Ausgabe 
27.3.1907 Zweites Blatt
 
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scheidet auS dem elsaß-lothringischen Schuldienst auS, um die Leitung derRöln. VolkSztg." zu übernehmen, deren langjähriger Chefredakter Dr. Karl CardaunS in den Ruhe­stand tritt.

Hannover, 27. März. Wie derHann. (Sour.* hört, soll der Plan der Einführung von Schiffahrtsabzaben auf natürlichen Wasserstraßen in Preußen infolge des Widerstandes der beteiligten Auslandsinächte und des Widerspruchs des Auswärtigen Amtes endgültig aufgegeben worden sein. (Eine Bestätigung dieser Nachricht bleibt abzluvarten)

Braunschweig, 26. März. In der heutigen ge­heimen Sitzung des Landtags fand eine lebhafte Be­sprechung über die Person des neuen Regenten statt. Da Einmütigkeit nicht zu erzielen war, wurde durch Stimnizettel die Ansicht der Landesversammlung festgestellt. Das Ergebnis wird geheim gehalten. Darauf wurde der Landtag bis auf weiteres vertagt.

Mann Helm, 26. März. Ter Journalisten- und Schrift st elteroerein nahm Stellung zu dem gegen den soz. Redakteur Oskar Geck schwebenden Zeugniszwangs- verfahren und nahm folgende Resolution an:

»Die heutige Mitgliederversammlung des Mannheimer Jour­nalisten- und Schrifisieller-Bereins erklärt, daß die Weigerung des Redakteurs Geck, über den ihm m Ausübung semes Bernies bekannt gewordenen N a m e n des Verfassers eines Zeitungsartikels Al» gaben zu machen, beu Geboten der journalistischen St an des ehre entspricht. Cie legt deshalb gegen die über Redakteur Geck verfügten Zwangs- maßregeln als mit dem öffentlichen Nechlsbewußisem im Wider­spruch stehend entschieden Berw ahrli ng cm und erhebt au s neue die Forderung an die gesetzgebenden Faktoren, den Redat- .euren und dem übrigen Personal der periodischen Presse die Be- ttrgmS zur Berweigernng des Zeugnisses über Bersasser und Em- xender von Preßanikein emzuräumen."

2Lusland.

Kopenhagen, 26. Marz. Es lieht jetzt fest, daß Kaiser Wilhelm in bcr ersten Halste des Juli den König von Dänemark in Kopenhagen besuchen wird. Wahrscheinlich wird die Kaiserin den Kaiser begleiten und damit zum eritenmal am dänischen Hofe weilen. Zu derselben Zeit erwartet man in Kopenhagen den Besuch des Königs von, Siam.

»London, 26. März. Aus besondere Einladung des Königs sind 120 Offiziere und M an nschaf t e n von dem zurzeit in PortSnrouth liegenden r u s s bs ch e n Geschwa­der heute nach London gekommen, wo sie aufs h e r z l i ch st e empfangen unb im Grand Hotel bewirtet wurden.

Paris, 26. Marz. Der wegen Spionage verhaftete Georg Pa in wurde vom Untersuchungsrichter einem Verhör unterzogen. Er gibt zu, daß er sich der Spionage für Deutsch­land schuldig gemacht habe. Er versicherte, die von ihm ausgelieferten Schriststücte hätten ausschlieglich Rußland be- trösten.

Madrid, 26. Aäärz. König Alfonso soll schwer lungenleidend sein und man beschäftigt sich mit der Even- tualität einer Regentschaft. Ter König soll in der letzten Zeit schwere Krisen durchgemacht haben uno Blut speien.

Prag, 26. März. In der heutigen Sitzung des Landtags weißte der Abg. Callina eine mit dem Bildnis des deutschen Kaisers geschmückte M e n ü k a r t c von einem Fesimahle vor und wies unter dem stürmischen Widerspruch der Deutschen daraus hin, daß dieses Fest im deutsä-en Kasino abgehalten worden fei und daß man daraus die Tendenz der von den Deut­schen gewünschten Zweiteilung erkennen könne. Ter Abg. Baä>- mann betonte, daß es sich bei dem in Rede stehenden Festmahle um eine Feier des Vereins deutscher Reichsangehöriger anläßlich des Geburtsfestes des deutschen Kaisers gehandelt habe, bei welcher Gelegenheit der deutsche Kon, ul einen Trinkspruch auf Kaiser Franz Josef ausbrachte. Der Redner bemerkte, daß diese Feste durchaus keine antipatriotische Tendenz verfolgen.

