Der furo-ware xampi iivticqeii ben Uieuuluitonspancien und btm Hütern und Anhängern der bestehenden staatlichen Ordnung. Aus der Barrikade wird verzweifelt gerungen. Anfangs siegreich, unterliegen jedoch die ungeübten Massen bald den Truppen, bte jtun den Sieg gegen das Volk ausnutzen. Die Generalstochter, die gefangen wurde, ersticht sich selbst, obwohl ihr die Freiheit geschenkt wird. Hingerissen von ihren letzten Worten, geht ein Teil der Truppen zur Revolution über. Aber ihr Schicksal ist unzweifelhaft. Den „Meister"", die Jdealgestalt des Revolutionsführers, der in schwärmerischem Verkennen der Wirklichkeit durch seine hinreißende Persönlichkeit die Massen zum Ausstand begeistert hat, tötet ein Wahnsinniger aus der Menge mit den Worten: „Stirb, Träumer! Du vergiftest die Seelen mit dem eitlen Traum von Glück!"" Tetmajers Drama ist, wie diese flüchtige Skizze andcutet, kein Abbild der russischen Revolution, sondern ein poetisches Phantasiegemälde, gestützt auf die Wirklichkeit, eine Dichtung von packender, eminenter Aktualität und großartiger Sprachgewalt, die in der formvollendeten deutschen Uebersetzung von Eduard Goldscheider ausgezeichnet zur Geltung kommt.
Aus S-taOt uu- Land.
Gießen, den 30. März.
— Ordensverleihung. S. K. H. der Großherzog haben dem Hch. Hofmann IV., Schäfer in Diensten dec Gemeinde Hungen, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift ,Für langjährige treue Dienste * und dem Major a. D. Hanö Fretherrn v. Berlepsch zu Kassel das 9i>tleckreuz 1. Klasse mit der Krone deS Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
— Zu dem Automobilunfall, der am Montag aus der Straße nach Lollar sich ereignete, können wir milteilen, daß sich der verletzte Fuhrmann Steinniüller außer Lebensgefahr befindet und jedenfalls keinen dauernden Schaden an seiner Gesundheit haben wird. Er hat gegen den Lenker des Automobils Strafantrag gestellt, doch ist deri» Manne kein Verschulden nachzuweisen.
— Gestohlen wurde am 27. l. MtS. nachmittags von OSwaldSgarten weg ein Weil-Fahrrad mit der Fabriknummer 15 268. Der Täter ist unbekannt.
** Verhaftet wurde gestern der hier zugereiste Schriftsetzer Gustav Demuth aus Neudnitz, der wegen Unterschlagung vom Königl. Aintsgericht Lirnbach steckbrieflich verfolgt wurde. — Ein wegen Zechbetrugs gestern verhafteter fremder Bursche zertrünimerte im Hast- lokal alles, was eben klein zu bringen war. Er hat sich somit nicht allein wegen Betrugs, sondern auch wegen Sachbeschädigung zu vcrantivorten.
** Ein Lebensmüder. Am 16. l. Mts. wurde am hiesigen Bahnhose ein junger Mann mit starker Verletzung am Kopfe vorgefunden, der zunächst über seine Person und die Ursache der Verletzung die Auskunft veriveigerte. In der Kltnik wurde dann konstatiert, daß der junge Mann eine Schußwunde im Kopfe hatte. "Er wurde als ein Hand- lungsgehülfe aus Marburg eruiert. Den Sch»>ß soll er sich während der Elsenbahnfahrt von Marburg hierher in selbstmörderischer Absicht beigebracht haben. Der junge Mann ist dann, als er transportfähig war, von seinen Angehörigen hier abgeholt worden.
•* Lebensretter. Am Donnerstag gegen Mittag siel ein 8 Jahre alles Kind unterhalb der Bleiche in unlnittetbarer Nähe der Brücke in die Lahn. Dec in der Nähe arbeitende Schailsteller Haubeil sprang in die Lahn, um das Kmd zu retten, geriet aber ebenfalls in Lebensgefahr. Dem ihm sofort nachspringenden Schausteller Walldorf jun. gelang es glücklicherweise, mit Einsetzung seines eigenen Lebens beide zu retten.
