tzaven und verlangte eine unzweideutige Erklärung der Re- gierung. Schließlich ersuchte er um Auskunft, ob dem Landtage bald eine Wahlrechtsreform Zugehen werde; die Verhältniswahl habe sich in Württemberg bewährt. Abg. Neinhart erklärte gleichfalls die Zustimmung zu den Negierungsvorschlägcn, teilt allerdings die Bedenken wegen der Höhe des Immobilien- stempels. Staatsminister Ewald erklärte bezüglich der Schiff- f a h r t s a b g a b e n . das; die Stellung der hessischen Negierung iu dieser Frage sich nicht geändert habe. Welche Stellung die Negierung eventuell zur wirtschaftlichen Seite der Frage einnehmen werde, könne noch nicht gesagt werden. Man müßte dazu erst wissen, was an Stelle des Artikels Ö4 der Reichsverfassung etwa gesetzt werden solle. Weiter erklärte der Staatsminister bezüglich der Reform des LarrdtagLwahlrechts, daß er mit der Mehrheit der e r st e n Kammer wiederholt verhandelt habe. Er müsse jedoch zu seinem Bedauern sagen, daß er mit seinen Vorschlägen fein besonderes Entgegenkommen gefunden habe. Man scheine in der ersten Karniner nicht geneigt, den Beschlüssen der zweiten Kammer zu folgen, sodaß eine Aenderung der Vorlage nötig erschienen sei. Der leitende Minister hofft, im Laufe des Frühjahrs, vielleicht schon in den nächsten Wochen, dem Lause einen Vorschlag zugehen lassen zu können, auf Grund dessen sich eine Verständigung ermöglichen lassen werde. Auch wir wollen das Beste hoffen, haben iicües nach den Erfahrungen all der Jahre, die die Wahlrechtsreform nicht vom alten Flecke kommen ließen, nicht sehr viel Zutrauen aus Erfüllung der Wünsche des Volkes. Recht ausfallend war die Klage des B a u e r n b ü n d l e r s Wolf über die p o l i t. Betätigung von Beamten. Er beschwerte sich über die von einzelnen Beamten getriebene Wahlagitation und forderte von der Negierung nichts weniger, als den Beamten die Teilnahme am öffentlichen politischen Leben zu ulttersagen! Dieser Wunsch mußte um so überraschender wirken, als dadurch in manchen Wahlkreisen der Bauernbund seine eifrigsten Agitatoren verlöre. Wolfs Fraktionsgenosse Korell wies auf die andauernde Notlage des Bauernstandes hin. Aba. Orb (Soz.) legte dagegen Verwahrung ein, daß man Sozialdemokraten nicht als Bürgermeister unb Beigeordnete bestätige. — In der Spezialdebatte war u.a . die Losholzfrage nicht ohne Bedeutung. Es handelt sich dabei u. a. um altes Ortsbürgerrecht in Oberhessen, für das anno 30 des vorigen Jahrhunderts Bauern mit Dreschflegeln und Sensen gegen die Standesherren zu Felde zogen. Mehr und mehr wurden allmählich die Losholzpreise derartig in die Höhe geschraubt, daß von der Eigenart des Losholzes — billiger Preis — nichts mehr zu merken ist. Es ist natürlich, daß die Losholzberechtigten nun auf eine Vergünstigung (die „Wohltat" des Losholzes) verzichten, welche fast aufgehört Lat eine solche zu sein, zumal, wie der Bauernbündler Brauer darlegte, das Losholz qualitativ zurückgehen soll. Dann saß die Kammer zu Gericht über den Leiter des Darmstädter H o f t h e a - ters) Generaldirektor Werner. Der Darmstädter Abg. Dr. Osann kritisierte die durch den „Fall K a s ch o w s k a" in ihrer ganzen Mangelhaftigkeit entblößten Zustältde an der Hess. Hofbuhne. Das Laus war einig in der Verurteilung dieser Mißstände; aus der Mitte kam sogar der Zuruf: „Das ist ja skandalös!" Starken Eindruck machte es auch, als der nationalliberale Abg. Reinhart erklärte, daß er auf das Tiefste empört gewesen sei über die Behandlung, die man gegenüber einer Künstlerin vom Range der Frau Kaschowska beliebt habe. Ein Lof- -theater müsse nicht nur in Kunschingen ein Musterinstitut sein, sondern auch in seiner geschäftlichen Leitung. Natürlich steht dem Staatsministerium fein Einfluß direkter Art auf die Leitung der Lofbühne zu. Man druff indessen wohl erwarten, daß der Etaatsminister Veranlassung nimmt, S. K. H. den Großherzog, dem die ganze Sache offenbar unbekannt ist, genügend aufzuklären. .Erwähnung verdient endlich noch die von allen Parteien des Hauses dem Präsidenten L a a s entgegengebrachte Ovation aus Anlaß von dessen 10jährigem Präsidentenjubiläum. In seiner Dünkesrede betonte der Jubilar mit Recht die Schwere des Prüsidentenamtes, das fordert, die richtige Grenze einzuhalten zwisck>en der für eine gedeihliche Fortführung der Geschäfte notwendigen Energie und der billigen, wohlwollenden Rücksichtnahme auf die Eigenart der Redner andererseits. Das Urteil ist einhellig, daß Präsident Haas in der Landhabung der Prä- lwialgcschüste ein Muster von Unparteilichkeit darstellt.
