Ausgabe 
30.5.1907 Zweites Blatt
 
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Donnerstag 30. Mai 1907

157. Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 124

Erscheint tügllch mit Ausnahme deS Sonntags.

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4)1. ÄiüdA"

dieselben geblieben.

gehört, daß wir unser Programm

modernste Odeur. Der Teer troctnet, mit Kies vermischt, gegen, der aber am Schluß des Stückes imrk nachließ. Be- ...... - ' ' Straßendecke wird fest und soll londers zu nennen ,md r^rl. Erb en schütz, die dieWendcla 1 UU *UlVU J JZ . mit nrni-or nnt'ir rfii>r 9himut nrtfl linb flttt SS £ tt *

mgcrHausbmfchc '6 3a&re ah, iür leitete M Mitotci Mu,

allmählich an und die S! _

dann staubfrei sein. Natürlich wäre es zu kostspielig^ die ganze Rennstrecke zu teeren. Geteert wird nur das Stück zwischen Homburg und Oberursel. Ter Rest wird wie beim Gordon Bennet-Rennen vor dem Nennen ein paar-

Die#lt6fner $amillenbiatttr werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Krtisblah für den Krtfs Gietzen" zweimal wöchenUich. Terhesfische Landwirt' erscheint monatlich einmal.

Rotationsdruck und Verlag der vrühllchen Universität» - Luch» und 6ttm£>ruderet.

9L Lange. Vietzen.

tRebaftton, TxvebMvn und Echul-

straße 7. Ervebitton und Verlag MV 6L Redatttoru^S IIZ. TeL-Blbu. SlnKtflcdÄufccn»

^aebt

Da habe ich- und zwar gerade

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Bergmami" mit großer natürlicher Anmut gab und Herr Hen­rich, der die Rolle desAkoritz Stiesel" gut vertrat. S. S.

In Dortmund stimmte das Stadtverordnetenkotlegium einer Vorlage des Magistrats zu, wonach für Verbesserungen im neuen, von Prof. Tülstr errichteten Stadttheater ein Be­trag von 20 000 Mk. bewilligt wird. 15 000 Mk. sind für Neubeschassungen bestimmt, während 5000 Mk. für Reparaturen auigeroenbet werden. Um bei Ausführung von großen Opern das Orchester vorschriftsmäßig besetzen zu können, muß der Or­chesterraum vergrößert werden, sodaß 75 Musiker Platz finden

AU dauernde Arbeil MS. AU m Lauterbach,

Anftreiascr

Mlh. Euler, Aslerwea

M ZiL....

können.

Münchner Richard Wagner-Festspiele 1907. Die musikalische Leitung der Münchner Festspiele, die vom 1. Aug. bis 14. September stattfinden werden, ist wie folgt festgesetzt worden: Generalmusikdirektor Felix Mottl wird den ersten und dritten Nibe­lungenring und die vier TristanausfüHrungen dirigieren; dem Hostapellmeister F. Fücher sind die Meistersinger von Nürnberg und der yueite Nibelungenring übertragen; die Tannhäuseraus- führungen hat Hoskapellmeister F. Schalk von der Wiener Hofoper übernommen.

Ein Opfer der Röntgenstrahlen. Dr. W. Fuchs, Professor an der Universität Chicago, dem es gelang, auch Weichteile (besonders die Magenwände) durch Röntgen­strahlen zu photographieren, ist den Folgen seinerExperi- mente erlegen. Prof. Fuchs wurde zuerst im Jahre 1905 von einer krebsartigen Kcanlhett, dem sogen. Röntgenstrahlen­krebs, an beiden Händen befallen. Im Herbst desselben Jahres mußte ein Glied des Daumens der rechten Hand abgenommen werden, und fünf weitere Amputationen folgten, ohne jedoch das Fortschretten der Krankheit aufzuhalten. Tie Finger beider Hände und schließlich die Muskelteüe der rechten Brust wurden abge­nommen, doch das Leben des Patienten war nicht zu retten. Er studierte in Berlin, Darmstadt (unter Prof. Kittker) und Paris, arbeitete mit Edison in Schenectady, und rouroe für seine Erfindungen auf der Weltausstellung in St. Louis mit der gol­denen Medaille ausgezeichnet. Das Heraustreiben des Staubes und der Flecken aus Diamanten gehörte zu seinen neuesten .Ent­deckungen,