X Hochelheim, 30. März. Am Palmsonntag fiel daS vierjährige Töchterchen des Eijenbahnbeamten Friedrich Koch in den Kleebach. Der in der Nähe sich aufhaltende Schuljunge Johann Weber versuchte das Kind aus dein Wasser zu ziehen, seine Kräfte reichten aber nicht ganz dazu auS, unb das Kind wäre wohl ertrunken, wenn Frau Elisabeth Glaum nicht zu Hülfe gelommen wäre. Die Frau brachte das Kind glücklich an das Ufer.
O Bad-Nauheim, 28. März. Biele fleißige Hände regen
|ia) gegenwärtig, uni öie legten lavüeaen zum Beginn oer Saison sertigzuslellen. Anlagen, Promenaden, Vorgärlen werden instand gesetzt, die Wege im Park und nach den ttächsten Spaziergängett mit Kies gedeckt. Reges Treiben herrscht namentlich am Kurhaus, auf der Terrasse und am Teich. Ein neuer mächtiger Küchen- bau erhebt sich hinter dem Kurhaus; er ist im inneren Ausbau begriffen unb soll in 3 Wochen fertig sein; der ganze Bau ist aus Slem unb Eisenbeton ausgest'ihrt und enthält tut Dachgeschoß Wohnungen für das Dienstpersonal. Ter westliche Eingang zur Terrasse >vtrd uingeslaltet. Tie 1905 begonnenen Wandelgange nordöstlich vom Kurhaus sind tvesiltch und südwestlich um etwa 70 Meter verlängert worden, sie werden mit Kupierplatteii gedeckt. Hinter dem mittleren Flügel ist für nächstes Jahr die Erbauung eines großen Konzertsaals geplant, der bei ungünstiger Witterung zur Abhaltung der Musikausführungen, sowie euent. auch als Theater dienen )oll. Die Erdarbeiten haben bereits begonnen, doch sind die Plane noch in fßoibcreuuiig. Bedeutende Veränderungen und Verbesserungen wird auch der große Teich nut Beginn der Saison anizuiveljen haben. Alan hat den Erdaushllb der neuen Badehäujer 9 und 10 und des Konzertjaals benagt, um den Weg um den Teich au verbreitern und den Landungsplatz vor der Tetchhausterralie bedeutend zu vergrößern. Dieser gern besuchte Platz erwies sich bekanntlich früher für die zahlreichen Gäste stets als zu klein, zumal das Bootiahren sich fortgesetzt größerer Beliebtheit erfreut. Besonders rege Tätigkeit wird am den Bauplatzen um die drei Sprudel enualtet, die jetzt nach Abbruch des Baoe- hauses Dir. 8 — mit Ausnahme des südlichen Flügels — vom Bahnhof aus sichtbar sind. Sprudel 12 ist neu gerohrt worden, Sprudel 7. wird gegenwärtig neu gerohrt und gewßt. Der Neubau des B a d e h a u s e s 9 Nord ist bis zum ersten Stock gediehen, ivährend am Badehause 10 — nach der Ufa — gelegen die Fundamente hergestellt sind. Becde sollen bis Herbst im Rohbau fertig sein und dann will man das dazwischen siehende alte Badehaus 1 abbrechcn. BadehanS 9 und lo sollen bis Frühjahr 19oö zur Benutzung fertig fein. AuS der Anlage der Dieubauicu zu den Sprudeln und dem Park kann man. sich schon jetzt em ungesähres Bild machen, welch schönen Anblick das Ganze nach seiner Fertigstellung in etwa 5 Jahren bieten wird. Die Neubauten werden in Huseiiei.form um die Sprudel gruppiert, die später eine neue Fassung umgeben von schönen gärtnerischen Anlagen erhalten. Bei den Ausjchachtungsarbelten hat man mehrere mächtige Felsblocke bloßgelegt, die un Park Aufstellung finden.
(?) Ruttershausen, 30. März. Der Gesangverein „G-oncocbia* beabsichtigt, am 28. und 29. Juli sein Fahnenweihfest abzuhallen und wird in nächster Zett den auswärtigen Vereinen die Einladungen ziigehen lassen.
