157. Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. 103
Giehener Anzeiger
Erschetnf täglich mit Ausnahme deS SonntagÄ.
General-Anzeiger für Gberheffen
Die ^chiehener ZamNlenblätter- werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kretsblatt für be» Kreis Kletzen" zweimal wücheiulich. Der „kjesstfche Landwirt' erfchemt monaUrch einmal.
Freitag 3. Mai 1907
Rotationsdruck und Verlag der Br ühfachen UnwersllätS • Buch» und Steint* ruderet Ä. Lange. Dietzen.
Redaktton. Exvedttton and Druckereii Schul- ftrage ?. LrpediNon and Verlag > fc<e# 5L Redaktion: I1L Lei.-Adr. AneeigerGretzea,
Kejftjcye Zweite Kammer.
R. B. Darmstadt, 2. Mai.
Am RegierungStische: SlaatSminister Ewald, Finanz- Minister Dr. Gnauth, Minister deS Innern Braun und vührcre Ministerialräte.
Lor Eintritt in die Tagesordnung führt
Abg. Adelung mit Recht Beschwerde darüber, daß die Wahlrechtsvorlage früher in der „Darmst. Ztg." publiziert wurde, bevor sie den Kammern zugegangen sei. Trotzdem heißt es aber in dem amtlichen Blatt, daß die Vorlage bau Hause zugcgangen sei, was do chtatsächlich nicht der Fall sei.
Staatsminister Ewald stellt fest, daß der „Darmst. Ztg." und den beiden Kammern gleichzeitig je ein Exemplar der Vorlage zugegangen sei. Es mühe den Landständen überlassen bleiben, btc Vervielfältigung vorzunehmen.
Abg. Tr. Schmitt bedauert die vorzeitige Publikation und wünscht, daß in Zukunft Gesetzesvorlagen in der „Darm st. Ztg." nicht eher veröffentlicht werden, bevor nicht auch die Abgeordneten das Gesetz in
Händen haben.
Zn ähnlichem Sinne sprechen sich auch die Abgg. Ulrich und Reinhart aus.
Erster Punkt der Tagesordnung ist ein dringlicher Antrag deS Abg. Tr. Weber, die Gewährung eines Zuschusses aus der Staatskasse zur
Beschaffung von Saatgut für die Landwirte im höhere« BogelSberg.
Abg. Dr. Weber legt eingehard die Notlage der Landwirte im oberen Vogelsberg dar, welche durch einen katastrophen- artiaen Schneefall und starke Regenslüfse schwer geschädigt worden sind. Er wolle nicht dafür erntreten, den gcsästidigten Gemeinden eine Entschädigung zu gewähren, oder einen Steuernachlaß zu empfehlen, sondern er schlage vor, die Bewohner des oberen Vogelsbergs durch Beschaffung von gutem Saatgut zu unterstützen, wozu nach seiner Ansicht ein Betrag von etwa 10 000 Mk. notwendig wäre. Hier hätte auch die Landwirtschaftskammer eine Veranlassung, einzugreifen und die Sache zu unterstützen. Tas Saatgut mußte zu einem billigeren Preis abgegeben werden, als der Marktpreis ist, damit es möglichst allgemein angeschasft werden könnte.
Abg. Schmalbach weist besonders auf die enorme Schädigung der Landwirte durch die Auswinterung des Getreides hin und unterstützt den Antrag Weber.
Abg. Reinhart spricht sich ebenfalls zugunsten des Antrags aus, bittet aber, den Antrag an den zuständigen Ausschuß zu überweisen, damit derselbe in Kurze darüber beraten kann.
Abg. Korell führt die Angaben des Antragstellers über die vorhandene Notlage noch näher aus und ersucht um Annahme des Antrags Weber.
Abg. Best-Ofthosen möchte sich nicht für einen direkten Zuschuß in der gewünschten Art erwärmen, doch könnte wohl ohne weiteres der Betrag bis zum Herbst gestundet werden; ein direktes Geschenk an die Landwirtschaft halte er nicht für angebracht. Tie Regierung könnte ja den Genossenschaften das Saatgut beschaffen.
