Nr. 355
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Dem Gtetzener Anzeiger gerben im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Zainitien- bläirer viermal in der Woche betgelcgt und »iveima! wöchentlich das {{rcisblatt für den Kreis Ziehen. Fernsprech-An- schlich f.d. Redaktion 112 Verlag u. Expedition öl tlbrefle für Depeschenr
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Erstes Blatt
157. Jahrgang
Mittwoch 3t). Oktober 1907
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Bezugspreis: monatlich 75Pf^ viertel» jährlich Mk, 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch die Post All. 2.— viertel- jährl. ausschl. Beftellg. Zeilenpreis: lokal 15Ps^ auswärts 20 Pfennig.
Verantwortlich tüt den politischen Teil: L. Anderson; s. Feuilleton und .Vermischtes" P. Witiko; für .Stadt u. Land" und „Äenchls-
Notattonzdruck und Verlag der vrLhl'schen Univ.-Such- und Steindruckerei. H. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei! Schuiftrah« 7.
Ire Keulige Kummer umfaßt 10 Seiten.
Aegierung und KroßindusicieTe.
Ein Zufall hat es gewollt, daß die Regierung kurz nacheinander in die Lage kam, ihren sozialpolitischen Standpunkt vor einem Kongresse von Arbeitnehmern und vor einer Versammlung von Großindustriellen zu vertreten, und beidemal ist es der Staatssekretär v. Bethmann- Hollweg gewesen, der sich dieser Aufgabe mit Geschick entledigte. Nachdem der Kongreß der nationalen Arbeiter durch den Staatssekretär begrüßt worden war, konnte man gespannt darauf sein, ob Herr v. Bethmann-.Hollweg auch in der Versammlung des Zentralverbandes deutscher Industrieller erscheinen werde. Herrschte doch seit einer Reihe von Jahren, im Anschluß an die bekannte Zwölftauseud- Mrk-Affäre, zwischen der Reichsregierung und dem genannten Verbände ein etwas gespanntes Verhältnis und gerade Graf Posadowsky erfreute sich bei den Großindu- slrietlen keiner besonderen Popularität. Man war in den Meisen der Großindustriellen von dem sozialpolitischen Kurs nicht sehr erbaut, weil den Unternehmern dadurch weitere Lasten auferlegt würden und weil man die Beobachtung gemacht haben wollte, daß die Regierung weit mehr sich um die Interessen der Arbeiterschaft bekümmere, als um diejenigen der Industriellen. Nach dem Rücktritt des Grafen Posadowsky scheinen die Dinge aber wohl eine andere Wendung nehmen zu wollen, dem neuen Mann tritt man mit mehr Vertrauen entgegen, in der Annahme, daß er nicht in die vermeintlichen Fehler seines Vorgängers verfallen werde. Im Hinblick auf diesen Gedankengang mußte man begierig darauf sein, ob Herr v. Bethmann-Hollweg bei einer eventuellen Ansprache nachdrücklich für eine Fortsetzung der Sozialpolitik eintreten werde. Wenngleich man sich nicht verhehlen konnte, daß bei einer Unterlassung der Vertreter der Reichsregierung einen Fehler machen würde, den man ihm im Schuldkonto sehr hoch ankreiden würde. Der Staatssekretär hat indessen nicht enttäuscht; er wiederholte ausdriicklich, daß er sich erst kürzlich gegenüber der Arbeiterschaft über die Notwendigkeit einer entschlossenen oortsührung der Sozialpolitik ausgesprochen habe. Gleichzeitig betonte er, daß er bestrebt sein werde, dem Unternehmertum wie der Arbeiterschaft mit der gleichen Offenheit und Unbefangenheit gegenüberzutreten. Daß die Großindustrie sich jetzt mit der Tatsache einer entschiedenen Fort- setzung der Sozialpolitik abgestanden i)at, bewies man dadurch, daß die Frage der Stellung des Zentralverbandes zu den bedeutenderen sozialpolitischen