Nr. 103
• rfAetnt täglich eufcet Bomuagk
Dem ehener Anzeiger werden tm Wechsel mil dem hesfilchev Landwirt die Etehener Lamtilen- b ISN er viermal in der Woche bergelegl im zweimal wöchentlich da EreUblatl für den Kreis Sietzen. Feruwrech-An- fchlubt.b.Stedalkwn IIS Verlag u. ExpedUwn *•! Bbrefle tüt Deveichen: Anzeiger Gießen.
Erstes Blatt
157. Jahrgang
Freitag 3. Mai 1907
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
Bofationsbrutf und Verlag der vrühl'schen Unw.-Vuch- und Zteindruckeret. 8. Lange. Nedattlo«, Expedttton und Druderet: Schukstrahr I.
Beza gSp rerör nwi rtlich7dsti^ viertel» tShrlrch -ritt. 2.20 durch Abhole- u. ^weigileU« monatlich So 9t.. durch die Post Dtt L.— viertet» |äbrL ausichl. Pellellg. Annahme ooe änzetge« tül öie £aqe«numrnet bis Dotrmtlaqe 10 Ubt, ßeilenprets (ofai I6ütw aus Iva ns 80 9’tnM‘qj. Ve tani a»o rl ltch 63 den ooliL und aüoern, Teil 9 Wtiiko Kb ,Liadi und \Lanb‘ und JSendjtslaaJ*. < < n ft Yeh. tui den Anzeigenteil Vans Beck
e
ALe heutige Kummer umfaßt 10 Seiten.
Zum neuen hessischen Zagdgeseh.
Der Vorstand der bessifchen Landioirtschaftskammer hielt sich verpflichtet, den Gesetzentwurf, die Jagd betr., der sich zurzeit in Beratung des Gefetzgebungs-Ausschuftes der zweiten Ständekammer befindet, einer Prüfung und Beautachtung zu unterziehen, als deren Resultat die nachstehend abgedruckte Berichterstattung des Kammer-Vorstandsmitgllcdes Köhler- Langsdorf erscheint.
Selbstverständlich konnten bei dieser Prüfung und Begutachtung einzig und allein nur land- und forstwirtschaftliche Gesichtspunkte in Betracht gezogen und es mußte den Jagd- und Sportinteressenten überlassen werden, auch ihrerseits anderweitige Stellung zu dem Gesetzentwürfe zu nehmen.
Ter Berichteritatter hat alle Artikel des Gesetzentwurfs nicht berührt, denen der Vorstand zustimmte und nur bei den Artikeln Bemerkungen gemacht und Anträge des Vorstandes formuliert, mit denen ihrem Inhalte nach sich der Vorstand nicht einverstanden erklären konnte.
Vorausgeschiclt muß werden, daß im Vorstand, von einem Mitgliedc desselben, ausgeführt wurde, daß vom Standpunkte des Land- und Forstwirtes aus durchaus kein so bedeutender Wert auf die Jagd, als einer mit jedem Jahre steigenden Einnahmequcl..' des Haushaltes vieler Gemeinden zu legen sei, so wie es in der Begründung zu Art. 17—19 der Regierungsvorlage geschieht. Abgesehen davon, daß es eigentlich richtiger sei, die Einkünfte aus der Gemeindejagd an die Grundbesitzer, also die zu verteilen, die das Wild erhalten müssen, betonte man von dieser Seite im Vorstand, daß auch noch so hohe Einnahmen von Jagdpachten kein Aequioalent dafür bieten könnten, was den Grundbesitzern an Schaden zugcfügt würde; denn das Wild weide nicht wie ein Haustier in ordnungsmäßiger und darum nicht saiädigcnder Weise, sondern es äße nach Art der Ziegen von allem, was ihm gut schmecke, verbeiße die Spitzen der jungen Fichten, zerbeiße die jungen Obstbäume (die der Grundbesitzer für sein Geld, nicht für das Geld der die Jagdpacht vereinnehmenden Gemeinde, durch Drahtgitter usw. zu schützen habe), dringe tm Winter in die Gemüsegärten ein und rentiere darum in seiner Allgemeinheit etwa so, wie dem Teichwirt die Hechtezucht, der etwa 40 Pfund Karpfenfleisch bedürfe, um ein einziges Pfund Hechtsleisch zu produzieren.
Der Vorstand stellt an die Ständekammer das Ersuchen, folgende Aenderungen an den Artikeln des Gesetzentwurfs vor- zunehmen:
Zu Artikel 2.
