Ausgabe 
31.7.1907 Zweites Blatt
 
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Berechtigte Magen eines deutschen Touristen.

im

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion.S-^IIZ. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.

Wen sich aber gegen 1000 Irredentisten (sämtlich Städter) ein-1 verlangte strenge Untersuchung und Bestrafung der Schuldigen, gefunden und nun begann aber eine wahre Orgie der Bruta- Die Untersuchung wurde bereits eingeleitet. In Erwiderung der ,J*nter Völlenlärm wurden die Deutschen mit allen irredcntistischen Demonstration wurden nachts in Innsbruck ei-

TerKöln. Ztg." schreibt ein deutscher Tourist:

Das Franzosentum in der deutschen Schweiz hat mir ... vorigen Jahre . die Schweiz geradezu verleidet. Es begann schon beim Eingang in die Schweiz am Rheinfall und begleitete miü) als unzertrennlicher Begleiter, bis ich in Basel d.e Schwei; wieder verließ. Ich habe mir vorgenommen, die Schweiz eine Zeitlang

Deut?che- Reich.

Arcona, 30. Juli. Der Kaiser fuhr heute Vor­mittag 10 Uhr auf demSleipner" mit den Herren des Gefolges an Land und machte einen mehrstündigen Spazier­gang nach Cap Kullernab. Die Rückkehr an Bord erfolgte um 1 Uhr, worauf die Reise nach Saßnitz fortgesetzt wurde. Am Nachmittag nahm der Kaiser die Vorträge des Chefs deS Militärkabinetts und des Vertreters des Chefs des Marine­kabinetts entgegen.

S a ß n i tz, 30. Juli. Die ^Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord traf heute Abend vor Saßnitz ein.

Berlin, 31. Juli. Die Ankunft de§ Kaisers vor Swine münde wird heute erwartet. Der Chef des Admiralstabes dec Marine, Admiral Büchsel, unterbricht seinen Sommerurlaub, um sich nach Swinemünde zur Ein­schiffung bei der Hochseeflotte zu begeben und der Kaiser- Zusammenkunft beizuwohnen.

Der japanische Botschafter am Berliner Hose, Graf Pnouy will, so wird der Berl. Morgenpost aus Berliner japanischen Kreisen mitgeteilt, Ende September die Reichshauptstadt verlassen, um nach Japan zurückzukehren, wo er in den Rat der Genro, der älteren Staatsmänner eintreten wird. Als sein Nachfolger ist Graf Aoki, der jetzige Botschafter Japans in Washington designiert.

Die Gerüchte, die eine hiesige Zeitung bezüglich der Einbringung eines Postsparkalsengesetzes ver­breitet, sind hinfällig. Es ist bis jetzt nicht beabsichtigt, einen entsprechenden Entwurf dem Parlament vorzulegen.

Die .Deutsche Tageszeitung- regt für den 30. Juli 1908, den zehnten Todestag Bismarcks, eine allgemeine deutsche Gedenkfeier an, die kein offizielles Gepräge tragen, sondern eine Volksfeier sein soll.

Frankfurt a. M., 30. Juli. Die am Mittwoch zur Ausgabe gelangende Schrift .Das freie Wort'' veröffent­licht einen von Professor Schell am 25. März 1899 an Tr. Ernst Hauviller gerichteten Brief, der zum ersten Male den genauen Text der Unterwerfungsformel enthält. Er lautet in der Ucbersetzung:

