A PohlgönS, 3. April.
Der Gemein de rat be.
85.40
Elektriz. Schlickert
Eschweiler Bergwerk .
Obeischles. Eisen-Industrie 140.50
96.70
Berliner Bürge, 4.
DJ«
. 130.50
. 113.30 . 229.—
26 90
141.70
67.25
68.50
90.50
91.85
93.50
140.20
49.60
85.30
65.80
96.70
April. Anfangskurse. Harpeuer Bergwerk. LauraüUtte . . ..umbarden E. B. N'ordd. Lloyd . . . fürkenlose .
217.50
120.75
. 158.50 135.25
. 230.- . 169.20 . 172.40 . 154.75 . 212.50
. 205.75
. 221.-
. 125.20
96.45 85.40
94.70 9510
99.10 99.65
94.40
Canada E. B.....
Darmstädter Bank . . Deutsche Bank . . . Dortmunder-Union C. . Dresdner Bank . . . 'lenden/.: schwach.
3^7. 3% 3V/< 3%
Orten zuqetragen. Schlägereien und Prozesse, Haß und Feind, schäft sind die Folgen. In den Landstädtchen und besonders in den Industrieorten um Gießen bat die Unsitte dieser Wobt- gelage so gut wie anfgebört. Im Interesse der Bevölkerung wäre dieS auch für die Landorte zu wünschen.
Barpener Bergwerk Laurabütte . . . N'ordd. Lloyd . .
darf. AbonnementZgelder und Tageskasse sollen der Direktion des StadttbeaterS unverkürzt zufließen, die Mitgliedsbeiträge aber zur Beschaffung notwendiger Dekorationen und zur Heranziebung bedeutender Gäste Verwendung finden.
** Fußsteige frei ! Wir verweisen auf die heutige Bekanntmachung des Großh. Polizeiamts, die einige Bestimmungen über den Straßenverkehr ins Gedächtnis zurückruft, gegen die gar oft gefehlt wird. Es ist nämlich im Interesse der Ermöglichung des ungehinderten Fußgängerverkehrs aus den Fußsteigen das Befahren der Fußsteige mit Fuhrwerken ieder Art (auch Handwagen und Fahrräder) — ausgenommen, soweit hierdurch der Fußgängerverkehr nicht gehindert wird, die Beförderung von Kindern und Kranken in Kinder- und Krankenwagen — bei Strafe verboten. Außerdem ist untersagt das Stehenbleiben, wodurch^ der freie Verkehr gehemmt wird, sowie das Tragen von Gegenständen, die geeignet sind, andere zu belästigen (zum Beispiel Metzgerbollen, Marktkörben usw.). Gerade diese Rlicksichts- losigkeiten sollten ebenso wie das lästige Ausschütteln von Teppichen usw. auf die Straße nicht erst durch Strafanzeigen verhindert zu werden brauchen.
** Auf zwei oft gerügte Mißstände weist eine Bekanntmachung des Polizeiamtes hin, zwei Uebelstände, die im Interesse der Bevölkerung nicht vorkommen sollten. Das Verbot des Polneiamtes bekifft das leichtsinnige Auf- stellen von Blumentöpfen rc. an Orten, an welchen Menschen verkehren, und durch deren Herabfallen leicht Beschädigungen von Passanten, spielenden Kindern rc. vorkommen können.und zweitens das überaus lästige Ausschütteln von T e p p i ch e n rc. nach der Straße. Wir hoffen, daß es nur dieses Hinweises bedarf, um diese Uebelstände zu beseitigen, erinnern aber gleichzeitig die Herrschaften an ihre Pflicht, auch den Dienstboten diese üblen Angewohnheiten zu untersagen, denn sonst dürste unfehlbar ein polizeiliches Einschreiten zu erwarten sein.
Gelsenkirchen Bergwerk . 195.50
Hamburg-Amerik. Paket». 135.70
Aus SiaSt unO Land.
Sprechstunden der Redaktion:
1/2 12—1 Uhr öorm., V2 7—1/2 8 Uhr nachm., (mit Ausnahme von Samstag und Sonntag).
G l e 3 e n, 4. April.
