Ausgabe 
30.8.1907 Zweites Blatt
 
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Nr. 203

Zweites Blatt

157. K

M

Erscheint ISgttch mit Ausnahme des Sonntags

Die ..Sietzener §am»ienblStter" werden dem Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das Krebblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Derhessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Freitag 30. August 1007 r Rotationsdruck und Verlag der Brühlfchen Universitäts - Buch- und Steindruckeret.

N. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: ey@5L Redaktion:^^ii2.Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.

dem Tagebuche Stöffels.

Tas Moskauer MattStolitschnoje ULro" hat dieser Tagc mtt den: Abdruck des Tagebuches des Generals Stössel begonnen. Die Auszeichnungen nehmen ihren Anfang am 26. Januar 1904, euten juig vor dem Ausbruch des russisch-japanischen Krieges. Ain 27. Januar schreibt Stössel:Gegen 10 Uhr abends waren 1Dir Astern wie gewöhnlich schlafen gegangen. Plötzlich erwache ich von Schüssen, trete an das Fenster und sehe, daß die Schiffe nus der Mede überall beleuchtet sind. Ich lasse nachforMen und erhalte die Antwort, daß für das Geschwader eine Nacht- ilbintg angesetzt sei. Ich lege mich wieder nieder, stand aber bald wieder auf, da das andauernde Schießen einen recht kriege­rischen Eindruck machte. Gleichzeitig kam aus dem Stabe eine Ordonnanz mit der Meldung, daß die Japaner mit ihren Torpedo­booten unsere Schiffe angegriffen hätten. Ich eilte zum Statt­halter. An der Hauptwache ließ ich die Wache herausrufen und | erklärte, daß die Japaner plötzlich angegriffen hätten. Der Krieg i habe .also begonnen. Es wurde ein Hoch auf den Zaren aus- > gebracht; ich ließ denn alle im Disziplinararreft befindlichen Sol- | vnten frei. In den Stab sandte ich den Befehl, Alartn zu schlagen und die Forts und Batterien zu besetzen. Beim Stcttt- voi^er befand sich Admiral Withöft, die Beamten des Stabes 8 des Statthalters und die Adjutanten. Alle sprachen flüsternd. Och trurde sofort zum Statthalter gerufen. Alexejew war offen­bar Derwirrt, traf aber Anordnungen und fragte nach den meinen. Ich sagte, cs wäre ein großes Glück, daß die Japaner nur mit . iner kleinen Anzahl von Torpedobooten angegriffen hätten. Hätten sie chiele geschickt, so hätten sie unser ganzes Geschwader ver- i nichten und sofort mit den Transportschiffen nach der Talienwan- . Zucht gehen und in Talni landen können, da dort nur ein i Bataillon des 14. Regiments stand. Von Talni hätten sie sofort t gegen Port Arthur vorrücken können, da bei uns mehr als zwei | drittel der Festung nicht nur nicht fertig, sondern noch nicht »mnmal im Bau war. Ich bat den Statthalter, sofort alle in l d'ort Arthur be sind liehen Japaner auszuweisen; es waren ihrer I, !wch viele. ... Deck Morgen verging mit der Inspizierung > 3er auf ihre Positionen rückenden Truppen. Obgleich die Truppen ^hre Positionen kannten, so waren es doch nicht die Regimenter i.einer dritten Brigade, welche jeden Fußpfad kannten. Wozu -alle man diese nach dem Jalu geschickt? Diese höhere Strategie st für mich unbegreiflich. Es war wirklich ein starkes Stuck, ine Brigade, die sechs Jahre in Port Arthur gestanden hatte, _'or dem Kriege fortzuführen und statt ihrer eine in Rußland rus Heinern Truppenteilen neu formierte zu schicken. ... Um ! 1 Uhr vormittags erfolgte der erste Schuß der feindlichen Flotte, ne etwa 8Yb9 Seemeilen von der Festung lag. Ich hatte mich u unserer zehnzülligm Batterie bei derElektrischen Klippe" >egeben, auf welche; tote Japaner ihr Feuer richteten. Zum rpenmal im Leben stand ich unter den Schüssen zwölfzölliger Zomben. Furchtbar ist die Gewalt der Explosion; eine Masse -on Steinen und Erde wird in kolossalen Säulen in die Luft .schleudert; schwarzer dicker Rauch bedeckt weithin den Explosions- -latz. Man gewöhnt sich bald, (Na, na, Herr Stössel!?) eber der nicdruck ist gewaltig. Das Bombardement dauerte etwa eine - iintbc. Nach 30 Minuten traf eines unserer Geschosse von der lekirischen Klippe das zweite Kopfschiff der feindlichen! Flotte; an sah, daß das Schiff stark beschädigt war. Der Batteriechef tiLifnn Shukowski operierte wie auf dem Exerzierplatz. Bei as waren zwei Tote und drei Verwundete. Hier habe ich 1 sehen, was eine Verwundung durch Luft, eine Kontusion ist. --ach einem Schuß aus einer zwölfzölligen Kanone flog eine wmbe an dem zweiten Geschütz vorüber und ein Mann stürzte uk hingemäht nieder. Als man ihn auf die Tragbahre gelegt ;atte, trat ich heran und sah, daß von seiner rechten GesichtA-