Beantragt wird: Streichung des dritten Absatzes. Artikel 2 lautet:
„Die Gemeinde soll in der Regel die Jagd in ihrer Gemarkung öffentlich zugunsten der Gemeindetasse verpachten. Ausnahmsweise kann auf Beschluß der Gemeindevertretung die Jagd durch freihändige Vergebung verpachtet werden; der Beschluß bedarf der Genehmigung des Kreisamts.
Soll das Jagdgebiet nicht als Ganzes, sondern bezirksweise verpachtet werden, so hat sowohl hierüber wie über die Einteilung der Gemarkung in Jagdbezirke die Gemeindevertretung vor Erlaß der nach Artikel 4 Abs. 2 zu bewirkenden Bekanntmachung zu beschließen. Sollen Bezirke mit einem kleineren Flächengehalt als 300 Hektar gebildet werden, so bedarf es hierzu der Genehmigung des Kreisamts.
Den in Abs. 2 bezeichneten Entschließungen der Gemeindevertretung und des Kreisamts soll die Anhörung der zuständigen Oberförsterei vorausgehen."
(Anträge auf: 1. Strich des letzten Satzes int Absatz 1 wurde abgelehnt gegen 1 Stimme, 2. Strich des letzten Satzes im Absatz 2 wurde abgelehnt gegen 2 Stimmen.)
Die Minderheit betonte, daß es wünschenswert wäre, wenn diese die Selbstverwaltung der Gemeinden hindernden Be- stinunungen beseitigt würden.
Zu Artikel 3.
Ein Antrag, in dem ersten Absatz: „Die Gemeindejagden find auf mindestens neun Jahre zu verpachten" die Zahl neun durch „sechs" zu ersetzen, wurde mit 3 gegen 3 Stimmen der anwesenden Vorstandsmitglieder angenommen.
Die antragstellende Seite des Vorstandes machte geltend, daß es int Jnterefle der Jagd- und Sportinteressenten gewiß richtiger sei, dem Pächter eine längere Vestandszeit zu gewähren, und ihm hierdurch die Möglichkeit zu verleihen, große Wildbestände heranwachsen zu lassen, daß es aber nicht Aufgabe der Lanüwirtschafts- kammer sein könne, diese Jagd- und Sportinteressen land- und forstwirtschaftlichen Gestchtspunkten unlerzuordnen, da doch des Land- uno Forstwirts Interessen immer und ewig unvereinbar seien mit der Pflege und Heranzucht hoher Wildbestände.
Zu Artikel 4.
Der Vorstand beantragte Streichung des ersten Absatzes: „Der Wert einer Jagd ist vor jeder Verpachtung von der Ober-
försterei abzuschätzen", indem im Borjtand die Aniicht geäußert wurde, daß der Oberförster nicht in erster Linie, besonders aber in dem wald- und oberfürsterarmen Rheinhessen nicht, als der ,F)hne-Weiteres-Jagdversiändige" anzusehen sei. Uebrigens bemerkte man von einer Selle, daß man beides nicht vereinigen könne, ben guten Jäger und den guten Oberförster, und daß naturgemäßerweise beioe die heftigsten Gegner zueinanoer sein müßten. Denn jederzell schließe „Kultur" das „Wild" aus.
Zu Artikel 8.
Wird einstimmig ©truiajung beantragt; indem man die Bestimmung, daß für die Pachtung eines Bezirks nur drei Pächter zuzulasfen seien, als veraltet, unzweckmäßig und schablonenhaft bezeichnet, trotzdem die Regierung in Begründung zu Artikel 8 die nicht bewiesene und nicht zu beweisende Behauptung aufitellt, sie habe sich sellher bewährt.
Zu Artikel 9.
Wird Streichung des zweiten und dritten Satzes im Absatz 1 und Streichung des Absatzes 2 beantragt. Diese Streichungen sind Folgen des Antrages auf Streichung des Artikels 8.
Zu Artikel 13.
Der Vorstand beantragt Streichung des ganzen Artikels 13 und Ersetzung desselben durch folgenden Wortlaut:
„Zur gemeinschaftlichen Pachtung oder Benutzung zusammenhängender Jagdgebiete oder Jagdbezirke können Genossenschaften gebildet werden."
Zu Artikel 13, 14, 15 und 16.
