— Während der Kcnd Harry Maclean mit Raisuli unterhandelte, ließ der Maghzen daS Gebiet der And- scheraS, die schon seit langer Zeit keine Steuern mehr zahlten, umringen. Der Maghzen verlangt 350 Maultiere als Bezahlung für gestohlenes Vieh und als Entschä- digungösumme für die Ermordung des Franzosen Charbonnier.
Aus Seasr uns tuno.
Gießen, 4. Juli 1907,
• • Eine Sitzung d eS Provinzial-AuSschusses findet Mittwoch, 10. d. Mts., norm. 9 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Gesuch deS Georg Koch zu Nieder-Mörlen um Erlaubnis zum Betriebe einer Gastwirtschaft und Rekurs desselben gegen eineu Polizeibefehl Großh. KreiSamts Friedberg. 2. Einwendung gegen die Gültigkeit der Wahl des Bürgermeisters zu Trais- Münzenberg. 3. Enteignung von Gelände zur Erweiterung des Bahnhofs Zell-Romrod. 4. Aufbringung dec Kosten des Geländeerwerbs für die Nebenbahn Butzbach-Lich, hier Urteilsoerkündigung. 6, Desgleichen für die Nebenbahn Laubach-Mücke.
• * Dienstbotenfrage. Um vielfach aufgetauchten Zweifeln zu begegnen, insbesondere um die weit verbreitete Unkenntnis der gesetzlichen Bestimmungen dec Gesindeordnung zu beheben, erläßt das Großh. Polizeiamt in der heutigen Nummer eine Bekanntmachung, die für Dienstboten und Herrschaften in gleicher Weise von hoher Wichtigkeit ist. ES Han- delt sich nämlich um die Auslegung der Art. 6 und 7 der Geftndeordnung, die, wie wenig bekannt ist, durch ein Orts- statut für Gießen abgeändert sind. Anstelle des gesetzlichen DienstjahreS und des gesetzlichen Dienstmonats ist hier nämlich statutarisch daS Kalendervierteljahr mit vierwöchiger Kündigungsfrist gesetzt. DaS Nähere ist aus der Bekanntmachung zu ersehen.
— Gegen die Errichtung von HandlungS- gehülsenk a m m e r n , wie sie von dem Ausschuß des rheinisch-westfälischen Handlungsgehülfentages in Anregung gebracht worden war, haben sich die Handelskammern Darmstadt und Offenbach ausgesprochen. Die Darrn- stüdter Handelskammer vermag ein Bedürfnis für Handlungs- gehülfenkammern nicht anzuerkennen, da ihr die Interessen der HandlungSgehülsen zur Zeit durch die Handelskammern, die Gutachterausschüsse der Kaufmannsgerichte, sowie die Berufövereine der Angestellten genügend gewahrt erscheinen. Sollte aber eine solche Einrichtung geschaffen werden, so empfehle sich die Errichtung paritätischer Korporationen, dieser Art, zu denen die zuständigen Handelskammern die Prinzipal-Beisitzer üu§ ihrer Mitte zu stellen haben. Bei dieser Stellungnahme gehe die §anbe(§rammcr von der Voraussetzung aus, daß die Tätigkeit der zu errichtenden Korporationen auf die handelsrechtlichen und die sozialpolitischen Verhältnisse der Angestellten im Handelsgewerbe beschränkt bleibe. Sie hält aber neben den Handelskammern und den Gutachterausschüssen der Kaufmannsgerichte die Schaffung einer 3. Institution in gesonderten Handlungs- gehülfenkammern, zu denen die Handelskammer nicht die Vertreter der Arbeitgeber stellt, für untunlich, weil hierdurch eine sachgemäße und die sich etwa aufwerfenden Gegensätze ausgleichende Erledigung der zu entscheidenden Fragen erschwert werden würde.
* • Der Finanzausschuß der Zweiten Hess. Kammer tritt am morgigen Freitag vormittag wieder zu einer Sitzung zusammen, um eine Anzahl rückständig gebliebener Gegenstände zu erledigen.