** Der Theater-Verein hat nut dem Zeitpunkt des Einzugs m das neue Theatergebäude und der damit erfolgten Konsolidierung der Verhältnisse einen großen Teil der ihm zugewiescnen Aufgabe erfüllt und kann deshalb seine bis jetzt so intensive Tätigkeit etwas einschränken. Was chm jetzt noch zu tun übrig bleibt, betrifft die Erhaltung und ! Pflege des Geschaffenen. Ten ueiänberhn Verhältnissen soll nun em neues Statut Rechnung tragen, das vom Vorstand bereits angenommen ist und in Stürze der Generalversammlung her Mitglieder zur Genehmigung vorgelegt wird. Es sollen hiernach jährlich nur drei Vorstellungen stattsinden, unter denen sich auch eine Opernaufführung oefinden
Berliner Handelsges . . Darmstädter Bank Deutsche Bank . . .
Deutsch-Asiat. Bank . , Diskonto-Kommandit. . . Dresdner Bank . . . .Kreditaktien.....
Baltimore- und Ohio-
Eisenlabn .
Gotthard bahn . . .
Lombard. Eisenbahn . . Uesterr. Staats bahn . . . Pnnce-Henn-Eisenbahn .
. 177.70
. 135.-
. 229.75
. 75.-
145.10
. 206.- . 221.40 . 27.— . 124.90 . 139.80
früheren Hefte derselben Zeitschrift ungefähr in derselben Art, wie in seiner von unS kürzlich besprochenen kleinen Broschüre gegen die Nichtwähler zu Felde gezogen war. Dieser Artikel ist nicht nur .interessant" geschrieben, er enthält auch Wahrheiten, die sehr sorglich vom nationalen und politischen Standpunkte aus mit psychologischer Feinheit begründet sind. Der Artikelschreiber stellt gleich eingangs die etwas stark klingende Behauptung auf, daß die Partei der Nichtwähler stärker ist als irgend eine andere Partei, wenn sie will. Tas ist wahr, wie ein Blick aus die Abstimmungszahlen der Wähler beweist.
Unser Artikelschreiber hat nun gar nicht die Absicht, die Nichtwähler in ein glänzendes Licht der Rechtfertigung zu setzen; ec hält sozusagen diese „Institution" für nötig, „denn auch der Faule hat ideale Gründe". Der Schreiber sieht die „Nichtwähler" als eine Art Reserve und Landsturm an, die heranrücken, wenn das Vaterland in höchster Gefahr ist und die Wogen der Parteileidenschaft über den Köpfen der Vernünftigen zusammenschlagen wollen. Der Schreiber führt dann im einzelnen folgendes aus:
Wir sind glanz und gar davon überzeugt, daß das Deutsche Reich mit jedem Reichstag und alle seine Einzelstaaten mit jeglichem Landtag gut fahren werden, in dem bloß nicht eine einzige Partei so überwiegt, daß sie ihre Ideale völlig durchführen könnte. Wir meinen, daß im Grunde immer die Notwendigkeit und die ruhige Einsicht herrscht oder zur Herrschaft kommt: daß diese bald von der Regierung, bald von dieser,^ bald von jener Partei zuerst erfaßt und vertreten wird: daß ihr alle euch gegenseitig treiben und hemmen sollt, daß immer alle Stimmen an allen Winkeln und Gesellschaftsklassen des Reiches sich sollen hörbar machen können: daß über euch allen ein Letztes und Größtes steht, das mit oder wider euch unser Geschick bestimmt: des ganzen Volkes Wohl und Wehe, des ganzen Volkes Wille.
Darum auch, ihr versteht uns jetzt, haben wir wirklich, wie ihr sagt, (tin manchem Ort Männer gewählt, für die wir weder ein besonderes Interesse, noch eine besondere Achtung hegten: sie sollen für eine, zwei Abstimmungen uns das halten, was sie uns gelobten — im übrigen hoffen und erwarten wir, daß wenn sie auch in allem weiteren ganz gegen unseren Willen raten und taten sollten, daraus kein allzu großes Unglück erwachsen wird. Interessen sollt ihr vertreten: ob mit ober ohne Reden, ob im Plenum ober auf Hintertreppen, das ist uns und denen gleichgültig, die euch wählten — die euch wieder wählen, wenn ihr eure Sache gut macht.