New York, 26. März. Ungewöhnliche Sensation erregt die Beschlagnahme eines 82 000 Dollars betragenden Fonds durch den Staatsanwalt. Angeblich soll mit dieser Summe tne Bestechung der Newyorker Staatssenatoren be­zweckt worden sein, die 6000 Dollar pro Mann erhalten sollten behufs Ablehnung der sogen. Bingham-Bill, die die in Newyork eingerisseue Polizeikorruptwn systematisch ausroUen will. Zu dem beschlagnahmten Fonds mußte jeder Newyorker Polizist 20 Toll, beisteuern. Eine Folge dieses Zwischenfalles «mag die völlige Auflösung der jetzigen Polizeimacht sein.

Kießener Ilü./jayrs-Ifervemalät.

th. G i e ß e n, 27. März 1907.

Unsere Stadt stand schon gestern unter dem Zeichen des Pferde­marktes. Schon am Vormittag kamen einige Transporte edelster Tiere meist schweren Arbeitsschlages mit der Bahn hier an, die in die Stallungen in der Nähe des Viehmarktplatzes mitergebracht wurden. Nach Tisch kamen besonders aus der Wetterau zahl­reiche Pferdetransporte, sodaß die bereits angelangten Käufer vor dem Neustädter Tor und in den Stallungen unserer heimi­schen Pferdehändler Aug. Frensdorf und S. Michel bereits Um­schau unter den Pferden, die heute zu Markt kamen, halten konnten. Es war gewissermaßen eine Vormusterung, wobei man nebenher auch nach den Preisen frug, ohne daß etwas festes oder bindendes abgemacht wuroe, denn dazu ist ja der Markt da, auf dem die Tiere erst noch um einen Preis konkurrieren. Am Abend sah man überall in den Wirtschaften die wohlgenährten und behäbigen Gestalten von Leuten, die mit Pferden zu tun haben, die Hotels und Logierwirtschaften waren in der verflossenen Nacht aut besetzt mit Gästen. Alle waren der frohen Erwartung, daß bas Wetter ihre guten Aussichten auf ein profitables Geschäft in Gießen nicht verderben würde. Diese Hofsnung auf gutes Wetter wurde nicht getäuscht, der Himmel machte ein freundliches Besicht. Mit Beginn des heutigen Marktes begann vor dem Neustädter Tor ein lebhaftes Treiben. Nicht nur Händler und Käufer waren da draußen versammelt, sondern alles, was Gäulsverstand" in Gießen und Umgegend hat, war versammelt und die Schaulust der Menge wurde völlig befriedigt. Sind doch im ganzen 285 Pferde und 25 Fohlen ausgetrieben, und während die Prämiierungskommission am Vormittag ihres arbeitsreichen Amtes waltet, werden in dem großen Ring edle Tiere meist belgischen Schlages den Käufern und Liebhabern vorgeführt, wobei besonders von den bei dem Handel Unbeteiligten scharfe Kritik geführt wird.

Wo gchandelt wird, da fehlen, wenn es sich um Vieh dreht, auch die Schmuser nicht, die ja, wie es kommt, zwar manchen Handel verderben, aber cuuch häufig zum Gelingen beitragen, was natürlich nicht ganz umsonst geschieht. Leider mußte wegen der Karwoche das bei dem Pferdemarkt angesagte Konzert aus­fallen, trotz aller Mühe, die sich die Marktkommission gab, war die Erlaubnis nicht erteilt worden. Es ging aber auch ohne Musik.

Der Handel ging trotz der recht hohen Preise, die für gute Pferde verlangt wurden, nicht schlecht. Unser Pferdemarkt hat sich gut eingeführt und wer im Frühjahr gutes Pserdematerial kaufen muß, rechnet damit, auf dem Gießener Markt gut anzu­kommen.

Die Prämiierung ging recht flott vor sich, sodaß wir nach­stehend schon das Resultat bringen können.

. ^Reitpferde, unter dem Reiter gezeigt Braune Stute: Heinrich Ludwig Dreut, Griedel, Anerkennung.

«« .Px W^^nschlä^ paarweise zu prämiieren. Fuchs- Wallache: S. Michel-Gietzen 1. Preis; Rappen-Stuten: August Frensdorf-Gießen 2. Preis.

