los Tannenholz kostet in gleicher Güte 20 M. und mehr. Die Durchschnittspreise für Brennholz ä, Raummeter waren: Buchenscheit 11 M. und Knüppel (Prügel) 8,50 M. Fünfzig Oberholzwellen werden mit 7 bis 8 SOL bezahlt.
O Mudersbach (Kreis Wetzlar), 29. Jan. Einen traurigen Abschluß nahm am Sonntag in hiesiger Gaitivirt- schast eine KaisersgeburtStagsseier. Der 58 jährige Krieger Hartmann stürzte nachts 2 Uhr von der Treppe, die vom 1. nach dem 2. Stock führt, herunter imb blieb tot liegen. Der in so große Betrübnis versetzten Familie — eine Frau und zwei erwachsene Kinder — erzeigt man seitens der Gemeinde das größte Beileid. Ten Wirt dürfte an dein Unglück keine Schuld treffen. Auch ist er durch Haftpflicht- Versicherung gegen etwaige Ansprüche gedeckt.
R. B. T a r m ft a d t, 28. Jan. An der gemeinsamen Schutz- Mannsschule für das Großherzogtum Hessen hat heute vor- mittag 9 Uhr der diesjährige Frühiahrskursus im Polizciamts- gebäude begonnen. Es ist dies seit Bestehen der Schule der vierte Kursus. An dem Unterricht nehmen im Ganzen 14 Schutzleute teil und zwar sechs von Mainz, fünf von Darmstadt, zwei von Bad-Nauheim und einer von Friedberg.
Jas Kruven-ZlnjZiiiL auf der Keden-Krulie erfolgte am Montag früh 7 Uhr, als kaum die Belegschaft an- gefahren war, auf der fünften Tiesbausohle der Fettkohlenabteil- ung im Billstockschacht. Die Explosion kam ganz plötzlich und war so gewaltig, daß nach allgemeiner Ansicht der Fachleute alle, die von ihr betroffen wurden, sofort tot gewesen sein müssen. Ein Teil der Bergleute wurde noch durch Verschüttung abge- sperrt. Zunächst gelang es, eine größere Anzahl der Eingefahrenen durch den betroffenen Schacht anS Tageslicht zu schaffen. 64 Arbeiter retteten sich unterirdisch durch den Heiuitzschacht. Die Rettungsarbeiten wurden sofort mit aller Energie ausgenommen. Die Rettungsabteilungen sämtlicher Gruben des Saarreviers trafen mit Extrazügen ein und gingen sofort ans Werk. Bis nachmittags 4 Uhr wurde mit wahrem Heldenmute an der Bergung der Leichen gearbeitet. Um diese Zeit mußten sämtliche Rettungsmannschaften schleunigst aus der Grube herausgeschasft werden, da in dem Schacht an der Unglücksstelle Feuer ausgebrock)en war und sich neue schlagende Wetter gebildet hätten, die jeden Augenblick zur Explosion kommen konnten. Dann wurde die ganze Nacht hindurch gearbeitet, um des Feuers Herr zu werden, und am Dienstag morgen konnten die Bergungsarbeiten wieder ausgenommen werden. 6 7 Leichen sind bis jetzt geborgen. Sie sind schrecklich zugerichtet und vollständig entstellt, ftieiber hängen in Fetzen herab, sodaß die Ägnoszierung außerordentlick>e Schwierigkeiten macht. In einem Dienstag nachmittag ausgegebcncn Bericht wird die Zahl der Toten und Vermißten auf 148 angegeben. Die Angaben schwanken aber fortgesetzt, sodaß eine end- giltige Zusammenstellung noch nicht gegeben werden kann. Erschütternde Szenen spielen sich fortgesetzt ab. Die Privatwohltälig- keir hat sofort eingegriffen. Bei dem Bankhause Gebr. Röckling in Saarbrücken sind bereits 30 000 Mk. für die Hinterbliebenen deponiert, und zahlreick>e Beiträge sind noch in Aussicht gestellt. Es sind namentlich Bergmannsfamilien des Jllingertales von Schiffweiler, Heiligenwatd und Landweiter betroffen worden. Eine Witwe verlor ihre drei iin blühenden Jugendalter stehenden Söhne. Eine Frau betrauert den Vertu st ihres Mannes, ihres Bruders und zweier Söhne. Ein verunglückter Bergmann hinterläßt eine Witwe mitneun unversorgten Kindern. Eine junge ihres Gatten beraubte Frau wurde beim Anblick seiner Leiche tobsüchtig, eine andere brach ohnmächtig zusammen, als ihr bereits tot geglaubter Mann plötzlich wieder vor ihr stand. Es kann noch nicht gesagt werden, wie lange es bauern wird, bis alle Leichen geborgen sind. Auf welche Weise das Unglück entstanden ist, wird wohl nicht festgestellt werden können, da der Mund derer, die Auskunft geben tonnten, für immer geschlossen ist. Bis jetzt wurden im ganzen 25 Verletzte herausgeschafft, die sich alle auf dem Wege der Besserung befinden.
