Ausgabe 
3.10.1907 Zweites Blatt
 
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Donnerstag 3* Oktober l$>07

157. Jahrgang

kr. S32

Zweites Blatt

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Sifcheint tLgNch mit Ausnahme deS Sonntags.

General-Anzeiger für Gberheffen

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gerettet, aber Lehr- und Bekenntnisfreiheit wäre noch enger ein­geschränkt als jetzt. Wenn eine andere Abänderung des (Ge­setzes nicht gefunden hrirb, mässen wir den Mut haben, die Streichung des zweiten Tatbestandes zu fördern. Es würde darin keineswegs eine staatliche Entwertung der Religion liegen und es käme nur darauf an, die weiteren Kreise des Volkes durch Wort und Schrift darüber aufzuklären. Unserem evangelis.chen Bekenntnis jedenfalls würde die Streichung nichts vergeben, unsere protestantische Freiheit aber würde sie fordern.

_ Ueber Wilhelm HolzamerS Todund literar. Nachlaß wird uns aus Berlin im Anschluß an die bereits von uns gebrachten Mitteilungen weiterhin noch berichtet: Holz- mner ist von einem seiner Kinder, das an Diphtheritis erkrankt war und das er aufs liebevollste pflegte, mfaiert worden. Sern Tod erfolgte nach einen operativen Ein griff, den der Arzt

DieGießener Famllienblatter" werden dem »Anzeiger* vterrnal wöchentlich bei gelegt, das Kretsblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich Der ..Hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

RotarionSdruek und Verlag der Brü hlfchen UnwersitätS - Buch- und Btttnb ruderet.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckereir Schul- stratze 7. Expedition und Verlag i efljJ 6L Redaktion: 112. Teü-Adr^ Anzeigers ießen.

Als Korreferent sprach sich Professor THümmel-Jena für die Beseitigung des ganzen § 166 aus. U. a. führte er aus: Der Begriff Beschimpfung religiöser Gefühle ist ein verfa-wommener Auch Christus l-at oft die Waffe des heiligen Spottes angewenoeh toeim es ihm geboten erschien. Es ist nicht Sache des Maates, sondern des Kirchenregimcmts, Gotteslästerer zu beftrafe-a. -Lei Gemeindevorstxrud sollte Lästerer aus der christlichen Gememo« ausschließen! Das würde wirksamer sein als die staatliche Strafe.

In der äußerst lebhaften Diskussion berichtete Pfarrer Schweitzer-Kirchberg' über die Stellungnahme des deutschen Pfarrer^ tages in Hannover zu 8 166. z r

Oberlandesgerichtsrat Brandt-Kiel Vielt die tyrtrge noch nicht für spruchreif. Ernstlich aber warnte er vor einer Aufhebung des Gottesläs^rungsparagraphen. Tie große Masse des Volks, der einfache Mann auf dem Lande würde einen solchen Befchlust nicht verstehen. Dem schloß sich der folgende Redner, Prvfeffvr p4 Scholz-Berlin und Professor Bnrchard-Posen an. Ersterer schlug eine Resolution vor, durch die der Zentralvvrstand aufgefordert wird, zusammen mit dem Gesamtvorstand ein Votum des evan- gelischeu Bundes in dieser Frage vorzubereiten. Nach weiteren Ausführungen des Landtagsabgeordneten Wolf-Straßburg und des Landte gsabgeordneten v. Campe-Hildesheim formulierte letzterer die Resolution dahin:

Die Mitgliederversammlung richtet an den Zentralvorstand btf Bitte, tunlichst bald eine Erklärung abzugeben,, durch die sie im Sinne der heutigen Ausführungen des Professors Lohlransch und der Aeußerungen der Mitgliederversammlung die Stellung des evangelischen Bundes zur Frage, wie weit der § 166 St. G. B. aufzuheben sei, kundgiot. ,

Nach einem Schlußwort von Prof. KoWmusch wurde die Re­solution fast einstimmig angenommen.

Um 8 Mr abends vereinigte man sich zu einer Do lksver- sammlung in der Dreifältigkeitskircl>e, die Oberrealschuldirektor Lahm-Worms leitete. Das Generalthema des Abends lautete: Worms und Wartburg." Zum erstenmale auf einer evangelischen Bundes Hauptversammlung nahm eine Frau das Wort, um die Beziehungen zwischen den beiden altehrwürdigen Lutherstütten unter- Berüctsichtigung der modernsten Frage, der christlichen Frauew- frage, darzulegen. Ihr Thema war demgemäß:Die heilige Elisabeth auf der Wartburg und in Hessen und das Ideal dev deutsch-evangelischen Frau."