Da deren Streichung beantragt wird, sollen die Ständekammern ersucht werden, der Großh. Regierung eine Fassung dieser Artikel vorzuschlagen, dahinzielend, daß es größeren örtlichen Vereinigungen (Genossenschaften) ermöglicht werde, Gemeindejagden zu pachten und die Jagd durch beauftragte Jagdverständige zu ihrem eigenen Besten ausüben zu lassen. Indem der Vorstand die Ständekammern ersucht, für diesen Gedanken und diese gewünschten Einrichtungen die erforderliche Rechtssorm zu finden und zu bilden, nimmt er Bezug auf die seit dem Jahr 1896 zu Langsdorf, Bettenhausen, Langd und an vielen anderen Orten der nördlichen Wetterau bereits bestehenden Jagdgenossenschaften („Wildfchaden-Abwehr-Vereine", wie sie zuerst genannt wurden) und die seinerzeit ins Leben gerufen wurden mit dem Zweck, ein Korrektiv zu bilden gegen die Aufzucht und Pflege übergroßer Wildbestände seitens mancher Jagdspvrt-Jnleressenten.
parlamentarische».
Berlin, 2. Mai. Die Budgettom Mission des Reichstages nahm in der heutigen Sitzung den Etat der Expedition nach Ostasien an. Aus eine Anfrage, wann das in Ostasien belassene Detachement zurückgezogen werden könne, wird von feite der Regierung geantwortet, die Aufgaben des Detachements, nämlich: SÄi^ oer Gesandtschaft, der in China befindlichen Deutschen und der in Betracht kommenden Wege, sei noch nicht erledigt. Bei der nun folgenden Beratung der Zölle, Steuern und Gebühren empfiehlt der Schatzsekretär größere Vorsicht in der Schätzung der Einnahmen aus den Zöllen; Jrhr. v. Stengel hebt hervor, daß die neuen Steuern der letzten Finanzreform teilweise den geschätzten Ertrag nicht gebracht hätten, daß andererseits aus manchen Gründen, insbesondere wegen der notwendigen Ausbesserung der Beamtengehälter, neue Einnahmen notwendig würden. Die Brau st euer habe statt der geschätzten 5 sogar 131/2 Millionen mehr gebracht, Die Fahrkartensteuer dagegen statt der erwarteten 24 nur 12 Millionen. Ein Antrag Speck, den Voranschlag der Einnahmen aus den Zöllen um 20 Millionen zu erhöhen, wird einstimmig angenommen. Ebenso wird angenommen folgender Antrag Speck: 1. tunlichst back) durch entsprechende Aenderung der Bestimmungen der Gerstenzollordnung die Verzollung sämtlicher Gerste nach dem Satze von 4 Mk. für 100 Kilogramm vorzuschreiben, welche zur Verwendung für Brauerei- oder Brennereizwecke geeignet oder bestimmt ist; 2. den Zollsatz von 1,30 Mk. für 100 Kgr. nur auf solche Gerste in Anwendung zu bringen, welche in geeigneter Weise durch Färben usw. amtlich gekennzeichnet oder nachgewiesenermaßen zu Futterzwecken verwendet wird; 3. zur Sicherstellung dieser Maßnahmen zu veranlassen ist die Verwendung von amtlich gekennzeichneter Gerste zur Herstellung von Malz, sowie die Verwendung solchen Malzes zu Brauerei- und Brennereizwecken unter entsprechend hohe Strafen gestellt wird. Die Tabak- und Zigarettensteuer werden genehmigt. Bei der Zucker st euer beantragt Staudy die Vorlegung eines Gesetzentwurfs, durch
welchen die Zuckersteuer von 14 aus Höchstens tu tuet, pro Doppelzentner herabgesetzt wird. Der Antrag wird angenommen. Die Einnahmen werden um 2 Millionen hcraufgesetzt. Rach Genehmigung der Salzsteuer vertagt sich die Kommission auf morgen.
— Die Kommis, wn des Reichstages zur Beratung der Novelle zum Pensionsgesetz hielt heute ihre erste Sitzung ab. Angenommen wiro ein Antrag Crzberger, der Vorlegung von Sxater.ai verlangt, sowie auch Angaben über die finanziellen Folgen etwaiger Rückwirtungsbestim- mungen. Die Ziffern 1 bis 9 werden angenommen. Bei Ziffer 10 wird angenommen ein Antrag Erzberger- Graf Oriola, der bezweckt: 1. den Unterschied zwischen Zivil - und Militärpersonen dadurch zu be - seiligen, daß allgemein die vor den Beginn des 18. Lebensjahres fallende Dienstzeit nicht angerechnet wird; 2. die Pensionen der seit dem 1. Juli 1906 ausgeschiedenen Beamten nach den Vorschriften des neuen Gesetzes festzu- stellen. Nach Annahme der Ziffern 10 bis 17 vertagt sich die Kommission auf morgen.