' Die Entscheidung des Bundesrats in der braunschweigischen Frage hat im braunschweigischen Lande eine gewisse Aufregung l^rvorgerufen. Die welfische „Deutsche Volksztg." nennt den Beschluß das Todesurteil des deutsck^en Fürstentums und meint, diö deutschen Fürsten hätten einstimmig das Legitimitätsprinzip zstm alten Eisen geworfen. Die „Braunschw. N. Nachr." aber, b/nen man Beziehungen zum Ministerium nachsagt, verzeichnen das Gerücht, die drei braunschweigisch en Reichs- tagSabgeordneten beabsichtigten, ihre M an d a t e n ie de r- zu legen. In diesem Falle würden, so meint das Blatt, ohne Zweifel bei der heutigen Lage im Herzogtum drei Sozialdemokraten als braunschweigische Vertreter ihren Einzug in Berlin halten. Man wird ferner abwarten müssen, welche Schritte der Herzog von Cumberland nun unternehmen wird. Der Regent- schastsrat berief den braunschw. Landtag zum 12. März ein.
Die vor Beginn der Reichstagsverhandlungen vollzogene Einigung der drei linksliberalen Gruppen zu einem Fraktionsverband sand in der liberalen Wählerschaft freudige Zustimmung. Am Samstag hiaoen sich auch im preuß. Abgeordnetenhaule die Freis. Volts Partei und die Freis. Vereinigung auf Grundlage der Vereinbarung, die die Fraktionen der liberalen Linken im Reichstage getroffen haben, zu gemeinsamer parlamentarischer Arbeit vereinigt. Die erste gemeinschaftliche Fraktionssitzuug hat bereits statt- gesunden. Zwischen dem Linksliberalismus und der national- liberalen Partei dürsten sich m/it der Zeit wohl auch herzlichere Beziehungen anbahnen lassen, worauf die Worte des Abg. Dr. Friedberg bei der Feier des 40 jährigen Jubiläums der Gründung der nationalliberalen Partei hinzuweisen scheinen. Fürst Bülows Glückwunschschreiben, das die Worte enthält, die dcationalliberalen könnten ihrer ehrenvollen Vergangenheit jeM in lichter gewordener Gegenwart gedenken, war ein bedeutsames Zeichen der Zeit.
Die Beilegung des französisch en Kirchen Krieges wurde durch den Vatikan abermals vereitelt. In der Beschlagnahme der Papiere des Nuntius Acontagnini scheint sich die Republik eine starke Waffe gegen Rom gesaxaffen zu haben. Die wichtigsten beschlagnahmten Dokumente betreffen die Tätigkeit, die Montaguini auch nach dem Abbruch der Beziehungen zwischen Frankreich und dem Vatikan entwickelt haben soll, und zwar hauptsächlich, um die Reise des ztönigs von Spanien nach Paris zu verhindern. Der Vatikan stellt dagegen alles in Abrede. Ein; römische Depesche Der „Köln. Volksztg." sagt folgendes: Die neuesten Enthüllungen aus Den beschlagnahmten Papieren Mon- tagninis sinD völlig wahrheitswidrig. Der Briefwechsel des hl. Stuhles mit einigen Mächten über deren Beziehungen mit Frankreich sind teils vollständig frei erfunden, teils tendenziös entstellt."