— Vergebung staatlicher Lieferungen. Aus Anregung der Handelskammer Gießen hat die Handelskammer Darmstadt bezüglich der Vergebung staatlicher Lieferungen beschlossen, dem Großh. Ministerium des Innern zu berichten, es sei ein Uebelstand, daß der Zuschlag häufig viel zu kurz vor dem ersten Lieferungstermin erfolge. Meistenteils sei der Submittent gar nicht imstande, in der kurzen Zeit von zwei bis drei Tagen nach Eingang der Nachricht, daß ihm der Zuschlag erteilt worden sei, mustergültig zu liefern. Es möchte daher grundsätzlich dem Submittenten drei Wochen vor dem ersten Lieferungstermin die Mitteilung zugehen, daß ihm die Lieferung übertragen worden sei.
• • Von den Herbstrnanövern des 18. Armee- . korpL. Vom Generalkonunando ist angeordnet worden: Der kommandierende General bestimmte als Führer im diesjährigen Manöver u. a.: am 6. September bei der 50. Jnf.- Brig. (2. Großh.) Oberst von Schlutterbach vom Jnf.-Leib- regiment Großherzogin (3. Großh.) Nr. 117 und Oberst- . leutnant v. Geldern-Crispendorf vom 2. Großh. Feldart.- ! Reg. Nr. 61; am 7. September bei der 42. Jnf.-Brigade i Oberstleutnant Friedr. Karl, Prinz von Hessen, und Oberst- j leutnant Bothe vom Feldart.-Neg. Nr. 27; am 12., 13. und ' 14. September bei der Großh. 25. Division die General- < majore v. Werder (25. sGroßh.j Kavallerie-Brig.), v. Dietlein 1 (50. Jnf.-Bcig. [2. Großh.j), v. Nieder (25. sGroßh.j ' Feldart.-Brig.) und v. Hartmann (49. [1. Großh.j Inj.- j Brig.). Jeder Division werden für das Kaisermanöver zwei . bespannte Batterien schwerer Feldhaubitzen zugeteilt; dec 21. Division auch eine halbe Korpstelegraphenabteilung mit Stationswagen. Jede Division hat zwei vierspännige Krankenwagen und zivei vierspännige Schanz- und Werk- - zeugwagen mitzuführen. Die Bespannungen und das Aufsichtspersonal stellt das 18. Großh. Hessische Trainbataillon. Der 25. Division wurden zugeteilt: Generalleutnant Mudra $ mit Adjutant, Jnspekt. der 2. Pion.-Jnsp., Major Mummen- c hoff und Hauptmann Meinecke vom Fußart.-Regt. Nr. 3, i Major Hüther vom Generalstabc des Gouvernements und c Oberleutnant Mergelsberg von der Mainzer Fortifikation. — s. Die Kavallerie-Telegraphen werden auf Packpserden mit- i geführt. — Der 25. Division werden vier bis sechs hessische Gendarmen zur Verfügung gestellt. Ter Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau, sowie das Großh. Ministerium des Innern haben sich damit emverstanden erklärt, daß die preußischen und hessischen Gendarmen auf beiden Landesgebieten als gegenseitig beauftragte Polizciorgane Verwendung ! "nden. — Auf möglichste Einschränkung der Flur- 1 schöben und Vermeidung unnötiger Beschädigungen haben - alle Stellen, namentlich aber Leitung, Schiedsrichter, Flur- L abschätzungSkommissare und Gendarmeriepatrouillen, auch t während der Versammlung, der Biwals, der Besprechungen, sowie auf den Märschen aus und nach den Quartieren rc. g
i nachdrücklichst hinzuwirken. Insbesondere sind Rüben- und > Kartoffelfelder, sowie Kleestücke (besonders wenn die Pflanzen c kaum sichtbar sind), Samenklce, sowie Rieselwiesen — • namentlich von den berittenen Waffen — nach Möglichkeit - zu schonen. DaS Betreten von Holz-Schonungen, die viel- . fach im östlichen Teil deS Manövergeländes vorkommen, ist ■ unbedingt zu vermeiden. Jlurabschätzungskommiffionen werden schon zu den Regiments- und Brigadeexerzieren der Infanterie, sowie zu den Geländeübungen der Feldartillerie kommandiert und beim Stabe deS die Hebung Leitenden ’ einquartiert. Die Zahl der Kommissionen ist so zu bemessen, daß daS Abschätzungsgeschäft spätestens innerhalb drei 1 Wochen beendet ist.
