157. Jahrgang
ErfteS Blatt
^r»''ierstag 88. Marz 1907
nun ith<fc751$1n oiertel* jährlich 'JJtt. 2.20, durch Abdole- u. 3’petfl'teUen ntoiititltd) 60 UL. durch die Post Mk.2.— Dtertel» fäbrl. au«ld)L Be'leUg, Annahme ooe Snjel-e» füi die iaqcenuü 1 «: bis oorrntttaufl U Zeilenprer» lokal i v auSioärte 8U tfttnr, m» Beranlworllich tikx den pullt and allfltm. Seil. P. Wiltko rüt »Sladi und Land" and
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5— General-Anzeiger für Gberheffen
“«nTct^rr ©k&^n?’ Uoiatfonsdnlck nnb Verlag der vrühl'schen Unw.-Vuch. und Steindruckerei. H. Lange. Redattio«, Expedition und vruckerel: Schulftrahe r. ^lc^;ltetlh,l£)abn^ e”nj
Die heulige Kummer umfaßt 14 Setten.
Bezugs-Einladung.
Ter Frühling naht, äber er wird diesmal nicht — wie sonst meist — da? Interesse am politischen Leben abschwächen. Im Gegenteil! Denn wichtige Verhandlungen, weittragende Beschlüsse stehen un nächsten Quartal im Reichs- wie im Landtage bevor. Die größte Arbeit des neuen Reichstages beguml nach Ostern. Hier stehen bie Etatsfragen im Vordergründe deS allgemeinen Interesses. Zwischen den b e i d e n h e s s t s ch e n Kammern hatten sich wieder erhebliche Gegensätze heraus- gestellt, deren Lösung ja freilich im wesentlichen durch die erfreuliche Nachgiebigkeit der Ersten Kammer bereits erfolgl ist. Die Zweite Kammer wird ihre Verhandlungen Ende April wieder ausnetzmen. Es steht die wichtige Revision der Acrwaltungsgesetze insonderheit der Landgemein deordnung, u. a. also auch der Bestimmungen betr. die Wahlen zu Bürgermeistern, Beigeordneten und zum Gemeinderat, w>e die Aenderung der gesamten Jagd- Gesetzgebung in Aussicht.
lieber alle Ereignisse im parlamentarischen Leben wird der
Gießener Anzeiger
in gewohnter rascher, ausführlicher und zuverlässiger Weise berichten.
Freimütige Stellungnahme zu den hauptsächlichen Vorgängen des In- und Auslandes werden dem .Gießener Anzeiger" wie bisher seine hervorragende Stellung unter den Tageszeitungen Hessens bewahren. Ein umfangreicher, ständig sich erweiternder 9lach- richtendienst, namentlich auS ganz Oberhessen wie den benachbarten preußischen LandeSteilen leistet für vollständige Berichterstattung aller erheblicheren Ereignisse in Stadt und Land Gewähr.
Eine ganz besonders angenehme Lektüre hoffen wir mit der in den »Gieß, ftmnilienbl.* soeben begonnenen Veröffentlichung des Romans
„Dem Irrlicht nach"
-il bieten. Es ist dies eine prachtvolle Schöpfung Alex. Römers, unfercs früheren beliebten Berliner Plauderers. In der heutigen Nummer der „Fanulieubl." beginnt ferner der Abdruck der außerordentlich fesselnden, Stadt und Land in gleicher Weise interessierenden Jugenderinneruugen emes alten Gießener Burskhevschafters aus seinen Cyluuafial- und Studenteujahren unter dem Titel
„Ans der Jugendzeit".
Namentlich die Erinnerungen an das „tolle" Jahr 1848 sind für jedermann von ungewöhnlichem historischen Iuleresje, zinnal sie eine ausgesprochen persönliche Stole tragen und auf eigenen Anschauungen und Erlebnissen beruhen.
Wir bitten die (irneuerung des Abonnements oder Neu beste Hungen aus den „(Sieg. Anz." bei der nächsten Postanstalt, bei den Briefträgern, bei unseren Trägern oder in unserer Geschäftsstelle sofort vorzunehmen.
9L bahioii und Verlag des „triefe* Auz.".
Die Wcltausllkllung in Berlin.
