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31.12.1907 Drittes Blatt
 
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Drittes Blatt

Nr. 306

157. Jahrgang

Dienstag 31. Dezember 1907

Erlcheini tügltO mtt üufnohme bei SonntagK.

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General-Anzeiger für Gderheffen

Rotationsdruck tmb ®erlag der Br Üb 1'1 Herr Unioerftlätl - unt ©ttmbcudeceu tft bange. A'evea.

Redaktion. Ervedttton an6 t>ruderet: ÄdJixl- ftraB* 7 Expedition anfc Betlog' 61. ^«öaftton: ^-gW 112. ieL-Ölbt- 81 r^etfirr«*uSen.

AayresiüLvllL 1L

Auslaudspolitik.

So wenig erfreulich es bei uns auf innerpolitisctzcm Gebiete auSsieht, so bedeutet doch das Jahr 1907 auf dem Gebiete unsere^rauswärtigenPolitikeinenbe- tr^chilichen Fortschritt. Noch Ende vorigen Jahres jchien das weltpolitische Firmament verdüstert, aber im Laufe dieses Jahres hat sich das Gewölk vollständig ver- 70ßen, allerorts waltet eine friedliche Tendenz ob. Als Haupterfolg nach dieser Hinsicht kann die Besserung der Beziehungen zwischen Deutschland und England angesehen werden. Die gegenseitigen Besuche haben dazu beigetragen, einander objektiver zu beurteilen, und ihren offiziellen Ausdruck hat die Annäherung in dem Besuche König Eduards in Kassel und der Gegenvisite des deutschen Kaiserpaares auf englischem Boden gesunden. Auch sonst tömien wir mit unseren Beziehungen zu den anderen Mächten voll­ständig zufrieden sein; vor allem ist in unserem Ver­hältnis zu Frankreich gleichfalls eine wesentliche Besserung zu verzeichnen und die Entwicklung der Dinge in M a r o k k o hat deutlich gezeigt, wie es sehr wohl möglich ist, sich auf dem Wege gegenseitiger Offenheit zu verstän­digen. Spricht man doch auch von einer eventuellen Be­gegnung des deutschen Kaisers in Monako mit dem Präsi­denten Fallieres und es ist bemerkenswert, daß diese Nach­richt immer wieder in französischen Blättern auftaucht, wobei zweifellos der Wunsch der Vater des Gedankens sein dürste.

Im Dreibundverhältnis hat sich kaum etwas verändert, höchstens daß man in Italien allmählich wieder dessen eingedenk geworden ist, welche Vorteile aus der Tripelallianz für Italien herausschauen und daß in­folgedessen das Liebäugeln mit Frankreich aus­gehört hat, überdies Hut eine gründliche Aussprache zwischen dem Fürsten Bülow und Giolitti in Rapallo statt­gefunden. Ueberhaupt kann man das Jahr 1907 als das derMonarchen-undDiplomatenbegegnungen bezeichnen. Die Begegnungen in dieapel, Swinemünde, Ischl usw. sind zweifellos auf den Gang der politischen Er­eignisse .richt ohne beträchtlichen Einfluß geblieben, und zwar in erfreulichem Sinne, in der Richtung der Sicherung des Weltfriedens. Diese Tendenz hat nicht einmal die Haager Friedenskonferenz stören können, die ur­sprünglich von englischer Seite dazu in Aussicht genommen war, Deutschland ein Bein zu stellen; wer aber andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Der englische Ab- rüstungsantrag wurde fang» und klanglos zu Grabe ge­tragen durch Annahme einer höchst gleichgültigen Reso­lution, der auch Deutschland trotz seines bekannten Staird- punktes in der Sache beistimmen konnte.

Was die Ereignisse in den einzelnen Län­dern anlangt, ist ähnlich wie in Deutschland kaum irgend­wo ein nennenswerter Fortschritt zu verzeichnen. In Oesterreich hat das neue, Wahlgesetz dem Abge- ordnetenhause eine völlig veränderte Gestalt gegeben, ins­besondere haben die Christlich-Sozialen und die ihnen nahe­stehenden Parteien eine ganz beträchtliche Anzahl von Man­daten erobert, und das Kabinett mußte unter diesen Um­ständen schließlich eine Rekonstruktion erfahren, wobei dieser Umschwung auch Ausdruck sand. Diese Aenderung des Ministeriums ist aber erst in der letzten Zeit erfolgt, und über seine Wirkungen läßt sich heute kaum etwas sagen.

Luthkimng non Nrujahrs-KljiLw^schkll. Neujahr 19.18.