•* I m Kolosseum bilden gegenwärtig die Vor- ' führungen der Tyroler Sänger- und Tänzer gruppe D'Defregger, insgesamt 13Personen, den Hauptbestandteil ' des recht besuchenswerten Programms. Die Gesellschaft bringt ihre ernsten und heiteren Lieder recht schön zum Vortrag und leistet namentlich im Jodeln vorzügliches, insbesondere die Altsolistin Fräulein Mirzl. Nandl und Maxl Hofer tanzen einen ganz vorzüglichen Schuhplattler, der die gesunde Realistik dieses Gebirgstanzes trefflich wiedergibt. 1 Im wirksamen Gegensatz zu dieser Vorführung stehen die ‘ graziösen Tänze der beiden Sollös, die durch Anmut und 1 Beweglichkeit ihre französische Herkunft nicht verleugnen. 1 Einen sehr unterhaltenden musikalischen Burlesque-Akt bieten dann noch Lola und Jean Mora, die recht vielen Beifall fanden. Eine allerliebste Darbietung bringen dann die beiden Cronays als geschickte Keulenjongleure und Reifenroller; bei ihnen ist namentlich die elegante Leichtigkeit ihrer Produktion zu : erwähnen. Aus dein letzten Programm ist ferner noch auf vielseitigen Wunsch der Humorist Naumann und die Troupe Gurero mit ihren akrobatischen Kunststücken zu erwähnen, die das Programm in schönster Weise vervollständigen.
x Annerod, 3. Juli. Am 29. Juni feierte der hiesige Gemeinde. Einnehmer und Kirchenrechner, Bauunternehmer Ke ß ler sein 2 5jährige8 Dienstjubiläum. Aus diesem Anlaß wurde dem um die Gemeinde sich sehr verdienten Rechner in einer besonderen Gemeinderatssitzung durch Bürgermeister Horn ein Geschenk überreicht und Herrn Keßler der Tank der Gemeinde und die besten Glückwünsche übermittelt. Im Namen des Großh. Kreisamts hat Bureauvorsteher Schiff nie den Jubilar beglückwünscht und dabei auf die Wichtigkeit des Amtes eines Gemeinderechners hiii- gewiesen. — Bei dieser Gelegenheit sei noch mitgeteilt, daß im vergangenen Jahr 2 weitere Gemeindebedienstete, der Kirchendiener Hch. Fenster I. und der Balgtreter Phil. Pfeffer IL, ebenfalls ihr 25jähriges Jubiläum feierten. Auch ihnen ivurden von der Gemeinde damals Geschenke überreicht.
= Londorf, 3. Juli. Heute wurde im Gasthof zur „Germania" ein Turnverein gegründet, wozu sich ca. 60 Mitglieder angemeldet haben. Ter neue Verein führt den Namen „Turnverein Londorf". Der junge Vereiri steht schon mit verschiedenen Firmen wegen Anschaffung der Geräte in Verbindung.
B.-B. Darmstadt, 3. Juli. Die Errichtung einer elektrischen Bahnverbindung z iv i s ch e n D a r m st a d t und der Bergstraße bis Heppenheun ivird voraussichtlich bald der Verwirklichung cntgegengchen. In einer gestern abgehaltenen Sitzung des Verkehrsausschusses der Bergstraße, bei der auch kreisamtliche Vertreter von Darmstadt, Bensheim und Heppenheim, foiuie Vürgermeistereivertreter von Darmstadt, Eberstadt, Pfungstadt, Seeheim, Jugenheim, Alsheim, Zwingenberg, Auerbach, Bensheim, Heppenheim 2C. zugegen lvaren, wurde der (inhaltlich bereits initgeteilte) Bescheid des Großh. FinanzministerimnZ verlesen. Rach den dann von Oberingenieilr Hecker gemachten Finanzvorschlägen soll eine Aktiengesellschaft begründet werden, welche für 1 Million Obligationen und für 1 100 000 Mk. Aktien herausgibt. Die Firma Hecker u. Eo. werde sich selbst mit einem hohen Betrag daran beteiligen. In der Debatte ftimmten alle Redner darin überein, daß die Bahn m wirtschaftlicher Beziehung sowohl für Darmstadt, wie für alle von der Bahn berührten Orte der Bergstraße von größter Bedeutung sein werde und deshalb schleunigst mit den Vorarbeiten begonnen werden müsse. Bürgermeister Ehret-Weinheim wünscht dringend die sofortige Weitersührung der Bahn bis Weinheini und erbot sich, die Zustimmung der bis dorthin gelegenen Gemeinden einzuholen; da§ Risiko derselbeii ivürde sich nur auf 2 Mk. für den Kopf der Bevölkerung belaufen.