-s- Belten haiisen, 29. März. In unserer Gemarkung wurde von böswilliger Hand eine größere Grasfläche ans gezündet, wodurch viele junge Hasen verbrannten.
h. Frankfurt a. M., 28. März. Nachdem der Kreis- ausschuß in Offenbach das Verbot der Abhaltung eines Anarchislen-K ongresses dortselbst bestätigt hatte, sollte der Kongreß hier abgehalten werden, jedoch auch hier wurde die Erlaubnis dazu verweigert. — Beim Verlassen der Sparkasse wurde eine Frau, die Geld erhoben hatte, gestern von zwei Burschen am Tor-Etngang überfallen, die der Frau das Geld (1000 Mark) und die Sparkassenbücher entrissen. Die Räuber entkamen.
A Laasphe, 29. März. Im Walde bei Erndtebrück ivurde em Wilddieb von einem Genossen, der ihn für em Stück Wild hielt, angeschossen und so schwer verletzt, daß man für dessen Leben fürchtet.
Die Bluttat Tatjana LeouticwS vor Gericht.
(Unberechtigter Nachdruck verboten.) Thun, 28. März.
IV.
Nach der Replik des Vertreters der Zivilpartei, des Staatsanwatts und des Verteidigers gibt die Angeklagte eine lange Erklärung ab. Tie Verhandlung wird damit geschlossen. Tie Fragen an die Geschworenen sind: 1. Ist die Atigellagte des Mordes mit Vorsatz und Vorbedacht schuldig? 2. Ist eine verminderte Willens- sreiheu atizunehmen? 8. Sind mildernde Umstände zuzubilllgen? Nach lö Minuten kehrt die Jury zurück. Der Obmann verliest die Antwort, die am alle 3 Fragen bejahend lautet. Auf Grund des Wahrspruchs beantragt der Staatsanivalt eine Verurteilung zu 8 Jahren Zuchthaus. Ter Vertreter der Zivilpartei formuliert die Anträge der Zivilpartei. Verteidiger Tr. Brüsiiem beantragt eine geringere Strafe.
Tatjana Leontiew wurde sodann zu vier Jahren Zuchthaus bei Anrechnung der Untersuchungshaft verurteilt. Außerdem wurde sie für 20 Jahre aus der Schweiz verwiesen. Die Kosten in Höhe von 300 Franks hat die Angeklagte zu tragen.
Vermischte».
• Das neue ft e Eisenbahnunglück. Der Süd. pazifikzug von New-Orleans nach San Franziska überfuhr in Kalifornien mit einer Geschwindigkeit von 40 Meilen eine Weiche und entgleiste. 2 6 Personen wur- den getötet und 100 verletzt, viele davon tödlich. Tie meisten Getöteten sind Italiener.
Arbeiterbewegung.
5) i e ® e ne r a l a u 5$ per r u n g rin deutsch en Schneider- gern erbe ist perfekt geworden. Wie em Telegramm aus München meldet, hat der Vorstand der Arbeiterorgantiatton de>n Zentralvorstande des deutschen Arbeitgeberverbandes für das Schneidetgewerbe auf das U timanim der Arbeitgeber em Ant, wortjchretben gesandt, in dem zwar der Vergletchsvorschlag nicht runbiueg abgelehnt wird, aber eine definitive Annahme auch Nicht ausgesprochen ist. Ter Zeiuralvorsiand der Arbeitgeber hat daher sofort seme sämtlichen Lrtsgruppen telegraphisch benachrichtigt, daß die Getieralausiperrung nunmehr heute, am Samstag bestimmt stattzufinden habe. (Cb nuö inwieweit Gießen von der Aussperrung betrossen wird, stand nach den von uns emgezogeuen Erkundigungen heute vormittag noch nicht s e st. Red.- ———- - j
GericytssanL.