Fragen den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete, und eine Resolution angenommen wurde, worin die Unterstützung einer großzügigen Sozialpolitik mit allen zu Gebote.stehenden Mitteln zugesagt wird. Wenn damit no chein Appell an die Regierung verbunden wird, den Bestrebungen der Sozialdemokratie entschieden entgegeuzutreten, so i]t das eine Tendenz, die der Verband aus erklärlichen Gründen von jeher versolgt hat. Namentlich hinsichtlich der Reorganisation der Kranten- kassen und der Arbeiterversicherungsgesetze wurden Wünsche geäußert, die man im allgemeinen durchaus unterschreiben kann. Dagegen $mm inan sich mit anderen, die nur das Interesse der Unternehmer wahrnehmen und weniger Rücksicht auf die Arbeiterschaft nehmen wollen, nicht einverstanden erklären. So ist man gegen eine gesetzliche Verkürzung der Arbeitszeit und erklärt sich höchstens mit einer sehr langen Uebergangssrist einverstanden; auch gegen die Regelung der Maximalarbeitszeit für Arbeiterinnen hat mau allerlei Bedenken, die in weiten Kreisen der Nation kaum geteilt werden dürften. Ebenso dürsten die Proteste gegen die Förderung der Tarifverträge und namentlich gegen eine Erweiterung des Koalitionsrechtes außerhalb der Kreise der Großindustrie kaum geteilt werden. In dieser Hinsicht dürste die Reichsregierung den Wünschen des Zentralverbandes der Industriellen kaum folgen, wenn sie nicht wortbrüchig werden und allen Anhang im Parlamente verlieren will.
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Berlin, 29. Oft. Im Anschluß an die gestrige Delegiertcw- Sihung dcö Zentral-Verbandcs deutscher Industrieller wurde ein Fcsn's.'u veranstaltet, an dem auch Staatssekretär von Beth- Münn-Hollweg sowie bie preußischen Minister Breitenbach und Delbrück tetlnahni-en. Geheimer Kommerzünrat Kirdorf brachte einen Trinkspruch auf die Gäste aus, wobei er die Notwendigkeit des Kampfes gegen die Sozialdemokratie mit starken Worten be- tontc. (^5 sei ein Herren-Standpunkt, der eingenommen werden müsse. Die Mehrzahl der Industriellen nehme int Wesentlichen die Stellung eines ersten Beamten ein, eines verantwortlichen Leiters der großen industriellen Unternehnrungen, also des ersten Arbeiters in dem Betriebe. Dieser habe den Anweisungen der ihm übergeordneten Organe Folge zu geben und müsse verlangen, daß seine Anordnungen abwärts bis zum letzten Arbeiter befolgt werden. So allein sichere die Ordnung und die Zucht den Erfolg der Betriebe. — Handelsminister Delbrück erwiderte im Namen des Finanzmimsters und führte aus, daß die Negierung sich nicht m den Bann von Kirdorfs Anschauungen zwingen zu lassen brauche. Ter Finanzminister müsse nicht mir der Industrie, sondern auch den Arbeilern em treuer Berater fein. Delbrück schloß, die heutigen Verhandlungen haben gezeigt, daß der Zentralverband auf sozialer Grundlage nicht verneinen will, sondern geben. Ein Streit ist nur über das Maß. Daß Kirdorf sagte, wir wollen Herren im Hause bleiben, hat in der öffentlichen Meinung mehr geschadet als manche bittere Tat. Es liegt jedem Unternehmer lern, ein mittelalterliches Herrentum gegenüber den Arbeilern aufzustellen. Es liegt uns fern, den freien Willen zu beschränken, auch wenn es sich um unsere Arbeiter handelt. Wir wollen Kameraden unserer Arbeiter jein. Dann wird die deutsche Industrie nicht nur als Industrie groß sein, sondern auch in der Achtung aller Parteien des V-Lerlandes und auch in der Achtung des Auslandes.
Zum Besuch des deutschen Kaisers in London.