Die Explosion überraschte die meisten Leute, als sie die Arbeit aufnehmcn wollten. Infolge der Kaiscrsgeburtstagsfeier war glücklicherweise eine erhebtiche Anzahl Leute nicht angefahren. Die Explosion machte sich durch einen dumpfen Schlag bemerkbar. Eine von drei Bergassessoren geleitete Retlungsexpedition gelangte bis kurz vor die Explosionsstelle, wo sich ihnen eine gelbe Rauchwolke entgegenwälzte. Die Rettungsmannschaften flohen und kamen alle zu Tage, obgleich mehrere betäubt waren. Während der Nacht fanden fortgesetzt Wetterproben statt. Heute zeigte die letzte Analyse eine Abnahme des Brandes an.
! Hunderte von Telegrammen laufen in Hieben ein, die nach dem Ergehen von Verwandten fragen. Die Namen der Toten sind alle festgestellt. In endlosen Reihen liegen sie in der Verlesehalle, einen Zettel im Munde, der den Namen trägt. Die Mehrzahl der Toten tonnte nur an der Arbeitsnummer erkannt werden. Geistliche und Nonnen begleiten Frauen und Kinder, welche ihre Väter, Männer, Brüder oder Söhne unter den Toten suckln. Ganz Reden ist so von Menschen überfüllt, daß die beiden Gasthäuser ohne Lebensmittel sind. Die Bergbehörde hat den in großer Zahl eingetrojfenen in- und ausländischen Journalisten einen großen 9laum zur Verfügung gestellt. Bestritten wird die Meldung, derzusolge die Einfahrt der Grubenleute erfolgt sei, ehe die Vorfahrer, welche unter kundiger Führung zuerst die Schächte sondieren, wieder mit der M e l d u n g: „Alles sicher!" zurückgekommen seien, eventuell das Sichcrheitszeichen gegeben hatten. In Saarbrücken aber hält man an dieser Version hartnäckig fest.
Dec Beerdigung der Opfer wird heute nachmittag eine Leichenfeier vorangehen. Lberberghauptmann v. Velsen teilt mit: „Wir haben festgestellt, daß der Brand völlig aufgehürt hat und eine Gefahr für die Bergungsmannschaften nicht mehr vorhanden ist. Ich bin durch mehrere Schächte gegangen und habe auf dem Wege 32 Leichen gefunden. Die Lage der Leichen läßt darauf schließen, daß sie durch die Explosion sofort getötet worden sind. Die Leichen lagen zu zweien oder dreien in einzelnen Schächten verstreut bei ihren Arbeitszellen. Da nun eine weitere Gefahr ausgeschlossen ist, habe ich den Auftrag gegeben, die Bergungsarbeiten fortzusetzen."
Zur ersten Hilfeleistung sandte das Zcnrral-Komitee der französischen Kohlengruben 20000 Fran cs.
Der Kaiser entsandte den Prinzen Friedrich Leopold nach der llnglücksstätte aus der Grube Reden mit dem Auftrage, sich über die Lage dort zu informieren unb ihm Bericht zu erstatten. Vom Kaiser ist ferner an den Oberpräsidcnten der Rheinprovinz Frhr. v. Schorlemer folgendes Telegramm ein» gelaufen:
„Tieferschüttert von dem furchtbaren Unglück auf Grube Reden, das so vielen Bergleuten in ihrem schweren Beruse den Tod gebracht hat, ersuche ich Sie, den Verwundeten und Hinterbliebenen meine wärmste Teilnahme auszusprechen.
gez. Wilhelm."
