Ausgabe 
30.10.1907 Zweites Blatt
 
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L57. Jahrgang

Zweites Blatt

»ttr. 255

General-Anzeiger für GberheMn

für den Grafen Moltke noch verhängnisvoller geworden, als die Aussagen sämtlicher Zeugen in diesem Prozeß.

KUS HUteil im Urozetz MottKe-Karden.

Berlin, 29. Okt. DaS Urteil im Moltke- Harden Prozeß lautet: Der Angeklagte ist der fortgesetzten Beleidigung nicht schuldig, wird freigesprochen, nud die Kosten des Verfahrens werden dem Privatkläger auferlegt.

O^chetnl tügNch mit Ausnahme des Sonntags.

DieSietzener FamNtenbiSIter" werden dem Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das 'greisblett für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. Derhessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Mittwoch 30. Oktober 1007

Rotationsdruck und Verlag der Brühlfchen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Das Urteil im Prozeß Moltke-Harden findet in der Berliner Presse eine sehr geteilte Aufnahme. Auf der einen Seite wird es ihüS durchaus berechtigt anerkannt, aus der anderen Seite mit Kopfschütteln entgegengcnommen. So schreibt beispielsweise die

Bossische Zeitung: Dem Grafen Moltke ist weder be­wiesen worden, daß ein Makel an seiner Ehre haftet, noch, daß er die Entschließung des Kaisers beeinflußt oder auch nur zu be­einflussen gesucht habe. Liegt aber gegen den Grafen Moltke politisch nichts von Belang, persönlich nichts als seine angebliche homosexuelle Veranlagung, nicht etwa eine homosexuelle Ver­fehlung vor, so ist die Frage berechtigt: Hat ein alter General, der im Felde geblutet und 40 Jahre lang in Ehren seine Pflicht getan hat, dieses grausame Schicksal verdient? Kann ihm, dem harmlosesten der ganzen Gruppe der Beschuldigten, Mitgefühl verweigert werdeii?

Sehr entrüstet ist die Deutsche Tageszeitung; sie sagt: Wir brauchen kaum zu sagen, daß es für uns selbstver­ständlich ist, daß das Gericht nach bestem Wissen geurteilt hat, aber mit aller Schärfe müssen wir betonen, daß wir uns keines Urteils entsinnen können, das nach unserer Ueberzeugung auf einseitigerer und schwankenderer Grundlage aufgebaut war.

Die Täglich eRundschau vertritt einen ähnlichen Stand­punkt, um dann aus d»e Mängel des heutigen Beleidigimgsprv- zeßwesens hinzuweisen. Sie führt aus: Mag die Verhandlung Moltke-Hardcn besonders eigenartig geleitet worden sein, mögen die empörenden Vorkommnisse, die sich in Moabit abspielten, unter einem anderen Amtsrichter unmöglich sein, die Haupt­schuld liegt doch im System unserer Beleidigungsklage, das dem deutschen Ehrbegriff nicht Rechnung trägt und die Selbsthilfe

geradezu proklamiert.

Die Post meint: Harden ist fveigesprochen worden; das kann nicht überraschen. Die höhere Instanz wird vielleicht an­ders urteilen. Die Unzulänglichkeit des Schöffengerichts und der Verteidigung des Privatklägers und die außerordentliche An­maßung und Geschicklichkeit der Verteidigung des Beklagteii haben leider den bisherigen Gang des Prozesses zum Schaden des Staates und des zweifellos bedauernswerten Klägers beeinflußt.

Die National-Zeitung führt u. a. aus: Man wird Herrn Harden wohl erst dann völlig gerecht, wenn man auch ihn, um in seiner eigenen Terminologie zu reden, den Herren vom anormalen oder normwidrigen Enipflndeii zuzählt. Daß den gegenwärtigen wie den zukünftigen deutschen Kaiser em so großes Reinlichkeits-Bedürfnis leitet, das selbst vor dem Skandal nicht zurückschreckt, wo es mit stinkendeni Uivrctt aufzuräumen gilt, das, meinen wir, sei das Erfreulichste an diesen unsauberen Ge- schicksten^eg^n Wc Berlin er Neuesten Nachrichten

für Harden ein und sagen: Er ist das Spiegelbild bestrmmter Zeit- erscheinungen. Mit Bewunderung solckier Persönlichkeiten heilt man die Schäden der Zeit nicht. Aber auch die Anderen, die so großes Aergernis an ihm nehmen, mögen bedenken, daß der Hebel anderswo anzusetzen ist, als bei diesen Persönlichkeiten.

