Mittwoch 5. Juni 1907
Nr. 129
Zweites Blatt
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
Aby. Basserrnann. Debatte.
Uhr Festkommers.
157. Jahrgang
Rotationsdruck und Vertag der Br Ührchen UnwerftlätS - Buch- and Siemdruckeret.
R. Sangt. Gießen.
Die „Stehnrer ZanrMendlStter- werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Krcts Eiehev" zweimal wöchentlich. Der „hessische Canbroirt4' erscheint monatlrch einmal.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ft raße ?. Expedition und Vertag > HS 6L Redaktion: es® 112. IeL-8Ibt_ Stn»«igerGteßru.
2lus Stadt und Land.
Abdruck unserer durch Korrespondenzzcichcu kenntlich gemachte» Lrginalartikct ist nur unter genauer Quellenangabe (Gieß. Auz.) gestattet.
Gießen, den 5. Juni.
•• Ihren 94. Ge burtstag begeht heute Frau Eva Krämer hier. Die alte Dame, aus Alsheim gebürtig, ist noch recht rüstig und ihre Angehörigen hoffen, ihren hundertsten Geburtstag unter gleich günstigen Umstanden begehen zu können.
•• Eine Stipendien-Stiftung der Gießener Kaufmannschaft. Auf Veranlassung der Handelskamnrer in Gießen fand unter der Kaufmann,chaft unserer Stadt eine Geldsammlung zur Errichtung eines Stipendiums aus Anlaß des UniversitätS-JubilaumS statt. Es wurde die erhebliche Summe von 20 000 Mk. zusammengebracht. In welcher Weise die Stiftung Verwendung finden soll, werden der Ausschuß und die Handelskammer noch bestimmen.
** Ccffentlidje Lesehalle. Im Di a i wurden 2278 Bände ausgelieheu. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 1263, Zeitschri len 377, Jugendschrlsten 168, Versdichtnngen 57, Literaturgeschichte 15, Lander- und Völkerkunde 61, Kulturgeschichte 24, Geschichte und Biographien 105, Kunstgeschichte 5, Aatnrwissenscha't iuiö Technologie 111, Heer- und Seewesen 9, Haus- und Landwirlschaü 6, Gcsundheitslchre 15, Religion und Philosophie 31, Staatswissenschast 15, Sprachwissenschaft 8, Fremdsprachliches 8 Bände. Nach auswärts kamen 73 Bande.
*#Sic neuesten Autler-Unfälle. Am Montag abend kollidierte das Automobil eines Fabrikanten aus Darmstadt zwischen Rödelheim und Eschborn mit einem Chausseestein. Es wurde ztir Seite geschleudert, der Besitzer stürzte heraus und erlitt einen Armbruch. Die übrigen Jn- saffcn kamen mit Hautabschürfungen davon. — Auf der TaunuS-Renn ft recke hat sich wieder ein Automobil-Unfall zugetragen. Der Wagen 38 C der Auio- mobilfabrik in Gaggenau verunglückte an einer scharfen Kurve, indem der Wagen auf dem schlüpfrigen Wege ausrutschte und gegen eine UebergangSbrücke geschleudert wurde. Der Chauffeur kam mit dem Schrecken davon, der Wagen wurde stark demoliert.
** Ter Flottenverein für Hessen hat in seiner AuZschußsitzung beschlossen, seine diesjährige £ . Samm
lung in Grebenhain ober Lauterbach galten. General Keim aus Berlin wird einen Vortrag i?üLcn. Die Versammlung findet voraussichtlich am 1. Sept, statt.