ite Blut floß. Ich hielt ihn für stark verwundet. Nach 20 kututen stand der Mann wieder in der Front. Es erwies sich, > die Bombe an seinem Kopf vorübergeflogen war und die *on dem Geschoß durchschnittene Luft einen solchen Druck aus- kiibt hatte, daß aus der Wangenhaut des Soldaten das Blut >ecv-orbrach. . . /' Hier noch einiges aus den wetteren Aus- id,mmigen des Generals: 4. März.Heute trifft Ssmirnow in; ich bin sehr froh, daß meine Mission hier endigt. Groß- i-irft schrill Wladimirowitsch ist angekomMen. . " 5. März. /Ssmirnow war bei mir; er ist alt und grau, aber stark' von sich ingeiwmmen. Er ftagte, wann ich abreisen wolle. Ich ant- I /ortete, möglichst bald . . ." 15.- März.Gestern erhielt ich l in Telegramm des Statthalters: daß mir Allerhöchst befohlen ' st, hier zu bleiben, daß der Festungskommandant mir unter* ,:Coronet ist, daß mir die Rechte des Kommandeurs eines ab-

"'i / zn^esprorhen sind usio. km großer Ver­

druß (!)

Ein Antrag fordert die AnstellÜstg von weibliches , Beamten in allen Gewerbeinspektio ns bezirken, in welchen eine beträchtliche Anzahl von Arbeiterinnen in der Industrie beschäftigt Wird. Zwei fernere Anträge begrüßen den neugegründeten Verband süddeutscher Patronagen für jugendliche katholische Arbeiterinnen als Vorschule der katholischen Arbeite­rinnenvereine, zollen dem Wirken der in demselben tätigen Damen ihre vollste Anerkennung und bezeichnen es als dringende Notwendigkeit, die erwerbstätige weibliche Jugend in Mädchen? Vereinigungen oder Jugendabteilungen zusammenzuschließen.

Alle Anträge wurden angenommen und dann die wetteren

Vertreter schon wiederholt versprochene gesetzliche Schutz der Heim> arbeiter noch fast gar nicht verwirklicht ist und erhofft ein baldiges! entsprechendes Gesetz. Sie erachtet aber auch die auf Selbst­hilfe der Heimarbeiterschaft abzielenden beruflichen Organisatttneu für wichttg und empfiehlt allen beteiligten Kreisen, insbesondere den katholischen; Frauenvereinigungen, diese nach Kräften zu verbreiten und zu unterstützen. Errdlich erscheinen die auf charttativer Grundlage beruhenden Bestrebungen zur sittlichen und sozialen Hebung der Heimarbeiterschaft bedeutungsvoll, und die Generalversammlung empfiehlt daher auch diese zu kräftiger Unterstützung.,

