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4.3.1907 Erstes Blatt
 
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©lefeen, den 4. März 1907

1486

Mögen, den 2. Mürz 1907.

Lanrlagung.

ß-ür die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei unserem schweren Verluste, sänne für die zahlreiche» Bluueenspenden sagen innigen Dank

Die trauernden Hinterbliebenen

Familie Kuhl

Danksagung.

ßür die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgang unseres lieben Sohnes und Bruders sagen wir imrigen Dank.

Familie Konrad Hahn

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von

Landgemeinden erhallen. __

tc. Weilburg, 3. März. In dem Flecken Löhnberg ist ein B i e r t r i e g auSgebcochen. Ueber 200 Biertrinker haben ihn in einer öffentlichen Versammlung den Bierbrauern und Wirten erklärt, weil diese den längst gehegten schwarzen Plan, den Bicrprciö zu erhöhen, zur Ausführung gebracht haben. Ter edle (Äerstensaft soll nur noch beim Wirt Knodt geschlürft werden, weil dort der Preis beim Alten bleibt.

st Franken berg, 2. März. Gellern machte hierein hei seiner Tochter zu Besuch weilender Herr aus Wrtzen- h aus en seinem Leben durch Erschießen ein Ende. In Oberorke ist eine umfangreiche Masernepidemie ausgebrochen. Ta von 40 Schulkindern nur noch 6 zur Schule kamen, mußte sie geschloffen werden.

3- B.: Auri ch mann.

Vermischte».

* Berlin, 2. Marz. In der vergangenen Nacht wurde die gesamte Familie des Oberzahlmeisters im 3. Garde-Infanterieregiment zu Fuß, Sagawe, mit Ausnahme des Vaters plötzlich von religiösem Wahn­sinn befallen. Die 47jührige Ehefrau überfiel mit den beiden 24 und 20 Jahre alten Töchtern und den 23 und 16 Jahre alten Söhnen den im Bett liegenden Vater, der lungenleidend und seit niehreren Tagen dienstunfähig ist, und mißhandelten ihn unter fortwährendem Beten. Erst gegen 2 Uhr nachts gelang cs Sagawe, nachdem durch Hausbewohner, die das Stöhnen gehört hatten, durch einen Schlosser die Tür geöffnet war, aus der Woh­nung zu entkommen. Die Familie verrammelte darauf die Tür und verweigerte jedem den Eintritt. Die Unglücklichen sind heute nach der Irrenanstalt Herzberge _ übersührt morden. Die Affäre hat ferner zu der Verhaftung der Gesundbeterin Gräfe geführt, die das ganze Unheil herbeigeführt hat.

* Das neueste Eisenbahnunglück.Daily Mail" meldet aus Ottawa: 100 Meilen westlich von hier stieß ein Personenzug mit einem Güt er zu g zu­sammen. Die Lokomotiven beider Züge wurden vollständig zertrümmert. Der Packwagen des Persouenzugcs entgleiste, während die Personenwagen in Brand gerieten. Zwei

BetMEtt-,rchung.

Anmeldungen zum Bezüge der Süottschcu Stiftnnaszinfea für 1907 (Ciccroel*)) nimmt das Siuvrnmc ArmcuauU m der jeit vom li bis 2b. ds. Mis. waljrcnü der Amrsstundeu entgegen.

Gießen, den 1. März 1907.

Die Armen-Deouialion der -Ltadt Gienen.

Uuricuuia» n.

UttLvcrsitcits-Ncrchrichten.

Berlin, 2. Mär^. Der erste Inhaber der Roosevelt-Professur, der amerikanische Professor John W. B n r g e ß von der (iolumbm- llnivcrntät m Neivyörk, verabschiedete sich Heine mittag in feierlicher Weise von der Reichshtniplsladt und danni zugleich von der etätte seiner bisherigen, überaus er'olgreichen Lehrtätigkeit. Der Kiittus- minister Dr. v. Siudt richtete Tankcsworte an den Scheidendem dessen erfolgreiche Lehrtäligkeil und freigebige Stiftung der Bibliothek er rühmend hcrvorhob. Er überreichte Prof. Durgeß eine Pracht­ausgabe des Albelungenwerkes als Erinnerungszeichen der Uuter- richtSverwaltung. Der '1Unulter bctonic, daß der Professorenaustausch ein einigendes geistiges Baud um die beideu Bolter schlinge, das fester als alle Verträge sei.

