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auch eine praktisch-wirtschaftliche erhallen. Doch verfehl es sich von selbst, daß man nicht einen Stab erfahrener Fach, männer über Nacht gleichsam auS der Erde stampfen kann. Immerhin besinden sich einige unter den neuernannten Beamten, die eine Vorbildung aufzuweisen haben, wie sie nicht bester gedacht werden kann. Einer z. B. (Dr. Zöpfl) war fünf Jahre lang HandelSkamniersekretär in Würzburg, fast ebenso lange Geschäftsführer des bayrischen Vereins zur Hebung der Fluh- und Kanalschiffahrt in Nürnberg, endlich die gleiche Zeit Kolonialattachü in Buenos Aires. Freilich, eS gibt bei un3 leider nur wenige derartig vorgebildete Männer, aber für diesen Zustand darf man unseres Erachtens nicht den Kolonialminister verantwortlich machen. Es gehört zu den Schuldtaten des allen Systems, daß eS nicht recht- zeitig für geeigneten Nachwuchs gesorgt hat. Austerdem wird eS doch nicht Sache der Beamten fein, Interessenten die faufm. Arbeit bei der Erwägung von kolonialen Unternehmungen gewissermaßen abzunehmen, sondern eS wird ihre Aufgabe sein, Anregungen und vielleicht auch Direktiven zur ivirtschaftlichen Erschließung der Kolonien zu geben, den Interessenten mit Informationen und Hinweisen an die Hand zu gehen, und im übrigen zu beweisen, daß sie Männer sind, die wirtschaftliche Werte richtig einzuschätzen und richtig zu rechnen verstehen, damit Verträge und Konzessionen, die für das Reich oder die Kolonien ungünstig sind, verhindert werden. Unter diesen (SesichtSpunkten und in der Voraussetzung, daß in der Lokal- Verwaltung der Kolonien wirtschaftlich geschulte Kräfte ver- wendet werden und den kolonialen Beamten überhaupt ein gewisses Maß wirtschaftlicher Schulung mitgegeben wird, sollte man doch zunächst einmal die Leistungen deS neu zusammengesetzten KolonialamteS abwarten, ehe man über seinen Leiter in der oben gekennzeichneten Weise herfällt. Das deutsche Volk hat nun einmal Zustrauen zu Ternburg gefaßt, und man sollte sich hüten, dies Zutrauen gleich ivieder zu erschüttern, sobald nicht sofort die Wünsche aller Richtungen erfüllt werden.
i, daß am Freitag vor Glocken ui unseren beite Q(b der anderen, |iatipnb!:
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Der Tag der Eröffnung der zweiten Haager Konferenz naht heran. Nicht nur die berufenen Diplomaten gehen ans Kofferpacken, sondern auch die Vertreter der Presse, ganz wie vor acht Jahren, als der Friedenskongreß zum erstenmal zusammenlrat. Wie die Journalisten aus aller Welt ihre diesmalige Mission werden aussühren können, darüber besteht bis zur Stunde Ungewißheit. Es heißt, daß die Verhandlungen wiederum unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfinden, und durch das Bureau der Konferenz täglich den Vertreter:! der Presse offizielle Berichte übermittelt werden sollen. Der russische Staatsrat v. Martens hat angeblich auf seiner europäischen Rundreise einen dahingehenden Wunsch des Zaren den Kabinetten zu erkennen gegeben.
Nun, die Konferenz mag völlig oder teilweise Geheimhaltung der Verhandlungen beschließen, die internationale Oeffentlichkeit wird sicherlich auf dem Laufenden erhalten werden über das Drum und Dran bei wichtigen Entscheidungen und interessanten Vorgängen. So war es 1899, und so dürfte es bei der zweiten Konferenz umsomehr sein, als auf ihr eine größere Zahl von Staaten durch Delegierte vertreten ist, und diese Herren nehmen es erfahrungsgemäß nicht durchweg genau mit der Geheimhaltung. Nicht alle Diplomaten halten Zugeknöpftheit für unerläßlich zur Wahrung der Berufswürde. Ein objektiv gehaltenes Bild wird s^ "freilich aus den Mitteilungen der Delegierten an die
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politische Lage-scha«.
