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4.3.1907 Erstes Blatt
 
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Deutsches Reich

Berlin, 3. März. Heute abend waren beim Kaiser zum Lee geladen Professor Bürgest und Gemahlin, Kultusminister Dr. v. S r u d t und Professor Dr. Harnack.

Der Kaiser empfing gestern vormittag den Nordpol- f a h r e r A m u n d s e n und verlieh ihm den Kroneirorden erster Klasse. Er wohnte am Nachmittag einem Bortrage Amuildsens int Architektenhause bei, wobei alucb Kultusminister Dr. Studt zugegen war. Nach dem Bortrage teilte Professor Hellmann mit, daß die geographische Gesellschaft Amundsen die goldene Nachtigall -Medaille verliehen habe.

Am Abend fand beim K a i s e r p a ar e das Botjchaf- t e r - D i n e r statt, an welchem die vier beglaubigten Botschafter, der Reichskanzler Fürst Bülow und Staatssekretär v. Tschirschky mit Gemahlinnen sowie pudere Würdenträger teilnahmen.

1 Gin Ka iserwort, das die jetzige Stellung des Kaisers

zu den beiden Architekten Messel und Stadtbaurat Hoff­en a n n im Gegensatz zu früher beleuchtet, kursiert in Kreisen, die es wissen müssen. Man erinnert sich, das; der Kaiser früher den Bauten Messels keine allzu grasten Sympathien entgegenbrachte und dast er an dem Hoffmannschen Plane des MärchenbrunnenL. mancherlei auszusetzen hatte. Als nun jüngst die Rede auf diele Vorkommnisse kam, wehrte der Kaiser lächelnd ab und sagte: T e m p i p a s s a t i!"

Die Gerüchte von einem nahe bevorstehenden Rücktritt des Kultusministers Dr. Studt entbehren, wie diePost" authentisch Mitteilen kann, jeder tatsächlichen Unterlage. Nach der Ansicht unterrichteter Kreise ist die Stellung des Kultusministers zurzeit fester als je. Sollte, so sagt das genannte freikons. Blatt weiter, Herr v. Studt, was in Anbetracht seines AlterS nicht un­wahrscheinlich ist, nach einiger Zeit seinen Posten verlassen, so ge­schieht dies jedenfalls nicht wegen Konflikts im Staatsministerium. Ws sein Nachfolger soll dann, wie man in Kreisen, die dem Kultusministerium nahe stehen, annimmt, in erster Linie der jetzige Handclsministcr Dr. Delbrück in Betracht kommen.

Wie dieTägl. R." hört, zeigt sich die preust. Regierung Handelsminister Delbrück als Nachfolger des Kultusministers v. Studt nicht in Betracht. Ins Auge gefaßt ist weder er iroch Universitätsprofessor Harnack, sondern ein,höherer Ver­waltungsbeamter, der in den Streitfragen, die auf dem Gebiete des Kultusministeriums liegen, ein unbeschriebenes Blakt i|t. Der Handelsminister ist vielleicht auch zu einem anderen Amte bestimmt, aber nicht für ein anderes Ministerium, smrdern für ein S t a a t s s e k r e t a r i a t des Reiches, wenn dieses einmal frei werden sollte. .

Wie dieTögl. R." hört, zeigt sich die preutz. Regierung jetzt geneigt, den Wünschen des Abgeordnetenhauses nach einer allgemeinen Erhöhung der Beamtengelder ent- gegenzukommen. Die Ausarbeitung einer entsprechenden Vorlage joli demnächst in Angriff genommen werden. Da die Arbeiten hierfür aber längere Zeit erfordern, wird der Gesetzentwurf dem Abgeordnetenhause in dieser Session nicht mehr zugehen können; man rechnet aber mit Bestimmtheit darauf, daß er dem Landtage bei seiner nächsten Session vorliegen wird.

Betreffs der Kinder - und Frauenarbeit in der T a b a k i n d u st r i e hat der Bundesrat beschlossen, daß die §§ 135 bis 139 b der Gewerbeordnung (Verbot bezw. Beschränkung der Beschäftigung von Kindertt, jugendlichen und weiblichen Arbeitern) auf Werkstätten Anwendung finden, in denen zur Herstellung von Zigarren, Zigaretten, Rauch -, Kau-, oder Schnupftabak erforder­liche Verrichtungen vorgenommen oder fertige Tabakwaren sor­tiert werden. Dies gilt für Werkstätten mit Motorbctrieb, auch wenn in ihnen in der Regel weniger als zehn Arbeiter beschäftigt werden. Ausgenommen bieiben solche Werkstätten, in denen aus­schließlich zur Familie des Arbeitgebers gehörige Personen be­schäftigt werden.