Nach einem Ueberblick über den Lebensgang der heiligen Elifa-- beth gab die Rednerin unter Anerkennung der vielen trefflichen ^uge ein Charakterbild dieser Frau der Kritik das Wort und stellte den Grundsatz auf:Jesu Art allein, seine Glauben und seine Ge­sinnung, fern Leben und Wirken, wie uns alles aus dem Evangelium entgegen tritt, ist und bleibt für uns der Maßstab, mit dem wir auch ein Leven wie das der heiligen Elisabeth messen dürften.^ Legen wir diesen Maßstab an, so empfinden wir störend im Bilds der Elisabeth ihr Nachahmen zufälliger Geschehnisse und Aeußer- lichkecken in Jesu Leben (Verachtung des irdischen Besitzes, lieber* schätzung der Ehelosigkeit, Krankenpflege unnatürlicher Art, Unter­drückung der Mutterliebe); denn hierbei vergaß sie Oie Wertung? der Gesinnung, aus der heraus Jesus lebte und wirkte. Ist dies Vergessen zu erklären aus dem Geiste ihrer Zeit, unter dessen: zwingendem Einfluß sie stand, so bleibt uns das Fremdartigste am Elisabeths Gestalt, ihr freiwilliges Abhängigkeitsverhältnis von famrab von Wdrrburg, dies vollständige Verzichtleisten auf eigenes Wollen: denn es widerstreitet allem, was die Reformation uns gebracht hat. Hier werden sich bei der Beurteilung der heiligen Elisabeth immer die Geister scheiden. Und wenn wir mit ihr und allen auf eigenes Suchen und eigene Verantwortlichkeit Verzichtenden nicht rechten, uns auch nicht besser dünken wollen als sie: wir wollen uns ein gutes evangelisches Ideal vor Augen,

der Heimatkunde seitens aller der Bildung dienenden Einrichtungen nötig, und da die Schule nur die Anfänge bieten kann, die Fortbildungsschule heute fast ausschließlich dem Berufsleben dient, so müssen sich besonders die Volksbüchereien dadurch an dieser Arbeit beteiligen, daß sie bei der Auswahl und Zusammensetzung ihres Bücherschatzes die Heimatliteratur besonders berücksichtigen. , Ter Vortragende besprach dann, unter Anführung zahlreicher Beispiele, die verschiedenen Gattungen der Heimatliteratur: Die geographi­schen Darstellungen, insbesondere die landschaftlichen Schilderungen, die geschichtlichen Darstellungen, unter denen besonders den Sehender innerungen und den Biogra­phien hervorragender Persönlichkecken Beachtung zu schenken ist, und endlich die Heimatdichtungen, bei denen die mundartlichen vor allem nicht vergessen werden dürfen. Soll die Kenntnis dieser Literatur, dem Volke vermittelt werden, so sind die Volksbcklio- thekendie Nächsten dazu", und sie sollen dabei nach der Parole verfahren: was sich auf die eigene Heimat bezieht, möglichst alles; aus der Heimatliteratur der übrigen deutschen Gaue die Haupt­werke. Tann werden die Glieder unseres Volkes in der Lage sein, sich die ursprüngliche Heimat im Herzen zu bewahren, ihren neuen Wohnplatz aber bald auch zur neuen Heimat zu machen. (Lebhafter Beifall.) Dr. V. Pohlmeper-Berlin fprach über H eimat g es chichte und Volksbildung. Er forderte eine stärkere Berücksichtigung der kultur- und heimatge,chichtlichen Stoffe. Die H e i m a t g es chich t e müsse mehr als bisher un Lehrplan der Schulen und in der Vortragstätigkeit der Bildungsvereine berücksichtigt werden. Nur durch liebevolles Ein­gehen auf heimatgeschichtliche Stoffe erwecke man das Jntereste an der Reichs- und Weltgeschichte, fördere dadurch die Heimat- und Vaterlandsliebe. In der richtigen Erweckung und Besestigung des Heimatsinnes zerstört man das Wesen des fratzenhaften Parti- kularismus, der ja nichts anderes wäre, als mißverstandene und verzerrte Heimatliebe, und diene dem ganzen Vaterlande. Be­sondere Pflicht der heimatgeschichtlichen Fonchungen sei es, ans die Erhaltung der deutschen Mundarten, der Volksfttten und Gebräuche, der Volksfeste und Trachten hinzuwirken; Aufgabe der Bildungsvereine dagegen wäre es, durch Veranstaltung von Vorträgen über Heimat geschichtliche Gegenstände ober an Volks- unterhaltungsabenden, die der Heimatpflege zu widmen, feien, den Heimatssinn zu vertiefen. Volksbildung und Heimatgei chichte gehörten zusammen, denn beide verbinde die Liebe zu Volk unb Vaterland, den Wurzeln unserer Kraft. Alles Edle und Große, das geschaffen werde, fuße nicht zuletzt im Boden der Hermatliebe.

politische Tagesschau.

