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30.11.1907 Erstes Blatt
 
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Demteftenei Anzeiger werden im Wechsel mit dein ßth1fd?cn Landwirt bie Sieyrnei Kamillen. Hättet viermal in der - Uoche beiqeleqt und

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Samstag 30* November 1907

157. Jahrgang

Erstes Blatt

Notatlsmdru« und VeJag der vriihl'schen Univ.-Vuch- und Zleindruckrrei. ll. rang«, «edattlon. Expedition und Druckerei - rchniftratz« 7.

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Be ran l wo rt ltch tür den politischen Teil: E. Vlnöerion, i. Feuille­ton und .vermischtes^ P iffiutfo; füt .Stadt il Land- und«end;t0* |nal E. Ipe6. füt den Anzeigenteil: H Beck.

Sl.mmuugsdild aus dem Kelchstage.

Berlin, 29. Nov.

Der heutige zweite Tag der ELatsberatung zeigte viel inehr das Gepräge des großen Tages als der gestrige. Die Abgeordneten wurden in der Wandelhalle des Reichs­tags um Eintrittskarten bestürmt und au chdie Diplomaten-, gundesrats* und selbst die Hosloge waren besetzt. Der Reichskanzler erschien etwa eine halbe Stunde nach Beginn c>er Sitzung. Man hatte zu Anfang die in Aussicht ge­stellten Ertlärungen des KriegsministerS erwartet. Aber er zog es vor, auf die ernsten, kurzen Andeutungen der Abgg- Basserniann und Spahn zunächst noch Herrn Bebel folgen zu lassen, und dieser gab dann auch dec Rede des ^errn v. Einem eine breitere Grundlage. Mer zunächst nahm wider Erwarten der preußische Finanzminister Herr o. Nheinbaben das Wort zu einer Rede, die man ja sahrans, jahrein beim Reichsetat von ihm zu Horen gewohnt ist, die er aber gestern mit einer Schärfe und mit einer bemerkbaren Spitze gegen den Abg. Basser mann pointierte, daß das Zentrum seine Helle Freude daran hatte, und man im linken Flügel des Blocks seiner Ver­stimmung unverhohlen Ausdruck gab. Unter den: demon- straliven Beifall der Rechten lehnte er rundweg und zu­gleich auch im Namen seiner Kollegen von den kleineren Bundesstaaten jede direkte Reichssteuer ab. Er versuchte, trie Führer der Linken zu ironisieren und warf mit der Reichs-Bermögens- und Reichs-Einkommensteuer auch die Wehrsteuer, die der nationalliberale Führer in erster Linie empfohlen hat und die ja auch auf der rechten Seite sehr viele Freunde besitzt, in den Orkus.

Dann kam Herr Bebel. Man hörte ihm, wie stets, auf­merksam zu. Aber seit die große sozialdemokratische Fraktion bei der Wahl in Scherben ging, ist es auch bei Herrn Bebel mit dem Glück von Edenhall vorbei. Das Feuer der Leidenschaft lodert noch in seinem weißen Haupte, aber es packt nicht mehr, und das schlimmste Schicksal, das einem führenden Redner passieren kann, hat ihn erreicht, er wird nicht mehr ernst genommen. Dabei war es an sich recht wirksam, was er über die Teuerung sagte, und die Stim­mung, die sich in den ärmeren Schichten bemerkbar macht; aber als er ein winziges Brötchen zum Zeichen der hohen Brotpreise vorzeigte, da lachte man; die Erinnerung an die dicken Knüppel aus den Kolonialreden war zu lebhaft. Dann kam die Piece de resistance: Der Moltke - Har- den-Prozeß und die Kamarilla, und als er die Anklage- und Verteidigungsrede Hardens nochmals vortrug, da lachte der Reichskanzler, er schüttelte sich vor Lachen, und mit ihm brach das ganze Haus in ein herzhaftes Gelächter aus. Fast plötzlich brach Bebel seine Rede ab, mit der An­kündigung, daß er zu den anderen Fragen erst bei späteren Gelegenheiten sprechen würde.