Gegen die für den Handelsvertrag mit den Ber­einigten Staaten angeblich in Aussicht genommenen Kon­zessionen auf dem Gebiete der F l c i s ch e i n f u h r richtet, wie die ,»Allg. Fleisck>erztg." mitteilt, der Deutsche Fleischerverband eine .Eingabe an das Reichsamt des Innern.

Gestern lief die Frist zur Einreichung von Wrfflprotesten ab. Gegen 7 7 Wahlen wurde Einspruch erhoben.

Barmen, 3. März. Hier haben der Wahlverein der Fort­schrittspartei, der nationalliberale Berein und der Verein der nationalliberalen Jugend gestern die Gründung einer allge­meinen liberalen Volksvereinigung beschlossen.

Köln, 4. März. Die rheinische Zentrumspresse behauptet nach Mitteilungen .aus absolut zuverlässiger Quelle, daß die Reichsregierung die Gründung einer Wochen­schrift betreibe, die die national-katholische Be­wegung durch Freimachung der katholischen Wähler vom Zen­trum fortführen soll. Hervorragende Katholiken, darunter mehrere Prälaten, sollen an der Spitze des Unternehmens stehen.

Ausland.

London, 3. März. König Eduard, welcher morgen die Reise nach Biarritz antritt, wird dort vier Wochen Aufenthalt nehmen. Am 5. oder 6. April trifft der König in Marseille mit der Königin Alexandra zusammen, worauf das Königspaar gememschaitttcu sich zu einer Kreuzfahrt -aus dem Mitteimeer einschistt. Obgleich das Programm für die dreiwöchentliche Kreuz­fahrt noch geheim gehalten wird, vertäutet doch, das Königspaar werde Neapel besuchen. Nach Beendigung der Kreuzfahrt, welche in Venedig oder Genua abgebrochen wird, reist das Königs­paar nach England zurück.

Paris, 3. März. Der Deputierte und frühere Bauten- minister B a u d i n, wurde gestern abend, als er sich in Begleitung einer Dame befand, von einem Herrn auf offener Straße geohr- feigt. Zniolgedeiseu wird zwischen Vaudm und seinem VLngreuer ein T u e l l staltsindcn

Die neue Nebenbahn Lich°-Grünberg.

In der von uns bereits mitgeteilten Regierungsvorlage über die Herstellung mehrerer Nebenbahnen loirö über die Nebenbahn von Lich nach Grünberg folgendes ausgeführt:

Tas Projekt einer Nebenbahn von Lich nach Grünberg hat bereits vor 12 Jahren den Landtag beschäftigt, wurde aber damals nicht weiter verfolgt. dLachdem jedoch die Linie Butz­bachLich gebaut ist und betrieben wird, regte sich der Wunscy nach einer Fortsetzung dieser Bahn bis Grünvecg wieder lebha,t. Nach längeren Verhandlungen hat sich die Butzdach-Licher Eisen- bahn-Akticngeselischast zur Stellung eines Konzessionsgesuches für die genannte Linie entschlossen.

Die Bahn soll vom N e b e n b a h n h o s Lich ausgehend und dem Wettertal über Nieder-Bessingen, Ober-B essin- gen folgend bei Münster in das Tat des Eschersbaches ein­biegen und über Ettingshausen, Harbach, Queck- born nach Grünberg fuhren, um daselbst mit den Gleisen der Staatsbahn verbunden zu werden. Die gesamte Länge der Bahn beträgt 18,7 Kilometer.

Das beabsichtigte Bahliunternehmen wird dem Gesetz vom 29. Mai 1384, die Nebeuoahnen betr., unterstehen. Die Bahn, die eingleisig ausgebaut werden und iwrniiaie Spurweite er­halten soll, wird dem P e r s o n e n - u n d dem Güterverkehr dienen und mittelst Dampskrast betrieben werden.