Ein Versuch, den Reichskanzler zu kompromittieren.

. Gegen den Schriftsteller Adolf Brand ist, : derKöln. Ztg." aus Berlin gemeldet wird, wegen Be - idiguug des Reichskanzlers Fürsten Bülow die : r a f b e r s o lgung eingeleitet worden. Es handelt sich um e Flugschrift, die anscheinend die Interessen der Homosexu- ut verteidigen soll, und in der dem Reichskanzler vorgeworfen cb, da st er sich des Vergehens gegen § 175 schuldig gemacht >e. Man konnte zunächst darüber im Zweifel sein, ob dieses ugblütt nicht am besten durch das Schweigen der Verachtung traft werde. Der Reichskanzler ist allen Beleidigungsprozesseti geneigt, und wenn er in diesem Falle von einer Regel ab- iHuien ist, die er sich sonst zur Richtschnur gemacht hat, so ist emo und allein aus dem Grunde geschehen, weil et glaubte, ) Rücksichten der öffentlichen Reinlichkeit derartige Beschuldi- itgen gegen den höchsten Beamten des Reiches nicht hingehen fen zu Dürfen, am wenigsten in einer Zeit, wo Verdächtigungen ter Zugrundelegung des § 175 leider an der Tagesordnung d. Braiw, der früher einmal den Abg. Tr. Lieber vor dem ichstag überfallen hat, hat übrigens einen würdigen Kom- 3non in Person des bekanntenReichsglöckirers" Joachim hlsen. Bei diesem wurde am Montag abend im Auftrage der aatsanwaltschaft eine Haussuchung zum Zwecke der Auffindung ja vorhandener Brandscher Manuskripte abgehalten. Solche erben nicht vorgesunden unb die Polizei begnügte sich mit der itnahme einiger belangloser Manuskripte, die weder mit Brand ch mit dem Fürsten v. Bülow etwas zu tun haben sollen, ate mit der Mitnahme einiger Brandschen Flugschriften. Kurze it vorher ist auch bei Brand in Wil Helmshagen (Mark) polizei- )t Haussuchung abgehalten worden, auch dort soll außer einer rzahl Flugblätter nichts gefunden worden sein. (In Kürschners leratur-Kalender finden wir einen Adolf Brand genannt als rausgeber der ZeitschriftDer Eigene" und der Flugschrift )ie Gemeinschaft der Eigenen". Dieser scheint mit dem jetzt Langten identisch zu sein. D. Red.)

In der Angelegenheit der Beleidigungsklage des Reichs- rzlers Fürsten Bülow gegen den Schriftsteller Adolf Brand 'ahrr duBerliner Leitung" von unterrichteter Seite noch gendes: Die Behörden scheinen Grund zur Annahme zu haben, ß Brand das Werkzeug von Leuten ist, die den eichskanzler schwer zu kompromittieren und wo- Sglich zu stürzen beabsichtigen. Die Haussuchungen haben r allem den Zweck, sestzustellen, in welcher Weise bei dem »mplott zwischen Angriffen gegen den Geh. Regierungsrat Schaes- und solchen gegen den Reichskanzler zu unterscheiden ist. >b. Regierungsrat Schaeffer, ständiger Hilfsarbeiter in der Reichs- nstei, der schon, als Bülow in Rom tätig war, dort als pebicrenöcr Sekretär fungierte, gilt als ein fleißiger, gemanotcr cd liebenswürdiger Beamter. Seine überraschend schnelleKar- re aus der subalternen Sphäre heraus läßt ihn ben Traht- chern in der vorliegenden heiklen Angelegenheit besondcrs zu ren Angriffen geeignet erscheinen.

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Die westpreußischen Polen und ihr Bischof.

