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24.12.1907 Zweites Blatt
 
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Dx. 302

Zweites Blatt

Dienstag 24. Dezember 190.

Gr1ch««m tLglich mtt Ausnahme des Sonntag«.

157. Jahrgan

Rotationsdruck und Verlag der BrLHNchm - Buch- und bretnüruckerell R. Lange, Sieben.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftrafee 7. Expedition und Verlag:

Redaktion; ^^112. Tel.-Adr^AnzetgerDieben»

General-Anzeiger für Gberheffen

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monaüich einmal.

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E. A. Gießen, 24. Dezember.

Weihnachtsglocken, Weihnachtslieder, Tannenduft und ; Lichterglanz! Wie eigenartig, wie süß-geheimnisvoll wirkt | euer Zauber immer wieder von neuem auf uns, die wir irns doch schon längst den Traumen der Kindheit ent­wachsen glaubten! Es ist, als wenn an diesem seeligen zeste alles, was gut und edel und schön ist im Menschen ! heraus wollte aus den verborgensten Tiefen seines Herzens, im im Geben und Schenken und Freudemachen erst vollstes Genüge zu finden. Seltsames, einzigartiges Fest, wie es noch leine andere Kulturwelt gefeiert hat, wie wandelst fru doch die Menschen um, sie, die sonst das ganze Jahr hindurch nur im Nehmen, Erwerben und Erraffen, im Mehren ihrer irdischen Güter den Sinn ihres Lebens finden, hier unter dem strahlenden Lichterbaume vergessen sie allen ihren Egoismus, hier fühlen sie's, daß auch im > Geben und in der Selbsientäußerung Seeligkeit ist. Und i-agen dem Menschen nicht die glänzenden, verklärten Augen [einer Lieben, daß diese Seligkeit etwas viel schöneres und vollkommeneres ist als alle Alltagsfreude des egoisti- . scheu Nehmens.

Wir leben heute in einem sozialen Zeitalter, und es ist wohl anzunehmen, daß der jozialpolit. Gedanke der Nächsten­liebe im Menschen zum erstenmal aus solcher Weihnachts- jiimmung heraus geboren ward. Dem modernen Menschen, leer wieder angesangen hat, nach einem tieferen Sinn des Lebens zu suchen, gibt die Symbolik des Weihnachls- sestes mehr als einen Fingerzeig, wo er den Sinn des Lebens finden kann. Und selbst jener Weise, der von der Nächstenliebe ab riet und die Fernfteuliebe predigte, er wollte un Grunde genommen das gleiche Ziel, den Sinn des Lebens finden, einen vernünftigen Menjchensinn. Aber der Nc.g, den er gewiesen hat, der ist wohl gut für Geister [einer Art, für höhere Menschen, wie er sie nennt Aber i»a ist die große Masse; lebt nicht auch in ihr ein Funke jener Sehnsucht nach dem höheren Menschentum und * [ einem Glücke? Und damit der höhere Mensch geboren Derbe, muh da nicht auch die übrige Menschheit aus eine I immer höhere Stufe der Vollkommenheit gebracht werden? 3 Einsam, für sich allein ist der Mensch nichts, da versinkt I tr ins Barbarentum zurück; nur im verständigen Zu- [ämmenavdeiten und Zusammenleben mit anderen kann er I' [ein Höchstes und Bestes leisten. Muß es denn ewig so J i Werben, daß wir Menschen Raubtieren gleichen, um uns $ im Leben durchzusetzen? Doch gewiß nicht. Im Mitfühlen und Mittragen und, wo es nötig ist, im Mithelfen zeigt J [ich doch ein sicherer und besserer Weg durchs Leben als ii im Kampfe aller gegen alle. In aller großen Kultur- 3 entwicklung kann wohl der Einzelne Führer fein, aber die ui Kultur selbst ist nicht sein Werk, hier müssen die vielen mit* j [chaffen und Stein auf Stein zusammentragen, damit der stolze Bau, den wir Kultur nennen, fertig werde.

