Ausgabe 
29.10.1907 Erstes Blatt
 
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»iwückzusschren, daß der König von SachseÜ sich zu der vdn'Frau Toselli gestellten Bedingung, ihre anderen fünf Kinder a\V fÄHd) wicderzusehen, durchaus ablehnend verhält. Was der ßfräfin Montignoso zugestanden wurde, Laim der nunmehrigen -r-rau Toselli nicht mehr gewährt werden. An diesem Disserenz- Nimkte könnten die Verhandlungen, die neuerdings zwischen ben Mjarteicn durch juristische Vertreter gefül>r1 werden, leicht - zum Scheitern kommen, da Frau Toselli so vorsichtig ist, auf diesem Wunsche zu beharren, um nicht alle Brücken hinter sich abzu- Lrechcn. Das Ehepaar Toselli soll mit der Prinessin Pia Mo- Tlica in München am Sonntag eingetroffen sein, in einem Tleincn Hotel übernachtet und am Morgen weiter gefahren sein. qnt 5'1X11^1'11611(1) deö Hotels fand sich der Eintrag Luise Stolz mit Wirr und Bedienung aus Florenz. Wie in Salzburg ge­rüchtweise verlautet, wird der Erzherzog Heinrich Fer­dinand von Toscana dem Beispiel seines Bruders Leo- rold Wölfling folgen und auf seine Würde verzichten.

Ans 9t a tt c y wird gemeldet: Der Kommandeur der Kavalleriebrigade des 20. Armeekorps, Mutier, wurde auf offener Straße von einem Geschäftsreisenden namens Babier mit S to ck s ch l ä g cn üb er fa l l e n. Der General nahm seinen allem Anschein nach an Verfolgungswahnsum leidenden .Angreifer fest *unt> führte ihn nach dem Polizeiamt.

Schreckensszenen, die sich am Sonntag in dem slo­wenischen Dorfe Czernowa bei der Kirchweih ereignet haben, l-aben 18 Tote gefordert. Sechs Personen ringen noch mit dem Tode. Unter den Getöteten befinden sich fünf Frauen und ein 18 jähriges Mädchen. Die Angelegenheit wird von den natio­nalistischen Abgeordneten im ungar. Parlament in Form einer dringenden Interpellation zur Sprache gebracht werden.

In New York wurde der Bankier Frederic Mirtt, ein vielfacher Millionär italienisck)er Abkunft, meuchlings erdolcht. Der Aeörder wurde von der Menge der Polizei übergeben. Er beißt'Frank Amenlow und gibt an, er habe im Auftrage einer in Aewyork ihr Unwesen treibenden italienischen Verbrecherbandc gehandelt.

Arbeitervewegttns.

Leipzig, 26. Okt. In der bekannten Pianos orte- Fabrik Julius Blüthner in Leipzig haben 600 Ar­beiter die Arbeit wegen Lohndifferenzen nicdergelegt. Die Arbeiter hatten eine 7i/2prozentige Lohnerhöhung und eine 53 stündige Arbeitszeit pro Woche gefordert. Die Firma wollte nur 5 Prozent Erhöhung bewilligen

GerichtsHEL.