London, 30. Okt. Daily News bespricht die Besuche des spanischen und norwegischen Königspaares in
London und jagt: Der Besuch, der darauf folgt, und den wir alle mit lebhaftem Interesse erwarten, hat tiefere Bedeutung. Wir wünschten, daß über diesem Besuch nicht die Wolke gelegen hätte, die vorige Woche in Berlin ausgestiegen ist. Welches Licht aber auch die Ereignisse aus die Unabhängigkeit des Kaisers werfen, so können sie doch nichts seinem Charakter anhaben. Der Kaiser hat, lvie immer er auch unter politischen Gesichtspunkten kritisiert wird, doch die Bewunderung wegen seiner persönlich hohen und gesunden Lebensführung erregt, durch die er der ganzen Welt ein Beispiel gegeben hat.
Neue Gesetzentwürfe.
Berlin, 29. Okt. Eine Reform des Patentun d Warenverzeichnisses wird im Reichsamt des Innen: vorbereitet, dürfte den Reichstag in der nächsten Session noch nicht beschäftigen. — Der Gesetzentwurf betr. die R e ch t s f ä h i g k e i t der B e r u f s v e r e i n e, der dem Reichstage im dtovember 1906 vorgelegt war und im Reichstage eine herbe Kritik erfahren hat, wird, wie verlautet, dem Reichstage zunächst nicht wieder vorgelegt werden. Der Entwurf wird im Laufe der nächsten Monate umgearbeitet und für eine spätere Session Vorbehalten bleiben. Dieser Entschluß hängt eng mit dem kommenden Vereinsund Versammlungsrecht zusammen, das das Recht der Be- russvereine nach der öffentlich-rechtlichen Seite regelt. — Vorschriften für das Stellenvermittelungsgewerbe bilden den Gegenstand der Beratungen zwischen den Reichsregierungen. Die 1900 eingesührten Aende- rungen in der rechtlichen Stellung dec Gesindevermieter und Stellenvermittler haben sich nicht bewährt.
Ein Unfall des spanischen Königspaares.
Auf der Reise von Paris nach London ist dem spanischen Königspaare gestern ein Unfall zugestoßen, der leicht einen schlimmen Ausgang hätte nehmen können. Der Sonderzug, in dem sich das spanische Königspaar befand, entgleiste während des Rangierens. Der Unfall ist unbedeutend. Die Vorrichtung, durch die die Züge auf das Nebengleis des Arsenals geschoben werden, versagte; dadurch sprang die Hinterachse des Schlußwagens aus dem Gleise. Der Schaffner des letzten Wagens wurde leicht verletzt. Der König und die Königin blieben unverletzt, waren aber sehr erregt. Im übrigen war der Unfall so harmloser Art, daß der Schlaf des kleinen Prinzen ungestört blieb. Eine böse Absicht von irgendwelcher Seite hat die Untersuchung nicht nachgewiesen. Der Zug traf in Cherbourg mit großer Verspätung ein. Die Ankunft des Königspaares in London erfolgte abends.
Eine Stttdentcndemonstration.
Der „Berl. Lokalanz." meldet aus Wien: Am 29. Oktober mittags d e m o n st r i e r t e n 250 k r o a t i s ch e, s e r - bische und bosnische Studenten vor dem Reichs- sinanzministerium mitten in dem belebtesten Teile der inneren Stadt durch Pfeifen, Johlen und Abzugsrufe auf den Minister Burian. Die Polizei nahm^ sechs Verhaftungen vor. Die Verhafteten wurden wahrend ihrer Eskorte vom Pöbel tätlich angegriffen. Die Aufregung der Studenten ist durch politische Verhaftungen und Gefängnisstrafen wegen Preßvergehens in Bosnien hervorgerusen.
Aus dem Zarenreiche.
P e t e r s b u r g, 29. Okü Der Kaiser empfing heute in Petersburg den deutschen Botschafter v. Schön behufs Ueberreichung des Abbermsungsschreibens in feierlicher Audienz und zeichnete ihn durch persönliche Ueberrei- chung des Alexander-Newski-Ordens aus. Im Anschluß hieran empfing die Kaiserin den Botschafter und Frau v. Schön in überaus gnädiger Weise. Morgen findet zu Ehren des Botschafters eine Tafel bei den Majestäten statt.
