157. Jahrgang
Montag 28. Oktober 1907
Drittes Blatt
str. 352
Erscheint lögNch mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Giotzener ZamiNendlatter" werden dem Anzeiger* viermal wöchentlich beige/eqt, das '«rctsblatt für den Kreis Gießen" zweimal «Schenlttch. Der „kfesfijche Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Rotationsdruck und Verlag der Brühl^chen UntversttätS - Buch- und Greindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion. Expeditton und Druckerei: Schul- stratze 7, Expedition unb Verlag i 6L Redaktion:I12. Tel.-Adr^AnLeigerGiehen.
Iie <Lai)r;KanalisaLion.
H. Gießen, 26. Okt.
Wie schon kurz erwähnt wurde, hatte der Lahnkanal- verein am letzten Donnerstag abend eine Versammlung nach Limburg einberufen, die sich u. a. mit dem gegenwärtigen Stand der Lahnkanalisationsfrage befassen sollte. Die Ver- wnnnlung war auch von außerhalb besucht, u. a. in ar en vertreten die Haudelskammern Gieße u (durch Syndikus Dr. Zeidler), Limburg und Wetzlar und die Kgl. ^jjerbauinspektion Diez durch Baurat Adlosf.
Der stellv. Borsitzende des «Vereins, Landtagsabg. Kommerzienrat C a h e n s l Y - Limburg, der die Versammlung in Verhinderung des «Bereinsvorsitzenden Direktor Kayser- Äetzlar leitete, wies in seinen einleitenden Worten daraus hin, daß das preußische Abgeordnetenhaus bei der Verabschiedung der großen Kanalvorlage 1905 eine Resolution cmgeuomemn habe, in der die Kanalisation der Lahn gefordert wird, insofern die sofort vorzunehmenden Vorarbeiten die technische und finanzielle Möglichkeit ihrer Ausführbarkeit ergäben, mit der Maßgabe, sie so einzurichten, daß sie gleichzeitig mit den in der Kanalvorlage von 1905 bewilligten Wasserstraßen fertig gestellt werde. Die Regierung habe daraufhin die Wasserbauinspektion Diez 11Tit der Ausarbeitung eines entsprechenden Projekts beauj- tragt und diese habe inzwischen ein Projekt fertig gestellt and der Regierung vorgelegt. Der Lahnkanalverein habe » seinerseits dem preußischen Ministerium eine 23 Seiten 1 starke Denkschrift überreicht, in der die Lahnkanalisation 4 nach der volkswirtschaftlichen und finanziellen Seite er- "* örtert werde. Das in dieser Denkschrift niedergelegte Material sei so, daß die Aussichten für die baldige Verwirklichung der seit langen Jahren erstrebten Lahnkanalisation durchaus )< günstig seien und wohl schon in Bälde eine entsprechende Vorlage der Regierung an das preußische Abgeordnetenhaus zu erwarten sei.
Hierauf hielt der Generalsekretär R a g o e z y vom Zen- ) iralverein für Hebung der deutschen Fluß- und Kanalschiss- ! fahrt aus Berlin einen Vortrag über das Verhältnis " ber Fluß- zur Seeschiffahrt, insbes. mit Rücksicht A auf die Lahnkanalisation. Der Vortragende er- . örterte in seinen IVsstimdigen Ausführungen, die er durch ' — übrigens sehr undeutliche — graphische und schematische । Lichtbilderdarstallungen zu veranschaulichen suchte — zunächst l die allgemeine volkswirtschaftliche Bedeutung der Schiffahrt 1 und besprach dann den wachsenden Anteil Deutschlands am Weltseeverkehr, der nicht zuletzt durch die Vermehrung ? der Binnenwasserstr aßen hervorgerufen werde. Dies suchte er an einer Vergleichung des Verkehrs von Hamburg und Bremen nachzuweisen. Während der Verkehr Bremens sich nur sehr langsam entwickele, entwickele sich im Gegensatz dazu der Hamburger Verkehr sehr rasch, denn ihm stehe in der schiffbaren Elbe und ihren zahlreichen befahrbaren Nebenflüssen ein ungleich größeres Berkehrsgebiet helfend zur Seite, als Bremen mit dem viel kleineren Wesergebiet. :i Tie Hälfte von den in Hamburg eingehenden Gütern gehe j nach dem Binnenland weiter, und zwei Drittel hiervon werden auf dem Binnenwasserweg verfrachtet. Von den in Hamburg ankommenden