E^tvazüge brachten aus Berlin große Scharen von Ausflüglern, ebenw der Dampfer aus Stettin. Zum Diner, das gestern abend aufDeutschland" stattfand, holte der Kaiser den Zaren ab. Ter Zar schenkte der Offi­ziersmesse derDeutschAnd" nach dem Ejsen eine grvßej silberne Bowle mtt einem wertvollen Löffel. Als Re- gattapreise vertei lte der Zar eigenhändig Goldf- stücke und Silber-Rubel.

Gestern mittag fand im Kürhause ein Festessen zu Ehren der Anwesenheit der beiden Kaiser statt. Heute um 8 Uhr wird die gesamte Flotte die Anker lichten. Um 9 Uhr be­ginnen die Hebungen und im Anschluß daran wird ein Gefecht mit Durchbruch der Torpedoboote^dem Zaren vorgeführt. Um 2 Uhr wird die Flotte wieder vor Swinemünde vor Anker gehen. Abends findet große Jllumistation der gesamten Schlachtflotts statt und ein gwßes VrillantfeuerwerZ'rvird von ihr abgebrannt.

nehmen. Tie französischen Truppen wird General Druide 6ex fehligen, der schon früher Beweise dafür abgelegt hat, daß er mit der arabischen Bevölkerung umzugehen versteht. Morgen werden alle Mächte von den gefaßten Beschlüssen in Kenntnis! gesetzt sein. In Toulon sind alle Vorbereitungen zur Abfahrt dreier Kreuzer getroffen worden. Sie werden Oran und Mers- El-Kebir anlaufen, bevor sie nach Tanger und Casablanca ab­gehen. Tie französische Kvlonie in Tanger äußerte in einer) gestern abgehaltenen Versammlung den Wunsch, daß Frankreich energisch und prompt Genugtuung für die Massakres ver­langen möge. Außerdem wurde das Verlangen gestellt, an die Franzosen in Marokko Gewehre zu vertellen und eine Miliz­truppe zu bilden. Diese Wünsche werden dem französischen Gesandten unterbreitet werden. Tie Lage in Casablancas scheint immer noch ernst zu fein; die Stadt ist von zahlreichen be-^ ritten en Truppen umgeben. Alle Läden sind geschlossen. 200 Spanier haben im spanischen Konsulat Zuflucht gesucht. Ties Franzosen befinden sich noch immer an Borv des englischen Kreu­zers. Tie Leichen der französischen Arbeiter sind im Gartest des französischen Konsulats beerdigt worden. Tas neunte Opfer des Massakres ist noch nicht identifiziert. Von drei weiterest Europäern ist mlan ohne rede Nachricht. Das Eintreffen des! französischen Kreuzers Galilße hat zwar einen guten Eindruck gemacht, das Schiss verfügt jedoch nicht über genügend Mann-, schäften, um erfolgreich vorgehen zu können.

Ter französische Minister des Aeußern, Picho n, machte gestern mehreren Botschaftern, welche seine Hierherkunft benützt hatten, um verschiedene schwebende Angelegenheiten mit ihm' zu besprechen, Mitteilung .über die von Frankreich anläßlich der Vorgänge von Casablanca geplanten Maßnahmen und hob hervor, daß Frankreich auch diesmal lediglich Vorkehrungen zum Schutze seiner Staatsangehörigen und der übrigen Europäer foitrie zur Herstellung der Ordnung in Mprokko beabsichtige. In verschiedenen halbamtlichen Noten wird nachdrücklich betont, daß es sich nicht um eine Expedition, sondern 1. um; Maßnahmen zur Erlangung einer exemplarischen 'Sühne handle, wie sie die Würde Frankreichs gebieterisch erfordere und 2. um die durchaus iiotrvenbigen Vorkehrungen um das Leben der Eu­ropäer zu schützen, bis eine Polizei organisiert sein werde, zu welcher miau mehr Verttauen haben könne.

Madrid, 4. Aug. Eine offiziell« Information bestätigt, daß die Kabylen uml Casablanca den spanischen Friedhof schändeten. Tie gesamte Kriegsflotte wird in Cadix bereit gehalten.

Landeskonferenz der Sozialdemokraten Heftens.

