das
Ar
^50, 075
ten
P**eisen
>ste Mmcia-.,, Bl»t-Apsclknen
snicde -qu
1 Hi
r Dutzend 65 u. 80 Ps„ empfehlen
rebr. Berdnx
Babubontratze.
tt-K
bisher. |«yM
>4 itüdTsr— eft» «Htfltl
msie Z^ncm Ä itz!-Ü!IW per StückloPsg- bochiemste
Matics-Heri«gk per Stück 25 '*'15^ wtiW per Vßmd lg dig- t, emviehl« f 3'
Wer Hi*
7peBbafl'li
3*U«u M.
Freitag 31. Mai 1907
Zweites Blatt
157. Jahrgang
Nr. 125
Lrichewl tLgNch mit Ausnahme des Sonntags.
für
rasthcnie, Hysterie,
Kahl in »Lehrkurses
Dir „fitfimer ZamillenblStter" werden dem »Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt str des Kreis «tefien" zweimal wöcheuUlch. D« ^hesftfche Landwirt erscheint monatlich einmal.
politische Lagesscha».
WahNilua oder Verbrechen l
Man schreibt uns aus Juriiienkreisen: Der § 51 des Strafgesetzbuches bestimmt: Eine strafbare Handlung ist nicht vorhanden, wenn der Täter zur Zeit der Tat sich m einem Zustande der Bewußtlosigkeit oder krankhafter Störung der Geisteslätigkeit befand, durch welchen seine freie Willensbestimmung ausgeschlossen war. Tie geminderte Zurechnungsfähigkeit findet dabei keine Berücksichtigung, iviewohl es eine ganze Reihe krankhafter Störungen gibt, welche die freie WiUenSbestinimung stufenweise beeinträchtigt. Als solche nannte der Berliner Prof. Geh. Justiziat Dr.
einem Vortrage vor den Teilnehmern des
ÄotatUmSbrucf and Verlag bet vrühllchen Uniperfuäte - Buch» and ©tttnb ruderet.
Ä. Bange, Vietze».
fRebaftton, ExvebMon unb Druckerei: Schulstr atz« 7. Expedition und Verlag 1 e=W 6L SUbaftwn: e^»K 112. teL-tibu Aneetgervietzea»
Gefängniswesen^ Schwachsinn, Neu- Epilepsie, Melancholie, Alkoholis-
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhelfen
mus, Morphinlsinlis, Perversität. Der deutsche Juristen, tag hat sich dafür ausgesprochen, daß diese Lücke im Strafgesetzbuch ausgesüllt werden; eine mildere Bestrafung soll überall da vorgcschriebcn sein, wenn dem Täter infolge jener krankhaften Störungen die Emsicht oder die Willenskraft oder beides zugleich ermangelt. Die »mildernden Umstände" sind gerade tn den Fällen nicht zugelassen, welche der geistigen »Minderwertigkeit" eine gewisse Prädisposition oder gar Inklination zuweisen, mit der Generalisierung der mildernden Umstände, die gleichfalls anzustrcben sei, werde jene Lücke nicht ausgefüllt. Prof. Kahl schlug darum eine entsprechende Aenderung des § 51 vor.
Wir müsien gestehen, daß wir durch solche Bestrebungen die Wahrscheinlichkeit vergrößert sehen, daß der Psychiater einen größeren Einfluß auf die Strafrechtspflege erhält wie bisher. Selbst bekannte Juristen, wie z. B. Prof. Bickmeyer in München, stehen auf diesem Standpunkte. Der Satz: »Wo verminderte Schuld, da ist mildere Strafe am Platze", ist sehr schön; aber es ist heutzutage sowieso schon modern, jedes Verbrechen, ja selbst jede ehrlose Handlung mit erblicher Be- lastung, Unzurechnungsfähigkeit, Krankheit re. zu entschuldigen. Wir sind wahrlich keine Freunde von strengen Strafen, aber im Interesse der Gesamtheit muß angesichts der oben gekennzeichneten Bestrebungen gefordert werden, daß man zum nun- desten es nicht an der nötigen Sorgfalt fehlen lasse, wenn man derart schwerwiegende Aenderungen von Strafrechts- Paragraphen vornimmt.