Ula. Schwere Arbeitsschläge, paarweise zu prä­miieren. Fuchs-Wallache: S. Michel-Gießen 1. Preis; Rot- schimmel: Simon Kaufmann-Niederweisel 2. Preis' ''Vohren» schimmel-Wallache: S. Michel-Gießen 3. Preis.

III6. Leichte Arbeitsschlägc, paarweise zu prä­miieren. Notschimmel-Stuten: August Frensdorf-Gießen 1. Preis; Braune: Simon Kaufmann-Niederweisel 2. Preis; 2 Pferde: M. Bing-Lich 3. Preis; Füchse: H. Hinkel-Reichelsheim Anerkennung.

IVa. Schwere Arbeitsschläge, einzeln zu prämiieren. Fuchs-Stute: Simon Kaufmann-Niederweisel 1. Preis; Notschim- mel-Stute: August Fredsdorf-Gießen 2. Preis; schwarze Stute: Isidor Strauß, Ober-Mockstadt 3. Preis; Fuchs-Stute: August Frensdorf-Gießen 4. Preis.

IVb. Leichte Arbeitsschlüge, einzeln zu prämiieren. 1 Pferd: M. Bing-Lich 1. Preis; braunes Pferd: Simon Kauf­mann-Niederweisel 2. Preis; braune Stute: D. Isenberg Ww.- Fronhausen 3. Preis; Silberschimmel: August Frensdorf-Gießen -I Preis.

Va. Arbeitsschläge, einzeln zu prämiieren. (Diese Pferde müssen mindestens 6 Monate im Besitz vo»i Landwirten sein, die dem Landespferdezuchtverein oder einem landwirtschaft­lichen Bezirksverein des Großherzogtums angehören.) Olden­burger, braune Stute: Georg Bill I.-Niederweisel 1. Preis; Bel­gier, dunkelbraun: Jacob Klippel, Niederweisel 2. Preis; Olden­burger, dunkelbraun: Wilhelm Faber-Kirchgöns 2. Preis; Belgier, schwarze Stute: Ehr. Häuser IV. Ww.-Niederweisel 3. Preis; Oldenburger, dunkelbraune Stute: Konrad Volp-Niederweisel 3. Preis; Belgier, braun: Otto Schmidt-Laubach 3. Preis.

Vl>. Arbeitsschläge, paarweise zu prämiieren. (Diese Pferde müssen mindestens 6 Monate im Besitz von Landwirten fein, die dem Landespferdezuchtverein oder einem landwirtschaft­lichen Bezirtsverein des Großherzogtums angehören.) Goldfuchs­stuten: H. K. Schneider-Ulfa 1. Preis; Fuchs-Wallach und Stute: Friedrich Lyncker-Schisfenberg 2. Preis; Braune Stuten: Konrad Reuter VI.-Niederiveisel 3. Preis; braune Stuten: Wenzel Hasser UI.-Niederweifel Anerkennung.

Der Prämiierung wohnte Landes-Stallmeister v. W i l l i ch - Darmstadt bei.

Die Bluttat Tatjana Leontiews vor Gericht. (UnoereüjrijjiL-c ajoruti uerboieu.)

S. u. H. Thun, 26. März 1907.

Die heutigen Verhandlungen in dem Morüprozeß gegen Tat­jana Seontiuü, denen auch der Vater der Angeklagten, General L., beiwohnte, hatten zunächst noch die Vorgänge im Grand Hotel Jungfrau" zum Gegenstände, die ihren Abschluß in der Er­mordung des Rentiers Müller fanden. Es wurde dabei u. a. festgestellt, daß die Persönlichkeit des Begleiters der Angeklagten nicht hat festgestellt werden können. Die Hotelangestellten be­kundeten, daß der Minister Durnowo tatsächlich wenige Tage vor der Ankunft des Paares im Grand Hotel gewohnt hatte, am 19. August v. I. früh jedoch weitergereist war. Der Begleiter der Angeklagten verließ am Tage vor der Mordtat das Hotel mit Rucksack und Bergstock, ist jedoch nach Paris gefahren. Der hinter ihm erlassene Steckbrief macht darauf aufmerksam, daß üer angebliche Stafford an der rechten Hand einen verkrüppelten, tjalb abgebrochenen Daumnagel hat.