sd. Darmstadt, 28. Okt. Die zum zweiten Mal ausgesetzte Verhandlung des Kriegsgerichtes gegen den Gardisten G. Fischer von hier in der 9. Komp. des Jnf.-9tegts. Nr. 115 wegen Körper- verletzung und Mißbrauch der Waffe wurde heute vormittag durch einen am Tatort abgehaltenen A u g c n s ch e i n t e r m i n in der Sackgasse, der einen großen Menschenauflauf verursacht hatte, fort­gesetzt. Am Abend des 11. August war nach einem Streit zwischen Soldaten und Zivilisten in der Rundeturmstraße, einem an der Sache vollständig unbeteiligten Artilleristen Mütze und Säbel abgeiwmmen und nach dem Hause Sackgasse 3 verschleppt. Der Mann wurde dann an die Hausttire gelockt und dort mit einem Säbelhieb, der von der'halb geöffneten Haustüxe aus geführt wurde, schwer verwundet, sodaß er drei Wochen krank war. In dem fraglichen Hause wohnte der Gardist Fischer mit seinen Eltern, Geschwistern und seinem, inzwischen in einem Streitjnit anderen Rowoies erstochenen Bruder. Sofort nach dem Schlag wurde der Angeklagte als derjenige erkannt, der mit dem Säbel zugc- tyineu hatte. Der Verletzte behauptet mit Bestimmtheit, daß einer mit weißen Hosen ihn gehauen hat und diese weißen Hosen bilden das Hauptbeweismittel, da nach der eigenen Aussage des entschieden leugnenden Angeklagten sonst niemand weiße Hosen anhatte. Da die Zeugenaussagen sich widersprechen und besonders ein Zeuge die Tat dem verstorbenen Fischer in die Schuhe schieben will. In­folgedessen fand nochmals die Ortsbesichtigung mit anschließender Verhandlung statt, infolge deren der Angeklagte zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt wird, da der Gerichtshof sich von der Schuld des F. sich vollständig überzeugt hat. Er will die Strafe nicht annehmen.

Berlin, 29. Okt. 3in Beisein des neuen Stadtkomman­danten von Berlin, General von Böhn, und hinter verschlossenLN Türen wurde gestern vor dem Kriegsgericht der 1. Garde- Division gegen einen Unteroffizier von der zweiten Kvm- ipagnie des vierten Garde-Regiments und einem Grenadier von der 7. Kompagnie des gleichen Regiments verhandelt. Beide waren angellagt, Verfehlungen begangen zu haben, die unter 8 17 5 fallen. Nach längerer Verhandlung wurde der Unter­offizier zu 10 Ntonaten Gefängnis und Degradation verurteilt, während der Grenadier mit einem Tage Gefängnis davonkäm.

Attiverfttc»ts-riaUrr?chSe«r.

Darmstadt, 28. Okt. Die Diplom Vorprüfungen cn der hiesigen Technischen Hochschule haben am Donnerstag ihren Abschluß gefunden. Das Ergebnis der Prüfung wurde Samstag abend nach Sitzung der Diplomprüfungslommission durch den Vorsitzenden Geh. Hofrat Professor Dr. Schering in der Aula der Hochschule den Kandidaten bekannt gegeben. Laut des Tagt. Anz." haben von 187 Prüflingen 115 die Prüfung be- slandcn, und zwar Architekten: 8 gut bestanden, 12 bestanden; Ingenieure: 2 mit Auszeichnung bestanden, 6 gut bestanden, 20 bestanden; Maschinenbauer: 3 mit Auszeichnung bestanden, 8 gut bestanden, 25 bestanden; Etektrotechniker: 5 gut bestanden, 13 be­standen ; Chemiker: 1 mit Auszeichnung bestanden, 2 gut be­standen, 9 bestanden; Elektrochemiker: 1 bestanden.

Kandel.

Berlin, 29. Okt. (Tcl.) Der Reichsbankdiskon t! wurde um 1% erhöht und beträgt jetzt 6l/20/0. Der Lom-! bardzinsfuß beträgt 7/20/0.

RB Darmstadt, 28. Okt. Die hessische Landes­hypothekenbank wählte in ihrer heute vormittag abge- hattenen Generalversammlung an Stelle des verstorbenen Aussichtsratsvorsitzenden Otto Wolsskehl den Geh. Ober- finanzrat Dr. Notz de zum Mitglied des Aussichtsrats.