Paffagiere verbrannten bei lebendigem Leibe, außerdem wurden 10 Passagiere schwer verletzt.

* New York, 3. März. Die Restaurationen links der Broadways waren heute morgen nach bent Theater­besuch mit Gästen überfüllt, als um 12 Uhr 13 Mm. ein starker Stoß die Gebäude erschütterte. Begleitet war das scheinbare Erdbeben von dumpfem Dröhnen. 10 Sekunden währte es. Es brach eine Panik aus, wie sie Ncw- york wohls noch nie erlebt hat. Jedermann schien zu glauben, die Stadt werde von einer Katastrophe, wie in San Francisco, heimgcsucht werden. Das Bezahlen vcr- geffend, stürzte Alles ui wilder Hast aus den Restaurants. Auch die Hotelgäste flüchteten im Nachtkleid. Tic Gewalt des Stoßes hatte auch die Schlafenden in den Wohnungöviertcln geweckt, wo aus allen Häusern halb an- geklcidete Leute nach der Milte der Straße liefen. Durch kopflose Menschen alarmiert, jagte überall die Feuer­wehr durch die Straßen. Die Polizei versuchte zur Beruhigung der Aufgeregten das Gerücht zu verbreiten, daß eine Explosion, nicht aber ein Erdbeben stattgesunden habe, und trieb erst nach eitler halben Stunde die angsterfüllten Massen auseinander. Endlich stellte sich heraus, daß zwei Meilen von Newyork bei Homestead im Staate New-Jersey eine Explosion von tausend für einen Tunnelbau bereit gelegten Pfund Dynamit stattgefunden hatte.

* K l CI» e T a g C s ch r 0 u i l. In Hamburg erschoß ft ui ein Musketier, in dessen Schrank bei einer plötzlichen Revision anarchistische Schriften gesunden winden, unmittelbar daraus mit seinem Tienstgewebr. In seiner Tasche nntrbe cm Brie gesunden, in dem er dem Relrulcnoisizier und dem Rekrutengcireitcn iür gute Behandlung dankt. In Düsseldorf wurde die Leiche der fett 14 Tagen verschwundenen lchähiigen Enuna Berusch in der Tüssel nut Verletzungen auigeiunden. Es liegt auscheineno en, Lustmord vor. In London feuerte ein junger Alaun, welcher auf einem Bahnhof verhaftet werden sollte, aus die Polizetagentcn Rcvolverfchüsse ab, wodurch ein Polizeiagcni getötet und ein Bahn- ainjehcr schwer verletzt wurde. Ter Atteutäter sprang durch cm Fenster des Bahnhoisgebäudes aiü bie Straße und verletzte noch eine Person durch einen weiteren Schuß. Alsdann verübte er Selbstmord, indem er sich eine kugel in den Kopf schoß. Bnrch eine Explosion in der Kohlengrube m Holden unweit ectnnlon (Nordamerika) wurden 30 Bergarbeiter getötet ober schwer verletzt. Bis jetzt sind 4 Leichen sowie 8 Schwerverletzte zutage gefordert. Die Ortschaft Washington (Areanjas- wurde durch einen Zyklon heimgesucht. Sticht em einziges Haus ist unversehrt geblieben, .lie 3«bl der umgekommenen Bewohner soll bebeutenb sein, bisher sind 2 Tote und mehrere Schiververletzte aus den Trümmern hervor­gezogen worben. Tie Ortschcut zähl'e 2000 Einwohner. An, Kaiibitzer Forste (Schlesien) stürzte beim Baumfällen em starker Baum unvermutet um und fiel aus eine Anzahl Personeti. Eilt Forsteleve wnrbe getötet, ein Arbeiter wurde verletzt. In Tri e r siiid die Diebe, die kürzlich in bet Paulinuskirche die kostbare Monstranz gestohlen habeii, in der Person des Kellners Vierter und des Monteurs Mosteit festgeslellt worden.