Zur hessischen Wahlrechtsrevisiou wird uns geschrieben:
Aus dem Umstand, daß der Gesetzgebungs-Ausschuß der zweiten Kammer zur Vorberatung der Wahlrechtsvorlage sich für unzuständig erklärt hat, wird in verschiedenen Blättern von einer abermaligen großen Verzögerung der Erledigung dieser Vorlage gesprochen und der Anlaß zu allerhand Kombinationen über die Absichten der Regierung benutzt. Wir können demgegenüber konsta- tieren, daß bei der Ueberweisung der Vorlage an den Gesetzgebungsausschuß einfach ein Versehen vorlag, indem das Kammerpräsidium den in der Einleitung gemachten Hinweis auf das Anssührungsgesetz zu Art. 92 der Verfassung vom Jahre 1836 nicht beachtet hatte. Unseres Erachtens hätte der Gesetzßebungsausfchuß besser getan, wenn er, anstatt die Nachricht von seiner Inkompetenz zur Vorberatung der Vorlage (es erscheint uns übrigens sehr fraglich, ob das Kammerpräsidium nicht ohne weiteres auch das Recht hat, neben der von der Negierung geforderten Ueberweisung an den fünfgliedrigen Sonderausschuß auch den ständig von der Kammer gewählten Gesetzgebungsausschuß mit einer Begutachtung über die Vorlage zu betrauen. D. Ref.) der Oeffentlichkeit kundzutun, auf dem allerkürzesten Wege dem Kammerpräsidenten zurückgegeben hätte unter Hinweis auf das von der Regieruna gestellte Verlangen. Von einer unerwarteten längeren Verzögerung der Beratung, wie eS in jener Notiz über den Beschluß des Gesetzgebungsausschusses heißt, da ja die abermalige Einberufung der zwecken Kammer im Juni vom Präsidenten schon am Schluß der letzten Sitzung angekündigt worden ist und die Beratung der Vorlage im Sonderausschuß vermutlich erst dann beginnen wird, wenn die von uns für Ende nächster Woche angekündigte Wahl des Sonderausschusses der ersten Kammer erfolgt und eine Verständigung über eine event. gemeinsame Beratung beider Kammerausschüsse, wie sie in dem qu. Gesetz von 1836 ausdrücklich vorgesehen ist, stattgefunden haben wird.
Deutsche» NeLetz.
Löberitz, 29. Aiai. D>.r Kaiser traf heute früh auf dem Truppenübungsplatz ein, wo das zwecke Garde-Jnfanterie- Regiment unter der Führung des Kaisers eine Gefechtsübung gegen einen markierten Feind ausübte. Beiden Teilen war Kavallerie und Artillerie und eine Maschinengewehrabteilung beigegeben. Spicker hielt der Kaiser eine Kritik ab, nach der ein größeres Gefecht begann. Nach der Kritik und dem Vorbeimarsch der Truppen führte d - Kaiser die Fahnenkompagnie in das Barackenlager zurück. Tie Kaiserin wohnte der Hebung zu Pferde bei. Anwesend waren der > österreichische Feldmarschallleutnant v. Hoetzcnborff und eine Abordnung des spanischen Dragoner-Regiments Numancia. Bei dem den Gefechtsübungen folgenden Frühstück im Kasino saßFeldmarschallcumant o. Hoetzen- dorff neben dem Kaiser. Während des Frühltücks hielt der Kaiser eine Ansprache, in der er sagte, der heutige Tag sei ein Ehrentag für die zweue Garde-Jn,anterie-Brigade, umsomehr, als der Ches des Generalstabes, der verbündeten Armee hier wecke. Ter Kaiser brachte ein dreifaches Hurra auf die österreich-ungarische Armee aus.
Berlin, 29. Mai. Tie ,Lvl. ^ettschrist" weiß mitzu- tecken, daß Hauptmann Dominik zum Bizegouverneur von Südkamerun ernannt worden ist. Er tritt die Aus-, reife am 9. August an.
