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30.5.1907 Erstes Blatt
 
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Braunschweig, 29. Mai. Staatsminister Tr. v. Otto hatte unmittelbar die einstimmige Wahl des Herzogs Johann Albrecht zu Mecklenburg diesem und dem Reichskanzler tele­graphisch gemeldet. Die daraus erfolgten telegraphischen Ant­worten lauten:

Staatsminister v. Otto, Braunschweig. Das mir durch den Regentschastsrat und die Landesversammlung des Herzogtums Braunschweig entgegengebrachte Vertrauen erwidere ich auf­richtig. Ich werde mich freuen, eine Abordnung unter Eurer Exzellenz Führung am Sonnabend hier zu empfangen.

Johann Albrecht".

Staatsminister v. Otto, Braunschweig. Eurer Exzellenz danke ich verbindlichst für die telegraphilche Mitteilung von der einstimmig erfolgten Wahl Seiner Hoheit des Herzogs Jo­hann Albrecht zu Mecklenburg zum Regenten des Herzogtums Braunschweig. Ich wünsche und vertraue, daß diese Wahl dem Reiche zum Nutzen und dem Lande Braunschweig zum Segen gedeihen möge. B ü l o w."

Das erste G l ü ck w un s ch >- T e l e gr a m m zu dem Beschlust des Braunschweigischen Landtages traf in Schwerin beim Herzog Johann Albrecht vom Kaiser ein, der in sehr herzlichen Worten gratulierte.

Old enburg, 30. Mai. Die Negierung wird dem nächsten Landtage ein abgeändertes Wahlgesetz mitdirekter Wahl vorlegen.

Neu-Ulm (Bayern), 29. Mai. Die Bauern sollen selber schlachten und direkt in der städtischen Markthalle verkaufen. So meint der hiesige Bürgermeister. Gleichzeitig wurde den bürgerlichen Kollegien in Alt-Ulm eine Statistik über die Gestaltung der Schweinepreise in den letzten sieben Monaten vorgelegt. Darin ist sestgeftellt, dast die Ladenpreise den Fleisch­gewichtspreisen im großen und ganzen mit ziemlicher Regel­mäßigkeit gefolgt sind. Im einzelnen wurden Unterschiede von 12 biä 18 Pfg. ermittelt, wobei die höchste Spannung von 18 Pfg. für den Mai festgestellt wurde. Zur Beseitigung derselben soll nach dem Beschluß der Kollegien mit der Metzgerinnung wegen Herabsetzung der Fleischpreise verhandelt werden. In Neu-Ulm hat dagegen der Magistrat erklärt, daß dort die Einkaufs- und Verkaufspreise bei verschiedenen Tieren in keinem Verhältnis zueinander stehen. Für den Fall, daß für die Tauer ein ent­sprechendes Verhältnis nicht erzielt werden könne, soll die Ein­richtung einer städtischen Verkaufsstelle in Erwägung zu ziehen sein, in welcher auswärtige Viehhändler und Viehzüchter das von ihnen geschlachtete Vieh zum Verkauf bringen können.

Anstand.

London, 29. Mai. (Unterhaus.) Rutherford (kons.) richtet an die Regierung die Frage, ob fie ihre Aufmerksamkeit der von der Deutschen Kolonialgesellschaft gefaßten Resolution geschenkt habe, welche den in den deut­schen Kolonien ansässigen britischen Indern differenzierende Behandlung zuteil werden lassen wolle. Redner fragt den Staatssekretär für Indien, Morley, ob er angesichts der Tatsache, daß die britische Regierung bei den fremden Mächten wirksamere Vorstellungen erheben könne als bei den eigenen Untertanen in den Kolonien, die Inder, die britische Untertanen seien, schützen wolle gegen differenzierende und erniedrigende Behandlung, ähnlich der­jenigen, die sie zurzeit in gennffeii südafrikanischen Kolo­nien genössen. Morley erwidert, falls die Behauptungen Rutherfords zutreffen sollten, werde die Frage erwogen werden, ob Schritte in der fraglichen Angelegenheit zu ergreifen seien.

DieMorning Post" meldet aus Shanghai, daß man eine große Verschwörung in Söul, der Hauptstadt Koreas, entdeckt hat. Diese bezwecke, das gegenwärtige Ministerium in Korea zu stürzen und ein neues Regime zu errichten. Der frühere Ministerpräsident und der frühere Kriegsminister sollen die Anstifter des Komplotts sein. Die Bewegung scheint sich in erster Linie gegen die japa­nische Herrschaft in Korea gerichtet zu haben.