Der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller wird sorgfältige Erkundigungen einzichen, wie» sich die Regierung und wie sich vor allem die gewerblichen Kreise zu der Frage stellen. Von der Regierung ist voraussichtlich keine Ablehnung zu gewärtigen. Aber auch keine unbedingte Zusage. Die Regierung wird zunächst zu erfahren wünschen, ob handel und Industrie in Deutschland eine internationale Ausstellung für nützlich, d. h. geschäftlich einträglich, halten, und erst wenn diese Frage be- ial)t werden sollte, bann dürfte die Regierung über das Maß von Neigungen, das im Ausland für die Beteiligung vorhanden ist, sich aus diplomatischem Wege unterrichten. Das ist das Zweckmäßige. Die Negierung würde nicht gut daran tun, den Aus- stellungsplan von vornherein zu begrüßen und dadurch immerhin eil en gewissen Druck auszuüben aus die Entschließungen von Interessenten. Vielmehr, Industrie und Handel müssen zuerst sprechen.
Daß in Berlin selbst das Votum der Befragten fast allgemein zugunsten der Weltausstellung ausfallen wird, ist ohne weiteres anzunehmcn. Die in der Reichshauptstadt ansässigen ober vertretenen Firmen haben nicht allzu erhebliche Kosten von der Beschickung und sie können mit größerer Aussicht aus Erfolg, alS die Aussteller außerhalb Berlins, für die möglichste Äerüclsich- tigung ihrer Ansprüche tätig sein. Die wirkungsvolle Plazierung spielt bekanntermaßen eine große Rolle auf allen Ausstellungen, und wer zuerst kommt, mahlt auch in diesem Falle zuerst. Also ine Berliner Industriellen werden mutmaßlich nicht Nein sagen; ebenso mag der Gedanke den Bewohnern der Reichshauptstadt einleuchten, denen der zu erwartende Fremdenstrom goldene Ernten in Aussicht stellt. Die Platzfrage für die Ausstellung bildet kein ernstes Hindernis. Vor der Gewerbcausstellung von 1896 wurde in Berlin ein erbitterter Kampf geführt, ob einem westlich gelegenen Terrain, am Lietzensee, oder einem östlichen, Treptow, der Vorzug gebühre. Der Osten, als „Stätte i>cr Arbeit", siegte. Nimmt dec Regierung die Ausstellung diesmal unter die Fittiche, so würde die lleverlassung des für den Zweck vorzüglich geeigneten Tcmpelhofer Feldes durch «die Militärverwaltung jeilen Streit ausschließen.
Soweit wäre alles gut. Aber wird die Industrie außer- Ibalb Berlins, wird der Süden, werden die gewaltigen Inou- ‘tteien in Rheinland-Westfalen, in Schlesien u,w. einen Nutzen 'm der Beteiligung an einer Weltausstellung erblicken, einen stutzen, der im Verhältnis steht zu den erforderlichen beträcht
lichen Aufwendungen? Wir glauben, daß die hier erteilten Antworten eine kühlere Stimmuna widerspiegeln werden. Zuletzt zeigte unsere Industrie üi St. Louis, was sie kann. Es ist nur eine Stimme darüber, daß sie mit ihren Leistungen, trotz vieler Hindernisse und trotz verblüffender Unvollkommenheiten im Lande der „unbegrenzten Möglichkeiten", ylänzcnd abgeschnitten hat. Aber das ist doch, wenn man offen sein will, Tatsache: mit iroßer Lust und Liebe ist mancher Aussteller nicht hingegangen. Die Industrie war ziemlich ausstellungsmüde und hätte nicht die Regierung, zum Teil aus politischen Rücksichten, die ja Würdigung verdienen, sich so kräftig ins Zeng gelegt für die Beteiligung an der Ausstellung, fo würde die deutsche Abteilung nicht entfernt die Ausdehnung und Bedeutung gewonnen haben, die sie erhielt.
Was von der Veranstaltung einer Weltausstellung in Berlin zurüctschreckt, das sind die Spuren der Berliner Gewerbeciks- 'tellung von 1896. Ein verregneter Sommer, das ist wahr. Tag für Tag fast regnete es, wie man in Berlin sagt, „mit Mollen". Drei, vier Wochen nach der Eröfsnnng ber Ausstellung ließ sich ein Abschluß mit Verlust — Über den es in der Folge unerquickliche Auseinandersetzungen mit den Garantiesondszeichnern gab — vroausschen. Aber die Ausstellung wäre auch bei gutem Weller ein Mißerfolg gewesen. Ihr fehlte, um es kurz zu sagen, jeg- licher große Zug, jegliche Phantasie und Schönheit; sie hatte den Charakter eines bunten, schreienden Jahrmarktes, dem „Ver- gnügen ber Einwohner" gewidmet. Ein Tummelplatz, ben man herzlich gern bald wieder verließ. Die Ausstellungssäle lagen verödet.
Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß der Plan einer beut- chen Weltausstellung nicht genügend Boden findet. Sollte es aber dennoch der Fall fein, so müßte dafür gesorgt werden, daß nicht die „Berliner" das Heft in die Hand bekommen, daß auch andere Kräfte sich regen.
politHcbc Lagesßcban.
Die britiiche flolunialton|eteuj.
In den nächiien -eagai beginnt in ironoon die Kvlonial- konferenz. Tie Tatsache, daß die verantwortlichen Leiter aller britischen Kolonien nut Selbstvenoaltung vertreten sein werden, kennzeichnet die Bedeutung der Zusammenkunft. Englands jüngste Kolonie, Transvaal, und andererseits seine reidntc, Indien, vervollständigen diesmal den Reigen der repräsentierten Bestandteile des britischen Weltreichs, und da die Verhandlungen der Konferenz drei Wochen dauern sollen, erscheint |ie ted internationalen Interesses immerhin würdig. Das Ei-amberlainsche Projekt der Aufrichtung eines schutzzöllnerischen ^Weltreichs unter engl Flagge gilt als abgetan. Bei den letzten Parlamenlswah.en ist die Tarisresormidee von der großen Mehrheit des Volkes verworfen worden, wie beim auch in den Kolonien ihre Weibe- kraft versagte. Anders bei ber Frage der kolonialen Vorzugszölle für britiiche Erzeugnisse. Sie ist so ivenig von. der Tagesordnung verschwunden, baß, wie oenautet, sämtliche Delegierte der ih)Ionien den Auftrag haben, für die Gewährung dieser Zölle an das Muttenand einzutreten. Sie können das natürlich nur tun, intern sie Gegenleistungen verlangen, denn schon der gegenwärtige staatswirtschaftftche Zusammenhang ter Kolonien mit dem Mutterland bringt den enteren keineswegs ausschiiegllch Vorteile. Zu Gegenleistungen aber ist das Kabinett Campöell-Bannermann angcbiiii) majt recht geneigt, es hat sicher auch mit gutem Bedacht die Regelung ter kolonialen Beisteuern zur Unterhaltung ter britischen Fwtte auf die Tagesordnung der Mlonialkonferen; gesetzt. Zurzett trägt das Mutterland die Kosten für die Flotte ;ast ganz allein. Da es die wesentliche Ausgabe ter Kriegsschiffe ist, teil Seehandel tzu schützen, würde allerdings, auch lvenn England nicht so ausgedehnten Kolonialbesitz hätte, bei tem gewaltigen Umjang seines Ueberfeehandels eine starke Kriegs- liotie erforderlich fein. Doch der unperralisiische Gedanke ist im Mutterland lebendig genug, um die Regierung auf ein Zusammenwirken aller Reichsglieter zur _ Verteidigung Großbritanniens hinzuweisen. Auf die Gegenleistung an die divIonien, Vorzugszölle zu erkauien durch Verzicht auf koloniale Beisteuern zu den Stoften ber Kriegsflotte, wird bie Lonboner Regierung also wohl kaum eingehen j.ooilcn. Es dürften somit in ber 5toloniallonferenz niajt unerhebliche Schwierigkeiten zu über* luüiten sein. Vom beutschen Standpunkt aus ist zu wünschen, daß es zur Lösung der großteitischen Zoilftage kommt, denn nur dann erössnet sich Aus.lcyt aus Aotoiung des teut|ch-eng- llschen Hantelsproviforiums durch ei.icn Tarifvertrag.
Marokko.
Die span. Regierung erkennt an, baß Spanien auf Grunb ber geschlossenen Verträge gemäß ber Konferenz von Algeciras Frankreich seine moralische Unterstützung, zuteil werben lassen muß. Spanien wirb beshalb st ri e g s s ch i s s e n a ch Mär' o k k o schicken, um biese bei ber Hanb zu haben, um im Vebarss- salle bie bort lebenden spanischen Untenanen zu schützen unb bie spanischen Interessen zu vertreten.
