Ausgabe 
29.11.1907 Zweites Blatt
 
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?r. 281 Zweites Blatt 1S7.IahvMna

Freitag 29. November 1907

Erscheint täglich mV Ausnahme deS Sonntags.

Die ..Siebener S^^Vtcnblöttcr*1 werden dem »Anzeiger* dermal wöchentlich betgeJtgt, das Kretsblatt fP.r den Kreis Gietzen" zweimal wöchentlich. Der ..ljessstche Landwirt" erscheint monatlich einmal.

General-Anzeiger für Oderhessen

RrtattonSdruck and Verlag der Brühl'schen UnioerfitälS - Buch» and 6tttnt>ruderet R. Sangt, Bietzen.

Redaktion, Exveditior» and Druckerei: Schul- stratze 7. Ervedilion and ilkrtag 6L Redaktion: 112. Tel.-Adr^ An-eia«Gietzen.

PoiHijdK Sagesic^atu

tiin Vadcmecum der Blockpotttik.

Jni Verlag der Buchhandlung der ^iattonalliberalen Partei ßculin W. 9, Schellingslraße 9) ist soeben eine kleine Schrift on Arthur Dix erschienen, die man gewissermaßen als ein Vade- leciun der Blockpolitik bezeichnen tonnte. In frischer votts- lnilicher Sprache verbreitet sie sich über die Vorgeschichte d.Block- olitif, ihre innere Logik und ihre Aussichten. Alan kann in machen Stücken andere Aufsasjungen hegen über die Vor- ange, die 311 der neuen Situation geführt haben; man raucht aiich nicht den freudigen Optimismus, der Herrn Dix ngesichtS der gegenwärtigen Parteigruppierung beseelt, zu ulen und ivird sein Schciflchen doch mit gutem Gewissen als ine anregende Lektüre zur Zeitgeschichte empfehlen können, gas Herr Dix in seinem Schlußwort über die Aussichten der Zlockpolitik jagt', wird ziidem von jedem liberalen Mann nterschrleben ivcrden dürfen. Es ist in der Tat jo: die Ne- ierung muß, soll der Block Bestand habeii, sich gegenwärtig alten, daß die liberalen Grundsätze und Forderungen gar n lange vernachlässigt worden sind; daß eine liberale Politik msomehr mit den Richtlinien dec nationalen Sclbsterhaltiing nfammenfällt, als mit sie es ermöglichen kann, die breiten Zolksinassen wieder zu einer den nationalen Staat bejahen- en Weltanschauung zurückzusühcen.

Die preußische Polenpolitik im österreichischen Parlamente.

Im öslerreichifchen Abgeordnetenhause gelangte gestern ine Anfrage des Obmannes des Polenklubs, Glombinski, an en Präsidenten über die int deutschen Reichstage bezw. .reußischen Landtage eingebrachten zwei antipolnischen Vor-- agen, die als antikulturell bezeichnet werden müßten und ie geeignet seien, die Grundlagen des Reiches und der nternationalen Beziehungen im Bewußtsein der Völker u untergraben, zur Verlesung. Präsident Weißkirchner er» oiderte, die Angelegenheit gehöre nicht zu dem Wirkungs- ceis des Reichsrates, und die Stelle, von welcher er sprechg, »erbiete ihm, ein persönliches Urteil über die fraglichen Naßnahmen zum Ausdruck zu bringen. Er halte aber .asür, daß der österreichische Ministerpräsident verpflichtet ei, sich mit dieser Angelegenheit zu befassen. Der Präsi- >ent forderte den Abgeordneten Glombinski auf, sich in iner Interpellation an den Ministerpräsidenten zu wenden. ;m weiteren Verlaufe der Debatte protestierte der Abg. Ztölzel entschieden gegen diese Einmischung in die internen lngelegenheiten des deutschen Reiches und richtete an den Zräfidenten die Anfrage, ob er nicht der Ansicht sei, daß >as Vorgehen der Antragsteller geeignet sei, nicht nur das »eutjche Volk zu beleidigen, sondern auch den österreichischen Ltaat in die schwierigste Gefahr zu stürzen. Präsident ÄeiMrchner bedauerte den Mißbrauch, der mit der Ge­schäftsordnung getrieben worden sei, und appellierte an Die Einsicht aller Parteien, an einer Reform der Geschäfts­ordnung mitzuwirken.