Wie in den früheren Jahren, so bitten wir auch bei dem bevorstehenden Jahreswechsel, zur Enthebung von NeujabrS Glückwümcheu durch Bcjuchc und Starten der hiesigen

Meintmder-Bewahranftalt

eme Gabe spenden und einem der Unterzeichneten übermitteln zu wollen. Durch Veröffentlichung der Namen der freundlichen Geber uns Geberinnen imÄtevener Anzeiger" noch vor Jahres- schluh wird es allgemein anerkannt, datz alle Genannten von Abstattung der Neujabrsbesuche, sowie von Zusendung von Neujahrskarten befreit sind und ihrerseits beides nicht bean­spruchen. Die Unterstützung, die hierdurch zugleich der genannten WoblilltigkeitS-Anstalt mit ihren nahezu 200 Kindern gewährt wird, ist eine sehr schätzenswerte, um die wir herzlich und dringend bitten.

G test en, 27. Dezember 1907. [v27/^

Direktor Doering, Stadirat Jann, Kirchenrat Dr. Naumann, ______Pfarrer Schwabe, Wemhändler August Schwan.______

Höhere und Erweiterte Mädchen-Schnle zu Gießen.

Die Anmeldungen der Mädchen, die von Beginn des kommenden Schuljahrs ab unsere Schule besuchen sollen, werden Donnerstag, 16. und Freitag, 17. Januar von 101 Uhr in dem Schulhause, Nordanlage 14, entgegen- genommen. Vorzulegen sind: Geburts- und Impfschein, bezw. Bescheinigung der 2. Impfung, und bei Kindern, die aus einer anderen Schule kommen, ein Abgangszeugnis. Mädchen, die erst schulpflichtig werden, sind bei der Anmeldung vorzullellen.

Gießen, den 28. Dezember 1907. [D?e/U

Großherzogliche Direktion:

Dr. S t o e r i k o.________________________

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Nur ein erfreuliches Moment ist bereits zu verzeichnen, das endliche Zustandekommen des Ausgleichs zwischen den beiden Reichshälften. In Oester­reich war man zwar anfangs stark erbittert, weil die österreichischen Forderungen doch nicht jo erfüllt worden sind, wie man dies wünschte und Ungarn immerhin nicht schlecht abschnitt; aber schließlich waren diese vermeint­lichen Nachteile für Oesterreich weit geringfügiger als die weitere Dauer des bisherigen Zustandes, unb so kam denn auch schließlich nach langem Ach und Weh eine Einigung zustande.

In Frankreich stand im ab gelaufen en Jahre aber­mals Marokko im Vordergrund des Interesses. Die Ermordung von Franzosen gab den vielleicht nicht ganz unwillkommenen Anlaß zum Bombardement und zur Besetzung von Casablanca und damit zu einem Eingreifen in Marokko selbst. Mußten die Spanier sich auch notwendigerweise dem Vorgehen anschließen, so han­delt es sich doch eigentlich nur um eine französische Aktion, die, wenn sie sich vor zwei Jahren ereignet hätte, zweifellos schwere' weltpolitische Verwickelungen nach sich gezogen hätte. Aber in Frankreich hatte man aus den damaligen Ereignissen gelernt, und darum befleißigte sich .Herr Pichon einer erfreulichen Loyalität, deren Früchte er in Gestalt des wohlwollenden Verhaltens Deutschlands ernten konnte. Auch im Innern operierte das Kabinett Clemenceau im großen und ganzen ziemlich glücklich, wenngleich einige Male seine Stellung zu schwanken schien, namentlich als Herr Driand sich in der Kammer einige Seitensprünge gestattete.

In der englischen Politik ist in diesem Jahre eine gewisse Stagnation zu verzeichnen. Aus innerpolitischem Gebiete ist man trotz aller guten Vorsätze kaum einen Schritt vorwärts gekommen und die auf das Liberale Kabinett in hohem Maße gesetzten Erwartungen sind bisher noch immer nicht in Erfüllung gegangen. Auf dem Gebiete der Auslandspolitik, wo König Eduard selbst einen dominierenden Einfluß au § übt, sind nicht un­beträchtliche Erfolge zu verzeichnen gewesen, wozu auch der nach monatelangen Verhandlungen zustande gekommene Garantievertrag mit Rußland gehört, aber das Hauptziel der ganzen englischen Taktik, die Einkreisung Deutschlands, ist durch die inzwischen erfolgte An­näherung in Wegfall gekommen, wozu vielleicht der Um­stand auch beigetragen haben mag, daß allem Anscheine nach die Trauben doch zu hoch gehangen haben.