Petersburg, 30. Okt. Die gestern auf frischer Tat festgenolnmene Mörderin des Chefs der Polizei- Ges ä n g n i s - V e r lv a l tu n g M a x i nl o w s k i ist bereits gestern durch das Petersburger Militär-Bezirksgericht zum Tode durch den Strang verurteilt worden. Die Mörderin nahm das Urteil mit erstaunlicher Kaltblütigkeit auf. Das Urteil gelangte noch in der Nacht zur Voll- st r e ck u n g. . .
— Die Mörderin Maximows krs war em junges Mädchen, eine frühere Konservatoriumsschülerin namens Sagoseinikow. Sie war aus einer Irren an statt ent- s p r u n g e n, wo sie zur Beobachtung ihres Geisteszustandes interniert war. Bei der Untersuchung wurde em zweiter stark geladener Revolver bei ihr gefimden, sowie eine Ho en- maschine, die 13 Pfund Dynamit enthielt. Die Hö.len- maschine sollte nicht im Gefängnis explodieren, sondern nach dem Plan der Kampforganisation erst in der Kanzlei der Staatspolizei. _
Wladiwostok, 29. Okt. Heute früh nahm em Teil der Gemeinen eines Mineurbataillons, die von nachts an- aekommenen Agitatoceil und einer Gruppe Zivilpersonen geleitet wurden, in ihren Kasernen die (Gewehrpyramiden auseinander und eröffneten ein Feuer gege n die Kaserne, in der zwei ^lompagnien des 2. Schützenregiments standen. Als die Aufständischen gegen die Kaserne des Schützeilregiments vorgingen, wurde auf sie mit Ma
schine n ge w e h r e n g e f e u e r t. Die A u f st ü n d i s ch e n liefen auseinander und lieferten nachher die Wafsen ab. Von dem Mineurbataillon wurden z w e i O s f i z i e r e u n d zwei Feldwebel verwundet und ein W a ch s o l d a t getötet; von der einen Kompagnie des Schü^enregünents lourde ein Soldat getötet. Unter den Aufständischen wurden zwei Mann getötet und fünf Mann verwundet; außerdem wurde ein Civilagitator getötet.
Warschau, 29. Okt. In Lodz greift die Anarchie um sich. Gestern früh fanden fast gleichzeitig vier Raubansälle auf kaufmännische Kontore statt. Vor die Tür eines Kontors, dessen Besitzer sich weigerte, aufzu- schließen, wurde eine Bombe geworfen. Im Kontor der Straßenbahn wurden 500 Rubel geraubt. Cs ist erwiesen, daß die Räuberbanden zur Hälfte aus Mitgliedern der sozialistischen Kampflegionen bestehen. Bei den Raubzügen werden Bomben und Pistolen! benutzt, die von sozialistischen Arsenalen zu anderen revolutionären Zwecken geliefert worden sind.
Warschau, 30. Okt. Das Blatt „Ochrana" teilt durch Geheimzirkular den Behörden warnend mit, daß die radikale Partei am E r ö s f n u n g s t a g e der Duma eine Reihe terroristischer Akte als Einspruch dagegen plane.
Petersburg, 29. Okt. Das hiesige offizielle Jn- sormationsbureau veröffentlicht die Gründe für die Entlassung des römisch-katholischen Bischofs von Wilna, Baron von der Roop. Der Bischof war als Oroganisator einer konstitutionellen katholischen Partei in Litauen und Weißrußland, deren Programm in einigen Punkten regierungsfeindlich ist, ausgetreten. In seinen Sendschreiben hatte er ferner eine aufreizende Sprache geführt, die Oie Regierung zum Einschreiten veranlaßte. Es wurde ihm die Annahme eines anderen Vischos- sitzes oder freiwillige Llbdankung nahe gelegt. Da das offizielle Abschiedsgesuch nicht eingegangen war, erfolgte Vie, Dienstentlassung durch kaiserlichen Ukas.