— Anschließend an die Meldung, Herzog Johann Albrecht bon Mecklenburg-Schwerin wolle eine Deputation des braunschweigischen Landtages nächsten Samstag im Schlosse Willigrad empfangen, schreibt die „Mrdd. Allg. Ztg.": Hiernach ist an der Annahme der Wahl durch den Herzog nicht zu zweifeln. Tie Kommentare der deutschen Blätter spiegeln die Befriedigung wieder, die in den roeitciten Kreisen über den Ausgang empfunden wird. Auch wir begruben es, daß die Wahl auf einen Fürsten von bewährter reicys- treuer Gesinnung gefallen ist und wünschen aufrichtig, daß es dem neuen Regenten beschicden sein möge, die Hoffnungen zu verwirklichen, mit welchen die Bevölkerung des .verzogtum- Braunschweig und mit ihr viele national empfindenoe Männer in allen Bund^staaien den Herzog Johann Albrecht bei feinem Regierungsantritt willkommen, heißen.
„kommandierenden Generäle" von oer Prene niuji üatoteien. Mancherlei Willkürlichkeit und wohl gar handgreifliche Ten- >enz wird mit unterlaufen zum Nutzen der internationalen Sensations- und gelben Preise. Wer vieles bringt, wird jedem etwas bringen. bic;em eine Schmeichelei, jenem eine Verdächtigung usw., die sich mck einigem Geschick heraus- tafficrcn lassen. Doch aus der Zusammensteckung der internationalen Preßstimmen, an der Hand des offiziellen Konferenzberichts und im Hinblick auf die bekannte Grup- nerung der Mächte ist es dem aufmnttsamen Zeitungsleser wohl ohne Schwierigkeit möglich, die gebührende Verteilung von Licht und Schatten vorzunehmen.
Daß für Deutschland nichts weniger als ein Uebermaß an Wohlwollen aus der internationalen Berichterstattung im Haag resultieren wird, ist vorauszusehen. Doch den „Giftzahn" braucht Deutschland nicht zu fürchten, weil es entschlossen ist, seine Mitwirkung auf die Schaffung neuer positiver Normen des internationalen Rechts zu be- ,chränken, dagegen an der Erörterung der Abrüstungsfrage sich nicht zu beteiligen. An diesem klaren Standpunkt gibt es kein Drehen und Deuteln; obendrein befindet sich Deutschland in der Gesellschaft Oesterreich-Ungarns und wahrscheinlich auch Japans. Nun mögen die Vertreter der „abrustungsfreundlicyen" Mächte über ihre Theorie ratschlagen, sozusagen in der Dunkelkammer; wünscht doch England, dag die militärischen Bevollmächtigten diesen Verhandlungen ferngehalten werden! Nun mögen ferner die Vertreter der gegen Deutschland eingenommenen Presse vom Haag aus mit der Feder helfen, diese Macht „einzukreisen"; es wird weder den offiziellen, noch den frei- willigen Diplomaten gelingen, Deutsastand als den alleinigen Störer des Weltfriedens hinzustellen und ihm die Verantwortung zuzuschieben, wenn die Haager Konferenz nicht das gewünschte Ergebnis zeitigr.
Ein gerichtliches Nachspiel zum Kolonial-Skandal.
IV.
Berlin, 29. Mai.