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Stallmeister a. D. v. Stnckrad.

Wie wir vor einiger Zeit an anderer Stelle berichteten, ,st der Stallmeister des Kronprinzen, Leutnant der Reserve ). Stuckrad in Potsdam aus dieser Stellung plötzlich ent» assen worden, weil Untergebene gegen ihn die Anzeige ustattet hatten, daß er sich eines Vergehens gegen § 175 )es Strafgesetzbuches schuldig gemacht habe. Nach dem

Militärwochenblatt" ist jetzt dem Leutnant v. Stuckrad, der bisher der Reserve des Dragonerregiments v. Bredow Nr. 4 angehört hatte, der Abschied bewilligt worden.

Ter heilige Krieg der Marokkaner.

Die Lage in Marokko hat sich seit einigen Tagen wieder verschlimmert. Aus Oran erhalten mehrere Londoner Morgenblätter die übereinstimmende Meldung, daß sämt­liche marokkanischen Stämme längs der Grenze zwischen Marokko und Algerien sich unter der Führerschaft des Stammes der Benisnassen vereinigt haben, um den h ei^i- ge n Krieg gegen die Franzosen zu führen. Die Marokkaner wollen nicht nur die Franzosen ans Udschda und aus Marokko überhaupt verjagen, sondern auch einen Ein­fall nach Algerien unternehmen. Einem amtlichen Tele­gramm zufolge find bei dem Ueberfall der fran­zösischen Abteilung unter dem Kommandanten Se- bille 10 französische Schützen getötet worden, darunter Leutnant Hillaire, zahlreiche Soldaten sowie Kapitän De- ville sind verwundet. Der Kampf währte sechs Stunden. Durch das schließliche Eingreifen von Verstärkungen gelang es, die Marokkaner über die Grenze zurückzuwersen. Dem Journal des Debats" wird aus Marakesch vom 22. Nov. gemeldet, daß der Sultan Abdul Asis sich durch Ver­mittelung des in Marakesch eingetroffenenTimes"-Korre- spondenten, Harris, bemühe, eine Aussöhnung mit seinem Bruder Muley Hasid zu erlangen. Die Bevölkerung von Marakesch hält eine solche Aussöhnung für durchaus möglich.

Derrtjches Reietz.

Berlin, 28. Noo. Me Verleihung des erb­lichen Adels an den Reichstagsabgeordneten für Kai­serslautern, 2r. Gustav Rösicke, soll von der Krone beabsichtigt sein und demnächst crjoigen. Der neue Name des Vorsitzenden des Bundes der Landwirte wird, wie verlautet, Freiherr v. Rösicke-Görsdors fein.

Als Nachfolger des französischen Bot­schaftsrats Leeomte wurde der Botschaftssekretär Theodor Berckheim zum französischen Botschaftsrat in Berlin ernannt.

Wie das Berliner Tageblatt auf Grund zuverlässiger Informationen mitzuteilen in der Lage ist, wird Geh. Kommerzienrat v. Mendelssohn-Bartholdy, falls ihm das Reichsbankpräs.dinm angeboten werden sollte, diesen Ruf unter keinen U m ständen annehmen.

Dem ,,Berl. Lolalanz." zufolge wurde bei der gestrigen Neichstagserjatzwahl im Wayirrerse Daun-Prüm-Bittburg für den verstorbenen Dasbach der Zentrumskandidat Erb­prinz zu Löwenstein mit großer Majorität gewählt.