Abg. M o l t h a n tritt für die Gewährung einer baren Unterstützung ein und empfiehlt auch die Unterstützung der Winzergenossenschaften.
Abg. Haas hält eS für unerfreulich, daß im Falle einer Anforderung um Gewährung einer Unterstützung bet der stiot- lage in einer Provinz sich sofort auch die andere mit ihren Wünschen erhebt. Hier tue etne schnelle Hilfe not, die Beschaffung des Saatgutes müsse sofort erfolgen und zwar beites Saatgut. Tie Qualität sei die Hauptsache, doch müsse auch die Quantität hinreichend sein. Bei der Beschaffung des Saatgutes werde sich die Tätigkeit der Genossenschaften wieder als sehr segensreich erweisen. „ . , , t
Abg. Wolf betom, man müsse dafür sorgen, daß die Landwirte bei der Beschaffung von Saatgut nicht in die Hände von Wucherern fallen. Im übrigen spricht der Redner die Erwartung aus, daß in ährüicher Weise, wie man jetzt.den..ober- hessischen Landwirten helfen wolle, auch den rheinhessischcn Winzern geholfen werden möge.
Abg. Ulrich will ebenfalls schnelle Hilfe und empfiehlt, die R.g.erung hu ermächtigen, bis zu 10Ö00 Mk. für Untersetzung der Geschädigten zu verwenden.
Abg. Brauer tritt gleichfalls für schnelle Gewährung der Unterstützung ein.
Nachdem Abg. Dr. Weber seinen Antrag noch dähm ergänzt hat, daß' die Regierung zur Beschaffung von Saatgut 10 000 Mk. zur Verfügung stellen möge, wird der
Antrag einftimmig dem Finanzausschuß überwiesen.
Zur Beratung gelangen darauf die Anträge Dr. Schmitt nnd Ulrich brti.
die Aufhebung der Brückengelder, in Verbindung mit der Vorstellung der Gemeinde Kostheim, betr. die Aushebung der Brüciengelder in Kostheim. Der Ausschuß beantragt die Ablehnung dieser Anträge.
Abg. Dr. Schmitt führt aus, die Erhebung von Brückengeldern sei eine verkehrshinderliche Maßnahme, die man nicht aufrecht erhalten sollte. Ganz besonders haben die Bewohner der Gemeinde Kostheim durch das Brückengeld zu leiden. Eine Arbeiterfamilie habe dort jährlich ca. 50 bis 60 Mk. Brückengeld zu zahlen. Redner empfiehlt die Einführung von Brückengeldabonnements.
* Finanzminister Dr. Gnauth geht näher auf die Frage des DrüctenzolleS ein und sagt zu, nach Möglichkeit Erleichterungen Su gewähren. Man solle sich aber nicht mit sogenannten kleinen Kitteln begnügen, sondern darauf bedacht sein, daS Brückengeld in nicht zu ferner Zell gänzlich abzuschaffen., Anlage und Unterhaltung von Brücken sollte in Zukunft stets nach dem hier angewandten Grund, atz geschehen, vielleicht auch unter Anwendung des Maßstabes, wie für die Anlage von Kreisstraßen, nach welchem die Gemeinden Vs, der Kreis V* mrd die Provinz 1/4 UNÜ bann der Staat den Rest mit 3A aufzubringen hat. Der Minifter betonte schließlich, daß die Einführung von Brüaen- gerouoonnements dem Hauptübel nicht steuern könne.
Abg. Schönberger spricht sich in längeren Ausführungen ttr die Sbeibayiuung der Brückengelder aus und anpiieglt die Annahme des Ausschußantrages.
Abg. Adelung befürchret, daß infolge der Verträge mll den Pächtern womöglich gar keine Erleichterungen zur Durchführung gebracht werden könnten.