•
Ter Ausbau der Deuticheu Kriegsflotte.
Einer unserer Mitarbeiter, ein Marine-Sachverständiger, schreibt uns:
Bereits im Februar d. I. war ich in der Lage, wichtige Einzelheiten über die Abmessungen des im Projekt fertigen neuen deurschen Panzerkreuzers „F" Ihnen zu geben, der mit seinen 19 200 Tonnen Wasserverdrängung alle im Bau begriffenen oder bisher projektierten Panzerkreuzer der Welt übertreffen wird. Aus derselben vorzüglich unterrichteten Quelle erhielt ich jeßt einige Angaben über die deutschen Linienscbiffsbauten „Ersatz Bayern" und „Ersatz Sachsen", die nicht verfehlen toerben, ein gewisses Aufsehen insofern hervorzurufen, als sie deutlich zeigen, daß man nunmehr an maßgebender Stelle endgültig mit der bisherigen gemäßigten Politck (Berteidigungsflotte!) bei Neubauten unserer Marine gebrochen hat.
Der englische „Dreadnought", das mächtigste schwimmende Panzerschiff der Welt, wird in seinen Abmessungen und in ferner
Dhilipp Hulenburgs tznde.
lieber das Schloß Liebenberg haben sich drohende Wolken zusammengezogen: Philipp Eulenburg, des Kaisers Spezialfreund, ist in Ungnade gefallen und trauernd steht die Schar seiner Getreuen am Grabe ihrer Hoffnungen. Am 2. und 3. Mai ist der Blitz eingeschlagen und hat sein Opfer zur Strecke gebracht. An diesem Tage ist es zwischen dem Kaiser und seinem vertrauten Freund und Berater, den Fürsten Philips? zu Eulenburg auf Liebenberg in der Mark, zum Bruch gekommen. Eine Berliner Korrespondenz hat es von unterrichteter Seite erfahren, und wir glauben es um so lieber, als es wirklich die allerhöchste Zeit war, daß der Eulenburgschen „Nebenregierung" ein Ende gemacht wurde. Erfreulicherweise wird der Krach als endgültig bezeichnet. Hoffentlich bleibt es dabei, daß die „unwiderruflich allerletzte" Vorstellung stattgefunden hat. Wer es einst unternimmt, die Geschichte des preußischen Hofes unter Wilhelm II. zu schreiben, der wird nicht umhin können, diesen beiden ersten Maitagen eine ganz besondere Bedeutung zuzumessen. Denn die Oeffentlichkeit hat im allgemeinen, darin stimmen wir jener Korrespon denz zu, nur wenig Kenntnis davon gehabt, wie groß der Einfluß war, den „Phili" Eulenburg, auch nachdem er längst kein Amt im Dienste des Reiches mehr innehatte, auf dessen Oberhaupt ausüben durfte und wie oft sein Rat in den wichtigsten Angelegenheiten, namentlich wenn es sich um Personalfragen handelte, eingeholt wurde. Auf ihn paßte die Bezeichnung eines „unverantwortlichen Ratgebers der Krone" im vollsten Sinne des Wortes.