Was uns heutigen Menschen in ganz besonderem Maße fehlt, ist die Einkehr in uns selbst. Wir gönnen uns zu x wenig Zeit, darüber nachzudenken, wie wir unser Leben _ am besten einrichten sollen; wir suchen sie zu selten, jene y stillste Stunde, in der wir unser Leben aus größerer Per- k spektioe betrachten können. Zu solcher Einkehr in uns ® selbst aber fordern uns gerade die Festtage auf, und ge- - eignetet hierzu ist wohl keines als das Weihnachtssest. i Es weckt die Erinnerung an unsere Kindheit und die hirnmel- £ stürmende Jugend; wir erkennen, wie wenig wir alle x schließlich von dem erreicht haben, was wir uns einst­mals vorgenommen hatten. Wir erkennen dann unsere ) Irrtümer und suchen nach neuen Wegen, wo wir Irrtümer Z «vermeiden können. Und die Hand der Liebe, die uns gerade cm Weihnachtsfeste so sanft und freundlich umfängt, sie führt £ uns zu den Unsrigen zurück und zurück zu unseren Mit- 5 Menschen, die unsere Mitkämpfer sein sollen im Kamps ums Dasein. Keine Feinde, sondern Freunde. Wem das - Weihnachtsfest diese Erkenntnis offenbart, der braucht nicht mehr ängstlich und vergeblich nach dem Sinne des Lebens zu forschen, denn er hat ihn bereits erkannt und er wird bann nicht vergeblich an den alten wundersamen Weih­nachtsspruch erinnern werden, der da schließt mit den Worten:

Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!"

politische Lagesßcha«.

Zur Krisis im Flottenverem.

In München verlautete dieser Tage, daß das Haupt- hräfidium des Berliner Gesamtvorstandes des Deutschen Flottenvereins seine Demission geben wolle. Zu dieser Meldung erfährt dasB. T." won autorisierter Seite, daß im Hauptpräsidium des Deutschen Flottenvereins an eine Demission des Gesamtvorstandes nicht gedacht werde, und diese oder auch nur ähnliche Gerüchte eines jeden Hintergrundes entbehren. Inzwischen haben die in Bamberg versammelten Vertreter des Kreis-Verbandes Oberfranken des Deutschen Flotten- Vereins beschlossen, unter Billigung der Stellungnahme des bayerischen Landesverbandes die Mitglieder dringend zu bitten, Austrittserklärungen vorerst zu unterlassen.- Die ,Meter Neuesten Nachr." stellen gegenüber verschiedenen Dementis fest, daß der Groß­herzog vonBaden seine Stellungnahme zur Krisis int Flottenverein in einer Form zum Ausdruck gebracht hat, die nicht den geringsten Zweifel läßt, daß der badische Landesverband jede Gemeinschaft mit Herrn Keim ablehnt Denselben Standpunkt nehme auch der Groß- Herzog von Keifen uack d§r Brinzregent vos

Braun schweig ein. Sollte die kommende Tagung des Flottenvereins Herrn Keim und den Fürsten Salm ver­anlassen, den Gedanken an ihren Rücktritt aufzugeben, so werden diese Fürstlichkeiten unverzüglich die Konsequen­zen ihrer Stellungnahme ziehen und jede Beziehung zum Flottenverein ab lehnen. Daß Prinz Heinrich von Preußen diesem Beispiel folgt, ist selbstverständlich. Auch der Kreisverband Rhein Pfalz des Deutschen Flotten­vereins bedauert die Wahl Keims zum geschäftsführenden Vorsitzenden und sieht eine Möglichkeit zur Beseitigung der bedauerlichen Krisis nur im Rücktritt Keims.

Strafsachen gegen jugendliche Personen.

Die württemb. Justizverwaltung hat, wie derStaatsanzeiger" meldet, zur Erleichterung der Straf­sachen gegen jugendliche Pers onen die Einrichtung getroffen, daß bei dem Amtsgericht Stuttgart die schöfsen- gerichtlichen Strafsachen gegen jugendliche Personen unter 18 Jahren in die Hände desjenigen Richters gelegt sind, dem die Behandlung der Fürsorgeerziehungssachen und die sonstigen in bte elterliche Erziehung eingreifenden Verrichtungen des Vormundschastsgerichts ftänbig über­tragen sind. Hiermit ist für das Strafverfahren gegen Jugendliche zugleich eine äußere Absonderung Oer Hauptverhandlung von Verhandlungen gegen Er­wachsene eingesührt Wegen der Ausdehnung dieser Ein­richtung auf die übrigen Amtsgerichte des Landes sind Erhebungen im Gange.