Die Budgelkommisston des Preußischen Abgeord» (Itetenhauses saßte lolgende Resolution:
Die Budgelkommtsswn ipricku chr tiefstes Mitgefühl mit beut schrecklichen Unglück auS, welches am 28. Januar auf der Grube Reden so vielen braven Bergleuten das Leben gekostet
hat, und durch welches so viele schwer verletzt wurden. Die Budgetkornmisfion erwartet, daß die Staatsregierung ihr Gelegenheit gibt, diesem Mitgefühl praktischen' Ausdruck zu geben, insbesondere durch schnelle Fürsorge für die Verletzten und für die Hinterbliebenen.
*
Tie furchtbare Katastrophe, die uns mit Entsetzen und Mitleid er» üllt, wurde durch den tückischsten Feind des Bergmannes in Kohlengruben, durch schlagende Wetter, verursacht. Solche Explosionen ührcn in der Regel zu furchtbaren Katastrophen, denn es folgt ihnen saft immer ein Grubenbrand, welchem die Menschenleben zum Opfer fallen, die nicht sofort durch die schlagenden Wetter getötet wurden. Aber in seinem fortgesetzten Kampfe mit den Naturgewalten hat der Mensch auch sinnreiche Mittel erfunden, um Grubengasexplosionen zu verhüten. Man sorgt für eine ausreichende Ventilation der Bergwerke durch sogenannte Wettermaschinen, man hat Schlagwetterindikatoren in Verwendung, die bas Entstehen von Grubengasen selbsttätig sowohl in den Schachten und Stollen wie oberhalb zu Tage anzeigen, und man hat auch die Sprengpatronen so konstruiert, daß sie bei ber_ Explosion Grubengase nicht in Brand stecken können. Schließlich beugt aua) die Konstruktion der Grubenlampen einer Explosionsgefahr durch schlagende Wetter vor, unter der Voraussetzung natürlich, daß die Beleuchtungskörper richtig funktionieren. Es bestehen also soviel Schutzmaßrege^n, daß größere Unglücksfälle in Kohlengruben geradezu ausgeschlossen erscheinen sollten. Wenn sich trotz- vem Jahr für Jahr derartige Katastrophen ereignen, so kann man wohl mit Sicherheit behaupten, daß fast immer das Versage u der Schutzmaßnahmen die Ursache bildet. Und dies wird leider auch in Reden der Fall gewesen sein. Vielleicht zerbrach einem Bergarbeiter die Lampe — öffnen kann er sie nicht — vielleicht waren die Wellermaschinen nicht intakt oder dergleichen. Wer kann es wissen! Aber dieses schreckliche Grubenunglück muß den Behörden von neuem die -Notwendigkeit einer peinlich genauen ununterbrocheiien Kontrolle der Schutzvorrichtungen in ben Bergwerken einschärsen.
Sieb in, 29. Jan. In dem Schacht 3, in dem durch schlagende Wetter die Explosion ftattfanb, arbeiten nur etwa bO Arbeiter. In den übrigen Schächten ist die volle Arbeiterzahl tätig. In der Bevölkerung gibt sich eine große Anteil- nahme an dem Unglück auf der Grube Reden kund.
Prozeß Grüuewarv—Metz.