Und nun unsere Flotte!

in Ihrem Lande Stimmen . . ...

verheimlichten und mit unseren Zielen hinter dem Berge hielten. Ich verstehe dies nicht. Denn klar und bestimmt liegt unser Flottcnprogramm vor den Augen der Welt. Sehen Sie sich das deutsche Flottengesetz vom \4. Juni 1900 an, dessen Bestimmungen von den exekutiven Gewalten nicht überschritten werden dürfen, uni) Sie gelangen zu einem festen und klaren Bilde über die ge­plante Stärke der Flotte. Ein Vergleich mit dem Bestände der engl. Kriegsflotte kann aber dem objektiven Urteiler keinen Zweifel darüber lassen, daß unsere maritimen Streitkräfte nur dem

Aon der Kchlserpreis-Aennvayu.

Flachdruck verboten.

Ter Kaiserliche Automobilklub hat sich für feine Renn- bahn zum Kaiserpreis einen gewaltigen Architekten gesucht: der Baumeister aller Welten bat ihm das Autodrom ge­türmt. Tie Täler und Höhen des Taunusgebirges müssen die Arena abgeben, in der sich die wilde Kraft Auto- mobilia am 13. Juni tummeln soll.

Ganz früh, vor Tau und -tag, beginnt jetzt täglich auf der Rennstrecke und im Taunus herum ein unheimliches Leben. Bis um die achte Morgenstunde ift den Renn­wagen das Trainieren gestattet und der übrige Verkehr hat zu ruhen. Kaurn haben sich die Amseln und Gras­mücken die Morgenkantate angestimmt, da faucht ein Un­getüm auf der Chaussee daher, ein grauer Klumpen saust mit wahnwitziger Schnelligkeit den Wald hindurch, daß sich die Telegraphenstangen für die Insassen zum Lattenzaun zusammenschließen. Und ängstlich schweigen Fink und Drossel und schauen der wilden Jagd nach. Schon ist das Ting wieder außer Sehweite, und nur ein bläulicher Tunst von geringem Wohlduft bleibt zurück und schlägt sich auf den Wald. Da räuspert sich der Fink und fliegt waldein. Die Kehle konnte ihm beschlagen.

AmUntertor" berührt die Remtoahn die Stadt Hom- burg, und in deren Umgebung wird auf einige Kilometer die ganze Strecke mit erhitztem Teer überzogen. Nach einem ganz neuen Verfahren, das auf etwa eines Jahres Dauer den Staub absolut löschen soll. Erst wird die Straße rein gefegt bis auf die Beschotterung, dann gießen sie aus großen Maschinen dickflüssigen Teer auf die Straße. Rabenschwarz wird sie und riecht wie in einer Schiffs­werft. Ueberhaupt alles, was mit dem Auto zusammeu- hängt, scheint sich in erster Linie auf den Geruch zu werfen. Benzin und Teer m lieblichem Gemisch, das ist wohl die

mal mitWestrurnit" besprengt. Auch das bindet den Staub und riecht. Und damit sind die beiden Deoingungen für die Autobrauchbarkeit glänzend gegeben.

An der Saalburg kann man die Vorbereitungen für das große Ereignis beobachten. Trotz der frühen Stunden sind viele fleißige Hände am Werke. Sie bauen eine neue Verkehrsstraße von der Saalburg hinunter zur zwei Kilo­meter talwärts gelegenen großen Tribüne, eine Verlänge­rung desNotlaufwegs". Tenn auf der Chaussee selber kann sich am Renntag der Verkehr nicht abwickeln. Ein gewaltiger Raum rechts und links der Chaussee ist ein­gefriedigt, er enthält die Unterfunfträume für die Besucher und namentlich die große Kaisertribüne. Sie ist schon bei­nahe fertig. Sie steht zu der Straße etwas im Winkel, damit man leichter die ankommenden Wagen von fernher beobachten kamt und nicht fortwährend dasitzen muß und nebenhinausgucken, wie der österreichische Adler. Tas wird ein Leben werden auf diesem weiten Platze! Der Kaiser mit seinem glänzenden Gefolge, all das vornehme inter­nationale Publikum, das sich die kostspieligen Tribünen­plätze kauft es muß ein interessantes Bild werden. Und der frühlingsprächtige Rahmen dazu wahrlich die Auto­industrie und der Autosport haben sich nicht zu beklagen.