— In Der Budgetlommission des Abgeordnetenhauses, die heute das Eisenbahnanleihegesetz beriet, er* klärte der Cisenbahnminifter, daß mit dem Bau von Haupt- linien zutünstig stärker und gleichmäßiger vorgegangen werden müsse. Das große Elsenoahnbauvrogramm des Ministers werde im nächsten und den folgenden Jahren in Vorlagen zur Erscheinung kommen. Es wurde ferner seitens der Negierung Darauf hingewiesen, daß in diesem Jahre für Betriebsmittel 250 Millionen zur Verfügung ständen, es werde dadurch möglich fein, den Anforderungen des Verkehrs im Herbst mit beoeutend mehr Material gerecht zu werden als im Vorjahre. Der Einführung von Moto r w a g e n stehe Die Negierung wohlwollend gegenüber. Cs seien jetzt 27 elektrische Atkumulatorenwagen in Au st rag gegeben worden, von denen jeder 75000 Mk. koste. Sie sollen besonders für die Vermittlung von Anschlüssen von Nebenbahnen nach den Schnellzügen dienen, und zwar vornehmlich in den Bezirken Danzig und Elberfeld. Die Geschwindigkeit auf den Nebenbahnen, die bisher nicht mehr als 40 Kilometer betragen dürfte, werde ab 1. Mai auf 50 Kilometer gesteigert.
— Die Unterrichtslommission des Abgeordnetenhauses beschloß, über den Antrag Ernst (Freis. Bergt) auf Beseitigung der Vorschulen an den höheren Lehranstalten zur Tagesordnung überzugehen.
Politische Tagesschau.
Der Kaiser und der Großherzog bei de« „Brüdern von St. Bernhard".
Wir hatten dieser Tage mitgeteilt, was für ein unsinniges Gerede erhoben worden ist, weil der Kaiser und der Groß- derzog jüngst in Darmstadt einer Vorstellung des Stuckes , £)ie Brüder von St. Bernhard" beigewohut haben, lieber» mißtrauische Katholiken Badens witterten dahinter eine ,freimaurerische" Verschwörung, an der, wie lächerlicher Weise behauptet wurde, der hessische Hof beteiligt gewesen sei, und was dergleichen Blödsinn mehr war. Aus Darmstadt erfährt man nun, daß die Sache auf einem bloßen Zufall beruht habe.
»Wer', so heißt es in einer Zuschrift, „einen näheren Einblick in die Tarmsiädter Berhällnisse hat, weiß, daß die Loge sich nicht um das Theater hier kümmert und nicht den geringsten Einfluß darauf hat. Die Aufführung der „Brüder von St. Bernhard" war schon seit langem für diesen Abend augekündigt. Ter Kaiser kam ganz überraschend: morgens gegen 10 Uhr wurde sein Eintreffen durch Extrablatt bekannt gegeben. Nun sollte eine große Oper eingeschoben werden; das erwies sich als unmöglich, weil kerne Zeit zur Vorbereitung war und ohne solche eine Aufführung em zu großes Wagestück gewesen wäre. So blieb es bei dem KloNerstück
Bei uns in Heften wird wohl von vornherein selbst der strengstgläubige Katholik das Märchen von der freimaurerischen Verschwörung gegen die Kirche am Hofe Ernst Ludwigs des Duldsamen von Heften anfangs belacht haben, dann aber über solche böswillige und impertinente Erfindung recht zornig geworden sein. Die obige höchst harmlose und ohne
Kleines Feuilleton.