In seiner soldatischen, verbindlichen und doch entschie­denen Weise erwiderte dann der Kr i e g s m i n i st e r. Mit seiner hellen Kommandostimme rief er in den Saal, daß bei den entsetzlichen Dingen aus dem Hardenprozeß es sich nur um einzelne Vorgänge handelt, daß die Armee und das Ossizierkorps rein sei und daß jeder, der solcher Tinge zu recht beschuldigt werde, heraus müsse aus diesem Kreise. Der neue Moltke-Harden-Pcozeß, dem der Kriegs-

minister mit Ruhe entgegensieht, wird ja die Oejfentlichkeit noch weiter mit diesem Thema beschästigen.

Eine angenehme Erinnerung an frühere Zeiten, in denen noch nicht in dem Maße Skandale undFälle" die Etatsverhandlungen beherrschten, rief Fürst Hatzfeldt als Sprecher der Reichspartei hervor, der die Debatte aus das Gebiet der Etatszissern und Steuerfragen zurücksührte.

Eine kurze Bemerkung dieses Redners über die aus­wärtige Politik war das verabredete Zeichen für den Reichs­kanzler, sich, noch in später Stunde, in längerer Rede über die verschiedenen Fragen der auswärtigen Politik bereits vorweg zu äußern. Für die innere, die Blockpolitik, kündigte er weitere Ausführungen im späteren Verlaus der Etats­beratung an. Heute äußerte er sich über die Marokkopolitik, wobei er seststellte, daß das Vorgehen der Franzosen und Spanier mit der Algeeirasakte nichts zu tun habe. Ein Ruf des Beifalls, der aus allen Bänken des Hauses zu­sammenklang, unterstrich die Worte des Reichskanzlers, mit denen der Reichskanzler dem englischenHerrscher- hause und dem englischen Volke den Dank für die Aus­nahme unseres Kaiserpaares aussprach und den freundschaftlichen Gefühlen des deutschen Volkes für die englischen Vettern Ausdruck gab. Seine Ankündigung eines Weißbuches, wenn auch einstweilen nur über die Haager Konferenz, wurde beifällig ausgenommen, und die Lacher hatte er auf seiner Seite, als er auf die ihm und seiner Gemahlin von den Herren Harden und Bebel zugeschriebenen Beziehungen zur Eulenburgschen Kamarilla einging und der höfischen Kamarilla die rote Kamarilla der Sozialdemokratie entgegenstellte.

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Diewichtigste preußische Frage", wie man nicht ohne Grund die Polenfrage genannt hat, hatte das Haus an der Prinz Atbrechtstraße im Sitzungsraum und aus den Tribünen regelrecht gefüllt.

Nach Wahl des alten 'Präsidiums ließ man ritterlich zuerst einen Vertreter des Polenstammes Herrn von Jazdzewski zu Worte. Er gab sich als Mann der ruhi­gen Form. Sein stärkster Trumps war es, als er zum Schluß die Rechte gen Himmel streckend, in etwa folgende Worte ausbrach:Es gibt eine Kraft, die von oben kommt, die beruht auf der Gerechtigkeit Gottes. Wir vertrauen auf die Gerechtigkeit Gottes, welche zwar langsam arbeitet, aber uns beisteht." Solchen Ausruf, wenn er einer inne­ren Ueberzeugung entspringt, zu höhnen, liegt nicht im deutschen Wesen. Aber wie sehr sind wir doch innerlich in Selbstbewußtsein und Selbstgenugheit (wenn es erlaubt ist, dies Wort zu bilden) seit 1831 und 1848 erstarkt, daß die ganze polnische Bewegung und die Personen ihrer Führer für uns so gar keinen romantischen Schimmer mehr haben. TaS deutsche Volk in seinen breiten Schich­ten kennt heute weder die aristolratischen noch die demo- kratisck^en Führer der Polen, vom eisgrauen Fürsten Radzi- wil bis 5-11111 jungen Kor,autt) hin, uni) üiteref) verte sich nicht für sie. Möge es ruhig so bleiben! Wir haben jetzt in der Welt andere Dinge zu tun! Und unter diesem Gesichts­punkte brauchte man es denn auch nicht zu bedauern, wenn die vorhin genannte Operette mit ihrer polnischen 31oman­tik bald ganz verschollen fein würde.

Die Minister v. Arnim und Beseler sagten ihr verhältnismäßig kurzes Sprüchlein und die Wgg. von Zed­litz (freikons.) und Porsch (Ztr.) legten die Stellung ihrer

Hi tzcuer Kuufivclein.

