Ausgabe 
30.5.1907 Zweites Blatt
 
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Ein weibliches Pnmpgenie auf der Anklagebank.

(Unberechtigter Nachdruck verboten.)

H. F. Breslau, 29. Mai.

Selten hat wohl ein so großartiges Pumpgenie vor den gerichtlichen Schranken gestanden, wie die 70iährige verwitwete Frau Oberlehrer Rosalie Ulbrick, die sich vor der Strafkammer wegen vieler Betrügereien und schwerer Urkundenfälschungen zu verantworten hat. Frau Ulbrich, Tochter eines Torfschullehrers, war seit 1870 mit dem am städtischen Realgymnasium angestellt gewesenen Oberlehrer Robert Ulbrich verheiratet. Nachdem dieser 1884 gestorben war, hat Frau Ulbrich, die nur eine kleine Pension bezog, einen so umfangreichen Pump angelegt, daß es kaum glaubhaft ist, wie sich so viele leichtgläubige Leute finden konnten. Frau Ulbrich hat unter allerlei Erzählungen, sie besitze Hypotheken, Häuser, Wertpapiere usw., könne diese aber augenblicklich nicht verkaufen, eine große Anzahl Leute, zumeist Witwen oder ledige weibliche Personen, um viele Tausend Mark angeborgt. Vielfach war sie genötigt, ihre angeblichen Wertpapiere und Hypotheken als Unterpfand zu bringen. Dies tat sie auch, indem sie ihren Gläubigern ein versiegeltes Paket mit entsprechender Aufschrift über­gab, in dem wertlose Papiere enthalten waren. Oftmals war sie auch genötigt, schriftliche Bürgschaften zu bringen. Auch dies verstand sie meisterhaft, denn sie hatte das Ge­schick, jede Handschrift nachzuahmen. In dieser Weise hat sie eine große Anzahl Leute in der Provinz Schlesien, zum Teil auch in Berlin, um ihr ganzes Vermögen gebracht und nach und nach 640 000 Mark zusammenge­bracht. Wo das viele Geld geblieben ist, wissen die Götter. Frau Ulbrich hat allerdings mehrfach Schulden und auch Veruntreuungen ihres Sohnes gedeckt, sie soll aber an­geblich sehr bescheiden gelebt haben und sich in so ärm­lichen Verhältnissen befinden, daß sie nicht einmal Mittel besitzt, um einen Verteidiger zu bezahlen. Noch int Mai 1906 kaufte sich Frau Ulbrich eine Villa in Ober-Salzbrunn; die Anzahlung hierfür hat sie aber ebenfalls geliehen.

Den zahlreichen Gläubigern riß schließlich der Gedulds­faden. Als sie sahen, daß und in welcher Weise sie be­trogen waren, erstatteten sie Anzeige. Frau Ulbrich wurde Ende Juni 1906 verhaftet. Sie hat sich nun wegen zahl­loser Betrügereien und schwerer Urkundenfälschungen zu verantworten. Neben ihr muß ihr Sohn, Kaufmann Georg Ulbrich, auf der Anklagebank Platz nehmen. Dieser hat eine sehr gut besoldete Stellung bei der Breslauer Lager­haus-Gesellschaft. Der junge Mann soll sehr noble Passionen gehabt haben. Um diese bezahlen zu können, soll er seiner Mutter mehrfach auf ihren Pumpstreifzügen wissentlich durch Rat und Tat Beihilfe geleistet und außerdem der Lagerhaus-Gesellschaft 43 000 Mark veruntreut haben. Er wurde deshalb ebenfalls verhaftet und hat sich wegen Bei­hilfe zum Betrüge und fortgesetzter Untreue zu verant­worten.

Nach mehrtägigen Verhandlungen wurde heute nach- mittag das Urteil gesprochen. Die Angeklagte erhielt a ch t Jahre Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust; sechs Monate Untersuchungshaft werden ihr angerechnet. Ihr 37jähriger Sohn erhielt zwei Jahre Gefängnis; sechs Mo­nate Untersuchungshaft sind ihm ebenfalls angerechnet wor­den. Wegen zweier schwerer Urkundenfälschungen hat sich Frau Ulbrich noch vor dem Schwurgericht zu verantworten.