** Die Ob st aussichten sind für dies Jahr leider nicht besonders günstig. Vor allem war der wochenlang dauernde Stillitand im Wachstum von schädlicher Wirkung, und nun hat sich eine ganz enorme Raupen- plage eingestellt. Ter Apselbütenstecher hat viel Schaden verursacht und jetzt sind Frosmachr spann er, Apfelwickler, Blatt- und Blutläuse in Menge an ihrem schädlichen Werk. Am schlechtesten steht es mit den Aepfeln; gerade die besten Sorten sind am meisten von Ungeziefer befallen. Etwas besser scheint es mit den Birnen und Kirschen zu werden. Dagegen scheint es nach dem Fruchtansatz eine ziemlich gute Zwetschenernle zu geben, sodaß es den Oberhejfen im Herbst an dem so beliebten ,^Quetsche- hongk" nicht fehlen dürfte, vorausgesetzt, daß die Witterungsverhältnisse nicht noch die Hoffnungen vereiteln.
•* Zwangsweiser Sommerurlaub für Hand- lungsgehülien wird wieder einmal von verschiedenen Seiten ge'orderi. Eine solche Forderung kehrt gewöhnlich wieder, wenn irgend ein pflichtvergessener Angestellter eine Unterschlagung begangen hat, deren Entdeckung ec durch übereifrige Arbeit und Vermeiduiw jeden Urlaubs zu verhindern suchte. So wahr es in einzelnen Fällen sein mag, schreibt uns der Verband Deutscher Handlungsgehülfen zu Leipzig, daß eine zeitweilige Entfernung von seinem Posten einen solchen Menschen eher dem Strafrichter überliefern wurde, so sehr müssen sich doch die ehrlichen, pstichlbewußten handlungsgehülfen dafür bedanken, daß aus solchen Gründen Lominerurlaub gewährt werde. Der Urlaub soll nicht etwa nur eine bessere Kontrolle ermöglichen, er soll vor allem dem würdigen und arbeitsamen 'JJhtaibeiter eine Erholung jein, ihm frische Kraft verleihen, den Lebensmut heben und seine Gesundheit kräftigen. Glücklicherweise^wird aus diesem Grunde schon vielfach den Hand- lungsgehülsen Sommerurlaub erteilt, und die Prinzipale, die bisher sich zu solchem Entgegenkommen noch nicht bereit zeigten, dürste der Hinweis auf die guten Erfahrungen, die in dieser Beziehung alle anderen Firmen machten, gewiß zur Einführung eines Sommerurlaubs veranlassen.
i. Klein-Linden, 4. Juni. Tas am 14. Juli hier stattfindeude Krtegersest dürfte sich einer regen Beteiligung erfreuen. Es liegen zahlreiche Meldungen auswärtiger Vereine zum Feste vor. Mit dem 25jährigen Stiftungsfest des Krieger- oerem§ ist die Ueberreichung der Kaiserschleife verbunden.
Grünberg, 4. Juni. Am 2. b. M. hielt der Orrs- gewerbeverern Grün berg seine Gcnecaloerscunm- tung ab. Die Jahresrechnung wies in Einnahme und Ausgabe 345 Mk. 25 Wg. ans, bis der Handwerker schul« 16A.
meisten die poltt. uno wirr >cyai tu tuen Zoecue des diauf- mannsstandes zur Verwirklichung gebracht habe. Redner trank auf Deutschland und England.
Philipps antwortete mit herzlichem Dank. Alles, was die Engländer auf ihrer Reise gesehen hätten, habe ihnen gezeigt, daß sie keinen Feind in diesem Lande hätten. Kein Engländer, der etwas kennen gelernt habe von Jean Paul, Schiller, Goethe ober Lessing, könne an einen Streit denken mit dem Lande, dessen Fuhlen von diesen großen Namen verkörpert werde.
Haaley wies auf den Fortschritt Frankfurts auf kommunalem Gebiet hin und erklärte, die englischen Journalisten würden bemüht sein, die Freundschaft zwischen Deutschland und England zu festigen und es so leicht machen, den Frieden zu bewahren, wenn Mißverständnisse eintreten. Sein Hoch galt der Stadt Frankfurt und ihren Bürgern.