Dem Dekret der römischen Congregation des Index, welches bestimmte, meine Werke seien aus den Index zu setzen, unterwerfe

möglichen Gegenständen geschlagen und beworfen, daß ihnen das Blut über die Kleider rann. Tie niederstürzenden Verwundeten überschütteten die welschen Banditen mit Anilinfarben und an­deren Flüssigkeiten. Tie fünf Gendarme waren natürlich machtlos und der Bezirkshauptmann dachte nicht daran, Militär zu requi­rieren, obwohl sich solches in nächster Nähe befand. Der Zug, in den die deutschen Touristen einsteigen sollten, wurde von dm Welschen gestürmt und die erschreckten Bahnbedicnstetcn fetzten im so rasch in Bewegung, daß einer der Deutschen zurüctblieb. Seine Gefährten bemerkten dies erst später, liebet sein Schicksal ist noch nichts bekannt.Morte, morte!" (Tod, Tod!> schrie d.e Rotte. In Trient erfolgten neue Angriffe auf den Zug, dessen Fenster sämtlich in Scherben gingen; dabei wurden auch viele fremde, unbeteiligte Reisende verletzt. Unter einem ohrenzer­reißenden Gejohle, Steinwürfen und Revolverschüssen gelangte der Zug endlich aus dem Bahnhof. Als die 17 deutschen Touristen, welche das alles rnitgemacht hatten, Bizen erreichten, sahen sie entsetzlich aus: Alle waren mehr oder weniger verletzt und mit Schmutz und Blut bedeckt. Tie Kunde von den Aus­schreitungen der Italiener gegen harmlose Touristen verbreitere sich schnell in Bozen und Umgebung und ruft unter den Deutschen eine unbeschreibliche Erbitterung hervor.

polilifcfyc Lage-scharr.

Zrredentistische Ausschreitungen gegen deutsche Touristen.

Aus Südtirol schreibt man derMünch. Allg. Ztg.": Ab­scheuliche Ausschreitungen sind am 26. und 27. Juli in der Um­gebung von Trient von fanatischen Irredentisten gegen deutsche £oim)ten verübt worden. Die Deutschen wurden wie wilde Tiere gehetzt, die Männer verwundet, die Frauen anqcipien und das alles ohne die geringste Provokation, bloß weil die Deutschen sich unterstanden hatten, einenMassen-Ausflug" auf die dut- ichen Sprachinseln, zu unternehmen, an dem übrigens nur 28 Herren und 5 Tomen sich beteiligten. Aber die Trienter Irre­dentisten leugnen die Existenz der deutschen.Sprachinseln, und so war ihnen eben deren Besuch durch deutsche Touristen ein Greuel. Tas Hetzblatt Alto Adige veröffentlichte einen Aufruf, der unverblümt zu Gewalttaten gegen die 33 Deutschen auf­forderte. Diese begaben sich von Bozen aus über das Gebirge in die Sprachinsel Fersental, wo sie begeistert empfangen wurden. Als sie aber dann nach Persen abfttegen, sahen sie sich einer 200 köpsigen Jrredentiftenschar gegenüber, welche irch sosort auf die Deutschen stürzte mit einer Flut von Verwünschungen und cmem Gebrüll, das einer ZulukasfernHorde alle Ehre gemacht hätte Von 20 Gendarmen begleitet, retteten sich die Deutschen unter einem Steinhagel in die Burg Persen. Krcr wurde die Nacht zum 27. Juli verbracht. Draußen heulte die Rotte Korah und forderte die Auslieferung des Führers der deutschen Q)efell* schäft des Professors Edgar Mayer, den die Irredentisten lynchen wollten, weil er in Tirol als Gegner ihrer ^Bestrebungen bekannt ist. Am nächsten Morgen begaben sich, 15 E.sche, dar­unter sämtliche Damen, auf der etfenbabn

die anderen 18 die Tour fortsetzten. Sie stiegen nach Vie^ereut hinauf, wo die Bewohner ihnen in der herzlichsten Weise ent­gegenkamen und verbrachten oben den ganzen ^ag. Gegen Abend fand sich der Bezirkshauptmann Spengler mn zwei Gen­darmen bei ihnen ein und benachrichtigte sie davon, daß Hunderte von Irredentisten aus Trient und Rovereit rm Anzug siten, falls aber die Deutschen sofort mit ihm abreisen wollten, bürge ec für ihre Sicherheit; die Deutschen ließen sich überreden und touruen von dem Bezirkshauptmann nacy Calliano geführt, wo sie den nach Norden abgehenden Zug besteigen sollten. Dter

n i g e italienische Geschäftsläden demoliert. Heute schlug in Innsbruck der italienische Obsthändler Begnini einen o e uts ch en Setzerlehrling mit den WortenDeutscher foiuib"