Eine Reihe weiterer Anträge beschäftigt sich mit der Ar­beiter- und Jugendfürsorge. Ein Antrag fordert die katholischen Arbeitervereine auf, ihre Mitglieder sittlich zu för­dern und geistig fortzubilden und staatsbürgerlich zu.schulen in Vorträgen, Unterrichtskursen, durch Bibliotheken und sie zu schützen, in Fragen des Rechts, insbesondere auf dem Gebiete der sozialen,Gesetzgebung durch Errichtung von katholischen Ar- betterfefretartaien. Ein anderer Antrag spricht den Wunsch aus- daß alle katholischen Arbeiter Deutschlands sich diesen Vereinen anschließen. Höchst förderlich sei auch die Mitwirkung der Mitt gliedcr anderer Stände an den Bestrebungen dieser Vereine, doch dürfe deren Charakter als Standesorganisatiouen nicht beein­trächtigt toerben. Zur Jugendfürsorge erachtet es ein An­trag als eine dringende Pflicht der Katholiken aller Stände, den Bestrebungen zur Förderung der schulentlassenen männlichen Jugend erhöhte Bedeutung zu schenken. Als eines der wich­tigsten Mittel der Fürsorge für die schulentlassene männliche Jugend in Stadt und Land haben sich die konfessionelles Jugendvereme erwiesen. Die Generalversammlung richtet daher an die katholischen Männer aller Berufsstände, namentlich der gebildeten Klassen den dringenden Appell, diese Vereine in ihren Bestrebungen zu unterstützen. Ein Antrag fordert alle Katholiken auf, ihre jugendlichen Söhne den katholischen Ju- genborganifatione n zuzuführcn. Gelte es doch, unsere männliche Jugend in den religiös sittlichen Gefahren zu schützen und zu stärken, sie für Beruf und Leben geistig heranzubilden und für die späteren Standesinteressen imb Stanbesorganisatio- nen zu schulen. Ein Antrag empfiehlt den Mitgliedern der katholischen Arbeitervereine energische Mitarbeit bet der Bildung geeigneter katholischer Jugendvereine für die erwerbstätige kath. Jugend. Sofern eigene selbständige Jugendvereine nicht gebildet werden können, wird die Bildung von Jugendabteilungen int Anschluß an die Arbeitervereine empfohlen. Ein weiterer An­trag behandelt die Wichtigkeit der katholischen Arbeiterin­nenvereine und fordert neuerdings zu deren Gründung auf. In einem anderen Anttage spricht die Generalversammlung ihre freudige Anerkennung über den bisher entfalteten Eifer an der Gründung von katholischen Arbeiterinnen^ vereinen aus. Sie mahnt die Geistlichkeit, die gebildeten Frauen und insbesondere die Arbeiterinnen selbst zu weiterer reger Agitation für Gründung und Förderung dieser Vereine, um die Arbeiterinnen in den religiös-sittlichen Gefahren zu schützen; sowie in der Verfolgung ihrer wirtschaftlichm und beruflichen Interessen zu unterstützen.

Verhandlungen auf Donnerstag vertagt.

Am Nachmittag tagte die dritte öffentlicheGeneral- versammlugg. Die Festhalle war wieder in allen Teilen überfüllt. Auf der Tagesordnung steht zunächst ein Vortrag des Geiftl. 3dats Pfarrer Wacker (Zähringen), genannt der Zähringer Löwe", über Katholizismus und Nationa­lität und des Reichstagsabg. Landgerichtsbirektor Gröber (Heilbronn) über Katholizismus und wirtschaftliches Leben. Geiftl. Rat Wacker als erster Redner führte aus: Wie wäre es heute, wenn es keine katholische Kirche gäbe. Wie würde es in Europa und speziell in Deutschland aussehen? Wenn die katholische Kirche nicht wäre, so gäbe es eine un- gefreute Lücke. (Beifall.) Tie Nationalität ist von der

dtuß (!)..."I 31. Marz.Ein unglücklicher Tag. Vor meinen Augen ist diePettopawlowsk" untergegangen und mit ihr Makarow. Der Großfürst ist gerettet. Beide Großfürsten sind schon aus Port Arthur abgereist ... Am Morgen war Makarow mit dem Geschwader nach Süden ausgelaufen. Vom Lager des 10. Regiments sahen wir, wie das Geschwader in Kielwasser- Eolonne zum Hafen zurückkehrte. Die Torpedoboote gingen nach dem Hafen, diePetropawlowsk" folgte. Plötzlich gab es bei Ljuty Rok eine furchtbare Explosion unter demPetropawlowsk"/ sodann eine zweite. Nach dieser zweiten Explosion ging die Petropawlowsk" wie ein Stück zu Boden. In nicht ganz zwei Minuten war alles zu Ende . . . Das übrige Geschwader wollte in den Hafen einlaufen. Plötzlich explodierte unter derPobjeda" eine Mine. Das Schiss legte sich aus die linke Seite, kam aber doch noch in den Hafen. Man nahUl an, daß die Explosion das Werk eines Unterseebootes sei und begann von allen Schiffen ins Wasser zu schießen . . ."