F. Mt

Man schreibt uns aus Frankfuvta. M., den 28. Mai: Ms zweites Gastspiel brachte das BerlinerDeutsche Theater" heute vor ausverkauftem Hause Frank Wedekind's Frühlings Erwachen"; das Publikum brachte dem aus­gezeichneten Zusammenspiel des Ensembles großen Beifall ent-

torreise

Aie englische» Journalisten io Aerl n.

Berlin, 29. Mai.

Tie englischen Journalisten trafen beute mittag auf dem Lehrter Hahuhot ein und begaben sich in das Palasthotel, wo Fürst Hatz- selb sie begrüßte. Wilson dankte, wobei er betonte, daß sie erfüllt seien von aufrichtiger Zuneigung für ihre deutschen Freunde. Er schloß mit dem Wunsche, daß der Zweig der teutonischen Rasse, dein die Engländer angeboren und der deutsche Mutterstannu durch nähere Bekanntschaft em Band finden würden, das beide in Freund­schaft vereinigt. Hieraus begaben sich die Journalisten nach dem RaiferfeÜer zum Lunch, wo Friedrich Ter n bürg, der Later deS Staatssekretärs, die Gäste willkommen hieß.

Am Nachmittag fand eine vom Mitteleuropäischen Motor­wagenverein arrangierte Rundfahrt bnreb Berlin statt. 25 Auto- unter der Führung des Ehrenpräsideutteir deS Vereins, ©encral Becker und Doktor Bürknerbeganneu die Fahrt, die von der Friedrichstraße über die Linden, den Schloßplatz, daS Zentrum und den Osten LerlmS nach dem Mausoleum in Charlottenburg führte, wo Wilson, der Präsident deS Institute of JournalisleS-Londou, einen Kranz an der Gruft niederlegte. Rach Vorbeifahrt an der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche endete die Fahrt am Wittenberg­platz, wo die Journalisten nut der Untergrundbahn zum Hotel zurückkehrten.

In dem nadj den Entwürfen deS Prcfl. Vnino Paiil in vor­nehmer Pracht gefchmnckteu gioßeu Festsaale des Zoologischen GarienS sand, heute abend ein Festbankett statt. Tie Tafel zählte 250 Gedecke. Tie Tischdekoration hatte der Maler Cito Haas Heye entworfen. An der Ehrentafel ballen Platz genommen: der Herzog zu Drachenberg, die Minister Dr. von Slubl, Tr. Delbrück, von Wedel, die Staatssekretäre von Tirpitz und Dernburg, die Unter« fiaaiojefvetäre von Mühlberg, von Hobelt und von Sydorn, ferner Exzellenz von Hülsen, der englische Botschaster Sir Frank ^aszelles, Bürgermeister Dr. Reicke, Stadtverordneienvorsteher Tr. LaugerhauS, General Becker, Pros. Tr. Rattan, Prosefior Echm'oller, die Spitzen der evangelischen, katholischen und jüdischen Geistlichkeit, zahlreiche Abgeordnete und Vertreter der Berliner und der ausländischen, insbesondere der französischen Presse.