Briefkasten oer Redaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

Tchr. Tie Dauer eines Patents ist nicht 10, sondern 15 Jahre- Eine Verlängerung des Schutzes über diese Maxiinalgrenze hinaus hätte außerordentliche Schwierigkeiten.

Nachbarn, man sage Dinge, die im Uemen Kreise harmlos seien, aber verletzend wirken, wenn sie dem Abwesenden zu Ohren "kämen. Es komme dazu, daß der Leser von dem, was der Zeitungsmann über andere Länder schreibe, nur das Böse behalte und nur selten das Angenehme wiederhole. Die Völker seien heutzutage so emvsindlich gegenüber dem, was man im Auslande über sie sage, wie ein Schriftsteller bei seinem ersten Buche oder ein Maler, der zum ersten Male ausstelle. Tie Gleichgültigkeit der Weisen sei eine Eigenschaft, die im Völkerleben gepflegt werden könnte. Uns als den Bewohnern Englands ist es klar, daß wir keinen Angriff gegen Teutschland vlanen und Sie wissen in Deutsch­land, daß die Ihnen zugeschriebenen Absichten nicht vorhanden sind. Tas Geheimnis liegt darin, daß einer dem andern trauen soll. Es kann dadurch gelöst werden, daß man sich besser ver­ständigt durch eine bessere Einsicht in die Gedanken und Art des andern. Bei Ihnen bewundern wir eine friedliche und be­triebsame Bevölkerung, die mit ihren vielseitigen Ausgaben und Problemen genug zu tun hat und stolz und furchtlos dasteht und mit allen ihr zuträglichen Mitteln den Krieg vermeiden will. Ebenso liegen die Tinge bei uns. Es könnte kein größeres Un­heil geben als einen Zwist zwischen diesen beiden Völkern wegen eines Geschäftes in Sensationen, mit denen man die Zeitungsleser anreizen will. Niemand in England schreibe der jetzigen engl. Regierung einen agressiven oder heftigen Charakter zu. Niemand verstehe ihre Pläne dahin, als ob sie gegen Teutschland gerichtet seien. Sollten wir gezwungen sein, feindlich einander gegenüber zu stehen, so möge nichts Schlimmeres sich zutragen als Säbel­rasseln und das Verschießen von Platzpatronen in den Spalten unserer Zeitungen. Redner schloß mit der Aufforderung, aber auch dieses harmlose Spiel nicht über das Maß zu betreiben.

Sidney Low uomStandard" führt in deutscher Svrache aus: Tas beste Band für gegenseitige Freundschaft fei gegenseitige Achtung. Vielleicht trage das neue Jahrhundert mehr in seinem Schoße verborgen als irgend eines seiner Vorgänger und gern wolle er hoffen und glauben, daß deutsche unb englische Verstandes» kräfte Schulter an Schulter und Hand tn Hand an die siegreiche Lösung dieser Rätsel Herangehen mürben.

Parkin vomSheffield-Daily Telegraph" toastet auf das Empfangskomitee.

Aus Berlin wird uns geschrieben:

Schon beim ersten Zusammensein im Kaiserkellcr zeigten sich die Gäste durchaus ungezwungen und von der liebens­würdigen Seite: sie schienen sich sogleich vollkommen zu Hause zu fühlen. Von demsteifen Wesen", das nach langer Ueber- lieferung den Engländern anhaftet beiläufig eine oft nrehr nachahmcnswcrtc als tadelnswerte ruhige Zurückhaltung im öffentlichen Verkehr ist bei den Gästen nicht eine Spur zu bemerken. Weltgewandte Männer von scharfem und klarem Blick, empfänglich für alles, so präsentieren sich nach dem allgemeinen Urteil die Vertreter de. englischen Presse. Ein Ber­liner Mittagsblatt hat gerade am Tage Der Ankunft die Ver­öffentlichung einer Londoner Korrespondenz für angezeigt ge­halten, worin auseinandergesetzt wird, daß großenteils nicht die leitenden Herausgeber der englischen Zeitungen der Einladung gefolgt, und daß etliche der Herren im Punkt der Teutschfreund- lichkeit nicht zweifelsohne sind. TiefeEnthüllungen" hätten, wenn überhaupt, zu einem anderen Zeitpunkt publiziert werden sollen. Kein englisches Blatt har während der Anwesenheit deutscher Journalisten in England eilte ähnliche Charakteristik über die Teilnehmer an der Fahrt gebracht, selbst nicht dieTimes" und dieDaily Mail". Es versteht sich von selbst, daß nicht jeder Vertreter der englischen Presse, der herüberkam, ausgesprochen deutschfreundlich ist. Umso größer ist der Gewinn, wenn ein bisherUnversöhnlicher" zu milderen Anschauungen bekehrt wird. Tie internationalen Zusammenkünfte Der Presse wären noch von greiserem Nutzen, wenn sie häufiger, regelmäßiger stattfänden. Das nächste Mal ohne die Mitwirkung offizieller Kreise, in bescheidenerem Rahmen, mehr auf den Ideenaustausch gerich­tet. Warum sollte eine Gesellschaft französischer Jour­nalisten nicht dem Beispiel ihrer englischen Kollegen so l gen können?, Tie Herren würden nicht minder entzückt von Der Auf­nahme sein, wie Die Engländer. Ebenso leicht dürfte sich eine Zahl deutscher Journalisten zu einem gemeinsamen Besuch in Paris bereit finden. Auch Mitglieder Der ita- lie nischen Presse sähe man gern einmal bei uns, zu einem Sichkennenlernen. Tie Gründe dafür sind durch die wenig bundes­freundlichen Erörterungen der jüngsten Zeit gegeben. Statt diplo­matischer Konferenzen mehr internationale Presse-Zusammeit- künfte. Die Journalisten werden sich besser vertragen und rascher verständigen und vielleicht mehr der Sache des Friedens nützen, als die Herren vom grünen Tisch.

2his Stadt und Land.

Abdruck unserer durch Korrespoudenzzeichen kenntlich ge­machten Orginalartikel ist nur unter genauer Quellenangabe (Gieß. Anz.) gestattet.

Gießen, den 30. Mai.

** Vortrag. Gestern abend sprach im Cafs Ebel der Geschäftsführer des deutschen Freidenkerbundes, Herr Schmal aus Frankfurt, überGlaube und B e rn u n f t". Nach feiner Ansicht bilden Glaube und Vernunft diametrale Gegensätze. Ter Redner berührte auch Tualismus und Monismus. Tie erste Religion der Menschen wäre eine Naturreligion gewesen. Nicht ein Gott habe den Menschen, sondern der Mensch sich seinen Gott geschaffen Ter Redner bestritt das VorhanDensein einer Seele Ter Mensch habe einen Verstand, d. h. Funktionen des Gehirns. Trotzreligiöser Verirrungen" schreite die Wissen­schaft fort und wirke immer mehr aufklärend. Vom Polytheis­mus gehe cs über Monotheismus zum Atheismus, Nicht dem Glauben, sondern Der Vernunft gehöre die Zukunft. Vernünftig DenkenDe können sich zum Monismus bekennen. Dem Natur­gesetze müsse alles Jdrische sich fügen. Die meisten Menschen hatten ihren Glauben meist aus Gewohnheit ererbt. Ein Lehrer, Der richtig Geographie unD Naturgeschichte zu lesen verstehe, bringe Den Kindern am meisten bei. Auch Professor Reinkes Rede im preuß Herrenhaus wurde gestreift. Der Redner tadelte scharf die Gleichgültigkeit in religiösen Dingen und forderte zum Ein­tritt in die Freidenkervereinigung auf. Rechtsanwalt Dr. S p o h r danke ihm und forderte zu reger Diskussion auf Da sich niemand meldete, griff er selbst den Redner etwas an. So ver- leidlgte er etwas Die Wünschelrute, nannte aber andere Gebiete des Aberglaubens. Herr Schmal erwiderte, daß er bei seinen Ausführungen über die Wünschelrute den Belehrungen eines Fachmannes vertraut hätte. Zum Schlüsse machte er noch Mit­teilungen über schwebende Organisationsfragen.