«IujammnikuttjL des Kaisers mit dem Zaren

Noch liegen zwar offizielle Berichte über die geplante Tntrevue zwischen Kaiser Wilhelm und dein Zaren Nikolaus ächt vor, aber aus den verschiedensten Quellen stammende .Nachrichten stimmen darin überein, daß die Begegnung am j. und 4. August in der Nähe von Swinemünde auf hoher Zee stattfinden wird. Ursprünglich hieß cS, daß die beiden laiser sich bei Danzig begrüßen würden, dieser Plan scheint iber abgeändert worden zu sein. Bei Reisen des russischen Kaisers ist man an solche irreführenden Mitteilungen gewöhnt md man wäre auch nicht überrascht, wenn in den nächsten tagen von russischer Seite die Meldung verbreitet würde, raß die Begegnung nicht bei Swinemünde, sondern an rgend einer anderen Stelle vor sich gehen soll. Das wird mch der Grund sein, daß von deutscher amtlicher Stelle noch eine positive Nachricht ansgegeben worden ist, da man die Mentatsfurcht der offiziellen russischen Kreise allzu gut kennt.

Es wird besonders betont, daß die Zusammenkunft der leiden Dionarchen auf offener See vor sich gehen soll, daß üso der Zar deutschen Boden nicht betreten wird. Nichts- -esloweniger wird e§ sich um einen politischen Akt handeln, )a Kaiser Wilhelm, der bekanntlich von seiner Nordlandreise jurückkehrt, in den nächsten Tagen, also noch bevor er Kaiser Nikolaus sprechen wird, sich in Swinemünde vom Neichs- anzler Vortrag halten läßt. 'Fürst Bülow wird auch bei )er Entrevue zugegen sein, genau wie sich im Gefolge des Zaren der russische Minister deS Aeußern Iswolski befinden vird. Es werden also nicht nur die beiden Dionarchen sich Iber hohe Politik unterhalten, auch die leitenden Staats­männer werden die wichtigen Tagesfragen besprechen.

Bemerkenswert ist, daß sich zurzeit in Petersburg der ranzäsifche Generalstabschef Brun aufhält, um in dortigen nilitärischen Kreisen daran zu erinnern, daß noch ein Zweibund ,esteht. Auch wird erzählt, daß der französische Botschafter im Zarenhofe dem russischen Minister deS Aeußeren einen öligeren Besuch abgestattet habe, um sich über die Einzelheiten )er Kaiserzusammenkunft in der Ostsee eingehend zu informieren. Ulan scheint also nicht nur in russischen, sondern auch in ranzösischen Kreisen dieser Entrevue eine große Bedeutung leizumessen. Ferner erfährt man, daß an den beteiligten iissijchen Stellen sich eine gewisse Beunruhigung geltend nache bezüglich der Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und stönig Eduard, weil man russischerseits daran die Befürchtung näpft, diese Zusammenkunft könne der russisch-englischen Annäherung schaden.

Wie schon gemeldet worden ist, begibt sich nämlich der Kaiser von Swinemünde direkt nach Wilhelmshöhe, wo Mitte >es Monats der König von England auf der Durchreise lach Diarienbad zu eintägigem Besuch eintrifft. Rußland jat längst eingesehen, daß ihm die Freundschaft mit Frankreich einen großen Vorteil bringt und ist neuerdings bestrebt, gute Beziehungen zu seinem großen Rivalen England zu unterhalten.