Bei. dein Bankett in den Festräumen des Zoologischen Gar­tens hielt die erste Rede wieder der Herzog zu Trachenbcrg Fürst v. Hatzseld. Er meinte u. a.: Wir können iwcy manches von Ihnen lernen, aber wir wagen zu hosten, daß Sie finden werden, daß wir doch schon manches gelernt und manche Fort­schritte gemacht haben. Wir glauben, daß die Kenntnisse, die Sie von dem neuen Deutschland erlangen werden und nie­mand ist wohl geeigneter, schärfer zu beobachten und klarer zu sehen, als Sie von selbst ein Verständnis für unsere Eigenart herbcijührcn und dadurch auch zu einer weiteren Ausgestaltung freundlicher Gefühle zwischen uns beitragen werden. Er schlag mit einem Hoch auf die britischen Gäste.

Dann sprach der Unterstaatssekretär im Ausw. Amte Dr. von Mühlberg u. a. folgendes: Wenn ich die fremden Zeitungen burdstlattere, so stoße ich darin auch in den englischen fast täg­lich aus ein merkwürdiges Märchen, das im Auslände ebenso Diele geschickte und leidenschaftliche Verbreiter als andächtige Gläubige zu finden scheint. Es ist das Märchen von bei- Be­unruhigung und Bedrohung des Weltfriedens durch Deutschland. Da ist es zunächst und vor allem das deutsche Heer, das im Auslände mit mißtrauischen Augen betrachtet wird. Man will in ihm eine formidable Kriegsmaschine sehen, bestimmt, eines Tages losgelassen zu werden und Beun­ruhigung und Schrecken in der Wett zu verbreiten. Es ist wahr, Deutschland besitzt ein tapferes, inächtiges Heer, und wir Deut­schen sind stolz darauf. Rönnen Sie aber sagen, daß seither Existenz bed Deutschen Reiches die Kraft dieses Heeres jemals mißbraucht werden wäre, daß wir das Leben und das Blut bet Sohne unseres Lanbes jemals freventlich aufs Spiel gefetzt hatten? Unser Heeressystem ber allg. Wehrpflicht besteht seit hundert Jahren, ist also bei toeitern älter als bas neue Deutsche Reich. In bem Augenblicke, ba bie Anfänge bieser Armee geschaffen würben, gelüftete es uns wahrlich nicht nach Eroberungen unb Lanberwerb. Unser Heer ist entstanden in jenen Zeiten ber tiejiten gtot bed preußischen Staates, in benen unsere Vorfahren ben letzten Hellet opferten, uni ihre nationale Unabhängigkeit unb bie Befreiung beS Lanbes von srembem Druck zu erkämpfen. Unb bis auf ben heutigen Tag, durch allen Wanbel ber Zeilen binbuid) finb bie Grundlagen unfetcr militärischen Verfassung