Wien, 28. Okt. In der heutigen Sitzung des Verwal­tungsrats der österreichischen Länder bank wurde laut Be­richt der Direktion konstattert, daß die Leitung der Londoner Filiale eine Reihe schwerer Verfehlungen durch ihr Eingehen großer spekulattver Engagements, namentlich in amerik. Werten, die dann auf die Bank abgewälzt wurden, hat zu Schulden kommen lassen. Durch die amerikanische sinanziekle Krise hat sich ans diesem Effektenbesitz bei einem heutigen Kurse von 4 Mill. Kronen ein Verlust von 4ys Mill. Kronen auf der Basis der Kurse viom 26. Oktober ergeben. Man ertoartete angesichts der wiederkehrenden Beruhigung auf dem amerikan. Cstcilenmartte eine Verminderung dieser Verlustziffer, da fast ausschließlich beftfundierte amerikanische Papiere in Betracht kom­men. Die aus dem regulären Geschäfte eventl. erwachsenden Verluste dürften 500 000 Kronen kaum übersteigen, und sind du- ' vorhandene Reserven gedeckt. Schließlich wird betont, daß die obigen Verluste durch die Mehrerträgnisse des laufenden Jahres eine wesentliche Herabminderung erfahren werden.

Vankkrisis in Amerika. Nach den neuesten Mel­dungen hat es sich uun nicht mehr umgehen lassen: die Barzahlungen sind bei den Banken eingestellt und es werten Elearinghouse-Certiftkate ausgegebeU. Um den fortdauernden De- posi tenab Hebungen zu begegnen war nur noch dieser Weg offen, da auch das Schatzamt» am Ende seiner Mittel ist. , Gestern ermahnten in den Newyorker Kirchen die Geistlichen in ihren Predigten, es Möchten die Gemeinden nicht zur Panik beitragen, sondern ihr Möglichstes tun, die Lage ruhiger zu gestalten. Vie Banken sind allgemein entschlvssen, Bargeld nur für Lohnzah­lungen, sowie für ähnliche dringende Bedürfinffe herzugeben, -vekch letztere wiederum prüfen, welcher Zweck mit den .Ab-

Hebungen verfolgt wird. T^erartige Zustande waren seit dem Jahre 1893 nicht mehr da. Auch damals herrschte eine finan­zielle Krisis, hauptsächlich Hervorgernfen durch die Währungs­experimente der Sherman und Genossen.

Z lu r D i s k o n t o p o l i t i k. Die am Samstag an allen Börsenplätzen gehegten Befürchtungen, daß die Bank von Eng­land und die deutsche, Reichsbank den Diskont in die Höhe setzen würden, haben sich nicht erfüllt. Doch wird gemeldet, daß die Reichö'oank-Ansprüche nach wie vor recht bedeutend und die Frage einer Tiskonterhöhnng unmittelbar vor der Ent­scheidung steht. Sollte die Bant von England erhöhen, so folgt die Reichsbank sofort. Aber auch sonst kann eine Erhöhung, besonders wegen der hohen Devisenkurse, obgleich noch keine Geldansprüche an die Bank gestellt wurden, baldigst kommen. Die Entscheidung der Frage ob die Erhöhung um 1/2 Proz. oder gleich um 1 Proz. vorgenommen werden soll, wird dem Zentral­ausschuß überlassen werden.

Börsensteuer. An Börsensteuern wurden vereinnahmt an Schlußscheinen im September 1349 148 Mk. gegen 3 084 989 Mark im Vorjahre. Die ersten 6 Monate des EtatsjahreS er­brachten für Schlußscheine 4 893 348 Mk. gegen 8 931338 Mk. im Vorjahre, Effektenstempel 15 165 622 Mk. gegen 16 606 755 Mark im Vorjahre. Tie Arbitrage-Rückvergütung betrug bis Ende September d. Js. 99 363 Mk.