Die Bedenken, daß durch die Begegnung bei Swinemünde das Verhältnis Rußlands zu England getrübt werden könnte, sind ganz grundlos, denn es ist nicht einzusehen, was Deutsch­land veranlassen sollte, zwischen beide Länder zu treten. Wir wollen weiter nichts, als zu Rußland ebenso gute Bezieh­ungen zu unterhalten, wie wir sie mit England erstreben. Wir ivollen das freundnachbarliche Verhältnis zu dem Zarenreich aufrecht erhalten, auf das schon Fürst Bismarck großen Wert gelegt hat. Um die innerpolitischen russischen Fragen küm­mern wir uns nicht, wie wir es auch uns sehr verbitten würden, wenn Rußland sich in unsere innere Angelegenheiten eimnischen wollte. Wir beneiden Rußland durchaus nicht um seine Freundschaft mit Frankreich und seine Annäherung an England, wenn es uns gegenüber feine bisherige Politik, woran nicht zu zweifeln ist, fortsetzt. Die bevorstehende Be­gegnung in der Ostsee wird also lediglich bestätigen, daß nicht nur die beiden Monarchen, sondern auch die Völker im besten Einvernehmen leben.

zu Boden.

Innsbruck, 31. Juli. Tie Statthaltere i hat in Sachen des irredentistischen Ueberfalles auf deutsche Touristen bereits die strengste Untersuchung eingelcitet und die Be- zirks-Hauptmannschafttn in Tricnt und Rovereto telegraphisch be­auftragt, Strafanzeige gegen die Täter einzuleiten. Die Magi­strate in Innsbruck und Bozen wurden beauftragt, die verletzten Deutschen sofort polizeilich zu vernehmen. Tie Gendarmen dürften viele erkannt haben, sodaß deren B e st r a f n n g möglich ist.

Eine Niederlage Naisulis.

London, 30. Juli. Wie aus Tanger gemeldet wird, stießen die Truppen desSultans unter Bagdcdi mit Rai- suli zusammen und fochten mit dessen Kriegern. Nack) einer Meldung desDaily Telegraph" war der Kampf so heiß, daß die Gegner vielfach ins Handgemenge kamen. Raisuli er­litt eine bedeutende Niederlage, und seine^Armee flüchtete in großer Verw-irrung. Die Truppen des Sultans ergriffen fünfzig Soldaten der gegnerischen Armee und köpften sie auf dem Schlachtselde. Fünf Dörfer, deren Einwohner Raisuli Hilfe leisteten, wurden vollständig vernichtet.

Tanger, 30. Juli. Ter englische Gesandte hat heute vom Kaid Nac-Lean einen Brief erhalten mit der Mit­teilung, daß er iMac-Lean) von Raisuli mit dem Tode bedroht worden sei für den Fall, daß Mohammed d Torres nicht befehle, das Gebiet der Elfines zu verlassen.

Ein serbisch-montenegrinischer Konflikt.

Berlin, 30. Juli. Der Abbruch der diplomat. Beziehungen zivischen Montenegro und Serbien steht bevor. Das montenegrinische Kabinett Tomanewitsch ver­weigert dem ncuernannten serbischen Gesck-äftstrager den Einlaß in das Land. Fürst 9iikolaus beschuldigt den ihm verwandten serbischen Hof, daß er die revolutionäre Bewegung in Montenegro unterstütze. Der Fürst entzog allen an der Belgrader Universität studierenden jungen Montenegrinern die Stipendien und verbot der nwntenegrinischen Jugend, sich künftig an der Belgrader Universität inskribieren zu lassen. Das Ka­binett Tomanewitsch nahm bei den jüngst verhafteten montenegr. Offizieren bloßstellende Schriftstücke des Belgrader mazedonischen Komitees antidynastischen Inhalts in Beschlag.

Polizisteustreik irr Belfast.

Belfast, 30. Juli. Tie Aus ständigen stürzten heute eine große Anzahl Laftkarren um. Man hält Ruhestörun­gen infolge des Polizisten-Ausstandes für möglich. Die Gar­nison in Belfast ist heute nachmittag durch Truppen aus London- derry, die von einer Maximgeschütz-Abteilung begleitet werden, verstärkt worden.