Der ersten Ausstellung des Winters, die trotz einzelner tüchtiger Werke keine rechte Anziehungskraft bewahren konnte, da die Masse des Alltäglichen zu stark überwog, ist jetzt eine weit interesfantere gefolgt. Nicht daß Werte ersten Ranges den Weg zu uns gesunden hätten, was immer ein Zusammenwirken vieler glücklicher Umstände zur Vor­aussetzung hat; aber diese Ausstellung zeigt in günstiger, ungefucht sich ergebender Gruppierung verschiedene Tech­niken, verschiedene Naturauffassungen in interessantem Wettkampf, und selbst die Stosswahl hebt viele ihrer Bil- der aus oem Bereich des Gewohnten heraus.

Den breitesten Raum nehmen die ausgesprochenen Impressionisten ein, M. F l e i s ch e r - Wi e m a n n s - Ber­lin, Flora Zenker-Antwerpen, F. Türck e - Charlotten- burg. Die fesselnden Porträts und Studienköpje von F. Zenker lassen am packendsten das Ringen nach dem rechten Ausdruck empfinden. Hier ist alles stürmisch, alles Gärung, und doch kommt, bei andächtiger Betrachtung in gebüh­rendem Mstand, auch der ruhige Genuß, während die Landschaften diese Wirkung verm.sfen lassen, der Impressio- nismus hier recht unausgegoren sich darstellt. Fertiger ist in seinem vielseitigen Schassen Fleischer-Wiemanns. Von größerer malerischer Erfahrung und Sicherheit zeugen seine Aquarelle, die Vdotive aus Paris, London, insbeson­dere Fluß- und Brückenbilder vorsühren, und dieselbe ziel- bewuvte Routine zeichnet die vielen, mehr ober weniger dem Stadium der Studie entwachsenen Landschaften, Bckd- nisskizzen und Figurenbilder aus. Die volle Summe seines Wollens und Könnens offenbart der Maler in den Dar­stellungen badender Gestalten, von denen das große Bild am Eingang des Saales trotz einiger nicht ganz glaub­hafter Lichter und Reflexe am meisten zu loben qt. Schwachen sind die Aktstudwn, die nach alter, aber darum schon lange nicht mehr guter Ateliersitte mit bedeutenden Namen (Leda, Neue) prunken; auch dieEcho benannte Aaldjzone mit drei solcher Aitsiguren scheint zu beweisen, daß mit dem so bestimmt ausgesprochenen Wollen das Können Künstlers nicht immer gleichen Schritt halt. Alles in allem ein respettablec, aber etwas zu fertiger Impressionist, leider so einseitig auf fein eigenartiges, flackerndes und flimmerndes Farben- und Lichterspiel be­

dacht, daß Stimmung unD Govanten Darüber zu kurz kom­men. In engen Schranken bewegt sich die einfachere Kunst F. Türcke's. Großstadtmotive, gut, wenn auch mit kühlster Nüchternheit beobachtet und in etwas einförmig katalog- hafter Weise zu Papier gebracht, gleich zwanzig auf einmal. Es lohnt sich zu unterscheiden und tue glücklichsten Mo­mente herauszuholen; aber sicher, weniger wäre mehr gewesen.

Diesen Gemälden stehen zwei Serien graphischer Kunst gegenüber, die den Besuchern der Ausstellung manches Rätsel ausgeben. Wir sind von den Graphikern unserer Tage, vor den großen Bahnbrechern bis zu ihren kleinsten Nachtretern, soviel des Tiefen und Geheimnisvollen ge- gewöhnt, daß wir uns nicht leicht verblüffen lassen. So wollen wir die kraftvolle künstlerische Sprache H. Vol­ke r t s - München, der uns gleich am Eingang mit einem Dutzend feiner Ex-libris emp.ängt, auch in- seinenLeuch­tern" genießen, wenn wir sie auch nicht ganz verstehen. Sind das Fragmente, ist es eine volle Serie? Was hat das in den meisten allerdings beherrschende Motiv des Lichtes mit dem allen gemeinsamen TitelLeuchter" zu tun? Steckt in dem siebenarmigen Leuchter des einen Bildes des Rätsels Lösung? Wir verzichten und wenden unsere Blicke aus die zierlichen und technisch vortrefflichen Radierungen von W. Doms-Berlin hinüber. Auch hier­ein bedeutendes zeichnerisches Vermögen, verbunden mit wohltuender Klarheit des Vortrags. Was der Künstler aber darstellt, ist nicht von dieser Welt. Tolle Phantasie­stücke voller abenteuernder Fratzen, voll unmöglicher und doch überraschend glaubhaft gemachter Mischungen wider­sprechendster Wesen, ein Höllenspuk, gegen den Teniers zahm erscheint, zieht an unseren Augen vorüber. Zum Glück aber auch Humor, wenn auch in groteskester Form; der Künstler scheint über sich selbst zu lächeln und entwaffnet die Kritik. Diese lebenswahren Darstellungen des absolut Unwirklichen und Unsinnigen stehen künstlerisch m. E. er­heblich höl-er als die mystischen Grübeleien Volkerts, der sich mit ungleichem Gelingen bemüht, die Brücke zwischen den Welten des Scheins und der Wirklichkeit zu schlagen.