S. u. H. Danzig, 1. Oktober.

In der polnischen Bevötteruarg Westpreußens macht sich ne recht oppositionelle Bewegung gegen den apst und die Kurie bemerkbar, weil der Vatikan die irionalen Wünsche der Polen nicht berücksichtigt hatte. Tie »Inische Presse führt eine recht scharfe Tonart und stellt fest, i'j in dem polnischen Volke die Empörung wegen des Ver- ! tciiv des Vatikans beim Schulstreik immer mehr wächst, ie Berurieilung des Probstes Olszewska zn einer schweren 2süi?'nisstrafe hat mehrere westpreußische polnische Gerst- che veranlaßt, in dem Danziger Polenblatt gegen den tfcfyc। Dr. v'.vsentreter eine Mtlage zu richten, die mit den ,t-neu beginnt:Wir Hagren an!" Und in der sich idi folgenoe charakteristische Säße finden:Der Erzbischof r. v. Stablewski ist für den polnisch-katholischen Glauben m M.wu/rertod gestorben; die polnischen Kinder haben aus antbarkeit an seinem Sarge einen Dornenkranz niederge- qt Lo war es in der Provinz Posen. Wie war es aber in Zestpreußen? Auch hier war bei den polnischen Geistlichen

Schicksalsschlägen getroffen werden? Seit d-ieser Zeit ist bereits ein halbes Jahr verflossen, aber unser Bischof schweigt. Bis der Himmel sprach und anläßlich der Antveseit- heit des Bischofs in Lemberg der Blitz in die Kirche ein­schlug. Zufälle gibt es nicht, alles was sich ereignet, ge- ,'cyieht mit dem Willen Gottes, so lehrt uns die heilige Schrift. Möge sich nur unser Bischof nicht der Hoffnung hingeben, daß mit dem Erlöschen des Schulstreiks auch unsere Klagen verstummen werden. Der Schulstreik und die Erinne­rung an unsere gefangenen Geistlichen werden ewig im polnischen Volke nicht vergessen werden. Das Feuer der Liebe und der Anhänglichkeit für unseren Bischof wird ver­löschen, nur die Afche w'ro bleiben. Unser Bischof verdrängt gewaltsam nicht nur die polnischen Schäflein, sondern auch die polnische Geistlichkeit aus feiner Nähe. Es werden schreck­liche Zeiten kommen, aber trotzalledem wird die polnische Geistlichkeit Schulter an Schulter mit dem polnischen Volke kämpfen." Diese scharfe Tonart dieser Publikation, deren Wortlaut dem Kardinal Merry del Val nach Nom übermittelt worden ist, erregt in polnischen Kreisen großes Auf­sehen. Es ist ein in der katholischen Kirche äußerst seltener Fall, daß sich katholische Geistliche gegen ihren Bischof öffent- lich au flehneu.

20. Generalversammlung des Evangelischen Bundes.

O. B. Worms, 30. Sept.

Hieraus hielt der Professor des Strafrechts an der Uuiver- jität Königsberg Dr. Ko hl rauich einen Vortrag über den § 166 des Strafgesetzbuches. Er führte aus: Die Angriffe gegen § 166 des Strafgesetzbuchs sind schon alt. Sie haben im wesent­lichen drei Ausgangspunkte: 1. Ter § 166, welcher die Be­schimpfung von Religionsgesellschaften unter Strafe stellt, be­zweckt, damit den religiösen und konfessionellen Frieden zu schützen. Dazu ist er aber nicht im Stande. Denn fast jeder Prozeß, der hier geführt wurde, hat eine Erregung zur Folge gehabt, die schädlick)er wirkte, wie die zu bestrafende Beschimpfung. 2. Ter Schutz des Gesetzes kommt überwiegend der katholischen Kirche zugute. Denn geschützt sind nur die Einrichtungen unb Gebräuche, d. h. die äußeren Kultussormen einer Religionsgesellschaft; an diesen aber ist die evangelische Kirche viel ärmer als die katholische. Was aber den Evangelischen das Höchste ist: ihre religiöse Ueberzeugung, ihre Glaubenssätze, die Personen und Gegenstände ihrer Viwehrung, diese sind schutzlos; sie sind aus­drücklich vom Gesetz der Beschimpfung freigegeben worden, damit nicht die wissenschaftliche Forschung unb die sachliche Kritik durch Strafe getroffen werbe. 3. Tie Freiheit der Forschung, der Lehre und des Bekenntnisses ist aber keineswegs garantiert, denn der schlimmste Fehler des § 166 besteht darin, baß er zwar das Beschimpfen als strafbare Handlung nennt, tatsächlich aber ganz andere Dinge trifft. Denn der Begriff des Schimpfens ist völlig vag und undefinierbar. Sieht man das Wesentliche in der Roheit der Form, so wird durch die Strafe in Wahrheit nur der gute Ton" in der religiösen Debatte geschützt, nicht aber der religiöse Friede. Legt man den Nachdruck darauf, daß nicht Tat­sachen behauptet werden dürfen, die an sich schimpflicher Art sind, so ist jede fachliche Kritik unterbunden. Sie ist bann besto strenger verboten, je notwendiger^ sie ist. Will man aber gar von einer Beschimpfung nur bann sprechen, wenn eine gewisse gemeine Gesinnung des Täters festgestellt i|t, so kommt man völlig auf Abwege. Die bisherigen Vorschläge, den zweiten Tatbestand des § 166 (Beschimpfung von Religionsgesellschaften, sowie ihre Einrichtungen unb Gebräuche) zu reformieren, wären zwar imstande, der Imparität abzuhelfen, aber nur dadurch, daß

