Donnerstag 5. September 1807
3.57. Jahrgang
-rr. 208
Zweites Blatt
Lrschetnl tügllch mit Ausnahme des SonnülgS.
Ordnung aufrecht.
*
vorgenommenen
Die ganze Ausmerkjamkett des Landes in Anspruch nehme.
Die Ermordung des persischen Eroßvezieres
In
(
-eichens erteilt.
hört, ist wenig im kommenden
infolge des knappen und teuren Geldstandes gelassen hat. Wie man von orientierter Seite Aussicht vorhanden, daß sich diese Verhältnisse
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
4p0lUijd)c Lagesicharr«
Arbciterrevolten in Antwerpen.
Am gestrigen Mittwoch haben die streikenden Arbeiter (m Antwerpener .Hafen wiederum Angriffe auf die fremden Arbeiter gemacht. Es wurden abermals Rollfuhrwerke ilmgestürzt und die darauf befindlichen Waren vernichtet und umhergestreut. Auch Feuer wurde von den ausständigen Dockarbeitern mehrfach angelegt. Am Dienstag abend Mßte infolgedessen nicht weniger als 15 mal Feuer ge- Meldet werden. Am Mittwoch brannten 18 Schuppen und ein ganzer Gebäudekomplex stand in Flammen. Am Holz- Hafen greift das Feuer nach einer Meldung vom heutigen Donnerstag immer weiter um sich. Bürgerwehr, Gendarmerie und Infanterie halten einstweilen notdürftig die
Die „Gießener Zamittenbläller" werden dem Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, daS '.Kretsblott für den Kreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: öl.
Redaktiome-^112. Tel.-AdraAnzeigerGießen.
17 Stimmen- i „ , , '
O Laubach, 7. Sept. Am 1. und 2. ds. Mts. fand das Haupt schießen des hiesigen S ch ü tz e n v e r e i n s statt, das sich einer besonders lebhaften Beteiligung auch von auswärts, wie z- B. Gießen, Büdingen, Butzbach, Alsfeld und Grünberg zu erfreuen hatte, von welchen Städten mehr als 20 schützen erschienen waren- Auf die Ehrenscheiben holten sich an beiden Tagen, die ersten Preise Dachdecker Ledermann und Uhrmacher- Enders (Laubach), am Auflegestand Wirt Högy (Laubach), am Freihandstand Rechtsanwalt Kaufmann Meßen) und am Zcntrum- stand Metzgermeistec Tuchardt (Alsfeld). , Wie lebhaft geschossen wurde, geht daraus hervor, daß an beiden Tagen 4600 Schuß abgegeben wurden- Ein Schützenmahl vereinte die Teilnehmer am zweiten Tage im Gasthause „Zum Schützenhof"; die Borträge des hiesigen Musikvereins trugen zur Belebung des Ganzen bei- Nach einem fröhlichen Beisammensein wurden die auswärtigen Gäste durch den Musikverein am Abend zum letzten Zuge begleitet, mit dem sie zur Heimat abdampften.
R- B. Darmstadt, 4. Sept. Zu einer wüsten Rau- ferei kam es in der verflossenen Nacht im benachbarten Ar- heil gen- Drei,Bekannte hatten dort im Wirtshaus zusammengesessen und gerieten auf dem Heimweg in Differenzen- Der Hausierer Georg Reitz VI- wurde zuerst gegen den Taglöhner AntheS handgreiflich und als sich daun der dritte, namens- König, ins Mittel legte, erhielt er von Reitz einen tiefen Stich in die rechte Seite, wodurch er schwer verletzt wurde- Er mußte sofort ins Krankenhaus geschafft werden.
,'() Laasphe, 4. Sept. Ter italienische Arbeiter Pep- teguä, der in Biedenwald den Mordanfall auf den Arbeiter Schmidt aus Niederschelden verübte, ist in Weidenau ver- Haftetworden. J
Nus Stadt und Land.