Wir wünschen dieser Ausstellung viele und wißbegierige Besucher; sie gibt zu denken und entläßt keinen unbelchrt.

B. S.

Parteien dar; aus des einen Reoe klang das Za, aus des andern das Nein deutlich hervor. Von innerer Wärme war erfüllt die bann folgende Rede des Abg. Fried­berg (nL). In nationalen Kreisen hat sich unleugbar ein gewisses Mißtrauen festgesetzt, ob wir mit den bisher zur Wwehr der Polengefahr angewandten Mitteln auf dem Wege zum Erfolge sind. Dieses Mißtrauen kann die Nei­gung zu weiterem Vorgehen schmälern, es kann aber auch gerade umgekehrt die Erkenntnis beflügeln, daß weiteres geschehen muß. Täuschen wir uns nicht, so sind die An­zeichen für die letztere Entwicklung nicht ungünstig.' Mit engem Sinne und engem Horizonte freilich soll man nicht an die Frage herantreten. Man kann getrost wie der Abg. Friedberg offen erklären:Wir sind nicht so ein­seitig, daß wir den Polen ihr Verhalten von ihrem nationalenStandpunktirgendwiever- argen; aber fie müssen sich die Konsequenz gefallen lassen, daß wir uns nicht dabei be­ruhigen, die Besiegten zu sein." Diese Formu­lierung wird in weiteren Streifen, die nicht daran denken, ihr nationales Gefühl und ihren nationalen Stolz mit unfreier enger Gesinnung gegen Fremde zu verquicken, Widerhall finden. Trotz der gegnerischen Stellungnahme des Sprechers der freifinnigen Volkspartei Kindler zur Vorlage ist die Hoffnung nicht aufzugeben, daß auch linksliberale Kreise das Unterliegen des deutschen Elements nicht als letzten Sck)icksalsschluß ansehen. Mch der na­tionalliberale Redner lehnte es ab, alle Einzelheiten der Vorlage unbesehen hinzunehmen; Beseitigung von Be­denken wirtschaftlicher Natur, Klärung mancher Punkte wird in der Kommission noch nötig sein; aber zur Bewilligung der zur planmäßigen Fortsetzung der Ansiedlungspolitik erforderlichen Mittel erklärte sich die Partei unverhohlen bereit

Gerade die Planmäßigkeit war bisher nicht im ge­nügenden Maße vorhanden. Die Anfieolungskommisswn mußte bisher das Land nehmen, wo es gerade zufällig zu haben war. Die nun vorgeschlagene Enteignung zu Zwecken deutscher Siedlungen, die auch gelegentlich deutsche Besitzer treffen kann, ist nicht, wie man vielfad) glaubt, etwas, was sonst nirgends in der Welt zu finden ist. England, das gelobte Land der Freiheit, scheut nicht zu­rück vor der Enteignung zu gunften kleiner Siedlungen. Was nock) vor wenig Jahrzehnten als ein untunlicher Eingriff in das Eigentumsrecht erscheinen mochte, hat beule, von einem moderneren Standpunkte, dem die neu­artige Ausdehnung des gemeinwirtschaftlichen Gedankens nicht fremd geblieben ist, seinen Stachel verloren. Dagegen gehört zu Bedenken, die sich gegen die Regierungs­vorlage erheben, die Gefahr, daß enteignete Besitzer nach anderen preußischen Gebieten üb ergreifen; namentlich für O bersch le sien muß noch auf geeignete Abwehr Bedacht ge­nommen werden. Nicht zu den Bedenken, die für uns in Frage kommen können, gehört uad) Friedbergs Ansicht u. cu die Rücksicht auf etwaige Mobilisierung des Auslandes durch die Polen. Lebhaftes Bravo weckte die Ertlärung, daß dadurck) kein Eindruck zu erzielen sei; daß wir Deutsche unsere eigenen Wege gingen; daß wir uns nicht einschüch- tern ließen, und daß durch solche Machenschaften die Sache der Polen nicht verbessert, sondern verschlechtert werde.

