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30.3.1907 Zweites Blatt
 
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Samstag 30. März 1907

Zweites Blatt

Skr. 75

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhesien

157. Jahrgang

Rotatton-druck und Verlag der Brübl'ichen UniDerfuätfl Buch- und Bteinbrudetd.

R. Lang«. Dreßen.

Redaktion. TxvedMon and Druckerei: S<bu!- straße ?. ErpedlNon und Verlag . 6L Rcdakttom^-sS 112. tel.-Äbu An»eigerDreßen.

Erlcheint tSglich mtt Ausnahme des Sonntag».

Die«»eßener LamllienblStter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, daS Krelsblatt für den Kreis Liehen" zweimal wöchentlich. Derhessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Warten sh and billiget sehe OoltzUndirei

und Badens betreffend die Entschädigung von Schüssen und Geschworenen für ZeitvcrsäumniS an die zuständigen Ausschüsse die Zustimmung der Versammlung fand.

Trier, 29. März. Die hiesige Negierung hat den katholischen Pfarrern von Dnsemand, Taleiden und Körperich wegen ihrer Wahlbeteiligung die Befugmffe als Ortsschulinspektoren entzogen.

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Stenberg.

politifd?e LageAschau.

Tie Besetzung von U.jda.

Den Pariser Machthabern wurde Tr. Mauchamp zur rechten Zeit erschlagen; denn nun haben sie endlich, nachdem die Flotlendemonstca tion vor Tanger ein opereitenhafteS Ende 1 gefunden hatte, den erwünschten Anlaß, mit bewaffneter Hand : einzugreifen. DaS Expeditionskorps hat Udjda als Faustpfand 1 am Karfreitag früh besetzt, ohne Zwischenfall und ohne Schwertstreich. Daß die Besetzung schnell vor sich gehen konnte, ist, einem telegr. Bericht an daS fcanzös. Kriegs- Ministerium zufolge, an erster Stelle das Verdienst deS Gene­rals Telauneau, dem es gelang, trotz schlechten Wetters die aufeinander folgenden Detachements und den Train mit außerordentlicher Schnelligkeit vorwärts zu bringen. Die Besetzung hätte auch mit bedeutend geringerem Truppen- ausgebot vorgenomnien werden können, uinsoinehr, wenn Oberst­leutnant Reibell sich mit der Bevölkerung von Udjda in Fühlung gehalten und dieselbe von der Absicht der franz. Truppen unterrichtet hätte, so daß niemand an Widerstand dachte.

Die Besetzung von Udjda besteht au5 zwei Bataillonen Zuaven, einem Bataillon Tirailleurs, zwei Schivadronen Spahiö, zwei Batterien Artillerie und 200 Mann irregulären algec. Truppen.

Man darf jetzt darauf gespannt sein, welche Entivickelung die Geschichte nehmen wird, denn trotz aller Versicherungen von offizieller französischer Seite, daß man nichts anderes als Genugtuung verlange, wird man doch gut daran tun, eine abwartende Stellung einzunehmen. Ist es doch ein offenes Geheimnis, daß die Eingeborenen von den Franzosen fort­gesetzt provoziert wurden, und daß auch Dc. Mauchamp fern Härchen gekrümmt worden wäre, wenn ec nicht vor seiner Klinik eine weiße Flagge gehißt hätte. Auch den guten Freunden der Franzosen, den Spaniern wird schon angst und bange, und ihre Blätter beschwören die Pariser Regierung, keinerlei Schritte zu unternehmen, welche die Akte von Algeciras ver­letzen könnten. 9lun, man wird ja bald sehen, ob eS die Franzosen ehrlich meinen. Die Mächte haben jedenfalls allen Widerspruch gegen die Besetzung von Udjda unterlaßen.

Die Schiffahrtsabgaben.