Gießen, 5. September 1907.
** Ordensangelegenheiten. Se. Künigl. Hoh. der Droßherzog haben dem Polizeiamtmann Herberg zu Gießen die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem König von Preußen verliehenen Noten Adler- Ordens 4. Klasse und dem Oberwachtmeister und Sektions- sührer Schwarz im Großh. Gendarmeriekorps die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihn: von dem König von Preußen verliehenen Kreuzes des Allgemeinen Ehren-
Gießener Herbst-Pferdemarkt.
th. Gießen, 4. Sept. 1907.
(Schluß.)
Die weitere Prämiierung der auf den Markt gebrachten Pferde nahm folgenden Verlaus:
6) Arbeitsschläge (einze I n):
Die Pserde müssen nundestens 6 Monate im Besitz von Landwirten sein, die dem Landespserdezuchtverein oder einem Landwirtschaftlichen Bezirksverein angehören.
Ludw. Halm, Nrcder-Weifel, 1., Joh. Aug. Heinz, Nieder. Weisel, 2., Konr. Schimpf I., Nieder-Weisel, 8. Preis; Karl Hofmann, Wetterfeld, KomMd Krausgrill VIII., Nieder-Weisel, Jakob Klippel, Nieder-Weisel, Karl Theiß, Stockhausen, Konrad Alles I., Eberstadt, und Heinrich Weber HL, Utphe, je eine Anerkennung.
7) Arbeitspferde (paarweise): Bedingung wie unter 6.
H. W. Straßheim, Griedel, 1., K. Bolp, Nieder-Weisel, 2, Ph. Müller, Ober-Hörgern, 3. Preis.
8) Dreijährige Fohlen (geb. 1904):
Ph. Müller, Ober-Hörgern, 3. Preis.
9) Zweijährige Fohlen (geb. 1905), Wagen schlage:
Anton Nern VlL, Lang-Göns, 1., Karl Becker III., Müschen- heim, 2., Hrch. Brück, Grünberg, 3., Konrad Weitz IV., Dorf Güll, 4. Preis. ___________________________ ..
steigen im Gehalt, Ruyegehalte für b.e Organisten und bereit Witwen und Waisen, Stellung eirns Vertreters bei Erkrankungen usw. Daß die Organisten im Falle einer Erkrankung keinen Anspruch aus Stellvertretung haben, wird besonders als schwerer Mißstand empfunden. Wie die Kirchenregierung einer Abordnung des Verbandes versichert hat, steht sie der gesetzlichen Regelung der Forderungen, die der Verein vertritt, sehr wohlwollend gegenüber.
** Arbeitsgelegenheit. Während in früheren Jahren in Gießen Arbeiter bis in den Winter hinein schwer zu haben waren, ist in diesem Jahre ein übergroßes Angebot von Arbeitskräften zu verzeichnen, das bei weitem den Bedarf übersteigt. Es hat dies seinen Grund darin, daß die großen Staats- und Gemeindebauten (Kliniken, Schule, Friedhofs- kapclle, Theater) sertiggestellt und neue größere Bauten augenblicklich nicht in Aussicht stehen. Hierdurch sind in größerem Maße Arbeitskräfte frei geworden, die sich anderen Berufen
Jahre anders gestalten werden.
