Ausgabe 
27.2.1907 Drittes Blatt
 
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bic

veviLTischtes»

Sporte

Parteigenosse Oliver Crom- bezeichnet hat, Julius Cäsar

(Sann bei den Soz.) einen geistigen Hochmut entwickelte, wre ,hn dre Welt kaum im Mittelalter gesehen hat sodaß selbst gjr Gesinnungsgenosse, Herr Jaures, sich genötigt gesehen hat, Uber diesen dogmatisme intolerant, den intoleranten Dogmatis­mus der deutschen Sozialdemokratie zu seufzen. Soll ich Sie da­ran erinnern, daß ein hervorragender deutscher diesen Führer der Sozialdemokratie als den neuen well, den neuen Lordprotektor der Sozialdemokratie daß sozialdemokratische Blätter Herrn Bebel mit verglichen? (Heiterkeit.)

zurückzuführen sein. Sic haben erklärt, der Zolltarif würde niemals zustande kommen. Er ist zu stände gekommen. Sie haben erklärt, auf der Basis dieses Zolltarifes ließen sich leine Handelsverträge abschließen. Wir haben sie abgeschlossen. Sie haben erklärt, die Industrie wurde vernichtet werden, jeder Wohlstand würde gelähmt werden. Der Wohlstand steigt, unsere Industrie blüht. Nun meint Herr Schippet nicht mit Unrecht, baß ein solches Geflunker die Wähler endlich satt bekommen würden. (Lebhafte Zustimmung.)

Der Niedeagang dec Sozialdemokratie ist wohl auch her­zuleiten aus der unpatriotischen Haltung, in welche sich diese deutsche Sozialdemokratie leider immer mehr und mehr verrannt hat. Nur die deutschen Sozialdemokraten stellen international? Ideale über die nationalen, nur den deutschen Sozialdemokraten ^ehlt immer noch jeder Sinn für nationale Bedürfnisse!

und Forderungen. Die Sozialdemokraten aller anderen^

Lältder stehen mit verschwindenden Ausnahmen auf deinl nationalen Standpunkt. Wo hat je ein namhafter aus-l I

ländischer Sozialdemokrat erklärt, daß die Sozialdemokratie! nur daun das Vaterland verteidigen dürfe, wenn das Parleiprinzip e§_ zu lasse ? Glauben Sie, daß Jaurös, daß Millerand das sagen würdeNimmermehr. Aber das war doch der Sinn manch ri Slusführungcn, die wir von dem Abg. Bebel früher gehört haben Das nenne lch eben

Nörgclpokitik.

Nun hat der Slbgeordnete Bebel sich ja bemüht, hinzuweisen aus eine Reihe von Fällen, aus denen das Gegenteil hervorgehen soll. Er beruft sich aber im wesentlichen nur nur Anregungen, die von der Sozialdemokratie ausgegangen seien. Ja, diese Anregungen, sie bestanden doch darin, daß die Sozialdemokratie auch durch' sie Unzufriedenheit erweckte, indem sie Forderungen aufstellte, die niemand befriedigen konnte, indem sie Wünsche ' erweckte, die von niemandem zu erfüllen waren. (Sehr richtig!) Wenn aber die Re­gierungen aus solchen phantastischen oder perfiden Forderungen und Wünschen einen gesunden und realisierbaren Kern beransschälten, dann hat die Sozialdemokratie immer dagegen gestimmt. (Sehr richtig I)

Die Sozialdemokratie war ja von Anfang an mehr auf die Kritik, mehr auf das Negative als auf das Positive angelegt. (Sehr richtig!) Ich habe einmal in diesem Hause gesagt: Kriiik la, positive Leitungen 5 b. (Große Heiterkeit.) Aber dieser kritische Zug hat sich gerade in den letzten Jahren immer mehr heraus- slebildet und verschärft. Namentlich auf dem Dresdener Parteitage, seit jenem Jungbrunnen, seit dem Untertauchen des

Revisionismus.