Müller sank nach den ersten drei Schüssen vom Stuhle, worauf die Angeklagte noch vier weitere Schüsse auf ihn abgab. In seinem etwa dreivicrtelstündigen Todeskampfe kam der Un­glückliche nicht mehr zum vollen Bewußtsein. Als man ihn aus­hob, fragte er leise:Qui est rette femme?"

Das Hauptereignis der heutigen Sitzung bildete die Beweis­aufnahme über eine angebliche Mißhandlung der Angeklag­ten int Untersuchungsgefängnis in Interlaken durch den Richter Laueuer. Obwohl der Untersuchungsrichter diese Beschuldigung mit Entrüstung und unter dem Hinweise darauf ablehnte, daß er verheirate! und Vater erwachsener Mädchen sei, wurde er doch durch d i e Aussagen seiner Untergebenen, der be­haupteten Gewaltanwendung überführt, sodaß das Ge­richt sich veranlaßt sah, den Vorfall dem Bernischen Kassations­gericht zu überweisen.

Der Präsident des Gerichtshofes hat ein Schreiben erhalten, in dem gedroht wird, daß an sämtlichen Richtern und Anklägern das T o d e s u r t e i l v o l l st r e ck t werden soll, wenn nicht der Freispruch der Leontiew erfolgen würde. Im Gcsängnis hat sie ein Gedicht verfaßt, das folgendermaßen lautet:

Genossen bricht die Nacht herein, Wenn still und scheu der Tag entflieht. Singt eure Seele mir im Dämmerschein Ein liebes Lied. . . .

Genossen wenn das Morgenrot Durch dunkle Nacht hervor sich stoßt, Singt eure Seele meiner Not

Ein Lied voll Trost.

Genossen führt die letzte Nacht Zur Ruh' mich ein. Wird eure Seel' voll Glanz und Pracht Mir Schwester fein!

Die Nachmittagsverhandlnng verlief ohne Zwischenfall. Der Vertreter der Zivilpartei beantragte, die Angeklagte des Mor­des schuldig zu erklären. Tie Tat dürste trotz der Personen­verwechslung nicht als bloße fahrlässige Tötung beurteilt werden. Das Urteil wird voraussichtlich am Mittwoch gesprochen.

*

Die Attentäterin, ein blasses zartes Geschöpf, macht nicht den Eindruck eines dämonischen Weibes, dem eine solche Bluttat zu­zutrauen märe, sondern sie ist em hysterstches, unglückliches Wesen, an welchem die Ettern ein Verbrechen begingen, als sie es ins Mädchengymnasium nach Lausanne schickten, anstatt alles daran zu setzen, seine Gesundheit zu kräftigen. Dieselbe Tatjana Leon­tiew, die als Backfisch b^i einem Besuch in Berlin aus einer Theatervorstellung flüchtete, weil dabei ge­schossen wurde und sie das Schießen nicht vertragen kann, knallt ein paar Jahre später an der Loteltasel einen liebenswürdigen alten Herrn nieder, der ihr nichts zuleide getan und nur das Pech hatte, einem Minister etwas ähnlich zu sehen. Hysterie in der Politik! Diese russischen Studentinnen, die ihr Gehirn mit un­verdautem Wissenstoff und unverstandenen polttischen Schlag­wörtern voll stopfen, bilden mit ihren zügellos erotischen und sadistischen Trieben nachgerade eine schwere Gefahr für die geistige und srttllche Gesundheit iprer NattorL

Aus sraör uns Land.

Gießen, den 27. März.

** Großherzogliche Spende. Der Neubau b:r Aula der Landesuniversität in Gießen, der im Jun b. I. geiegentliü) des 300 jährigen Jubttaums der Hochschule feierlich eingervecht wird, wird eine kirn itter ische Spende des Großherzogs erhalten. Der Landesherr gedenkt sein lebensgroßes Bild­nis in ganzer Figur zu stillen und hat n. d. N. H. V. mit der Ausführung den Darmstadter äJialer Adolf Beyer betraut. Das ais repräsentatives Gemälde gedachte Bild wird an der Hauptivand des Festsaales zwischen den ichon vorhandenen gleich- grouen Porträts des Landgrafen Georgs 11., des Stifters der ttniversttat, und ihres Wiederhersteilers Ludwig V. au,gehängt.