Der Schreiber geht bann „aufs Ganze" und meint zum Schluß:
Ihr werdet merken, daß wir Nichtpalitiker ganz und auf immer verloren sind, wenn ihr hört, was uns zur Wahl getrieben hat. Daß ich es gerade heraussage: das Schrecklichste, das Ungehörigste was in der Politik vorkommen kann: ein
Israelitische Neligiousgemeinde.
Hottesdientt in der Synagoge (Südankage).
Freitag, den 5. und Samstag, den 6. April 1907: Passahfest-Ende.
7. Tag: Vorabend 7.00 Uhr. Morgens 8.30 Uhr.
8. Tag: Vorabend 7.00 Uhr. Morgens 8.30 Uhr.
Nachmittags 4 Uhr. Festesausgang 7.55 Uhr.
Israelitische Religionsgesettschast.
Freitag, den 5. und Samstag, den 6. April 1907. Passahfest-Ende.
7. Tag: Vorabend 6.45. Morgens 8.00.
8. Tag: Vorabend 6.40. Morgens 8.00, nachmittags 4.00, Feitesausgang 7.55.
Wocbeimcmeädienü: nioraens 6.30 Uhr, abends 7.55 Uhr
4% Italien. Reute . . . 3% Portugiesen Serie I ' 3% Portugiesen „ nj 4^°/o russ.Staatsaul. 1905 4/4u,0 japau. Staatsanleihe 4% Couv. Türken von lUUo Türkenlose . .
4% Griech. Mouopol-Anl. äussere Argentinier .
3% Mexikaner l>so/o Chinesen . .
Aktien:
Bochum Guss.....
Buderus E. W
Tendenz: schwach.
3)4% Hessen
3^% Oberhessen . . .
4% Oesterr. Goldreute.
4%% Oesterr. Silberrente 4% Ungar. Goldrente . .
\ . D i e Zulassung der O b e r r e als ch u l ab i tu°- • r t e n t e n zum Studium der Medizin ist vom Bundes-- 1 rat unterm 31. Januar l. Js. beschlossen worden. Die Zulassung zum medizinischen Sttidium ist von dem Nachweis lateinischer ' ?Jnnmnt^e unabhängig, erst wenn die Zulassung zur ärzt- ; nchen Vorprüfung nachgesucht wird, ist der Nachweis zu et» ' bringen, daß der Kandidat diejenigen lateinischen Kenntnisse : besitzt, welche für die Versetzung nach der Obersekunda eines 1 Realgpmnasiums erforderlich sind. Dabei wird schon das Zeug- 1 ms des Direktors einer Oberrealschnle über die erfolgreiche Teilnahme an dem in einer solchen Schule eingerichteten wahl- • freien Unterricht, in der lateinischen Sprache für genügend er» achtet und nur im Falle ein derartiger Unterricht nicht erteilt : werden sollte, muß der Nachweis der Kenntnisse im Lateinischen durch ein aus Grund vorausgegangener Prüfung ausgestelltes Zeugnis des Direktors eines deutschen Gymnasiums oder Realgymnasiums erbracht werden. An den hessischen Oberreal- Ichulen wird n. di. „Darmst. Ztg." vom neuen Schuljahre an der wahlfreie Unterricht in der lateinischen Sprache eingerichtet und damit den Abiturienten dieser Schulen das medizinische Studium erheblich erleichtert werden. — Da der Nachweis der lateinischen Kenntnisse erst bei der Zulassung zur ärztlichen Vorprüfung verlangt wird, so kommt die Aenderung der Prüfungsordnung für Aerzte nicht nur denjenigen Oberrealschnlabiturien- ten zu gute, die mit dem Sommersemester 1907 das medizinische ?tUmntinn1l"nen' sondern auch solchen, die bereits vor dem 1. März 1907 einige Semester,hindurch im medizinischen Studium gestanden haben- Der Zulassung dieser Studierenden zur Vor- stellt^sich, aber der Umstand hindernd entgegen, daß bisher Oberrealschulabiturienten ohne Ergänzungsprüfung in der lateinischen Sprache nicht in der medizinischen, sondern in der philosophischen Fakultät eingeschrieben zu werden pflegten. Diese studierenden hatten für die Zulassung zur Vorprüfung einen Dlspens unter ausnahmsweiser Anrechnung der als Studierende der Philosophie zugebrachten Semester nötig. Da dieser Dispens im Emzesialle nur eine formale Bedeutung haben würde, W hat heb der Reichskanzler im voraus allgemein mit der ^i-penserteilung einverstanden erllärt, und den Bundesregierungen auheimgegeben, von der Vorlage solcher Einzelsälle Abstand zu nehmen.