Bei Beginn der heutigen Sitzung des Pöplau-Prozesses teilte Verteidiger Bertram die vom Angeklagten geladenen Zeugen mit. Dem Reichskanzler, dem Staatssekretär Dernburg, dem Reichsschatzsekretär, den Unterstaatssekretären v. Mühlberg und Twele, den Geheimräten von Holstein und Schmidt-Dargitz, sowie dem Hosrat Schulz seien die Reisekosten von je 40 Psg. und die ordnungsmäßige Ladung zugestellt worden, die Zeugen hätten daher die Pflicht, zu erscheinen, wenn auch die Genehmigung der vorgesetzten Behörde zur Aussage noch nicht erteilt sei. Staatsanwaltschaftsrat Lindow widerspricht dem. Der Vorsitzende verliest ein Schreiben, in welchem der Reichskanzler mitteilt, er habe ein Gesuch um Genehmigung zu feiner Aussage dem Kaiser unterbreitet; sobald die allerhöchste Entscheidung getroffen fei, werde er sich schlüssig machen, ob die Genehmigung zur Aussage den ihm unterstehenden Beamten zu erteUen sei; bis oahin würden weder er, der Reichskanzler, noch die Beamten erscheinen. Der Verteidiger protestiert. Der Gerichtshof beschließt nach längerer Beratung, die Geladenen bis zum Eintreffen der Genehmigung als entschuldigt anzusehen. Zeuge v. Loßberg bestätigt seine gestrige Aussage, daß ihm niemals Geheimakten zugestellt wurden. Landgerichtsrat Pauli verliest das Protokoll über die gestern im Sanatorium „Drachenkopf" stattgefundene zweite Vernehmung des Se- retärs Schneider, der seine vorgestern gemachten Ansagen aufrechterhalten unb be eibigt hat Hieran schließt ich die Vernehmung der vorgeladenen Bureaubeamten, die iber den Geschäftsgang unb die Behandlung der fraglichen Akten, sowie über den Geschäftsgang im allgemeinen Auskunft geben.
Nr. 124 " 1 Erstes Blatt 157. Jahrgang Donnerstag 30. Mai 1907
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Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei. R. Lange. Redaktion, Expedition und vruckerei: Zchulstraße 7. tarnte,uva^s «JX
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Die Heutige Kummer umfaßt 10 Seite«.
Ate „tzpifode" Acrnburg.
Ter neue fiolonialininifter hat eß mit feinen Spezial- fteunden verdorben. Einem Mitarbeiter der ,ÖB. N. Fr. Pr.' hat er seine Ansichten über die neuen Ernennungen zum besten gegeben unb sich namentlich darüber außgelaffen, warum sich unter sämtlichen Ernannten kein Kaufmann befunden hat. Er meinte, daß man schwer Persönlichkeiten gefunden haben würde, die eß im Erwerbsleben zu einem gewissen Erfolg und zur Unabhängigkeit gebracht hätten, unb bie geneigt gewesen wären, so gering bezahlte unb verantwortungsvolle Posten anzunehmen unb sich unter allen Umstänben damit in ein striktes AbhängigkcitSverhältniß zu begeben. Aber selbst wenn daß der Fall wäre, würbe eß immerhin boch in hohem Grabe zweifelhaft sein, ob Kaufleute den Anforderungen entsprechen könnten, die von einer solchen Tätigkeit nicht getrennt werden können. Waß Deutschland von seinen Kolonien erwarten müsse, sei eine ordentliche Verwaltung, eine dec Heimat gleiche Rechtssicherheit, eine vorausschauende unb verständige Em- geborenenpolitik, ein geordnetes Beamtenwesen unb die hygienischen und sanitären Einrichtungen, welche in den meisten tropischen Kolonien allein em längeres Verweilen beß Europäers gestatten. In all diesen Dingen sei für eine rein kauf- männische Betätigung, d. h. für einen Erwerb für Rechnung beß Fißkuß, kein Platz. Dazu gehören staatsrechtlich unb technisch, verwaltungsrechtlich unb hygienisch außgcbilbetc unb im Schutzgebietsdienst erfahrene unb vorgcbildete Personen. Larin unterscheibe sich gerade bie Statur einer Zentralbehörde von einer Schutzgebiets-Verwaltung, bie sehr viel mehr geeignet sei, kaufmännische Talente zu verwenden. Dort sollen sie auch, so versichert Exz. Lernburg, m möglichstem Umfange verwendet werben. Aber auch solche Talente müßten erzogen werben, unb eß sei unmöglich, sie von vornherein in leitenbe Stellungen zu bringen.