SlUÖSEbab der wasserbauliche Zustand der Bäche den berechtigten b) bnTbie Ä!tta?cn^uu? Bauwerke für die Ableitung unbfür die Eiuleilung des Waners wie Graben, Kanäle, Wehre, Schleusen usw. und die Anlage.l der an den Bachen liegen- den oi,enilichen Wanergenoheiiiaiaften den bestehenden Bor- id) ritte» ent.'rechend unterijalten und benutzt werben ;

ci bau schädliche Stone, weiche öffentliche Futeregen geiährden, den Bachen nicht zugeführt werden; und

d) daß feine gesetzwidrigen Anlagen und Bauwerke an den nteyt läjirfbarcn Gewässern entstehen.

"V'ie Teilnahme an den Bachfchauen und bie Geltendmachung Wünschen und Brnchtverden ist den Interessenten gestattet.

Giegeu, den 2. Marz 1007. . ,

Großlierzogliche Bürgerinenterel Gießen.

'Alsheim 2. März, Der hiesige kaitzolische Kirchen­diener wurde wegen mehrere Silttlichkeitsverbrechen, die er ün schulpflichtigen Mädchen in der katholischeti Kirche seit Jahren begangen haben soll, von der Gendarmerie verhaftet.

(Fkf. Ztg.)

b Mainz, 3. März. Die 14jährige Tochter des Fabrik- kirb eiter's ^ob Ehr. Lehnleitner in Weitenau wollte am Samstag nachmittag ihre jüngere Schwester ui Schrecken bey Lhcn unb hängte sich im Ueoerniute am oemterfreus auf. haa leichtsinnige Mädchen hatte sich die Schlinge so um den

geleg baS -s sich nicht mcl)ü l°zm°ch«n konnte. D>° tiinaeie Schwester holte die Mutter herber, der -z gelang, ihre Toclster absuschneiden. Die Strangnlatwn war aber, cj.e der- artiac daß der T o d des Mädchens einige Stunden fpater ein» tra Die Unglückliche sollte Ostern aus der Schule kommen.

Worms, 1. März. Mit dem Reu- bezw. Umbau k.3, Stadthauses soll in allernächster Zett begonnen wer­den. Die Pläne sind fertiggestellt. Danach wird der vandtbau in feiner jetzigen Gestalt erhalten bleiben; neben dem bestehenden Turm wird ein Parellelturm erstehen, an den sich der Neu­bau mit Ueberbrücfung des anstoßenden Gäßchens bis zur Gerber­gasse anreihen wird. Die B es chw e r de der Sozial­demokraten gegen die Aushebung der Orts krank en- k a s s e n w a h l ist vom Kreisamt z u_r ü ckg e wie s en joorben, sodaß eine Neuwahl stattsinden muß. letzte Wahl endete mit einem Sieg der Soziaidentokraten über die bürgerlichen Parteien. (stL *r-)

Frankfurt a. M., 1. Marz. In seiner Wobnung In Rödelheim erschoß sich heute mittag der in der Fahr- karten-AuSgabe deö Hauptbahnhofs beschäftigte Statwus- assistent Breidenbach. In der von ihm verwalteten Kasse war ein Defizit von etwa 1200 Mark entdeckt worden, auch sein Fahrkarten-Borrat soll nicht gestimmt haben. Heute sollte de-halb bei Breidenbach eine Haussuchung vorgenommen werden. Als sich am Nachmittag der Vorstand der Verkehrs- inspektton mit einem Kassenkontrolleur und zwei Kriminal­beamten zu diesem Zweck in der Wohnung Breidenbachs einfanden, ergriff diejer einen Revolver und feuerte zwei Schüsse auf sich ab. Der Tod trat auf der Stelle em.

(Fkf. Ztg.)

+ (£ rba (Kreis Wetzlar), 8. März. Aitch heiter wieder fetzte mit den ersten warme» Strahlen der Vorfrühlmgsjomie in unserer Gegend öie Landflucht em. AuS unserem Torie sind es allem wohl 100 junge Leiste unö Familienväter, bie regehnaing mi Friih- ahr der Heimat den Rücken kehren, um im Weslialischell m den Zndustriezcntre» als Alaurer, Steiiihauer und Handlanger ihr Brot zu verdienen. BiS weit aus dem angrenzenden Hinter- lande schließen sich Hunderte oon kräftigen Männern dem Zuge nach der Ferne an und nichts kann sie zum Bleiben an der Scholle bewegen. Zwar sucht die Kreisbehörde gerade m den Gc- meinben der entlegenen Bürgermeisterei Hohensolms die wirtschaft- lid)cn Verhältnisse burd) Wiesenmelioration unb Ztisamnienlegimg der Grutidstücke stetig zu verbesjem unb auch hier ist das Zit- saimnen egiingsverlahren im Gange, dazu will man das ganze Dors mit einer Quellwasserleitung versehen. Allein der Landstucht kau» wohl nur durch die Erbauung einer Eisenbahn von Wetzlar über Hohensolms nach Gladenbach gesteuert werben. Rur zu oit wurde schon der Wunsch unserer gänzlich von jeglichem Verkehr abgeschlossenen Gegend nad) einer Bahn erwähnt, mbem dadurch der Bevölkerung cm Absatzgebiet und ein Arbeitsfeld zugesuhrt winde. Viele Arbeiter mit ihren Familien blieben hterdurd) unser»