----Trohe, 4. Sept. Bei der heute hier
Gemeind erat swahl, bei der fast sämtliche Wahlfähige ihre Stimmen abgegeben haben, unterlagen die sozialdemokratischen Kandidaten, trotzdem sie vor dem Wahllokal einen jungen Burschen ausgestellt hatten, der jedem Wähler einen Zettel verabreichte. Es wurden gewählt: Maurer Kaspar Balser mit 26, Zimmermann Eberh Döll mit 20, Landwirt H. Stein mit 20, Maurer Karl Hof mit 18 und Bahnarbeiter Heinrich Loth mit
zuwenden muffen, weil die private Bautätigkeit in der Stadt ~ ‘ ebenfalls nach-
** Landesunivers ität- S. K. H. der Großherzog haben den ordentlichen Professor an der Universität Königsberg Tr- Felix R a ch f a h l zum «ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der LandeSuniversilät, und zwar für das Fach der Geschichte, ernannt- >
** Joüannitterritter. Der Kaiser und König von Preußen hat nach Prüfung durch das Kapitel und auf Vorschlag des Herrenmeisters Prinzen Eitel Friedrich von Preußen 63 Ehrenritter des Johannitcrordens zu ernennen geruht. Außer dem Erbprinzen Ernit zu Hohenlohe-Langenburg, Major a la suite der Armee, zu Langenburg, dem vormaligen Uicgentcit des Herzogtums Sachscn-Kvburg und Gotha, • seien n. d. Tarmst. Ztg. als zur Hessischen Division gehörig namentlich aufgeführt: Walter v- G v e s s e l, Hauptmann und Kvmpagnic-Chef im In- fant.-Rcg. Prinz Karl Nr. 118 in Worms, und Wilhelm von H arnier, Rittmeister und Adjutant der 25. Kavallerie-Brigade in Darmstadt-
** Erledigte Lchrcrftellen- Erledigt find: Die Mit einem evang- Lehrer zu besetzende zweite Schulftelle an der Gemeindeschule zu Sandbach eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gcureindeschule zu Pfaffen-Beerfnrth, die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehr erste! le. an der Gemeindeschu'e zu Rohrbach (Kr> Erbach). Dem Inhaber der Stelle kann eine besondere Ortszulage bewilligt werden. Das Präsentationsrecht steht dem Grafen zu Erbach-Erbach zu. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstclle an der Ge- meindefchule zu Bieben. Mit bet Stelle ist Organisten- und Vorleserdienst verbunden- Ihrem Inhaber kann eine Ortszulage - gewährt weiden-
** 9tetchstags- und Landtags« bg. Kö hler- LangSdorf ersucht uns um Veröffentlichung, daß feine Wohnung zu Langsdorf bei den: Fernsprechamt Lich unter Nr. 32 angeschlossen sei. Diese Veröffcutlichnng erfolgt im Interesse des Publikums, das sich tagtäglich an Abg. Köhler-Langsdorf persönlich nach Langsdorf wendet, und lüeil feine telephonische Verständigung vorher erfolgt war, den Abgeordneten ost nicht daheim antrifft. Also vorher telephonische Anfrage ergehen lasfen über Lich Nr. 32.
** Zur Beigeo rd u eten-W ahl- Wie man aus Stadtverordnetenkreisen hört, haben sich für den frei gewordenen Posten eines besoldeten Beigeordneten unserer Stadt 6 2 Bewerber gemeldet, darunter außer Gerichisassessoren eine größere Anzahl Rechtsanwälte, aber auch Juristen, die schon int Kommunal- und Verwaltungsdienst tätig gewesen find-
es regt sich daher das Bestreben, weitere Kreise für die Erhaltung und den Schutz der heimischen Naturmerk- würdigkeiten in ähnlicher Weife zu interessieren, wie dies bereits mit viel Erfolg für die Erhaltung der Künstdenk- mäler und Altertümer geschehen ist. Um besonders auch den Lehrern Gelegenheiit zu geben, unter sachkundiger Führung die charakteristischen Eigentümlichkeiten des ursprünglichen Pflanzen- und verlebens in den verschiedenen Gebieten genauer kennen zu lernen, sollen an stets wecyfeln- den Orten jedes Fahr mehrere Versammlungen mit naturwissenschaftlichen Ausflügen anberaumt werden. Im Anschluß an die Versammlung in Barmen wird am 8. Sept, eine Wanderung durch das Wuppertal und am 9. Scpt. durch die Vennhausener Sümpfe und über die Hildener Heide stattfinden. Auf den von den Professoren der Botanik und Zoologie der .Hochschulen Gießen, Marburg, Münster, Bonn und Aachen unterzeichneten Aufruf sind bereits zahlreiche Anmeldungen zum Beitritt in die neuen Vereine eingelaufen. An der Versammlung in Barmen kann jeder Naturfreund als Mitglied oder Gast teilnehmen, doch ist zeitige Anmeldung an den Vorsitzenden des Ortsausschußes, Kreisschulinfpettor 5-ah ne in Barmen- Wichlinghauscn, erforderlich.