Gleichzeitig mit Der Meldung von dem Friedensschluß in D e u t s ch -S ü d w e st a s r i k a kamen aus Britisch- Südafrika die Nachrichten von den Wahlen zum Transvaal- Parlament. Botha, der ehemalige Burengeneral im Feldzug gegen die Briten, hat die Kabinettsbildung übernommen; damit scheint eine friedliche Entwicklung der Zukunft Transvaals gewährleistet. Eduard Solomou, der Präsident der Nationalistenpartei, ist als Minister der öffentlichen Arbeiten neu in das Kabinett eingetreten. Smuts wirs Kownialselretär und Bergwerksminister, Advokat de Villiers Justizminister.
In Rußland gelang es den oppositionellen Parteien, die Mehrheit der Duma zu gewinnen; doch dürfte der Charakter der zweiten Duma im ganzen nicht so radikal-revolutionär sein wie beteilige der ersten. Nach nunmehriger Festsetzung wird die Eröffnung der Duma morgen stattfinden. Die unaufhörlicheii Meldungen von tödlich verlaufenen Attentaten, wie gegen b/it Gouverneur Von Krasnojarsk, ferner gegen Gendarmeric- chc;s und Gendarmen, gegen den ehemaligen estlandischen Ritter- schaitshauptmann und Mitglied des 'Reichsrates Baroii Budberg, Besitzer des Gutes Wannemois, die tödlichen Raubüberjälle auj
Kassierer usw., das Attentatsversuch gegen den Großfürsten Nikolas Nikolajewitsch in Zarskoje Sselo, alle diese grcuelvollen Ereignisse zeigen, daß die Unsicherheit im Lande noch unverändert ist. In zahlreichen Provinzen wütet die Hungersnot. In, Petersburg erregte ferner der Selbstmord des Sohnes des früheren Ministers des Aenßern Giers Aussehen. Auf offener Straße erschoß sich der junge Offizier vor den Augen seiner Cousine.
Zer Etat im Reichstag.
R. Berlin, 2. März.
„Es geht mit gedampfter Trommel Klang" — so erklärte heute der bayer. Zentrumsmann Dr. Schädler — „aber nicht beim Zentrum. Denn diese Partei hat leine Ver- anlasiimg, das Forte ihres politischen Alarschlicdes herabzu- stiinmen . . / Und der behäbige Bainbergcr Domherr be<= mühte sich redlich, dlirch derbe Spötteleien über die National- liberalen und über den .Konzertmeister des neuen Alehrheits- O'chestecs", den Fürsten Bülow, von der ungetrübten Stimmung im Zentrum Zeugnis abzulegen. Trotz alledem war ein gewisser „elegischer Unterton", mie jüngst beim Abg. Gröber, in der Rede miverkennbar. 9)ian kann nicht darüber Hinwegtäuschen, daß das Zeiitrum sich als Opposilions- pnrtci, mindestens einstweilen, unbehaglich fühlt. Es saß oequcuicc in der Sonne der Regierungsgunst. Tie Rückblicke in die politische mit) parlamentarische Geschichte früherer Jahrzehnte, die immer wiederholten Versuche, die Gefahr des Kulturkampfs und der Wahlrechtsäuderung als drohend hin- zustcllen, waren nicht geeignet, die Saalflucht zu verhindern, zumal am sechsten Tage der Debatte, iuo kaum mehr als rednerische Nachlese geboten werden konnte. Tas dröhnende Pathos Dr. Schädlec's weckte förmlich ein Echo in beni halblceren Sitzungssaal. Soweit Konservative anwesend ivaren, rvandten sie ihr Interesse dem ältesten Mitgliede ihrer Fraktion und zugleich des ganzen Reichstags zu, Herrn v. Winterfel dt-Alenkin, der heute das 84. Lebensjahr vollendete. Ein prachtvoller Bliimenstrauß zierte den Platz des Jubilars. Wenn übrigens Dr. Schädler gehofft halte, Fürst Bülow werde sich die „Strafpredigt" anhören, so erlebte er eine Enttäuschung. Stunde aus Stunde verrann, der Platz des Kanzlers blieb leer. Unverdrossen aber sprach der Redner weiter. In den Wandclgängen eniitaub mittlerweile das Gerücht, das Zentrinn wolle Obstruktion treiben in dem Sinne, daß es so lange imb so gründliche Rednei vorschicken werde, bis Fürst Bülow der Partei erneut Antwort stehe, roomit nebenher die Etatsdebatte verschleppt werden könne. Da zunächst noch 9(bg. Frhr. v. Hertling, einer der „nationalen" Katholiken, auf der Rednerliste steht, ist aber wohl auzunehnien, daß der Kanzler auch desicu Rede wird abwarten wollen, die ihm Material zu einer umfassenden Entgegnung auf die Zentrumskritik bieten dürfte. Dr. Schädler konnte sich eine besondere Ironisierung des Kolonialdirektors Ternburg nicht versagen. Er sprach u. a. mit deutlicher konfessioneller Anspielung von dessen „orientalischer Phantasie". (Lärm links).