Mit solchen Aeußerungen hat der neue Herr im Kolonial- amt einen Sturm int Wafferglase, daß heißt lauteß Murren gerade in den Kreisen erregt, die ihm von vornherein am meisten ergeben waren. Man ist erzürnt darüber, baß Dernburg den Wechsel nicht einlöst, den man ihm jetzt präsentiert und der Ton, in dem man gegen den neuen Kolonialmlnister polemisiert, ist derart scharf, daß er den Anschein erweckt, als wollte man ihm keine Schonzeit mehr gewähren. Man wirst ihm vor, er sei als regierender Kaufmann ein Lobrebner beS AsfefforißmuS geworden, der seiner selbst spotte. Ganz pikiert fragt z. B. die ,Voss. Ztg.', bie ihm früher mit am lautesten Hosianna sang, ob Lernburg glaube, daß er einzig in seiner Art sei und unter allen deutschen Kaufleuten nicht seinesgleichen habe? Tenn dasselbe, maß er jetzt gegen die Be- rufung von Mitgliedern des Handelsstandes in das Kolonialamt oder in leitende Stellen in den Schutzgebieten sage, hätte, wenn eS berechtigt wäre, gegen seine eigene Berufung zum Nachfolger des Erbprinzen Hohenlohe und zuni Staats- sekretär gesagt werden können. Tenn and) Dernburg habe weder in den Schutzgebieten „von der Pike auf' gedient, noch gehöre er zu den „staatsrechtlich unb technisch, ver- waltungsrechtlich unb hygienisch ausgebildeten Personen'. Mit demselben Recht hätte ein Ratgeber beß Kaisers von bem Bankdirektor Dernburg behaupten können, baß er nicht zu verstehen wissen werde, was aus bem Schutzgebiete berichtet wird. Man verweist auch barauf, baß, als Dernburg Exzellenz geworben war, der Kaiser gesagt habe: „Ich brauche Amerikaner'. In mancher Beziehung habe ja Dern- bürg etwas Amerikanisches an sich. In der Wertschätzung der Bureaukratie sei ec aber inzwischen ganz preußisch geworden. Denn ein Amerikaner hätte dafür gesorgt, baß die Berichte aus den Schutzgebieten Har genug abgefaßt würden, um von jedem verständigen Manne gelesen und verstanden werden zu können. „Wem Gott em Amt gibt, bem gibt er auch, so scheint es, Begeisterung für ben AssessoriSmus unb bem BureankratiSmus. Dernburg ist zu ihrem Verteibiger geworden, kaiim baß sein goldgestickter Staatssekretärfrack bie Schneiberwerkstatt verlassen hat." So unb ähnlich schallte uns aus ben einzelnen Blättern entgegen, ja, man geht sogar noch weiter unb behauptet, daß man die neue fauf« männische Aera der Kolonialpolitik eben schon wieder gründlich satt habe. Man meint, nach den letzten Beriiftingen könne man darauf gefaßt fein, daß die ganze „Episode Dernburg', die ohnehin so schlecht in ben preußischen Ostelbier- Stil hineinpaffe, bald ein Bonmot von gestern sein werbe.
Wir hatten biese Vorwürfe zum mindesten für stark über ba§ Ziel hinauSschießenb. Gewiß, auch wir hätten unter den neuen Männern beß Kolonialamts daß kaufmännische Element stärker vertreten zu sehen gewünscht unb wir müssen auch die Befürchtung aussprechen, daß DernburgS Zugeständnis, im Schutzgebiete sollten kaufmännische Talente m möglichstem Umfange Verwendung finden, durch den nachfolgenden Satz illusorisch gemacht werde. Denn wo sind Kaufleute, die geneigt sein würden, sich „erziehen" zu laffen und „oon der Pike auf' zu dienen? Selbständige Kaufleute, solche bie etwas Orbentliches sind unb waß Tüchtiges in ihrem Fache verstehen, geben sich bazu kaum her, und für die anberen wird man sich bebanfen. Andererseits müssen wir es als durchaus berechtigt anerkennen, wenn daß Bedürfnis hervorgehoben wird, daß unsere Kolonialbeamten neben der formal-juristischen Vorbildung mehr unb mehr