München, 28. Nov. Im Finanzausschuß der bayrischen Abgeordnetenkammer gab heute der Finanzminister zu, daß sich aus der Ortsporto-Er- höhung nicht die erwartete Einnahmen-Erhöhung er­geben habe. Ferner verbreitete sich der Minister über das Sinken ö er Telephon reute und betonte, daß eine Reform des Telephontariss unabweisbar sei. Diese Maßregel müsse im Einvernehmen mit den anderen deut­schen Verwaltungen vorgenommen werden. Namentlich müßten diejenigen Abonnenten herangezogen werden, die das Telephon stark benutzen. Die bayrischen Vorschläge seien von den anderen Verwaltungen im wesentlichen angenommen worden.

Ter Gesetzentwurf über die Pauschalierung der Landtags-Diäten wurde im Finanz-Ausschuß mit den

Stimmen oer ^iweracen uiw Dl>_> B--' uiigcitoinmen, in der veränderten Fassung, daß ein Abzug nicht ftat^ findet, wenn das Fernbleiben durch Krankheit, durch höhere Gewalt oder durch Gesetz im Interesse des Land­tages veranlaßt wurde, entschuldigt ist. Die Abzüge werden auf 10 Mark ermäßigt, time Beibehaltung Der Freifahrt findet nicht statt. Nach Der Atlg. Ztg. wurden hon mehreren Seiten Angriffe gegen die Regierung ge­richtet, wegen ihrer Schweniung in der Angelegenheit. Dr. v. Orterer drückte seine größte Verwunderung aus und erklärte, ein solcher Wechsel in den Anschauungen sei ihm in den 25 Jahren seiner Landtagstätigkeit noch nicht vor gekommen. __________________________

Brüssel, 28. Nov. DerSoir" veröffentlicht eine römische Agenturmelbung, worin es heißt, daß trotz aller Dementis die Unterhandlungen zur Herbeiführung einer Begegnung zwischen dem deutschen Kaiser und dem Präsidenten Fallier es anläßlich der Mittel- meersahrt des Kaisers fortgesetzt werden. Die Zusammen-- tunft solle in Monaco stattjinden.

Paris, 28. Nov. Die Kammer beschäftigte jich heute mit dem Marinebubget. Der Deputierte Benozet ver­langt eine Verstärkung der französischen Flotte, da die europäischen Aiächte Die französischen Kolonien mit lüsternen Augen betrachteten. Redner weist daraus hin, daß die dcuiscye Flotte bald der französischen überlegen sein werde uno befürwortet den Bau großer Linien­schiffe. Der Deputierte Lebacl spricht sein Bedauern aus über die zögernde Haltung Der Regierung bei Erbauung neuer Schiffe.

London, 28. Nov. Einige Minister des Kabinetts Campbell-Bannerman haben nun einstimmig erklärt, daß fie, so lange die unerhörten Demonstrationen der Frauenrechtlerinnen anvauern, in reiner öf,entliehen Versammlung, zu der überhaupt weibliche Zuhörer zu- gelassen weroen, Reben halten wollen. Die Veranstalrer der Versammlungen müs,en dafür garantieren, daß keine Frauen Den Saar öureien. Die Minister wollen sich von Den wütenden Amazonen weder beschimpjen noch prügeln lassen, wie es vor kurzem Herbert Gladstone passiert ist.

Sitzung der Sterdtverordnetess.

(dienen, viooember.

Anwesend: Oberbürgermeister Mecum, Die Beigeordneten Keller und Georgi. Stadtverordnete Brück, Eichenauer, Emmelius, Euler, Faber, Dr. Guifleisch, Dr. Haberkorn, Haubach, Heichelheim, Helfrich, Helm, Huhn. Jann, Jughardl, Krumm, ^eib, Vöber, Voo§, Orlng, Petri, Dr. Schäler, Schafsstaeot, Walleniels, Dr. Wumnenauer.

Tie cvent. Anlage städtischer Gelder.

Stadlv. Heichelheim fragt an,-ob hier Vorkehrungen ge­troffen seien, daß bei vorübergehender verzinslicher Anlegung von städtischen Kapitalien Fälle ivie jüngst in Offenbach aus­geschlossen seien.

Ter Vorsitzende erwidert, daß keine Bestimmuiig bestehej die den Bürgermeister hinsichtlich solcher Kapitalanlage irgendwie beschränke. Er weide aber keine derartige "Anlage lnachcii, ohne vorher Die Finanzdeputalion bezw. die Stadtveroidneten-Versamm- luiig in Anspruch zu iiehnien.