Der französische Geschäststrüger in Berlin machte auf bem Auswärtigen Amte über Veranlassung unb Zweck ber zeitweiligen Besetzung von Ubschba ben aus Pariser Zeitungstelegrammen bereits bekannten Regierungserklärungen analoge Mitteilungen. Bei Entgegennahme berselben bemerkte Staatssekretär v. Tschirschky, baß es sich um eine Angelegenheit hantele, bie zunächst lediglich Frankreich und Marokko anginge. Frankreich habe den Fall nach Maßgabe seiner Interessen zu beurteilen. Es läge selbstverständlich im allgemeinen Intere.se, Ausschreitungen gegenüber den Fremden in Marokio für Die Zukunft vorzubeugen.
Die Bauernunruheu tu Rumänien.
In der Wallache! hat sich öie Situation verfehl im wert. Tie Zahl der Tölen wächst ins Ungeheure. In Llanelli gab es bei einem Znsainineiisiotze zwischen Militär und Bauern 300 Tote. In Giurgiu tobte em heftiger Kampf; in bem Orte Maitanefli fanden zweimal blutige Kämpfe statt. Leutnant Ionilescu wurde hierbei getötet und fern Leichnam f ch r e cf l i et) verstümmelt; Ba uern tanzten det Musit auf den Leichentellen. In Gelaz in bie Lage fehl bebrohlich. Die Hafenarbeiter fratcnuficien mit bin Bauern. Ter Präfekt erteilte den Auftrag, für drei Tage die Gejchäfte zu sperren. AngcsirhlS der traurigen Lage des Gleiches kam es am 27. März m der Bukarester Kammer zu lebhaften Vcrbrüderimgsfzeneii zwilchen Liberalen, Konseroativcn und Iunimislen. Slurdza, Ioi.escu und Earp, die rllepräsentanten dieser drei Gruppen, umarmten einander unter siurmifchem Beifalle in dec Kammer.
In Ramauagi find viele Gutshoie nuöetgevcaiuu. Bei Craiova fand ein Kampf zwischen Niilitär und Bauern statt. In der Rtoldau sind zahlrerche RowbieS verhaftet worden, die bie Bauern aufflachelten.
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Ci» neuer politischer Mord in Rußland.
Ter Redakteur ber »Rustija Achebomosti- in Moskau, Dr. Io 11os, Abgeordneter ber ersten Raichsbuma, wurde, als er im Begriff mar, lerne Wohnung zu verlajien, von einem unbekannten Hingen Manne durch Revolverichuße ermordet. Ter Atörber emtam. Tie Ermordnng riei gröpie Erregung hervor. Iellos, einer der Kadeuenüihrer der vorigen Duma, erhielt angebucü vorher Trohbric'e. T,e foioit emgeteueie gerichtliche Unierstichrmg er«ab bis jetzi teinerler Anhallspunkie, da ber Mord tn völlig mcnfcheil- leerer Straße verübt worden tft. JelloS erhrell drer rr-chupe m Al rind, Kmiuaöe und Brust. TerMamr, der allem als Augenzeuge m Betracht kommt, wurde verhauei._________
ZLever den „NivavcheLrieg^ unterhielt sich am Freitag die franz. Kammer infolge von eigentümlichen aufrelzcnden Kundgebungen des Generals Bailloiid unb des Obersten Goepp, die ihren 'Dlann- schäften bas Gefpenit eures Revanchekrleges gegen Deutjchland an bie Wand gemalt hatten.
Ter Sozialist EonslanS fabelte die unvorsichtigen Worte der beiden hohen Offiziere; man müsse von den Inhabern höherer Kommandostellen bie für die Erhaltung deS Friedens unb den diplomatischen Verkehr notwendige Umsicht verlangen.
Ter Nationalist BarreS meint, die Regierung habe, mbem sie Bailloud maßregelte, namentlich die Sozialisten zufriebenilellen wollen, aber sie wisse jelvst gut, bag bie Gesinnung des Generals Achtung verdiene. BarreS fährt fort: Jenseits der Grenze hört man ähnliche Worte. BarreS rühmt den franz. Patriotismus ber Bevölkerung von Lothringen und schließt, oftmals unterbrochen von ber äußersten Linken: Wir werden nichts aufgeben von allen unseren Hoffnungen. (Beifall auf den verschiedenen Seiten deS Hauses.)
Kriegsminister Plc qua rt erwidert, der wahre PatriotiS- miiS bestehe nicht m lärmenden Kundgebungen. General Bailloud habe seins Befugius in seinem an bie Truppen gerichteten Tagesbefehl üderfchrltten. In diesem Tagesbefehl an die Truppen spricht der General von Tingen, für die er nicht zuständig ist. Die gegen ihn getroffene Maßregel hat nicht den Charakter einer Ungnade; der General ist nur auf einen Posten versetzt, der besser für ihn paßt. (Lärm rechts und tm Zentrum.)