In dem zu erschließenden Gebiet liegen außer zahlreichen landivirtschastl. Betriebe viele Basaltsteiniverkc, Toii- und Sand­gruben, sowie Braunkohlen- und 'E i s e n st e i n l a g e r, welch' letztere bisher mangels einer guten Verbindung mit den Staatsbahnen entweder gar nicht in Angriff genommen wurden oder deren Betrieb wegen Unrentabilität wieder eingestellt werden mußte. Die bei Grünverg, Ettingshausen und Munster liegenden großen fiskalischen Waldungen werden nach Erbauung der Bahn ihre Hölzer leichter und befser durch billige Verfrachtung verwerten können, auch ist dir Piöglichleit eines leichteren Austausches von Vieh und landwirtschaituchen Produkten gegeben.

Män erwartet, büß die neue Bahnverbindung nicht nur den inreressierten Gemeinden wrientliche Vorteile bringen, sondern auch die B e t r i e b s e r g e b n i s s e der 'Nebenbahn Butzbach Lich, die bisher ungünstig waren, Derbificrn wird

Die Gemeinden haben ihr Interesse ,.u der neuen Bahn­

verbindung durch kosten- und lastenfreie Geländestellung und durch Uebernahme des auf 490 000 Ml. bemessenen Obligationen­kapitals betätigt, während das Aktienkapital im wesentlichen von der Firma Lenz u. Co. übernommen wird. Die Großh. Regie­rung glaubte daher, die Bewilligung eines Beitrags von 30 Prozent der auf rund 1442 000. Mk. veranschlagten wirklichen Baukosten einschließlich der Kosten der erstmaligen Beschaffung der Betriebsmittel, d. h. einen Beitrag von etwa 432 600 Alk. zu dem Unternehmen in Aussicht stellen zu sollen.

Die Großh. Regierung ist zu dieser Bemessung der Staats­beihilfe durch die Erwägungen gelangt, wie sie in der Begrün­dung zu dem Gesetz vom 22. dLovember 1905, die Herstellung mehrerer Nebenbahnen betr., niedergelegt sind und worin darauf hingewiesen wird, daß bei Bemessung des Staatszuschusses nach scsten lilometrischen Sätzen bei Bahnen in ungünstig gestaltetem Gelände weder durch die beteiligten Gemeinden noch durch Privat­unternehmer eine Finanzierung zu erzielen ist und es daher richtiger erscheint, einen prozentualen Betrag der wirk­lich e n B a u ko st e n als Zuschuß in Aussicht zu nehmen. Auch bei dem in Frage stehenden Projekt war eine Finanzierung nur möglich bei Gewährung eines Staatszuschusses in der angegebenen Höhe.

Die Konzession soll bis zum 30. Sept. 1957 erteilt und die Dauer der Konzession der Stammlinie ButzbachLich bis zum gleichen Zcitpuntt verlängert werden

Aus Stadt und Land.

Gießen, 4. März.

Stadttheater-Neubau. Rian schreibt uns: Nachdem nun auch die in getriebenen Kupfer hergestellte Mittclgruppe der Bekrönung der Hauptfront anfgestcllt, wird mit dem äußeren Verputz der Facade demnächst vor> gegangen werden. Im Innern des Hanfes sind die Stuck­arbeiten so weit geföidert, daß man bis Ostern damit fertig sein wird, so daß dann mit den Schremerarbeiten begonnen werden kann. Mit der Herstellung des Zementfußbodens hat man bereits angefangcn und noch in diesem Monat soll der Lmoleumbclag m Angriff genommen werden. Der von der Firma H. Lehmann n. Co. A. G. in Berlin gelieferte feuersichere eiserne Vorhang schließt schon die Bühne von dem Ziischauerrarlm ab. Außer dem Hauptvorhang, den bekanntlich der Historienmaler Koberstein aus Berlin zn malen übernommen hat, wird die Bühne noch einen Wagner- Vorhang erhalten (Sloffvorhang 511111 Oeffnen nach der Seite imd nach oben) und auch mit emem den Schall dämpfenden Vorhangsabschluß versehen werden, so daß das Geräusch von Arbeiten, die auf der Bühne m den Zivischenpausen vor­genommen werben, im Zuschauerraum nicht hörbar sein ivird. Die Lieferung des letzterwähnten Vorhangs ist Professor Lütckemeyer in Cobnrg übertragen. Sämtliche Vorhangs- abschlnsse bewegen sich von oben nach unten; sie werden nicht etwa aufgerollt, sondern hängen bei offener Szene im oberen Teil des Bütmenhallses. Nach der ganzen Einrich- lung ist das Versagen eines Vorhaliges ausgeschlossen.