Odessa, 30. Okt. Die Zeitung „Odeskija Nowosti" wurde wegen Veröffentlichu ngvonBildern einiger o p p o s i t i o n el le r^ D um a - Kan d id a t e n vom Gouverneur aus 2 Wochen unterdrückt.
H e l s i n g f o r s, 29. Okt. Der Landtag nahm den Antrag des Verfassungsausschusses betr. Bewilligung von 2 0 Millionen finischen Mark aus den finischen caats- mitteln an die russische Staatskasse an. Die Sozialdemokraten rühmen an der endgültigen Wstimmung nicht teil.
Marokko.
C a s a b l a n c a, 29. Okt. Die Lage ist unverändert. Außerhalb der Stadt herrscht immer noch große Unsicherheit. Es ist der europäischen Bevölkerung strengstens untersagt, sich außerhalb der Stadt zu begeben. Gestern abend sand ein Fackelzug, der sich vor die Konsulate und das Gebäude des Gouverneurs begab, statt.
Nachrichten aus Mogador besagen, daß die Truppen eine abwartende Haltung einnehmen. Man glaubt, daß Unterhandlungen angetnüpst werden sollen, um einen Kampf zu vermeiden. Das Eintreffen von Verstärkungstruppen in Mogador hat große Aufregung her-, vorgerusen.
AnsLcrnH.
Wien, 29. Okt. Der Kaiser machte heute seinen ersten Spaziergang in den Schönbrunner Park, der ihm sehr gut bekommen ist.
Salzburg, 29. Okt. Das Befinden des Großherzogs von Toskana hat sich weiter verschlimmert. Hinsichtlich eines eventl. Besuches des Ehepaares Toselli wird erklärt, daß diesem im Falle der §ertunft der Eintritt in die Toskanische Residenz unter keinen Um-, ständen gestattet werden würde. — Erzherzog Heinrich Ferdinand von Toskana läßt erklären, daß er in keiner Weise daran denke, seine Würde als Erzherzog niederzulegen. Alle gegenteiligen Gerüchte seien grundlos.
Rom, 30. Okt. Außer dem Jesuiten Tyrell wurden zwei andere Modernisten vom Papste exkommuniziert.
— Der vatikanische Berichterstatter des Corriere della Sera meldet, Pater Früh w ir t h sei der ausgesprochenste Gegner der Modernisten und angeblicher Verfasser der schärfsten Stellen in der jüngsten Enzyklika. Seine Ernennung bekunde die Msicht des Vatikans, die deutschen Neuerer, besonders die Würzburger, auf das äußerste zu bekämpfen.
Paris, 29. Okt. Das Befinden der in Biarritz an einem für unheilbar gehaltenen Magenleiden darnieder-, liegenden P r i n z e s s i n F r i e d e r i k e v o n tz a n n o v e r, der Schwester des Herzogs von Cumberland, ist hoffnungslos.
Das Wrleil im Wottke-Karden Prozeß.
(Unber. Nachdr. verboten.) S. u. H. Berlin, 29. Okt.
Trotz des strömenden RegenS war das Gerichlsgedäude von vielen Hunderten von Neugierigen umstellt, die gespannt das Urteil erwarteten. Die Polizei niußte wieder weitgehende Absperrungs- maßregeln vornehmen. Den Parteien waren noch zahlreiche Zu- schrillen aller Art zngegangen. Im Zuhörerranm drängten sich zahlreiche Gerichtspersonen und viele Damen. Die Parteien waren srühzeitig zur Stelle. Gras Moltke schien sehr erregt, während Harden eine sichere Ruhe bewahrte. Fast alle Zeugen hatten sich eingefnnden, ebenso die Sachverständigen. Als die zur UrtciK-rer- lündigung sestgesetzte Stunde, */, 11 Uhr, heraugekommen war, bemächtigte sich des Publilums eine Erregung, die ihren Höhepunkt erreichte, als der Gerichtshof den Saal betrat.