DerDaily Telegrph" meldet aus Kalkutta, daß noch immer in vielen Teilen von Indien starke Gä­rung herrscht. In Sirajgang wurden mehr als hundert Agitatoren verhaftet. In Commella kamen neue gewaltsame Unruhen vor, sodaß Truppen einschreiten mußten, um die Ordnung wieder Herzustelten. Sämtliche Dörfer der Um­gebung von Rajshahi wurden geplündert und vernichtet. Hier wurden etwa 70 Agitatoren verhaftet. Aehnliche Mel­dungen treffen auch aus anderen indischen Städten ein. Offiziell wird die Lage als gebessert bezeichnet.

M a i l a n d, 30. Atai. Wie das BlattLa Sera" meldet, haben in den letzten Tagen zwischen Tittoni und dem russischen Botschafter in Rom längere Unterredungen statt­gefunden, die einen Besuch des Zaren zum Gegenstände hatten. Dieser hatte bekanntlich schon vor drei Jahren kommen wollen, ließ sich aber durch die Drohungen der ital. Sozialdemokratie, Kundgebungen gegen ihn zu veranstalten, von der Ausführung seines Vorhabens abbringen.

Hongkong, 28. Mai. Tie revolutionäre Gesellschaft in Swatow erklärt öffentlich, daß der Llufftand nicht gegen die Fremden, lioch gegen die gewöhnlichen Chinesen ge­richtet sei; Absicht jet vielmehr, alle Resgieruugs- gebäude niederzubrennen und die Beamten zu röten, um die Reg ierung zu stürz en. Die Missio­nen sind nicht berührt worden, doch verlassen die Missio­näre die Stationen nni) flüchten nach Swatow. Die Be­hörden sehen die Lage als sehr ernst an und richteten das dringende Ersuchen an die Regierung, nach Canton Kanonen­boote zu senden. Tie auf der Eisenbahn nach und von Tschatsofu reisenden Fahrgäste werden durchsucht.

Neues aus Rußland.

Tas PariserPetit Journal" berichtet aus Petersburg, daß am russischen Hofe den Verhandlungen zwischen Ruß- land und Deutschland, betreffend gemeinschaft­liches Vorgehen gegen Revolutionäre, große Wich­tigkeit beigemessen werde. Tie russische.Regierung habe nur bei Deutschland Entgegenkommen gefunden in der Frage, gemein­schaftlich gegen alle Revolutionäre vorzugehen. Pie jüngsten Ausweisungen von Russen aus Berlin ständen mit diesen Unter­handlungen in Zusammenhang. Tie russische Polizei habe den Berliner Behörden ein Komplott gegen den deutschen Sa r .^gezeigt; die Verschwörer seien weder Russen noch Deutsche, sondern Letten und Littauer aus baltischen Provinzen Der Korrespondent desPetet Journal" fügt noch hinzu: Die schwebenden Verhandlungen bezweckten, ein gemeinsames Vorgeyen in baulichen Provinzen int Falle eines Aufruhrs zu veran- lasten. Auch die Reise des Grafen Schuwaloff nach Berlin soll mit diesen Unterhandlungen Zusammenhängen. Ter Zar soll beabsichtigen, demnächst einige Wochen in Darmstadt Aufent­halt zu nehmen und diese Reise soll den Anlaß zu einer Z u - sammenkunft zwischen dem Zaren und dem deutschen Kaiser geben.

DemPetit Journal" 11111(3 die Verantwortung für diese Sensationsmeldung natürlich überlassen bleiben.

Die Untersuchung wegen der Verschwörung gegen das Leben des Zaren leitet der Untersuchungsrichter PnstowSki. Sämtliche Verhaftete sind in der Peter Pauls- Festung interniert. Festgestellt wurde, daß die Verschwörer derselben terroristischen Verbindung angehöten, durch die die Ermordung des Militärprokureurs Pawlow und des Stadt- Hauptmanns von der Launig angeordnet und vollbracht wurde. Viel Beweismaterial lieferte die Haussuchung bei der barm­

herzigen Schwester Subow, die sich infolgedessen erschießen wollte und jetzt schwer verwundet darniederliegt. Einem Mitglieds, das unter dem NamenGenossin Nina- bekannt ist, ist es gelungen, inS Ausland zu entfliehen. Dagegen wurde der hauptbeteiligte Verschwörer, der Sohn eines Tele­graphenbeamten au§ Peterhof, verhaftet.