Wie einem Berliner Blatte von gutunterrichteter Seite mitgeteilt wird, entbehren die Nachrichten von einer Rück­gängigmachung der vom preußischen Landtag beschloßenen Einführung von Schis fahrtsabgaben der Begründung. Allerdings wird auch daß vom Reichskanzler erforderte Gut- achten des Reichsjustizamts, wie zuverlässig verlautet, zu dem Schluß kommen, daß die Erhebung von Schiffahrts- abgabcn auf natürlichen Wasserstraßen, mögen sie vertieft oder sonst verbessert sein, nach Artikel 54 der ReichSverfassnng unzulässig sei, aber die Reichsregierung hofft trotzdem, daß ein Antrag auf entsprechende Aenderung der Ver­fassung soivohl im Bundesrat wie im Reichstag durch­gehen werde. Der Antrag wird voraussichtlich erst in der nächsten Session des Reichstags eingebracht werden. Im Bundeörat wird angenommen, daß nur Baden und Hessen gegen den Antrag stimmen werden. Auch die bevorstehenden Verhandlungen mit den auswärtigen Staaten, die sich vertragsmäßig die Abgabenfreiheit auf dem Rhein und der Elbe gesichert hatten, werden, so meinen die Offi­ziösen, schwerlich auf unüberwindliche Schwierigkeiten sloße.n Die württembergische Regierung hat ihren bisherigen ablehnenden Standpunkt gegen die Schiffahrtsabgaben auf- gegeben und wird im Bundesrat dafür stimmen.

Rach einer dem ,B. 2/ aus angeblich verläßlicher Quelle zugehenden Mitteilung rechnet man inbes in Dresden damit, daß schon mir Rücksicht auf die innerdeutschen 93er* hältnisse Preußen den Gedanken der Einführung von Schiff, fahrtsabgaben nicht weiter verfolgen werde.

Die vauernuuruhen in Rumänien.

Während alle Pr'.vat-Meldungen darüber übereinstimmcn, daß in der Moldau die Ordnung als wiedechergestelll betrachtet werden kann, lauten die Nachrichten aus der Wallachei noch trostlos. Die Bauern verüben dort noch fortwährend scheußliche Graujamleiten. Ter Präfeki Manu vom Bezirk Olt ist schwer verletzt. Der Geniehau pt- mann Botez wurde von Bauern gefangen, mit Petro­leum übergossen und angezündet. Dem Ober­leutnant Marineßcu hackten BauernbeldeHände ab. Im Torfe Kneschani im Landbezirk von Bukarest sind neue gefährliche Unruhen ailsgebrochen. Dem nach dort ent­sandten Militär wurde Artillerie betgegeben. Im Bezirke oon Orajova herrscht volle Anarchie, weshalb die dortigen Bürger telegraphisch um Verhängung des Belagerungszu­standes baten.

In Bukarest herrschte anfänglich eine furchtbare Panik. Die Gerüchte über das Herannahen von Bauernkolonneu führten zur Aussendung größerer Massen von Militär. Es gelang den Truppen, die Bauern 50 km von der Haupt­stadt entfernt aufzuhalten. Zwölf Soldaten wurden wegen Verweigerting des Gehorsams erschossen. Bei Bragadier kam es zu einem Kampf zwischen Bauern und Soldaten, bei dem es 2 00 Tote gegeben haben soll. Oberst Lambert wurde von seinen eigenen Soldaten getötet.

In dem Bezirk Teleorman sind sämtliche Gutshöfe ver­nichtet worden, auch daß des Bauerndeputierten Badescu und der rumänischen Akademie, trotzdem diese die meisten der vorgeschlagenen Reformen bereits eingcführt hat. In Doro- hai wurden bisher 286 Bauern verhaftet und gefesselt nach Jassy eingelicfed. An der Barrißre von Podol Buzulli kam es zu einem Zusammenstoß mit 2000 Bauern, welche das Feld mit einem Verluste von 16 Toten und 42 Verwun­deten räumten.

Offiziellen Versicherungen zufolge sollen indes alle diese Privatmeldungen sehr übertrieben sein.

Deutsche» Reich.

Berlin, 28. Mälz. TerReichsanz." berichtet über die gestrige Sitzung des Bundesrats noch, daß die bereits erfolgte UeberiDeifimg des Antrags Bayerns, Württembergs