Beig. Georgi hält es bei der jetzigen Besetzung der Bürger« meislereiilellen unD dec Zusammensetzung der Finanzdeputalion für ausgeschlossen, datz hier elivas derailiges vorkommen könne.

Stadlv. Heichelheim ist von der Antwort befriedigt. Tes Grotzherzogs Dank.

Ter Vorsitzende teilt Ml, daß er zil Beginn der Fest- vorstellung im Sladlthealer des Geburtstages S.K. H. des Groß­herzogs gedacht und diesem die Glückivünsche der Teilnehmer übermittelt habe. Darauf sei am Dienstag folgendes Dank­telegram m eingegangen:

Kleines LsniUeton.

Wilhelm Busch-Abend. Busch, der große Meister achenber Kunst, wurde einem kleinen, humorfrohen Publikum im Donnerstag abend im Gießener Neuen Saalbau von einem Oerrn August Schacht und seiner Frau in Wort und Bild wrgeführt. Herr Schacht hat ein gutes Gedächtnis. Er trug die 8erse unseresKönigs der Karikatur", wie Busch von einem Franzosen genannt worden ist, frei vor, während seine Frau )ie Lichtbilder darbot: eine Siegesallee deutschen Humors. Ob- oohl dem Vortragenden die Kunst des.Sprechens.nicht zu eigen ft, obwohl sein Vortrag gar sehr dilettantisch ist, _ bemüht er ich doch um Charakteristik nicht ohne hübschen Erfolg. Und 's liegt zudem in seiner Vortragsart etwas anheimelnd Behag- iches, 10 daß man mit der Zeit, wenn man sich mit der mangelnden Technik ausgesöhnt hat, doch warm wird. Und zudem bleibt )ie Kunst des Kleinzeichners Wilhelm Busch in ihrer Art doch nimer wahrhaft groß. Die technische Wirkung, die der Zeichner 8usch mit ein paar anscheinend nachlässigen Strichen von kluger Berechnung hervorbringt, zeigte sich in ihrer ganzen erftaunlichen Lustigkeit durch die Vorführung der sehr wohlgelungenen, zum wößeren Teile diskret kolorierten Lichtbilder. Welche außer- wdentliche Oekonomie in der Verwendung der Mittel bei Busch! Aichts ist komponiert, alles scheinbar flink hingeschrieben, wie die Zen flüchtig ist und jede im Leben geschaute Szene. Er ist em ehr großer Meister der Bewegung, namentlich Der, schnellen )der gewaltsamen Bewegung durch die Unmittelbarkeit seiner Be- ibachlungsgabe. Er charakterisiert den Philifter meisterlich und indet im engen Dorsidyll keinen Unterschied zwischen schön und faßlich, sondern alles in der Natur zur Darstellung verwendbar, )ie verzwicktesten, verrücktesten Situationen, wie tmGeburls- ag", in ,,Plisch und Plum" usw. Busch ist ein Momentphow- ?raph ohnegleichen. So summarisch die Behandlung ift, so ver- infacht die Kontur. Mimik, Gestikulation und Anordnung sind tets ausdrucksvoll. Seine Linienführung ift immer groß rind 'infach trotz alles scheinbaren Wirrwarrs, alles anekdotifch Gleichgültige abstrahiert zur Form der Dinge an sich, trotz iller Neigung zum anekdotifch Grotesren. Er bewegt sich zu- neist in den seltsamsten Kontrasten, er bevorzugt z B. die fanz dicken Leute, oder die ganz dünnen. Er zeigt den Menfchen )urch alle Altersstufen, von der früheften fügend bis zum Verfall, und begleitet seine Zeichnungen mit monumentalen 2trophen. Seine flüssigen Verse werden nie vertrocknen, seine Blätter nie verwetten. _ . r m A ra