,. ** Zu d en Massenerkrankungen in Gonters- EJ? l71e n treibt uns das Großh. Kreisgesundheitsamt in Schotten:

Es fiel

.. . Es handelt sich um Unterleibstyphus. Die Erkrankungen smd vor vornherein von den Aerzten und Behörden als iv l etwa als Fleischvergiftung ausgefaßt und

die Maßnahmen sind sofort nach dieser Äuffasiung eingerichtet worden, xie nach den Krankheitserscheinungen von den Aerzten gestellte Diagnose ist durch die Ergebnisse der bakteriolo- S.üchen Untersuchungen bestätigt worden. Bis jetzt sind ledig­lich Personen erkrankt, welche an der fraglichen Hochzeit teil- genommen haben ^ebc anders lautende Meldung ist falsch

Ebenso ist Die Angabe, daß die Epidemie bereits ein Opfer flefomrt habe, -indem eine Frau unter Krampferscheinungen s0Cn fck ou*Lbcr Luft gegriffen. In Gonters­kirchen ist von den ersten Tagen des Monats April ab bis ^ute ein Sterbsall zu verzeichnen. Am 20. Mai ist nämlich em 3 Monate altes Kind einem chronischen Leiden erlegen das mit Typhus nichts zu tun hatte.

-i- R ö d g e ii , 29. Mai. Tas stumme Töchterchen des hiesigen 'Bahnwärters spielte gestern abend auf einem hagelt " ' herunter und verletzte sich schwer.

, W. Daubringen, 29. Mai. Endlich ist doch ein lange gehegter/Wunsch der Gemeinde erfüllt. Seit Dem 15 Mai haben wir Telephon-Anschluß. Unser neues Schul­

geb ä u D e kommt im Nachsommer zur Einweihung. Es ist vo einem Glockenturm gekrönt. Eine Kirche haben wir leiDer noc nicht, obwohl unser Ort 800 evangelisch-lutherische Einwohne zählt. Llber auch dazu wird es wohl kommen, daß einmal de Grundstein zu einer Kirche hier gelegt wird. Zur Schule wir letzt nickn mehr geläutet. Auch bei Beerdigungen kommt es voi daß sich die Leute Kinder zum Läuten suchen müssen. De eine Schulsaal der alten Schule soll übrigens später für ein Kleinkinderschule dienen. Unser Kr i e g er v e r e i n feiert ar 7. und 8. Juli sein 35jäbriges Bestehen, verbunden mit der Berirks-Kriegerfest der Hassia, wozu ihm die Kaiserschleife vor Kaiser verliehen wird. Vorbereitungen dazu sind schon im Gang, Tie Musik wird von H. Becker aus Wieseck und 20 Mann ausge führt werden. Für Karusi'el u. a. steht ein sehr großer Vla zur Verfügung. Die Wasserleitung soll dieses Iah noch fertig werden. Das Wasser soll aus dem Felde nach Alten Buseck zu bezogen werden. Auch eine Viehwage solle: wir dieses Jahr noch bekommen. Aber der Ortsvorstand wir sich wohl doch noch besinnen, ob er nicht gleichzeitig eine Wag zum Wiegen für Kartoffeln, Heu. Stroh, Kohlen u. bergt be schafft, die von großem Vorteil für die Konsumenten wäre.

-i- Lich, 29. Mai. Wie bestimmt verlautet, plant Fürs Karl die Vergrößerung des hiesigen Schlosses.

o Atzenhain, 28. Mai. Vergangene Nacht ha sich hier der etwa 60 Jahre alte Landwirt Philipp Saue in seiner Schlafstube erhängt. Sauer, der in ganz gute, Verhältnissen lebte und Invalidenrente bezog, war etwa! trunksüchtig, und man nimmt an, daß er die Tat in Rausch ausgeführt hat. Heute weilte das Amtsgerich Grünberg zur Untersuchung der Sache hier.

k- Hattenrod, 29. Mai. Dieser Tage kam ein Maure angetrunken nach Hause; .er geriet mit seiner Schwieger t achter in Wortwechsel, ergriff plötzlich ein Messer und ft a c ihr in die B r u st. Der rasch herbeigerufene Arzt konstatierte daß ein Stich die Lunge verletzt habe. Die Gestochene lieg schwer krank darnieder.