Phil. Eulenburg wurde erst weiteren Kreisen bekannt, als der „Sang an Aegir" seine Runde durch die Schü.er- konzerte und Gesangvereine machte. Außer diesem Sang, dessen Melodie bekanntlich der Kaiser schuf, hat „Phili noch eine Anzahl anderer Skalden^ejänge, Spieimauns- lieder usw. verfaßt. Bon seiner d^p.oma^schen ivamere verdient nur hervorgehoben zu werden, daß er deutscher Botschafter in Wien war, wo er nichts Welrerschütterndes leistete, dafür aber die Freundschaft des Barons Nall-anie^ Rothschild gewann, der ihm nach seinem Tode zwei Millionen Kronen vermachte. Es lag ihm wohl auch nicht recht, in der Oeffenilichleit eine Rolle zu spielen und seine Taten für sich sprechen zu lassen; ihm behagie vielmehr die Rolle des Regisseurs, der Hailer den Künsten wirkt, um auf den Brettern, die tatsächlich die Well bedeuten, die Puppen tanzen zu lassen. Vor Jahren schon hat er es offen ausgesprochen, daß er keinen anderen Ehrgeiz habe, als auf Grund der Freundschaft, deren ihn der Kaiser würdigte, zu wirken. Aus diesem Ehrgeiz heraus entsprang auch sein Entschluß, 1894 die ihm angebotene Staatssekreiärsteliung im Auswärtigen Amte ab- zulehnen, da er, wie man in den Hohenloheschen Memoiren lesen kann, befürchtete, daß sein Verhältnis zum Kaiser durch den steten persönlichen Verkehr und die Vortrage gestört werden könne; und doch sei gerade dieses freundschaftliche Verhältnis sehr wichtig uno dem Kaiser nützlich, da er sich bewußt sei, vom Kaiser nie etwas zu verlangen und nur ehrliche Ratschläge zu geben. Durch diese vermittelnde Stellung werde er „größeren dkutzen schaffen" . . . . Man wird sich hüten, der Meinung Ausdruck zu geben, daß die Ratschläge, die Fürst Philipp Eulenburg dem Kaiser erteilen konnte, nicht stets ehritcher Absicht und aufrichtiger Ueberzeugung entsprangen. Mer es ist etwas anderes, ob diese Ratschläge auch stets etwas taugten. Was Eulenburg und seine Leute alles durchgesetzt und verhindert haben, ist nur zum Teil bekannt geworden und auf dem Wege über Maximilian H a r d e n s „Zukunft" ans Tageslicht gekommen. Am bekanntesten ist die Tatsache, daß der zweite Kanzler, Graf E a p r i v i, gelegentlich einer Jagd in Liebenberg, ab gesetzt wurde. Dem jetzigen Kanzler sollte durch den Eulenburger dasselbe Schicksal bereitet werden. An Stelle Bülows wäre nach dem Plane Phllis ein „innerer" Kanzler berufen worden, dessen Hauptaufgabe der Kampf gegen die Sozialdemokratie sein sollte, und die auswärtige Politik wäre durch den Kaiser selbst mit dem „freundschaftlichen Ratgeber" und dem Herrn v. Tschirschky bestens „besorgt" worden. Der Plan wurde zu früh bekannt und ist daran gsscheitert.
Der Kampf gegen diesen Minifterstürzer und Ministerfabrikanten und seinen Einfluß ift von einigen Seiten schon seit längerer Zeit geführt woroen. Von dem Treiben auf Schloß Liebenberg erzählt man sich die sonderbarsten Dinge. Die Tafelrunde des Fürsten bestand ans jenen Leuten, die sich in der Sonne kaiserlicher Huld zu wärmen wünschten und diesen bisherigen Günstling des Kaisers oft als Mittel zum Zweck benutzten. Ja, sie machten auch alle jene Dinge mA, die um das Schloß seinen geheimnisvollen Zauber gewoben hatten. Ist es doch betonnt, daß sich Fürst Eulenburg darin gefällt, im 20. Jahrhundert spiritistische und sonstige mysteriöse Seaneen abzuhalten. Die Vorliebe deS Kaisers für den romantischen Zauber des Mtttelalters wird mit auf den Verkehr Philipp Gülen* burgö zurückgesührt; ja man behauptet sogar, daß die frellich oft bestrittene Hinneigung des Kaisers zum Katholizismus ein Ausfluß solcher romantischen Schwärmereien ift. Wenn jetzt der Dichter, Geisterseher, Komponist und Liebhaber noch mancher anderen eigenartigen itünfte tatsächlich in Ungnade gefallen ist, so erklärt sich das daraus, daß es endlich gelungen ist, der „maßgebenden Stelle" über die Absonderlichkeiten des Hauptes der Eulenburger ein Licht aufzustecken. Die Vermutung liegt nahe, daß noch die eine oder andere Persönlichkeit, die dank dem Einfluß Philis hochgekommen ist, sein Schicksal teilen wird. Aber Preußen und Deutschland werden den Verlust der betreffenden Herren zu übersehen vermögen.