* * Aus b e ni Bure a u u e t u 0 r r 0 e a t er S. Als 14. TienStags-AbonnementSvorstelliing findet morgen eine letzte Wiederholung von ^Preciosa" statt. Die Auf- führung wirb unterstützt durch bic Kapelle bes hiesigen In­fanterie-Regimentes unb bie Mitwirkung von Milgliebern hiesiger Gesangvereine. Auf Anfragen fei bemerkt, baß eine Aufführung von .Preciosa" für dieses Jahr als Volks- vorstellilng ausgeschlossen ist, da die noch ausstehenden zwei Volksvorstcllungen bereits feststehen. Besonders erivähnt sei, daß in der morgigen Preciosa-Vorstcllnng Fran Bayr- f)ammer die Titelrolle spielen ivird.

* Gießener Konzertverein. Marteau-Konzert am 5. März. Zur Orientierung unserer Leser lassen wir nach­stehende, uns zngchende Notiz folgen: Henri 2)1 arte an ist 1874 zu Reims geboren, studierte bei Leonard in Paris, und trat nach dessen Tode 1891 m das dortige Konservatorium ein, koiizcrtierte dann in London, Wien und anberwcirtS unter HanS Richter, 189294 machte er eine Tournee durch Amerika, 189499 eine solche durch Skandinavien, lebte dann eine Zeitlang in Paris unb jetzt wieber in Genf. Als Geiger hat sich fUlarteau im Sturm bie Welt erobert, Neuerburgs ist er auch als Komponist erfolgreich hervorgetreten. In einem Konzert, welches et in Berlin gab, würben bie Lieder mit Ltreichquartettbegleitung als der Glanzpunkt des Abends her­vorgehoben, nicht nur wegen der eigenartigen Verschmelzung der Slngstimme mit den Streichinstrumenten, sondern weil es eben gediegene Kompositionen sind.

"'Das zweite Wohltätigkeitskonzert der Gießener Hassiavereine zum besten hilfsbedürftiger Veteranen war wiederum sehr gut besucht. Der sJlene Saalbail war außerordentlich reichhaltig unb schön dekoriert, beim dieUnion* hatte in bereitwilligster Weise bie Dekoration für ihre am Abend vorher abgehalteue Festlichkeit den Kneger- üercinen zur Verfügung gestellt. Tas reichhaltige Konzert- programm wurde abermals in bester Weise durchgeführt und sand den lebhaftesten Beifall. Znm Schluß nahm der Vor­sitzende des Knegervercins Hauptmann b. L. Gabriel Ver- anlaffiing, seiner Genugtuung über den Erfolg des Unter­nehmens Ausdruck zu geben unb allen, die zum Gelingen beigetragen hatten, wärmsten Dank auszusprcchen.

* * In Fräulein Minna Körner's Schule für höheres Klavierspiel fand am Samstag eineKonzert- Aufführung der vorgeschrittenen Schüler unter Zuziehung befreundeter Instrumentalisten statt. Das dadurch ab- wechselnngsreiche Programm enthielt Solos, Duos und Trios von Pergoleje, Haydn, Beethoven, Weber, Klengel unb Soendien. Sämtliche ^Darbietungen bestätigten unser wieder­holt abgegebenes Urteil, daß Frl. Körner mit großrr Ge­wissenhaftigkeit, verbunden mit einer ausgezeichneten Methode, ihre Schüler zu fördern weiß.

* * Warnung. Tie ausländischen 9trbeiter auf dem Bergwerk unb an sonstigen Baustellen pflegen in Kolonnen einen Koch anznslellen, bet auf der Arbeitsstelle bic Speisen znbereitet. Ter Koch entnimmt in der Regel bei hiesigen Geschäftsleuten die Waren auf Kredit und verspricht, an jedem Zahltage zu bezahlen. In letzter Zeit sind nun mehrfach die Herren .Köche", nachdem sie von ihren Landsleuten bas Geld einkassiert hatten, verschwnnben, ohne ihre Schnlbcn bei den Geschäftsleuten zu begleichen. Erst vor 14 Tagen ging einer durch, von dem ein Kaufmann 240 Mk. und ein Bäcker 74 Mk. zit bekommen hatte, und am verflossenen Samstag verschwand wieder einer, der bei einem Wirt 447 9)1 L Schulden hinterließ. Vor solchem Kreditgeben kann nur ge­warnt werden, denn es ist fraglich, ob Betrug vorliegt, unb sonst kann man ben Gaunern nicht beifoinmcn.