Abg. Molt Han verlangt gleichfalls eine Ablösung der Brückengelder.
Ang. Pennrich spricht sich ebenfalls im Sinne des Vorredners aus. Er hoffe, daß der Finanzminister auch an seinen heutigen Grundsätzen festhallen werde, nxnn es sich um den Bau einer Rheinbrücke von Bingen nach Rudesyeim bandle. Redner stelll die Einbringung eines solchen Projettes m Aussicht.
FinanzministerDr. Gnauth bespricht die Kostenaufbringung für eine Rheinbrücke bei Bingen. Er werde zur Unterihn^-ig dieses Projektes bereit sein, wenn die Ausführung uniee ent» eender Heranziehung der Gemeinden des Kreises und der inz erfolge. Ueber die finanzielle Wirkung dieses Vv.> schlage- könne man sich ein Bild machen, roenn er dainege, daß die Lvstheimer Brücke rund eine Million Mark erforderte. Das
bedeute jährlich rund 36 000 Mk. Zinsen. Wolle man von der Erhebung eines Brückengeldes absehen, so hätten die beteiligten Gemeinden je 4500 Mk., der Kreis und die Provinz je 9000 Mark und der Staat 13 5(X) Mk. beizutragen,
Abg. Dr. Schmitt schlägt im Hinolick auf die abgegebenen Erklärungen deS Finanzministers vor, die jetzt gestellten Anträge zurückzuziehen und folgenden Antrag anzu- nchmcn:
„Die Negierung zu ersuchen, im Sinne der heutigen Ausführungen deS Finanzministers anderlvellige Grundsätze beim Brücken-Neubau und zur Unterhaltung und Verzinsung der bereits gebauten und künftig zu erbauenden Brücken, unter Beseitigung des System- der Brückengelderhebung aufzustellen und auf gesetzlichem Wege zur Durchführung zu bringen und dc> mll die vorliegenden Anträge für er.eoigt zu erklären."
Abg. Bähr erklärt sich gegen diesen Antrag und sp.icht für Annabme des Ausschußantrages. Durch das neue System würden die Kosten für die Brückeiibauten auf das platte Land abgewälzt werden.
Abg. Wolf bedauert diesen letzteren Standpunkt, '.md tritt für den Antrag Schmitt ein. Wenn es sich um eine oberhessische Angelegenheit gehandelt hätte, so würde Abg. Bähr gewiß anders gesprochen haben.
Nachdem sich Abg. Schönberg er gegen, Abg. Dr. Heide n r e i ch und Berichterstatter Abg. H i r s ch e 1 sich aber für den Antrag Schmitt ausgesprochen haben, wird der Antrag mit allen gegen die eine Stimme des Abg. Bähr angenommen.
Sodann gelangt der
tintraa Joutz und Genoffen, die Regierung zu ersuchen, für die Budgetberatung eine summarische Uebersicht der im Grundbuch als Groß- herzogliche Haus- und Staatsdomänen eingetragenen und im NutzNießungsrecht des Staates stehenden Grundstücke vorzulegen, zur Beratung. Der Ausschuß beantragt dirch den Berichterstatter Abg. Damm den Antrag abzulehnen.
Abg. Jo utz begründet ausführlich seinen Antrag und betont, daß man bet dem bisherigen System keinen lleberblick über das Erträgnis und die finanzielle Lage des Domanial- eigentum- gehtcht habe. Es sei notwendig, in einem geordneten Staatswesen auch das Vermögen genau zu inventarisieren, und man müsse Gelegenhell Haden, sich selber davon zu überzeugen, wo etwas gespart werden könne. Die baulichen Anlagen für das Friedberger Rentamt, sowie die Butzbacher, sowie die Eberstädter Obersörsterwohnung hätten entfchiedm zu hohe Ausgaben erfordert. Redner wendet sich gegen die Begründung des Ausschußantrags und empfiehlt die Annahme feines Antrages.