Die Krankheit der Zarin.

Der Verbreitung der Nachrichten über die lange Dauer der Krankheit der Zarin hat man, so wird demBerl. SagcbL" ans Petersburg geichrieben, absichtlich nichts in ben Weg gelegt Es war bekannt daß die Kaiserin vor längerer Zeit zur vegetarischen Lebensweise übergegangen und dadurch ihre Konstitution untergraben haben soll. Dies sollte als Erllärung dafür dienen, daß die so auf­fällig lange außerstande ist, ihre gegenwärtige Erkrankung zu überwinden. Ans guter Quelle verlautet jedoch, daß das eigentliche Leiden der Kaiserin kein bloßer Jnsluenza- anfall ist, sondern daß ihr Z u st a n d a l s ch r o n i s ch e nervöse Depression bezeichnet werden kann. Sie hat begreiflicherweise während der Revolutionsjahre eine schwere, sie körperlich und seelisch angreisende Zeit durch­gemacht, deren Erregungen noch dadurch gesteigert worden sein sollen, daß sie in politischen Dingen mit dem Zaren nicht immer eines Sinnes gewesen. Jetzt sei die Wider­standskraft ihres Nervettsystems soweit gemindert, daß die Aerzte eine planmäßige Behandlung durch dterven- spezialisten für notwendig erklären; als unerläßliche Be­dingung einer völligen Wiederherstellung fordern sie, daß die Zarin für längere Zeit Rußland verlasse und sich in völlig veränderter Umgebung bewege. Dessen weigert sich die Zarin, die sich von ihren Kindern nicht trennen will. Namentlich, heißt es, fürchtet sie einen Anschlag auf das Leben ihres Sohnes, des dreijährigen Thronfolgers. Seit der Strandung desStandart" und der Entdeckung der jüngsten,Verschwörung in Petersburg sei ihre Furcht vor Attentaten der Revolutionäre noch wesentlich gestiegen. Von Personen aus den Kreisen des Hofes wird versichert, daß möglicherweise eine Weir-Mitchell-Kur notwendig werde, wolle man die Zarin nicht völliger nervöser Er­schöpfung anheimsallen sehen.

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Auö Rußland.

Die gestrigen Verhandlungen tm Prozeß gegenden General Stössel waren größtenteils durch die Ver­nehmung des Generals Smirnow ausgefüllt. Seine Aussagen lauten 'belastend für den General Stössel, der wiederholt in unzulässiger Weise in die Befugnisse des Festungskommandanten eingegriffen habe. Durch diese stän­digen Einmischungen Stössels sei die Verteidigung der Festung außerordentlich erschwert worden.

DerBerl. Lokalanz." meldet aus Petersburg: Die dieser Tage verhafteten Revolutionäre beabsichtigten, den Reichsrat, der im Adelssaale tagt, in die Luft zu sprengen. Der Plan sollte von einer Persönlichkeit aus­geführt werden, die eine Journalistenkärte besaß. Hieraus erklärt sich die letzte Massenverhaftung von Jour­nalisten undSchriftstellern. Die Untersuchung er­gab, daß jene Karte gefälscht war. Alle verhafteten Jour­nalisten jmb in Freiheit gesetzt worden.

Zur Lage in Persien.

Neber die Lage in Nordpersien liegen jetzt äußerst beunruhigende Nachrichten vor. In Täbris herrscht geradezu völlige Anarchie. Diese verbreitet sich auf andere Städte weiter. Die Er­regung der Bevölkerung führt zu Plünderungen und allen Pöbelausschreitungen. Die Läden der Ausländer sind aus­geraubt. Der Schah hat über die Verhältnisse keinerlei Macht, da zu wenig Truppen vorhatlden find. In den Grenzorten ist Raub und Plünderung an der Tagesordnung. Längs der Grenze sind die russischen Kosakenposten ver­stärkt worden. Im Parlament Teheran ist durch seinen Präsidenten verkündigt worden, daß mit dem Schah folgendes vereinbart worden ist: Ter Schah willigt in die Verbannung Saad ed Taulehs und der Ränke spinnenden Priester und in die Bestra­fung der Personen, die die Unruhen hervorgerusen haben. Er erteilt Ala ed Daul eh und seinem Bruder die Erlaubnis zur Rückkehr. Er stelll für die Parlaments­gebäude eine Schutzwache von 300 Infante risten, unterstellt alle Truppen, einschließlich der Kosatenbrigade, die bisher ein Wrabhängiges Kommando bildete^ dem