„ *.* Ae Keusche Handwerker - Zentralge- no f) e 111 ch q ft zu Darmstadt, die von verschiedenen Gewerbe- Forderungsanftalten Deutschlands als ein vorbildliches Institut & Axen dritten Geschäftsbericht für das
r6 veröffentlicht, depen Ergebnis in jeder Hinsicht als günstig .bezeichnet wird. Der Umsatz, das heißt, der Betrag für die im Berichtsiahre abgelieferten Maschinen, Werkzeuge und QUT‘ E. gestiegen, hat sich demnach f kJ •£ r5 Prozent erhöht. Dieser Steigerung
emspricht auch die Zunahme des Geschäftserträgnisses, es ergibt L?^0esamtgewinn von 23 076 Mk. gegen 16153 Mk. Allerdings stehen dieser Gewinnzunahme auch erhöhte Geschäftsunkosten gegenüber, die entstanden durch Anstellung emes besonderen Montagebeamten, der erforderlich wurde infolge der Einrichtung eines dauernden Musterlagers bei der Zentralstelle für die Gewerbe, ferner durch Heranziehung zur 9 d??^G/wiihrung bDn Remunerationen an
Wnr? Ä ort.tiv6r eibH Lonracb em Reingewinn von 10622 Aork nach Abzug dieser Unkosten und den Abschreibungen auf ^odlliar.sowie der Rückvergütungen an Kunden. Die^Bertet- lung dm es Gewinnes erfolgt dur,ch Gewährung einer vier- prozentigen Dividende auf 50 000 Mk., Ueberweisimgen an die Reservefonds Vergütung an den Revisor und Vortrag auf neue Die Reserven würden sich alsdann auf 14 300 Mk.
2-k ’ Aussichten für das laufende Geschäftsjahr sind bereU8 aui reichlich
Kampfe um den ländlichen Bürgermeisterstuhl. In vielen Orten Oberhesiens entbrennen alljährlich bei den Gememderoahlen heftige Wahlkämpfe, die sich mitunter bet den Bürgermeisterwahlen zu großer Heftigkeu zufpitzen. Die Vorgänge gerade bei diesen Wahlen haben in den letzten Jahren wiederholt die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gelenkt, und nicht selten haben sich die maßgebenden Faktoren mit den Ereignissen vor und während der Wahl belasten müssen. Eine langjährige Uneinigkeit in den einzelnen Getnemden rst des öfteren die Folge der Wahloorgänge, mcht selten werden die nächsten Verwandten und früheren Z-reunde zu heftigen Gegnern. Das Feuer der Wahlbegelste- rung wird in den Dörfern fast stets durch einzelne „Mächer" oder — rote auch der oberhessische Ausdruck lautet — „Be. gaigeler" geschürt. Diese gehen vor den Wahlen von Haus zu Haus und „gaigeln", d. h. agitieren für ihren Kandidaten. Sie sind es auch, die die Wähler in den Wirtschaften nut Freibier und Freiessen traktieren und dadurch der Wahl- begeisterung etwas mehr auf die Beine helfen. Tie Kandidaten müsien hierfür große (Summe aufbringen, nicht selten 1000 unb mehr Mark, ja sogar in manchen Orten bis 3000 Mk. Besonders große Festgelage finden nach der siegreichen Wahlschlacht statt. Der glücklich Gewählte schlachtet ein bis zwei Schweine, seine Wähler erscheinen, es hebt ein fröhliches Zechen und Schmausen an, bis alles vertilgt ist. Aber auch die Frauen der Wähler, ja die ganze Familie will ihr Teil haben von Freibier, Fretessen und süßem Schnaps. Es ist
aber ganz nalür'ich, daß die durch das Freibier erhitzten
Köpfe sich zu Ausschreitungen gegen die Gegner hinreißen
Gossen, und daß es da nicht immer beim Schimpfen bleibt,
häufig geraten denn auch die durch billiges Essen und Trinken gestärkten Arme gegeneinander in Bewegung. Terartiqe Wahlkämpfe haben sich in letzter Zett wieder in mehreren
schloß die Uebernabme der Obligationenanteile rote sie von dem Babnbankomitee für die Babu Wetzlar—^ Butzbach festgesetzt war. Damit dürfte die Ausführung Projekts der Teilstrecke Butzbach—Ebersgöns auf hessischem Gebiet gesichert sein. Die Weiterführung der Linie kommt erst nach Festlegung des Projektes für den neuen Personen- bahnhof der Station Wetzlar in Betracht.