* ** Schlechte Zelten. In verflossener Nacht wurden

nicht weniger als sieben Personen wegen Tru nkenh e!k und Obdachlosigkeit verhaftet.

* * Für Militär an Wärter Wichtig ist eine Entschei­dung des Oberlcurdesgerichts Celle, Wonach unterschiedliche Gr- haltsfestsetzungen für Zivil- und Militäranwärter nicht zulässig sind. Eine eingehende Begründung dieser Entscheidung perössent- licht dieHessische Beamte n-Zt g.", in der wir auch einen wörtlichen Abdruck der neuesten Eingabe des Richtervereins zu dem für alle Staatsbeamten bedeutungsvollen Gesetzentwurf über die Gewährung von W 0 h n u n g s g e l d z u s cb ü s s e n, ferner die Fortsetzung eines für Vermessungstechniker recht interessanten Aufsatzes über die Anfertigung von ausführlichen Eisenbahn- Vorarbeiten und noch einiges andere Lesenswerte für Beamte finden.

* * Der Zentralverein für Hebung der deut­schen Fluß- und Kanalschiffahrt hält am 13. März in Berlin feine ordentliche Hauptversammlung ab. Auf der Tagesordnung stehen die Kanalprojekte im mittleren Strom­gebiete des Rheines und zwar bic Kanalisierung der Mosel und der Saar und die Frage der Kanalisierung der Lahn. Für das erstere Thema haben Dr. Kreuzkam-Berlin und Handelskammer-Syndikus Dr. Tille-Saarbrücken den Be­richt übernommen, während über die Frage der Kanalisierung der Lahn Handelskammer-Präsident Generaldirektor Kaiser- Wctzlar Vortrag halten wird. Zum Schlüsse wird Handels- kainmer-Syudikus Dr. Metterhausen-Kassel einen Vortragüber die Wandlungen in der deutschen Binnenschiffahrt in ben letzten 30 Jahren" halten.

t Reiskirchen, 2. März. Gestern abend fand im Saale des Herrn Guntrum zum Besten bes Krieger- und des Flotten Vereins eine Lichtbildervorstellung statt. Der geräumige Saal war bis zum letzten Platz gefüllt, sogar aus ben umliegenden Ortschaften waren Zu­schauer herbeigckommen. Gezeigt würben ungefähr 150 Bilber, u. a. bie Kriegsschiffe Preußen und Korn, verschiedene Torpeboboote, Unterseeboote, die 1896 erbaute Iltis sowie bas zum Andenken an die Gefallenen derselben errichtete Denkmal, das Leben und Treiben auf den Schiffen unb eine Schiffstaufe, bie burch unseren Kaiser vollzogen würbe. Die zweite Serie enthielt Bilber aus unseren Kolonien. Wir können konstatieren, baß bie Besucher den Saal mit dem Bewußtsein verließen, einen genußreichen Abend verlebt zu haben. Letzle Woche weilte bie Betnebsinspektion Gießen der preußisch-hess. Eiseubahngememschaft hier, um mit den Anliegen deS zur Erweiterung des hiesigen Bahn­hofes nölig werdenden Geländes zu verhandeln. Ursprünglich war geplant, ben Güterbahnhof zum Teil auf bie östliche Seite der Straße Gießen-Grüuberg zu verlegen, ba aber mit oerschiebenen Anliegern auf dieser Seite eine Einigung nicht zu erzielen war, kommt jetzt der ganze Bahnhof auf die westliche Seite zu liegen. Vorgesehen sind außer dem Hauptgleis ein Kreuzungs- unb em Ladegleis, sowie eine Viehrampe unb ein größerer Güterschuppen. Man hofft die ganze Arbeit bis zum Herbste zu bewältigen. Für ben Umbau sind, 70000 Mark vorgesehen.