Bekanntmachung.

^uttur-Fnspettüm Gießen am st^Mär,, ds. Js. cn der Gemarkung (yieheu und Wicfcck crrre Bachrchau vornlmmt.

Tie Suiauaucntunit mibet vormittags 10 R&r an bei Ge« mqrkmms'Grenze Gießen-Mdgett Oberhalb der Strupp- oder ach schauen haben insbesondere den Zweck, darauf hin«

Märkte.

fc. Frankfurt a. M., 4. 'März. (Orig.-Telegr. desGießen Anz/) Anltlichc Notierungen der heutigen Frucht markt pren e. Wetzen All. 18.7500.00, Kilrhcjsischer Btt. 18.7v00.00, La Plata All. 20.2521.00, Kansas Alk. 20.2521.25, Roggen (hiesiger) mit; 17.5017.75, Gerne (Wetterauer) Alk. 17.0017.75, Franken- selber Alk. 18.5019.25, Safer 18.7519.50, AiaisAlk. 13.50-13.75, Weizetimchl 27.0028.25, Al. 00-00, 2. Qualität 'Mk. 2o.-u bis Alk. 26.25, 3. Qualität Mk. 23.2523.75, Roggcmnehl u Btt. 26.5027.00,1. Qualität Alk. 25.5026.00, Weizeittletc Aik. lO. bis Alk. 10.50, Roggenkleie Alk. 11.0011.25. Alaiskeune Alk. 11.00 bis Alk. 11.bO, Franken, Pfälzer, Ried Alk. 18.50 19.25. Alles per 100 Kg. ab tzter. , _ . _ . ,,. a .

to. Frankfurt a. M., 4.Marz. kTelegr. Orig.-Bertchl des v6)iei3. Anz."). Antti. Dlotiennigen der heutigeii Viestmarktpreis c. Zum Verkaufe standen: 380 Ochjcii, 24 atiS Oesteneich, 56 Bullen, 00 aus Oesterreich, 0 aus Dänemark, 754 Kaste, Ferien, Ltierc unö Rinder, 0 aus Dänemark, 254 Kälber, 356 Schate und Hammel, 00 Schaie ems Oesterreich, 2 Ziegen, 1644 Schweine.^ Bezahlt tvtirde iür 100 Pfund Schlachigcivid)t Ld;seiil. Qualität 8v o7-.it., 2. Qual 7376 Alk., 3. Qual. 6668Mk.; Bullen 1. Qual. «2 bis 74 Mk., 2. Qual. 68-70 Alt.; Kühe 1. Qual. 73-7o JIE, 2.Qua . 6971 Alk. 3. Qual. 62- 64 Alt, 4. Qual. 00-00 Alk., o. Qual. 00-00 Alk. Kälber: lOual. 100104Pfg., Lebetidgewrcht 60-62 Pf.,

2. Qual. 9095 Pfg., Lcbeiidgewicbt 6356 Psg^ 3. Qual. 0000 Psg., Sd)lad)tgcwicht 6972 Psg., Schafe: 1. Qual. 8083, 2. Qual. 0000 Psg., 3. Qual. 0000 Pfg.; Schweine 1. Qual. 5960 Pfg., Lebdgcw. 47.0000.00 Psg.. 2. Qu.58- OOP'g., Lebetid- gcw. 46.0000 Pfg., 3. Qual. 5254 Pfg. Lcbcndgew. 00 Pfg. Gcsdiäit: bei Hontvich gut, Aiarkt unbedeutend, bciKlemvieh gut, fein Ucbersiatid. .

Bon alten und neuen Schiffsnnfällen.