-e- Krosdors, 3. Juli. Sonntag früh 6 Uhr verkündeten drei Böllerschüsse von der Burg Gleiberg dem Kcosdorser Schützenverein, daß heute der Tag gekommen ist, an dem das 6. Bundesschießen des Lahn-Till- tal-Schützenbundes abgehalten werden soll. Am Mittag um 1/212 Uhr wurden die auswärtigen Vereine empsangen. Um i/22 Uhr wurde der Zug aufgestellt, und nachdem er sich in Bewegung gesetzt hatte, donnerten die Böller wiederum von der Burg, zur Begrüßung des Fcst- zuges. Aus dem Festpwtz angelangt, schossen die Böller nochmals, worauf die Festrede gehalten und dann das Lreisschießen der Vereine stattsano. Montag sand Publi- 'umpreiÄfchießen statt. Leider rvar das Fei: infolge des ehr schlea)ten Wetters nur mäßig besucht.
b. Biedenkopf, 3.Juli. Der Geschichtsverein für den Kreis Biedenkopf hat auf seiner 1. Hauptversamm- nng ein Llrbeitsprogcamm ausgestellt und darin auch die Abfassung einer Quellenkunde für die Geschichte des Kreises aufgenommen. Um diese Quellenkunde, die alles ungedruckte Rtaterial, Urkunden, Rechnungen und sonstige Sitten umfassen soll, so volljiändig wie möglich zu gestalten, müssen aiich die ländlichen Gemeinde-Archive einbezogen werden. 2Jht Genehmigung des Landratsamtes soll daher den Bevollmächtigten des Geschichtsv.ereins, die sich durch eine Be- cheinignng des Vorsitzenden ausweise,i, die Benutzung der Gemcmdearchivs gcstatlet ivecden.
(-r/j Winnen (Kr. Marburg), 3. Juli. Unser kleines Dörfchen halte heute einen seltenen Festtag: Galt es doch, )as 50jahrige Jubiläum unseres Lehrers Friesleben, der auch eoensolaiig in unserem Orte wirkt, würdig zu feiern. Das Dorf hatte sein schönstes Festkleid angelegt, lein Haus wollte zurückstehen. Schon srüh um 3 Uhr versammelte sich die Gemeinde vor dem Schulhaus und sang einige Choräle. Um 11 Uhr fand Gottesdienst in der festlich gefchmückten Kirche statä Biele Freunde und Bekannte des Jubilars aus Nah uno F-ern halten sich ein- gefunden. Der Ortsgeistliche, Pfarrer Berdux, hielt eine
formvollendete, zu Herzen gehende Predigt über den Text:' „Lobe den Herrn meine Seele, dies ist der Tag, den (Sott gemacht." Er schilderte den Werdegang und die Verdienste des Jubilars, der drei Generationen unterrichtet hat. Es sind nur noch wenige Einwohner in Winnen, denen er keinen Unterricht erteilt babe. Von der K'irche gings ins Schullokal. Dort überreichte Landrat von Nägelein nach einer ehrenden Ansprache den Hohenzollernschen Hausorden mit der Inschrift 50. Sodann überreichte Pfarrer Berdux Namens der Kirchenbehörde ein Schriftstück, worin dem Jubilar der Titel „Kantor" verliehen wurde. Namens der vorgesetzten Schulbehörde gratulierte Kreisschul- inspektor Pfarrer Werner ans Koppel, der hervorhob, daß die Schule des Jubilars stets eine Musterschule gewesen sei. Bürgermeister Wißner überreichte hierauf für die Gemeinde einen prachtvollen Sessel und C. Preis eine schöne Uhr von den Burschen und Mädchen des Ortes. Der Bezirkslehrerverein Ebsdorf, der vollzählig anwesend war, ließ durch Lehrer Peil-Heskem ein Bild, die Seepredigt darstellend, überreichen, ebenso der Lehrerverein Rabenau durch Lehrer Sch w e i tze r-Odcnhausen einen Stock mit silbernem Griff und entsprechender Widmung. Hierauf überreichte noch eine Schülerin ein von den Schülern und Schülerinnen gestiftetes Geschenk, worauf dann der Jubilar tiefgerührt, ob all dwser Ehrungen und Auszeichnungen seinen Dank in herzlicher Werse zum Ausbruch brachte. Der Nachmittag vereinrgte die Festteilnehmer, zirka 100 an dec Zahl, zu einem Fe st e s s e n bei Gastwirt Stel- zenbach in Nordeck.
