II.
S i c Festlichkeiten selbft umfassen vier Tage und Mieten saft zuviel an Abwechselung. Tie beiden ersten Tage waren jmehr für die Aktiven und die Gäste der Kartell- und befreundeten Korps bestimmt, doch erschienen bereits am Begrüßungsabend aus dem Korpshause gegen 40 alte Herren. Die Begrüßungsrede hielt der erste Chargierte, stud. jur. Pilger. Am Sonntag begannen die Festlichkeiten mit einem Musikfrühschoppen in der „Stadt Mainz", der, da die Räumlichkeiten die Menge der Teilnehmer kaum zu fassen vermochte, unter dem Jubel der angesommelten Jugend aus den Kreuzplatz verlegt wurde. Die Feststimmung konnte durch den eintretenden „Nassauer" »war unterbrochen, aber nicht heruntergedrückt werden. An den Frühschoppeir schloß sich ein vorzügliches Essen aus dem Korpshaus. Währenddessen hatte Jupiter Pluvius bereits ein freundlicheres Gesicht gemacht, und so konnte um 5 Uhr die geplante Wagenfahrt nach dem Gleiberg bei herrlichem Wetter begonnen werden. Nur mit Mühe kamen die ca. 80 Teilnehmer in den 16 Wagen des Hofkutschers Huhn unter.
Die Fahrt ging durch die Hauptstraßen der Stadt zunächst Nach dem Windhofe, wo in kurzem Aufenthalte den fremden Gästen das alte und doch neue Pauklokal des Gießener S.C. gezeigt wurde. Bei dem Herannahen an die Burg Gleiberg, auf deren Bergfried die schwarz-weiß-rote Fahne flatterte, begrüßten Böllerschüsse die Festteilnehmer. Oben angenommen gruppierte man sich zunächst malerisch zu einer photographischen Aufnahme im Burghofe, dann wurde die herrliche Aussicht genossen und hierauf noch ein Stündchen gesungen und gezecht. Der wohl- woUgelungene Tag und mit ihm der erste Teil des Festes schloß mit einer Exkneipe in der „Stadt Mainz". Die beiden letzten Festtage sahen für Montag einen M u s i k f r u h s ch o p p e n auf dem Korpshaus, ein einfaches Mittagessen in teins Garten und abends den großen Feftkommers ebendaselbst vor. Die Teilnehmer begaben sich in einfachem Zuge von der „Stadt Mainz" aus mit Musik in das Kommerslokal. Der Dienstag wird mit einer feierlichen Konvent auf dem Korpshaus eröffnet, au dem sich die Aufnahme des großen Stiftungsfestbildes fn Steins Garten schließt. Hierauf findet ein Frühstück im Saale des GesellschaftsVereins statt, und nachmtttags das Garten- f e ft in Steins Garten.
Für den Vormittag des 31. sieht das Programm noch die iZesichttgung der im Besitze des Korps befindlichen Gegenftände Dor, die für die Korpsgefchichte der Hassia und zum Teil auch anderer Korporationen wichtig sind. Tie seit zwei Jahren reichsam ^gefummelten Tenkstücke beginnen mit dem Ende des 18. Jahrhunderts und sind zum Teil äußerst wertvoll. Tie Führung wird Prof. Dr. Schmitt übernehmen, der, wie uns mitgeteilt wird, die Gegenstände gelegentlich auch einem größeren Publikum -ugänglich zu machen beabfichtigt.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 30. Jnli.
• * Landes Universität. S. K. H. der G r o ß h e r z o g haben den Prioatdozenten für Psychiatrie Dr. Adolf Dannern ann zu Gießen zum außerodentlichen Professor bei der mldizinischen Fakultät und den provis. 1. Maschinisten bei der Zentrale der „Neuen Kliniken" Justus Haas in Gießen zum Werkmeister bei der Augenklinik der Landesuniversität ernannt.
* * Bo m Großh. Hofe. Ter Ma Hara d sch ah von Bikanier in Indien wird mit Gefolge heute nachmittag von Wolfsgarten abreisen und von dem Großherzog wieder nach Groß- Gerau geleitet werden, von wo aus die Abfahrt mit dem fahrplanmäßigen Zuge über M^inz-Köln kurz nach zwei Uhr erfolgt.