s. Gleiberg, 3. April. Die weithin schattenden Böllerschüsse, die in der Frühe des 2. Ostertages von unserer Burg ertönten, weckten manchen Langschläfer aus dem Schlafe, aber nur wenige mochten wissen, was die Schüsse zu bedeuten hatten. Sie galten unferm treuen Burgwirt Niebergall. Er blickte nämlich am 1. April auf eine 25jährige Tätigkeit als Burgwirt zurück. Herr Niebergall konnte bereits im vorigen Jahre im Kreise feiner Verwandten unb Bekannten das 25jährige Ehejubiläum feiern und so ist denn der diesjährige 1. April ein weiterer Ehrentag für ihn geworden. Hat er es doch aufs beste verstanden, sich tfre Sympathie aller Besucher des Gleibergs zu erwerben. Im Oktober 1904 waren es 25 Jahre, daß der Gleibergverein die Ruine in Besitz genommen unb sie wohnlich gestaltet hat. Allein was wäre bie Burg mit all ihrer Aussicht, wenn ihre vielen Besucher nicht auch zugleich dort oben ein gastliches Heim finden würden! Unb bas bereitet ihnen ber langjährige Vurgwirt.
— Friedberg, 3. April. Mit Beginn des neuen Schuljahrs wird in den städtischen Volksschulen der Unterricht in ber französischen Sprache eingeführt. An dem Unterricht nehmen die befähigsten Knaben und Mädchen vom 5. — 8. Schuljahr in wöchentlich vier Stunden teil. — Das hessische Tuberkulose-Wander-Museum soll demnächst auch nach Friedberg kommen. Tie Stadt hat die erforderlichen Räume zur Verfügung gestellt.
+ Ober-Seibertenrod, 3. April. Nachdem unsere eine Kirchenglocke schon längere Zeit gesprungen war, bekam auch die andere im letzten Winter wahrend des Läuten? einen Riß. Die Gemeinde mußte deshalb ein neues Geläute an- chaffen. Tas neue Geläute traf auf Ostern ein und hat den Beifall der ganzen Gemeinde gefunden. Es wurde her- gestellt in der Glockengießerei zu Apolda; die beiden Glocken kosten 800 Mark und Dreingabe der alten, zersprungenen Glocken.
§ Aus dem Ohmtal, 3. April. Nachdem nun der Frühling feinen Einzug gehalten, lassen sich auch die Schäden des Winters feststellen. Wer im Garten seine Edelrosen nicht gut verwahrte, dem sind sie erfroren. Bienenvölker sind viele eingegangen. Tie schlecht verwahrten Tickrourzhausen im Felde haben ebenfalls Not gelitten. Auf nassen Aeckecn ist die Kornsaat ausgefroren, sonst aber haben Winterfrucht, Klee unb Raps besser überwintert, als man erwartet.
th Büdingen, 3. April. Der Gepftogenheit feinet Väter folgend hat Fürst Wolfgang zu Isenburg. Büdingen ebenfalls sogenannte Schnepfenheller in Kupfer prägen lassen, von denen er nach alter Tradition eine Anzahl am 2. Osterfeiertage unter die Schuljugend warf, die sich zahlreich vor dem Schloß versammelt hatte, um nach den Münzen zu Haschen. Die geprägte Münze zeigt eine laufende Schnepfe und auf der Rückseite den Namenszug des Fürsten und ist überaus sauber hergestellt. Die Sitte der Isenburger Fürsten, diese Schnepfenheller in den Verkehr zu bringen, erinnert an das Münzrecht, das die ehemaligen Grafen zu Isenburg früher besessen haben. Der neue Heller hat selbstverständlich keinen Münzwert, bildet aber ein überaus begehrtes Objekt für Münzsammler und für die Buben in Büdingen, die einen Hauptspaß daran haben, sich um diese Heller alljährlich zu Ostern zu balgen.