Gütern aus dem Binnenlande g werde nur wenig in Hamburg selbst verwertet, das • übrige gehe über See; etwas mehr als die Hälfte werde durch die Binnenschiffahrt zugebracht. Welche Bedeutung die Binnenwasserstraßen besitzen, beweist der Umstand, daß die 29 Bahnhöfe Berlins im ganzen 15 Millionen Tonnen (Mer empfangen, während die eine nach Berlin führende Wasserstraße 11 Millionen Tonnen befördert. Eine Kon- kurrierung der Eisenbahnen durch die Schiffahrt sei nicht zu befürchten, ersteren werde die Ausdehnung der Wasserstraßen an sich neue Güter zuführen und der Güterverkehr lverde sich so verteilen, daß die billigen Massenartikel und Rohstoffe, bei denen es nicht so sehr auf die Schnelligkeit der Beförderung als auf ihre Billigkeit ankomme, der Lchissahrt zufallen würden, während die höher bewerteten Produkte den Bahnen zufallen werden. Um möglichst geringe Transportkosten zu erzielen, seien technisch vollkommene Umschlagseinrichtungen in den Binnenschiffahrtshäfen erforderlich, wie sie z. B. die Rheinstädte — von denen Redner namentlich Worms hervorhob — besitzen. Im allgemeinen ist zu beachten, daß die Wasserfracht sich um so billiger stelle, je länger der Transportweg sei. Deshalb empfehlen sich Wasserstraßen überall da, wo Anschluß an ein größeres Wasserstraßennetz vorhanden ist, während ' kleine selbständige Kanäle wenig Wert haben.
Was die Lahn betrifft, so ist es bekannt, daß die Lahnschifsahrt früher erhebliche volkswirtschaftliche Bedeutung hatte. Sie ging dann zurück und ist jetzt fast ganz verschwunden, weil die Lahn für größere Schiffe nicht fahrbar war und die Eisenbahnbeförderung schneller ist. Wie wichtig für die Industrie im Lahngebiet billige Frachten sind, beweist der Umstand, daß seit etwa 20 Jahren für die Eisenbahn- und Kohlenbefördermig noch dem Lahn- und Dillgebiet ein sogenannter Notstandstarif bestand, Not- stcmdstarif deshalb, nicht weil die Industrie an Lahn und Till an einem Notstand leidet, sondern weil die Notwendigkeit billiger Frachtsätze für Rohstoffe und Fabrikate vorliegt. Wie der Vorsitzende schon ausgesührt hat, ist 1905 bei der großen Kanalvorlage die Lahn nicht ganz leer ausgegangen. s Es wurde beschlossen, daß die Regierung eine entsprechende Vorlage machen soll, wenn die Prüfung der wirtschaftlichen Bedeutung der Lahnkanalisation günstig aussällt. Dies ist nach der von dem Lahnkanalverein ausgearbeiteten Denkschrift der Fall. Die Flußlänge beträgt, soweit sie für eine Echisfbarmachung in Betracht kommt, also von Ob.erlahn-
kein bis Gießen, 142 Kilometer, nämlich bis Nassau 20 Km., bis Limburg 60, bis Wetzlar 120, bis zur preußisch-hessischen Grenze 138 und bis Gießen 142 Km. Diese Strecke ist nicht ehr groß, aber immerhin mehr als groß genug, um bei der leistungsfähigen, längs der Lahn angesiedelten Industrie die Aufwendung für die Schiffbarmachung des Flusses zu rechtfertigen. Während man früher eine Schiffbarmachung für 600 Tonnenschisfe verlangte, sieht man jetzt ein, daß damit die Unkosten so steigen würden, daß au die Ausführung nicht zu denken ist. Es kommt darauf an, daß die Ausführung noch möglich ist und die Wasserstraße dem Bedürfnis entspricht. Das ist der Fall, wenn 300 Tonnenschiffe gewühlt werden. Wenn jemand solche Schiffe zu klein erscheinen, so sei daran erinnert, daß ein solches Schiff die Ladung eines ganzen Eisenbahnzuges von 30 Wagen in sich aufnimmt. Die in der Denkschrift des Lahnkanal- vereinS aufgestetlte Rentabilitätsberechnung, die auf genauen Unterlagen beruht, verdient große Bewunderung. Es ist festgestellt, daß die Wassermenge hinreichend ist, jährlich 5 Millionen Tonnen Güter zu befördern. (Der Dortmund- Emskanal befördert 4 Millionen.) Es bleiben dabei noch 6000 Pserdekräfte