in letzter Stunde für nötig befunden hatte. In seinem hinter­lassenen RomanVor Jahr unb Tag", dessen Veröffentlichung bevorsteht, kehrt Holzamer wieder zur Heimatkunst zurück, der er feine größten und bleibendsten Erfolge verdank:. In seiner Mappe fand sich außer zahlreichen Gedichten ein z we iteri Roman vor, eine Bekenmnisschrift, an die er noch dis! letzte Hand zu legen hatte. Unter der Aegide von Eugen Dieberichs^ in Jena, dem bekannten Verleger, wird ein Gedächtnisbuch auf Holzamer vorbereitet, zu beffen Herausgabe sich einige feiner besten Freunde zusammengetan haben. Noch in den letzten Tsgeü vor feinem Hinscheiben war Holzamer von Zweifeln geguält^ daß er nicht die Anerkennung finde, die er erhoffte und deren der auffrrebenbe Künstler bedarf. In der Tat haben seine besten Bücher, derPeter Nockler" undDer arme Lukas", nicht einmal die zweite Auflage erlebt. Man denke an die Tendenz- und Schunds romane eines Stilgebauer und manch anderer Vielschreiber, dis in vielen Tausenden von Exemplaren verdrecket sind. An Hvlz-i amcrs ftisch aufgeworfenem Hügel aber soll man der Worte GoekheH gedenken

...... denn was dem Mann das Leben Nur halb erteill, soll ganz die Nachwelt geben.

Da sletzteLied. In süddeutschen Blättern finden wir.' ein doch noch ungewöhnliches Inserat, dem jeder nicht all­täglich empfindende Mensch nicht nur künstlerischen Erfolg wünschen' wird. Die Annonce lautet:

Welche Dame protegiert Schriftsteller? Suchender ist Ver­fasser anerkannter schöngeistiger Werke, die wegen nicht all-' täglicher Richtung vorerst nur künstlerischen Erfolg brachten. Weitere Werke sind in Vorbereckung und erscheinen, )obalb bie- bisherigen größeren Absatz finden unb äußere Hemmungen Men. Bleckt der Ruf ungehört, so wird ein heißcmpfindenbes Künstler- l^erz zerstört. Und nun die bange Frage: welche Dame Hal im Herzen Verständnis für das edle Bewußtsein, ein Tolenr zu stützen, ein gefährdetes Lebenswerk jetzt zu fördern, ba der Kämpfende noch frischen Mut und Schaffensfreude hat? Einer materiell unabhängigen gemütvollen Dame (nicht unter 30 J.)^ die keine Turchschncktsehe, sondern wahre Freundschaft und inniges Sichverstehen erwartet, würde Suchender die Hand zur Ehe reichen. Brief unterTas letzte Lied 8664" an Hänfen­stem u. Vogler A.-G. München zur Weiterbeförderung."