Der diesjähr. Parteitag der Hess. Sozialdemokraten hat am 3. und 4. August in Friedberg stattgesunden. Nach dem Kassenbericht wurden an die Zentralkasse in Berlin 4 562Mk. abgeführt, nahezu doppelt soviel wie im Vorjahre. Be­merkenswert waren die Ausführungen des Abg. Dr. David über Selbstkritik und Aufstellung eines Agrarprogrammes. Viel unsympathischer, so führte er aus, sei ihm das Zusammen­gehen mit dem Zentrum als das mit einer Blockpartei. Diese Ausführungen fanden vielfach Widerspruch. Einen sehr weiten Raum in der Debatte nahm die sog. Pcinzengratulation ein. Zum Schluß wurden verschiedene Anträge angenommen.

Die Abänderung des preußischen Wahlrechts.

Frankfurt a. M., 4. Aug. Die sozialdemokratische Volksstimme" will erfahren haben, daß Fürst Bülow bei Beginn der neuen Landtagssession die Abänderung des preußischen Wahlrechtes verkünden werde. Die Grund­züge dieses neuen Wahlsystems seien allgemeines, direktes und geheimes Wahlrecht, allerdings mit Pluralstimme für Besitz und Bildung und ständischer Vertretung der Landwirtschaft durch Delegierte der Landwirtschastskammern. Dieses neue Wahlgesetz soll von dem 1908 zu wählenden preußischen Landtag genehmigt werden und sei zwischen Friedrich Nau­mann und dem Fürsten Bülow als Entschädigung des Freisinns für seine Blocktreue verabredet worden. Der Artikel erregt großes Aussehen, obwohl man seine Einzelheiten teils für Kombination, teils für Mystifikation hält.

Antiklerikales in Italien.

Mailand, 3.August. Aus Mantua werden ebenfalls wie gestern aus Spezia Unruhen berichtet in Zusammen­hang mit dem Sittenskandal. Eine Bande Kundgeber plünderte die Kirche und steckte die Kultusgegenstände in Brand. Aus Genua wird berichtet, daß die Kundgeber versuchten, das Kollegium der Salesianer anzugreifen und in Brand zu stecken. Die Salesianerbrüder verteidigten sich durch Nevolverschüsse.

Die antiklerikale Bewegung, die aus Anlaß der jüngsten Skandale in den Klöstern ausgebrochen war, scheint nachzulassen, da es sich herausstellt, daß Kinder mit perverser Phantasie falsche Anschuldigungen erhoben haben. Die klerikalen Blätter wehren energisch die Verleumdungen so­wie die tätlichen Angriffe auf die Geistlichen ab. In Rou; wurden aus der Polizei 200 Waffenscheine von Geistlichen gefordert. Auch der Vatikan denkt an eine energische Aktion durch einen Protest bei den auswärtigen Mächten.

Turin, 4. August. Der Präfekt ordnete die so­fortige Schließung der hiesigen Salesianer Schule an. Bei der Erstürmung des Salesianer Er­ziehungsinstituts in Sampierdarena verteidigten sich die Salesianer mit Gewehren und Revolvern. In Spezia weigerten sich 40 Marinesoldaten, gegen die Bevölkerung vorzugehen.

Iie dritte Säkularfeier der ^udovtciana.

IV.

Gießen, 5. August 1907.

Der Abschiedsfrühschoppen

am SamStag vormittag vereinigte Akademiker und Bürger in sehr großer Zahl in der Festhalle. Musik und gettwnfame Lieder unterhielten die Festteilnehmer aufs beste. Die Leitung hatte in liebenswürdiger Weise Minister Braun Exz. über­nommen. Er führte sie in humorvoller Weise durch, so daß bald ungezwmigene Heiterkeit herrschte. Am Abend sand dann dis

D;e Klllservegeftnung vor Swinemünde.

' Stettin, 3. Aug. DerStell. Abenp." wird aus Swine- , libtbe gemeTbet: Nfach b'elt Flaggenparade an Bord

£ rD oheuzollern" verließ l|aS Kaiserschiff 'gegen 9 Hkft i cglcitet von dem KreuzerKönigsberg" und dem Depeschenboot Sleipner" den Hafen. Tie im Hafen liegenden AvisosBlitz" ndPfeil", sowie dias StationsbvotCarmen" und die Jacht 1 Jdunta" 'haben über den Toppen geflaggt. Eine Flvtille der im , wen liegenden Torpedoboote verließ ebenfalls den Haftn und ampfte seewärts. Um 9^2 Uhr wird am Horizont eine Rauche >olke sichtbar: die russische Kaiserflotte kommt! Vor- n derStandart" mit dem Zaren an Bord, gefolgt von den ttincnErenfrernPogranitfchnik",Sibirski Strebnik" undOck-ot-^ ifz. Von derHohenzollern", die sich inzwischen der russischen , laiserflotille dicht genähert hat, loird das Fallrepp herabgelassen,.