-i- Ober-Bessingen, 29. Mai. Sein 25jährige Jubiläum als Bürgermeister feiert nächsten Sonnta unser Bürgermeister Kühn. Er hat seit 2. Juni 1882 de Gemeinde ununterbrochen vorgestanden. Diese plant ihm zu Ehrei eine größere Feier. Der Jubilar ist 64 Jahre alt.

k- Wett er selb, 29. Mai. Beim Rohrlegen zur float liehen Wasserleitung für Bad-Nauheim verunglückte be unserem Orte der Arbeiter August Fischer dadurch, baß sie Erbmassen lösten und auf ihn stürzten. Fischer wurde schwe verletzt nach Ettingshausen gebracht.

-i-. Merkenfritz bei Gedern, 28. Mai. Eine fort schrittliche Gemeinde ist unser Torf. Kaum ist der Ort mi elektrischer Beleuchtung versehen, so hat der Gemeinderat in Beisein des Kreisamts Büdingen die Herstellung einer Wasser leitung in die Wege geleitet und die Errichtung einer neuei Schulst elle beschlossen. Die neue Stelle tritt am 1. Ok tober in Kraft, vorläufig wird ein Saal gemietet und nächste: Jahr mit einem Neubau begonnen.

Guntersblum, 29. Mai. Tas größte Wasserwer imGroßherzogtum wird gegenwärtig für 23 Orte des Rhein Selz-Gebietes erbaut. Dieser Tage fand im hiesigen Gemeinde House eine Verbands-Ausschußsitzung statt. Als Großabnehme wollen die Gemeinden Biebelnheim, UDenheim und Nierstein sic anschließen. Ebenso wurde auch der Anschluß des Bahnhofs Gau Obernheim genehmigt. Für jebe Gemeinbe wurde ein Wasser meister angeftellt, und zwar Spengler und Installateure an ben betreffenben Orten mit einer jährlichen Vergütung (je nac Größe bes Ortes) von 400 bis 1200 Mk. Der Verbanb beabsichtigt bei Wiederherstellung ber Pflasterungen in den einzelnen Ortei für einen Quadratmeter 1 Mk. zu vergüten. Im September wir! voraussichtlich das Werk eingeweiht. Die Leitungen und An schlüsse sind in allen Orten, mit Ausnahme von hier, fertig gestellt.