* * In Audienz empfangen wurden von S. K. H. dem Großherzog ,am Samstag u. a. die Oberleutnants v. B o e l tz i g And v. Pentz (Ernst) vom Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Grvßh. Hess.) Nr. 116, beide kommandiert von der Kriegs- jakademie zur Dienstleistung beim Garde-Dragoner-Regiment (1. Großh. Hess.) Nr. 23 taib Kulruringenienr Wal le ck von Gießen. >
** Kreisamtspersonalien. S. K. H. der Großherzog haben den Kreisamtmann bei dem Kreisamte Mainz Dr. Emil G a ß n e r zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Friedberg, den Kreisamtmann bei dem Kreisamt Lauterbach Hch. Gebhardt zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Mainz, den Negierungsassessor Konr. Löhlein zu Offenbach zum Kreisamtmann, den Negierungsbaumeister Ludw. Pietz aus Darmstadt zum Kreisbauinspektor des Kreises Worms und den Kreisamtsgehilfen bei dem Kreisamt Büdingen Gg. Ewald zum Kreisamtsgehilsen bei dem Kreisamt Oppenheim ernannt und den Kreisamtsgehilfen bei dem Kreisamt Oppenheim Gg. Schinitt auf fein Nachsuchen aus dem Staatsdienste entlassen.
** Der Bürgerverein Gießen hielt gestern abend unter dem Vorsitz des Lehrers Val. Müller im „Einhorn" eine in Anbetracht der Jahreszeit recht gut besuchte Bürger-Versammlung ab, m der Professor Dr. Sommer über die Beziehungen zwischen Stadt und Universität sprach. Der geschätzte Redner gab insbesondere ein Bild von der baulichen Entwickelung der Universität und den Einfluß, den sie damit auf die Gestaltung des Stadtbildes ausübte. Sodann verbreitete er sich über die Vorzüge Gießens als Sitz einer Universität, die hauptsächlich in seiner guten Verkehrslage und der herrlichen Lage bestehen. Letztere gewährt richtige Erholungsmöglichkeit und damit die Möglichkeit einer Konzentration der Geistestätigkeit, die Gießen zur hervorragenden Arbeitsuniversität macht. Zum Schluß wies Prof. Dr. Sommer auf das gute Verhältnis zwischen Stadt und Universität hin, das allezeit bestanden ulld zu einer gegenseitigen Durchdringung des akademischen und bürgerlichen Geistes geführt habe, der beiden zum Vorteil gereiche. Mit dem Wunsche, daß dies auch in Zukunft so bleiben möge, schloß der gehaltvolle, mit lebhaftem Beifall aufgenommene Vortrag. (Da er in vieler Beziehung für das größere Publikum neues bietet und manche sehr beachtenswerte Anregungen enthält, werden wir den Vortrag seinem wesentlichen Inhalt noch zum Abdruck bringen.) Im weiteren Verkauf des Abends gab Fabrikant Horst die Antwort der Bürgermeisterei auf die vor kurzem an die Stadtverordneten - Versammlung gerichtete Eingabe des Bürgervereins wegen des Standes verschiedener städtischer Angelegenheiten bekannt. Danach ist 1.: Der Beschluß der Stadtverordneten-Versammlung wegen der Vorarbeiten zur Erbauung einer elektrischen Straßenbahn ausgeführt; 2. die Vorarbeit wegen einer Revision des Ortsbaustatuts im Gange. Die Vorlage ist für den nächsten Winter zu erwarten. 3. Wendet die Bürgermeisterei den für Gießen in Betracht kommenden Bahnpcojekten fortgesetzt größte Aufmerksamkeit zu.
* * Kunstver ein. Tie Geurüldc-Ausstellung am Brand ist während der Univcrsitcüöfvier wie folgt geöffnet: Mittwoch von 11 bis 3 Uhr ununterbrochen, Donnerstag und Freitag von 11 bis 1 und von 3 bis 5 Uhr nachmittags. Samstags von 11 bis 1 Uhr und Sonntag von li bis 3 Utz. unterbrochen.
* * Der Bauersche Gesangverein unternahm am vergangenen Sonntag einen Ausflug nach Brauniels.
Nach Besichtigung des Schlosses traf man sich im Solmser Hof. Der musikalische Verein Wetzlar Hatto gleichzeitig einen Ausflug nach Braunstls unternommen. Gesangs-, Solo- und komische Vorträge der beiden Vereine wechselten miteinander ab. Herr Böhme, Besitzer des „Solmser Hofs", und sein Sohn unterhielten durch ihre schönen Vorträge die Ausflügler aufs beste. Auch die Jugend kam durch ein eifriges Tanzen zu ihrem Rechte. Die schön verlebten Stunden werden jedem Teilnehmer noch lange im Gedächtnis bleiben.
