Er sowohl als feilte 1834 geborene Gattin erfreuen sich Loch voller Geistesfrische. Dieser Ehe entsprossen vier Äinber und neun Enkel.
cb. Saubach, 29. Mai. Gestern fand im Hotel „Solmser Hof" eine Versammlung- des hiesigen Zweigvereins des Vogelsberger Höhenklubs statt. Oberlehrer Weißbart als Vorsitzender erstattete Bericht über die Verein Stätigkeit int verflossenen Jahre, aus dem hervorzuheben ist, das; die Mitglied erzähl in letzter Zeit wieder einen Zuwachs von 11 Mitgliedern zu verzeichnen hat, sodaß er zurzeit 52 zählt. Man beschloß, das 25 jährige Bestehen des Vereins tnircb eine Feier zu begehen. Als -Delegierter zu der am 2. Juni in Gedern stattfindenden lGeneralversammlung des Gesamtverbandes wurde Gerichts- lassessor Bergheimer bestimmt. — Der zirka 700 Mitglieder zählende Eisenbahnerverein Friedberg wird in zwei Abteilungen, von seiner Musikkapelle begleitet, an jedem der beiden nächstfolgenden Sonntage einen Sommerausflug hierher unternehmen.
Darmstadt, 30. Mai. S. K. £)j der Großherzog' empfing am 29. Mai den Oberst Riedel, Infanterie-Regiment Nr. 168, den Bataillonskommandeur Major T r i g l a s f unb den Leutnant Dihm von demselben Regiment, den Pfarrer Moser von Wohnbach, den Stadtrat Hanau von Franlfurt a. M., die Kaufleute K a h l e r t und Anspach vom Darmstädter Fechtklub, den Amtsrichter Schmidt: zum Vortrag den Staatsminister Ewald, den Oberkammerherrn R i e d e s e l Frhrn. zu EisenLIach, den Geh. Kabinettsrat N ö m h e l d: ferner in besonderer Audienz den Preußischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister Frhrn. v. Jenisch. — I. K. H. die Großherzogin empfing gestern, den 29. Mai, in Audienz: Freifräulein S. v. d o l l e n i u s, Frau Oberhofprediger Ehrhardt und den Kreis- ichulinspektor Professor Lucius. — S. K. H. der Großherzog hat bestimmt, daß der Vorstand der Kabincttsbibliothek an Stelle des seitherigen Amtstitels „Kabinettsbibliothekar" den Titel „Direktor der Großh. K'abmettsbibliothek" führe.
Darmstadt, 30. Mai. Dte von der „Franks. Ztg." zuerst gebrachte Meldung über eine Unterredung des Finanzministers Gnauth mit dem Groß Herzog im Balmhofsgebäude beruht auf einem Irrtum. Der Finanzminister ist, wie das „Darmst. Tagbl." bestätigt, allerdings am Dienstag vormittag hier gewesen und hatte im Bahnl>vfsgebäude eine Besprechung, an der außer dem Geh. Regierungsrat Weicker, dem Vertreter Hessens int Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Berlin, verschiedene Tirektionsmitglieder der Eisenbahndirektion Mainz teilnahmen. In der Audienz beim Großherzog wurde der Finanzminister nicht empfangen.