BabPyrmont,28. Mai. Ter kurhessische Städte tag hielt hier seine 18. Hauptversammlung ab. Oberbürger­meister Dr. Gebeschus-Hanan wurde zum stellvertretenden Vor sitzenden gewählt. Bei Erstattung des Geschäftsberichts kan Stadtrat Boedicker-Kassel auf die von feiten der Stadt Dresdei in die Wege geleiteten Versuche -einer Hinausschiebung des Zeit Punkts ber Aufhebung ber Verbrauchsabgaben zi sprechen; bie Versuche, biefe Bestimmungen bes § 13 des Zoll- larifgesetzes überhaupt aus der Welt zu schaffen, bürsten bereits letzt als mißlungen bezeichnet werden. Es erscheine daher geboten, als Ausgleich Die Aufhebung des Beamten st euerpri- vilegiums von Der Regierung zu forbern. Der Stäbtetag schloß sich dieser Ansicht an: die Regierung werbe mit Rücksicht auf Die allgemeine Erhöhung ber Beamtengehälter bieser Forde­rung nicht abgeneigt fein. Es wurde daraufhin folgende Ent­schließung angenommen:Ter Hessische Städtetag richtet an den Vorstand des Preußischen Städtetages bas bringenbe Ersuchen, bie Aufhebung des Koinmunalsteuerprivilegs ber Beamten, Geist­lichen und Lehrer auf bie Tagesordnung des nächsten Preuß. Städtetages zu setzen, oder ab.-r einen besonderen Preußischen Städtetag zur Beschlußfassung über diese wichtige Angelegenheit einzuberufen." Stadtrat Ädajor a. D. Henrici-Kassel sprach über Neuregelung ber Wauberfürsorge unb die in Kassel errichtete Wanberarbeitsstätte, wobei er auch bes kommenben Wanberarbeits- Itättengesetzes gebuchte. Regierungspräsibent Graf v. Berustorff befürwortete Die Errichtung zahlreicher städtischer Arbeitsnachweise und Die Versammlung empfahl den hessischen und waldeckischen Stäbten ben Beitritt zu dem in Franksurt a. M. gegründeten Verband ber Arbeitsnachweisstellen. Stadtgarten-Jnspektor En- geln-Kassel forberte in seinem Vortrag Pflege und Ausdehnung des stäbtischen Obstbaues. Magistrats-Assessor Dr. Sarau- Kassel sprach über bie Ausbildung Der mittleren Kommu­nalbeamten unb forberte bie allgemeine Einfühning von Prüfungen vor ber Anstellung. Es würbe eine Kommission aus ben Vorstonbsmitgliebern des Städtetages gebildet, die Dem nächstjährigen Städtetag einen bie gleichmäßige Ausbilbung ber Beamten gewährleistenden Entwurf einer Prüsungsordnung vor­zulegen hat.

Allenborf (Kreis Wetzlar), 30. Mai. Heute wirb hier eine 24)ähnge Frau, Mutter von 2 Knaben, beerdigt. Die Be­dauernswerte ist bas Opfer eines Unfalls geworden. Sie wollte ein P^er d anschirren helfen, wobei sie von biefem einen wuch­tigen Schlag auf bie Brust bekam. Sofort trat ein innerer Blutverlust ein, Derbunben mit gräßlichen Schmerzen. Nach I.V2 Stunden erlöste bas junge Weib Der Tod von ben schreck­lichen Qualen, ehe noch bie beiben telegraphisch gerufenen Aerzte Sanitätsrat Dr. Stein von Ehringshausen und Dr. Schäffer zu Leun erschienen. Ganz .Allendorf trauert mit bet so hart mitgenommenen Familie.

= Aus Dem Kreise Biebenkopf, 28. Mai. Die Kreisviehkasse erweist sich immer mehr als ein höchst legensreiches Institut. Gehören ihr selbst aus dem Kreise Mar­burg 45 Orte, ans bem Kreise Kirchhain unb Dillkreis je brei aus Dem Kreise Wetzlar zwei Orte an. Diesem fielen Zuwachs entsprechend nahm ber Versicherungs stand um 387 870 Mk. zu und erreichte die statlliche Höhe von 4 073 490 Mk. mit 68 796 Mark Beiträgen. Zur Entschädigung kamen 447 Fälle mit 65 388 M, unb zwar für 61 Pferde 28 311 Mk., für 128 Stück Rindvieh 23074 Mk., für 219 Schweine 13 344 Mk., für 39 Ziegen 658.50 Mk. Die Versicherungskasse steht sowohl in ihrer Organisation als auch in ihren Leistungen mustergültig da, in­dem, sie bei denkbar billigsten Prämien ihren Mitgliedern höchste Sicherheit gewährt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr sind insgesamt 252 neue Mitglieder unserer Kreisviehkasse beiae- treten. y

cn Kleine Mitteilungen auS Hessen unb den Nachbarstaaten. Am 1. Juni wird eine zahnärztliche Klinik in tfrtebberg eröffnet. Sie ist ein Unternehmen des Vereins hessischer Zahnärzte uno verfolgt den Zweck, Minderbemittelten zahnärztliche Behandlung zu Klinikpresien zu gewähren. Unbe- miUelle werden gratis behaubelt. Die Generalversammlung D-r Goethe-Gesellschaft in Weimar hat für das projektierte G 0 etb » D e n f ma ( in Wetzlar 500 Mt. bewilligt. J"

Telefonische Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitg< und Indusli

Frankfurter Börs 3%°/o Reichsanleihe . . 93.65 3%' do. . . 83.60 °/o Konsols . , . . 93.85 326 do. .... 83.50 Hessen . . ..