In Warschau (Wolga-Vorstadt) wurden während der Maigottesdienstpredigt zwei Polizeiagenten durch Unbekannte erschossen. Ans Lodz wird gemeldet, daß sich die Schießerei ans den Straßen erneuerte. Drei Arbeiter wurden er» s di offen, einer verletzt._________________________________________

Aus S.aSt uuo tawo.

Gießen, 30. Mai 1907.

** Auszeichnungen. S. K. H. der G r 0 ß h e r z 0 g hat dem Eisenbahnsekretär i. P. Rechnungsrat Jakob Kreuder in Gießen die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm vom König von Preußen verliehenen Roten Adlerordens 4. Kl. erteilt.

** Von der Eisenbahn. Nach erneuter Bestimmung sollen auf größeren Zwischenstationen, auf denen starker Ver­kehr herrscht, die Stationsbediensteten beim Einlaufen der Züge beim Ans- und Einsteigen dem Publikum behülflich sein, um eine schnellere Abfertigung herbcizuführen und so den Zugverspätungen entgegenzutreten.

* Kolosseum. Tie Direktion ersucht uns mitzuteilen, daß das Benefiz für den Humoristen Curt Speier am Freitag, den 31. Mai, statt suchet, also nicht bereits gestern Uaitgerunben hat, wie im Anzeigenteil giigekündigt war.

* * Neue Wegmarkierung Laubach-Ulrichstein. Touristen, welche von Laubach aus auf direktem, sebr bequem und meistens durch schattigen Laubwald führendem Wege Ulrich­stein erreichen wollen, sei folgende Tour bestens empfohlen: Von Laubach zunächst dem gelben Strich nach bis zum Ziegen­kopf. Von hier ab neugeschassene Markierung (rotes, lügendes Kreuz) über die Schreincrsmühle (Wirtschaft), Wildfrauhaus, Lohrnühle nach Ulrichstein. Ganze Tour 3Vi Stunden.

-1- Heuchelheim, 30. Mai. In der Zigarrenfabrik von 9i i n n u. Cl 0 0 s, bei der übrigens zurzeit die Arbeiter streiken, kam gestern kurz nach 12 Uhr mittags aus noch un­bekannter Ursache ein Brand aus. Glücklicherweise wurde er bald bemerkt und durch das rechtzeitige Eingreifen der Feuerwehr in klirzer Zeit bewältigt. Der Boden ist zum größten Teil abgebrannt, das Dach aber ist erhalten geblieben. Der Materialschaden ist nid)t sonderlich groß. Viel zur schnellen Unterdrückung des FeuerS trug die in der Fabrik vorhandene Wasserleitung bei, von der vterKrahnen ununter­brochen in Tätigkeit waren.

x Lang-Göns, 29. Mai. Bei der gestrigen Ver­steigerung ging die Billa Mette (genannt Amthof) für 20 000 Mart an Herrn A. K. Müller über.

hd. B utzba ch, 29. Mai. Wegen Umwandlung der Schnellzüge 43 und 78 in Eilzüge, die für den Lokal­verkehr mit Frankfurt hier in Betracht kommen, hat der hiesige Verkehrsverein ein Gesueh an zuständige Stelle ge­richtet. Derselbe Verein ist beim Großh. Ministerium der Justiz wegen Errichtung eines Notariats an hiesigem Platz vorstellig geworden.

I). Alsfeld, 29. Mai. Noch bildet das traurige Ende des Zahntechnikers I. H. Meisels hier, der sich in der Nacht von Sonntag auf Montag am Küchenpfosten erhängte, das Tagesgespräch, und schon eilte heute, Mittwoch, die Kunde von einem zweiten Selbstmorde von Mund zu Mund. Als der Schneidermeister Gg. Leim kurz vor Mittag in seine Wohnung zurückkchrte, fand er feine 63jährige Gattin nach längerem Suchen erhängt auf dem Dachboden vor. Was die Frau, die sich ein Tuch um den Mund gewunden halte, zu diesem unglücklichen Schritt veranlaßte, konnte nicht fest- gestellt werden, während im erstgenannten Fall eine auf­gelöste Verlobung das Motiv zur Tat bilden soll. Immerhin darf angenommen werden, daß in beiden Fällen bei Aus- sühriing des Vorhabens geistige Llmnad)tung vorlag. Den nächsten Angehörigen wendet sich die allgemeine Teil­nahme zu.