Durch den Abg. Bebel (Heiterkeit) trat das besonders deutlich zutage. Gewiß, meine Herren, es hat eine Zeit gegeben, da konnten Hostnungen, ernsthafte Hoffnungen in den Revisionismus gehegt werden. Ich selbst bin vielleicht von solchen Hoffnungen nicht ganz frei gewesen, aber da kam der Tag von Dresden. Da klappte der Revisionismus zusammen wie ein Taschenmesser (Heiterkeit), da war es aus mit dem Revisionismus. In der Politik ist es mit großer Unterwürfigkeit nicht getan. Kautsly und Mehring haben doch Recht behalten, wenn sie sagten: mit solchen Leuten komme man von nichts zu nichts. Nun wird gesagt, der Revisionismus stelle sich nur so, als ob er tot wäre und in einem dem Nevisionismns freundlichen Artikel habe ich gelesen: der Revisionismus verfolgt eme sehr schlaue Taktil, die

Wanzentaktik".

genannt wird. (Heiterkeit.) Der Revisionismus würde plötzlich er­wachen und alle Welt von seiner Vitalität überzeugen. (Heiterkeit.) Ich glaube nicht recht daran; ich glaube nicht daran, was Vernstein einem ausländischen Jolirnalisten gejagt hat, daß Bebel sich noch eines Tages in einen Revisionisten verwandeln werde. Der Neger bleibt immer Neger, der Panther behält sein buntes Fell, und ich glaube, Herr Bevel wird immer nur der Herr Abg. Bebel bleiben. (Heiterkeit.). Ein Revisionismus, der so tanzt, wie er pfeift, wird nach meiner Ueberzeugung in absehbarer Zeit keine Nolle spielen. Traurig aber bleibt cs, daß soviel Kraft, soviel hochstrebender Idealismus, soviel gute Gaben, luie sie sich gerade in der deutschen Arbeiterschaft verkörpern, teils dem Fanatismus der einen Seite, teils dec Schwäche der anderen prcisgegeben sind. Betreten Sie wieder den Boden der Legalität, betreten Sie den Boden der Ver­nunft hören Sie auf, Ideen zu verletzen, die der großen Mehrheit des Voltes heilig sind, dann werden sich leicht manche Gegen­sätze auSgleichcn. Sie haben meine Aufforderung, dies zu tun, mit Gelächter aufgenommen. Sie haben sie nicht befolgt. Die deutsche Sozialdemokratie hat Arbeitgeber und Arbeitnehmer gegeneinander gehetzt. Sie hat mutwilligerweise Streiks hervorgcrnfcn, sie hat mit der Idee der Revolution ein frivoles, ein ruchloses Spiel getrieben. Sie ist immer fanatischer, immer terroristischer, immer lultucwidriger geworden. (Lärm bei den Sozialdemokraten.) Wenn Sie sich in dieser Beziehung nicht wandeln, daun ist kein Pakt, keine Verständigung mit Ihnen möglich.

Die Niederlage der Sozialdemokratie war auch wohlverdient aus einem Grunde, den einer ihrer jugendlichen Köpfe dargelegt hat. Herr Schippet hat in einem Artikel hervorgehoben, daß die Niederlage der Sozialdemokratie auf die

Unwahrhnstigkeit in der Agitation

Ausschnitt aus ber,Frankfurter Zeitung". Sie schrieb am 6. Februar:Tie hiesige Sozialdemokratie hat den Wahlkampf mit bcii verwerflichsten Mitteln, mit Fälschungen und Verleumdungen begonnen. Heute nachmittag wurde ein Flugblatt verteilt, ba§ wieder allem die Krone aufsetzt. Es wird darin gesagt, einem sozialdemokratischen Tapezierer, dessen Name übrigens im Adreß­buch nicht auffindbar ist (Hört, hört!!) wären von einem demo­kratischen Wähler 10 Mar! geboten worden, wenn er fr - Oeser stimmen würde". Das Blatt fügt hinzu:Das; das eine freche Lüge ist, braucht nicht gesagt zu werden. Aber die Frechheit, mit der das sozialdemokratische Wahlkomitee dieses Flugblatt ver­breitet, ist unerhört; denn dieses Flugblatt Ivar schon am Tage vorher gedruckt (Zurufe bei den Soz.: Unloahr!). wir sind in der Lage, den Beweis der Wahrheit dafür jederzeit zu erbringen." (Großer Lärm und Zurufe von den Soz.) Lasten Sic mich doch ausreden^ ich habe Sie auch nicht unterbrochen.Das Flugblatt ist eine Schurkerei. Unterzeichnet ist das Fälschungsprodukt: DaS sozialdemokratische Wahlkomitee."