Nun ift freilich von einzelnen Blättern, die sofort als freiwillige Beschwichtigungshofräte auftauchen, sobald etwas faul ist, behauptet worden, die Gründe, die dazu geführt haben, daß ine Rolle Philipp Erllenburgs und der großen Schar seiner gleichgestimmten Freunde und Schützlinge ausge.ptelt ift, beruhten lediglich auf müßigem Hof klatsch. Etne solche Auffassung der Lage ist auf keinen Fall angängig, denn so leicht läßt sich nicht die Grenze pvischen den Nichtigkeiten des Hoflebens und dessen Ern-
artllleristtschLN Bestückung noch ganz crljebUd) von den b eiben neuen deutschen Linienschiffen, von denen das eine bereits im Bau an die Aktiengesellschaft „Weser" in Bremen vergeben ist, übertroffen werden. „Ersatz Bayern" erhält eine Wasserverdrängung von 19 000 Tonnen, „Ersatz Sachsen" dürste sogar 30000 Tonnen überschreiten; sic werden sich demnach bis auf die .Geschwindigkeit, die im Durchschnitt nur 20 Knoten betragen soll, nur wenig von dem Typ des neuen 19 200 Tonnen-Kreuzers „F" (der 25 Knoten laufen soll) unterscheiden. Ihre Besatzung wird aus 832 Mann und einem Stab von 28 Lsiizieren bestehen und die Baukosten dürften für das erste kontraktlich bereits vergebene Linienschiff einschließlich der arttlleristischcn Bewaffnung ungefähr die nämlichen wie die deS Panzerkreuzers „F" — also 36,5 Mill. Mark — sein. Die kontrahierende Werst hofft „Ersatz Bayern" in zwei Jahren fix und fertig Herstellen und damit den bisher von E.'glanv gehaltenen Baurekord schlagen zu können.
Diese neuen deutschen Linienschiffe werden gleich dem Kreuzer „F" Parsons Turbinen und 43 000 PS. und drei mächtige Propeller erhallen und die Dimensionen des Kohlenraums werden so bemessen sein, daß z. B. „Ersatz Bayern" gegen 9000 Kilometer ohne neue Kohlenübernahme zurücklcgen kann. Die Armierung wird aus je sechzehn 28 Ztm. Zillupp-Geschützen bestehen, die Projektile von 350 Kgr. mit einer Sprengstoffladung von 132 Kgr. und einer Geschwindigkeit von 884 Meter schleudern können. Tie Turchschlagslraft der deutschen Granaten wird die der 383 Kgr.-Projektile mit ihrer Ladung von 146 Kgr. der zehn 30,5 Ztm. Geschütze des „Dreadnought" noch erheblich übertreffen, da die deutschen Geschütze die kolossale Rohrlänge von 15 Meter erhalten sollen. Die mildere Bestückung fällt bei den neuen deutschen Linienschiffen im Gegensatz zu den englischen ganz fort. Doch rechnet man in sachverständigen Kreisen damit, daß die 16 deutschen Geschütze bei gleicher Schußzahl und in der gleichen Zeit 5500 Kgr. gegen 3825 Kgr. der englischen Geschütze also 1605 Kgr. mehr!) werden verfeuern können, wobei die leichteren deutschen Projektile, die wahrscheinlich ein schnelleresl oeuern als die englifdjen gestatten, noch nicht einmal in Betracht gezogen sind, lieber die Verteilung der sechzehn 28 Ztm.- Geschütze an Bord verlautet nod) nichts genaueres, da die in Fr..ge kommenden Stellen sich herüber noch nicht geäußert haben und bie Wller-Werft natürlich äußerlte Geheimhaltung beobachtet, chahrschcuckiw dürften aber auch die Lionstruktion der Panzer- .ürme und Die Anordnung der Geschütze lleberraschungen bieten und alles in allem werden die neuen Linienschiffe nebst dem Typ ues Panzerschiffes „F" den modernsten Fortschritt im Kriegs- schiffsbau der Nationen verkörpern.•
Iie englljchiu Journalisten in Berlin.