Darmstadt, 29. Mai. FinanzmlnisterDr.Gnauth, der sich seit acht Tagen zur Kur in Bad-Bertlich aufhält, kam heute hierher. Er wird im Bahnhofshotel mit bem Großherzog eine Unterredung haben und morgen wieder zurückkehren. Lieber den Grund der Unterredung ist man auf Vermutungen angewiesen.

Lengfeld (Odenwald). 28. Mai. Gelegentlich des Wall­fahrtsfestes weilte hier auch ein auswärts in Arbeit stehender Mann, der schließlich, nachdem er schon an verschiedenen Stellen Ausgaben gemacht hatte, nicht mehr Geld genug besaß, feine Zeche von wie es heißt sage und schreibe 1.20 Mr. zu begleichen. Die herbeigerufene Polizei brachte den Mann, der etwas angetrunken war und weil er nicht begreifen konnte, daß er wegen der fehlenden 40 Pfg. verhaftet werden sollte, sich wehrte, in das sonst als Freibank dienende A r r e st l 0 k a l. Vor dem Lokal, aus dem Wernen und Schimpfen des Arrestanten ertönte, hatte sich bald eine große Menschenmenge angesammelt. Die Verzweiflung des Arrestanten steigerte sich ^u sinnloser Wut, und in dieser zertrümmerte er alles, was nicht niet- und nagelfest war und warf es zu dem mit Eisengittern versehenen Fenster heraus auf die Straße. Der Bürgermeister wußte sich in dieser Situation feinen anderen Rat, als die Feuerspritze holen und das Arrestlokal unter Wasser setzen zu lassen. Und als auch dieses Vorgehen nichts hals, wurde ein Bursche des Ortes, der als der kräftigste und unerschrockenste gilt, in das Lokalhinein- gelassen". Der Erfolg war überraschend. Schon nach wenigen Minuten kam er wieder heraus, einen Menschen mit heraushängen­der Zunge, blauem Gesicht und fast geschlossenen Augen, an der Kehle hochhaltend vor sich herschleppend, den er mit den Worten: Was willst du ejtzt noch wollen?" vor den Füßen der Orts­polizei auf den Boden warf. Nach wenigen Minuten erhob sich der arme Teufel, der, nachdem der Ortsgewaltige ihn noch herumgeschüttelt hatte, zwei Polizisten übergeben und nach Groß- Umstadt abgeführt wurde. In .Groß-Umstadt setzte die Behörde denVerbrecher" in Freiheit. (Fr. Ztg.)

Worms, 29. Mai. Zu einem eigenartigen Mittel der Selbsthilfe gegen unlauteren Wettbewerb hat der hiesige Schuhhändlerverband gegriffen. Während des Pfingst- markts ließ er ein an hohen Stangen befestigtes Plakat mit einem Paare getragener Schuhe und der UmschriftSo sehen N.'s (Name der Firma) Garantieschuhe nach 5 Tagen aus" durch die belebte Kämmererstraße tragen. Wegen der daraus entstandenen Verkehrsstörung wurden Plakat und Schuhe polizei­lich konfisziert, letztere jedoch wieder freigegeben. Gegenwärtig ind die Schuhe in einem Schaufenster der Kämmererstraße, mit entsprechendem Hinweis versehen, so lange zur Besichtigung aus­gestellt, als die betroffene Firma nicht durch richterliches Urteil )eren Entfernung bewirkt.

Frankfurt a. M., 29. Mai. An der Niederräder Schleuse wurde heute die Leiche der 17 Jahre alten Ladnerin Marie Elisabeth Ehrhardt aus Niederrad gelandet. Sie hatte mit ihrem Geliebten, dem gleichalterigen Josef Jhl aus Niederrad, aus Liebestummer im Main den Tod gesucht.r Das 34 Jahre alte Dienstmädchen Maria Dielmann .aus Lohrheim bei Limburg

hat in einer Mansarde ün der Bülowstraße ihr neugeborenes Kind erwürgt. Ein 8 Jahre alter Knabe, der am Main spielte, stürzte ins Wasser und ertrank. Der Eibenb aum hat heute mittag 12 Uhr den höchsten Gipfel der Hochstraße wohlbehalten erklommen. Tas Interesse und die Verehrung zu dem alten Wanderer geht jetzt schon so weit, daß er von den Fenstern aus von liebevollen Händen mit bunten Bändern ge­schmückt wird. In den Offenbacher Betrieben, die den Anlaß zu der jetzigen Aussperrung inder Metall-Jndu strie gegeben haben, ist noch leine Einigung erzielt worden. Die Kün-- bigung in den Lahm eher-Werken in Frankfurt ist heute perfekt geworden. Es kommen 2000 bis 2200 Personen in Betracht.