* * Kolosseum. Heute findet die Abschieds-Benefiz- Vorstellung für den Komiker Neumüller statt. Morgen arbeiten das alte und das neue Programm zusammen, also ein Riesen-Programm, niemand versäume, sich selbes anzusehen.
* * Verhaftet wurde ein verheirateter Bahnbe - diensteter von hier, wegen Vornahme unsittlicher Handlungen an einem Kind unter 14 Jahren.
* * Hebersähren wurde von einem Bäckerwagen in der Franksurterstraße ein 5 jähriger Junge. Er erlitt dabei nut geringe Verletzungen, da den Fahrburschen aber ein Verschulden dabei trifft, wurde Anzeige gegen ihn - erhoben.
** I n Polizei haft mußte gestern abend ein Arbeiter! genommen werden, der seine Frau auf der Straße insultierte und beschimpfte und djadurch einen Menschenauslauf auf der Straße hervorrief.
Jbl. Allendorf a. d. Lahn, 29. Jnli. Wie wir seinerzeit berichtet hatten, war auf der vorjährigen Synode des Dekanats Gießen der Beschluß gefaßt worden, künftighin alljährlich wie für die äußere so auch für die innere Mission ein Dekanats fest abzuhalten, wo berufene Vertreter der inneren Mission über deren Ziel, Aufgabe und Erfolge berichten sollten. Das erste derartige Fest wurde gestern nachmittag in unserer geräumigen, prachtvoll geschmückten Kirche abgehalten. Trotz festlichen Veranstaltungen in benachbarten Gemeinden war das Gotteshaus bis auf bcn letzten Platz Don einer andächtig lauschenden Gemeinde gefüllt, die von hier und dem umliegenden Dörfern trotz des strömenden Regens herbcigceilt war. Als erster Prediger sprach der Vertrauensniann des Dekanats für innere Mission, Pfarrer Wcber-Lang-Göns im Anschluß an Matth. 5, V. 7. Er legte in eindringlichen Worten dar, wie die innere Mission ein gnädigcrVater für die verlorenenSühne undTöchter unseres Volkes, ein barmherziger Samariter für die unter die Möcbec Gefallenen und em guter Hirte für die zerstreuten Schafe unseres Volkes ist und das alles aus barmherziger Liebe gegen die Nebcn- menschcn. Als 2. Redner sprach der Vereinsgeistliche der südwestdcutschen Konferenz für innere Mission, Pfarrer Schlosser-Darmstadt über einzelne Arbeiten der inneren Mission und gab in eingehender Rede anschauliche Bilder auL seinem Arbeitsgebiet, besonders dem evangelischen Jünglings- vcrein zu Darmstadt. Beide Prediger legten der Gcnieinde die groge heilige Sache der inneren Mission mit eindrucksvollen Worten und heiligem Ernste auf die Seele. Zur Verschönerung der Feier trug der hiesige Kirchengejangvcrein durch den Vortrag zweier Q'aft ansgcsiihrter Clwre sein wesenttlchcs bei. Tie beim Ausgang aus den Gotteshaus erhobene Kollekte betrug 80 Mack, die dem oberhejsischen Verein für innere Mission überiviejen wiirden.
? Eichelsachsen, 29. Jnli. Beim Heiiabladcn stürzte ein 8 jähriger Knabe in die Schcnnentcnne und zog sich schliniine Verletzungen zii, an deren Folgen er starb.
x Ehringshausen a. b. Till, 29. $uli. Im Bahnhofshotel Wallbruch tagte gestern unter dem Vorsitz von Stadtschreibev Lehr von Wetzlar der Verband der Gemeinde-Beamten des Kleists Wetztar. Tas Vcrbandsmitglied Althen referierte eingehend über die Einführung einer P r n f u n g s o r d n u n g für G e in e i n de - V e a m t e n. Tie Ausführungen fanden Zustimmung und werden in Erwägung gezogen. Ein kleiner Ausflug nach der Tianaburg beschloß die Versammlung.
— Lauterbach, 29. Juli. Das gestern zu gunsten der Kl e i n ki nd er sch u le hier vestrnslaltete Konzert, für das Hofop^rnchnger Stephan aus Darmstadt gewonnen war, war sehr gut bejuclA. Tie Leistungen der Mitwirkenden fanden großen Beifall. Tie Einnahme betrug 335,50 Mk.