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Doch kann fauch eine anbzte Teilung dieser 3u0J Mark er so.gen, falls das Preisgericht einftimmig darüber beschließt. Es ist ui Aussicht genommen, einem der Preisträger die Anfertigung der Ausführungsp.äne und die Bauleitung, wenigstens des Gebauves für angewandte Kunst, zu übertragen Das, nach Pumen iMi Professor Olbrich zu erbauende dauernde Ausstellungsgevaube der Stadt Darmstadt wird während der Ausstellung 1908 die Werke der Malerei ru.no der Plastik, sowie der Artziteltur Misnehmen. Dec Wettbewerb erstreckt sich auf die weiteren Ausftellungsbauten: Gebäude für angciüonbte Kunst, Kaushallen uitb RestautaumL- geuäude. Diese Bauten sind so anzuordnen und aus,ugesta^ten, daß sie in Verbindung mit den schon siestgetegten Gebäuden ein Eesamtbsid von künstlerisch befriedigender Wirkung ergeben. Aut eine gute Plctzgestaltung unter BeruÄ-.chttgung der bedeutenden Höhenunterfch^de wird bcsonders Wert gehegt, bur^uie Erc.ch- tung >c Gebäude für angewandt. Kmn steht die dumme null 75 000 Mark zur Verfügung; das Wirtfchaitügebäude elmchltetz- lich der Läden muß sia> für die ^umme Iran 20 060 -Ucurt Herstellen lassen. In bic,et Sumuie siiw die Kosten sur Erdbe­wegungen, Terrassen und Treppenamagen außerhalb der Gebärde, sowie das Architeltcnhvnorar nicht enwegrinen ^ie näheren Be­dingungen und Unterlagen können von dec Ausstellungsteitung, Wilhelminenstraße 3 in Darmstadt, bezogen werden.

Frankfurter Opernhaus. Tebustys Mufikdrama P e l b a s und Ai e l i s a n d e" wird am 17. April zum ersten Plate in Szene gehen. Vom 26. April bis 18. Mai werden Ai o zart- und Magner-Werke, die mit der 9t in fl - Tetralogie abschlicßen, m zyllijcher Wege unter Heranziehung berühmter Gaste bei erhöhten Preisen und m einem Sonder- (ibonnement zur Ausführung gelangen. Zu mehreren AuNiihrungen sind yienanschaffungen vorgesehen; so wird die Oper .Lannhaufer dekorativ und m Kostümen neu erfcheinen. Tie Zwifcheuiage des Zyklus sollen durch interessante Tarvletungen neuerer Opernwerke, wie Helbas und Aietifaude -, .Salome- u. |. w., ausgefriUt werbei.. Die Bekanntgabe der mitwirkenden Gaste, Reihemotge _ber Aus sührungen, sowie der Abonnementsbedmgungen enolgt spater.

Berlin, 29. März. Heute nachmmag wurde un Lmigenbeck- Hauje für den verstorbenen Proiesjor v. Bergmann eine Trauer- feier abgehalten, bei welcher der Kaiser durch den Kronprinzen und die Kaiserin durch die Prinzessin Friedrich Leopold vertreten ivaren. Ter Zugang zum großen Saal und dieser selbst war nut Blatipflanzeii und hunderten von kostbaren Kränzen und ^lordrape- neu reich imb würdig geschmückt. Ter Sarg, auf dem der Helm, die Epautetteu, der Degen und die Handschuhe des Berflorbeuen lagen, und vor dem aut einem Tabureu das Ctöcnslifien uieber- gelegt war, ivar zwischen Blumen und Kandelabern awgebahich Rechts neben dem Sarge nahmen die Angehörigen Bergmanns Platz; die au'steigendeu Sitzreihen des Auditonums waren bis hinauf dicht gedrängt von der Trauerversammlung befetzt, m der man Aerzte und besonders Schüler u. Bergmanns ans allen -betten des Reiches bemertte, sehr zahlreich war auch das Sanliaisosttzier- korps vertreten. Ferner waren erfchienen u. w Generalfeldmar- idic l v. Hahnke, Kultusminister v. otubt, rimifter u. Wedel, Ge- neralleutnant Grai v. Moltke, General v. Steffel, Rektor Profesior «aitan Rechts und links vom Sarge stand die Siudentenfchast mit den Fahnen. Nachdem der Domchor das Requun gelungen hatte sprach Piar/er Krüger. Ter Chor lang daraus das Lieb, das v. Bergmaun vor der letzteu au ihm vollzogeuen Cperotum -Mert hat:'So nunm denn meine Hände und "ihre mich . 'Jht lurzen Anfpiachen legten dann Kränze tiieder Prof. v. Ang er er im Warnen des Prinzrege.>ten von Bayern, Prof. Riedel-^ena iin Namen der Teutschen Gesellsa-ait für Ehlrurgle, Dr. K ramer für BergniannS Afsiftenteu, Prof. Ke aus im Namen der niebt- iumscheii Faknliät, Proi. Landau fiir die berliner Medizinische Gesellschaft und Tekan Geh. Rat Professor v. Leube-Wurzdurg un Namen der Alma Julia. Tann folgte die Uebersuhrung zn>n Potsdamer Bahnhof. Die studentischen Ehargierten inst den oahuen fuhren m Wagen voran, dte Vereine von Kraiikenpslegeru und Samtätstolounen folgten nut Musükorps, und Fahnen, Innige Wagen mit Kränzen schlossen sich an; dann kam der uietfpaiunge ofjeiic Leichemvagen, hinter dem mehrere Hundert von BerufS- genosfeu und Schüler v. Bergmanns emherschrmeu.