Es sprach dann noch der Abg. v. Oldenburg (kons)., der begreiflicherweise umso mehr das Bedürfnis fühlte, gegen die Polen zu polemisieren, als er gegen die Bestim­mungen über die Enteignung schwerwiegende Bedenken vor trug. __

B o m X! a n D e s in u j e u m Darm N ad l. Dem Großh. £anbesmu|eum ift eine Schenkung zuteil geworden. Oberst Freiherr von Heyt hat Dem 'JJhifcum eine Sammlung Böcktinscher Werke geflötet, die aus 71 Handzeickmungen, 3 Aquarellen und einem vortrefflichen, noch jugendlichen Selbstbildnis in Oet besteht. Die Stiftung wird zurzeit in zwei zu diesem Zweck geräumten Seitenkabinetten dec Gemäldegalerie anigefletlt.

Ueber das Dr. Sendender gische Neurolo­gische Institut in Frankfurt a. M. wird geschrieben: Das neue KranLnhaus umgibt sich mehr und mehr mit eigenen wissenschaftlichen Anstalten. Früher haben wir über die, unter Ehrlichs Leitung stehenden Institute für experimentelle The­rapie, für Serumlchre, für Krebsforschung berichtet. Jetzt ist auch das Dr. Senckenbcrgisdie Neurologische Institut unter L. Edingers Leitung, welches bisher in den engen Räumen des alten Senckenbergianums innerhalb der Stadt geigen war, gemeinsam mit der Tr. Senckenbergischen Anatomie in einen neuen Prachtbau einge^ogen. Tie Aroeiten des Instituts werden von zwei Abteilungsoorstehern geleitet. Für die vergleichende Anawmie ist Tr. A r i e n s - K a p p c r s , bisher Dozent in Anvneroam, für die pathologische Anatomie Dr. Heinrich Vogt, Tozcnt in Göttingen, berufen worden. Eine ausreichende Anzahl Hil.scraste sind für die tedjuifd/en Aufgaben gewonnen. Tas Material fließt aus zoologischen Gärten, dann aber in großer Mengen aus den Frankfurter und auswärtigen Kranken- und Irrenanstalten zu. Tas Institut erkennt seine Aufgabe einmal in der Gewährung von Arbeitsplätzen, Material 2c. an solche, welche die normale oder patl-owgifche Anatomie des Nervenfvstems studieren, oder c>4 diesem Gebiete selbständige Arbeit leisten wollen. Tiefen steht außer den sehr reichen Samrnlungen auch eine Bibliothek, welche fast lückenlos die einschlägige Literatur enthalt, int Institut zur Verfügung. Tann sollen vom Direktor des Instituts und den Abteitungsvorstej)crn Bortefungszyk.en ge­halten werden, welche anatomisd>e, aber auch Linifdje Themata vetreffen, und fd)tüßlich übernimmt das Institut den bereits feit 1885 erscheinenden Jal/resoericht über die Leistungen auf dem Gebiete der Anatomie dbs zemralen Nervensystems, gemein­sam mit Dr. We.llenbrrg in Danzig. Zu auswärtigen Mitarbei­tern sind Tr. KvlMftainm und Queniel in Korngstein, Dr. Bing in Basel und Tr. Waltenberg in Danzig ernannt worden. Tie uiternationale ^rejüfluug der Akademien das Institut als Internatioimles Hinierforschuiigs-Jnstitut anertannt.

Kleine Run st ch r o n i k. Im Luisen-Tyeater zu Berlin wurde die Niiluärkomödie ^Das ^ciratsnest" von Gustav Davis, dem Autor vonUnsere Uäle", zum ersten Blate aus- aesührt und erzielte einen ^acverwlg. Weingartner beab­sichtigt eine englische LUistreise zu müevnel)men. Er Hal dafür daS e b n e r = Q u a r t e 11 aus Frankfurt cu Al. gewonnen.