E. de N e u f v i l l e, der Vize-Präfi deut des englischdeutschen Freundschaftskomitees wies auf die Erfolge dieses Komi.aes hin und wünschte, daß cs auch weiterhin gute Früchte zeitigen werde. Er bat die Gaste, mit ihrer Feder dem Geift der intcrriationalen Freundschaft auch in ihrem Heimatlande zum Erstarken zu helfen, und trank auf die beiderseitigen Verständigungsbestreoungen. i
Siehener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
polttifd?c Tagesschau.
Ealwer ober die Getreidepreissteigeraog.
In der sozialdemokratischen .Chcrnn. Volksstimme* veröffentlicht ,©enoffe- Calwer einen sehr beachtenswerten Beitrag zur Beurteilung der jetzigen Getreide-Hauffe. Er berechnet nämlich an der Hand des über die letztjährige Ernte sowie über den auswärtigen Handel in Getreide und Mehl vorliegenden statistischen Materials, daß der deutsche Markt von Getreide keinesfalls in dem Maße entblößt sein kann, wie dies in Handelskreisen zurzeit vielfach angenommen wird. AuS seinen Berechnungen zieht er den Schluß:
»So liegen die Dinge, wenn man fick nicht an die unkontrollierbaren Stimmungsberichte an den Getreideplätzen, sondern an die statistischen Ziffern hält, die doch immerhin in ihrer Unvollkommen- heit eine besfere Grundlage der Beurteilung abgeben, als die von rein geschäftlichen Interessen diktierten, von Tag zu Tag schwankenden Auffassungeii der Marktlage. Gewiß ist die Preissteigerung in Getreide nicht von ungefähr getommen, aber die maßlose Uebertreibung hat in den tatsächlichen Verhältnissen keine Be- grünbung, sondern ist dadurch herbeigeführt, daß die an der Hausse beteiligten Kreise durch die Beeinflussung der öffentlichen Meinung die Käufer kopflos zu machen wußten, so daß alles, Müller, Häiidler und Bäcker, mit einem Male sich bis zur neuen Ernte versorgen wollte, da es ja hieß, daß der deutsche Markt schon fast gänzlich von Vorräten entblößt wäre. Die Ziffern der Statistik mögen angreifbar sein, aber noch angreifbarer ist die Begründung der maßlosen Preishausse in Getreide, wie sie in den letzten Wochen namentlich an den deutschen Märkten inszeniert worden ist/
Ration all iberaler Parteitag.
Auf dem letzten nat-lib. Parteitag wurde bekanntlich beschlossen, den nächsten Parteitag schon im Frühjahr in Kassel abzubalteu. Die Reichstagswahlen und ihre Folgen haben es aber der Parteileitung geraten erscheinen lassen, ihn in den Herbst zu verschieben. Er soll nun im Oktober in Wiesbaden, wo Bartling der lokale Führer ist, stattfinden. Vorläufig ist folgendes Programm festgesetzt: Freitag, 4. Oktober, nachmittags 6 Uhr, Sitzung des Zen- tralvorstaudes. Abends von haib 9 Uhr ab zwangloses Zusammensein der bereits emgetrosfenen Vertreter mit den Wiesbadener Parteifreunden. Samstag, 5. Oktober, 11 Uhr vormittags: Beginn des ersten Verhandlungstages. Eröffnung durch den Zentralvorstand. Bureauwahl. Begrüßungsansprachen. Des Rei ches Po litik. Referent
und der hervorragendsten Namen aus den Kreisen der Kunst, Wissenschaft und deS Handels Ihres Landes befinden sich unter den regelmäßigen Besuchern unseres Bades, imb die Beziehungen zwischen den Engländern und Homburgern sind seit jeher freundliche und vertraute gewesen. . . . Und wenn die Reise, welche Sie, meine Herren, unternommen haben. Ihnen die Ueberzeugung verschafft, daß uns Deutschen kein Gefühl ferner liegt als das der Feindschaft gegen England — gegen daS England, mit welchem DeutsiUand so oft Schulter an Schulter, aber niemals als Feind gekämpft hat —, dann werden Sie, gleich einem der größten Journalisten aller Zeiten, Ihrem Landsmanne Thomas Carlyle, Bewunderer unseres Landes und seines Volkes werden, wie er, welcher ein Freund und Bewunderer Deutschlands war, well er es so gründlich kannte und so gut verstand.