Gefühl hat m.ns getrieben. Ein ganz einfaches, primitives Gefühl, uifr) gerade darum eins von jenen, das alle Klassen einigt. Die Parteiredner haben cs hundertmal in Wahlversammlungen uni> Zeitungen gesagt und wieder gesagt, betont und wieder betont, dieses Gefühl. Aber ihr sogar, Friedrich Naumann, habt so wenig an seine Wirksamkeit geglaubt, daß ihr es in eurer Liste der Möglichkeiten kaum erwägt!
Das deutsche Volk hat im letzten Dezember einen Vorgang erlebt, der «alle rief. Alle, die deutsch fühlten. Wir alle wußten, daß in Südwestafrika Krieg war. Daß Deutsche, unsere wackeren, tapferen Brüder draußen im Felde standen, gegen einen nicht geschlagenen, tückisch fechtenden Feind. Die militärische Leitung — die einzigen Sachverständigen, die wir befragen konnten — hatten auf ihr Gewissen versichert, daß eine bestimmte Truppenzahl aufrecht erhalten werden müsse. Verpetzt uns nicht falsch: wir waren so wenig gewiß als irgend wer, daß dies unbedingt so sein müsse, daß jene Sachverständigen und die Regierung nicht vielleicht zu schwarz satzen. Das kümmerte uns nicht in jener Stunde. In solchem Zweifelsfalle gibt es in Vaterlandsfragen nur eins: Handeln. Und was sahen wir? Proteste, Gegenanträge, Versuche, die Regierung zu drücken: als ob es sich um eine gewöhnliche Handels- und Schachcrfragc handelte. Das verstanden wir nicht, als Deutsche. Oder »vir verstanden cs zu gut. In solchen Augenblicken gilt nur eine Losung: Zusammenstehen gegen den gemeinsamen Feind. Alles Rechnen und Abrechnen für später. Nationales Empfinden verträgt in solchen Fragen weder Zaudern unb Feilschen.
Darum standen wir auf und kamen zur Wahl. Die Veteranen und hinfälligen Greise, wie die jüngsten Wahlberechtigten. Nicht um für die Regierung, nicht um für Liberalismus oder Freisinn Ja zu sagen: um fürs Vaterland ein lautes und weithin hörbares Votum abzugeben. Seid tzewiß: waren die Zentrumswähler nicht sicher gewesen, daß sogar ihre Abgeordneten, wenn es die Umstände verlangt hätten, in rrgend einer Weise für die nötigen Kriegsforderungen gestimmt haben würden, das Zentrum hätte nicht 400 000 Stimmen gewonnen. Und Id.ie Mitläufer der Sozialdemokratie wären auch diesmal nicht abgefallen, wenn sie nicht auf ihre nationalen Pflichten als Deutsche besonnen hätten.
Der Tag ist vorüber: die Partei der Nichtwähler hat ihn entschieden. Wir kehren in unsere Kreise zurück, und hoffentlich werdet ihr lange nichts mehr von uns hören. Aber wenn dos Vaterland auch nur mit einem Worte nach uns ruft, werden wir Wieder zur Stelle sein, alle."
So schön und trostreich diese Worte auch sind — es wäre doch besser, roenn die Herren Nichtroähler nicht nur in der „Stunde der Gefahr" auf dem Plane erscheinen roollten — denn im letzten Grunde handelt sichs immer ums Vaterland.
Wahlpsychologisch aber hat der Artikelschreiber recht; das Gefühl für das Vaterland hat die „Nichtroähler" zur Urne getrieben. Und das ist erfreulich, denn es beroeist, daß auch die Lauen und Bequemen, die Aestheten und konsequenten llsichtpolltiker aus Ueberzeugung, die, rote der Verfasser dieses Artikels sagt, von der Polüik nichts verstehen, wetl sie andere wichtige Aufgaben zur geistigen Förderung und Hebung des Drenschengeschlechts zu erfüllen haben, ihren antipolttischen Standpunkt aufgeben, roenn das vornehmste Gefühl des bürgersich-politijchen Menschen, dte Liebe zum Vaterlande, zur Tat werden muß.
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des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Hande) und Industrie. Giessen.
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