- Em Buch des neuen Greßener Pfarrers Bechtols- leimer.Der Wiesbadener Volksbildungsverein, der sich durch Herausgabe seiner Volksbücher schon große Verdienste um die Verbreitung besten, billigsten Lefeftofss erworben hat, bringt soeben in neues Bändchen. Es hecht:Das n g er l a hr Hch. Beäitolsbeimer. iieu neue Gietzener ^laiiei, der bisher nu chemhesf. Atombach wirkte, Hal es gefchriebem Weniges durtte unter der Volksbücher-Sammlung sein, was der Ausgabe, sie sich gestellt hat, so gerecht wurde, als diese

Erzählung aus der Zeit nach den napoleonischen Kriegen. Sie spielt in Rheinhessen und bringt einen schlichten Heldengesang von einem Bauer, der sich auf feinem Dors in schwerer Zeit hindurch­gerungen hat durch viel Elend, Versuchung und schuld zu einem gediegenen und glücklichen Leben. Wer sich interessiert für die Hilflosigkeit einer Zeit ohne Eisenbahnen und ohne weitschauende Wirtschaftspolitik, wer Volksnot in einer Zeit ohne Brot studieren will, der kommt ebenso auf seine Rechnung, wie der, den es danach gelüftet, unheimliche Schmugglerfahrten in bei- Heimat des Schinderhannes mitzuerleben. Es ist eine Bauerngeschichte, eine echte, keine Salonbauerngeschichte.

Zu einem Festkonzert des T 11 r u er - S ä u g e r- ch 0 r s zu O s s e u b a ch am 27. d. M. war das G r 0 ß h e r z 0 g s- p a a r erschienen. Alle vorgelrageiien Komposilioneii rührten von Dr. Friedrich Hegar her und diejer befpnnte Schweizer Komponist leitete seine Werke zum Teil felbst. Solisten ivaren Adolf Atüller tiud Willy Schmidt ans Frankfurt.

Aus Mannheim, 24. Nov., wird uns geschrieben: F i tz e b u tz e", Traumspiel in 5 Auszügen von Richard D e h - mel, in Musik gesetzt von Herrn. Z il ch er, erfuhr auf der hiesigen Hofbühne feine Uraufführung. Der Dichter durchfchweifte mit seiner Phantasie kühn die Reiche der Märchen- und Zauber­welt und stellt die höchsten Anforderungen an das rein technische Können einer modernen Bühne.- Der Held der Dichtung (sie ist bei S. Fischer in Berlin als Broschüre erschienen) ist Fitze­butze, ein Hampelmann, der von dem mächtigen Traumgeist Husch erlöst, b, h. zu kurzem Leben erweckt wird. Mit zwei Kindern, Detta und Heinz, reist nun Husch im Luftballon umher; Fitzebutze, ein arglistiger Geselle, ist ihr Begleiter. Sie kommen zusammen nach dem Zauberwalde, tanzen und singen mit den Blumenelsen, sehen den Weihnachtsmann, der sie reich beschenkt. Fitzebutze weiß sich eine Zauberblume zu verschaffen; mit deren Macht entführt er die Kcknder nach Mexiko, in fein Reich, zitiert eine Karawane, die ihm huldigt, und eine Fitzebutze-Garde, die ihn schützt. Auch nach dem Märchengarten gehts, zu den Elfen und Soldaten des Weihnachtsmannes. Ueberall gibts Reigen und Tänze, und überall sucht Fitzebutze seine losen Streiche zu spielen. Im Märchenlande aber geht seine Macht zu Ende, er ist bald wieder Hampelmann, das Spielzeug der 5ttnder geworden. In ohnmächtiger Wiit wirst er einen Nagel herab, an dem er hing. Die Kinder erwachen^ von ihrem herrlichen Tramn, dann umfängt fie wieder der Schlaf . . . Die Musik Zilchers zeugt von großem Können, auch von Begabung und Erfindung. Die Gesänge der Kinder, sowie deren Tänze find melodiös und harmonisch interessant. Alle Vorgänge auf der Bühne vollziehen sich nach dem Rhythmus der Musik. Die Vorspiele zu den einzelnen Bildern bieten eine stimmungsvolle Musik, die sich nur in prägnaitterer Kürze halten sollte. Sie steigt oftmals Ivie auf Stelzen auf, ist trotz aller korrekten und geschickten Arbeit nicht volkstümlich genug, sie läßt vielfach kühl, erinnert in der Behandlung der Kinderlieber übrigens oft an Humperdinck. So hübsch die dichterische Idee auch ist.