Die Volkszeitung meint: Der Freispruch, den das Schöffengericht als Bolksgericht gefällt hat, ist em erfreulicher Protest gegen die gerade in Preußen so zahlreich wie nirgends austauchenden Versuche, der Presse die Aufdeckung arger Miß­stände im Staatslcben zu verneinen.

Wien, 30. Okt. Ter hiesige Verband der auswärtigen Presse, dem auch die Vertreter der in Deutschland erscheinenden Zeitungen angehören, hat an Maximilian Harden ein Telegramm gesandt, in dem er ihn zu seiner Freisprechung be-

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 61.

Redaktion:^^112.Tel.-AdruAnzeigerGreßen.

glückwünscht. _ , ..

Rom, 30. Okt. Die Abendblätter besprechen m langen Artikeln das Urteil im Prozesse Moltke-Harden. Journal d'Jtalia schreibt: Nachdem die geschminkten Höflinge Nicht nur dem Heere, dem deutschen Volke und dem Prestige der Dynastie soiidern auch der Politik ihres Landes und dem Frieden Eu­ropas so schlechte Dienste geleistet haben, verdient der mutige Journalist, der sie in den Schmutz gezogen und wi kaiserlichen Palast unmöglich gemacht hat, eine,Bürgerkrone.Trib u n a

Volkes abgespielt haben, das unaufhörlich denkt, arbeitet, pro­duziert, und allen anderen Nationen Europas als Muster dient, seien der Regierungsform zuzuschreiben, denn eine Negierungs­form, die nicht die Freiheit als Grundlage habe, berge den Keim aller Irrtümer in sich.

Giornale d'Jtalia" veröffentlicht einen Leitartikel über den Prozeß Moltke - Harden, worin das Blatt entschieden Stellung nimmt gegen diejenigen Schwarzseher, die schon wegen der Degeneration eines Dutzend Ariftokraten eine Dekadenz der germanischen Rasse proklamieren. Alle politische Rachsucht, alle Rassenantipathien, alle kommerziellen und indu­striellen Rivalitäten, alle sozialistischen Gehäfsigkeiteii würden ich jetzt auf Deutschland ergießen, aber die deutsch-feindliche These beruhe auf einer wenig festen Grundlage, wenn man jetzt den Bankrott des Deutschen Reichs verkünde. Zusammeugcftürzt sei nur die Hofkamarilla, und bei dem Sturz derselben hätten der Kaiser, der Kanzler und das deutsche Volk, Die HardenS Vorgehen unterstützten, zusammengewirkt.

schienen, er berauscht und sängt die Weiblein und von den Männern diejenigen, die der edlen Kunst der Musik und des Gesanges mit mehr weiblichem Empfinden gegenüberstehen. In "Wien kostete ein Parkettbillet für einen Caruso-Abend 60 Kronen, Händler erzielten dafür 100 Kronen und mehr. Der Preis des billigsten numerierten Galeriesitzes betrug 5 Kronen. In Berlin ist man noch nächt so musikalisch. Das Parkettbillet kostet 25 Mk., der billigste Platz 3 Mk. Der italienische Rattenfänger aber erhält in Wien wie in Berlin allabendlich 10 000 Mk. Sind solche Preise und die Wertschätzung der Gegenleistung, die sich in ihnen aus­spricht, nicht vielleicht ein Zeichen der Ueberwertung der MusikFür 25 Mk. kann man bei uns heute eine ziemlich vollständige deutsche Klasserbibliothek erwerben. Und dem italienischen Tenor fließen außer den Dukaten noch schwär­merische Bewunderung, halbgottmäßige Verehrung und die Herzen unserer Frauen und Mädchen zu. Ist das nicht ein Zeichen von Ungesundheit im deutschen Leben, von Verweich­lichung und Sentimentalität? Dem Backfisch verzeiht man eine Schwärmerei, der Frau gönnt man einen Caruso- Abend, wenn man das Geld dazu hat, aber Männer sollten sich doch eigentlich vor übertriebener Gefühlsseügkeit und vor Ueberschätzung hoher Tenortöne hüten. 'Noch sind wir nicht so reich, so genußselig, so tatenscheu geworden, als daß wir nicht erkennen sollten, daß das deutsche Leben der Gegenwart Männer erfordert, Atänner, die hart arbeiten müssen im Staatsleben, an der wirtschaftlichen Entwicke­lung des Vaterlandes und in der Wissenschaft. ?lus diesen Männern der Denk- und Willenskraft steht das Deutsche, Reich, und es fällt, wenn diese Männer einstmals zu fehlen anfangen sollten, wenn der Feminismus, der Tenor und der Klavierspieler Trumpf werden sollten.