Paris, 3. Sept. Ein junges Mädchen hat im Louvre das Bild des berühmten Malers Ingres „Messe in der Sixtinischen Kapelle" mit einer Scherezerschlitzt. Dem Papst sowie drei Kardinalen sind die Augen aus gestochen. Nach dem Beweggründe der Tat befragt, erklärte das Mädchen, es wollte fich verhaften lassen. Unterstaatssekretär Tujardin-Beaumetz ergriff Maßregeln, um derartigen Vorkommnissen ein Ende zu machen.
Aleines Feuilleton.
— Eine Schiller-Feier. Die Stadt Mainz rüstet sich für Ende September zu einer Feier aus Anlaß der 125jährigen Wiederkehr der Tage, da Friedrich Schiller auf der Flucht aus der Heimat unter dem Namen eines Tr. Ritter in Mainz weilte. Es waren jene schweren Tage, an denen sich die treue Freundschaft Andreas Streichers für den Dichter erprobte. Die literarischen Kreise von Mainz wollen der geplanten Feier einen stimmungsvollen Rahmen geben. Im Stadttheater wird ein einaktiges Festspiel: „Aus Schillers Flucht", das der Mainzer Historiker Alfred Börkel verfaßt hat, zur Aufführung gelangen.
— Volksdichter. Im reizend gelegenen Städtchen Biedenkopf im Hinterkande gibt eS einen wackeren Mann, der Briefträger und Poet dazu ist, wie einst Hans Sachs „Schuhmacher und Poet dazu" war. Bei patriotischen Anlässen besteigt er den Pegasus und reitet ins Genieland, aus dem er rückkehrt mit einem hübschen Carmen, dem es an Schwung und guten Gedanken nicht fehlt. Am besten gelang ihm ein Poem auf Schiller zu des großen Dichters 100. Todestage. —• In London aber lebt ein Mann, der wohl die merkwürdigste Persönlichkeit unter allen lebenden Poeten ist, Daniel Scanlan Fitzgerald, ein Ire. Seine Muse ist außerordentlich fruchtbar; er hat in den letzten 20 Jahren zahlreiche Dichtungen geschrieben, zusammen mehr denn 50 000 Verse, die freilich sämtlich unveröffentlicht sind. Seine Verse sind alle in stillen Nachtstunden gedichtet, wenn er als N a ch t w ä ch t e r bei den Bauten einer Londoner Untergrundbahn seinen Dienst hat. Auch jetzt noch würde der unverdrossene Dichter weiter in der Vergessenheit dahingelebt haben, wenn er nicht etwas von Andrew Carnegie gehört hätte, der ihm als Wohltäter der Menschheit auch sur ihn der ersehnte Heiser zu sein schien. Er wandte sich
ist, wie man jetzt weiß, aus politische Gründe zurückzusühren. In der Tasche des Mörders des Großvezieres ivurde em Zettel gefunden, auf dem die Worte verzeichnet sind: A b b a s A g h a a ns A z e r B a i j a n, Mitglied No. 14. der nationalen B e r- einigung der Fidas." Die Angabe des Wohnsitzes fehlt, yiba bedeutet einen Menschen, der bereit ist, sich selbst zu opfern. Ter Bruder des Mörders und verfchiedene andere Personen wurden nach einem vorhergegangenen Verhöre verhaftet. Die Stadt Tebris illuminierte am Sonntag nacht nach dem Eingang der Nachricht von dem Morde. Ter Schah berief die Mitglieder des Parlaments zu sich, es erschienen indessen nur zwanzig. Der Wortführer Mustafchar Dauleh sprach fein Bedauern über die Schwäche der ausführenden Gewalt aus, sowie die Bitte um Hinzuziehung zu den Arbeitendes Kabinettes. Der Schah versprach, die nötigen Anweisungen zu geben. Der Präsident des Parlamentes, Sanieh ed Dauleh, Hal auf den Vorsitz verzichtet. Muschir Dauleh, detii das Portefeuille deZ Innern angeboten wurde, zögert noch, eS
mit seinen dickleibigen Manuskripten an ein Londoner Blatt, um etwas Genaueres über Carnegie zu erfahren, und dieses griff diesen ungewöhnlichen Fall mit Freuden auf. So sieht er sich wenigstens zunächst einmal gedruckt.