lUcitK» ScmlUtotu

B 8. Gießener Kunstverein. Tie Feiertagöbesucher kiuserer Kunstausstellung werden wieder einmal fast ausschließlich von Landschaften sich umgeben sehen. Alle Tages- und Jahreszeiten, alle Stiinmnngen sind vertreten, italiemfche Küste und nordisches Gebirg, heroische und mlime Auffafjuug. Im einzelnen seien nur erwähnt Kanotdts (-f-f italienische Bilder, die Winterlaudschaften von O. L e i b e r - Karlsruhe, die großen Herbstlandschasten von 9JL Zaepe r-Berlm und H. Licht- Eharlotleuburg, die hübschen hessischen Motive von A. E n g e l h a r d -Karlsruhe, die kecken Marinebilder von H. L i n d e n b c r g-Tiisfeldorf, die Weserland- fchaftei» von ö. Leihen- Braunschweig, der diesmal stau ferner gewohnten Aquarelle Oelbilder vorführt, endlich die zahlreichen hübschen Rivierabilder von Otto L e n - Frankfurt und öie ober- bayerischen von Oskar Leu-München. Turch eigenartig phan- ta>lische Anstassung frappiert iiimüteu dieser Wirkttchkeitsbllder F. S t a ß e r s .Baum der Erkenntnis". Im übrigen wird man an den reizvollen kleinen Genrestudien von Josephme -2 ch a l r- Eronberg ftch erfreuen und als rechte Festgabe die prächtigen T h i e l m a n n'schcn Zeichnuiigen(Illustrationen zu Ranchs Kalender .Hefienkunft" und andere Handzetchnungeu und Radierungen) will- fouimen heißen. . , .

fP.-A. Hessische LanbeS-Ausstellungsur freie und angewandte Kunst, Darmstadt 1 908 xer Wett­bewerb zur Erlangung von Entwürfen für die Pratzgestaltung u.u) die prorifornchen Bauten der Hessischen LandesauSileilung to.tb jetzt bekamst gegeben. Darnach ist er offen für alle un Gnßhcrzvgtnm He'.n geborenen oder dort anfälligen JftunfHer T;e Entwi.rfe müuen bis spätestens am 11. Mar emgelie,ert oder zur Post gegeoen fein. Das Preü>gericht chesteht aus den Herren: G.ynmerat Freiherr von Diegereorn (Borfipender', Gey. Ob-roanrat Profesior sofmann, Professor Oibrich, Prvsefjor Pu^er und Professor Scharvog.i, sämtlich in Darmstadt. Zur Verteilung vcn Preisen stehen 3000 Mark zur Verfügung, die in e.neu ersten Pr.^s von 1500 Dkark, einen zweiten Preis von 1000 Mark und einen dritten von Preis von 500 Mark geteilt werden sollen.

ArrsLand.

London, 29. März. Lord Milner veröffentlichte in derNational Review" einen Artikel über die bevorfrehende Ko­lo ii i a l -Ü o ii f e r e n z, in hem cd für eine britische Reiche einheit eintritt, und dabei auf das B e i f p i e l v o n T e u t s ch - land hinweist. Jeder Deutiche, fügt Meiner, kernst den Begriff des engeren und des weiteren Vaterlandes und ist ein guter Deutscher. Warum sollten die Untertanen des britischen Reiches nicht ebenso ein doppeltes Vatcrlandsgefüht empfinden tönnen. Es gab eine Zeit, wo der Name Deutfchiaud wenig mehr alS einen geographischen Begriff bedeutete, aber der dringende Wunsch neu) Emheit machte Deuifchrnnd zu einem mächtigen politischen Faktor. Der deutsche Patrwtismus hat das Deutsche Reich gc|d)cf|en. Ein solcher Patriotismus tomrtc auch aus unserem ikcidje eine feste E in he it schaffen.