sd. Darmstadt, 30. Mai. Eine interessante Entscheidung bezüglich derVerpachtungvonGemeinde- Jagden hat das Ministerium gefällt. Im vorigen Jahre hatte Prof. S. bei einer öffentlichen Versteigerung die zu 1400 Mk. taxierte Gememdefagd für 1630 Mk. als letzter Höchstbietender gesteigert unb den Zuschlag erhalten, wobei allerbings der übliche Vorbehalt des Gemeinderates ausbedungen war. Unmittelbar nach Schluß der Versteigerung erklärten nun der Bürgermeister unb ein Landwirt, welche ebenfalls der Versteigerung beigewohnt und mitgeboten hatten, daß sie bereit wären, 1800 Mk. zu geben, wenn eine nochmalige Versteigerung staltsinde. Ter Gemeinderat verweigerte den Zuschlag, da er seine Absicht nachweisen konnte, die Jagd eigentlich nicht unter 2000 Mk. abzugeben. Eine Beschwerde bet dem Kreisausschuß, die S. einreichte, wurde abgewieseit, da man dem Gemeinderat das Verweigerungsrecht nicht bestreiten könne, wenn er Gelegenheit habe, mehr zu lösen, wenn auch durch das erste Gebot die Taxation der Oberförsterei überschritten worden sei. Diese Entscheidung hob nun der Provinzialausschuß, der der Gemeinde das Recht der Verweigerung nicht bestreiten will, auf, da er mit Recht auf die Möglichkeit hinweist, daß die beiden Nachbieter schon während der Versteigerung, in der sie doch anwesend waren, ein höheres Gebot machten. Professor S. erhielt die Jagd und übte sie bis heute aus. Nun hat aber auf weiteren Rekurs das Ministerium des Innern als dritte und letzte Instanz auch diese Entscheidung wieder aufgehoben und das Recht der Gemeinde Lengfeld i. O. anerkannt, wenn möglich sich aus der Jagdverpachtung einen höheren Ertrag zu sichern, da dies im Interesse der Gemeindemitglieder liege. Nicht in Betracht komme hierbei, daß die Taxation der Oberförsterei bedeutend überschritten worden fei, sowie daß die beiden Nachbieter in der Versteigerung anwesend waren und sofort hätten höher bieten können, sodaß auch Prof. S. hätte nach- bieten können. Ebenso sei die Behauptung nicht von Belang, daß der Gemeinderat die Jagd nicht nur an Einheimische abgeben wolle. Es wird nun eine neue Versteigerung stattfinden, welche mit einem Angebot von 2005 Mk. beginnt, da sich die beiden Lengfelder Nachbieter bereit erklärt haben, mindestens dieseit Betrag für die Jagd zu geben.
Offenbach, 30. Mai. Ter Anarchist Adam Sänger befindet sich noch int Gerichtsgefängnis. Wenn sich bewahrheitet, was ein hiesiges Blatt meldet, daß Sänger den Leuten Salzsäure ins Glas gegossen habe, so hätte man es eher mit einem Narren, als mit einem Verbrecher zu tun. Das „Offenb. Abendblatt" sagt, Sänger sei ein sog. „versoffenes Genie". Alles, was er verdiente, jagte er durch die Gurgel. Er gab sich wohl als Anarchist aus, und renommierte mit anarchistischen Redensarten, in Wirklichkeit ist er wegen Trunkenheit seit einiger Zeit mit keinem Amte betraut worden. Er war bis Ende Januar, % Jahr lang, in einem Geschäft im Großen Bierarund, sodann bei einem Meister in der Sprendlinger Landstraße in Arbeit. Alle, die ihn kennen, schildern ihn als einen durch den Trunk heruntergekommenen Menschen, der zu ernster Arbeit nicht mehr fähig war. Er steht im Alter von 28 Jahren, lieber die „Scheinb 0 mbe" wird dem sozial- deinokratischen Blatte berichtet, daß sie zu — Fastnacht von Zechkumpanen des Sänger in einer Wirtschaft angefertigt wurde. Die anderen machten sich über den „Angerauchten" lustig und forderten ihn auf, das „Bombenattentat" aus- rusühren. Sänger legte dann die „Bombe" auf das Gesims des Polizeireviers in der Ludwigstraße. Es handelte sich darnach gar nicht um eine Schein- ober Probebornbe, sondern um einen Fafrnachtsulk.
Mainz, 30. Mai. Die Verhandlungen des Vcrbands- 1ages der Eis enw arcnhändler, verbunden mit einer rerch ^beschickten Ausstellung, haben heule begonnen.