□ Krofdorf, 29. Juli. In der heutigen größeren B ürg e rm eist ere iv crs a m m lung stand u. a. die Wahl eines 2. Bürgermeistereisekretärs auf dec Tagesordnung. Unter den 8 eiugegangencn Bewerbungen wurde mit großer Stimmenmehrheit dem Bureaiigehitfen Heinrich Thome aus Fellingshausen die Stelle zuerkannt.
— B r a n n f e l s , 27. Juli. Unter dein Vorsitz des Prinzen Friedrich zu Sotms-Braunfets hielt der Verein ILandeswohl- lahrt dieser Tage seine Hauptversammlung ab. Der Verein hat es fiel) zur Aufgabe gemacht, durch die Aufstellung von Santitätsjchränken, durch die Beschaffung von Badewannen und Krankenstühlen, durch die Ausbildung von Krankenschwestern u. s. s. überall in den Gemeinden des Solmser Landes die GesunbyettS- pflege zu üben. Auch zur Förderung der Jugendspiele und zur Beschaffung beuycher Volkslieder für den Solmser Sängerbund ivurden Beihülsen gewährt. Taneben geivährt der Verein Unterstützungen an bedürftige Besucher der Laubwirtschaftt. Winterschule und Prämien an solche Schäler der ländlichen Fortbildungsschulen, die mindestens 3 Winter Oie Abendschule besucht haben. '211*5 ein besonderes Bedürfnis für unsere Dorfbewohner haben sich die sogenannten Volks- unterhaltnngsabeiide erwiesen. Zum Schluffe kam Sanitätsrat Dr. Gerster auf die Errichtung des schon früher geplanten Museums zu sprechen. Es sott mit Genehmigung der fürstlichen Verwattrmg m der alten Rentei untergebracht werden und sein Ertrag dem Verein zu gute kommen.
14. deutscher Turutag.
S. u. H. W o r in s, 29. Juli.
(Zweiter Tag.)
Die heutigen Verhandlungen leitete wieder Dr. Goetz. Von S. ft. H. dem Großherzog ist ein Tanktelegramm eingetrosfen. Ein Vercreter des deutschen Turnvereins in Tsingtau in China begrüßte darauf den Turntag. Auch heute unterhielt man sich zunächst wieder über turntechnische Fragen. Einen breiten Raum in der Verhandlung nahm eine Erörterung über des Ringen ein. Eine ganze Reihe von Einzelbestimmungen darüber werden chlicßlich en bloe angenommen. Sie sollen erprobt und dann neugeregelt werden. Berufsringer wurden von dcn Wettkümpien ausgeschlossen. Ferner wurde beschlossen, daß am Sonntage drei Wochen vor dem deutschen Turnfest P r o b e w e 11 u r n e n der angemeldeten Sechskämpfer stattfinden solle. Die Probeturnen werden in Gruppen oder in Gauen nach Bestimmungen der einzelnen Kreisleitungen vorgenommen. Als 5kampfrichtcr haben die für das deutsche Turnfest gewählten tätig zu sein. Im Bedarss- alle können Hilfskampfrichter herangezogen werden. Mit dem Probcwrlturnen ist auch ein Probeturnen der allgemeinen Hebungen vvrzunchmen. Turner, welche hierbei, die allgemeinen 'Udmngdii mangelhaft ausführen, siird von der Teilnahme am Wetturmen zurückzuweisen.
Tie Bahnen zum Wettlaufen sind so breit eingerichtet, daß jedem Läufer 2 Meter zur Verfügung stehen, für vier Läuier 8 Meter. Tie Bahn jedes Läufers ist ihrer ganzen Längsaus- dchuung durch weiße Kalkstriche zu bezeichnen, oder durch Bänder abzngrenzen.. Ebenso sind Ablauf und Ziel gut sichtbar zu bezeichnen, Bsi der Ablcmfstelle sollen noch sistrs Meter freier Raum
von gleiches Beschaffenhseit, wie die zn vürchlaufenve Sttecke und am Ziele 15 Meter freier Raum mit weichem Boden Verfügung stehen. Tie ganze Bahn ist durch feste Schranken vor dem Eindringen von Zuschauern zu schützen. Für das Kugelstoßen, Kugelschocken, Schleuderballwerfen und für den Eilboten, lauf iverden keine besonders befestigten Bahnen verlangt.
Um einer etwaigen „Preisjägerei" vorzubeugen, wurde beschlossen, daß den offiziellen Gau- und ftrei^turntagen nur Turner teilnehtnen dürfen, die dem betreffenden Gaue oder Kreis,, angehören.