54. Deutscher Katholikentag.

(.Unberechtigter Nachdruck verboten.)

S. u. H. Würzburg, 28. Aug.

Der heutige Tag begann wieder mit kirchlichen Feierlichkeiten. Um' 91/2 Uhr trat bann in der Festfralle bie Generalver­sammlung des Volks Vereins für das katholische Deutschland zusammen, dem bie katholischen Gewerkschaften, die Gesellen-, Arbeitervereine usw. angefrören, und ber bie Massen­organisation für die Wahlen repräsentiert. In ihm sind mehr als eine Million Männer zusammen geschlossen.

Generalsekretär Reichstagsabg. Piper hob in einer längeren Ansprache besonders hervor, daß ber Volksverein praktische Real­politik treibe, wie sein Mitbegründer Windthorft auch der erfolg­reichste Sozialpolitiker gewesen ist. Wir leben nicht in einem Zeitalter der ruhigen Beharrung, sondern einer gewaltigen wirtschaftlichen, religiösen und gesellschaftlichen Umwandlung. Gärung finden wir jetzt auf allen Gebieten. Neues, was sich nicht zuruckhalten läßt, ringt in den Köpfen um Herrschaft. Die Zahl der Industriearbeiter nimmt außerordentlich zu, der Landwirtschaft fehlt es an Leuten. Ueberall machen sich neue Erscheinungen im wirtschaftlichen Leben bemerkbar. Schwere wirt­schaftliche Jnteressenkämpfe zeigen sich stets in drohender Nähe. Um diese zu verstehen, muß Mann und Hausftau sozial ge­schult werden. Das wird vom Volksverein stir das katholische Deutschland unternommen. Er erweckt auch wieder die Liebe zur Religion, durch welche die sozialen Kämpfe leichter gemacht werden. Wir müssen unjs den Forderungen der Zeit anpassen und die christliche Gesellschaftsordnung ausbauen. Wir müssen den modernen sozialen Gedanken pflegen, sonst nützt uns die soziale Gesetzgebung nichts, sonst bleiben wir frülflose Kinder. Wir müssenneusozial" sein, dann werden wir vorwärts kommen. (Lebhafter Beifall.) Man kann das Volk nicht sozial heben, wenn es nicht fozial geschult ist. Das sehen wir an Rußland, wo trotz aller Reformen das Volk nicht geistig höher fteigt. Bei uns gebt es vorwärts, bas sehen wir am besten aus dem Anwachsen der christlich-nationalen Ar­beiterbewegung. (W gilt das Volk für die modernen Ver­hältnisse zu erziehen. (Lebhafter Beifall.)

Die dritte geschlossene Hauptversammlung schloß sich unmittelbar an bie Gen er alvers ammlun g des Volks­vereins. Sie beschäftigte sich wieder mit der Beratung von Anträgen.

Ein Antrag bes Reichstagsabg. Giesberts über die wich­tige Frage der Tarifverträge erstrebt folgendes: 1. Ab­schluß von kollektiven Arbeitsverträgen (Tarifverträgen), in denen die Lohn- und Arbeitsbedingungen durch Vereinbarungen zwischen den Organisationen der Arbeiter und Arbeitgeber auf längere Dauer möglichst einheitlich geregelt werden. Bei ber wachsendem Bedeutung dieser Tarifverträge erscheint es geboten, den in dieser Art geregelten Arbeitsverträgen einen besseren rechtlichen Schutz zu ^währen, als es bisher der Fall ist. 2. Errichtung von paritätischen Arbeitskammern verbunden mit Schiedsgerichten und Emigungsämtem zur Verhinderung und Schlichtung von Streiks und Aussperrungen. Der Antrag wird angenommen, ebenso ein Antrag, der empfiehlt, in größeren Betrieben Ar­beiterausschüsse mit nicht zu eng bemessenen Befugnissen einzu­richten. Ferner wird ein Antrag angenommen, wonach die Ge­neralversammlung wiederholt auf die Notwendigkeit der gesetzlichen Reformen zu Gunsten der verschiedenen Zweige des Privat- beamtenstandes hinweist. Zur Frage ber Heimarbeit wurde ein Antrag ohne Erörterung angenommen: Die General- versammlUng bebauert es, daß der seitens ber Regierungs-

^ellmau über seine Sicherheitsmaftregeln für die Polarfahrt.