Frankfurt, 3u. Mar. ,'oemc murue in Rödelheim die 7 1 jähr. Witwe Thier. Nicke und ihre 38jähr. Tochter Elisabeth vergiftet aufgefnuden. Beide wurden nach dem El'.sabethenlranlenhaus geschafft, wo sie hoffnungslos darniederliegen, lieber das traurige Ereignis werden folgende Einzelheiten gemeldet: Als vor etwa 15 Jahren der Mann, ein Maufruann, starb, gingen die Verhältnisse der Familie zurück. So enrftanb der Plan, einem Leben voll Kummer und Entbehrungen zu entfliehen. Gestern abend oder nachts nahmen Mutter und Tochter Morphium und schliefen in ihren Betten ein, um nicht mehr zu erwachen. Aber die Nachbarn hatten Verdacht geschöpft, als sie die beiden Frauen heute morgen nicht faßen. Sie öffneten die Wohnung und fanben die leblosen Körper vor. Schnell wurde ein Arzt aus der Nachbarschaft,
Dr. Wilhelm, geholt, der sofort die Art der Vergiftung erkannte, obwohl nichts mehr von dem Gift borgefunben wurde. Lange waren die Wiederbelebungsversuche vergebens. Endlich nach langem Mühen regten sich wieder leise Ätembewegungen und das Herz begann wieder zu schlagen. Die Kranken wurden hierauf in das Bockenheimer Elisabeth enkrankenhaus übergeführt. Das Befinden der Mutter hat sich etwas gebessert, sodaß nicht jede Hoffnung ausgeschlossen ist; für die Tochter ist kaum eine Rettung möglich. — Von den verschiedentlichen in letzter Zeit in unserem Zoolog. Garten neu eingetroffenen Tieren sind drei Pinselschwanzkänguruh, die in einem Gehege am Jnsekten- haus untergebracht sind, besonders hervorzuheben. Diese Bewohner der felsigen Berglande Australiens, die durch lebhafte, entsprechende Färbung auf fallen, können im Reiche der Känguruhs die bedeutendste Sprungfähigkeit aufweisen; 2—3 Meter hohe Wände ohne jeden Anlauf zu überspringen, ist ihnen ein Leichtes. Erfreulicherweise wurde der Tier- beständ auch durch Zuchtresultate ergänzt. Auf der Stelzvogelwiese, deren Bestand um weitere vier Jungfern- Kraniche vermehrt wurde, sind schwarze Schwäne, Fischreiher und Störche den Eiern entschlüpft und tummeln sich mit ihren Müttern munter umher. Ferner sind von verschiedenen Känguruharten, von den Zebus und oen Steinbock- Bastarden Nachzuchten zu verzeichnen. Ein besonderer Liebling des Publikums ist der kleine acht Wochen alte Silberlöwe, eine Waise, die von einer Hauskatze genährt wurde und nun mit einem ihrer Milchbrüder, einem reizenden etwa gleichalten Kätzchen, zusammen im Anbau des Raubtierhauses untergebracht ist. Im Reptilienhause langte eine größere Sendung der interessanten Chamäleonen an.
0 Krofdorf, 30. Mai. In einer hiesigen Schulklasse mußte bis auf weiteres der Unterricht ausgesetzt werden, da ein Kind des Lehrers an Dip htherie erkrankt ist.