srtjdjafs,

Friedberg, 28. Olt. Prämiierung von Pfer­den und Fohlen der Arbeits- und Wagenschläge am 22. Okt. 1. Arbeitsschlag, a) Stuten nachweisbar in 1907 gedeckt: K. Häußer in Nieder-Weisel und W. §. Schäfer in Reichelsheim, je einen 1. Preis mit 40 Mk.; L. Halm in Nieder-Weisel und O. Stoll in Heuchelheim, je einen 2. Pr. mit 30 Mk.; Fr. Groß in Reichelsheim, Ehr. Häußer Wwe., I. Reuter und I. Klippel, alle drei in Meder-Weisel, ferner H. Weber in Utphe, je einen 3. Preis mit 20 Mk.; b) drei­jährige Fohlen: W. H. Schäfer in Reichelsheim und Kl Pjannstiel in Dauernheim, je einen 2. Preis mit 20 Mk.; c) zweijährige Fohlen: O. Stoll in Heuchelheim einen 1. Preis mit 30 Mk., H. Brückmann a. d. Nonnenhof einen 2. Preis mit 20 Mk. 2. Wagenschlag, a) Stuten nachweis­bar in 1907 gedeckt: L. Christ in Griedel und Fr. Wetz in Münzenberg, je einen 1. Preis mit 40 Mk.; L. Müller in Langenhain einen 2. Preis mit 30 Mk.; K. Dilges in Fauerbach v. b. H., K. Volp in 9tieder-Weisel und K. Weitz in Dorf-Güll, je einen 3. Preis mit 20 Mk.; b) dreijährige Fohlen: H. Ph. Holl in Rodheim v. d. und H. Hensel in Okarben, je einen 1. Preis mit 30 Mk.; K. Schreff in Bruchenbrücken einen 2. Preis mit 20 Mk.; c) zweijährige Fohlen: H. Jacobi in Rodheim v. d. H. einen 1. Pr. mit 30 Mk.; K. Becker in Muschenheim, K. Weitz in Torf-Güll und I. Müller in Langenhain, je einen 2. Pr. mit 20 Mk.

§ A u s dem Kreise Büdingen, 26. Oktober. Während unsere Landwirte mit ihrer diesjährigen Ernte so W zufrieden sein können, haben die Imker berechtigte Ursache zu Hagen. Schon das Jahr 1907 brachte nur geringen Honiggewinn, 1908 aber steht in dieser Hinsicht wohl einzig da. Die ättesten Bienen­züchter wissen sich nicht zu erinnern, jemals in ihrem Leben von ihren Bienen so geringen Ertrag gehabt zu haben. Mit diefein geringen Honigertrag hängt wohl auch die Tatsache zusammen, daß schwärme namentlich Nachschwänne schon anfangs Sep­tember das Bmtgeschäst vollständig eingestellt haben, so daß man sie für weisellos an sehen konnte. Mancher Imker, der seine Völker nicht täglich im Auge behielt, hatte daher schon im Nachsommer den Verlust von SckZvärmen zu beHagen. Unseren Landwirten fehlt im Herbste gar oft die zur Pflege der Bienen nötige Zeit, weil die verschiedenen Feldarbeiten zu sehr drangen. Die Bienenvölker werden sich selbst liberlassen, und wenn dann Witternngs- und TrachtverhÜttiisse ungünstige sind, dann nagen sie am Hungertuche. Noch in den letzten Tagen konnte mans erleben, daß auf solchen Stünden Völker eingingen, weil es ihnen am nötigen Futter fehlte. Die Ursache, zu diesen geringen Honigerträgnissen ist wohl in erster Linie in den abnornnm Witterungsverhältnissen des vergangenen Sommers zu suchen. Aber auch die Feldbereinigiing sowie der rationelle betrieb der Forst- 111 nb Landwirtschaft bedingen es, daß die Bienenzuckst immer weniger rentabel wird. Hecken, Raine und Oedungen mit ihren Bienennährpflanzen verschwinden im Felde, anstelle von Raps und Weißklee werden vielfach Kartoffeln und Zucker­rüben geflanzt, l>onigeitbe Unkräuter werden in den Kulturftäcksten nicht mehr geduldet. Daher trägt sich in unserer Gegend mancher Imker mit dem Gedanken, im kommenden Frühjahre die Zahl seiner Völker zu verringern, wenn ihn nicht schon der Winter dieser Muhe entbebt.

u/tu' ttc.

fc. Frankfurt a. M., 29. Okt. Heu- und Stroh- markt. (Org.-Tel. d. Gieß. Anz.) Angefahren waren 14 Wagen Heu, 5 Wagen Stroh. Bezahlt wurde für Heu Mk. 3.30 vio Alk. 3.70, für Stroh Alk. 2.50 bis Mk. 2.60. Geschäft ausverkausl.