wischen den beiden Kuiserschifferi werden -wer Boote sichtbar nd blatt) darauf sheigt auf demStandart" die deutsche Kaisev- ! andarte auf. Hieraus wendet derStandart" und nimmt Kurs uf die deutsche Höchseeflotte, gefolgt von derHohenzollern" nd deren Begleitschiffen. Als derStzandart" in die Linie! N er deutschen Kriegsschiffe einbiegt, dröhnt der Salut aus allen 2 ^schützen, während die stinken Torpedoboote und ziahlreiche Privat- Z ampfer die Flotte umschwärmen. Auf den deutschen Kriegs^- =9 chiffen hatten die Mannschafteii uni) Offiziere in Gala Auf- *1 elluirg aeiumtmen und die Musikkapelle intonierte die russische )vmne. Darauf nahmen derStandart" und dieHohenzollern" ie Parade über die Flotte ab. In Swinemünde sind enorme Nenschenmengen zichrmmengeströntt; das Wetter ist kühl und II] egendrohend. f

Swinemünde, 4. Aug. AlS derStandart" dieHoheiv- ollern" erreicht hatte, brachte die deutsche Mannschaft drei Hurras ms, währeiid die MusÄ,' die russische Nationalhymne spielte, niöer Kaiser hatte russische Admiralsuniform und das Band red Andr-vasordens angelegt. In dem Boot, in dem Kaiser Wil- ri iclrn zumStandart" fuhr, saß neben dem Kaiser Fürst Bülow n Husarenuniform. Außer dem Reichskanzler fuhr im Boot wch Staatssekretär v. Tirpitz. Als der Kaiser denStarrdart" l5/l:errat, spielte dessen KapelleHeil Dir im Siegerkranz". Kaiser 'iikolaus enipfing auf dem ,Maiidart" Kaiser Wilhelm aufs »er-lichste. Die ruffffche Kaiserjacht setzte sogleich ihre Fahrt fort. L«r Kaiser zog sich mit dem Zaren in einen besonderen Salon _n einer Bespre chun g unter vier Augen zurück, wüh- g end Fürst Bülow und der russische Minister Iswolsky auf Deck W den falls ein Gespräch ohne Zeugen hatten. Gegen 11 % Utjo cgaben sich alle Admirale der deutschen Flotte unter Führmcg ng -ed Prinzen Heinrich an Bord desStandart", um sich beim Zaren zu melden. Auch Prüiz Adalbert nahm an der Defilierkouv eil. Um 12 Vi Uhr verließ der Kaiser unter dem Salut des M ,Standart" das russische Kaiserschiff. Gleich darauf stattete. 1,1 ter Zar geschmückt mit dem Bande des Schwarzen Adlerord-ens! >ern Kiaiser einen Gegenbesuch auf derHohenzollern" ab. ay Ler Zar sah sehr blaß nni> stark gealtert aus.

tjj Bei der Be-rüßung umarmten sich die beiden Kaiser ns lud küßten sich ttuf die Wangen. Kaiser Wllhelm verlieh zahl- , ] eichen russischen Offizieren HoheOrdenSauszeichnungen. t Uxn Montag findet eine gro ße Hebung der Schla cht- lotte statt, zu der sich die beiden Monarchen voraussichtlich

> uif bem FlottenflagAschifsDeutschland" einschiffen werden.

Die Abreise de§ Zaren erfolgt Dienstag früh, die Kaiser Wilhelms Dienstag nachmittag. Ein komisches Zntsrmezzo bei Gelegenheit des Besuches der russischen Flotille otrd viel belacht. Wie sich bei Ankunft der russischen Schiffe -erausstellte, fehlte an Bord jeglicher Proviant, sodaß der russische in Stettin und der DizeLonsul in Swinemünde gezwungen wwen, den ganzen Tag herumzulauseu, um Proviant zu be- orgen. FleM wtar in genügender Quantität sehr schnell zu er- 4 .angen, der Mehlbedarf ist aber bisher nicht gedeckt.