Die Niederlage der Sozialdemokratie war weiter die gerechte Strafe für den rücksichtslosen von ihr geführten Klastenkampf. für ihre Gehässigkeit, für ihr terroristisches Vorgehen, für ihre despoti­schen Wären. Ich weise hin auf die

Exzesse,

die nach den Wahlen von der Sozialdemokratie provoziert worden sind, ich erinnere an die Vorgänge in Bremen, Anhalt. Magdeburg usw. Diese Exzesse waren getragen von demselben terroristischen Geist, der sich sonst in der Sozialdemokratie geltend macht. Ich hoffe, daß die Anhänger der bestehenden Ordnung, die

O>dnung?lümmel,

wie die sozialdemokratische Presse so geschmackvoll sagt (Große Heiterkeit.), daß diese solchen Exzessen fest und mutig die Stirn bieten werden, und ich erwarte, daß die Behörden ihre' Schuldigkeit tun (Lebhafter Beifall.), daß sie die bestehende Ordnung und die Freiheit der Bürger gegenüber dem sozialdemokratischen Terrorismus mit Energie schützen werden. (Erneuter lebhafter Beifall.)

Die Niederlage der Sozialdemokratie war weiter wohl ver­dient, weil sie die Strafe war für die von ihr betriebene Politik der Verneinung und

unpatriotisch und vaterlandslos, wenn man die Partei über das Vaterland stellt, wenn man b t Vaterland ein Jena wünscht, nur weil die Partei dabei gut w. zu onunen glaubt. Erst vor wenigen Tagen habe ich einen Ar., i imVorwärts" gelesen, worin stand, daß wir nur deshalb Südw. -

r O. "6b a ll. Vergangenen Sonntag trafen sich in Mar­burg die Meister der a und b Abteilunaen ho« ß Rhein. Wests. Spielverband, der Kasseier

ggÄMÄÄ« «Ä m iäUfSmts""',1 bic M-m'sch-ÜI-m qlcichw-rliq. seit- EJ, t < eben etwas überlegen. Beim 2. Spiel war nickst^ ne^br mäali^^'6 durchweicht, dass ein sicheres ©vielen unnötig ist 9 d) V unb ""h wohl eine Shitif daher

mich gewundert, da im Laufe derselben Rede der Herr Abg. Bebel uns in Aussicht gestellt batte, daß er heute nur dasjenige sagen wollte, was er absolut beweisen könnte. (Große Heiterkeit.) Ter Abg. Bebel hat jedenfalls schon vergessen, daß er vor wenigen Jahren in Dresden auf dem sozialdemokratischen Parteitage, wo er frei von der Leber sprach, gesagt hat, er sei ein Todfeind der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung und werde nicht eher ruhen und rasten, als bis er die gesellschaftliche Ordnung zerstört und vernichtet haben würde. (Sehr richtig! rechts und in der Mitte. Stürmische Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Dann bat der Herr Abg. Bebel auch dem Andenken des verewigten Fürsten Bismarck gehuldigt, indem er gesagt hat, Fürst Bismarck hätte der Sozialdemokratie immer objektiv gegenüber gestanden. Ich konstatiere zunächst, daß die Huldigung des Herrn Abg. Bebel für meinen großen Amtsvorgänger etwas'spät kommt. (Heiterkeit.) Denn der Herr Abg. Bebel mir aber weiter vorgeworfen hat, ich nähme Partei gegen die Sozialdemokratie, so erwidere ich darauf, daß, solange die Sozialdemokratie die Monarchie bekämpft, welche die Grundlage unserer Verfassung ist, jeder Minister, der seine Schuldigkeit tut, Partei nehmen muß gegen die Sozialdemokratie. '(Lebhaftes Sehr richtig! und Beifall rechts und in der Mitte.) Das hat der Fürst Bismarck getan und das wird jeder seiner Nachfolger tun. (Beifall.)