Bezüglich, des Frauenturnens werden folgende Beschtüsü gefaßt.
Ter einßachste und gangbarste Weg ist der Anschluß bet Frauenabteilwttgen an die in demselben Orte bestehenden, 8Uc deutschen Tuonerschaft gehörenden Männertumvereine. Frauenabteilungen, deren Anschluß an die Männerturnvereine uu, tunlich erscheint, kann die gastweise Teilnahme an den zur Förderung des Frauenturnens getroffenen Veranstaltungen der Kreise, Gaue ixtnO Vereine gestattet werden. Es ist wünschenswert, daß zu den Beratungen in Kreisen und Gauen über frauenturnerische Angelegenheiten auch sachverständige Vertreterinnen des Frauenturnens ^gezogen werden. Zur Förderung des Frauenturnens ist die Ausbildung der Leiter und Leiterinnenvon Frauenabteilungen unbedingt erforderlich. Ten Kreisen oder auch ben Gauen wird die Einrichtung entsprechender Lehrgänge dringend empfohlen. Tie Turnkleidung ist zweckentsprechend. Schnürleibchen und allle anderen die Atmung und die freie Bewegung hindernden Kleidungsstücke sind unstatthaft. Als Fußbekleidung dienen bequeme Schuhe ofyne Absätze oder solche nur mit nieberene Absätzen Schauturnen vor geladenen Gästen unb Vereinangehörigen bürsten immer zur görbertung bes Frauenturnens beitragen. Bei allem öffentlichen Auftritten ist große Zurückhaltung und Vorsicht geboten Es crschevmt wünschenswert, daß bei Kreis- und Gaufesten die turneri) dfcn Darbietungen auf dem Gebiete des Frauenturnens in erster Linie ovn ortsansässigen Frauenabteilungen veranstaltet werden. Ist im Interesse des Frauenturnens bie Heranziehung auswärtiger Frauenabteilungen notwendig, so stehi den: kein Hindennll entgegen. Tie Teilnahme von Frauenabter lungen an Festzügeii. ist nicht zu gestatten.
Anerkennend wurde dabei der Bestrebungen des Verbandes für Verbesserung dc-.r Frauenkleidung gedacht.
Eine vom Ausschuß ausgestellte Fechtordnung soll beim nächsten Turnfest in Frankfurt a. M. erprobt werden.
Darauf erholten sich die Abgeordneten von ihrer anstrengenden Arbeit bei einem Fi:ühstück, das die Stadt gab. Beigeordneter Dr. W e v e r s begr^lßte die Anwesenden im Namen der Stadt Tr. Goetz gedachte der Stadt Worms, und Prof. Dr. H a hn gedachte der Teilnehmer am Staffettenlauf. Ein anderer Herr gedachte mit herzlichen - Worten des Vorsitzenden Tr. Goetz, und noch manche andere Rede und manches fröhliche „Gut Heil" wurde ausgebracht. Tann ging es wieder an die Arbeit.
Beim Wiederbegirm dec Verhandlnngen war von Interesse ein Antrag des MaingaueS über P o li t ik u n d T urn er s ch aft
Er ging dahin: Ter Turntag wolle beschließen, daß dem Vorstände der Teutschen Turnerschast mit Bezug auf den von diesem in Nr. 1 der „Teutschen Turnzeitung" erlassenen Auftuj ausgcgcben wird, solche politische Machinationen M unterlassen, da diese den Grundsayon der Deutschen Turnerschast widersprechen und außerdem geeignet sind, die Turnvereine, überhaupt du deutsche Turnerschaft *af das schwerste zu schädigen.
Ter sozialdemokratische Stadtverordnete Stadtmüller- Offenbach betonte, ,daß eigentlich die Politik mit der Turnsache nicyts zu tun habe. (Levh. Beifall.) Tie Sache des Vater- landcs sei aber eine S achc, über die sich streiten lasse. (Stürm minutenlanger iderspruch.) Tie SozialdeWmokraten hätten ja auch das Recht, in der deutschen Turnerschast zu sein. (Lebh. Unruhe, Ter Redner tritt infolge der Unruhe vom Rednerpult ab.
Tr. Goetz: Hundevtitausende schauen auf uns. Wir wollen doch bie Frage in RuhU behanbeln. (Lebh. Beifall.)