Berlin, 30. Mail
Heute vormittag besuchte ein Teil der englischen Journalisten die im vorigen Jahre eröffnete Handelshochschule, die das ganz besondere Interesse der Gäste fand, weil die Frage der Heranbildung des kaufmännischen Nachwuchses gegenwärtig in England lebhaft erörtert wiro. Tie Besichtigung fand unter Führung des Rektors Professors Jastrow statt. Dann besuchten die Herren noch mehrere öffentliche Gebäude und wisienschaftliche Institute. Einer eingehenden Besichtigung wurde u. a. die Technische Hochschule unterzogen.
Für den Empfang der englischen Journalisten im Rat- hause hatten dre Festräume besonderen Schmuck angelegt. Vorherrschend waren die englischen Nationalfarben. An der Ehrentafel bemerkte man an der Seite des Oberbürgermeisters Kirjchner den Staatssekretär Grafen v. Posadowsky, die Minister v. Rheinbaben, v. Ctudt, v. Tirpitz, Dr. Nieber- ding.
Nach dem Braten erhob sich der Oberbürgermeister Kirschner und brachte einen warm gehaltenen Trints'pruch auf König Eduard aus. Kurz darauf hielt der Oberbürgermeister die Haup^rede auf die eng-l. Gäste, in der er ausfübrte. Die Haupträre auf die englischen Gäste, in der er aus führte: „Möchte die heutige Veranstaltung dazu beitragen, daß die freundschaftlichen Beziehungen zwischen England und Deutschland sich immer inniger und fester gepolten. Die Stellung unserer Gäste als Mitglieder der einflußreichen englischen Presse lägt uns diese Hoffnung als wohlberechtigt erscheinen. Unsere englischen Gaste hoch, hoch, hoch!"
Sir Element Kinloch-Eooke von der „Empire Review" dankte für den Emp,akg der Stadt und versprach im Namen seiner Kollegen und im eigenen, nach der Rückkehr für den Frieden und die weitere freundschaftliche Annäherung zu wirken.
M. F. L. Bickinson, Vertreter des Reuter Telegr. Co., der nochmals das Empfangskomitee und die Slaot Berlin feierte, forderte seine englischen Kollegen auf, ihren alten unü doch so herzersreueno wirLenden Keürreim „For he's a jelly gooü fellow, which nobody can oeny" anzu, stimmen.
Bürgermeister Dr. Re icke wußte in fein pointierter Rede die Vorzüge der „rückständigen" Stadt, der Reichs- Hauptstadt, zu ichildern, bat die fremden Besucher um ein ungeschminktes Urteil und erhoffte von einem gegenseitigen Verstehen und Kennenlernen engere und freunofchastlichere Beziehungen.
Heule nachmittag 4 Uhr fand im Garten deS Reichskanzlers ein Tee statt, zu dem die engl. Journalisten und zahlreiche andere Persönlichkeiten geladen waren.
Tie Berliner Handelskammer gab heute abend ein Festmahl zu Ehren der englischen Journalisten. Unter den Anwesenden veianden sich die Siaatssetretäre Gras v. Posadowsky, Freiherr v. Stengel, Tr. Riederding, bie Munster 0. Studt, Teltnück, 0. Bethmann- Holliveg, der Unier|iaat5|efrciär v. Mühlberg. Ter Präsident der Handelskammer, Herz, toastete aut Staijcr lüitlbclm und König Eduard als Herr,cher, welche der Preise die nötige Freiheit gewähren, um bie öffentl. Meinung zum Ausdruck zu bringen. — Ter Vizepräsident der Handelstammer, Franz 0. Alendelsohn, druckte bie Erwartung aus, daß der persönliche Meinungsaustausch emen wohltätigen Einfluß aus die freunb- jchastlichen Gefühle und Gesinnungen beider VöUer zueinander ausüben werde.