Das veranlaßte den nächsten Redner, Abg. Gothein (Fr. Ber.), an die besseren Gepflogenheiten der alten Zentrumsführer, wie Reichensperger, zu erinnern. Dein Abg. Gröber hielt Gothein vor, daß in Württemberg gerade das Zentruin gegen die Verbesserung des Wahlrechts angekampfl habe. Und ein Volksvertreter wie der Volksparteiler Haußmann sei von dec Sozialdemokratie befehdet worden. Wer so im Glashause sitze, solle doch nicht mit Sternen werfen. Die kons.-lib. Paarilng gewann aber auch ein seltsames AuS- ehcn, als Gothein die Wahlabenteuer in seinem vor- pommerschen Mandatsbczirk, wo ihn die Konservativen heftig anfeinden, zum besten gab. Wiederholte Ohorufe der Agrarier zeigten, daß unter den alten Gegnern von rechts und links Die Friedenspfeife noch lange nicht die Runde gemacht hat.
Namens der Negierung sprach wiederum Graf Posa- dowsky. Er zerstreute die Wahlrechtssorgen, die neuerdings gestützt wurden auf Stellen in den Memoiren des Fürsten Hohenlohe.
Am lebhaftesten war der Schluß der Sitzung, denn es geht in dieser interessanten und bewegten Zeit nun einmal nicht ohne hitzige persönliche Bemerkungen. Die Zentrumsmänner Gröber, Erz berg er und der „Fraktionspoet" Kohl aus Bayern kreuzten die Klingen mit den Abgg. Gothein und Wölzl (nl.), letzterer ein Mitglied des Münchener Magistrats. Erzbcrger gab bei dieser Gelegenheit seinem Groll gegen den Chef der Reichskanzlei, v. Loebell, nochmals scharfen Ausdruck.
PoMrsche Lagesscharr.
lieber das Alter unserer Reichstagsabgeordneten entnehmen wir den uns von Hermann Hillger in Berlin W. 9 freundlichst zur Verfügung gestellten Aushängebogen von Kürschners Deutscher Reichstag 1907, das am 7. Marz allgemein zur Ausgabe gelangt, folgendes: Im Reichstage ist insofern eine Verjüiigerung eingetreten, als die Zahl der 40-
bis 50 jährigen zu Ungunsten
der 50-
bis 70 jährigen nicht
unwesentlich gestiegen ist. Es
waren
alt:
1898
1903
1907
A. über 80 Jahre
2
1
2
B. 70—80
13
12
12
C. 60—70
71
75
66
D. 50—60
137
142
134
E. 40—50
126
119
137
F. 30-40
43
46
42
G. unter 30 „
2
2
3
Nunmehr gehören dem Reichstag
bereits 25
nach 1870
geborene Abgeordnete an. Nach Parteien verteilen sich die Abgeordneten auf die Altersklassen folgendermaßen: A. 1 Konservativer, 1 Zentrum; B. 3 Konservative, 1 Wirtschaftliche Vereinigung, 1 Natioualliberaler, 2 Freisinnige, 1 Freisinnige Volkspartei, 2 Zentrum, 2 Polen; C. 14 Konservative, 6 Neichspartci, 2 Wild-Konservative, 10 Nationalliberalc, 3 Freisinnige, 2 Freisinnige Vereinigung, 1 Volkspartei, 21 Zentrum, 7 Sozialdemokraten; D. 22 Konservative, 9 Reichs- Partei, 4 Wild-Konservative, 4 Wirtschaftliche Vereinigung, 2 Neformpartei, 22 Nationalliberale, 7 Freisinnige, 1 Frcis. Vereinigung, 2 Volkspartei, 2 Wild-Liberale, 37 Zentrum, 1 Elsässer Zentrum, 1 Welse, 4 Polen, 1 Unabhängiger Lothringer, 15 Sozialdemokraten; E. 15 Konservative, 7 Neichs- parlei, 3 Wild-Konservative, 8 Wirtschaftliche Vereinigung, 3 Rcfornipartei, 17 Nationalliberale, 13 Freisinnige, 5 Freis. Volkspartei, 4 Volkspartei, 2 Wild-Liberale, 1 Däne, 31 Zen