— Man schreibt uns aus Butzbacy, 1. Mai: Der hiesige Volksbildungsverein hatte am Montag und Dienstag zwei glänzende Vereinsabende veranstaltet, welche im Kranze seiner Leistungen jedenfalls zu den besten und schönsten gehören. Eine Kimstlerschar des Hanauer Stadttheaters, welche sich in den Dienst der Bestrebungen Der Volksbildungsoereine gestellt hat, gastierte hier und gab in vorzüglicher Besetzung Lessings „Minna von B a r n h e 1 m" und Schillers „KabaleundLieb e". Nach all den Schwänken, die wir im Winter hier gesehen haben, eine herzerwärmende Abwechslung, wo,ür dem Vorstand des Volksbildungsvereins nicht genug zu danken ist. Tas Ensemble des Hanauer Stadttheaters hat es sich unter Mitwirkung der Volksbildungsvereine zur idealen Ausgabe gemacht, im wesentlichen klassische Theaterstücke dem Publikum zu bieten, um dieses so mit den besten Werken ihrer wahren Dichter bekannt zu machen, gewiß ein schönes und dankbares Streben! Beide Stücke zeigten eine vorzügliche Besetzung und eine ausgezeichnete Verkörperung der dichterischen Gestalten. Das Zusammenspiel war tadellos, ge- gespielt wurde ohne den sonst leider so nötigen Souffleur, es war überhaupt kein Souffleurkasten auf der Bühne. Das Publikum, in dem alle Stände vertreten waren und welches an beiden Abenden den Saal bis auf den letzten Platz füllte, nahm mit großem Interesse die Darbietungen entgegen, fein Laut, keine Unruhe störte die zwei bis drei Stunden dauernden Ausführungen und folgte voll Ergriffenheit der Handlung. Herr Pu st ar spielte den Major von Tellheim und den Präsidenten von Walter, beides
glänzende schauspielerische Leitungen. Frl. Marner gab die Minna von Barnhelm und die Lady Milford ebenfalls vorzüglich. Frl. Jaida war ein köstliches Zöschen Franziska, „wie zum Anbeißen", und gab als Gegenstück die alte Millerin, in Spiel und Maske sehr gut. Herr M a 11 a r, der den Just und den Kammerdiener des Fürsten dar- ftellte, verstand es besonders in letzterer Rolle den Zu-- Hörer durch fein tiesemp,undenes Spiel bis ins Innerste zu erschüttern. Herr Höpsner gab mit seinem Wachtmeister eine prächtige, wahre Figur; sein Spiel und feine Sprache als Stadlmusikant "Möller ergriff alle Herzen. Herr Nyrin als Wirt und Hofmarschall v. Kalb hatte die Lacher alle auf feiner Seite. Den Ferdinand gab Herr Wantz und die Luise Frl. Macdonald, ein jugendliches Liebespaar, das die Tragik seines Geschicks lebenswahr zum Ausdruck brachte und das Publikum zu Tränen rührte. Mit dämonischer Macht stellte Herr Müller den Schurken Wurm dar und ließ als 9hccaut de la Mortimere sein elegantes Französisch brillieren. Die Regie lag in den Händen des Regisseurs des Hanauer Stadttheaters Herrn Felix Hauser. Der Herr leistete auf unserer kleinen Bühne, was zu leisten war, und alles klappte sehr gut. Nach jedem Abschlüsse wurden die Darsteller mehrmals vor die Rampe gerufen und still und voll Ergriffenheit räumte das Publikum Den Saai. Hoffentlich ermöglichen es Die Volksbildungsvereine, daß das Gastspiel einer so vortrefflichen Künsllerschar jedes Jahr mehreremal stattfindet; sie werden damit großen Tank ernten und dienen idealen Bestrebungen mit realem Erfolg.
es Der Keuchhusten-Bazillus entdeckt. In
der Sitzung der Gesellschaft der Aerzte in Wien teilte, wie von dort gemeldet wird, der Professor für pathologische Anatomie und Prosektor des Wilhelminenspitals, Dr. Heinrich Albrecht mit, daß es ihm gelungen sei, den Erreger des Keuchhustens zu finden. Dieser sei mit dem schon lange bekannten Jnsluenzabazillus identisch. Schon seit langem nahm man an, daß der Keuchhusten durch eine spezifische Bakterienart hervorgerufen werde, die bis jetzt nicht näher bekannt war. Bei dem immer mehr an Ausdehnung und Bedeutung gewinnenden Bestreben, alle Infektionskrankheiten durch Serum zu behandeln, legte man naturgemäß auf die Feststellung der Erreger des Keuchhustens großen Werk. In diesem Sinne sind auch die Ergebnisse der Forschungen Professor Albrechts zu begrüßen. Professor Albrecht hat — seinen Mitteilungen zufolge — aus den Keuchhusten-iJnsluenzaHBazillen ein Serum her- gestellt, das, Kaninchen eingejpritzt, schwere Herzentzündungen hervorrief. Diese Versuche erklären auch, warum die Influenza gerade auf das Herz des Menschen einen so nachteiligen Einfluß ausübt.
— „Staatsanwalt Alexander" von Karl Schüler (Buchverlag von D. Dreyer u. Co. in Berlin SM. 48) wurde am Stadttheater in Posen zum erstenmal ausgeführt und beherrscht seitdem das Repertoir dieser Bühne. Nach den Posener Blättern hat das Stück mit seiner dortigen Urauftührttng den ersten Schritt zu einem Gang über die deutseyen Buhnen begonnen. Der Beifall brach einmal spontan bei offener Szene aus, als Gerichtsrat Mehner die ergreifende Geschichte von einem „statuierte» Exempel" erzählte.