Aus Mainz wird gemeldet: Bei den Kanalisationsarbeiten die vor dem Neutor vorgenommen winden, sand man in einer Tiefe von 4 Nieter unter einer Ablagerung von Bauschutt vier, S t e i n s ä u l e n fränkischer Herkunft, die aus spätrömischen Grab­steinen gemeißelt worden waren. Da auch in nicht weiter Ent­fernung bei dem Bau eines Hauses eine gewaltige Säulenbasis von gleichem Charakter auigesunden wurde, so liegt die Vermutung nahe^ daß man es hier mit Ueberreslen der Burg des Fr ankenköni gs Dagobert zu tun hat, die nach der Ueberlieserung in der Nähe der Fundstätte gestanden hat.

Kleine Chronik aus $ u u ft und Wissen­schaft. Im Auftrage der Senckenbergischen Natlirjorsthen- den Gesellschaft in Frankfurt Hut Dr. Hugo Merton, ein Mitglied der Gesellschaft, eine Forschungsreise nach dem i n d i s ch e n A r ch i p e l angetreten, die hauptsächlich die uer- geographische Erforschung der Aroe- unb Key-Inseln bezweckt.

Kleines Feuilleton.

Z. Aus Frankfurt a. M. schreibt man uns unterm 29. ds.: Unser Sch auspielh aus hat mit seiner gestrigen Uraufführung, dem dreiaktigen DramaAußerhalb der Gesellschaft" von Erich Schlaikjer die Erwar­tungen, die man in den näherstehenoen Kreisen von dieser Aufführung hatte, ziemlich stark enttäuscht. Die äußere Ausnahme der Novität war freilich ganz freundlich, und der Autor wurde nach jedem Akte gerufen. Aber eine tiefere Wirkung hatte das Werk nicht. Schlaikjer wollte wohl mehr, als er konnte. Er wollte darstellen, wie ein frischer, naiver, leidenschaftlicher Phantasiemensch sich in die. Netze einer halbweltlerin verstrickt, die ihn nur einmal als eine Art erotischer Sommerfrische betrachtet, d. h. sich leidenschaftlich in ihn verliebt hat, wie eine nervöse Großstädterin sich in die unverfälschte Natur verliebt, und er wollte dann den Kon- jlitt schildern, in den der junge Mensch in dieser Atmosphäre des Halbwelttums mit seiner eigenen Natur und mit seinen künstlerischen Streben gerät. Aber diese Gedanken sind nur- unklar durchgeführt, und die Charaktere sind nicht so echt und überzeugend geraten, daß man den Konflikt mit In­teresse und Anteilnahme verfolgte. Es ist nicht nur viel Un­klarheit, sondern auch viel Phrase in dem Stück, dessen Handlung Übrigens in ein paar Szenen sich sehr wirksam steigert. Die zweite Darbietung des Abends,Liebe", Komödie in einem Akt von Gustav Wind, das Werk eines guten Humoristen, aber schlechten Bühnenschriststellers, wurde unzweideutig abgelehnt.

Man schreibt uns aus München, 27. Oktober: Einen unbestrittenen Erfolg errang gestern KorfizHolms KomödieFräulein Nesi" im hiesigen Schauspielhause. Der Titel Komödie ist freilich zu hoch gewählt. Es war vielmehr eine Alünchener Lokal-.humoreske leichtesten Genres, die einem pikanteren verwöhnteren Premieren-Publikum zu harmlosem Gelächter vorgesetzt wurde und nicht alle waren, scheint's, zur Harmlosigkeit gestimmt! Da gab es den kleinen Leutnant von Wel, der durchaus seinVerhältnis", ein derbes Münchener Mädel, heiraten und, ohne Talent, Kunstmaler werden will; dann den gutmütigen Onkel Graf, der die Sache scheinbar begönnert, um sich eine Weile darüber amüsieren zu können; die noch kleinere Schwester des kleinen Leutnants, die, durch eine Erzieherin mitmodernen" Le­bensanschauungen vertraut gemacht, vor derBraut" des Bruders knixt und versichert, sie freue sich sehr, sie freue sich wirklich herzlich; und endlich die gestrenge Ätama, die der ganzen Sache mit einem einzigen Machtwort und ein paar

Tausend Mark ein Ende macht, welch letztere der Onkel Graf bezahlen muß, da er ja an allem schuld ist.. Die ^Draut" begründet mit dem Gelde, das sie als das weitaus iLolidere mit Recht dem H-eron Baron vorzieht, ein Geschäft, und der Bräutigam" fällt aus allen Himmeln. Die Umrahmung bieten lustige Kasernen-Szenen mit Rekruten-Drill und dem, als Zielscheibe des Münchener Witzes unentbehrlichen Ber­liner (derfür einen Preußen" aberein ganz netter Mensch" ist), sowie Münchener Kleinbürger-Szenen, die an Echtheit nichts zu wünschen übrig lassen.