Hoek b an Holland, 3. März. Von den Geretteten des DampfersBerlin" sind der Lreizer Reyeroft, der Steward Barter unb ber Heizer Ponb geheitt nach England zurückgekehrt. Der Stoffer von Frau Mannheim, bie verunglückt ist, würbe mehrere Meilen auswärts auf dem Wasserweg nach Rotterbam ange­schwemmt. Das Befinben ber geretteten Frauen ist gut. t

Cuxhaven, 3. März. Heute mittag traf ber Hamburger DampferNerissa" hier ein, ber nachts bei Borkum einen eng­lischen Dampfer in Grunb gebohrt hatte. Von ber Besatzung würben lxcht Mann gerettet Die übrigen sinb er­trunken. , ,

Lonbon, 3. März. Heute stießen auf ber Hohe von Dover- die beiden deutschen DampferM a r s a l a" undHe­lene" zusammen. DieHelene" sank, wobei acht Mann der Besatzung ums Leben tarnen; der übrige Teil der Besatzung wurde in Dover gelandet.

Madrid, 3. März. DerJmparcial" meldet aus Las Palmas, daß der französische KreuzerForbin" von der Unfall­stelle des gestrandeten sranzös. KreuzersJean Bart" dort eingetroffen ist und die Nachricht mitgebracht hat, daß das Schiff vollkommen verloren ist. Nur die Geschützausrüst- und dürfte gerettet werden können. DerForbin" wird mit Lebensmitteln für die Schiffbrüchigen zu dem gestrandeten Kreuzer zurückkehren.

MltteLrhcLnifchcr äUctS-Turnrag.

B Marburg, 3. März. Nachdem gestern eine Sitzung des Kreisausschusses des Mittelrheinkreises Ooraitacijang.'n war, sand heute vvrnitttag um 11 Uhr in der Turnhalle des ^urtwerems der 69. Kreis turn tag des 9. Meises der beutiü)<en Turner» schäft (Mi11elrhein) statt. Nachdem Kreisvcrtreter schmuck- Damistadt den 5trei§tumtag eröffnet hatte, hieß Bcigeordueter Schimpf - Marburg die fremden Gäste namens der ^taot Alar- burg wittkommen. Bevor man in die Tagesordnung eintrat, wurde d avon Kenntnis gegeben, daß am Grabe des vor o Jahren verstorbenen Turnlehrers Sdstieider hier ein Kranz ^^rgclegt worden sei. Einschließlich der Aus-chnßmitgllebcr halten 191 Ver­eine zusammen L51 Abgeordnete entsandt, 'auü d.m G.schaffsbericht ist zu erwähnen, daß ber Mittelrheintreis jetzt 24 (saue mit Jb2 Vereinen und 96 285 Mitgliedern umsaßt. Außerdem falb 16 32/ Turnschüler und 1813 turnende Frauen und Mädchen vorhanden Eigene Vereiiistur.ihatlcn besitzen 162 und eigene Turnplätze -93 Vereine. Als drei Feinde der Turnerschatt bezeia-nete Krcis- Dertreter Schmuck die Auswüchse des Sports, die Glcia)gulttgiett der oberen Klassen, die sich für das Turnen zu gut hielten und die Bestrebung en von unten herauf, Parteipvltttt in bie Turn­vereine zu tragen und bie Arbeiter der beusichen Tumcrschaff zu entremsden. Streiätumroart Bolze -Franffurt erstattete einen Bericht über den Turnbetrieb und Ausschußmttgtteb Proie.ivr Wams er-Butzbach entwickelte ein Bild seiner Tätigkeit sür bie Presse. Nach Abhörung der Jahresrechnung besprach man bas Kreisturnfest in Hanau; auch Kreisvertreter S ch a 11 - Hanau gab hierzu einige Erklärungen. Die Vorslandswahl erledigte sich schnell dadurch, daß sämtliche Mitglieder wiedergewahlt wurden. Ter trüber geiahte Beschluß, eine Kreiszeitung herauszugeben, fiel endgültig. Bei der Akasienübung aus dem nächsten beut|d)en Turii- sest in Frankfurt wird der ganze Mittelrhemkreis in cingeit» sicher Tracht erfweinen. Es kamen nun zwei Truigtichttttsanttage unb zwar zunächst folgenber auf bem Gautage des Acamgaues vom Turnverein Keffetstodt gesteitte: Ter Gauturntag möge be­schließen, daß bem Vorstände ber beultcfcn Turnerichiast mtt Be­zug auf den ton ihm in Nr. 1 ber deutschen Ti rinzettung erlassene Aufruf au) gegeben wird, solche politischen Ar a u; i n a t i o ne n z u unterlassen, bia bieselben den Grunbsätzen ber beutidyen Turiiersd)ast widersprea-en unb außerdem geeignet sind, bie Turn­vereine unb überhaupt bie beutsche Turnerschast auf bas sckMerst-e zu schäbigen. Außerdem wird gewünscht, baß ber Vo r stand der deutsci'en Turnerschast vom Amte zurücktritt. Aehnlich, aber nicht so scharf Lautet der Antrag bes Turnvereins Liussels- heim Der Gauvertreter des Maingiaues, Stabtv. St a d t m u l 1 er - Ossenbach begründet ben Antrag des Gaues damit, daß man in seinem Gaue Gefahr laufe Vereine zu verlieren, wenn man Politik bineinbrütgte. Man habe ihm am Wahltage b.e Au.rute zugesandt, sie seien von ihm aus dem vorher getchttderten Grund: nicht erteilt worden. Außer dem Kreisoertreter traten emc ganze Anzahl Redner unter großem Beifall ben beiden Anträgen ent­gegen, worauf Stad-tmüller unter bem »mwei§, datz fein Gau sich in Kürze noch einmal mit der Sache befasse, seinen Antrag zurückzog Eine Resolution, in Mr ber Kreisturntag seiner Entrüstung übet die Verletzung ber vate-ständncheil Ausgaben ber deutschen Turnvereine Ausdruck gab, sand einstimmig Aujnähme. Nach 7stündiger Dauer wurde dann der Kreisturntag, der teilweise einen erregten Verlauf nahm, geschlvs<en. . .