der Durchführung gebricht es an Humor, namentlich im zweiten Bilde. Das wirksamste ist das dritte: Mexiko. Den Mangel an Humor teilt Die Musik mit der Dichtung; außerdem läßt zuweilen eine zu dicke Instrumentierung dieselbe als zu schwer­fällig erscheinen, einzelne Gesänge kommen nicht recht zur Wir­kung. Vorzüglich war Die Aufführung. Nach jedem Teil gab es freundlichen Beifall und einige Hervorrufe, am Schlüsse wurden Die beiden Autoren Der Novität gerufen. Die Dichtung ift zu künstlerisch vornehm, um auf Die Masse zu wirken, Die Musik entbehrt der packenden Momente, Der Schlager, um zu zünden, so gefällig und feinsinnig sich auch manche diuancen der Par­titur präsentierten.

Geheimrat Prof. T r. Heinrich Der n bürg ist am Dienstag auf dem Luisensriedhofe bei Berlin im Dernburgschen Erbbegräbnis^ beigefetzt worden. Es hatten vor dem Sarge Die nachten Benomwren des Berstorbinen Platz genommen: feine beiden Töchter, sein Bruder Friedrich Ternöurg, der StaaSfekrc-- tär Bernhard Dernburg und Professor Biermann aus Gießen. Rings herum standen Die studentischen Korporationen in buntem Wichs mit ihren Fahnen. Vom Justizministerium war der Geh. Oberjustizrat Dr. Baurwig erschienen, vom Kultusministerium Ministerialdirektor Neumann. Die Universitätsbchörde war dmch den Rektor Professor Stumpf vertreten; ferner waren Die Pro­fessoren Gierke, v. Willanwwitz-Möllendorf, Kohler und Kahl an­wesend. Das Herrenhaus hatte seine Mitglieder Pros. Dr. Löning und Dr. Wachler entsandt. Eine Fülle von Kränzen bedeckte den eichenen Sarg, so vom Gesamtvorstand sowie von Der Neuen Fraktion des Herrenhauses, von der Gießener j u r i st i s ch e n Fakultät (ihrem grüßten Doktor), von verschiedenen juristi- fchen Gesellschaften, von Der Stadt Charwttenbnrg u. a. Militär­pfarrer GoenS schilderte den Lebensgang des Verblichenen, pries dessen echt deutsches Empfinden, geigte, wie sein reiches juristi­sches Wissen tausendfältige Frucht getragen hat. Dernburg stand nicht unter dem Recht wie ein Gebundener, sondern über dem Recht, beobachtend, prüfend, beurteilend. Sein Wissen Ivar zu­gleich sein Gewissen. So scharfsimng er auch als Jurist war, er wollte nicht nur mit Dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen richten. Prof. Dernburg hat uns ein mteressames K a i s e r w 0 r t überliefert. Es behandelt eine Episode aus Der Geschichte des bürgerlichen Gesetzbuches und knüpft an die Sitzung vom 13. November 1895 au, welcher Der Kaiser beiwoynkst Dernburg erzählt hierüber folgendes: In dieser Sitzung wurde Prof. Sohm (der bekannte Leipziger Gelehrte, Mitglied der Kom­mission) zum Vorträge über Die Regelung Des bäuerlichen! Agrarrechts bestimmt. Mit beredten Worten hob Sohm hervor, Daß Die Erhaltung des Deutschen Bauern-- ftandes noch mehr als von Gesetzen, von dem idealen Sinne der Deutschen Bauern zu erwarten fei; Der Kaiser sagte, zu seinem Nachbarn gewendet:Ich möa)te. Doch Dem Professor einige meiner mariischen Bauern vors ähren,, um sie auf ihren idealen Sinn zu untersuchen."