Der Kaiser und die Schulreform. Daß dieSchulreformer", deren bekanntester Vertreter, Pro­zessor Dr. Gurlitt, am 1. November in Gießen sprechen wird, sich in guter Gesellschaft befinden, nämlich als Bundesgenossen des Kaisers, hat zum zweiten deutschen Erziehungstage in Weimar Dr. Göhring geschildert. Denn der Kaiser war es, der die beiden Schulkonferenzen em- berusen und sich mehrmals mit aller Eiitschiedenheit dafür ausgesprochen hat, daß wir keine Römer und Griechen, sondern Deutsche erziehen sollten. Dr. Göhring, Mit­glied der Konferenz von 1890, konnte aber auch berichten, daß der Kaiser, der leider der Konferenz nicht beiwohnte, von dieser getäuscht worden ist, daß man mit großem Geschick seine Anregungen unter den Tisch fallen ließ, ja daß man ihm entgegenarbeitete. Geheimrat Oskar Jäger äußerte am 10. Dezember 1890 wörtlich:Wenn der Kaiser den lateinischen Aufsatz abschasft, so führe ich ihn aus Um­wegen wieder ein." Jedenfalls sieht man daraus, vaß es nicht sozusagen Anarchisten und halbe Revoluzzer sind, die jetzt für eine durchgreifende Verdeutschung der Schule von unten bis oben hin eintreten, sondern daß dies gerade die besten Vaterlandsfreunde sind. Es ist deshalb

wünschen, daß der am 1. November stattfmdende Vor- traa recht lebhaft besucht wird. Man wird sehen, daß gerade diese Bewegung sozial hoch bedeutsam ist, über allen Parteien steht, und damit alle Parteien umfaßt, und darf, das ist das Mindeste, einen hochinteressanten Wend erluarten.

Im neuesten (43.)Heste desBl au buchs" (Verlag Concordia in Berlin W. 30) finden wir einen Aufsatz von Prof. Ludwig Gurlitt, betiteltApologetik des ge­sunden Menschenverstandes".

Von Caruso, dem Tenor. Einem Aufsätze der Dtsch. Volkswirtsch. Korr." entnehmen wir folgendes: Ein Teil, eilt allerdings verhältnismäßig kleiner Teil der Ber­liner Bevölkerung schiviinmt in Wonne und Seligkeit. Es ist wieder einmal ein italienischer Tenor au der Spree er-

Jn unserer an Sensationsprozessen wahrlich nicht 1 orinen Zeit hat es doch selten einen Prozeß gegeben, der die : Knitter mehr bewegt hätte, als der Prozeß des Grafen ftuno von Moltke gegen den Schriftsteller Maximilian ' Harden. Aus der einen Seite ein alter, verdienter General, der im Felde für sein Vaterland gekämpft hat, auf der anderen: ein Mann der Feder, der den Anspruch erhebt, im Namen dieses Vaterlandes eine mutvolle Tat vollbracht haben. War es wirklich ein so großes, verdienstvolles AZert, das der Herausgeber derZukunft" getan hat? Aag sein. Die Geschichtsschreiber werden es später ein­mal sestzustellen haben, ob die Schuld jener Männer, die Garden durch seine sensationellen Enthüllungen vom Kaiser zu trennen versucht hat, wirklich so groß war. Der Prozeß Moltke-Harden hat diese Fwage nicht gelöst. Gras Moltke erscheint in diesem Prozeß als der am wenigsten Beteiligte an der Sache, die Harden aufgedeckt zu haben glaubt, aber es schmerzt den unbeteiligten Zuschauer doch, den Träger eines alten, berühmten Namens in einer so häß­lichen Angelegenheit erwähnt zu finden. Mußte es denn auch gerade ein Harden sein, dem das deutsche Volk eine Tat der Befreiung zu danken hätte? Es wird nicht leicht, an die Selbstlosigkeit des vielgewandten H>erausgebers der Zukunft" zu glauben. Dieser Schriftsteller ist einmal Schauspieler gewesen und er ist es noch heute. Die Freude an der schönen Pose ist ihm geblieben. Auch die Gestal- tungssähigkeit des Juden hat er sich erhalten. Er spielt seine Stollen gut, er lebt sie, ja er glaubt im Augenblicke wohl auch selbst an seine Rolle, und insoweit ist er ehrlich. Er kann nicht anders, es ist seine Natur, aber in der Politik gefällt uns die Schauspielerei doch nicht, und in der Rolle, in der er sich in seinem Kampfe gegen die Liebenberger Tafelrunde gezeigt hat, gefällt er uns trotz seines meister- hasten Spiels erst recht nicht. Aber dennoch, mußte es gerade Harden sein, der uns die Wahrheit entdeckte?