Metzen, 29. Okt. Ai art l bericht. Auf tzeuügein Wockienmattte kosteten: Butter pr. Pid. 1.101.25 Mk., Hühnereier 1 St. 89 Bfg., 2 Stck. 0000 Pfg., Ganstcicr 1000 Pfg., Enteneier 8 Pfg., Käse pr. Stck. 68 Pf., Käsematte 2 Stck. 5-6 Pfg., Erbsen p.Pid. 18-24Psg, Linsenp.Psd.25-40Psg., Tauben pr.Pr.0,80-1,00Att.,Huhnerpr.St. 1,001,60 Mk., Hähne pr. Stiick 0,801,80 Mk., Enten pr. Stück 1,802,20 Mk., Gänse pr. Psd. 6570 Psg., Lchsensleisch pr. Psd. 8288 Psg., Kiih. und Rindfleisch pr. Psiind 8082 Psg., Schweine­fleisch pr. Pfund 7084 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Psd. 88 Psg., Kalbfleisch pr. Psd. 7080 Psg., panunelfleisch pr. Pid. 6184 Psg. Welsche per Pfund. Kartoffeln pr. 1005tg. 5.005.50 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 5,006,00 Milch per Liter 20 Pfg., Niisse 100 Stück 4000 Psg., per Ztr. 000, M., Weiß- kraut per Stück 1015 Psg., per Zentner Mk. 1.502.00. Zwischen per Ztr. 0.000 Mk. Aepsel per Ztr. 1025 Mk. Birnen per Ztr. 1025 Alk. Marktzeit von 82 Nhr.

Is.O. Fransurt a. M., 27. Okt. Aus dein Kartoflfel- markt am Main wurde gestern für das Malter 5.30 5.50 Mk. bezahlt. -

LLnutzt rind

Die erste tatsächliche llÜbertragung von Photo- graphien auf te le g rap his chem Wege Hal gestern (Mon­tag) unter Leitung von Professor Korn und Dr. Giatzel aus der Linie Paris-Berlin ftattgefunten. Bon Paris wurte das Büd des deutschen Kaisers drahtlich nach Berlin übertragen, von Berlui das des Präsidenten Fallüres. Die Verinck)e warwi durchaus erfolgreich, da beite Bilder mit größter Klarheit.übermittelt wur- ten In den nächsten Tagen werden die Versuche fortgesetzt werockn. An sie sollen sich weitere Versi'.che zwischen Berlin und London anschließen. c 6 r , ,,

Tie Chloroform- und AetHernarkose sucht man in neuester Zeit durch zwei Verfahren zu ersetz en bezw. zu erleichtern. 9Nan spritzt einerseits 111 den Rückenmarktaual unempfindlich machende Lösungen ein, durch eie bte gejaulten von der betreffenden Stelle mit Nerven ver,orgten Teile des Körpers unempfindlich werden. Anderseits hat man in dem Skopolamin mit oder ohne Verbindung mit denr Morphium ein Mittel gefunden, das in einen Dämmerzustand versetzt, m dem' man manche Operationen, so gerade auch die erwähnte, von Prof. Bier eingesührteLumbalanästhesie", schmerzlos aus­führen kann. Die Verbindung dieser beiden Methoden wird in einer Arbeit aus der Universitätsfrauenkliuik in Freiburg alsdie z u r Z e i t hn m an st c 9Lart 0 s e" bezeichnet. Es sind dort 365 Operationen in solcher Narkose gemacht worden. Außerdem sind 1000 Geburten unter Morphium-Siopolamm- Dämmerschlaf beobachtet worden. Dieser wird mit minimalen Mengen des letzteren Mittels (drei Zehntel eines Tausendstel