# Gieuen, 30. Januar.
Am Montag wurde, wie schon kurz erwähnt, vor der Strafkammer die Privalllage des Rechtsanwalts Grünewald gegen den Notar Metz-Nidda verhandelt. Der Gerichtshof war glebilder aus dem Geh. Justizrat Dr. Schäfer als Vor- litzeuden, dem Landgerichtsrat Wiener und dem Amtsrichter Wachtel als Beisitzern. Der Beklagte Metz, der erschienen war, wurde vom Rechtsanwalt Dr. Spohr vertreten, während Rechtsanwalt Fischer dem Privalklager als Beistand diente. A uf Veranlassung des Vorsitzenden, der verbuchte, einen Vergleich herbei- zuiuyren, erklärte Rechtsamvalt Dr. Spohr namens feines Klienten, dieser sei zur Ueoerzeugung gekommen, daß die Grabow- schen Gutachten, die Rech.sanwrck Giunewalo MS ben Schreiber der an das Kreisamt gerichteten Karle nicht nur, sondern auch als den Schreiber der Karte an oen Schwiegervater des Ingenieurs Oskar Gutmann, sowie als ben Schreiber der anonymen Liebesbriefe an Frau Gutmann bezeichneten, direkt falsch seien. Er bedauere, die unter Anklage stehende Behauptung aufgestellt zu haben. Er würde bei richtiger Kenntnis der Sachlage die Aeuße- rung in der Strafsache gegen Metz unb Geuosien nicht getan haben. Auf Befragen des Vorsitzenden, ob der Beklagte den gegen den Kläger erhobenen Borwurf Nlieingeschränkt zurück- liehmen wolle, erklärte dessen Vertreter, bau er dies nicht könne, da man nicht wissen könne, ob der Gegner, zwar nicht in einer strafrechtlich zu ahndenden Art, aber doch in einer Form vielleicht suggestiv beim Zustaudeiouunen der intrimierten Karte ein» gewirkt habe. Hieraus erklärte Rechtsanwalt G r ü n e io a I b, der sich vorher zu einem Vergleich bereit erklärt hatte, auf einen solchen nicht mehr eingehen zu können. Die Verlesung der Akten der Schoffengerichtsverhandlung nahm den ganzen Vor- millag in Anspruch. Aus den Akten wurde konstatiert, baß Rechtsanwalt Grünewald inzwischen das Original des anonymen Brieses betr. Dr. Kipper zu den Akten überreicht hat. Jnbezug auf dieses Schriftstück, das vom Kläger seinerzeit dem Dr. Kipper in Abschrift Mitteilung gemacht worden war, hatte der Letztere vor dem Sck-öffengericht als Zeuge seiner festen Ueberzeugung Ausdruck gegeben, es fei vom Rechtsanwalt Grünewald fingiert, um ihn zu schädigen. Rechtsanwalt Dr. Spohr erkannte an, daß dieser Vorwurf durch Vorlage des Originals hinfällig geworden sei, ebenso auch der Vorwurf, baß Grünewald an Frau Gutmann anonyme Liebesbriefe geschrieben haben soll, ba bie Schreiberin dieser Briefe inzwischen ermittelt wurde und ihre Autorschaft zu- gestanden hat. Ein Antrag des Verteidigers, die Gutachten Grabows und Dr. Popps, bie sie vor der Strafkammerverhanblnng wegen Duellvergehens erstMtet hatten, zur Verlesung zu bringen, wird vom Gerichtshof als gegenstandslos abgelehnt. Der Klüger, Rechtsanwall Grünewald, führte aus, baß das^Publikum, das mit großem Interesse bie Verhandlung vor den Schössen verfolgt Halle, bei der Verkündung des llrtecks schwieg, und man habe sich des Eindrucks nicht erwehren können, daß die öffentlidje Meinung bie Tat des Beklagten viel schärfer ansah, als bies im UrteU geschehen sei. Nacy der Verhandlung feien ihm zahllose Äiinbgebungen auch in der Presse zu Ohren gekommen, bie das Urteil gegen Metz als überaus milbe bezeichneten. Man müsse mit Reust bie Frage aufwerfen, was eigentlich Herr Rietz heule noch will mit seiner Berufung, nachdem seine unb feiner Helfer Anschuldigungen gegen meine Person widerlegt seien. Erst nachdem auch die Schreiberin der anonymen Briese an Frau Gutmann in der Person der Julie Wießner entdeckt gewesen fei, habe der Gegner die Gutachten Grabows als falsch anerkannt, aber zu einer unumwundenen Ehrenerklärung habe er sich trotzdem nicht verstanden. Den Glauben mi eine suggestive Aeemflussmig meinersells häll der Gegner noch aufrecht und damit verlieren die Nachgaben desselben icöen Wert. Es ist ganz unbegreiflich, daß man den Schreiber dieser Liebesbriefe, die mit dem Namen der Schreiberin unterzeichnet sind, in meiner Person überhaupt vermuten konnte, beim ein Blick in das Adreßbuch hülle unfehlbar genügt, um die wahre Sachlage an das Licht zu bringen. Er glaube nicht, daß fein Gegner erst in den letzten Tagen zu der lleverzeugung gelangt sei, daß