Das Programm für das Seemanöver ist fol- ;endes: Durch die Hochseeflotte soll Swinemünde in großem Zogen eingeschlossen werden; die Torpedoflotte soll versuchen, i )ie Blockade zu durchbrechen. Ziele in Form von Panzerschiffen verden durch die Bucht geschleppt, nach ihnen soll geschossen verden.

Samstag abend fand auf derHohenzollern" ein großes Galadiner statt, bei welchem der Zar Gast des Kaisers oar. Sonniag findet auf beiden Kaiseryachten Gottesdienst statt, _and am Ab^rd wird aus Anlaß des Namenstages der Zarin auf der DachtStandart" ein Galadiner gegeben, V vo Kaiser Wilhelm Gast des Zaren sein wird.

Berlin, 3. Aug. Wie derPost" auS Petersburg ge- melbet wird, hatte der Minister des Aeußeren v. Iswolsky W joc der Abreise nach Swinemünde noch eine längere Be- prechungmit demösterreichisch-u.ngarilch^n Bot- Jlj cha fter, und es wird daraus geschlossen, daß cs sich hierbei eil um die Entrevue bei Swinemunde sowohl^ als auch um die ei» Begegnung des Kaisers Franz Joseph mit König Eduard in o» Zschl gehandelt habe. Es unterliege keinem Zweifel, daß die cherreichisch-ungarische Diplomatie bei der Anbahnung freund- ^ichaftlicher Beziehungen zwischen Deutschland unt) Rußland eifrig mitgetoirlt habe, und ganz besonders sei seitens des Freiherrn Lo. Aehrenthal die Erreichung dieses Zieles geförderr worden, inj Mit der Flottenrevue wird einem ausdrücklichen Wunsche in»de§ Zaren entsprochen, der sich nach den Erfahrungen mit ian Der russischen Flotte im Kriege mit Japan jetzt ganz besonders sür die Nöarineangelegenheiten interessiert. Man glaubt auch, Äoaß er sich bei der Wiederherstellung der russifchen Flotte yDie d eutsche Flotte als Muster nehmen will mid hierin oon Kaiser Wilhelm unterstützt zu werden wünscht.

J Petersburg, 3. Aug. DieNowoje Wremia erklärt, «Sder Meinungsaustausch zwischen den beiden Mi- «ermiistern in Swinemünde werde ohne Zweifel auch dic- ^lenigen neuen ftiedlichen Uebemntommen berühren, über die zwischen den europäischen Mächten llnterhandlungen schweben, \ so die wirtschaftliche Annäherung zwischen F.rank- 3* r e i d) und Deutschlan d, der die politische bald folgen ^dürfte, sodann die an g lo-r u ss i s ch en V er h a n dl u n g en J welche natürlich in keiner Weise die guten nachbarlichen Be- ! ziehungen zwischen Rußland und Deutschland stören dürfen.

1C6 Trotz Der Verlängerung des Dreibundes auf wertere sechs Jahre ult fühle Deutschland eine gewisse Vereinsamung unter Den europäischen Mächten. Infolgedessen könnte Rußland auf oer A Basis der Gegenseitigkeit Deutschland inbezug.auf sein Verhältnis Im zu Frankreich und England einen großen Dienst leisten, ttuf diese Weise werde die Monarchenzusanimenkunft nicht nur eine Höfiichkeitspflicht erfüllen, sondern auch dem Friedenswerk for- ,../^Wien^ 4. Aug. DasFremdenblatt" konstatiert in s, bet Besprechung der Swinemünder E n t r e v ue , daß es, wie bei" der letzten Begegnung, so auch heute Swischen Ruß- fjtj land und deni Deutschen Reiche ferner Auseinandersetzung und keiner besonderen Verständigung bedürfe; nicht einmal e:n deuffch^ nf feindlicher Scharfsinn würde diesmal, wie nach der Zusamuien- B1 kunft von Vioerkoe, die Meldung ausklugeln können, daß der deutsche Kaiser den Kaiser von Rußland /)ber die inneren ttnge- legenheiten seines Reiches berate. Natürlich würden die großen 1 Probleme der auswärtigen Polittk erörtert werden, aber es gelte nicht, eine neue politische Situation zu lcyaNen, sonder" nur das Einverständnis in der Beurteilung der gegebenen ^rtua-

«rtL Zweites Blatt L57. Jahrgang Montag 5. Auguft 1907

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