Gramüts) und ein Hundertstel Gramm Morphium eingeleitet) Die Verbindung der beiden Methoden, zuerst Dämmerschlaf, dann Rückenmarlsanästhesie, ist so zuverlässig dort ausgestaltet worden, daß alle Operationen der Chirurgie des Unterleibes! und der Gynäkologie mit ihr ausgesührt werden. Bei Geburten anderseits scheint in dem Dämmerschlaf ein Mittel gefunden worden zu sein, das, freilich unter der Voraussetzung der sorgfältigsten Beobachtung der einzelnen Wöchnerin und der genauen Kenntnis aller zu berücksichtigenden Vorsichtsmaßregeln, ohne Gefährdungl ter Mutter oder des Kindes und ohne schlimme Nachwirkung die bisherigen Narkosen umgehen läßt. Eine all­gemeine Anwendung in der täglichen Praxis normaler Geburten wird von den beiden Assistenten der Klinik Krönigs Gauß und Preller in derMünchener Medizinischen Wochenschrift", wo sie ihre guten Erfahrungen emgehendst darlegen, nicht befürtoortet. Aber da, wo eine Narkose not tut, ferner in gut' geleiteten Kliniken sei mit der neuen Methode ein Fortschritt zu erzielen; denn die Einwände, die erhoben svorden sind, sind nach den hier angeführten Erfahrungen teils auf un­genügende Technik, teils auf zu große Dosen des Skopolamins 3unickz 11 siihren,~Jjnuermeibbarc Ujiißände.

Gießener Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung für Hessen am Mittwoch den 30. Oktober: Meist heiter und trocken. Kühl. Schivache füdliche Wilide.

rUen-Anch rechten.

Gest 0 rben : Frau Wttwe Cchenner m Bruchenbrücken ; Frau Elisabcih Curth in Wlardurg; Fran Slnua Wiargarele Schneiderin Ostheim; Herr Heinrich Bender in Gambacb; Herr Konrad Reiii- hardl m Wetzlar; Herr Hermann Becker in Wetzlar.

Vel 0 b 1 e: Fräulein Elife Jiing nut Herni Johannes Jung in Angenrod.

§pii?lplaK der vrrrinrgten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus.

Dienstag den 29. Oktober"):Die rote Gred". Mittwoch den 30. Oktober, abends halb 8 Uhr:Die lustige Wittve." Donnerstag den 31. Oktober: Gastspiel von^E. C ariiso:Aida." Freitag deii 1. November geschlossen. Samsiag den 2. Novernber: Gastspiel von C. Caruso: ZRigoletto." Sonntag den 3. November, nachmittags halb 4 Uhr:Der Trompeter von Säkkingen.^ Abends 7 Uhr:Die rote Grcd." Moiitag den 4. November, abends, halb 8 Uhr:Die lustige Witwe."

Schauspielhaus.

Dienstag den 29. Oktober *):Salome." Hieraus:Johcmms- icuer." 'Mittwoch den 30. Oktober:Ein Blitzmädel." Donnerstag den 31. Oktober:Götz von Berlichingen." Freitag den 1. Novbr.: Die Rabensleinerin." Samstag den 2. November:Außerhalb der Gesellschait". Hieraus:Liebe." Sonntag den 3. November, nachmittags halb 4 Uhr:Vater und Sohn." Abeiids 7 Uhr: Außerhalb der Gesellschait." Hierauf:Liebe." Montag den 4. November:Ein Wintermärcheil."

) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

GeignrQL-Dr'shtmcidsLNgeW«

Köln, 29. Oktt Dem Verdikt des Kard-inals Fischer scheint sich der Bonner Universitätsprofessor Schrörs unterwerfen zu wollen. Er hat nämlich, itrie derKöln. Ztg." gemeldet wird, den ihm von der Studentenschaft' zugedacyten F ackelzug ab gelehnt imb setzt den Be­lg inn seiner Vorlesungenaus persönlichen Gründen" vorläufig aus.