** Klei ne 'Mitteilungen ans Hessen und den SQ a d) b a r ft a a t e n. In Mainz e r s ctz 0 ß sick; am Fort Joseph ein dort auf Posten stehender Soldat der 7. Komp, ^d"S 117. Regi­ments mit feinem Tienstgewehr, das er mittels des Seitengewehres abdrückte. Die dort stehenden Posten führen scharfe Patronen bei sich. Tie Ursache des Selbstmordes ist unbekannt. Bet Lorsch, zwischen Darmstadt und Mannheim, fuhr das Automobil des Sohnes des Direktors Hammesiahr von den Mannheimer Benzin­werken bei einer Kurve in einen Steinhaufen, wobei der Wagen umichlug. Drei Insassen wurden i d) 10 e r verletzt, davon Hammesfahr jr. und ein Referendar aus Mannheim lebensgefähr­lich. Tas Automobil wurde total zertrümmert. Ein im Main bei Griesheim ertrunkener junger Mann ist der Weber Lipps. Sein Tod ist auf den dummen Streich eines Freundes zurückzu- snhren, der Lwvs einen Stoß versetzt haben soll, sodaß er in die Tiefe geriet. Ter Arbeiter Müßig wurde verhaftet. Bei Kreuznach rannte ein 18 Jahre alter Radfahrer auf der Land­straße mit seinem Rade gegen eine Telegrapheuslange und zog sich derartige Verletzungen zu, daß der Tod sofort emtrat. Ter m 'Kit beim im Kreise Dieburg unter dem Verdacht, das B 0 ui b e n - A 11 e n t a t am 13. Mai auf das Stadthaus zu Otfenbach verübt zu haben, verhaftete Sd)uhmacher Anton Sänger leugnet den Anschlag. Dagegen hat er eingei'tanöen, etwa 6 Wochen vor diesem Attentat eine Schreckbombe m das 4. Po­lizei-Revier in Offenbach gelegt zn haben.

Der giftige Reisbrei.

sd. D a r m st a d t, 29. Mai.

Zu den schon telephonisch gcme.de.cn Vergiftunas- crscheinungen in der Famil'e dos Sch.ackithofdirektors Dr. Garth können wir hcu.e auf Grund authentischer Infor­mationen folgendes mitteilen:

Die jüngste 16 jährige Tochter, welche eine höhere Schule besucht, wurde dort am Montag vormittag Plötzlich von Schmerzen befallen und mußte sich nach Hause begeben, wo alsbald Erbrechen eintrat. Einige Zeit nach dem Mittagessen erkrankte dann die ganze Familie, Tr. Garth, seine Frau, die ältere zirka 17 Jahre aue Tochter, der 10 jährige Sohn, sowie das Dienstmädchen. Bei allen trat heftiges Er­brechen, Durchfalt, starker Kopfschmerz, Leibschmerz usw. ein. Dr. Barthel zog infolge der Eigentümlichkeit des Falles den Oberarzt des städtischen Krankenhauses, Dr. Groß, sowie den Vorsteher des Kreisgesundheitsamtes Medizinalrat Dr. Lehr zu. Nach eingehender Untersuchung und Beratung ließ sich bisher eine direkte Ursache dieser epidemischen Krankheit nicht feststelten. Man hat nur Vermutungen und ist auf diese angewiesen.