- Aus dein Militär.Wochenblatt. Befördert zu Leutnants der Reserve: die Bizefeldwebel Stolpe (I Ham­burg) des 5. Grosch. Hess. Jnf.-RegtS. 9lr. 168, Hartung (Weglar) des Jnf.-Lelb-Regts. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117 ; zu Oberleutnants: Kade (Wiesbaden), Leutnant der Reserve des Leibgaide-Jnf.-Regts. (l. Großh. Hess.) sJtr. 115, Frech. Dael v. Köth-Wernscheid (Mainz), Leutnant der Landivehr-Jeldartillerie 2. Aufgebots. Der Abschied be­willigt: Sch in oller, Leutnant der Reserve des Leib-Trag.- RegtS. (2. Großh. Hess.) 9tr. 24, Falken Hagen (1 Darm- iladt), Hauptmann der Landw.-Jnf. 1. Aufg., mit Erlaubnis zum Tragen feiner bisherigen Uniform, Platho ('Mainz), Oberleutnant der Landw.-Jnf. 1. 'Aufg., nut Erlaubnis zum Tragen der Landwehr-Armee-Uniform.

"Das Realgymnasium und die Oberreal- schiile zu Gießen nebst Vorschule wurden 1906/07 von zusammen 980 Schülern besucht gegen 894 im Vorjahr. 35 Eintritten während des Schuljahrs standen 60 Austritte gegenüber, sodaß das Jahr mit 920 Schülern abschloß. Von der Gesamtzahl waren 636 Einheimische, 236 aus anderen hessischen Orten, 105 aus anderen deutschen Staaten und 3 aus dem Ausland; evangelisch waren 865, katholisch 53 und israelitisch 62. Tas Realgymnasium hatte 264 Schüler, dir Ob errealschuls 539 und die Vorschule 177. Tie Vorschüler waren bis auf 9 sämtlich aus Gießen. Tas Lehrerkolegmm, an dessen Spitze Geh. Schiilrat Direktor Dr. Rausch steht, bestand aus 41 Lehrkräften, darunter 3 außerord. (Religions.) Lehrer. Tie Anmeldungen für das Schiiljahrl908/09 iverden schon im Mai dieses Jahres entgegengenommen. Später erfolgende Anmeldungen lönnen nur insoweit be- rücksichtigt werden, als es Klaffenzahl und Raum gestalten.

" DasBahnprojekt Grün berg-Lich. Die Arbeiten zur Erbauung der Bahn werden nach Aiissage der ein» geweihten Kreise voraussichtlich erst im Herbst in Angriff genomnlen werden, da die VermesiungSarbeiten, die Herstellung der Voranschläge und die letzten Verhandlungen nut den be­teiligten Gemeinden, betreffs Anlage der Bahnhöfe etc. vor Herbst nicht zu Ende geführt fein werden. In der Bevölker­ung der Laudorte wird die Verzögerung lebhaft bedauert. Die Strecke selbst bietet (eine nennenswerten Geländeschwierig, feiten, folgt sie doch von Lich nach einer Ueberbrückung über die Strecke Gießen-Gelnhausen dem Wettertal über Rieder, und Oberbessingen, um bei Münster in das Tal des Eschers- baches zu treten. Durch dieses führt sie über Ettingshausen, Queckborn und Reumühle, von hier aus ist zur Ueberiomdung des Queckborner Berges eine höhere Steigung erforderlich, etiva 1 km westlich des Bahnhofs Grunberg fährt sie in die Strecke Gießen - Fulda. Seit etiva drei Wochen befindet sich das Baubureau zur Erbauung der Bahn in Lich; verflossene Woche begannen die Vermessungsarbeiten der Strecke.

* Zu dem Automobilunfall an der Johanni § bürg erfahren wir noch folgendes: Die Verbandstelle der freiwill. Sanitätskolonne, Neuenweg 30, wurde vorm. kurz vor 11 Uhr vom Großh. Polizeiamt §nr Hülfeleistung ver­anlaßt. In kurzer Zeit waren drei Kolonnenmitglieder mit der fahrbaren Trage an der Unfallstelle erschienen, wo Tr. Wöhrmann von Wieseck schon anwesend war. Es stellte sich heraus, daß der Verletzte einen Knöchelbruch am linken und einen Oberschenkelbruch am rechten Bein, sowie schwere Schnitt- ivunden und Verletzungen am Kopf erlitten hatte. Nach An- legen der Notverbände durch die Kolonnenmitglieder unter 'Aufsicht des Arztes konnte der Verunglückte nach der chirurg. Klinik überführt iverden, wo der Transport kurz nach 12 Uhr emtraf. Es ist daraus zu ersehen, daß die vorn Zweigverein vom Noten Kreuz geschaffene Einrichtung bei Sanitätskolonne, wenn rechtzeitig deren Hülfe durch die Polizei in Anspruch genommen wird, sehr segensreich ist. Es empfiehlt sich stets, von allen Unfällen sofort tue Polizei zu verständigen.