Kriegsministerium und beläßt den russischen Offi­zieren nur die Instruktion, nicht wie bisher das Kommando dieser Brigade. Die Läden der Stadt werden wieder geöffnet. In diplomatischen Kreisen wird die Ansicht vertreten, der mißglückte Staatsstreich be­deute eineschwereNiederlage derRegierungs- bart ei und besonders der russischen Ratgeber des Schahs. In allen Schichten der Bevölkerung nimmt die Abnei­gung gegen die Russen in bedenklichem Maße zu. Privattelegramme aus Teheran bestätigen, daß ein Kom­plott gegen den Schah geplant ist und daß der Haupt- anftifter desselben der Oheim des Schahs Prinz Zill el Sultan sei.

DcutscHeA Reich,

Brüssel, 23. Dez. An amtlicher Stelle wird die Meldung eines Berliner Blattes, wonach die Frage von Neutral-Moresnet zwischen Deutschland und Belgien erledigt worden sei, entschieden dementiert. Die Unterhandlungen, die zur Beilegung dieser strittigen Frage schon seit Jahreri schweben, haben in den letzten Monaten' nicht den geriTigfteii Fortschritt gemacht.

DerBerl. Lokalanz." ntelbet aus Danzig: Eine Schutzvereinigung west preußischer Betrieb S- nnd Arbeitgeberverbände, die vornehmlich gegen die durch Streiks kontraktbrüchig gewordenen Arbeit­nehmer gerichtet ist, wurde unter dem Vorsitze deS reklors der Danziger Waggonfabrik Schrey gegründet

Zweibrücken, 23. Dez. Die Stadtverordneten von Saarbrücken und M a l st a t t - B u r b a ch, die der Ber­einigung der drei Saarstädte im Prinzip zustimmen, haben einstimmig beschlössest, die Stadt St. Johann zu gemeinsamen Verhandlungen über die Ver­einigung der drei Städte einzuladen.

F'.ozch Karöeu.

Doch immer finhen die Verhandlungen hinter rwrschloffenev Türen statt. Ein starkes Polizeiaufgebot hält ben Eingang -uw Gerichts! aal unter Bewachung. Selten findet sich einmal ein Neugieriger in der Haupthalle vor dem Verhandlungsiaal ein. öofort stürzen ein paar Schutzleute auf ihn los, um Um nach seiner Legillmatwn zu fragen. Besitzt er eine solche nicht, Jo muß er wieder von bannen, obwohl nicht die geringste Gefahr vorhanden ist, daß ein Gedränge entsteht, oder daß Zeugen bv» lästigt werden.

Harben erscheint eine halbe Stunde vor Beginn der Sitzung., Er sieht matt unb abgespannt aus und schleppt sich mit einem schweren Handkoffer voll Allen. Graf Moltke sieht frischer aus als sonst. Ten ganzen Vormittag verhandelt man. über Beiwe.santräge und streitet sich darum, welche Zeugen noch zu ücmebirant sind. Dazwischen wurde kurz Rechtsanwalt Jllich vernommen, der Vertreter her Frau v. Elbe in ihrem Ehe-, scheidungsprvzeß.

Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel stellte gegen Mittag den Antrag, bte Oeffentlichkeit wieder zuzulassen. Das Geriäst lehnte tedoch abermals den Antrag ab und vernahm zunächst bre Sach­verständigen, KtimmalLommissar v. TreSkow und Dr. Kopp über Gerüchte inbezug auf homofexuLlle Neigungen von Mit­gliedern der Hofgesellschaft.

Um V2I Uhr ericheutt Mrst Philipp Eulenburg, gs. stützt von seinen beiden Söhnen, an Gerichtsstelle. Auch Frau v. Elbe wurde wieder vernommen.