trum, ' Elsässer Zentrum, 9 Polen, 1 Unabhängiger Lothringer, 15 Sozialdemokraten; F; 3 Konservative, 4 Wirt- schriftliche Vereinigung, 1 Reformpartei, 3 Nationalliberale, 2 Freisinnige, 5 Freis. Vereinigung, 11 Zentrum, 2 Elsässer Zentrum, 4 Polen, 1 Unabhängiger Lothringer, 6 Sozial- demokraten; G. 1 Wirtschaftliche Vereinigung, 1 National- liberaler, 1 Pole. Die 10 ältesten und 10 jüngsten Abgeordneten sind: v. Winlerfeldt-Meukin (geb. 1823), Graf Hompesch, Fürst Junbausen, Traeger, v. Strombcck, Dr. Lender, Boltz, Gluer, v. Staudy, Schi oder. — Dr. Slruwc, Tr. Mayer- Kausbeuren, Becker-Arnsberg, Dr. Potthoff, Seoering, Ecz- bergcr, Dr. Pfeiffer, Tr. v. Alleczkowski, Dr. Böhme, Tr.Strcse- maiui (geb. 1878).
Zins und Land.
Sprechstunden bet Redaktion 11-1 Uh-r oorin., ■ ,-7—i/28 Uhr abds. Gießen, den 4. März 1907.
* Personalien. Sc. Kgl. Hoh. der Großherzog haben den Vorstand der Nünisteriatregislratur des Ntlmste- riums dec Finanzen, Regierungsrat Wbolf Adrie, auf sein Nachsuchen in den Ruhestand versetzt und den Steuerkom- inissär deS Steuerkommissariats Offenbach, Regierungsrat Chrlstlall Braun, zum ständigen HütsSacbeiter bei der Ableitung für Steuerwesen des Ministeriums der Finanzen und jum Vorstand der Registratur dieses Riinisterlums ernannt.
Technische Hochschule. Se. Königl. Hoh. der Groß Herzog hoben den orvenll. Professor dec Malhematik an der Technischen Hochschule, Geh. Hofrat Tr. Siegmund Gundelfinger zu Tarmstadt, auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen, mit Eifer und Treue geleisteten sehr ersprießlichen Dienste, in den Ruhesiand versetzt.
• • Eine Sitzung deS ProvinzialausschusseS findet Samstag, 9. d. Nits., vorniittags 9 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Klage des OctSarmenverbaudes Gießen gegen den Oltsarmenverband Queckborn ivegen Unterstützung des H. Schuiidt VIII. aus Queckborn. 2. Heranziehung der Gemeinden zu den Kosten des Ge- tändeerwerbs für die Otebenbahn Butzbach —Lich.
• * D i e Gerichtsvollzieher - Aspiranten- Pcüfung bestanden hat Feldwebel Bonse in Gießen und die Prüfung als Gecichtsschrelber-Aspirant Hch. Richter in Butzbach.
*'Gerichtsvollzieherwünsche. Die hessischen Gerichtsvollzieher haben an die 2. Kammer eine Eingabe gerichtet, in der sie unter ausführlicher Begründung bitten, dahin zu wirken, daß 1) den Gerichtsvollziehern ein 9!ettogebührencinkonnnen steigend von 2000 bis 4000 M. staatlich garantiert wird; 2) das pensionsfähige Dicnsteinkommen der Gerichtsvollzieher, welches zur Zeit ohne Unterschied dec Dienstjahre 2600 M. beträgt in Stufen nach Dienslaltersktassen auf 2000 M. bis 4000 M. festgesetzt wird; 3) den Gerichtsvollziehern bei Versetzungen Üiiizugskosten in gleicher Weise wie den anderen Staatsbeamten geivährt werden.