S ch m uck- Darmstadt: Dr. Goetz hat niemals Politik in dem an gezogen en Sinne betrieben. Dazu ist er viel zu gescheit Aber er hat jahrzehntellkng bie Erziehung des beutschen Volkee geleitet. (Stürmischer P rifall.) Was geht uns bie sozialbemokr Partei an? Es ist eine Partei, bie nur befretiert, bie abci mit ber Turnsache nickst^ zn tun hat. Es ist bas Traurige an dieser Partei, daß sie do-s Vertrauen zu den Führern der deutschen Turnerschast untergraben will. Die Turner, die den vor* liegenden Antrag gestellt haben, sind nicht so schuldig, wie et scheint. Sie wollen ganz gern bei der deutschen Turnerschah bleiben, aber sie werden bedrängt von allen Seiten. — ftärn* bach - Breslau: Herr Siiadtmüller hat uns mit seinen Motten ein schweres Unrecht gelvn. (Lebh. Beifall.) Der Herr hm gefagt: „Vaterlandsliebe jjt ein Begriff, über den sich ftreiier lässt." Ich will sagen: „Vaterlandsliebe ist ein Begriff, bei den sich nicht über das Tüpfelchen auf dem i streiten läßt." (Stürm r langanhattender jBeifall.) Wir verlangen in unseren Satzungei r Pflege der vaterländischen Gesinnung. Wer die weite Welt all i Barer land betrachtet, hat wit uns nichts zu tun. (Stürmische > Beifall.) — S ch att-Haü^u: Durch das Auftreten des Hew ; Stadtmüller wird nur Zwisti und Zwiespalt geschaffen. Es jtedci . noch andere Sachen dahiwller. Der Turnverein Büdesheim hi sogar eine Summe zum Wnhlfonds der Sozialdemokratie gezeich net. (Lebh. Hört! Hört!) Wir wollen unsere Kinder zu Patriot Männern erziehen. Wir swd eins darin, daß wir für bat deutsche Vaterland in jeder Weise einzutreten haben, (©türm Beifall.) — Nach erregter .Debatte wurde beschlossen, über bei Antrag des Maingaues zkir Tagesordnung überzu gehen. Es wurde betont, ,0a ßder Antrag des Maingaues un gerechtfertigte Vorwürfe in verletzender Form gegen den Aus schuß enthalte, die zurückzuw-msen seien. Mit stürmischem Jub* wurde dein Ausschuß ein Vertrauensvotum erteilt, dazu ei schallte das Lied: „Deutfchllazsd, Deutschland über alles!"
Die Beteiligung an den olympischen Spielen tourt in Aussicht genommen. Zum Vorsitzenden der deutschen Turmr schäft wurde wieder Dr. Goetz- Leipzig gewählt. ^)kach Erledigun* gefchästlicher Angelegenheiten w urde darauf der Turutag geschloyeii
Vernllitzchres.
* Berlin, 29. Juli. Während die Kriminalpolizc alle Hebel in Beivegung setzt, um den Urheber der ir Norden Berlins an Kindeun verübten scheußliche Verbrechen zu ermitteln, wurde heute mittag ein ähn liches Verbrechen versucht. Der Täter konnte aber sei Ziel, dem überfallenen 5kind^ den Leib aufzuschlitzei nicht erreichen, da er dwrch hinzukommende Perjone ; daran verhindert wurde. Seine Verfolgung wurde zwo sofort ausgenommen, er entzkam aber. Das Überfaller Kind ist die 12 jährige Heleme Arendt, welche bei einei Schneider ein Kleid anprobieren sollte. — Unter de zahlreichen Sistierungen ersiheim als die wichtigste d ~ Verhaftung eines sehr gefährlichen und langgejuchlc Einbrechers, die von einem Kriminalkommissar in eiiu Kaschemme vorgenommen wruche. Der Verhaftete, welch« sich Schlaffer Ernst Eckhardt nannte, wurde vom kennungsdienst als der mehrsiifch wegen Raubs, schwer Einbruchsdiebstähle und SitRichkeitsverbrechen inhaftie . gewesene Freibusch-Kopski agnosziert. Er sollte zule- । als geisteskrank in einer JrrenUnstalt bei Gnesen internie werden, entwich aber auf dem Transport. Dieser Mai nun hat erzählt, daß er den Ätord begangen hc i Wenn auch auf diese Aeußeimng cine§ Geisteskrank« kein großes Gewicht gelegt werden kann, so paßt andere ' seits das Signalement des Rtörders vollkommen auf ih sogar bis aus die Narbe, die nvan an dessen Halse geseh haben ivilll Heute abend gingen woltenbrucharti