„a". Staiger, 30. Mai. Unser freundliches Dillstädtchen, vor allem das altehrwürdige, reich restaurierte Kirchlein, trugen su Ehren der am Dienstag hier tagenden Hauptversammlung her Gustav-Adolf-Stiftung reiches Festgewand. Im Hotel „Stiehl" trat man zusammen unter dem Vorsitz des General- suverintendenten D. Maurer aus Wiesbaden. An Unterstützungsgeldern standen dem Verein aus Haussammlungen 20 568.20 Mk. und an Kirchensammlungen 2633 Mk. zur Verfügung. Von dieser Summe erhält der Zentralvorstand laut Bestimmung Vs oder 8300 Mk. An die 22 Diasporagemeinden des Bezirks kommen zur Verteilung 12 000 Mk. An auswärtige Diasporagemeinden wurden 3350 Mk. und an Liebesgaben 550 Mk. bewilligt. Die nächste Bezirksversammlung wird 1908 in (taub, die Versammlung des Hauptvereins in Jena tagen. Um 6 Uhr riefen die Glocken zum Abendgottesdienst, welchen der Mannergesangverein Liedertafel" mit dem Choral „Die Himmel rühmen" einleitete. Paswr Viemöller aus Elberfeld war als Festprediger berufen, welcher das treffliche Psalmwort „Sie ist fest gegründet auf den heiligen Bergen; der Herr liebet die Tore Zions, über alle Wohnungen Jakobs; herrliche Dinge werden in dir gepredigt, du Stadt Gottes", Ps. 87, Vers 1—3, zu Grund elag. Mit dem Kinderchor „Großer Gott, wir loben dich" fand die Feier ihr Ende.
Marburg, 30. Mai. Die Landwirte des Regierungsbezirks Kassel hielten heute im Fürstenhaus in Gegenwart des Oberpräsidenteu, des Regierungspräsidenten und des Landeshauptmanns ihre Jahresversammlung ab. Vorher fand eine Besichtigung der Sehenswürdigkeiten der Stadt und nachmittags ein Ausflug unter teilweiser Benutzung der Kreisbahn nach der Ruine Frauenberg statt. Für morgen ist eine Automobilfahrt nach Braunfels unb Nauheim in Aussicht genommen.
A Aus dem Burgwald, 30. Mai. Ein feit einigen Wochen vermißter geistesgestörter Schreinergeselle aus Oberholz- hausen wurde im Burgwald bei Roda erhängt aufgesunden.
fc Cassel, 30. Mai. Hinter dem Justizpalast ander Fulda faßte gestern ein Schutzmann, der einen Polizeihund bei sich hatte, einen Mann beim unbefugten Fischen ab. Um sich der Verhaftung zu entziehen, sprang der Mann in die Fulda und schwamm auf das jenseitige Ufer los. Aber er hatte die Rechnung ohne den Polizeihund gemacht. Dieser sprang ihm nach, faßte ihn am Kragen und apportierte ihn zum großen Gaudium des Publikums seinem Herrn, dem Schutzmanne.
Nolonialpoft.
— „Unsere K 0 l 0 ni e n." „Welt und Haus" —ein Familienblatt, das sich seit Jahren durch bewußte Betonung des nationalen Gedankens vor andern auszeichnet — bringt jetzt an den Haupt- teil angegliedert eine monatlich erscheinende illustrierte Kolonialbeilage. Tie in Heft 35 erstmalig erscheinende Beilage bringt außer der Wiedergabe einer sehr anerkennenden Zuschrift des Staatssekretärs Demburg unter „Kolonialpost" die wichtigsten Tagesereignisse aus den Kolonien, einen leitenden Aufsatz über „Erziehung zur Kolonialpolitik" von Dr. Gras Pfeil, die Porträts: Ternburg und feine Begleiter auf der bevorstehenden Reise nach Afrika, eine karthographifche Tarstetlimg der Wirtschaftsmöglich- feiten in Südwestairika, eine fesselnd geschriebene humoristische Skizze ans dem australischen Goldgräberleben von St. von Kotze: „Tie wilde Katze", einen Artikel über „Baumwollkultur in den Kolonien" mit interessantem Bildermaterial und zum „Sammler aus den Kolonien" vereinigt; Szenen aus dem Leben der Kolonisten, Sitten und Gebräuche der Eingeborenen, Statistisches, Gefellschastsleben, Kolonialhumor, Briefkasten u. a. m.____________
* Kleine Tageschronik. Um sich wegen einer Zurechtweisung zu rächen, versuchte die 15jährige Dienstmagd Ida Gresel in Langenhagen (Hannover) ihren Dienstherrn, den Landwirt Meinecken zu vergiften, indem fic Rattengift in die Linsensuppe schüttete, die sie ihm vorsetzte. Die Täterin, die geständig ist, wurde verhaftet.