Nun, meine Herren, hat der Herr Abg. Bebel weiter gemeint, sobald die Rede auf die Sozialdemokratie käme, oder sobald ich sie vor mir sähe, würde ich nervös. Ach, du lieber Himmel! (Große Heiterkeit.) Ich nehme die sozialdemokratische Gefahr ernst, ich nehme sie sehr ernst, aber nervös macht sie mich gar nicht.

Nun hat der Herr Abg. Bebel sich nach meinem Gefühl etwas kurz und verlegen mit der

schweren Wahlniederlage

beschäftigt, die bic Sozialdemokratie erlitten hat. Er hat sich be­müht, diese Niederlage abzuschwächen. Er hat sich bemüht, die Niederlage zu beschönigen, die unter feiner Führung die sozialdemo­kratische Armee erlitten hat. Meine Herren, geschlagene Feld­herren pflegen sich ja verschiedenartig zu benehmen. Entweder sie hüllen sich in Schweigen, das ist wobl das Würdigste. (Heiter- leit.) So tat Bendek. Oder sie bringen sich selbst um. wie der

Julins Cäsar August Bebel.

((Heiterkeit.) Soll ich Sie an das Ketzergericht von Dresden er- rnnern, soll rch Sie erinnern an die Art und Weise, wie noch spater die sechs Redakteure, die armen sechs Redakteure (Ach, ach. bei den Soz. Sehr wahr! rechts) behandelt wurden? L Etat cest moi! fagte Ludwig XIV.; das scheint für gewisse wtenen auch heute die Losung zu sein. Eine demokratische Partei o ^en uoch hat Herr Bebel betont, daß die sozialdemokratische Partei vor allem eme bemofrat-ifdje sei eine demokratische Par- ter mit autokratischer Spitze und Führung, das ist eine contra- aicüo in adjccto. (Sehr wahr!) Die Niederlage der Sozial- bemofrahe war al er auch sehr wohl verdient. Denn sie war die L-trase für eine politische Kampfweise und politische Methode, wie

- gebildete Welt noch kaum gesehen hat. (Sehr

rlchtig.) Ich habe ja nun in dem Erlaß des Parteivorstandes ^^>O^?^^okratie, in der Trostepistel (Heiterkeit), die er ge- fandi hat, gelesen, der Ton der Sozialdemokratie würde ein ferner er werden. Nun, rch will es abwarten. Die Höflichkeit, dre Courioisie, welche der Abg. Bebel, dem gegenüber ich niemals die Formen der guten Gesellschaft außer Acht gelassen habe, mir gegenüber gezeigt hat. indem er mir große Unwissenheit vorge- worfen hat laßt mich in dieser Beziehung doch einige Zweifel

(Scbr gut!) Jedenfalls bisher war cs einfach füchtcrlich. (LMtimniung und Heiterkeit.) Ich bin viel herumgekominen in

-DI l* bl? lan^c lrn Auslande gewesen, ich erinnere mich ?M:ndw0 derartige Rüpeleien erlebt zu haben, wie sie ?cm ^=c:'bcncv Parteikongreß in unser früher an- st^ldigs!-, vornehme-, öffentliches Leben hineingekommen sind. Und nC Entivicklung. Aus dem Haß geboren, mußte btc sozlaldernokratiiche Prepe schließlich bei dem

Sauherdenton

Zustimmung.) Die Monarchie, die Armee, fei®'xl ra?"' atIc§' hw- bcc «roßen Mehrheit der 3 b ^Ilü9 ""urde mit e uer Wut, einem Ingrimm r a 51C c3 noch rucH dagewesen ist. Diesem Ton, das möchte 2IC l°3mftcmoh:ati|die Partei auch in dem Wen Wahlkampf treu geblieben. (Lebhafte Zustimmung.) Ich kann sagen, wie ein 1 1 d 1