Staatliche Betriebskrankenkasse.
Die 8. ordentliche Generalversammlung der staatli-chen: I Betriebskcankcnkasse sand am 28. Juni in Darmstadt statt. ? Ter Vorsitzercde H^arth eröffnete die Versammlung mit der Besprechung des Jlahresberichts und hob das außerordentlich günstige Geschäftsergcbnis des abgelaufenen Jahres hervor. Tie Gründe i sind in einer Mehreinnahme an Beitragen infolge der in Staatsbetrieben gesteigerten Löhne gelegen, dann aber auch in dem? niedcigeic Krankenstand und dem durch die Einführung einer f sachverständigen Rezeptrevision stattgefundenen Rückgang der Arz» neikosten. Tie durchschnittliche Mitgliederzahl ist gegen das Vorjahr um 50 Personen gestiegen, sie betrug 1906 5344 und zählt zu den 48 größten Betriebskrankenkassen Deutschlands. Die Zahl ' der Erkrankungsfälle ist gegen 1905 um 643 zurückgegangen und * zwar beträgt dieser Rückgang bei den Erwerbsunfähigen 285 und bei den Erwerbssähigen 370 Fälle; bei den Ehefrauen ist ein Rückgang von 12 Fällen eingetreten. Tie Ausgaben für den Kopf der Mitglieder an Arztchonorar 6,98 Mk., Arznei 3,15 Mk., Krankengeld 8,67 Mk.; für den Ertrankungsfall betragen sie für Arzt- 1 Honorar 21,20 Mk. (gegen 18,04 Mk. in 1905), 9,57 Mk. (8,79 Mk.) I Arznei und Krankengeld 26,32 Mk. (22,95 Mk.). Tie Kosten für einen Erkrankungsfall mit Erwerbsunfähigkeit sind also beim Arzthonorar um 3,16 Mk„ beim Krankengeld um 3,37 Mk. gestiegen. Tie Steigerung des Krankengeldes hängt damit zusammen, daß. die Tauer der Erkrankung im Durchschnitt länger wav wie tm Vorjahre (1905 == 20,49; 1906: 22,39). Tie Zahl der ärztlichen Leistungen ist von 4,50 in 1905 auf 4,56 in 1906 gestiegen. : Dem Reservefonds fehlen noch ca. 15 000 Mk. zu seiner gesetzlichen Höhe. — Was die Me d i z in a l ka sse anlangt, so ist eine , Steigerung der durchschnittlichen Mitgliederzahl um 107 Personen 4 eingetreten. Zur Deckung der Ausgaben der Kasse waren seither immer erhebliche außerordentliche Zuschüsse des Staates erfordere llch. Zur teilweisen Sanierung der Kasse hat das Finanzmini-! ftcrium die Erhebung eines Beitrages bon moiiatlich 50 Pfg.l für Ehefrauen, die seither beitragsfrei waren, angcordnet. Diese Erhöhung ist dadurch gerechtfertigt, daß die Ehefrauen mit einem erheblichen Betrag zu der Belastung der Küsse beitragen: 1906' 33,02 Proz. des Arzthonorars, 31,26 Proz. der Llrzneikosten. Bezüglich des dritten von der staatlichen Berriebskrankenkasse ver-' waltcleir Fonds, der Ve r s v r g u n g s a n st a l t für staatliche; Arbeiter, ist eine stetig fortschreitende Belastung zu konsta-j tieren. Die Ausgaben für Ruhegehalte, Witwen- und Waisen- geldec betrugen in 1906 rund 8000 Mk. Tas Vermögen mac' Ende des Rechnungsjahres 1905 (1. April 1905 bis 31. März, 1906) auf 85 193,57 Mk. angewachsen. Ter letzte Teil des Jahresberichts betrifft die Gemeindekrankeiiversicherungen Konradsdorf/ und Buchschlag, deren Kasscergebiiisse int pbgelaufenen Jahr' günstige waren. < .]