In Irland erregt es großes Aufsehen, daß der hiesigen Polizei von Polizeimannschaflen anderer irischer Orte tele­graphische Sympathiekundgebungen zugingen. Heute morgen hieß es, daß die Polizeimannschaft von Cork die Ge­nehmigung des Generalinspektors der Polizei zur Abhaltung einer Versammlung nachgesucht habe, um über die Angelegenheiten, über die sie sich beschwert fühlten, zu beraten. Gestern waren dauernd Gerüchte im Umlauf, daß man damit umginge, über Belfast den Kriegszustand zu verhangen, doch ist von amtlicher Seite nichts bekannt geworden. Die unzufriede­nen Mannschaften der Belfaster Polizei nahmev gestern ihren Dienst wieder auf.

London, 30. Juli. Zwei Regimenter wurden nach Belfast beordert, wo der suspendierte Conftabler Barrett für Samstag den Ausstand der Conftabler ankündet, falls die Regierung die Erfüllung der Forderungen verweigert. In der Handelskammer wurde die Verhängung des Standrechts verlangt. Ter Ausstand der Trambeamten unterbleibt.

Belfaft, 30. Juli. Wegen der hier herrschenden Unruhe ist heute ein weiteres Jnfanteriebataillonmit einer Abteilung Maximgeschützen hier eingetroffen.

Wt. 177 Zweites Blatt 357. Jahiqang Mittwoch 81. Jnli 1907

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Wöchentlich. Derhessische tanbwlrt erscheint M -SB/

General-Anzeiger für Gderheffen

zu meiden, und viele Reisende, mit denen ich im Hotel, auf d.m Schiffe oder in der Eisenbahn die Sache besprach, äußerten ein gleiches Vorhabm. Bor allem habe ich mich über die franzos. Speisekarten geärgert. Ich habe in allen Gatzhösen dem Wsitzer oder seinem Stellvertreter ertärt, daß ich die Verwendung der französischen Sprache in einem urdentschen Lande für eine grobe Rücksichtslosigkeit gegenüber ven deutschen Gästen h.Le. Ten Höhepunkt erreichten meine bösen Erfahrungen in Brennen. Auch hier war die Speisekarte nur französisch. In dem voll be­setzten Hotel war nur ein belgisches Ehepaar, das Französisch sprach, alle anderen Gäste waren Deutsche. Ich verlangte jiden Mittag einen deutschen Speisezettel, und da der Wirt diesem Wunsche nicht nachtam, ließ ich mir den Speisezettel von dem servierenden Mädchen ledesmal übersetzen. Hierbei kam es denn oft vor, daß das Mädchen gar nicht wußte, was der Speisezettel zu bedeuten hatte. Als das Mädchen bei einem merkwürdigen Erzeugnis der Kochkunst wiederum die deutsche Bezeichnung nicht kannte, schickte ich sie zum Wirt, aber dieser wußte auch feinen Bescheid zu geben, und schließlich erklärte der um Aus­kunft angegangene Koch, daß er von dem Gericht den-deutschen Namen gar nicht kenne. Ter Wirt dieses Gasthauses gab mir für seine französischen Speisekarten die Erklärung, daß alle Deut­schen Französisch verständen, kein Franzose aber auch nur ein Wort Deutsch spreche. Um den zwei ober drei Französisch sprechen­den Reisenden, die sich unter hundert feiner Gäste befinden, entgegenzukommen, stößt der Wirt den Rest vor den Kopf. Will ein Gasthofbesitzer den mangelnden Sprachkenntnissen seiner Fran­zösisch redenden Gäste Rechnung tragen, so mag er beide Sprachen verwenden, aber zur ausschließlichen Verwendung der französ. Sprache fehlt jeder vernünftige Anlaß. Gerade jetzt ziehen zahllose Deutsche in die Schweiz und bringen dem Lande, das auf den Fremdenverkehr mehr angewiesen ist, wie irgend ein anderes Land der Erde, Millioneneinirahmen. Diese deutschen Touristen können und müssen in jedem Gasthofe deutsche Auf­schriften, deutsche Zimmeranschläge und deutsche Speisekarten verlangen. Wenn die deutschen Reisenden einen solchen Wunsch in höflicher, aber auch bestimmter Weise zum Ausdruck bringen, dann wird es bald besser werden, denn die Gasthofbesitzer sind Geschäftsleute, die sich wie alle anderen Geschäftsinhaber nach ihren Kunden richten müssen. Sollte aber dieser ober jener Hotelbesitzer auf solche Wünsche nicht eingehen und vielleicht glauben, daß er durch seine französischen Kundgebungen seinem Gasthof einen vornehmeren Anstrich geben müsse, so wird man einen solchen Gasthof einfach meiden. Vielleicht beherzigen dw deutschen Touristen diese Worte. Sie fordern ja nur, was sich in eine m deutschen Lande eigentlich gan$ von selbst versteht. Es steht auch nicht nur die kleine Unbequemlichkeit in Frage, die sich für den Deutschen aus der Benutzung französischer Speise­karten ergibt, es handelt sich vielmehr um unser Ansehen und unsere Bewertung im Auslande, denn eine französische Speisekarte in einem deutschen Lande muß jeder anständige Teutsck)e als eine persönliche Beleidigung empfinden. Trum ihr deutschen Reisenden, die ihr in diesem Jahre die Schwerz überflutet, sprecht Deutsch, verlangt deutsche Ertviderung und zeigt vor allem den Gasthofbesitzern, daß ihr Deutsche und keine Franzosen seid. *