Jndianerstiimm auf dem Kriegspfad, f° sie in diesen Wahlkampf hineingezogen. (Große Heiterkeit und Zustimmung.)

alte Cato. (Schallende Heiterkeit.) Oder aber, die Niederlage «höht noch die Redseligkeit, (erneute Heiterkeit) eine gewisse ge­reizte Redseligkeit. Ich glaube aber nicht, daß das in diesem Falle einen großen Eindruck machen wird außerhalb der Partei, imd ich möchte,beinahe sagen, außerhalb der nächsten persönlichen An­hängerschaft des Herrn Abg. Bebel (Sehr wahr! rechts unb in her Mitte.) der allernächsten persönlichen Anbängerschaft des Abg. Bebel. Mit der Niederlage, welche die Sozialdemokratie bei dieser Wahl erlitten hat, will ich mich doch etwas eingehender beschäftigen, als es der Herr Abg. Bebel getan bat: sie war zu wohl verdient. .'(Lebhaftes sehr richtig! rechts, in der Mitte). Sie war wohl ver­dient, weil sie die Strafe war für borangegangene Großsprecherei. .'(Lebhafte Zustimmung rechts und links.)

In Hamburg hat Herr Bebel gesagt, der Liberalismus soll zerrieben werden. Mir scheint, der Liberalismus befindet sich noch ganz wohl. (Heiterkeit.) In einer Entrevue mit dem Korre- spondenten eines besonders deutschfeindlichen ausländischen Blattes, eines jener deutschfeindlichen Blätter, die bei sich zu Hause die Sozialdemokratie wie die Pest verabscheuen und verfolgen, sie aber bei uns verhätscheln unb streicheln, in einer Entrevue mit bem .Korrespondenten derDaily Mail" bat sich Herr Bebel ähnlich geäußert. Alle offiziellen und offiziösen Organe der Sozialbemo- Latie, die mir zu Gesicht gekommen sind, vomVorwärts" bis zurNeuen Zeit", sprachen von dem Losgehen großer Erfolge. Wer

Hochmut kommt vor beit Fall.

((Sehr richtig!) Die Bravorufe, mit denen Sie von der äußersten Linken mich begrüßten, als ich hier die Auflösung des Reichstages ankündigte, das Händeklaffchen, mit dem Sie mich damals be­grüßten Herr Bebel hat ja Wert darauf gelegt, noch kurz vor den Wahlen festzustellen, daß die Sozialdemokratie, daß nur die Sozialdemokratie die Auflösung des Reichstages mit donnerndem Applaus begrüßt hat also dieser donnernde Applaus, er war tierfrüht. Diesmal kam es anders. Die Niederlage war aber auch wohl verdient, weil sie die Strafe war für einen eng- - r zi? e ^rf dogmatischen, kleinlichen, philiströ- 1 e n G e t st, der blind gegen alle anders Denkenden wütete und trotz allem Gerede von Kulturhöhe an der Schwelle

Jahrhunderts eine Unterdrückung ausübte, einen Zwang betätigte,

eine Gesinnungsschnüffelei

Es ist erfreulich, daß die Sozialdemokratie aus dem Wahl- kainpf geschwächt hervorgegaiigen ist; aber noch bin ich nicht davon überzeugt, daß ihre Niederlage eine endgültige ist. Da wird es erneuter Arbeit und Wachsamkeit bedürfen, lieber das, was der Reichskanzler uns gestern in AuSsickt gestellt hat,