Universitäts-Nachrichten.
— Ein „Kaiser Wilhelm-Professor". Nach dem Vorbild der Berliner Roosevelt-Professuren hat die Columbia-Universität m Newy 0 rf den Professor des bürgerlichen Rechts an der Breslauer Universität, den Geheimen Justizrat Dr. Rudolf Leonhard auf Vorschlag des preußischen Kultusministeriums für das Studienjahr 1907/08 als Dozenten an ihre rechts- und staats- wisfenschaftllehe Fakultät berufen. Geheimrat Leonhard wird den Titel „Kaiser WUHelm-Proiessor" führen. Er wird über die „sozialen Tendenzen der deutschen Gesetzgebung" lehren. Professor Leonhard zählt zu den hervorragendsten beutfchen Zioilrechtslehrern.
— Wie wir hören, ist der ordentliche Professor der Geburtshilfe und Gynäkologie und Tireklor der Frauenklimf an der Universität Marburg, Geh. Med.-Rat Dr. Friedrich A h l s e l d auf | feinen Antrag zum Herbst d. I. von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden. Hiernach sind somit gleichzeitig fünf Lehrstühle für Frauenheilkunde an reichsdeutschen Universitäten freigeworden: in Greifswald infolge Rücktritts des Proi. Dr. Ä. Marlin, Kiel (nach Geh. Med.-Rat Proi. Dr. R. Werth), München (nach Geh. Rat Prof. Dr. von Winckel), Ai a r b u r g und Heidelberg (der Direktor der Heidelberger Frauenklinik Geh. Hofrat Prof. Dr. von Rosthorn ist zum Nachfolger Ehrobaks in Wien auserjehen). Geheimrat Ahlfeld war von 1881—1883 ordeutl. Professor in Gießen (Nachfolger Kehrers). Er publizierte u. a. „Berichte und Arbeiten aus den geburtshilflich-gynakologifchen Kliniken zu Gießen und Marburg" (1883—1887).
-7 Vom 18. bis 24. Mai fand in Frankenhausen am Kyffhäuser der 24. Bundestag des A l l g c m c i n c n T e u t f ch e n Burschenbundes statt. Sämtliche Burschenschaften und Alt- herrcnverbäudc hatten Vertreter eutsaiidl, sodaß zur bet Tagung über 100 Teilnehmer aus Berlin, Cbarlottcnburg, Danzig, Darm- Iwpt, Dresden, Gießen, Greifswald, Halle, Jena, Kiel, Königs
berg, Leipzig, Marburg, München unb Tübingen erschienen waren. Tie Verhandlungen, die vertrauter Natur waren, zeigten aufs neue ein festes Zusammen stehen aller Korporationen in den entscheidenden Fragen. Präsidierende Burschenschaft ist zurzeit „Neo- germania"-Berliu. Es wurden als „renommierende Burschenschaften im Allgemeinen Tentschen Burschenbunde" neu ausgenommen „Sarouia"-Breslau und „Gothia"-Tarmstadt, sodaß der Bund jetzt insgesamt 22 Burschenschaften zählt. Am 19. wurde ein allgemeiner Ausflug nach dem Kyffhäuser-Denkmal verau- staltet, an dessen Fuß ein Kranz niedergelegt wurde.
Gericht-Hast.