Grünewald nicht der anoichme Bries- und Kartenschreiber sei. Er könne sich nicht auf seinen guten Glauben und niast auf § 193 berufen. Eingehend führt mechlsaiiwalk Grünewald aus, wie für Metz keine Veranlassung vorlag, so zu handeln wie er eS getan. Metz wollte und hat beleidigt ohne Rücksicht auf bie ehemals bestandene enge Freundschaft, ohne Rücksicht aus bie Kollegialität, ohne Rücksicht auf die Stellung besten, ben er schwer treffen wollte in feiner Existenz, ohne Rücksicht aus das Korps. Der § 193 soll lern Asyl bieten für Beleidiger, es sei zuzugestehen, baß der Anwall Ms Verteidiger jebe Ausführung machen Darf, die durch bie Umstände des Falles gegeben sind, aber daß ihm dabei Grenzen gezogen sind, oerstehi sich von selbst, uno bau er ganz be.onbers seine Posllion als Anwalt sur Neoenzwecke nicht ausveuten darf, ist ebenso felbstoerslanoiich. RechtsmiwMt .Grünewald bittet um
bie Bestrafung des Gegners, bie Höhe des Strafmaßes stellt er in bas Ermessen des Gerichts, damit dieses auch in der Sage fei, ein höheres Strafmaß auszumessen, sei auch von feiner Seite die Berufung verfolgt, aber auch damit formale Mängel des schöffen- gerichtlichen Urteils richtig gestellt werden könnten. Rechtsanwalt Dr. Spohr erklärt unumwunden, bas; im vorliegenden Fall der Wahrheitsbeweis nicht erbracht fei. Trotzdem könne fein Klient nicht erklären, er sei innerlich davon überzeugt, baß boch- irgend ein gewisser Zusammenhang zwischen der Person des Klägers unb der Person bes Schreibers der in Frage kommenden Karte an bas Kreisamt bestehe. In dreistündiger Rebe führt der Verteidiger aus- daß aus verschiedenen restlichen Gesichtspunllen das Gericht zur Freisprechung kommen müsse. Eingehend erörtert er alle Momente, welche für Metz sprechen, so daß il)m der Schutz des § 193 des Str.-G.-B. zugebilligt werden müsse.
Rechtsanwalt Fischer widerlegt die vom Gegner vorgebrachten Momente und bemerkt, daß nicht nur aus § 186, wie es das Schöffengericht getan habe, sondern auch aus § 185 auf Strafe zu erkennen fei. Die Strafkammer verwarf dieB e r u f u n g des Beklagten, gab der des Klägers aber statt, soweit nicht vom Vorderrichter auch aus 8 186 des Str.-G.-B. auf Strafe erkannt fei. Es fei festgestellt, daß Grünewald die in Rede stehenden anonymen Karten nicht geschrieben habe und auch in keinerlei Beziehungen zu ihnen stehe. Der behauptete positive Glaube des Täters schließt nach dem Gesetz die Bestrafung wegen Beleidigung nicht aus. Die Wahrnehmung irgend eines berechtigten Interesses hat das Gericht nicht anerkennen können. Der Beklagte Halle keine Veranlassung, in der Duell-Affäre vor der Strafkammer die Sache vorzubringen, er mußte wissen, daß dies als Strafuiilderungsgrund Kicht angesehen werden konnte, weil das Gericht die Ari, wie die Anzeige eniftanben, nicht bei der Strafzumessung berücksichtigen konnte. Aus der Form und ben Umständen, unter denen die Aeußerung fiel, geht hervor, daß es Metz darauf angefommen fei, Gruuewalo biogzuftellen. Betreffs des erschienenen Zeitungsartikels liegt Gehülfenschaft bei Beleidigung durch die Presse vor. Die vom Schöffengericht ausgemessene Geldstrafe ist nach Ansicht des Gerichts für ausreichend erkannt, da es auch nach Sage des Falles auf die Hohe der Strafe dem Kläger nicht ankommt. Die zugebilligte Publitationsbefugnis im Gießener Anzeiger, in der Frankfurter Zeitung und dem Frankfurter General-Anzeiger, ist als ausreichend anerkannt worden.
* Kleine E a g e s ch r o u 11. Bei Iugolfkadl sind zwei Taglöhuerssöhue, welche auf einem Teiche Schlittschuh liefen, ms E i s e i n g e b r o d) e n unb e r i r u n t e n. — Einen furchtbaren Selbstmord verüble der Häusler Martin Eipa in Nikolai (Schlesien). Er fegte sich auf eine Tynamupairone unb zündele sie an. Sein Körper wurde in Stucke zerriijen. — In üeeds (England) sind beim Eislauf z w e i S ch ü l e r e r l r u n • ten. In Hendon stürzten 10 Personen beim Eislauf ins Wasser; ad)t tonnten gerettet werden, zwei ertranken. — Bet einer öffentlichen Verstetge r u n g einer P r i o a t g e m a l b e s a m m l u n g zu Rewyort luurben bisher nicht erreichte Preise erzielt. Eni Gemälde Troyons erzielte 325,000 Fr Ls, em Matssonnter 230,000 Fres. und em Breton 200,000 Fres.