• * Teuerungszulage für Ortskrankenkassenbeamte. Der Vorstand der Bezirksgruppe Hesien- 9!assau und Großherzogtum Hessen dec Octskcaiikenkassen- bcamten hat n. d. Hess. Bearntenztg. an die Vorstände der Ortskrankenkassen eine Eingabe wegen Gewährung einer Teuerungszulage gerichtet. Tarin wird u. a. erwähnt, daß ein Angestellter bei der Ortskrankenkasse Offenbach em Haus- haltungSbuch geführt habe, wonach er tm Jahr 1906 125 Alk. 64 Pfg. mehr aufwenden mußte als im Vorjahr. Die jährlichen Ausgaben betrugen bei einer Familie von 4 Kopsen 2764 Al. 35 Pfg. im Jahr 1906, wobei besondere größere Anschaffungen von Kleidern rc. noch nicht gemacht worden sind. Eine Vergleichung im einzelnen ergibt ziemlich gleiche Ausgaben für Fleischbezug; dies wird damit begründet, daß infolge des höheren Preises das Quantum reduziert und ein Ersatz in den Milchprodukten und Alehl- präparatcn gesucht wurde.
• * Kriegsmarine-Ausstellung. Eine hochinteressante Veranstaltung, eine Kriegsmarine-Aus- ftellung wird augenblicklich vom hiesigen Marineoerein vorbereitet. Dec Ausstellungstecmin wird demnächst bekamst gegeben. Das Verständnis für unsere Flotte, von der sicherlich einst noch Deutschlands Zukunft abhängen wird, zu fördern und dadurch das Interesse des deutschen Volkes für das Seewesen zu heben, ist der Zweck der Ausstellung, die mit größter Sorgfalt und Sachkenntnis von Herrn Kapitän- (eutnant d. N. Mumm in WildeShausen zusammengestellt ist und in geschloffener Kette in fast allen größeren Städten Alittel- und Süddeutschlands veranstaltet wird. Die Ausstellung, deren Oberleitung sich in den Händen des Herrn Alumm befindet und die von Militär- und Zivitbehörden die weitgehendste Unterstützung erfährt, erweist sich als außerordentlich anziehend. Der Besuch ist überall sehr stark, dank auch dem verhältnismäßig sehr niedrigen Eintrittspreise, u. a. wurde die Ausstellung in Hildburghausen von 25 000 Personen besucht. Bei dec rasch wachsenden Volkstümlichkeit der Alarine und der Bedeutung der Ausstellung wird auch hier auf einen starken Besuch zu rechnen sein. Es sei noch bemerkt, daß der am Schluß der Wanderausstellung etwa sich ergebende Reingewinn dem deutschen Flottenverein zufließen wird.
— Wieseck, 4. März. An Bewerbern für die bevorstehende Bürgermeisterwahl ist kein Alangel. Jetzt schon werden 5—6 Namen genannt und es ist nicht ausgeschlossen, daß bis zum Wahltag noch andere Kandidaten ausgestellt werden. Der von anderer Seite genannte Gerichtsvollzieher Seibel kann schon deshalb für tue Wahl nicht in Betracht koinmen, weil er fett Jahren den hiesigen Verhältniffen fremd geworden ist. Wie man hört, ist die Einberufung einer Bürgeroersannnlung behufs Stellungnahme zu der Wahl beabsichtigt.
k Staufen berg, 4. März. Heute nacht gegen 1 Uhr brannte die Hosreite des Landwirts Heinrich Zecher IV. gänzlich nieder. Das Vieh konnte bis auf 2 Schafe gerettet werden. Anscheinend liegt Brandstiftung vor, jedoch ist der Täter noch nicht ermittelt.
= Friedberg i. H., 1. März. Die Stadtverwaltung hat der hiesigen Gewerbe-Akadenire ein neuesAlasch inen- Laboratorium erbaut, das unter der Leitung des Dozenten Jmmerschltt dem Stand heutiger Technik und Wissenschaft entsprechend eingerichtet wurde. Dieses neue Laboratorium wird im Sommer-Semester in Benutzung genommen.