Marburg, 30. Mai. Der Gutsbesitzer I. Grebe aus Niederweimar, der sich während der R e i ch s t a g s w a h l z e i t an der Agitation für den deutsch-sozialen Böhme besonders beteiligt hat, hatte sich gestern vor dem hiesigen Schöffengericht wegen Beleidigung des lib. Kandidaten Herrn v. Gerlach zu verantworten. Eingestandenermaßen hat er vor der Stichwahl in einer hiesigen Wirtschaft die Worte „erbärmlicher und großer Lump" gegen den liberalen Kandidaten gebraucht. Er räumte auch ein, die Drohung ausgestoßen zu haben, „er schlüge ihn, daß ihm die rote Suppe heruuterliefe." Das Schöffengericht verurteilte Grebe, indem es ihm die Wahlhitze als strafmildernd anrechnete, zu einer Geldstrafe von 25 Mk., hilssweise 5 Tagen Gefängnis und erkannte auf Publikationsbesugnis. (H. L.)
Leipzig, 30. Mai. Die Revision des Staatsanwalts und des Nebenklägers gegen ,t>ie Freisprechung des Frankfurter Redakteurs Ziel 0 wsky von der fozialdem. Frankfurter Volks- st i m m e wurde vorn Reichsgericht verworfen.
M ü n ch en, 30. Mai. Im Prozesse aegen . die Wärterin BabetteSeiler, die sich wegen fahrlässiger Tötung und Verwahrlosung von Kindern im Perlacher Erholungsheim zu verantworten hatte, lautet das Urteil auf sechs Monate Gefängnis, vier Wochen Haft und 70 Mk. Geldstrafe.
ArbesterbewegUNS.
Gera, 30. Mai. Tie Aussperrung im Baugewerbe ist beendet. Die Arbeitgeber nahmen die höheren Lohnforderungen an.
San Francisco, 30. Mai. Der Streik der Eisen - bahn ar beiter artet zu einem geiähr'ichen Bürgerkrieg aus. Tie Streikenden und die nicht organisierten Sh-beiter, die an die Stellen der Streikenden geruckt sind, bekriegen sich nut Feuerwaffen, so daß die öffentliche Sicherheit bedroht ist. Eine Art Schreckensherrschaft ist ausgebrochen. Tie unbeteiligte Bevölkerung ist schutzlos, denn die Polizei konzentriert ihre Arbeit darauf, Ordnung unter den feindlichen Arbeitern zu halten. Ter Gouverneur droht mit der Mobilisierung der Miliz. Alle Geschäfts- läden sind geschlossen. Ter Preis der Lebensmittel ist enorm gestiegen. Der Streik dehnt sich auf Brauereien, Wäschereien und Straßenbahnen aus. Die Angestellten der Straßenbahn erklären, sie wollen die Bevölkerung mit Gewalt davon abhalten, bie Tramwaywagen überhaupt zu besteigen._______________________
Landwirtschaft.
— Entgegen irrtümlichen Auffassungen, die durch das letzthin erfolgte Steigen der Getreidepreise entstanden sind, bemerkt die Korrespondenz der Landwirtschaftskammer für das Großherzogtum Hessen, das; die hiesige Landwirtschaft aus dieser Preissteigerung keinen Nutzen ziehen kann, da die Getreidebestände aus der Ernte 1906 bereits vollständig verkauft sind. Tie Landwirte verkaiifen ihre Getreide meist schon im Herbst oder bis Weihnachten, sodaß sich nach Januar fast nie größere Bestände mehr vorfinden. Erfahruiigsgemäß sinken aber die Getreideprelse im Herbst und Winter, also gerade zu der Zeit, wo der Landwirt zum Verkauf gezwungen ist.
Gsserrvahn-^strrng.
— Das Rauchverbot für die Sveise wagen ivird nach einem Erlasse des Ministers Breitenbach am 1. Juli in Kraft treten. ______________________________
Müller'schc Badeanstalt.
Wasferwärme am 31. Mai: 15 0 K.
Mrehttche Nachrichten».
Evangelische Gemeinde.
Sonntag den 2. Juni, 1. Sonntag nach Trinitatis: KottesdlenO.