Darmstadt, 28. März. In dem BeleidigungSpro» z e ß des ehemaligen Reichstagsabgeordneten unseres Wahlkreises Tarmstadk-Grog-Gerau, Berthold, gegen den früheren verantwortlichen Redatteur des hiesigen »Tagt. Anzeigers", jetzigen Schrtiilelters unseres Blattes, Alvert Band<oiv, fowte gegen den Redatteur Friedrich H a n n e m a n n, Hierselbst, Hal gestern dte Revifionsveryandtung vor dem Reichsgericht liaitgemnöen. Tie letztere endigte damit, dag die von dem Klager beantragte Rev11ton gegen das sretjp-rechende Urteil tu Sachen Panne m ann anerkannt und dte Revision Bandkow oer» tvorse wurde. Tamit ist das von der hiesigen Strastainmer gegen Hannemanu gefällte frelfprechende Urteil auigehoben, wahrend es bei Baudlow bei der tirfprünglich erkannten Geldfirafe von öO Mark verbleibt. Es hat somit eine neuerliche Verhandlung gegen Hanneinaiui siauzufiuden.
Lstariie.
Gießen, 30. März.Marktb encht. Auf heutigem Wochenmarkk» kosteten: Butter pr. Pfd. 1.00—1.15 Mk^ Hühnereier 1 St. 6—7 Vsg., 2 Stck. 00—00 Vsg., Ganfeeier 00-00 Psg., Enteneier 0 Pig., Käse pr. Sick. 6—8 Pf., Käsematte 2 Lick, b-6 Pfg., Erbsen p.Pfd. 18-24 Pfg, Viiijenp. Pfd.25-40Pfg., Tauben pr.Pr.0,80—1,00 Vit., Hühner pr.Lt 1,00—1,60 Mk., Hahne pr. Stück 0,80—1,80 All., Etiten pr. Stücl 1,80—2,20 Alk., Gaige pr. Pfd. 00—00 Pfg., Lchsensteisch pr. Pfd< 82—88 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 80—82 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Psg., Kalbfleisch pr. Pfd. 80—84 Pfg., vammelfiei|ct) pr. Pfund 61—84 Psg. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg. 7,50—8,— Alk., Zwiebeln pr. Ztr. 5,00—6,00 All., Milch per ÄJuer 20 Psg., Aepiel per Zentner 20 bis 26 Mk., in Korben 00 Pro, Nüsse 100 Sluck 50-00 Pig., Btnieu per Pfd. Alk. 0.20—0.25, per Zlr. 9—15 Alk., Weißtraul per Stuck 15—30 Psg., per Zentner Alk. 0.00—0.00. — Ala ritzen 8—2 Uhr.
Gießener Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung für Hefieu am Sonntag den 31. Marz: Heuer und trocken, Nachts kühl, am Lage mäßig warm. Schwache östliche Winde.
Original-Druhtmelbungen.
Ko m, 30. März. Ter italienische Teputierie Fermini berichtet tetegraphlsch dem Btalle „Skampa" über eine Unterredung, wetche er nut einer Perjöntichkeit aus der Umgebung BülowS hatte. Tieje Perjöntichkeit erhärte, daß der Retchskatrzter die Potitik Frankreichs in der Atarokkofrage voll» ständig billige und Frankreich das Recht zuerkenne, Udfchda ztt besetzen, um Genugtuung zu erhalten unter der Vorausfetzung jedoch, daß lediglich dieser Ziveck verfolgt werde. Die iranzofrfche Regierung überschreite bannt keineswegs ihre Rechte und fege sich lueber m direkter noch indirekter Weife m Widerfpruch zn den Bestimm- ungen des Algecirasvertrages. Weiter eil en ne der Reichslanzler Frankreich das Recht zu, sein MögllchsteS zu tun, um zu bewirten, daß ferne Haltung (einerlei Mißtrauen unter den übrigen Machten Hervorrufe. Pichon seinerseits bemühe sich, durch fein Verhallen den übrigen Ai ächten Vertrauen emduflÖBen. — /Zribuna" veröffentlicht em mit allen bisherigen osstzio>en Meldungen ui Widerspruch stehendes Telegramm, nach dem L i 11 o n i bet feiner Konferenz mit dem Fürsten Bülow den Standpuntt vertreten habe, daß es für den ttaliemschen Lelegierten auf der Haager Friedenstonierenz eine N o i w e n d » g k e i t fei, den Abrüstungsantrag Englands zu unterstützen.
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