— Im Apollo-Theater zu Köln wirb jeit Samstag die neueste Operette von Franz Lehar: „Mytislaw der Mooerne" aufgeführt. Sie ist einaktig; der stellenweise satirische Text, von Fritz GLünbaurn und Rob. Bodanzky verfaßt, hat einen Fürsten zum Gegenstand, der die „moderne" Idee hat, statt der ihm bestimmten Prinzessin nur die Frau eines andern zu heiraten. Die Prinzessin ihrerseits, mit ähnlichen „modernen" Ideen behaftet, ist zu Hause durchgebrannt und kommt an unfern Hof. Beide Modernen verlieben sich höchst unmodern ineinander und da sich die Prinzessin als die Frau des Kanzlers ausgibt, steht der Vereinigung kein Hindernis im Wege. Tas Werk enthält mehrere^wirksame, gut instrumentierte Melodien und hat einige Schlager, so das wenigstens musikalisch ansprechende Schlüssellochlied und den flotten, wenn auch nicht originellen Marsch „Sei modern". Ohne ein mit den Beinen arbeitendes Mädchenkorps scheint Lehar nicht mehr auskommen zu können. Auch hier führt er ein solches Pariser Ensemble vor, das den von der Prinzessin ausgestellten Grundsatz befolgt: Je weniger wir anyaben, desto mehr können wir den Männern anhaben.
— Zur Förderung der naturwissenschaftlichen Heimatkunde sollen am 7., September in Barmen ein botanischer und ein zoologischer Verein gegründet werden. Tas in neuerer Zeit immer häufiger beobachtete Seltenerwerden und Verschwinden mancher interessanter Pflanzen- und Tierarten wird von jedem Naturfreund lebhaft beklagt und
Teutschlaud und Frankreich.