übrig, die für industrielle Werke oder Licht- und Krastzwecke der Gemeinden Verwendung finden können. Der Eisenbahngüterverkehr des in Frage kommenden Gebietes ist in den letzten fünf Jahren um 25 Prozent gestiegen und eine weitere Steigerung ist durch die Zunahme der Bevölkerung und Erweiterung und Vermehrung der industriellen Anlagen sicher zu erwarten. Nur in zwei Monaten wird der Schiffsverkehr nicht stattfinden können. Während der übrigen Zeit wird ein gewisser Teil des Güterverkehrs der Lahn bestimmt verbleiben, für die Schiff- sahrtsbesörderung kommen vor allem die Massenartikel in Betracht, die eine hohe Fracht nicht vertragen, namentlich Eisensteine, Erze, Roheisen, Kohlen, Mineralwasser, Steine, Getreide, Petroleum und Holz. Es ist anzunehmen, daß der Verkehr des Dortmund—Emskanals, der 223 Tonnenkilometer beträgt, erreicht wird. Die vorhandenen technischen Schwierigkeiten sind wohl zu überwinden. Es wird gesagt, daß bei dem kurzen Flußlauf Gießen—Oberlahnstein 90 Meter Gefälle zu überwinden seien, was die Anlage von 29 Schleusen erforderlich machte. Dadurch werde der Transport zu teuer und lang}am. Demgegenüber ist zu betonen, daß bei anderen Kanälen die Verhältnisse ähnlich oder noch ungünstiger liegen. Der Rhein—Marnekanal hat z. B. auf zwei Kilometer eine Schleuse, während bei der Lahn erst auf fünf Kilometer eine solche komme. Ter Redner läßt es dabei dahingestellt, ob nicht etwa durch Hebewerke die Zahl der Schleusen verringert werden könne, und ist im übrigen der Meinung, daß man solche kleine Mängel in den Kauf nehmen müsse, wenn es nicht anders möglich sei. Uebrigens kann die Verschleusung durch elektrischen Betrieb beschleunigt werden, so daß der Zeitverlust nicht allzu groß wird. Es handelt sich nicht darum, ob man durch die 29 Schleusen vielleicht sieben Stunden Zeit versäumt, sondern um den Anschluß an die Rheinschiffahrt. Somit sind alle Vorbedingungen für eine gedeihliche Entwickelung der Lahnschifsahrt vorhanden und neue Erwerbsmöglichkeiten sind durch die Lahnschifsahrt wahrscheinlich. So birgt das nördliche Oberhessen zahlreiche Eisenerze, deren geringer Eisengehalt gegenwärtig 'den Abbau nicht lohnt. Das wird durch die Ermöglichung billigeren Transportes sofort anders werden. Aehulich geht es mit den vorhandenen Steinen, Schiefer, Lehm, Sand usw. Das obere Lahngebiet wird eine wirtschaftliche Bedeutung gewinnen, an die man früher auch nicht entfernt gedacht hat. Die Schiffbarmachung der Lahn ist nicht allein ein Mittel, Handel und Verkehr zu fördern, sondern sie wird das ganze Gebiet erst dem Weltverkehr richtig erschließen. Mit der Gemütlichkeit, in der zurzeit die Bewohner der Lahnstüdte, die durchweg alte Kulturstädte sind, z. Tt. dahinleben, ist es nicht getan. Auch hier gilt das Wort „wer raffet, der rostet". Tie Einführung der Motorschiffahrt, die für einen Kriegsfall von ungeheurer Wichtigkeit werden kann — liegt doch der Wasserweg der Lahn an der großen Militärstraße Berlin—Metz — bietet für die Zukunft vielleicht noch Möglichkeiten, art die man bei dem Projekt bis jetzt noch nicht gedacht hat.s Alle Bevölkerungskreise haben gleiches Jitter- esse an der Verwirklichung des Projekts. Tie alte Betriebsamkeit wird ihm im Lahngebiet wieder entstehen und mit dem Wunsch, daß dies der Fall fein möge, schloß der Redner seine mit Beifall aufgenommenen Ausführungen. — Mit Dcmkesworten des Vorsitzenden wurde dann die Versammlung geschlossen. _____________________
Werei'l der nationlMöeratcn Jugend.
Man schreibt uns:
Donnerstag, den 24. ds. Mts. fand in dem „Löwen" die erste Versammlung dcs vorige Woche gegründeten Vereins der nationalliberalen Jugend statt. Sie war überaus stark besucht und nahm einen hoffnungerweckenden^Verlauf.