Pans, 29. März. (Kummer.) Bei der Befprechung der Jnterpeliatwn betreffend die Explosion auf der3ena" beliagte Admiral Bicuaims sich darüber, daß man nicht nach der V e r a n t w o r t l i ch k e i t bei den verschiedenen Unfällen der fratr- zöfifchen Marine nachforjchte, über die ec cm ungünstiges Urteil abgibt. Desorganisation sei überall anzu­treffen. Die Offiziere wagten nicht mehr, den Minister auf dem Laufenden zu erhalten. Tie Kabinettchefs des yJiiniftt'rsi feien uubefähigt. Der Marinemmister Thomson weift da vom Admiral beantragte, ein Tadelsvolum enthaltende Tages­ordnung zurück und akzeptiert den Antrag auf einfache Tages­ordnung. Dieser Antrag ward dami einftimnug angenommen. Die Kummer tvählt eine Untersuchungscommiifion.

Rom, 29. März. Aus Rapallo wwd berichtet, daß zwc, Brüder des Fürsten Bülow dort eingettoneii smd. Einer ift der Gesaiibte in Bem, dec andere Kavailerie-Ofsizier. T i t - toni, t>cr heute eintraj, lud den Fürsten zur Tasel unb fpcilte am Mend beim Reichskanzler.

Rcucs aus Vtuffla.iv.

Der Zar persönlich sollaußerordentlichhossnungS- t i e n b i g in bic Zukunft blicken, ba bie Regierung immer mehr Popularität unter dem Volke gewinne. Der Zar ift davon über­zeugt, daß bei dem fast ducchiveg oppositionellen Charakter der Duma ein Konflikt leicht ausbrechen würde, der eine abermalige Auslösung zur Folge haben konnte, in der er freilich keine Gcfahi erblickt. Zu Swlypiu hegt der Zar immer noch das größte Ver­trauen, und seine bisherige Taktik in bet Duma jittbei feinen vollste,i Beifall. Stolypins Leben scheint vorläufig von ben Terroristen noch geschont zu werben. In b.efen Tagen erhielt er ein Schriftstück vom Exekutivkomitee, in bem ihm mitgcteilt würbe, baß man seinen Tob noch hinausgefchoben habe. Immerhin be­wacht ihn bie Staatspolizei außerorbentlich sorgfältig unb eS find alle Vorsichtsmaßregeln getroffen, um ihn zu schützen. Die Eamorra bes Bvlksgerichtes, ber Hertzenstein unb Jollos zum Opfer gefallen finb, hat 10 D u m a - A b g c o r b n e t e benachrich­tigt, baß sie i u m Tobe verurteilt worben finb.

In Moskau führt bie Polizei bie Untersuchung wegen Feststellung ber Mörber bes Rebakteurs Jollos in äußerst energi­scher Weise unb verhaftete den Rcbakteur ber ZeitungWjek", Olowennikow. . , _ , . ,

Als ber Kvmmanbant bes Petersburger Heiens, Äonlreabmiral Greve, am Donnerstag eine Werft besichtigte, louvoe ein Paket hinabgeworsen, bad eine fünfpsülibige Bombe enthielt. DaS Paket siel zwei Schritt von Greve in den Schnee unb kam nicht zur Explosion. Der Täter würbe nicht eistbeckt.

In Reval verhaftete bie Polizei bas aus 10 Personen be- stehenbe Komitee ber revolutionären Kampsesorganisation. Außer Waffen, Munition, Drucktyven uub revolutionärer Literatur fand man Strychnin unb hohle Kugeln, bie mit Strychnin gefüllt wer­den sollten, sowie einen BeuteverteilungSplan für bas Reich. Nach biciem Plan sollen von ber Beute bis zum Betrage von 1000 Rubeln 8/io bem Kapital ber revolutionären Kampfesorgani- fation zufließen, bis zum Betrage von 10 000 Rubeln *7io unb von höheren Betrügen 2^. T:r Rest soll unter bie Mitglteber ber Organisation verteilt werben. Die Verhaftung steht in Verbinbung mit ber Festnahme bes Rebakteurs bes eflhnychen BlatteS ui Dorpat.