Vric^cisten öcr LLedakLron.

(Anonyme Einscudungeu bleiben uuberüajichtlgt.)

X. N- Grimberg erhielt da-ür, baß es die staattiche Irrcu- anftalt nicht erhielt, keinerlei Entschädigung vom Staat. Allexbings wuiöeii ihm auf mehreren anderen Gebiete» (und gewiß mit Recht) Entaeqcnlomme» ctwieje», io z. B. bei der letzt voiliegendc» Rcbeilbaml-Vorlage. Auch ist es nicht ausgelchlosien, daß die m absehbarer Zeit er>orderlld)e ziveile Jdlotc»uil»siali »ach Grimberg kviiilNt.

Origirral-Drsthritteldnugen.

Paris, 4. )l)farz. Aus Laiochellc ruiro berichtet: Der Konimandant Moll, der Oie Grenzabstcckungs-Konmnsfivn leitete, um die Grenze zwischen dem französischen Kongo unb Kamerun scstzulegen, erklärte in einem Interview, bie Beziehungen zu ben deutschen Offizieren seien die besten. Die französische Kommission sei einmal von Eingeborenen angegriffen toorbeii, wobei 13 Schützen fielen, während 6 verwundet wurden.

5)10111, 4. März. Giornctte d'Jtalia versichert, daß hm- sichtlich der P a p i e r e Ri o n t a g n i n 18 eine Intervention b.s ö stcrreichls chen Kaisers mit Unterstützung Kaiser Wilhelms evfolgle, um die Anslieferung der Papiere zu envirken. (?)

New-York, 4. März. Ueber die Dynamit- Explosion in H oNi stead wirb noch berichtet, daß die Erschütterung in einem Umkreise von 80 Kilometer selbst auf den Kriegsschiffen verspürt wurde. 20 Personen sind bei her Explosion getötet worden, 25 andere verschüttet, die gleichfalls als verloren gelten. Tie Zahl der Verwundeten ist noch nicht festgestellt. __________________________

Dlmksagrmg.

Allen denen, welche uns beim Heimgange unseres lieben, unvergeßlichen Vaters, Schwiegervaters und Grov-. vaters

Heinrich Schön I.

innige Teilnahme bewiesen, sowie Herrn Pfarrer Gombel für feine troirreiche Grabrede und für bie vielen Kranz­spenden sagen wir unseren innigsten Dank.

Die trauernden Hinterbliebenen

Reiskirchen, den 4. März 1907. t!489