Wilson, der Präsident des englischen Komitees dankte, indem er den Taunus mit dem schott. Hochland verglich. In England wäre man noch nicht so weit gekommen, solche Schätze aus der Erde zu heben. Deutschland aber rufe jetzt: „Bare, Vare, redde legiones!"
Nach einem kurzen orientierten Bortrage fand hierauf eine Besichtigung des Saalburg-Museums und des Kastells statt.
H o m b u r g v. d. Höhe, 4. Juni.
Um 41/3 Uhr trafen die engl. Journalisten mit ihren Frankfurter Begleitern am Landgrafendenkmal im hiesigen Kurparke ein und gingen nach Besichtigung der Quellen zur Kurrerrasse, wo der Tee serviert wurde. Bürgermeister Feigen hielt hier im Namen der Stadt eine kurze Begrüßungsansprache.
Nachdem man auf der Terrasse des Homburger Kurhauses den von der Stadt dargebotenen Tee eingenommen hatte, wurde auf Automobilen die Weiterfahrt nach Schloß FriedrichShof angetreten. Der Weg dorthin führte die englischen Gäste über einen großen Teil der für das Mitte Juni stattfindende Kaiserpreisrennen bestimmten Strecke. Unter Führung des Kammerherrn v. Flotow, der die Herren am Eingang des Schlosses begrüßte, erfolgte die Besichtigung des Schlosses und im Anschluß daran ein Rund gang durch den Park. Sodann erfolgte über Cronberg die Rückfahrt nach Frankfurt.
— Sonntag, 6. Oktober, 11 Uhr. Beginn des zweiten Verhandlungstages. Die Pens io ns Versicherung der Privatbeamten. Referent Abg. Stresemann. Debatte. — Nachmittags halb 4 Uhr: Zwei öffentliche Versammlungen, in denen je ein Reichstagsabgeordneter über Fragen der Reichspolitik und der preußischen Landespolitik sprechen werden. Abends 6 Uhr: Festessen. — Montag, 7. Oktober: Rheinfahrt ab Biebrich nach Rüdesheim mit Besuch des Niederwald-Denkmals und Auvslug nach dem Jagdhaus.
Are englischen Journalisten in IranLsurl und Kornburg.
Frankfurt a. M., 4. Juni.
Die cngrtfchen Journaliiten, die heute früh von München hier eintrafen, waren auf das angenehmste überrascht, als beim Verlassen des Bahnhofes die von der Kapelle der 81 er gespielte englische Nationalhymne ertönte. Entblößten Hauptes hörten sie (b-.ie Weise an und besttegen dann die in englischen und deutschen Farben geschmückten Trambahn- wagen, die die Gäste zu kurzer Rast in ihre Hotels brachten. Um 91/2UH1: erfolgte eine Fahrt durch die Stadt, wobei mehrere öffentliche Gebäude in Augenschein genommen wurden. Besonders lange verweiltendre Gäste imGoethe- h aus.
Hieran schloß sich das von der Stadt gebotene Frühstück im Römer. An dem Lunch nahmen außer den Engländern teil der englische Generalkonsul und die beiden Vize- Konsuln, die Spitzen der städtischen Behörden, der Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung ustv. Oberbürgermeister Dr. A d i ck e s hielt eine herzliche Begrüßungsansprache, in der er Bezug,nahm auf die althistorische Bedeutung Frankfurts. Er bat die englischen Gäste, in England bekannt zu machen, daß die Deutschen mit den Engländern in Frieden leben und mit ihnen gemeinsam an der Spitze der europäischen Zivilisation stehen wollen. Er hoffe, daß der Besuch der Engländer in Deutschland zu diesem Ziele bettrajgen möge.