AuS der Duma.

Petersburg, 29. Män.

Die Duma besprach heute bie Interpellation bes Abg. Li- gow, ber Bcschwerbe führte, baß er sowohl wie eine zahlreiche Menge, bie ihn zum Bahnhof begleitete, bei ber Abreise von Ktasno-Ufimsk von ber Polizei mißhanbelt worden sei.

Der Justizminister erroiberte, bie Menge sei von einet Versammlung gekommen, in welcher Ligow unb Ershow *>pcttäge über Ungesetzlichkeit bet bcstehenben NegierungSform unb bie Not-- wenbigkeit einer Beseitigung berfelbcn burch eine gefeßgebenbe Körperschaft gehalten hätten, unb habe revolutionäre Lieber ge­sungen. Die Polizei habe bie Akenge aufgesorbett, fid) zu zer­streuen, aber bic Abgeorbneten hätten bie Leute ausgereizt und ihnen zugerufen, sie sollten sich um bie Polizei nicht kümmern. Die Polizei habe sich beshalb genötigt gesehen, Gewalt anznwenben. Die Duma lehnte bic Dringlichkeit ber Interpellation ab unb überwies dieselbe an eine Kommission. OT , .

Im Verlaufe der Debatte über die beschaftigungslofen Arbeiter beschuldigt M j a p a r i d s e, der Führer der .Sosialdenwkrate^ die Regierung und den Verband wahrhaft rusfischer Leute, daß sie an allen'Leiden des Landes schuldig seien.

Purischkewitsch ruft: Ich bin der Vizepräsident des Verbandes wahrhaft rusfifchet Leute und kann solche Angriffe auf diese Partei in meiner Gegenwart nicht dulden.

Djapitadse erwidert: Sie haben Jallos getötet. Ter Präsident tust ben Rebner zur Dtbnung. , Djapatibse erklärt schließlich, bas Hell Rußlanbs ser in ber Ausbreitung ber Revolution. _

Der Pr äsibent sagt, bie Duma sei eine gesetzgeberische Ein­richtung und habe nichts mit ber Revolution zu tun.

Dsaparibse verläßt die Tribüne mit bem Rufe: Ich forbere euch auf, bie Exekutivgewalt an euch zu reißen.

Ter Prasibent ruft ben Rebner zur Orbnung unb fügt hinzu, die Neichsduma wird stets nur legislativ tätig fein und nie eine Einrichtung der Exekutive werden. Er bringt einen von ben Kabetten gestellten Antrag zur Abstimmung auf Einsetzung einer Kommission für bie Arbeitslosen, bie Opfer einer foitaten Krisis seien, mit ber Aufgabe, Mittel zur Unterstützung bie,er Arbeitslosen aussinbig zu machen uub Informationen über biefe Frage zu sammeln. Die Sozialbemokraten bringen ein Amenbe- ment ein, in bem Antrag ber Kabetten bie Worte:Opfer einer sozialen KrifiS" zu streichen. In ber Abstimmung wirb bas Amenbement angenommen. Die anbeten Telle bes Antrages der Kabetten werben angenommen. *

' Ter i'ungpolnische Dichtet Kasimir Przerwa-Tetmajer hat ,zu seinem gtanbiöfen DramaDie Revolution" ben Stoff ber r u 11. Revolution entnommen. Die Tochter eines Guietals ar» , beitet mit Stubenten, Honbwerkern usw. in einem B o m de n - laboratorium der Revolutionäre. Als sie von ihrem Vater überrascht wirb, zögert sie nicht, ihn burch ihre Genossen töten zu lassen. Nachdem die Vorbereitungen getroffen U^- b^tbreimt

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i belom schnell u. dir. tm rechn. Amen d. Hauöilanü., Hyvlli-, Mensveri.Mjchl.ev. lÄnst. Rülkvom? eiS te!öu'ed th. Pinscher M Wer Farbe u. Hmide- ,1575 am U. d. M ilm gesl Rückgabe ww li Lelohn. u. Fmiev agt. WalUorftr.75,1.

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