Ein höchst trauriges Kapitel, wie im Vorjahre, boten auch diesmal die Zustände in Rußland. Die Reichs- duma wurde aufgelöst, weil ihre Zusammensetzung nicht nach dem Herzen der Machthaber war, und mit Hilfe einer Aenderung des Wahlreglements sowie sonstiger kräf­tiger Wahlbeeinflussungen kam ein neuesParla- m e ii t" zustande, das vor der Regierung in Ergebenheit erstirbt. Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, wenn politische Morde und Betäubungen noch immer an der Tagesordnung sind, ohne daß ein Ende abzusehen märe. Die wirtschastlicheLage ist gleichfalls trostlos, und wenn man auf der bisherigen Bahn weiter sortschreitet, geht man zweifellos einem unrühmlichen Ende entgegen.

Was die übrigen europäischen Staaten anlangt, so erlebte man in Dänemark den Thronwechsel, auf den greifen König Christian folgte Frederik VII., unter dem die schon in den letzten Jahren der Regierung seines Vaters angebahnte Besserung der Beziehungen zu Deutschland einen weiteren Fortschritt nehmen

dürfte. Vor einem Thronwechsel, allerdings einem gewaltsamen, stand man beinahe in Portugal, wo die Gewaltherrschaft des Ministerpräsidenten Franco fast zu einer Revolution geführt hätte. Im letzten Moment scheint sich aber der Minister eines Besseren besonnen zu haben. Neuwahlen zum Parlament sind angeordnet wor-, den, wenn auch der Termin erst auf Anfang April fest­gesetzt worden ist, anscheinend um die Gemüter in der Zwischenzeit zu beruhigen. Ein ähnlicher Vorgang spielte sich ziemlich gleichzeitig auch in Persien ab, wo der mißglückte Staatsstreich des Schahs fast zu seinem Sturze geführt hätte, wenn er nicht schließlich gleich­falls noch im letzten Augenblick eingelenkt hätte.

Eine gewisse Stagnation war im abgelaufenen Jahre auch in Amerikazu verzeichnen. Dem vorwärtsdrängen­den Imperialismus wurde durch die schwere Wirt­schaf 11 i ch e K r i s i s, die die Vereinigten Staaten durch­machen mußten und die auch auf Europa einen ungemein nachteiligen Einfluß auSübte, Einhalt getan. Auch das gespannte Verhältnis zu Japan, das fast zu einem Kriege geführt hätte, mag das Bedenken hervor- gerufen haben, nicht gar zu weit zu gehen. Allerdings bleibt die Gefahr eines Zusammenstoßes mit Japan trotz Nachlassens der Spannung bestehen und die Ent- .jendung des Geschwaders nach dem Stillen Ozean soll wenn sie auch keine Demonstration im eigenllichen Sinne darstellt zweifellos den Japs einen deutlichen Wink geben, daß man ihnen nicht ungestört eine Vorherrschaft im Stillen Ozean gewähren würde.

Man lese den Sietzener Anzeiger

größte und reichhaltigste Tageszeitung Gberheßens.

Auflage über 13000 Expl.

HHe Briefträger, unsere Zweigstellen und die Geschäft stelle des Gießener Anzeigers nehmen Bestellungen aus den Gießener Anzeiger entgegen. Heu hinzutretende Leser er­hallen den Gießener Anzeiger bis zum (ßuartalsanfang auf Wunsch gratis zugejtellt. i * -7». »iw*'. -

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Mittwoch den 1. Januar, nachmittags halb 4 Uhr:Schön- Edelrot". Abends 7 Uhr:Lohengrm." Donnerstag Den 2. Jan., nachmittags halb 4 Uhr:Schön » Edelror." Abends 7 Ubu; Amelia" oderTer Maskenball." öreuag den 3. Jannar^i: ", Uni) ine/ Samstag den 4. Januar, nachmittags halb 4 Ubr: Schön-Edelrol." Abends halb 8 Uhr: ..Salome." Sonntag den b. Januar, nachmittags halb 4 Uhr:Schön-Edelrol/ Abends 7 Uhr:Jofes und feine Brüder." Montag den 6. Januar, abends halb 8 Uhr.Die luftige Witwe/

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Mittwoch den 1. Januar, nachmittags halb 4 Uhr:Tie Rabenslemerm." Abends 7 Uhr:Anna Karenina." Donnerstag den 2. Januar*):Wilhelm Dell." Freitag den 3. Januar*): Esther." Hieraus:Ter Attsanthroo." Samstag den 4. Januar*): Tialektabend:T'Erb,chast." Hierauf:Ter rote Schornflem- feget." Zum Schluß:Bersvekulterl." Sonntag den ö. Januar, nachmittags halb 4 Uhr:Ein Fallissement." Abends 7 Uhr: T'Erbfchait." Hieraus:Ter rote Schorniiemieger." Zum Schluß: Verspekuliert."

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