Aus der Tr. meb. Heinrich Goburek-Stiftuug (Tüftt) zur Gewährung zinsfreier Darlehen an Medizin studierende Frauen sollen für das kommende Wintersemester Darlehen noch vergeben werden. Bewerberinnen deutscher Staatsangehörigkeit, weiche an einer deutschen Universität vollberechtigt immatrikuliert sind und die ärztliche Vorprüfung beftanben haben, rverdcn ausgefordert, Bewerbungen an Frau Pros. Tr. Lydia Rabinowiffch-Kempuer^ Berlln W. 50, Augsbnrgerstraße 57/58 bis zum 25. Oktober eckt-

ein heiliger Eifer für die Schulbewegung vorhanden, aber den Katholiken künftig in dem gleick)en Umfang der Lsuud ver- leider fehlte es uns an der Sympathie unseres Bischofs, boten würde, wie den P^testanten xte Larckat wäre d der vom Beginn des Schulstreiks an bis jetzt siir seine poini^ "»d Bekenntnis!

scheu Schäflein eine besondere Gleichgültigkeit an den Tag legte. Unser Bischof antwortete mit feinem Worte auf die Bitten seiner hunderttausend polnischen Schäflein. An oem- selben Tage aber, als in Löbau der Prozeß gegen acht pol­nische Geistliche stattsand, dinierte unser Bischof bei dem Herrn Reg-ierungspräsidenten in Danzig. Handelt so die Mutter oder der Vater, wenn ihre Kinder von schweren

Vorn Volksbildungstag in H a n n o v e r. Dre Haupt- erfammlung der Gesellschaft für Verbreitung der Volksbckbung ffchlon Die Begründung eines Märkffchen Wander t h e a t er s i Verbindung mit der Schiller-Theater-Gesellschaft in Berlin, ür die nach in (ihrige Hauptversammlung lagen Em- ibungcn aus Worms, Darmstadt und Halberstadt vor Die Wahl cl auf Darmstadt, besonders auch im Hinblick auf die ort iw findende große Ausstellung. Der Boriitzende erftatrete m Berickt über die Tätigkeit der Gesellschaft im Jahre 1906. er ,vci erteil der Tätigkeit war die Begründung von ; i b l i o t b c f e n. Seit 1896 hat die Geielffchaft 339o Bcklio- jeten mit 192 824 Bänden gegründet, im 3ahre^ 190o betrug ie Zahl der Neugründungen 421 Bibliotheken mit 2*2^4J5an^clL nterstutzt wurden 1903 6732 Bibliotheken mit 44 819 Banden. 5 muiDcii begründet 583 Wanderbibliotheken mit 26 166 Banden, us der R'.acr.stiftung 146 Bcklcktheken mit 4881 Santo, in iuinma also im Jahre 1906 4481 ^Bibliotheken mit 96 302 iäntvii Auch die Einrichtungen zur Forderung des uncntliajen ; Jcn5 und Der BolkSunterhaltungsaben de )uroen im Berichtsjahr stark in Anspruch genommen. £ie 5 sellschaft besitzt zur Ausführung von Lichtbildervortragen ellva 00 ' r ii L ackuder, welche an die Bildungsvereine verliehen Ferner wurde ein Verzeichnis von Theaterstücken, die stch r-H[.ruiig bei Volksunterhaltmigsabenden eignen, heraus- v<er Kaiser stiftete 3000 Mk. für die Zwecke der Geiel^ Tucr stiftete Rudolf Mosse 1000 Mk. Sodann sprach 'ehr Pr tzL-Berlin überHeimatliteraturundVolks- ü rhei cien". Das Verhältnis des Menschen zur Heimat ist np'/. t r neu zeitlichen Verkehrsentwicklung ganz anders ge- Jvlöen . - -no früher die große Mehrzahl entweto m bei ip.rrt h ober doch nach längerer oder rürzerer Abweienhert ;rcv;2 , /'ihr :Nickkehrte, wird heute die Zahl derer, dtt m der

J lULrlcu unb sterben können, immer ft einer. A/te

,' a zeigt deshalb überall eine Mischung der vermiedenen oU r 3. Di- weitete Folge hiervon ist, daß auch

in Brauch unb Sitte, in Liedern unb Gänsen, ,t i .io Trackit aufhören. Die Versuche, das alte Der- neder herzustellen, müssen scheckern, weck dic wirtschaft- icken Grünve die die neue Entwicklung bedingen, lich nicht be ft aeii laffcn Deshalb gilt es, dem Verlust an Gefühls- r t e n die imserm Volle hier unzweifelhaft droht, auf andere H H acn uroirttn. Jeder, der ferne Heimat verlass löeift e n l g . g e z werben, sie ald" einen inneren

ürbic VS\uXWn, und es muß ihm leicht ge- nackck werden, auch m der neuen Umgebung bald heimisch zu uerto Die weitere erfteuliche Folge wird.ton sem, datz ,. p eul in sich immer mehr als em Volk kuhleii und reden Ert, wo Deutsche auf deutschem Boto leben, als ihre Sxunnt betrachtest lernen. Z" diesem Zwecke ist eme mtenpve Pflese