Air. Stead kam bann aus das deutsche Heer zu sprechen, die einzige Armee m der Welt, bic seit 36 Jahren niemals zu einem Knegswerk aufgeboten worden fei. Deutschland habe einen friebfertigenftaijer und auch England einen „Commis Voyageur1* des Friedens. Tem Frieden dienten SDhrnfier wie Bulow und Eampbell-Baniierman, Botschaner rote Graf Wolff- Metternich und Sir Francis Itascelles. Alle Staatsoberhäupter wünschten den Frieden; um diesen zu sichern, müsse eine internationale Atmosphäre freigemacht werden von Sprenggasen, die durch Mißverstänbnisie und Unwissenheit erzeugt roeroen. _;tc Bismarck Deutschland geeint habe, so möge em noch größerer Bismarck ernst den Frieden der ganzen Alenschheu zustande btmgen.
Wirkung auf den Gang Der öffentlichen Tinge ziehen, zumal m der Angelegenheit noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.
Im übrigen beweisen solche Vorgänge natürlich wieder von neuem, wie gering der Einfluß der verantwortlichen Ratgeber, der M i u i st e r ist, wenn ein „unverantwortlicher" Ratgeber einen ungeahnt großen Einfluß auszuüben vermag. Die Oeffentlich'ett aber sieht wieder einmal, durch welche Umstände und Derhällnisse in Wirklichkeit die Geschicke des Landes bestimmt werden.
Inzwischen hat der rasende See schon ein zweites Opfer gefordert. In der „Zukunft" waren jene spiritistisch-mystischen Zirkel im Schlösse Liebenbera etwas naher beleuchtet und von F-äden gesprochen woroen, die von dort aus um die Person des Kaisers gesponnen würden. Hiervon hatte der Kaiser Kenntnis bekommen und ein Mitglied der Eutenburgschen Tafelrunde, den Grasen Cuno v. Moltke, den Kommandanten von Berlin, zur Disposition gestellt. Daraufhin sah dieser sich veranlaßt, dem Herausgeber der „Zulltnft" Zuerst eine Forderung zu schicken und dann, als die,e abgelehnt wurde, den K l a g e w e g gegen ihn zu beschreiben. Es heißt. Der Kaiser habe selbst den Grajen Mollle zu seinem Vorgehen veranlaßt und eine völlige Klarstellung der in der „Zukunft" enthaltenen Beschuldigungen gefordert. Und hier ist die Stelle, in der der Kiatsch einsetzt. Man mag zur Duell- irage stehen wie man will, man mag auch daran erinnern, oaß nach den wenigen Jahren Harten am Schlüsse eines Artikels schrieb: „Ich wohne da und da und stehe jederzeit zur Versugiung!" — man mag al,o sein jetziges Verhauen mit seinen früheren —-r.en üi Gegensatz bringen; soviel steht fest: Harren hat nicht mit Folgern aus den Graien Moltke gewißen, uno wenn in oer Bcr.iner iL-esclischajt anläßlich ent.r bunten Aeußerung der „Zukunft" dieser ..amc genannt wuroe, so ivar daran nicht Haroen schuld. Tll bö|.n Z.in^en yällen toeujo gnl ein -uycitb anoerer Namm nennen rönnen. Sollte e.> nun wirllich zu einem Prozeß kommen, |0 wird Harden ja vermurllch manches zu sagen wissen. Für polirijck-r Ge,chll'^enrräger unu Gebaroenspäher suchen cllso juee Zellen öeoor: puauie Enthüllungen ours^n im Hintergründe ihrer harren. Jeoen- ,ulls fängt die Geschichte an, gewissen Leuicn der Gesell- lajaft fürchterlich zu toecden, und man ist schon eifrig am Werke, aus dem kreisenden Berge einer Haupt- und Staats- fenfaiion ichnurri^e Maus lern emes mageren alle Meosianze aus der Welt schallenoen Verg.e.ches zu nrachen. Wenns nur nicht mißlingt und bie schönen Hunöstage in diesem Jahre dem aushorchenden Steuerzahler ,ür kurze Zell den Vorhang vor den Aug^n weg ziehen und alle Welt klar er- iennt, welche Kuiifleirschiebereien in den letzten Jahren vorgekommen sind.