In seiner Erwiderung schilderte zunächst Frederie C. Byles vom „Yorrsb. Obs." den schönen Empfang in Frankfurt: Man habe auf oer deutschen Fahrt viel gesehen, Stätten des Handels, der Polttik, der Literatur. Das hervorragendste aber war der Besuch im Goethehaus, der Geburtsstätte des deutschen Dichters, dessen Leben zuerst ein Engländer mit liebevoller Hingabe erzählt habe. In den Werken der Literatur habe sich der deutsche Geist am unmittelbarsten und am tiefsten ausgesprochen. Wenn wir nach England zurück- gekehrt sind, werden wir niemals das Wort „Deutschland" hören, ohne mit herzlichen Gefühlen an Sie zu denken.
Nach weiteren Toasten wurde die Tafel aufgehoben und gegen 2 Uhr erfolgte die Fahrt nach der Saal bürg in 20 Automobilen.
Saalburg, 4. Juni.
Die englischen Journalisten mit ihren Frankfurter Begleitern trafen in Automobilen, die vom Frankfurter Automobilklub zur Verfügung gestellt waren, am Nachmittag auf der Saalburg ein und wurden vor dem Römerkastell vom Geh. Baurat Professor Jacobi, dem Magistrat und den Stadtverordneten der Stadt empfangen. Im Horreum, dem jetzigen Saalburg-Museum, hielt Sladtvcrordnetenvorsteher Dr. Rüdiger-Homburg eine Begrüßungsansprache an die englischen Gaste in englischer Sprache, in der er u. a. folgendes ausführte:
Die Tochter eines Königs von Großbritannien herrschte einstmals in Homburg als Landgräfin; ihr Name ist in Homburgs bedeutendster Quelle, dem „Elisabethenbrunnen", verewigt. Einer anderen englischen Prinzessin, der Kaiserin Friedrich unsterblichen Angedenkens, bereit Walten in den Gemütern der Taunusbewohner ewig lebendig bleiben wird, haben wir ein Denkmal in unseren Promenaden errichtet, als erstes in Deutschland. Ihr König, S. M. Eduard VH., beehrte uns mit seinen Besuchen viele Jahre lang. Der Trauer der stolzesten Adelstttel
Frankfurt a. M., 4. Juni.
Heute abend besichtigten die englischen Journalisten unter Führung der Herren des Frankfurter Komitees den Pal men gart en. Im Anschluß daran fand im großen Saal des Palmengartens ein von der Stadt Frankfurt zu Ehren der englischen Gäste veranstaltetes Festessen ftatt, dem u. a. der großbritannische Generalkonsul Oppenheimer, Regierungspräjtdent 0. Pleister, Polizeipräsident Scherenberg, Eisenbahndirettionspräsident Thome Intendant Emil Claar und andere Vertreter der staatlichen und surter Gesellschaft beiwohnten.
Oberbürgermeister Dr. Adickes wies darauf hin, daß die Reise der englischen Journalisten nunmehr ihrem Ende nahe sei. In der jetzigen Zett gebe es feine Kabi.nct.ts- kriege mehr, sondern nur solche, die durch die Volisleiden- schaften entfejselt werden. Die öffentliche Meinung besitze darum heute eine Gewalt, wie noch niemals. Redner verglich den Mann der Preise mit dem Sämann, der den Samen Neid und Haß säen könne, aber auch einen Samen, der heilsame Früchte trage, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Presse gleich einem sorgsamen Arzte unserer nervösen Zeit nur mit heilsamen, beruhigenden Mitteln diene. Redner schloß mit einem Hoch auf König Eduard und Kaiser Wilhelm.