habe ich miet) sehr gefreut. Vor allem darüber, daß

die Sozialpolitik in Zukunft feine ausschließliche Arbeiter- Sozialpolitik fein soll. Dadurch erhalten wir große Schichten, die es bei ihrer Gesinnung und Treue berbienen, daß der Staat sich ihr annimmt. Zum Etat selbst habe ich meine Freude über die ausführliche Begründung der Forderungen für die Schutzgebiete auS- zudrücken. Dagegen bebaute ich, daß bou den Vertragsbedingungen mit Amerika nich'S dem wirischaftlicken AuSsckuß borgelegt ist. Was den Ergänzungsetat betrifft, der die Gehaltsreguliermig bringt, |o rönnen wir diele Reform nicht als eine organische ansehen. Wir müssen darauf bestehen, daß mit den Gehältern der unteren auch die der mittleren Beamten aufgebessert werden. Freilich werden die dazu erforderlichen Mittel schwerlich ohne neue Steuern auf- gebrnebt werben tonnen. Wir sind bereit, eine solche Vorlage, falls sie uns borgelegt wird, gewissenhaft zu prüfen. Alle nationalen Parteien müssen zusamiiienhalteu und an den großen Aufgaben mitcirbeilcn, öie dem Wohle der deutichen Nation dienen. (Beifall rechts.)

Die Weiterberatung svird hierauf auf M i 11 w o cy 1 U h r vertagt.

Schluß Uhr.

afrika feftbi eiten, um von dort aus den englischen Besitz in Südweft» afrika anzugreifen. Das ist

eine niederträchtige Verleumdung.

(Lebhafter Beifall.) ES haben niemals solche Absichten bei un-5 be­standen unb sie werden nicht bestehen. Solche Lügen sind nur da.m geeignet, im AuSlande gegen uns zu erwecken und uns das Ausland auf den Hals zu Hetzen. Und das nenne ich verwerflich. (Lebhafter Beifall.) Auf solche Manöver ist es zurückzuführen, wenn hier und da im Auslände Missstimmungen ent­stehen, trotzdem tvir doch den Wunsch haben, in guten Beziehungen zu allen Ländern zu leben und diese Beziehungen zu kräftigen und zu festigen. Die Bedeuiung dcr Niedcr - : läge der Sozialdemokratie sehe ich in zwei Momenten.

Ich sehe sie zunächst mit dem Abg. Bassermauu darin, daß klar zu Tage getreten ist, daß die Sozialdemokratie nicht, wie gewisse Bonzen der sozialdemokratischen Lehre behaupten, mit Natur­notwendigkeit steigt, daß sie mit elementarer Gewalt alles über­schwemmt. Nein, nein und noch einmal nein. (Lacken bei den Soz.) Wenn die bürgerliche Gesellsckaft sich auf sick selbst besinnt, wenn sie eine festere Sckutzwehr aufriifitct gegen die trüben Gewässer der Sozialdemokratie, dann weicht diese zurück.

Ich hoffe, daß Karlsruhe, Stuttgart, Mainz, Nürnberg dasselbe uns zeigen lucrbcn, was uns Leipzig, Magdeburg. Breslau, Königs­berg, Elberfeld (Lachen und Znruf bei den Sozialdeniokraten: Berlin! Heiterkeit) schon gezeigt haben: ich hoffe, daß Lübeck und Hamburg dem ruhmoollen Beispiele bou Bremen fol.ien werden (Beifall), unb wenn es überall Helle wirb, bann wirb ja auch Berlin nicht allein im Dunkeln bleiben wollen. (Große Heiterkeit und Beifall.)

Die Bedeutung der Niederlage der Sozialdemokratie sehe ich aber weiterhin darin, daß der Kampf gewonnen ist durch eigene Kraft des Bürgertums unter der Herrschaft des gleichen all­gemeinen Wahlrechts: denn die Heilung durck die innere Kraft des Organismus von sich heraus ist, so lange ?5 möglich ist und wenn es möglich ist, immer besser, als ein operatiber Eingriff und zu bielMediziu. (Lebh.Zustimmung.) Gewiß, meine.Herren, nichts wäre falscher, als wenn wir uns derJllusiou hiugeben wollten, als wäre die sozialdemokratische Geiahr dauernd und ganz überwunden. Das wäre eine berhängnisbolle Illusion (Sehr richtig! bei den Soz., Heiterkeit rechts.» Diese Gefahr ist nur suspendiert, sie ist nur suspendiert, so lange das Bürgertum einig unb solange eS auf bem Posten ist. Wir dürfen es nicht so macken wie die alten Deutscken, die, wenn sie gesiegt hatten, auf dem Bärenfell beim Meth alles bergaßen und bann sckließlick doch bom Feinde noch überrumpelt wurden. Wir müssen wach bleiben, und die bürgerlichen Parreien werden die Organisation im Wahlkampf, die sie sich jetzt endlich geschaffen haben, gut ausbauen müssen.