Abg. Damm toeijl darauf hin, welch ungeheuere Mühen und Kosten die Durchführung des Antrages Joutz verursachen würden. ES müßten 201,836 Kameralparzellen und 18,055 forstliche Parzellen ausgenommen werden, woran 10 Taxatoren 14 Jahre lang zu arbeiten hätten. Tvs Verzeichnis würde allein 1172 Sellen umfassen u nd die Gesamtkosten würden sich auf rund 400 000 Mk. berufen.
Abg. Bähr führt aus, es scheine, daß sich die Regierung wohl nur nicht in die Karten blicken lassen wolle, oder sie Halle sich nicht für fähig, eine derartige Aufstellung zu machen.
Abg. Joutz bemcrtt noch, die Regierung scheine kein gutes Gewissen zu haben.
Präsident Haas erteiU dem Vorredner für diese Bemerkung einen Ordnungsruf.
Der Ausschußantrag auf Ablehnung des Antrages des Abg. Joutz wird darauf mit geringer Stimmenmehrhell angenommen.
Inzwischen ist ein dringlicher Antrag des Finanzausschusses zu dem Antrag Weber eingegangen, welcher lautet: .Die Regierung möge Mittel zur Beschaffung von Saatgut für die Landwirte des BogelSbergcs und des OdemvaldeS nach Maßgabe des bestehenden Bedürfnisses als unverzinsliches Darlehen auf 2 Jahre gewähren/ Stach kurzer Debatte, an der sich die Abgg. Wolf, Behr, Reinhart unb ©e einiger beteiligten, wird bieser Ausschußantrag fast e i n ft 1 m m t g angenommen.
Eine umstänbliche Debatte eiUfyann sich dann noch über die Regierungsvorlage, betr. die Veräußerung der fogenauuteu M a r k w i e j e in den Gemarkungen Dauernheim uud Offen- heim in Verbindung mit den Vorstellungen der Landwirte von 'j)lclbad) wegen Verkauf der Markwiese a. d. Wetter. Ter Aus» ichuß beantragt Genehmigung des VerkaWr zum Durchschnittspreis von 3400 Pik. pro h, d. L im Ganzen 233 178 Mk.
Rach weiterer teilweise persönlicher Debatte zwischen dem Finanzminister und ben Abgg. Bähr und Breidenbach, und nachbem Berichterstatter H i r s ch e l konstatiert hat, daß Adg. Breidenbach beni Ausschuß von seinem heutigen Verlangen kein Wort mügeteiU habe, wird der Ausschußantrag auf Genehmigung der Regierungsvorlage angenommen, eben jo ein Unteranhag Breidenbach, der Regierung in Erwägung zu geben, den Zinsfuß für den NesikauffchiUing auf 4 Proz. zu ermäßigen. Damit fchtießt die Sitzung nach lit2 Uhr. Nächste Sitzung morgen früh 9 Uhr.
Deutscher Reichstag.
44. Sitzung vom 2. Utau
Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärt
Frhr. Hehl zu Herrnsheim unter Hinweis auf die Angriffe, die der Abg. Heine am 14. März und 22. Aprll gegen ihn gerichtet habe: Unter den vielen Taufenden von Arbeitern, die ich beschäftige, find nur 39, mll denen ein „Skrtrag" geschloffen tft Diese 39 sind aber Vertrauensmänner. Sie befinden sich in Stellen, wo Fabrik- geheimnisse zu wahren sind. Hauptsächlich gegenüber Machenschaften einer ausländischen Konkurrenz war es nötig, mit den Leuten Verträge zu schließen. Als deren Ergänzung kommt aber in Betracht, daß den Vertragsleuten höhere Pensionen, ebenso ihren Witwen, zugesichert sind. In diesem Zusammenhang find die Verträge abgeschlossen und in diesem Sinne sind sie zu beurteilen.