3^°/0 Oberhessen . . . 94.00 4% Uesterr. Goldrente. . 99.10 4l/8 % Gestern Silberrente 99 2J 426 Ungar. Goldrente . . 93.85 4% Italien. Rente . . . 103.20 326 Portugiesen Serie I . 67.70 3% Portugiesen III 68.50 4>6°/o russ.Staatsanl. 1905 90 80 4>i0/0 japau. Staatsanleihe 92.70 4 26 Conv, Türken von 1903 93.50 Türkenlose.....140.60

426 Griech. Monopol-Aul. 49.50 426 äussere Argentinier 84.00 3°/0 Mexikaner . . . 64.70

4>6°/o Chinesen .... 96.60

Aktien:

Bochum Guss..... 224.00

Buderus E. W . . . . 117.00

Tendenz: fest.

Berliner Börse, <

Canada E. B......167.90

Darmstädter Bank . . . Deutsche Bank .... 224.60 Dortmunder-Union C. . . 76.90 Dresdner Bank .... 141.30

Tendenz: sehr fest.

teilt von der Bank für Handel ie, Giessen.

c. 30. Mai, 1.15 Uhr.

Elektriz. Lahmeyer . . . 122.50 Elektriz. Schuckert . . . 110.00 Eschweiler Bergwerk . . 222.50 Gelsenkirchen Bergwerk . 195.60 Hamburg-Amerik. PaketL 130.30 Harpener Bergwerk. . . 207.50 Laurahütte...... 225.40

Nordd. Lloyd ..... 118.20 Obeischles. Eisen-Industrie 108.75 Berliner Handelsgcs , . 151.30 Darmstädter Bank 130.20

Deutsche Bank . . . 224.25

Deutsch-Asiat Bank . . 154.50 Diskonto-Kommandit. . . 169.50 Dresdner Bank . . . 141.40 Kreditaktien..... 206.50

Baltimore- und Ohio-

Eisenlahn . . . 93.50

Gotthardbahn . . . .'.

Lombard. Eisenbahn . . 22.25 Uesterr. Staatsbahn . . . 144.50 Pnuce-Henri-Eiseubahu . 134.50

). Mai. Anfangskurse.

Harpener Bergwerk. < . 208.00

Laurahütte .... 225.40

Lombarden E. B. ... 22.70

Nordd. Lloyd.....118.50

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Schöneberg b. Berlin, den 20. Fe« bruar 07. Sedanstr. 50. Hch habe Ihr wertes Bioson uom 15. Dezember 1906 bis 15. Februar 1907 in 2 Paketen oer- braucht, täglich 23 Eßlöffel. Ich habe ein Herzleiden und war mein Körper durch meinen Beruf als totaler sehr reduziert an Gewicht. In der zweiten Woche, in_ der ich Bioson genommen hatte, hob nch meinKörpergewicht bereits um Iv, Pfund. Run nahm ich Söioion täglich weiter und habe bis zum 17. Februar d. I. fünf Pfund an ttörper- ... A , ^wicht angenommen. Ich fühle mich

ibtzt bedeutend gekräftigt und habe auch, wie mir von meinen Bekannten gesagt wird ganz gesundes Aussehen. Den Wacht- chweitz, den ich früher östers hatte, habe ich seit Anfang Februar auch verloren, was wohl durch die Kräftigung des Körpers mit -öioion geschehen ist. lft mir immer sehr gut

letommcn uno tann ich, was Geschmack anbetrifft, ruhig sagen, das; elbst Perionen mit oerioohntem Gaumen Bioson mit Freuden nehmen werden. -.-Hochachtungsvoll! Georg Palm. Bioson ist tn 2lpotheken, Drogerien usw das halbe .^ilo-Paket zu drei Atari erhältlich, welches Tür ca. 14 Tage ausreicht. b4/<

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