haben wir freundliche Gewrame geiülnt, panöe geiaiüueii, in freundliche Augen gefehcn. Wir haben gute unb dauernde Freund- ichaiien geschlosst». V'JaS wir aber weiter nackt Hanfe mitgebracht haben, was wir gleichsam durch alle Poren einsogen, das war der Eindruck eines großen Landes, in dem Geschichte und Gegenwart in wunderbarem ungetrennten Zusammenhang stehen. Sie haben es uns möglich gemacht, die schönste Blüte Englands, feine und holdselige Frauen, zu bewuudern und in biefer Beziehung ver­gleichende Studien zu macheu. Wir haben bei dieser Gelegenheit etwas entdeckt, wovon wir als von einer langft verklungenen Lage gehört hatten, enicr Lache, von deren unverwüstlicher Lebens­kraft wir keine Ahnung hauen, wir haben entdeckt: daS merry old England, daS vielbesungene, altberühmte, tmd fern Leib- und 9laiionalhcb vorn joliy good boy. Und nun, frage ich Sie, Hand aufs Herz: Haben wir imfte Zett verloren? Wenn Sie der Ansicht sind, wir halten Recht, jo kann ich nur inifercit Gästen zürnten, den Lockungen zur Tugend des fletBigen Touristen zu widerstehen. Ich rufe Jhueu zu: «hüten Sie uns nach! Sie werden sich wohl befinden. Experto credi'e amico! In jeder Sprache finden sich Worte jo uriprung- lidjer Art, jo mu dem Wcjen des Bottes verbunden, das sie hervor- gebracht Hal, daß sie in eine andere Sprache unübersetzbar sind. Als em jolchcs Wort ist nur daS Won comrnon sen^e erjchteneii, als das cliaraktenuljchjte für die cnglijche Sprache und bas eng- lijche Volk. Wir jprechen vom gejundeti Alenjchenverstand; aber das trifft ben Sinn von comuion sense nur von lern. In comrnon sense kommt alles zujammen, was der Mensch für em geiundes, (rauigiS veben joztal, polttijch, wlrtjchaülich braucht. Und in dem cornmuu sjnse, glaube ich, liegt das Geheimnis Englands, jemer Grove, ferner Freiheit, ferner Kultur. Tiefem comrnon sense ver­trauen wir auch, wenn wir mit Zuversicht erwaitcit, daß alle die Ammeumäicheu, mit denen man die Völker verhetzen will, wie ante Limite zerblaien werden. Bet uns Teiitidjeu gibt es ein luort, das auch die von Ihnen, welche mit unterer Sprache die übcifiad)hcl)Ue Bekanntichau haben, kennen. Ta wir einmal als Fdealisten gellen und es wirklich auch sind, ist es ein tdeattsttzches 'Ißou, das -wort Gemü : 1 i eh. Gemütlich ist etwas sehr Schönes; etwas Hube angenes, Heiteres, Ungezwungenes liegt dann; ich mochte beinahe tagen, etwas angenehm Hmbummelndes. Gemül- ud) i|l es, wenn wie zujammeiititzen, uns unterer Freundschaft ver- lidieni und daran' an|toßen, gemuliid) dann, wenn wir uns gut mio treu m die Augen teilen. Die Volker sind aut den Austauich nicht bloß ihrer materielle» Werte aitgewieicii, sondern auch auf Den ihrer moralische» Werlo. Rack; betöcn Richtungen sind Eng­länder und Deutiche gegenteilig die besten Runden. So schlage ich jljnen das Daujchgejcyan vor. Profilieren wir von Ihrem comrnon sense als beioahner VottswetSheti und nehmen Sie unjer Genuit- lid)teit m Ihren Gedanken- und Ihren Sprachschatz auf, jedenfalls wahrend Ihres Auienthaties bei uns. Wir wollen Ihnen das ge- mutltche Deuiichland zeigen; von Jhneir hoffen wir, daß aic uns merry old England mugebrad)t haben. Und jo lasten Eie uns Hinten auf bie Verbtndimg des gemuilichon Teutjchlands mit dem merry old England, auf das merry old England, mit seinen wackeren Männern und tjolöen Frauen. Es lebe hoch l

Geh. Kommerzienrat Franz v. Mendelssohn sprach im Namen von Handel unb Jnbustrie ber Reichshauptttabt. Hanbel unb Jnbustrie haben ein l)ohes Interesse an bieser Zuiammen- £unjt, welche als ein Wahrzeichen der Friebensliebe zweier großer Nationen von eminenter Bebeutung ist. Wir Kaufleute ptlegen zwar erst am Ende bes Geschäflsfahres unsere Bilanz zu machen. Immerhin möchte ich bereits in biesem Augenblick Vorschlägen, baß alles, was bisher an Mißstimmung vorhanben gewesen sein sollte, abgeschrieben wirb, unb baß als Reingewinn bie so wün­schenswerte entente corbiale bestehen bleibt. Hanbel unb Jw- Dustrie können ohne einen gesid)erten, dauerhaften Frre- b e n nid)t existieren, einen Frieden, Der burch bie großen wrrt- sd-aftlichen Bedurfnüfe unb bie sich daraus ergebenben Bezie­hungen ber beiden Völker verbürgt werben söll. Er trank auf bas Wohl ber Presse beiber Nationen.