In der Stadtkirche.
Vormittags 8 Uhr: Pfarrer v. S ch l 0 s s e r. Zugleich Christenlehre für ine Matthausgemeinbe.
Vormittags 9% Uhr: Pfarrer Schwabe.
Vormittags 11 Uhr: Kinberkirche für bic Markusgemeinbe.
Pfarrer S'ch wade.
In der Johanneskirchc.
Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Ausselb. Zugleich Christenlehre für die Neukonsirmierlen aus der I 0 h a n n e s g e m e i n d e.
Vorniittags 91/, Uhr: Professor D. Drews.
Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde.
Pfarrer Eule r.
Teiefonische Kursberichte
des Giessener Anzeigers, mitge und Indusli
Frankfurter Büre 3>£e/o Reichsanleihe . 93.60
3% do. . . 83.60 315% Konsols .... 93.65 3% do.....83.60
3*^°/0 Hessen . . . —.—
3>$°/0 Oberhessen . . . 94.00 1 % Üesterr. Goldrente. . 99.10 4‘/5% Oesterr. Silberrente 99.25 4% Ungar. Goldrente . . 93.65 496 Italien. Rente . . . 103.25 396 Portugiesen Serie I . 67.70 3% Portugiesen „ III 68.50 russ.Staatsanl. 1905 90.75 4>4“o japau. Staatsanleihe 92.95 196 Conv. Türken von 1UU3 93.60 Türkenlose ... . . 140.80
196 Griech. ilouopol-Aul. 49.50
4 96 äussere Argentinier 84.50
d°/0 Mexikaner . . . 64 50
4>iu/0 Chinesen .... 96.70
A li 14* ui •
Bochum Guss 225.3b
Buderus E. W . . —.—
Tendenz: behauptet.
Berliner Börse, 3
Canada E. B......166.50
Darmstädter Bank . . . —.— Deutsche Bank .... 223.20 Dortmunder-Union C. . . 75.50 Dresdner Bank . . . 140,40
Tendenz: behauptet.
teilt von der Bank für Handel ie, Giessen.
e. 31. Mai. 1.15 Uhr.
Elektriz. Lahmeyer . . . 122,70
Elektriz. Schlickert . . . 109 00 Eschweiler Bergwerk . . 222.60 Gelsenkirchen Bergwerk . 195.00 Hamburg-Amerik. Paket?. 130.40 Harpener Bergwerk. . . 207.00 Lanrahütte......—.—
Nordd. Lloyd .... 118.40 Obeischles. Eisen-Iudustrie 108.50 Berliner Handelsges . . 150.75
Darmstädter Bank 130.10 Deutsche Bank . . . 223.10
Deutsch-Asiat Bank . . 154.85 Diskonto-Kommaudit. . . 169 30 Dresdner Bank . . . 140.30 Kreditaktien..... 206.80
Baltimore- und Ohio-
Eisenlahn . . . 93.66
Gotthard bahn . . . __
Lomoaru. Eisenbahn . . 22.50 Uesterr. Staatsmann . . , 145,00 Vrince-Henn-Eisenbahn . 135.50
1. Mai. Anfangskurse.
Harpener Bergwerk. . . 206.70 Lanrahütte .... —.—
i.ombarden E. B. ... 22.20
Nordd. Lloyd.....117.40
lurkenlose . ... —.—
Ich möchte nicht im Schlarnffenlund sein,
denn wie gut die Leute es dort haben — was sangen sie denn an, wenn sie erkältet sind? Fays ächte Sodener Rttneral'Pailillcn haben sie dort doch nicht und ich kann mir nicht denken, wie man Erkältungen der Luftwege, Affektlonen der Rachenschleimhäute, .Heiserkeit und Husien oeauem und schnell los werden will, wenn man ferne Fays achte Sodener bat. — Dieselben Losten nur 85 Pfg. pe Schachtel unb sind überall zu haben. [hv*
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