Hierauf nahm Pimisterpräsident Clemenceau daS Wort und erklärte: Die Ütegierung befand sich bezüglich deS Generals Bailloud in einer schwierigen Lage. Wenn Sie gehört hätten, sagt der Nllnislerpläsibent, mit welchen Worten ich General Bailloud empfing, daun würden Sie wissen, daß dicselbeu Gefühle, welche bad Herz des Generals Bailloud bewegen, auch in meinem Herzen bestehen. Aber wir können nicht zugeben, daß ein General den Krieg mit einem be|’timmtert Lande anfünbigt.
Tas Haus nimmt darauf mit 860 gegen 207 Stimmen eine Tagesordnung an, in welcher die Erklärungen der Re- gicrnug gebilligt werden.
Aetwukdeleu-Trunspott eivst unb jetzt, unter besonderer Berückfichiiguag der Entstehung, Entwicklung und Bedeutung der freiwilligen Sauitätslolonne.
(Lriginat-Arlikel des Giepener Anzeigers.)
Der Transport kranker und verwundeter Soldaten ist eine der wichtigsten Aufgaben des Feldsanitätswcsens. Sind bie Transportmittel unzureichend, mangeiha.t, so s<nd alle Bemühungen ter Kran- lenpflege, so ist das beste ärztliche Können und Wisten m Frage gestellt. Tie ungeheure Zahl von Mensctenovfern in ten Kriegen Friedrichs des Großen und Napoleons I. ist nicht zum tlemiicn Leite dadurch betengt, ted bie ^ajiixrDcriuunteten gänzlich ohne Hülle liegen blieuen ober doch zu spät unb in D€ri4Himmcrt?e*n Zustande in kunstgerechte Pflege Tarnen. In den Heeren der Lautemechte lag der Transport ten Bader- und Scherertnechten ob. König Friedrich Wilhelm I. von Preußen ordnete in den „Reglements vor die In)anterie" 1<26 an, daß, lolange man in Allwn fei, kein Bie» werter weggebracht werten lolte, es wäre denn, daß ein Offizier durch ferne Knechte sich wegbrmgen tolle oder ein Blls,ierier le.bst io viel Kräfte hätte, dag er nach tenc X'agcr gehen tonne. So blieb es auch unter Friedrich tem Grotzen. u.as Ver^ind.n begann erst n a ch der Schlacht. Endete die schlacht am ^onib, dann viiebcn bie Verwundeten einfach biä -um nach|lrn tUlorgen liegen. Die Verwundeten mußten oft 2, d, 4 unb mehr Tage wttrten, bis sie auf Schubkarren ober Bauernwag.m, bie in feiner Weise qür ben Transport hergerichtet waren, w:g- gescha.st würben. Oft mußten Transportwagen erst aus grotzer liiitiernung herteigeholt werden, so nach der schlacht bei Allster- iitz (Ltiüd) auJ L*.r Umgebung von Wien. Wiederholt muhten, luenn in teil verwüsteten und veröteten Gegenden keine Wugev aufzutreiben waren, tausende von Vauern herangehoft werden, welche die Ver.vunoeten aui Schiebkarren meilenweit in bie Laza- rette schafften. Ein Augenzeuge crzähtte uns, baß er noch am i. Tage nach ter gewaltigen Völkerschlacht bei Leipzig einem n'nuiULrurüQjeiicu Zuge von Verwunbeten begegnet |ei, die wu Kalb.r aui ^c^ieblattcn ohne Unterlage zusammengefchichtet lagen, von tenen gar Manche uyu äen'djojjenen Glieder neben fich her- Ichieppten, da dic,e engen Fahrzeuge nicht Raum genug hatten.
ten anoeren 'Armeen s!ap es nicht teuer aus. Zuweilen tuB man ganze Kavallerieregimenter abfitzen unb die Verwunbeten austitzen, bie -auf dic,e Weue von ten abgeieijenen Kaoailcrnien ten Lazaretten zuge,nhrt wurden, Pieutzen wurde auf Vor- |ü)lag des L-rinzen August 'am 5. Fanuar 1ÖU4 die Errichtung üou 12 st.ransportlompagnien zu je L2U jDiann bejahtem Jede terselven erhie.t lo Tragbahren, 20 Tragseijel unb — 5Q Puar