Grünberg, 3. März. Schwerverletzt würbe, ein Arbeiter aus Lehnheun auf der Straße nach Lehn­heim aufgefunben. Er war von einem anderen Arbeiter über­fallen unb durch Messerstiche berartig zugerichtet worben, baß er ohnmächtig zu Boden sank. Der Unmensch nahm einen Stein unb bearbeitete ben Kopf seines Opfers. Leute eilten herbei, verjagten ben Unmenschen unb brachten ben Bewußtlosen nach Hause. Ter Täter wurde bereits namhaft gemacht. Einen schweren Unfall erlitt der junge Land­wirt Erb -Stangenrod dadurch, daß ihm fern Pferd einen Schlag gegen den Unterleib versetzte. Ter Verletzte ist dec einzige Sohn seiner Eltern. Im nahen Merlau findet am 30. Jiini das Ohm-Liimda-Sängerbundessest statt. Gleichzeitig begeht der dortige Gesangverein sein 25- jähriges Stiftungsfest.

Butzbach, 2. März. Wie mitgeteilt wirb, hat bas gestern gebrachte Programm für ben D e l e g i e r t e n t a g bes G a st w i r t e v e r b a n b s nur bie teilweise Genehmigung bes Vorstanbes bes hiesigen Wirievereins gefunben. Ein definitives Programm kann erst nach einer demnächst noch ftattfinbenoen Vorstandssitzung ausgegeben werben. Auch hier ist beabsichi- ligt, wie an vielen anberen kleineren Plätzen einen liberalen Wahlverein ins Leben zu rufen, bein auch in kommunalenj Fragen Gelegenheit gegeben sein wird, für ben entschiedenen Libe­ralismus einjutreten. In allernächster Zeit wirb Dr. Strecker- Bad-Nauheim zum Zwecke einer Organisation hier einen Vortrag halten.

+ Friedberg, 3. März. Gegen den 1. Direktor der landwirtschaftlichen Hauptgenoffenschaften, Oekonomierat Sch lenke war, wie seinerzeit nutgeteilt wurde, eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft in Gießen wegen seiner Geschäfts­führung erhoben worben. (Jetzt erfahren wir, daß dis "Anzeige als in jeder Beziehung unbegründet ziirückgewiese\n worben ist. Wir hatten s. Zt. unserer Verivimberimg über bie so spät erfolgte Anzeige Ausbruch gegeben, durch bie der Anschein erweckt wurde, als ob man lediglich eine Gegenwirkung in der bekannten Affaire Hirschel und deren Verschleppiing habe herbeiführen wollen. Wir freuen uns, nicht zuletzt auch im Interesse der laudw. Haupts genossenschaft, über diesen Aiisgang der Angelegenheit. D. Red.)

= Friedberg, 3. März. Alit dem Projekt der Er-j bauung eines Volks-, Schwimm- und Brausebades beschäftigt sich gegenwärtig die öffentliche Meinung sehr leb-, hast, wobei die Notwendigkeit der Errichtung fast von deü gesamten Bevölkerung energisch vertreten wirb. Da bie Stadt für bie nächsten Jahre sehr große Ausgaben hat-Kanali­sation, Kläranlage, Vergrößerung des Wasser­werks u. a. m., so hofft man, die Bausumme durch Zeichnen von Aktien durch die Bürger aufjubringen. Die Gesamtk 0sten werden ca. 160000 M k. betragen,' 50 000 Mk. sind bereits gestiftet unb 30 000 Mk. will bie| Stabt zur Verfügung stellen, sodaß noch 80 000 Mk. durch Aktien von der Bürgerschaft aufjiibtingen sind. Die Stadt will jedes Jahr Aktien in Höhe von 3500 Mk. ankaufen, sodaß bas Bad in 25 Jahren im Vollbesitz der Stabt ist. In den nächsten Tagen beginnt zwecks Zeichnungen von Aktien eine Liste zu zirkulieren.

Q Hungen, 3. März. Die Kreishaushaltungs- schule eröffnete hier einen achtwöchigen Kursus, an dem 24 Mädchen teilnehmen. Zwei Nachbargemeinden, Utphs und Treis-Horloff, haben die Erbauung von Wasser­leitungen im Anschluß an das staatliche Wasserwerk Lauter beschlossen. Die Rohrleitimg ist für TreiS-Horloff 3 Kilometer lang, der Hochbehälter faßt 100 Kubikmeter, für Utphe wirb ein 20 Nieter hoher Wasserturm erbaut. In Ober* Bcsingen wurde m die Gastwirtschaft Horstend arg ein* gebrochen, Türen unb Fenster emgefchlagen und Speisen, Getränke unb Zigarren gestohlen.