Dann hielt ber englische Botschafter eine Rebe, ui ber er zunächst seinem eigenen Wunsche nach Aufrechterhaltung freundschastlichcr Beziehungen zwischen Dentschlanb unb Englanb Ausbruck gab. Verbitterung unb Uebelwotten beruhten nur auf

MißverstanDnissen, bie gar leinen tatsächlichen Hrntergrunb hätten. , Die Berhältnhse hätten sich erheblich gebessert, aber es würbe ver­

früht sein, zu versichern, baß biese Mißverstanbrnsfe ganz aus . ber Welt geschasst seien. Doch er fühle sich berechtigt, bie zuver­sichtliche Hosjnung auszusprechen, baß sie verschwinben werben i bei besserer Kenntnis unb bei öfterer Gelegenheit zum Verkehr , miteinanber. Tie großartige Gastlichkeit unb ber herzliche Will-

kommen burch Herrn v. Mühlberg zeige, baß bie Regierung selbst nicht nur bie Beseitigung von Mißoer|länbnis,en zwischen ; Den beiben Völkern, fonbern auch die Herstellung sreunbschaftlicher i Beziehungen zu Nutzen und Frommen beider Länder wünsche.

Mr. Spender von derWestminster Gacette" führte auS: Der Beruf des Journalisten habe seine Schwieritzleiteii und bie Journalisten seien zum guten Teil Opfer ber Oessenklichkeft, bie i sie pflegen müßten. Man spreche manchmal zu Hause über bie

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Vderheffen

Schutze unserer Küsten unb linkeres Seehanbels bienst- bar gemacht werden sollen. Wetter wollen wir nichts.

Sie werden mich nun vielleicht fragen, ob daS deutsche Reich ' dieser kostspieligen Lvrkehrungcn zu ferner Sicherhett bedarf. Die Geschichte htt un5 furchtbare, unvergeßliche Lehren erteilt. Ta ist feirt Land in Europa, bcS unter ben Tritten fremder Kriegs- Völker so gelitten, so acblutet hatte wie bas deutsche. Nehmen Sie sich den Roman Simplicissimus von Grimmelshausen vor. Ta werden Sie in getreure Schilderung lesen, wie ein blühendes Land in eine Einöde, fröhlich-schafsende Menschen in Bettler- Hausen verwandelt worden sind. Für ein Volk mit solchen Leiden in ber Vergangenheit ist bie Rüstung eine historische Notwen- bigfeit. Trotz aliebem werben SkepiiLr mir cntgegenhalten: Tas t'inb gefährliche Instrumente, bie Ihr ba besitzt, unb sie könnten Euch eures Tages verleiten, für Eure sich so stark ver- mehreiibe Bevölkerung nach ffuüen hin Lust zu schassen. Keine Besorgnis, meine Herren. Es ist ja richtig, baß wir Zeinen jährliche» Zuwachs unserer öeoöllcrung um 8900 000 Seelen zu verzeichnen hoben. Aber fragen Sie im Osten bes Lanbes unsere gentrt) sie wirb Ihnen vorttaaen, daß sie bie Felder nicht orbentlidj bestellen, bie Ernten nicht einsahren, bie Wälder nicht pflegen kann, weil es an Arbeitskrästen gebricht. Gehen Sie in unsere Minen unb inbuitriellcn Ctavtt'semenls nach bem Westen Sie begegnen bem gleichen Notschrei es smb nicht Hänbe genug ba, um bie hanenbe Arbeit zu be- witttigen. Frage» Sie enbrich in ben Stabten die Hausfrauen, unb beileibe Schrei über Leutenot tönt Ihnen entgegen. Wer bies immer noch nicht glauben will, ben verweist ich auf un­sere Auswanberungszttfer. Wahrenb sie vor einem Bicrleljahr- hunbert sid) um 2Ö0 000 herum bewegte, hat sie seit ben LO er Jahre» bie Zahl von 30 000 nicht mehr überschritten. Das möge Ihnen beweisen, Daß wir einer territoriale* Expansion nicht bebürfen, baß bie beutsche Erbe noch Raum unb Arbeit für jeeen neuen beutichcu (irbenuurgec bietet. Aber id) will uns nicht schöner machen, als wir sinb politische Asketen sind wir nicht. DaS, was wir brauchen, was wir er- reuen, uuS ist ber freie, ehrliche Wettoewerb im Welt- Ha n b e l. Man will in unserer Politik ost Be^unbigkett, Stetig­keit vermissen. Das ist ein Irrtum. Wertste genau verfolgt, wirb ben roten Faden in ihr entdecken. Sei eS in Allen, fei cs in Afrika, überall vcifolgum wir nur ein Ziel: die Politik der offenen Tür. Uno gerade in diestm Punkte, in dieser Politik, glaube ich, könnten wir uns begegnen und stillen auf Verständnis bei Ihnen rechnen. Denn wo immer England ein Land in feine Jntoressensphäre hineinsog haben Sie niemals die Entwicklung des fremden Landes daruieDcrgehalten und unter­drückt; sondern Sie ljaben Ihre Kräfte unb Aroett dafür einge­setzt, die ProbuktstnSguellen des Landes zu erschlstßen und es der Kultur und Zivilisatwn nah.r zu vringen. Von dieser Ar­beit schlossen Sie auch andere SJaatcn i.i ben unter britischem Einfluß hebenbeit Gebieten nicht aus, fonbern ließen sie ben gleichen Weg mit Ihnen gehen. Tie Politik meines Kaiserlichen Herrn teilt biese Auffassung von ben Ausgaben unb Zielen, die ein Kultur,'wat sich stellen muß. Hier, meine Herren, ist, glaube ich, bie Brücke geschlagen, auf bie wir gemeinsam treten unb uns in gemeinsamer Arbeit bie Hänbe reiche» können, ohne baß baburch Freundschaften unb Allianzen, bie Ihr Reich mit anberen Nationen verbuchen, Beeinträchtigung zu erfahren brauchen. Lasse» Sie uns, Sie unb Ihre beutschen Kollegen als Trager unb Dolmetscher ber Gebauten unb Gefühle des Volkes, in Gemeinschaft mit uns, ber amtlichen Welt, lassen Sie uns baran arbeiten, gegenseitiges Verilünbnis, gegenseitige Achtung vor ben Eigenheiten unserer Nationen zu erwecken, falsche Legenben zu zerswven und unge­rechtfertigtes Mißtrauen zu beseitigen. Erheben wir unsere Gläser unb stoßen wir an aus bie Wohlfahrt, bas Ge- beihen, bie Würde und ben Ruhm unserer Länder: Deutsch- lanbunb Großbritannien.