Budapest, 28. Okl. In der Ortfchaft Czernova im Liptauer Komitat wurde der katholische Geistliche Hlinka wegen panslaivistischer Umtriebe von seiner Stelle fuLpendirt und vorn Gericht verurteilt, weswegen er nach Mähren flüchtete. In der Ortschaft follte nun eine neue Kirche eingeweiht werden, ivozu der Dechant Adulik und der Pfarrer Fischer sich dorthin begaben. Die Bevölkerung wollte aber die Einweihung nur durch Hlinka vornehmen lassen, sperrte die Kirche ab und nahm die Schlüssel fort. Als die Geistlichen, begleitet von 15 Gendarmen, vor dem Dorfe eintrafen, verstellten ihnen die von Hlinka aufgehetzten Einwohner den Weg, bewarfen sie mit Steinen und schlugen mit Knütteln und Hacken zu. Die Gendarmen sahen sich schließlich genötigt, zu schießen. Elf Personen wurden getötet, zwölf schwer verletzt. Bon letzteren starben noch zwei. Aus der Nachbarschaft wurde Niilitär requiriert, das die Ortschaft besetzte und alle Ein-^ wohner festnahm. Vom Gericht ist eine strenge Untersuchung eiugeteitet worden.

Rorn, 29. Okt. Wie von gut unterrichteter Seite ew klärt wird, wird Frau Toselli ihr Kind, P i a M 0 n i c a, ausliefern. Diese wird morgen nach Tirol gebracht und dort dem sächsischen Gesandten übergeben. Die Grcrftn bleibt dadurch im Genuß der ihr vom König von Sachsew ausgesetzten Apanage.

Antwerpen, 29. Okt. Heute nacht zerstörte ein Feuer die hiesige Telephonzentrale vollständig und griff auf ein benachbartes Warenlager über. Der Telephon- verkehr wird für einige Tage unterbrochen sein.

P a r i s, 29. Okt. Die strafrechtliche Untersuchung gegen den jungen Waddington, der am Sterbebette seines Vaters, des ehemaligen Marine-Attaches an der amerikanischen Bot-' schäft, seine G e s ch w i st e r durch Revoloerschüsse getötet hatte, ist eingestellt worden, weil er vollständig unzurechnungsfähig- ist. Er wird in einer Irrenanstalt bei Paris untergebracht werden.

Paris, 29. Okt. König Alfons und Präsident ^alliöres wechselten gestern während des Diners im Elyfee herzliche Trinksprüche. Um ll1/* Uhr begaben sich die Herrschaften nach dem Jnvaliden-Bahnhof, wo die Abfahrt des Königs- paares nach Cherbourg erfolgte. Präsident Fälliges, Kabinelts- chef Clßmenceau und der Minister des Auswärtigen, Pichon verabschiedeten sich vom König. Die Ankunft in Cherbourg erfolgt heute morgen. Das Königspaar schifft sich wie bekannt, an Bord des Kriegsschiffes Nenown nach England ein. Heute abend 7 Uhr trifft das spanische KönigSpaac auf dem Victoria- Bahnhofe in London ein und fährt dann im Automobil ohne Begleitung nach dem Keniiugton-Palast. König 2llfons und Gemahlin iverben eine Woche in London verweilen unb ei|t am Sonnabend nach Schloß Sandringham abreisen. König Eduard und König Haakoii von Norwegen treffen dort am Sonntag ebenfalls ein, während ihre Gemahlinnen bereits am Freitag auf Schloß Sandringham eintreffen.

Paris, 29. Okt. Der Vorsitzende der englischen Ferri- Boat-Gefellschast der englische Deputierte Lord Widal wird im Lause dieser Woche von Clemenceau empfangen werden, um ihm den Plan der angekündigten Dampf-Fahr- Verbindung zwischen England und Frank­reich als Ersatz für das abgeleyutc Tunnel-Projekt zu um er6 reiten. Lord Widal wird auch vom Bauten Minister empfangen werden.

New York, 29. Okt. Die Finanzkrise ist wieder im Wachs en begriffen. Die Börse wurde durch Inter- ventioit von weiteren 80 Millionen Dollar ermutigt.