Der stellvertretende Vorsitzende, Herr^Schwarz, eröffnete die Versammlung mit Begrüßung der zahlreich erschienenen Jugend und der erschienenen Mitglieder des nationalliberalen Vereins, und wies darauf hin, daß in Studenten- und katlfmanniichen Kreisen der Wunsch zur Gründung des neuen Vereins schon lange Vorhände:: geioesen sei, der letzt auf Anregung aus national liberalen Kreisen ins Leben gerufen wurde. Alsdaim gab er dem ersten Vorsitzenden, Herrn Oswald Riedel, das Wort zu einem Vrwtrage über den „Werdegang der nationalliberalen Partei". In mehr als einstündiger Rede gab Herr Riedel ein vortreffliches Bild der Entstehung, Entwicklung und für unser Vaterland in vielen Beziehungen ersprießlichen Tätigkeit der geitamiteii Partei. Ausgehend von den gescheiterten Bemühungen des deutschen Volkes zu einer Schafsimg eines einigen Reiches niid der darauf folgenden Reaktion wies er darauf hin, daß cs nationalliberale Männer waren, die durch Gründung des 9tationalvercins 1859 den deutschen Einheitsgedanken wieder neu belebten. 1866
T «MCTK VJC-
kam cs dann zur Gründung der nationalliberalen Partei, bia im norddeutschen Reichstag, im Zollparlameut unb draußen im Volke den nationalliberalen Gedankei: auss kräftigste förderte, ihn gegen Feinde von rechts und links mit Feuereifer verteidigte uno so Bismarcks deutsche Bestrebungen nachhaltig und ersolgreich un^r- stütztc. An den Verfassuiigen der genannten parlameiitari scheu Körperschaften und an der des Reichstags nach der Kaiserprotla- mation hatte sie den größten Anteil. An deni Ausbau deS Reiches ist die Partei in ihrer Blütezeit in natwnalliveraler und kultureller Beziehung hervorragend beteiligt gewesen. Herrs Riede! zeigte dann in lebendiger und rückhaltloser Weife die Zeit1 des Rückganges der Partei unter dem Einfluß geänderter wirtsckiast.- kicher und kultureller Verhältnisfe, legte aber auch dar, wie mit dem Rückgang, der zlveimaligen Spaltting infolge von Meinungsverschiedenheiten in wirtschaftlichen und politischen Fragen, der Hinneigung unseres großen ersten Kanzlers au eine ultra- nwntanc konservative Mehrheit auch ein Rückgang unserer inneren Entwicklung im Reiche verbunden war. Unter Hinweis auf die Tatsache, daß die nationalliberale Partei keine doktrinäre Partei ist, fönten: sich zur Ausgabe gemacht hat, löie v. Bennigsen 1867 sagte, „die Zeichen der Zeit zu beachten und ihre Ansprüche zu befriedigen", ist cs ihr möglich gewesen, zu neuem Leben zu er-, wachen, den veränderten Verhältnissen entsprechend sich neue Aufgaben «auf dem Gebiete des wirtschaftlichen und sozialen Lebens^ z:: stellen. Beweise hiervon sind die Heidelberger Erklärung, die Frankfurter Beschlüsse und in jüngster Zeit das Eisenacher Programm. Sv löie die Partei stets ihren nationalen Zielen treu geblieben ist, so haben auch auftretende nationale Fragen ihr stets bedeutenden Zuwachs verschafft. Herr Riedel foniUc in diesem Punkte auf die Worte des Reichstagsabg. Naumann, der wahrlich kein Freund unserer Partei ist, Hinweisen: Um die Herstellung der nationalen Einheit hat sich die natioualliberale Partei unvergängliche Verdienste erworben. Trotz aller Totsagungs- versuche hat die liatioualliberale Partei heute wieder einen gewaltigen Rückhalt im Volk. 1700 000 Stimmen sind ihr bei den letzten Wahlen zugesallen. Neues Leben pulsiert wieder in ihr. Sie iügewillt, i hre Kraft der Lösung der heute im Vordergrund stehenden wirtschaftlichen und sozialen Fragen zu widmen, wobei sie selbstverständlich die nationalen und kulturellen Fragen nicht vernachlässigen wird. In weiten Kreisel: unserer Jugend ist der Wunsch rege geworden, sich auszubilden, um in: nationalen und liberalen Sinne sich anr politischen Leben betätigen zu können. Tie Jugend will der alten nationalliberalen Partei frisches Blut zuführen und ist bereit, ihren Idealismus in den Dienst dieser Partei zn stellen.