Das Gericht hat sein Urteil gesprochen, Harden darf triumphieren, denn einer seiner Widersacher ist besiegt. Das Gericht konnte nicht anders, es mußte den Wahrheits­beweis nach den verschiedenen Zeugenaussagen als er­bracht ansehen. Harden ist allerdings in feinen Behaup­tungen auch vorsichtig genug gewesen, und als er s. Zt. nach seinem in fr intimer ten Artikel merkte, daß er zu weit gegangen war, widerrief er flugs, was er vorher behauptet hatte, und rettete fich damit vor dem Staatsanwalte. Sym­pathisch kann man eine solche Kampfesweise nicht nennen.

Noch eine zweite Persönlichkeit hat in diesem Prozesse eine recht eigenartige Rolle gespielt, das war Fürst Eulen­burg, der ehemalige Botschafter am Wiener Hofe und Haupt der Liebenberger Tafelrunde. Gegen diesen Mann richtete 5)arden seinen Hauptangriff, aber Eulenburg wehrte sich nicht. Eulenburg schwieg auch noch, als sein Freund Moltke vor Gericht in Bedrängnis war. Hätte er als Edelmann nicht seine letzte Kraft zusammennehmen müssen, um die ..... ............. ,z .z ,

Ehre des Freundes zu retten. Eulenburgs Schweigen ist schreibt: Alle diese Skandale,

Desrtkehes Reick-.

Berlin, 29. Okt. Der Reichskanzler Fürst von Bülow wurde gestern vom Kaiser empfangen. Es dürften hierbei die aktuellen Tagesfragen zur Erörterung gelangt sein. Der Kanzler war auch zur Abendtafel beim Kaiser geladen.

Wie das Depeschenbureau Herold aus bester Quelle erführt, wird Un t er st a ats f e kr e t är Mühlberg als deutscher Gesandter am Vatikan nach 3tom gehen.

TerBerl. Lokalanz." meldet aus Bochum: Nach­dem mit der Ablehnung des Knappschafts-Sta­tutes auch die Reform der Pensionsbestimmungen für die Zechenbeamten gefallen ist, haben sich die Bergwerks- bejitzer entschlossen, für die Beamten eine eigene Pen­sion s k a s s e zu gründen, die ihnen dieselben Bezüge ge­währen soll, die der Statutenentwurf für sie vorfah. Wahr­scheinlich wird noch diese Woche eine Sitzung der Werks- Vertreter für die bindende Beschlußfassung in dieser An­gelegenheit stattfinden.

Posen, 29. Okt. Von maßgebender Seite wird mit- geteilt, daß der Schulstreik nunmehr auch in der Provinz Posen vollständig erloschen ist und daß in sämt­lichen Schulen die Antworten im Religionsunterricht ohne Widerspruch in deutscher Sprache erfolgen.

Die von einer hiesigen Zeitung verbreitete Nachricht, die Ernennung des Leiters des Gnesener Priesterseminars, Domherrn Kloske, zum Erzbischof von Posen-Gnesen, stehe unmittelbar bevor, e n t b e h r t, wie von maßgebender Seite verlautet, jeder Begrün düng._____________

Aus uitO Land.

Gießen, 30. Okt. 1907.

** Ordensverleihung. S. K. H. der Groß-^ Herzog haben anläßlich der Einweihung der umgebauten Johanniskirche dem evang. Pfarrer der Johannisgemeinde in Mainz Lic. theol. Beruh. Jacob das Ritterkreuz 1. Kl. des Verdienstordens Philipps des Großmütigen und dem städtischen Wohnungsinspektor Ludwig Nauth in Mainz das Silberne Kreuz desselben Ordens verliehen.

** liebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Ludw. Magnus aus Großen-Linden eine Lehrcrstelle an der Gemeindeschule zu Ulfa.

** Oberhesfisches Haus. Von der Geschäfts-»