Alsdann wird ein Antrag auf Einste 1 lung eines Strafverfahrens gegen Stolle (Soz. )debattelos angenommen. Bei der Beratung der dritten Ergänzung des Reichshaushallsetats für 1907, 15 Millionen für Erweiterung des Kaiser Wilhelm-Kanals als erste Rate, beantragt
Abg. L e 0 n h a r t (frs. Vp.) die Verweisung der Vorlage an die Budgetkommission. Tie Kanalerwellerung liege im strategischen Interesse. Die Rücksicht auf die Handels,chiffe hätte nicht zur Vorlage geführt, deren gründliche Erwägung dringend notwendig sei.
Abg. Frhr. v. Richthofen (kons.) schließt sich dem Anträge auf Kommissionsüberweisung an.
Abg. Frohrne (Soz.) meint, Oie Sozialdemokratie hätte für Die deutschen S-eeinteresftn stets mehr getan als die liberalen. (Wtderipruch.) Die Stellungnahme zur Vorlage behalte seine Partei sich vor, bis die Notwendigkeit
oes Baues un ^neere,ie oer iHXUfcßifujen uuo aiuy Del Verkehrsverhältnisse geprüft hätte.
Abg. Kirsch (Zentr.) trat dafür ein, daß bei dem Erweiterungsbau nicht einseitig norddeutsche Firmen berücksichtigt werden, sondern auch süddeutsche. Den Kancll- arbellern müsse volle Koalitionsfreiheit gewährt werden.
Abg. Gö rck (nl.) meint, die Vorlage bringe dem Reiche eine schwere finanzielle Belastung. Ohne Pcü,ung vermöge auch feine Partei die Vorlage nicht anzunehmen.
Adg. Spelhmann (frs. Vp.) regt an, Die Vorlage wegen Der erheblichen finanziellen Tragweite einer besonderen Kommission zu überweisen.
Abg. Burckhardt (imr^ch. Berg.) ist für Verweisung an die Budgetkommission.
Abg. Gräfe (Res.-Park.) wünscht, daß nur deutsches Material unb beutsche Arbeiter beim Erweiterungsbau verwendet werden.
Staatssekretär Graf Posadowsky führt aus: Die Notwendigkeit der Erweiterung sei allgemein anerkannt. Tas ursprüngliche Projekt des Kanals von vornherein breiter anzunehmen, sei einerseits an finanziellen Fragen gescheitert, andererseits harten die Schiffe damals nicht Die heutige Breite. Selbstverständlich würden deutsche Arbeiter unb Unternehmer berücksichtigt, da es sich um ein großes nationales Werk handelt.
Hierauf wirb die Vorlage an die Budgetkommission überwiesen.
Ter Vertrag zwischen dem deutschen Reiche und der Schweiz über die Beglaubigung öffentlicher Urkunden wird in erster und zweiter Beratung bebaktelos genehmigt.
In ber festgesetzten Beratung bes Po ste tats tritt
Abg. Bruhn (Neformp.) ber Resolution Hompesch auf früheren Schluß bes Schallerbienstes an ben Vorabenden von Sonn- und Feiertagen bei. Die Gehälter der Briefträger, besonders Der Landb rief träger, müßten ausgebefsert werden.
Abg. Ortet (nL) bemerkt, die Ostmarkenzulagen seien nicht politischer Natur. Er könne diese Zulagen lediglich verstehen als Ausgleichsgeld für die dortigen besonoerS schwierigen Lebensverhältnisse.
Abg. Fritzen (Zentr.) führt aus, die Ostmarken-Zu- lagen seien keineswegs bloß wirtschaftlicher Natur. Tatsächlich handle es sich um eine politische Maßnahme, um ein Glied in der preußischen Polenpolllik. Dem Amendement Pachnicke, die Zulagen für unwiderruflich zu erklären, würden seine Freunde natürlich zustimmen, aber dennoch das ganze ablehnen.