Te» 3. Trmkspruch brachte Redakteur Friedrich Dernburg (Berliner Tageblatt) aus. Er sagte u. a : Dear colleagues, Verehrte Feslgeuosseu! Im Name» der Presse habe ich de» Ausirag, uusere werten englische» Gäste i» dieser glä»ze»de» Versaiiunllmg aui daS herzlichste zu begrüßen. Als Denreter der Teilnehmer an dem Jourualistenbejuch ui England spreche ich den Tank auä für bie großartige und herzliche Aufnahme, die wir in England gesunden. Die Preise zu loben gegenüber jo ausgezeichnete» Vertreter», wie wir sie i» nufere» Gäste» begrüßen, wäre mehr wie überflüssig. : Das Rankeren ber Presst wird aber so ausgiebig in ber Welt be­folgt, baß ick) mich befielt enthalten tarnt. Unser Präsident, Herzog von Drachenberg, hat heule Darauf hutgewiefe», zu welche» all- : gemeine» und spezielle» Studie» der Joiirualist aus Steifen Ge» ; legeiiheit findet. Ich gestehe, daß ich diese Darlegung nicht ohne . Gewissensbisse anhöre» tonnte. Tenn auch uns waren i:i London , Gelegenheiten zu eihische», wissenjcha'tllche» und künstlerischen > Studien geboten. Ich lurchle, wir habe» das allzusehr vernad)- ! läifigt. Wir hätte» Schule» und Atuseen, Atuslergefä»gnisse und ; uiduiHielte Rlese»belrieve besuche», imfere wirisdiafillchc» u»d , statistische» Remiliusje weieiulid) erweitern tonne». Statt desse»

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