Im ^Messidor" versucht, ivic beut Berl. Tagbl. aus Paris geschrieben wirb, em Anonymus, der als einer der besten Theoretiker der sranzösischnt Finanz bezeichnet wird, bie Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich auf das G e l d b e d ü r f n is Deut schlau ds zurückzuiühreli. Für die offizielleii Liebenswürdigkeiten Teutschlands gcgcmibec Frankreich werbe über knrz ober lang bet Preis gefordert werben. Im Prinzip hat der Fmanzmann gar nichts gegen eine Anlage sratizoslscheii Kapitals i»t Deutschland ein- zuwenbcn; erhält es sogar für möglich, daß detitfche Staatspapiere an der Pariser Börse zugelassen werben, und meint, dazu sei nichts weiter nötig, als baß die Kulisse einen Markt in diesen Werten eröffne. Wenn dieie Geschälte eine geivisse Bedeiilung erlangt hätten, würbe der offizielle Teil der Börse sich ihnen auch nicht vcrschließeii können. — Ter „Messidor" halt diese Kombniationen für wahrscheinlicher als die einiger anderen Politiker, die in Demschlaiids Courloisie ein machiavellistisches Beniüheil sehen, Frankreich in Marokko in einem langwierigen Krieg hineinzutrelben, der gleichzeitig die Armee und die Finanzen Frankreichs und überhaupt
** Militärisches. Vorn 13. bis 26. d. Mts. übt wieder ein im Bereich des 18. Armeekorps ausgestelltes Reserve-In fanteri e - R e g i m e n t in der ungefähren Stärke von 3000 Mann, also in voller Kriegsstärke, aus dem Truppen-Uebungsplatz Darmstadt. Die dazu kommandierten aktiven Offiziere nehmen deshalb nur teilweise an den großen Herbslübungen^ teil. Tas Regiment wird der 49. Infanterie-Brigade, in höherer Instanz der 25. Division unterstellt und von den beiden Divisionen des Armeekorps zu gleichen Teilen sowohl mit aktiven Offizieren und Unteroffizieren, als auch mit ein gezogenen Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften deS Beurlaubtenstandes ausgestattet. Der Führer des Regiments, Oberstleutnant Freher, steht beim Stabe des Regiments Großherzogm Nr. 117; als Bataillonsführer werden simgieren: Major v. Bietinghosf, aggr. dem Jnf.-Regt. Nr. 81, und die Kommandeure des II./87 und III./116 Majore Pohl und von Wunsch; 8 Kompagnien werben von aktiven, 4 von Hauptleuten des Beurlaubtenstanbes geführt. Jede Kompagnie erhält außerdem 5 Oberleutnants oder Leutnants und zwar so, daß bei jeder derselben einschließlich des Führers zwei attive Offiziere stehen. An Sanitätsoffizieren werden dem Regiment zugeteitt: Ober-Stabsarzt Tr. Zemke vom Jnf.- Regt. Nr. 88, die Stabsärzte Tr. Weber und Tr. Klein vom Jnf.-Regt. Nr. 117 und ^ußart.-Regt. Nr. 3 und 3 Assistenzärzte; ferner die Zahlmeister: Gallei und Becker vom Jnf.-Regt. 9tr. 81 und Nr. 116 und Oberzahlmeister Luether vom Jnf.-Regt. Nr. 87. Die wichtigeren Unteroffizierstellen, wie die der Feldwebel, Kammerunteroffiziere, Bataillonstambours usw., werden dem aktiven Dienststande entnommen. Das 1. Bataillon trägt kompagnieweise die Uniform des Füfilier-Regiments Nr. 80 und der Jnf.-Regimenter Nr. 81, 87 und 80, das 2. und 3. Bataillon zu je 2 Kompagnien die der 4 älteren Hefsischen Infanterie-Regimenter (ä, 3 Bataillone). Nach Rückkeyr aus dem Manöver steht die Musikkapelle des Leibgarde-Regiments Nr. 115 dem Reserve-Regiment zur Verfügung.
** Die Organisten Hessens haben sich kürzlich zu einem Landesverein zusammengeschlossen. Der Verband erstrebt die feste Anstellung, ein stufenweises Auf-
anzimehmen.
Freisinnige Abgeordnete beim Reichskanzler.
B e r l i n, 5. Sept. Die B e s p r e ch u n g d e s Reichskanzlers mit dem Abgeordneten Kämpf bezog sich, wie eine hiesige Korrespondenz wissen will, auf die Börsenreform. Mit dem Abgeordneten Schmidt besprach der Reichskanzler angeblich die W a h l r e ch t s f r a g e. Ob dem Empfang der beiden genannten Mitglieder der freisinnigen Wolkspartei in Norderney noch ein solcher des Abgeordneten Müller-Sagan oder Müller-Meiningen folgen wird, bleibt abzuwarten. Wahrscheinlich aber werde auch ein Mitglied der freisinnigen iVereinigung demnächst nach Norderney gehen.