GericytsjaaL.
ag. Das Schöffengericht in Gießen verurteilte am Dienstag den 27 fahrigen Former Sch. ans Wies eck, der m verschiedenen Wirtschaften Zechprellereien verübt hatte, ztt ö Wochen Gefängnis.
Eingesandt.
(Für Form und Jtlhall uuv. . .«u Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Allenthalben hört man m den Orten Oberhessens vom Baue n neue r L ch u l häufe r. Es werden Prachtbauten ei- richtet, wahre Paläste, die sich in der bäuerlichen Umgebung großartig ausneljmcn. Es heißt, die Gemeinde baut em Schulhau^ während es aber in Wirklichkeit der Staat baut, nur mit dem Unterschiede, daß es die Gemeinde bezahlen muß, unb der Liacu nur an ganz arme Gemeinden eine kleinen Zuschuß zu ben Baukosten „mitunter nur 2000 Mark", bezahlt. Hier wäre ein Arbeitsfeld für den La nbtagsabg. Köhler, wenn ihm das Jntereffe der armen Ober-hessischen Bauern so sehr am Herzen liegt, bei der Regierung dahin wirten zu wollen, daß ben armen G emetnbeti zu den S ch u l lj a u s b a u t e n em größerer Staatszu schuß gewährt werde, ba bei einem euitlajfigcn Schulhaiisneubau den armen überlafteten Gemeinden eine Schuldenlast bis zu 80 000 Mark aufgebürbet wird.
E i n O b e r h e s f i s ch er Baue r.
Telefonische Kurshericnt©
des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank lür Handel und Industrie, Giessen.
Frnnkfnrter itörwe. 30. Jauaar. 1.15 Uhr.
3ZL°/o Reichsauleihe . . 97.95 3% do. . . 86.95 3>6°/. Konsols .... 96.05 3% do.....87.10
3>i% Hessen . . . . 96 ÖU d^u/0 Oberhessen . . . 95.20 4?ö üesterr. Goldrente. . 99.85 4‘/6 “o Oesterr. 8il bei reute 100.10 4yö Ungar. Goldrente . . 96.00 4-6 Italien. Heute . . . 102.75 3-d Portugiesen tierie l . —.— 3% Portugiesen „ 111 70.40 ih°,'o 1U33. Staatsaul. 190a 91.75 4>i"ojapau. Staatsanleihe 94.60 1 -v Gonv. Türken von 1 uuö 95.90 Tiirkenlose......147.00
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Aktien:
Bochum Guss..... 244.50
Buuerus KW .... 127.70
Tendenz: fest.
Elektriz. Lahiueyer . . 141.80
Elektnz. Schlickert . . . 118.50 Eschweiler Bergwerk . . 247.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 211.45 Hamburg- Amenk. Pakelf. 153.00 Uarpeuer Bergwerk. . . 217.80
Laurah title...... 243 00
>ordd. Llojd .... 131.20 Ubeischles. Eisen-Industrie 123.U0 Berliner ilauuelsges . 174.80 Darmstädter Bank . . . 140.10 Deutsche Bank . . . 243. >0
Deutsch-Asiat. Bauk . . 174,00 Diskuutu-Kumuiantiit. . . 186.70 Dresuuer Bauk . . . 158.75
Kreditaktien.....216.70
Baltimore- und Ohio-
Biseulahn . . . 116.20
Goituardbahn.....—
Lomuaru. Bisenbahn . . 3210 Uesterr. Sluaisounn . . . 147.90 l'nuce-Henn-Bisen bahn . 149.40
berliner Börse, 30. Januar. Aufangskurae.
Cauada KB...... 183.00 Uarpeuer Bergwerk. . . 217.40
Darmstadter Bank . . . 139.90 i.auraiidtle . . . . —
Deutsche Bank .... 243 7l ..uinbardeu E. B. ... 31.70
Durimuuder-Lnion C. . . S7.2o | _\urdd. Lloyd.....131.50
Dresdner Bank . . . 15ä.7u | lilrKeuluse.....146.10
'1’eudeiu: fest.
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