Njach der Wahl emes Beisitzers und desl Stellvertrekerst wurden verschiedene Statutenänderungen besprochen und» beschlössen. Tie staatliche Betriebslrant'enkalse übernimmt auch für die dem Berggesetz unterliegenden staatlichen Betriebe, für die seither der Knappschaftsverein Bad-Nauheim als Krankenkasse eintral, die Krankenfürsorge. Weiter soll für die Folge eine! Kürzung des Krankengeldes ivegeit Toppelversicherung nicht mehr' stattsinden. Als wichtigste Beschlußfassung erscheint die Einführung der K i n d e r v e r s i ch e r u n g in dem gleichen Umfkntgc und unter gleichen Voraussetzungen wie bei den Ehefrauen und zwar vorerst für Kinder bis zu 6 Jahren. Ter Vorsitzende führt hierzu unter anderem an, daß vorerst voit einer Versicherung der Kinder über 6 bis 14 Jahren abgesehen werden möge, bis bie Ergebnisse der Versicherung der Kinder bis 6 Jahren vortiegen.) Zurzeit sei mau nur auf Schätzung angewiesen, die eine Ausgabe von ca. 15 000 Mk. ergebe. Mit einer Versicherung sämtlicher Kinder bis zu 14 Jahren in der Weise, baß, wie bei dew wenigen Kassen in Hessen mit Familienversorgung, nur bie Kosten für ärztliche Behandlung von der Kasse zu übernehmen sei, sei den Mitgliedcni nicht viel geholfen, da wegen der hohen Kvsten für Arznei und Kraukenhausverpfleguiig (bei Operationen) auch die rationelle Durchführung oer ärztlichen Behandlung vielfach illusorisch gemacht werden. Als in den Kreisen der Versichertes- der Wunsch lau: witrde, die Versicherung alsbald auf sämtliche; Kinder bis zum vollendeten 14. Jahre, eventl. sogen Emtrichtungl eines kleinen Zusatzbeitrages seitens der Verheirateten, auszu-, dehnen, oder die Versicherung der Kinder bis zu einem Jahr aus-- zuschließen, wurde von dem Vorsitzenden darauf hingetviesen, daß der Erhebung eines Zusatzbeitrags grundsätzlich Bedenken ent- tzegenstünden, da hierdurch sehr leicht eine Opposition zwischen, ledigen und verl-eirateten Mitgliedern eintreten könnte. Es würde; als Aufgabe der Kasseverwaltung angesehen, oljate Erhebung ei> höht er oder zusätzlicher Beiträge auszukommen bei schrittweisem Vorgehen. Es lasse sich auch nicht bestreiten, daß für Kinde« unter einem Jahre bie ärztliche Hülfe in ganz befonberem Maße notwendig sei, und daß auch allgemeine sozialpolitische Erwägungen wie Säuglingspflege rc. den Anträg auf Ausschluß der Versicherung der Kinder bis zu einem Jahre unannehmbar machen, weil diese Kinder am meisten der Fürsorge bedürfen. Es wurde' hieraus einstimmig die Ausdehnung der Versicherung der Kinder bis zu 6 Jahrknr von einem van. Gwßh. Ministerium dec Finanzett zu bestimmenden Termin ab angenommen.
Um V22 Uhr wurde die Versammlung geschlossen. j
vermischte».
• Die Genickstarre nimmt in Gelsenkirchen großen Umfang an. Niehrere Schulen wurden geschloffen. Der Oberbürgermeister MechenS befindet sich unter dem" Verdacht, an Genickstarre erkrankt zu fein, in einer Jsolir- baracfc. Seme Tochter tft schwer an Genickstarre erkrankt. In den letzten Tagen sind 28 Personen in den Isolierzellen untergebracht worden. — Im Fürst!. Schaurnburgischen Schloß in Ratib 0r ist an der Genickstarre ein Kammermädchen gestorben, die im letzten Jahre bie an derselben Krankheit verstorbene Prinzessin Luise, Tochter be§ Königs von Dänemark, gepflegt hatte.
* 'Alpme Chronik. Seit Dienstag abend herrscht in dec Wiener Gegend, sowie auch in dem Alpengebi«te in mit einem starken Wettersturz verbundener orkan-