.Eins möchte ich nach betonen. Dieser Kampf galt nicht dem deutschen Arbeiter, sondern der politischen und rcbolutionären Sozialdemokratie. Das werden die bürgerlichen Parteien, das lvird dieses Haus dem deutschen Arbeiter beweisen durch die

Fortführung der Sozialpolitik, in der Deutschland schon heute allen Ländern vorau? ist.

Wenn die deutsche Sozialdemolratie die ganze moderne Gesell­schaft in zwei Lager teilt, in die Bourgeoisie unb in baS Prole­tariat, zwilchen denen ein unversöhnlicher Klassengegensatz bestehen soll, so behaupte ich, daß diese Annahme irrig ist. Unüberbrückbar find die Gegensätze nicht. Von einer Unbersöhnlichkeit zwischen Kapital und Arbeit, zwischen Arm und Reich, zwischen Gebildet und Nichtgebildet kann nicht die Rede sein. Diese Doktrin ist schon längst widerlegt durck die Bildung jener mittleren Schicht, die zwischen den beiden Polen entstanden ist und sich in geistiger unb materieller Beziehung ihnen nähert.

Jedenfalls hoffe ich, daß die Negierung, daß die bürgerlichen Parteien, daß alle diejenigen, welche eine ftiedliche und freiheitliche Entwickelung der Verhältnisse wünschen, nicht erlahmen werden ui bem Bestreben, diese Kluft zu mildern und, soweit es möglich ist, sie auszufnllen. Ich hoffe, daß weder die Regierung, noch die bürger­lichen Parteien sick durch die Sozialdemokratie irre machen bissen werden in der Erfüllung ihrer sozialen Pflichten, in dem Streben, bic Gegensätze auszugleichen. Ich glaube, baß am letzten Ende dir Interessen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer solidarisch sind. (Sehr wahr!) Ich glaube, daß, wenn auch noch langen, schweren Kämpfen, doch der Tag kommen wird ja kommen wird er, wo Kops und Hand einträchtig zusammeuwirken werden, wo wir auf bic sozialdemokratische Bewegung zurückvlickeu werden, wie der Ge­nesende zurückblickt auf eine überwundene Krankheit, wie der Er­wachende zurückvlickt auf einen wüsten Traum. (Stünuischer, an­haltender Beifall.)

Abg. Frhr. v. Nichthofen (fonf.):

matorische Tätigkeit entfalte, er hat den Vorwurf weit Unglaubliches ist geleistet wovden nicht mir in der Her ab­abgewiesen, als ob die Sczialdemol» atic destruktiv sei. Das frrV fefeung nationaler Gefühle, sondern auch in der Beschimpfung der Gkgiicr. Aber auch in anderer Beziehung hat in diesem Wahlkampfe ozialdemokratie sich selbst übertroffen. Ich habe hier einen

."Uter Offizieren der italieni- X W 1 - ? lrQ 1 r u p p c- ^ic erst jetzt in Rom bekannt wirb, haben sich bet Abi-Cajö in bcu Kolonie Erytbwa am / 0' bes bort stationierten Bataillons aus

i privaten Motiven bucdiert, unb bet eine von ihnen, Leut - 1 clv°n fcinen Vorgesetzten unb Kameraden

Luders geschätzter Mensch, ist habet tödlich verwundet A°^en. Er ist mzwiichen gestorben unb fein Leichnam nt unter Bebeckung nach Massaua geschafft worben.

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