Abg. Dr. Neumann-Hofer (frs. Dg.) tritt für unwiderrufliche Ostmarkenzulagen ein, ferner für größere Ausdehnung des Fernsprechwesens auf dem platten Lande. Redner erhebt Dann namentlich noch starke Bedenken gegen den Erlaß des preußischen Ministers des Innern, in dem den Beamten verboten wird, sich an einzelne Abgeordnete zu wenden. Noch unangenehmer [ei übrigens dem Minister, wenn die Beamten sich an die Presse wendeten. Andere Ansichten hierüber habe erfreulicherweise der bayerische Minister b. Frauendorfser in der bayerischen Kmnmer geäußert. Den Beamten einschließlich der llnterbeamten dürfen keine anderen Schranken auferlegt werden als die gesetzlichen. Endlich geht Redner noch auf Fragen ber Beamten- organisationen ein, wobei er die „gehobenen Stellen" verurteilt.
Abg. Hug (Zentr.) verbreitet sich ebenfalls Über Beamtenwünsche.
Staatssekretär Krätke wandte sich gegen eine weitere Resolution Ablaß, betr. Einführung eines Ausnahmetarises für Bücher, Schriftstücke usw. in erhabener Blindenschrift. Man möge es den Eiruelstaaten überlassen, Blindenanstalten Vergünstigungen rn anderer Art zuzugestehen.
Damll schließt die Debatte. Ueber die Resolutionen wird morgen abgestimmt werden, unb zwar über die Ostmarken- Ziesolution in namentlicher Abstimmung.
Bei einem Besoldungstitel für die Unterbeamten hofft
Abg. 2in£ (Hosp. d. Rp.), daß die Verwaltung dem Wunsche der Kommission in Bezug auf Gehaltsverbesserungen stattgeben weroe. Ganz ungenügend seien die Wohnungsgelbzuschüsse für Unterbeamte.
Abg. Eickhoff (frs. Bp.) fragt nach den Gründen, aus denen die Verwaltung die Diesjährige Resolution des Reichstages auf Vereinigung der Postdirektoren und Oberpostinspektoren zu einer einheitlichen Besoldungsllasse nicht auSfüyren wollen.
Abg. Hamecker (Ztr.) wendet sich gegen die Stellung des Staalssekretärs zu den Bsamtenvereinen.
Nach weiterer Debatte, in der die Redner namentlich für bessere Avancementsverhältnisse der Unterbeamten eintreten, werden die dauernden Ausgaben bewilligt, ebenso die einmaligen Ausgaben, die Einnahmen des ordentlichen Etats, sowie der Reft des Etats. Debattelos werden ferner genehmigt die Etats der Reichsdruckerei, des Rechnungshofes, des allgemeinen Pensionsfonds und des Reichs- invalidenfonds.
Beim Etat des Reichseisenbahnamtes bedauert
Abg. Wetzel (nl.) das Scheitern der Betriebsmittel- gememjchaft. Ter Vorschlag Bayerns auf das Eingeben einer Güterwagengemeinschaft scheint auf ein totes Gleis gelangt zu fein. Redner wünscht eine Vereinheitlichung oes deutschen Reichseisenbahnwesens, namentlich auch mit ,Rücksicht auf einen etwaigen Krieg.
Abg. v. R i ch t h 0 f e n (kons.) tritt dem Vorredner entgegen.
Präsident des Reichseisenbahnamtes Schulz erwidert auf einige Wünsche des Vorredners betreffend Vrehoerkehr.
Hierauf wird um 7i/2 Uhr ein Vertagungsantrag gegen Sozialdemokraten und Freisinnige abgelehnt.
Abg. Müller-Meiningen weift einen heftigen Angriff zurück, den der Abg. b. Ersfa im Abgeordnetenyause gegen ihn gerichtet habe.
Abg. Picyler (Ztr.) wendet sich gegen die Wetzelscheu Ausführungen.
Abg. Eichhorn (Soz.) richtet Angriffe gegen den preußischen g-iskalismus.
Abg. B i n d e w a l d (Rfp.) erklärt, die Hessen feien mit der preuhisch-hessischenEisenba hu gemein-