Am NackMittag rouroen die Sachverständigen, Kriminal- Üommiifar v. Trestow, Dr. Kvpp und Tietze vernommen. Sie gaben an, nichts über homosexuelle Steigungen des Grasen Moltke und des Fürsten Eulenburg zu wissen. Kurz nach 3 Uhr wurde die Oeffentlichkeit wieder hergestellt. Zunächst wurde die Ktanken- säpvester, Frau Lange vernommen. Sie hat die Frau v. Elbe vom Herbst 1899 bis zum Herbst 1900 gepflegt. Bors. : War sie leidlich gesund, als Sie sie verließen? Zeugin: Sie war noch leidend.^ Bors. : War Jte geistig ganz normal? Zeugin: Sie war nervös. Bo r s. : Hat sie schlecht über ihren Gatten geredet? Zeugin: Nein, sie hat garnichtS über ihn geredet. Sie sagte einmal:der Graf Moltke sei eifersüchtig auf seinen Sohn". Justizrat Dr. Sello: Der Grat glaubte wohl, daß der Stiefsohn ihm zu viel von Liebe seiner Frau entzog? Zeugin: Das weiß ich nicht. Oberstaals- arnvjalt Tr. I s e n b r e l : Hat Frau v. Eide ihrem Gatten Vor­würfe gemacht, daß et sie geschlagen habe? oder daß er sich sonst gegen sie vergangen habe? Zeugin: Nein.

Frau v. Elbe : Ich möchte gern erttlassen werden. Bors.: Ich möchte bitten, zu bleibeir, wir wollen morgen Feine Sitzung abhalten unb Heute wegen Erschöpfung des Angeklagten nur bis 4 Uhr verhandeln.

Es wird nochmals die Gesellschafterin Fräulein Rosen- bauer vernommen. Sie war bei Frau v. Elbe vom 1. Juni 1900 bis Mai 1901 in Stellung. Sie gibt an:.Frau v. Elbe habe mit ihr häufig über ihre Ehe unb ihren Ehescheidungsprvzeß gesprochen, einmal habe sic gesagteinen von uns geht es an den Kragen". Frau v. Elbe habe sich beEiagt, daß ihr Mann sie vernachlässige, daß er immet zu spät zu Tisch Lomnie chw. Später hat aller­dings die Gräfin sie um Verzeihung gebeten und erklärt, sie habe gelogen, als sie Schlechtes vom Grafen Moltke sprach. Die Zeugin gai weiter an, die jetzige Frau v. Elbe habe ihr erklärt, sie habe genügend Material gegen Graf v. Moltke, sie brauch«, nur noch einen tüchtigen Journalisten in Wien oder Überhaupt in Oesterreich, sie wolle durch Veröffentlichung des Materials ihren Mann blosstellcn. Sie sei mit ihrem Mann unzufrieden gewesen, er sei weiter gegangen, wenn sie an einem Schaufenster stehen blieb und immer sei er zu spät zum Essen gekommen. Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel: Das geht mit oft ebenso. Ich komme auch öfters zum Essen zu spät, das geht zweifellos iebem vielbeschäftigten Menschen so. (Der Vorsitzende unterbricht ben Oberstaatsanwalt.) Oderstaalsanwlt Jsenbiel (erregt): ich lasse es mir absolut nicht gefallen, daß ich unterbrochen werde, wenn ich Fragen stelle; wenn ich das Wort habe, bitte ich, es, mir zu lassen, bis ich fertig bin.

Frau v. Elbe: Soll ich daS schreckliche Wort' VvmSlofU stellen" wirklich gebraucht haben? Zeugin: Jawohl. Nach dem was ich bei Jwau v. Elbe gelitten habe, körperlich und seelisch, Ivar ich der festen Ueberzeugung, daß Gras Moltke an der unglückseligen Ehe nicht schuw war. Ich habe bei Frau von Elbe unendlich gelitten. Sie war sehr gereizt, sehr launisch und nicht wahrheitsliebend. Sie hat Unwahrheiten über rnuch verbreitet und mich immer angegriffen. Ich konnte es thr nio recht machen. Sie war sehr schroff zu mir. Als ich wegaing, war ich so krank, daß ich einen Arzt aufsucheu mußte. Fran von Hei)den, die Mutter der Frau v. Elbe, war auch viel ßmlb daran, sie suchte noch uMr Zwistigkeiten »wilchm wir Md Fronj 0. aU fjänk/ -> C