Ter etwas komplizierte Fall liegt wie folgt: Die jüngste Tochter erkrankte als erste, wie bereits erwähnt, am Montag vormittag, Dr. Garth, der am Sonntag verreist war und erst am Abend zurückkehrte, also nicht am Mittagessen teilnahm, erst nach dem Mittagessen am Montag> ebenso wie die übrige ganze Familie. Ein junger Mann, der am Sonntag am Abendessen teilnahm, ist nicht erkrankt. Wenn also die Vergiftung infolge Genusses von Speisen eingetrcten war, konnten nur die beiden Mittag- essen von Sonntag und Montag in Frage kommen. Hier hat sich nun bei Feststellung der Speisen ergeben, daß am Sonntag Reisbrei genossen und am Montag der übrig gebliebene Reisbrei zu Pudding verwandt und mit Vanille- saucc als Nachtis chseroiert worden war. Hiervon hatten alle Personen, außer der schon Montag, vormittags erkrank­ten Tochter genossen. Diese Tatsache spricht gegen die An­nahme, daß Vanille die Vergifmngsursache ist. Dagegen ist nur Reis an beiden Tagen gegessen worden, sooaß wohl hier ein Zusammenhang zu suchen ist, zudem die am Montag früh erkrankte Tochter keine Vanille genossen hat. Die Aerzte sind sich bis jetzt über die Ursache nicht klar. Die Abgänge der Erkrankten, sowie die Speisereste wurden an die Untersuchung »stelle des hygien. In­stituts der Universität Gießen eingesandt. (Hier ist, wie wir hören, die Untersuchung noch im Gange. D. Rd.) Inzwischen wurde der zehnjährige Sohn sowie das Dienst­mädchen nach dem städtischen Krankenyause gebracht. Son­stige verdächtige schwerere Folgen, wie die Ähwüchung des Sehvermögens usw. sind biSyer nicht eingetreten, auch waren die Erkrankten bisher stets bei klarem Bewußtsein. Die Behandlungsweise der Aerzte geht dahin, Herzschwäche nicht aufkommen zu lassen. Das Allgemeinbefinden der Er­krankten hat sich inzwischen gebessert, teilweise ist sogar wieder Appetitreiz cingetreten und ernstere Gefahr scheint ausgeschlossen, wenn nicht besondere Zwischenfälle eintreten.

* Kleine Tages cp r v n 11. In Wolfratshausen im Jsartale tarn es zwischen einem Aufseher und Wasserbanar- beitem wegen Lohnforderungen zu einem blutigen Renkontre. Als der Aufseher bedroht wurde, wies er zur Warnung darauf hin, daß er eine geladene Waffe bei sich führe. Als Antwort hieb ihm ein Arbeiter mit dem Spaten über den Kopf. Slunmeljr feuerte der Aufseher und verletzte einen anderen "Arbeiter durch einen Schuß in den Magen tätlich. Der Angreifer des Aufsehers wurde verhaslet. Tie Staatsanwaltschaft in Schwerin erhob Klage gegen das feit vier Atonalen verhaftete Beamten- und Wärter- Personal der LandeS-Jrrenanstalt Sachsenberge. Bei dem am 3. Ium m Schwerin beginnenden Prozeß, handelt es sich um Unterschlagungen von mehreren hunderttausend Mark Staats­geldern. In der Nacht brad) in der Brüsseler Vorstadt Ander- leck; ein Feuer aus. Ein 80 jähriger Greis und dessen 16 jähriger Neffe tarnen in den Flammen um. In Paris wurde der Polizei-Unteroffizier Moreau bei der Verfolgung eines Diebes von diesem durck; mehrere Reoolverschüsse gelotet, em anderer Polizist schwer verwundet. Wegen Unterschlagungen als ReudaiU der Spar- und Tarlehuskafse in Gräfenhain (Lausitz) ist der Lehrer R e i n f d; verhaftet worden. Im Haag ereigneten sich bei internationalen Ringkämpfetr wüste Szenen. Starke Männer mißhandelten einander so schwer, daß die Polizei emschreiten mußte. Der Hauptschuldige wurde von der wütenden Al enge draiißen erwartet und wäre ohne den Schutz der Polizei gelyncht worden. Während der Ringkämpfe waren mehrere Ringer über ihre Niederlage so enttäuscht, daß sie Vleroenkrämpfe bekamen und mit Schlägen zur Vernunft gebracht werden mußten. Tas Piiblikum pfiff und gröhlte dazwischen. In Augsburg geriet beim Ausweichen vor einem Fuhrwerke ein Automobil mit vier Kindern als Insassen in den Straßengraben. Ems der Kinder wurde schwer verletzt, der Chauffeur trug ebenfalls erhebliche Ver­letzungen am Unterleibe davon. Tie anderen drei Kinder kamen mit leichten Hautabschürfungen davon. Tas Dorf Zahrensdorf auf der Insel Fehmarn steht in Flammen. Tas Feuer brach in der Mühle aus. Der Aliilstenbesitzer Koll wird vermißt und ist wahrscheinlick; im Feuer umgekommen.

Arbeiterbewegung.

D a r m st ad t, 29. Mai. Durck) die vom Bezirksverband Frankfurt a. M. des allgemeinen Verbands der MetallzJndustriellen