Die Nachrichten aus Spitzbergen lassen hoffen, daß ie Windverhältnisse sich in letzter Stunde bessern werden md daß so dem wagemutigen Wellman die Enttäuschung rspart bleiben wird, ein zweites Mal unverrichteter Dinge I ort der Däneninsel heimzukehren und wieder ein Jahr ' erstreichen zu lassen. Der kühne Plan des Amerikaners hat von feiten der Wissenschaft manche ernste K'ritik cr- ahren müssen, und wenn auch gegenüber dem Unternehmen es unglücklichen Andrs die Chancen derAmerica" un- leich besser sind, so sind doch noch manche Fragen un­beantwortet, in welcher Weise die Aeronauten un- rwarteten Hindernissen zu begegnen gedenken, wie ! egen alle Eventualitäten Borsorge getroffen und

, or allem: welche Rückfahrtsmöglichkeiten bei den

chwankenden Windverhältnissen in der arktischen \ tone offen bleiben. Wellmann selbst hat nun im - Lindsor Magazine das Wort ergriffen, um die Chancen u erwägen.Wir wollen zurückkehren; wir haben keine ttrst, als Märtyrer zu posieren," so schreibt der Amerikaner, j Vier Pfeile sind es, die wir im Köcher haben. Erstens | aben wir eine gute Chance, zum Pol und wieder zurück j ix unserem Hauptquartier oder zu irgend einem anderen and zu kommen, indem wir die eigene Kraft unseres ustschiffes in Rechnung setzen; zehn oder vierzehn Tage f nh dafür wohl anzusetzen. Zweitens' aber, sollte dies ! tißlingen, sollten Motor und Heizmaterial nur dazu aus­eichen, uns bis zum Pol zu bringen, so könnten, wenn der j tasolinvorrat sich erschöpft, Motor, Maschinerie und eine ieihe von anderen Gegenständen als Ballast dienen; wir >ürden sie nach und nach über Bord werfen und so die -ebekraft des Gases ausgleichen. DieAmerica" könnte (ann als einfacher Treibeballon in der Luft bleiben und ch vom Abfahrttage ab ungefähr 2535 Tage in der tmosphäre halten. Und in dieser Zeit ist die Chance offen, ' der Wind uns südwärts treibt; die Entfernung vom , >ol zum Land beträgt nur 860. englische Meilen und. bei

frischer Mise wären diese in zwei oder drei Tagen zurück-^ zulegen. Drittens: Wenn das Luftschiff uns bis zum Pol oder nur in seine Nähe führt, so haben wir in unserer Ausrüstung eine vollkommene Schlittengarnitur mit zwölf ausgewählten sibirischen Hunden; die zwei Monate, die es dann noch hell sein wird, könnten dazu benutzt werden, in einer Schlittenreise über das Eis Spitzbergen oder Grön-^ land zu erreichen. Es versuchen ja andere, mit Schlittens expeditionen zum Pol vorzudringen und zurückzukehren: wenn dieAmerica" uns zum Pol bringt, so brauchen wir nur die Heimfahrt zu machen, und in ihr haben wir noch die Hilfe des treibenden Eises, das uns durchschnittlich täglich zwei bis vier Meilen fortbringt. Viertens: Die große Tragfähigkeit unseres Luftschiffes und die Aus­nutzung des Schleppseiles ermöglichen uns, soviel Nahrungs­mittel mitzuführen, daß im Notfälle, falls dieAmerica" zu irgend einem unwirtlichen Platz in der großen un­erforschten Aera abgetrieben werden sollte, wenn wir fern vom Lande das Luftschiff verlassen müssen, wenn irgend ein Mißgeschick, Krankheit oder was es auch sei, es nicht ratsam machen würde, noch im Herbste eine Wckkehr mit dem Schlitten zu versuchen, so könnten wir an der Stelle, wo wir landen, überwintern. Die riesigen Mengen von Stoff und anderen Materialien, aus denen dieAmerica" besteht, liefern alles, was not tut, um eine behagliche wetterfeste Hütte zu errichten, und wir brauchten nicht den Hunger zu fürchten; die mitgeführten Vorräte reichen aus, um uns zu erhalten. Sollte dieser Fall eintreten, so könnten wir mit dem Frühjahr die Schlittenfahrt süd­wärts antreten, wenn auch die Eisverhältnisse der Reise günstiger sind als im Herbst. Unsere Nahrungsvorräte reichen aus bis zum 1. Juni... Um all diesen Möglich-» feiten begegnen zu können, führen wir die neuesten, ge­nauesten und erprobtesten Karten und Angaben über das Land rings um den Pol mit uns; die einzelnen Regie­rungen und verschiedene geographische Gesellschaften haben uns in der Zusammenstellung dieses Materials wirksam unterstützt. Wir besitzen alle Nachrichten über die Stämme,