Lebhafter Beifall der Versammlung lohnte den Redner für seine klaren und mit Begeisterung vorgetragelwn Ausführungei:. Vor Eintritt in die Besprechung begrüßte Rechtsamvalt Kaufmann, erster Vorsitzender des nationalllberalen Vereins, den neuen Verein und brachte die Wünsche seines Vereins für ein Wachsen, Blähen und Gedeihen dcs neuen Vereins der nationalliberalen Jugend dar.
An der alsdann erfotgenben lebhaften Besprechung der Hauptrcde beteiligte sich eine größere Anzahl Herren des jungen' und alten Vereins.
Geschäftliche Mitteilungen und Erörterungen bildeten den Schluß der ersten Hauptversaminlung, die auf alle Beteiligten einen begeisten:den Einruck nrachte.
Der junge Verein, dessen Mitglieder zahl schon fast über Erwarten groß geworden ist, wird demnächst eure öffentliche Ver- fammlung abhalten.
Zu wünschen ist, daß junge Leute aller Stärcke sich dem Verein anschließen; denn erst eine Mischung der verschiedenen Stände faint den geplanten häufigen Disknssionsabenden einen vollen Erfolg ^sichern. L.
Asrs SLcröt Lcsn-.
Gießen, 28. Okt. 1907,
** Vom Groß herzoglichen Hofe. Se. Kgl. Hoh. der Groß Herzog begaben sich am Freitag vormittag im Auto zur Besichtigung der Gastell'fchen Waggonfabrik nach Mainz. Abends besuchten Ihre König!. Hoheiten mit ihren Gästen die Vorstellung im Großh. Hoftheater. Am Samstag mittag traf Prinzessin Ludwig von Battenberg mit der Prinzessin Louise und dem Prinzen Ludivig Franz zu mehrtägigem Besuche in Wolfsgarten ein. Im Gefolge befindet sich Hofdame Miß Kerr.
* * Steueramts-Personalien. Se. Kgl. Hoh. der G r o ß h e r z o g haben den Steuerkontrolleur Regierungsassessor Gg. Stammler zu Gießen zum Steuerkommissariatsassistenten bei dem Steuerkommissariat Worms I ernannt.
** Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Schnlamtsasptranken Wilh. Stegmaier aus Mainz eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Alzey; der Schnlamtsaspi- rantin Else Schneider ans Neustadt (Preußen) eine Lehrerinstelle an der Volksschule zn Offenbach. Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Köddingen. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Ihrem Inhaber kann eine Ortszulage bewilligt werden.
Unbestellbare Postsendungen. Bei der Obcr- Postdireklion in Darmstadt haben im Jahre 1906 21424 Postsendungen aus hessischen Orten (und zwar 4758 Briefe, 15 912 Postkarten unb 754 Drucksachen) vernichtet werden müssen, weil ihre Zustellung weder dem Empfänger noch dem Absender möglich war. Die Zahl ist zwar gegen das Vorjahr um einige Hundert zurückgegangen, immerhin aber noch recht erheblich. Bei 5460 Sendungen hatte der Absender sich auf oder in den Sendungen nicht genannt. Wie viele Unannehmlichkeiten mögen bei: Empfängern unb den Absendern aus diesem Slnlaß erwachsen fern, und wieviel ungerechte Vorwürfe über Unzuverlässigkeit sind wohl gegen die Post- verwaltung und ihre Beamte erhoben worden? Immer wieder müssen wir daher empfehlen, in oder auf den Postsendungen stets Namen und die Wohnung des Absenders anzugeben, damit ihnen die Sendungen zurückgegeben werden können, falls der Empfänger nicht ermittelt wird.
* * Lebensretter. Der Schüler des Herbstgymnasiums zu Mainz Julius Stuttmann in Nüsselsheim hat am 9. August 1907 einen Menschen vorn Tode des Ertrinkens gerettet. Als Anerkennung hierfür ist ihm von Sr. Kgl. Hoh. dem Groß Herzog die Rettung sm edaille verliehen worden.
* * Verstorbene oberhess. Veteranen. Bremser i. P. Friedr. Schlicht, Mitglied der Kriegerkameradschaft Gießen, geft. 6. 10. 07. Alter 61 Jahre. Gedient im 81. Jnf.- Negt. Feldzug 70/71. Karl Balser II., Landwirt, Blltgl.