Im Namen des hiesigen Journalisten- und Sryrist- stelleroereins richtete dessen Vorsitzender, der Direktor der „Franks. Ztg.", Theodor Curti, eine Ansprache an die englischen Kollegen, in der er u. a. folgendes sagte:
Unser Beisammensein ist eine Friedens-Manifestation beider Nationen. Was wäre denn natürliche: ? So manche Ihrer größten Institutionen sind der altdeutschen Volkssreihell entsprossen, die in den Sturmen der Jahrhunderte auf Ihrer Insel eine Freistätte fand, geschirmt von den Felsen und Wellen, — und was der englische Staat Ian echt germanischen Substanzen bewahrt hat, das wünschen wir, nach dem Siatc eines unserer Geschichtsschreiber, auf dem Boden der Urheimat wieder fruchtbar zu machen. Alt ist der Stolz des Briten, der ftüh schon ein mächtiges Reich gegründet hat: jung ist der Stolz des Deutschen, dem in neuester Zeit, auf den Trümmern ehemaliger Herrlichkeit, ein Gleiches gelang. Auch das ist fein Unterschied. Und wenn selbst die Erinnerungen an Schlachtfelder, an Siege und Niederlagen, andere Völker zuletzt nicht abhalten tonnten, einander die Hand zu reichen, um wie vieles leichter sollte da nicht die Verständigung, um wie vieles stärker muß da nicht das Band der Eintracht fein zwischen England und Deutschland, deren beider Geschichte durch solche trennende Erinnerungen an Fehde und Krieg nicht belastet wird: Uns aber, den Dkännern der Presse, kommt es nun vor allem zu, daß wir, was so uns gemeinsam ist, schützen und behaupten. In Wissenschaft und Kunst sind die Menschen längst eine einzige Familie; aber auch unsere Maschinen und Geräte, unsere Kleider selbst und Speisen sind Erzeugnisse des allgemeinen Ersindnngsgeistes und Gewerbefleißes, Objefte des internationalen Verkehrs: das schon sagt uns, daß auch im Gebiete der Wirtschaft alles einer Harmonisierung bet Interessen zustrebt. Ter letzte, höchste Zweck ix» geschichtlichen Lebens ist Einigung, nicht Zwietracht. . . Schaffen roir Hand in Hand eine große, friedfertige, öffentliche Meinung! Zerstören wir die Idole, wie einer Ihrer Großen, Francis Bacon, die trügerischen Vorstellungsweisen genannt hat, zerstören roir die neuen idola fori und idola theatri, die trüben Vorurteile des Tages, welche durch die Suggestion unechter Stimmungen, falscher Formeln und giftiger Phrasen des Hasses erzeugt werden, und setzen wir an ihre Stelle die sonnenhellen Ideale des zivilisator. Fottschritts und der humanitären Kultur! 'Wer aber wäre hierzu berufener als die englische Presse, die älteste unter den Schwestern, das Vorbild der Presse des Kontinents. Und daß die deutsche Presse treulich mittun will an diesem Werke, davon dürfen Sie überzeugt sein. Fast möchte es jroar scheinen, als seien über den vielen und lauten Stimmen des Wlllkommens, die Ihnen aus allen deutschen Gauen entgegenhallen, unsere Stimmen, die Stimmen der deutschen Journalisten, verloren gegangen. Und doch haben ja wir, Ihre Berufsgenoffen, Sie nach Teutichland herübergerufen. Aber dieser Voll- und Gleichllang der Sympathien, der Ihre Fahrt begleitet, beweist gerade, daß unser Instrument eine starke Resonanz hat. Ihnen Gegenüber, in der hohen Achtung vor Ihrem Lande und Ihrem Volke, sind die deutsche Presse, das offizielle Deutschland _unb das deutsche Volk synonyme Begriffe und von ganz einerlei Stimmung und Gesinnung. Unsere Kollegen, die englischen Journalisten, leben hoch:
Handelslamrnerpra)u)2nt Geyetmrat Andre betonte, daß die Frankfurter, von beneit ein großer Teil in England seine taufmänntsche Bildung erfuhr, dieses Zand liebten und bewunderten umjo mehr, als England das Land sei, das am
erricht in Porzellan-Malen, derzelktinen, in nv- !nslvollen,in.Malem lanöarbeüen in allen nie echlerTiesbrant- tzöberitr. 24, f.
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suche einen Fahr- galten, und neuer zu billigem Prelle r zu leihen.
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