Der flüchtige Verwa lter der Klinik für psychische und nervöse Krankheiten, Dönges, der durchging, nachdeiu er 4000 Mk. amtliche Gelder unterschlagen hatte, ist in Zürich ergriffen worden und wird hierher ausgeliefert werden. Wie behauptet wird, soll Dönges auch den Leiter der Klinik um einen Betrag gebracht haben.

"Diebstahl. In der verflossenen Nacht wurde in der Grün berg er st raße in einer Waschküche der Wasch» kessel aus der Mauerung heraiisgebrocheu und gestohlen.

"Internationaler Kurs der gerichtlichen Psychologie und Psychiatrie. Wie uns mitgeteilt wird, weist die Tei In eh m er liste bereits über 120 N a m en auf. Wenn wir vor kurzem die Mitteilung brachten, daß in 'Rücksicht auf die beschränkenden Naumoerhältmsse in der psychiatrischen Klinik beasichligt fei, keine Meldungen mehr anzimehmen, so ist dies nunmehr dahin richtig zu stellen, daß die Teilnehmerzahl unbegrenzt ist, nachdem beschlossen wurde, die Vorträge im Universitätsgebäude abzuhalten.

"Die wiederholten Grubentata st ophen bei letzten Zeit haben auch den Bergleuten im Großherzogtum Hessen Veranlassung gegeben, den ausgesprochenen Gemein- inn zu betätigen, der den Arbeitskameraden dieses Berufes eigen ist. So ist vor einiger Zeit aus den Kreisen hessischer Bergarbeiter heraiis die Anregung zu einer Sammlung von Bergmannsspenden für die Hinterbliebenen der Opfer des Redener Unglücks gegeben worden. Als Ergebnis dieser Sammlung konnten in diesen Tagen 6 5 0 Mark durch Ver­mittelung der Bergbehörde nach Saarbrücken überwiesen werden. An dieser Summe sind beteiligt (worüber hiermit öffentlich quittiert wird): Grube Aussicht bei Waldmichelbach mit 126,65 Mark; Grube Georg bei Rohrbach mit 15 Mark; Obersteiger Balzer m Oberkainsbach nut 10 Mark; Grube und Brikettsabrik Friedrich bei Hungen mit 250 Mark; LudwigShoffnung bet Wolfersheim und Melbach mit 15,45 Mark; die Fürstlich Braunselsschen Gruben W ölfers- heim und Weck es heim mit 113,55 Mark; die Gruben Roßbach und Berg man ns grüß bei OberroSbach mit 75 Mark; Bureaiibeamte mit 44,35 Mark.

" Der Verkehrsverein Gießen hielt am 25. März in den oberen Räumen des Restaurant Kaiserhos leine diesjährige ordentliche Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr W. Hornberger erstattete den Geschäftsbericht, aus dem hervorgeht, daß der Verein eine rege Vereinstätigkeit entfaltete, in dem er besonders unsere Stadt durch uinfangreiche Versendung seiner Reklameschriften nach außen hm empfahl und einen ansehnlichen Erfolg damit erzielte. Tie Auskünfte, die er auf Anfragen zu erteilen hatte, waren ganz ungewöhnlich zahlreich, feine Vermittlung in Auskünften betr. die Wohnungen zc. beweisen, daß ein Interesse an Gießen als Wohnplatz im Wachsen begriffen ist. Der mühsamen Arbeit dieser Vermittlungen unterzog sich der Schriftführer, Herr Fr. Helm. KemesivegS erfreulich >var für den Vorstand eilte gewisse Beschränkung, die ec sich auferlegen mußte, solange uniete Stadt noch das oft unschöne Gewand trägt, das rhr die Kanalisation auferlegt. Wird oaS m wenigen Jahren überwunden fein, werden dem Ver­kehrsverein große umfassende Aufgaben zusallen. Es ist vielfach nicht zu begreifen, daß das immer noch von ein­zelnen Geschäftsleuten verkannt wird, zu deren Gunsten der