die Wildverhältnisse, die Außenposten, Fährten und Wasser­läufe und über die Nahrungsdepots im Franz Joseph-Land an der sibirischen Küste, auf Grönland, an der Nordküste Britisch-Umerikas und auf den abgelegenen Inseln. Wie auch das Schicksal sich wenden mag, wir hoffen, gerüstet zu sein; wir sind darauf vorbereitet, zu überwintern, haben ausreichende Vorräte und wenn die Natur uns günstig ist, so können wir diese sogar noch mit Gewehr und Patrone vergrößern.^

V 0lkstage in ber Frankfurter Liebermann- Au s st e l l u n g. Um bie Liebermann-Ausstellung den weitesten Kreisen zugänglich zu machen, wirb sie von jetzt ab auch an Sonntag-Nachmittagen von l1/*6 Uhr geöffnet und ber Eintritts­preis wahrend dieser Zeit sehr ermäßigt seilt. Es ist anzunehmen, baß diese sogen. Volkstage denselben starken Erfolg haben werden, wie im vorigen Jahre bei der Thoma-Ausstellung. Einstweilen hat sich der ^Ausschuß für Volksvorlesungen" (an der Schnudt- stube 7 hier) für die Volkstage bereits 2000 Eintrittskarten reservieren lassen, welche er den ihm aggregierten Organisationen im Vor­verkauf zu ermäßigten Preisert abgibt.

Frankfurter Oper. WagnersRing des Nibeluitgelt" wird im September an folgenden Tagen zur Aufführung gelangen: Freitag den 6.Tas Rheingoldk Atontag den 9. ^Die Walküre", Attttwoch den 11.Siegfried , Montag den 16.Götterdämmerung". Die Vorstellungen werdeit außer Aboltnement und bet großen Preisen gegeben. Vorbestellungen nimmt bie Kasse des Opern­hauses entgegen.

Schtvetzer SUoftergarten. Im Berliner Tageblatt schildert Johannes Troj alt in einem launigen Aufsatz, was ihm alles auf den siebzigsten Geburtstagstisch geflogen ist. ES heißt darin u. a.:Es kam in mein Hans außer einem Dutzend von Würzburger Bocksbeutellt eine hübsche Anzahl langhalsiger Flaschelt, auf denen verschiedene Jahreszahlen von 1876 bis 1905 verzeichnet sind. Als Alerkwüldigkeit aber erhielt ich auS Westpretlßen eine Flasche Wein, ber bezeichnet ist als Schtvetzer Klostergartett unb in Schwetz, bas an der Weichsel und dem Schwarzwasser liegt, gelesen und gekeltert worden ist. Die Ordeltsritter haben dort ihrer Zeit mit Erfolg den Weinbau eingeführt. Diefe Flasche denke ich zuletzt von allen ztt trinken, um möglichst lange die Vorfreude zu ljaben." Echtester Trojan!

Die Bronze-Statue des OrauierS Wil­helm III., ein Abguß der auf der Berliner Schloß-Terrasse stehenbett Figur, dte der Kaiser bem britischen Volk zum Geschenk macht, ist jetzt nacfr London gesandt worden.