Zur Lage des kaufmännischen Vrbeitsmarktes.

Tie Nachsiage nach jüngeren Handlnngsgehülfen ist noch immer außerordentlich rege. Von einem Nachlaßen der Hoch­konjunktur sind auf dem kaufmännisck-en Arbeusmarkte feine Anzeichen vorhanden. Nach den Ergebnisi en des Ver ems für Handlungs-Kommis von 1858 in Hamburg möchte man das Gegenteil behaupten. Diesem kaufmämisichen Vereine wurden in den ersten 6 Monaten dieses Jahres 10 230 offene Stellen angemeldet, gegen 8960 in der gleichen Zeit des Vorjahres. Tie Zahl der angemeldeten Bewerber im ersten Halbiahr betrug 8436: sie war also geringer als die Zahl der offenen Stellen. Besonders machte sich Mangel fühlbar an jüngeren Kontori ft en mit guter Ausbildung und schöner Hnnchchris., an Stenographen und Maschinenschreibern, sowie an Verkäufern aller Branchen. Ter Verein besetzte in den ersten 6 Monaten dieses Jahres 3424 Stellen. _

Die Irredentisten.

Wien, 30. Juli. (W. B.) In Sachen der irredentisti^ scheu Ausschreitungen ge gen oie deutschen Tou- risten, unter denen sich auch ReickMeutsche befunden haben, ist von ben zuständigen Behörden sofort eine Untersuchung ein- geteitet worden. Ter hiesige deutsche Geschäftsträger, der sich in dieser Angelegenheit an die österreichuche Regierung loanbte, fand bereitwilligstes Entgegenkommen

Wien, 30. Juli. (Prw.-Tel.) Wie derN. Fr. Pr- cmS Innsbruck gemeldet wurde, ist gestern dort von einer über btt Südtiroler Vorfälle erbitterten Menge ge gen die I tat teuer demonstriert worden. Mehrere italienische Geschäftsladen wurden zerstört. x ,

Bozen, 30. Juli. (Priv.-Tel.) In Persen, Vielgemut und im Laimtal fanden am Sonntag Demonstrationen gegen die Irredentisten statt; die bäuerliche Bevölkerung erklärte sich für die Deutschen. ... . x a,

Iunsbru cf, 30. Juli. Heute begrab ließ der Reichstaas- abgeorbnete Dr. Erler in die Statthalterei und brüute feine Entrüstung über das welsche Attentat aus und