Ausgabe 
29.8.1907 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

I

KoUtijche Lagesschtr«.

157* Jahrgang

DieSiebener Famttienblätter" werden dem Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der..hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion:^AilS.Tel..Adr^An-eigerDießen.

Donnerstag LU. August 1907

^ationZdruü und Verlag der Brühl'schen UniversitätS - Buch- und Stelndruckereü

H R. Lange, Gießen.

Nr. SOL

ausschließt. Ein trauriges Beispiel hierfür ist Frankreich. Wir müssen daher auch weiter tnif der konfessionellen Volksschule bestehen und auch die katholischen Lehrervereine nntcrstüüen.

Während der Sitzung waren folgende Antworttelegranime eingelaufen: zunächst die Antwort des Papstes:Seine Heiligkeit ist nicht nur erfreut darüber, daß viele und bedeutende Männer aus ganz Deutschland in Würzburg zur Beratung über katholische Angelegenheiten zusammengekommen sind, sondern seine Heiligkeit schätzt auch sehr hoch die Gesinnung der Ergebenheit und des Gehorsams, den Sie kundgetan haben. Er spendet darum allen, die an der 54. Generalversammlung der Katholiken Deutsch­lands teilnahmen aus vollem Herzen seinen apostolischen Segen und fleht zu Gott, dem Inbegriff alles Wissens, daß er mit seinem Licht alle Teilnehmer erfüllen möge und daß die Generalver­sammlung ihr so glücklich begonnenes Werk mit reicher Frucht zu Ende führen möge zum Wohle der Religion und zum Besten Eures Vaterlandes." (Stürmischer Beifall.) Das Telegramm ist vom Staatssekretär Merrv del Val unterzeichnet.

Vom Prinzregenten Luitpold ist folgendes Antworttele- gramm eingegangen:

Se. Königl. Hoheit der Prinzregent haben die Huldigungen und die Kundgebungen der treuen Gesinnung der irr seinem Ge­burtsort Würzburg tagenden Generalversammlung der Katho­liken Deutschlands mit freudiger Genugtuung entgegengenommen und entbietet der Generalversammlung allerhöchst seinen wärmsten Dank und Gruß." Generalleutnant v. Sielemann.

Die Versammlung brachte ein stürmisches Hoch auf Papst und Prinzregenten aus.

Es wurde dann ein Telegramm des Wiener Bürgermeisters Lueger verlesen. Er bedauert, wegen schwerer Erkrankung an der Versammlung nicht teilnehmen zu können.

Zum Schluß der heutigen Sitzung gelangte das Antwort­telegramm des Kaisers aus Hannover:Der freudige Gruß der dort versammelten deutschen Katholiken hat mich tief gerührt und spreche ich der Generalversammlung für den Aus­druck treuer Ergebenheit meinen besten Dank aus. Wilhelm Imp. Rex."

Der Verlesung folgten stürmischer anhaltender Jubel und donnernde Hochrufe. Man erhob sich von den Plätzen und schwenkte die Hüte. Die Versammlung legte eine große Begeisterung an den Tag.' Dann wurde die Versammlung geschlossen.

iq Regierungsjubiläum des Fürsten Ferdinand.

1$ Fürst Ferdinand von Bulgarien hat am Mittwoch, den !8. August in aller Stille sein 20jähriges Regierungs-Jubi- aum gefeiert. Tie Vermutung, daß er sich an diesen: rage die Konigskrone aufs Haupt setzen werde,' hat sich i licht bestätigt. Namentlich von Oesterreich aus sind dem Fürsten recht herzliche Glückwünsche zu seinem Jubiläum ugegangen. Kaiser Franz Josef hat an den Fürsten von Bulgarien aus Ischl das folgende Tele­gramm gerichtet:An dem heutigen, für die Geschichte Bul­gariens denkwürdigen Tage, da Eure Königliche Hoheit < iieine herzlichsten Glückwünsche aus und verbinde damit I litt Befriedigung auf euren 20jährigen Zeitraum innerer Erstarkung und friedlicher Entwicklung Ihres Landes zu- : ückblicken können, spreche ich Eurer Königlichen Hoheit reine besten Wünsche für das fernere gedeihliche Wirken hirec Wn(glichen Hoheit zum Wohle des Fürstentums." - Ter Minister des Aeusiern, Frhr. v. Aehrenthal, ichtete aus Wien das folgenoe Glückwunschtelegramm an en Fürsten Ferdinand:Eure Königliche Hoheit wollen n diesem denkwürdigen Tag, an dem Eure Königliche !)oheit die 20jährige Wiederkehr einer Regierung voll Er- !olge in der friedlichen Entwicklung Bulgariens begehen, 68 reine respektvollen und ausrichtigen Glückwünsche entgegen* $ ehmen." Ter Gesandte in So fia, Gras von Thurn, 7 rhielt den Auftrag, die herzlichsten Glückwünsche des Kaisers T nd des Kabinetts zu übermitteln. In Konstantinopel ist !' ran von einer größeren Ehrung des Fürsten merkwürdiger­weise abgekommen und die Entsendung einer Spe- ialmission zum Jubiläum des Fürsten Fer- inand von Bulgarien ist endgültig aufgegeben wor- . en. Ter Sultan und vielleicht auch der Großwesir dürften !ich auf eine telegraphische Kundgebung beschränken. In 2 wsia hat an dem Regierungsjubiläum des Fürsten das

>olf lebhaften Anteil genommen. Tie Menge der aus der >rovinz gekommenen Teilnehmer wird aus 30 000 geschätzt, bs Die Feier verlies in gehobenster Stimmung ohne den ge- ingsten störenden Zwischenfall.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 29. August.

** Der Minister deß Innern, Exz. Braun, ge­denkt in diesen Tagen einen längeren Urlaub anzutreten. Auch der Präsident der Zweiten Ständekammer, Geh. Regier- ungsrat Haas, wird sich heute zu einer mehrwöchigen Er­holung nach dem Süden begeben.

** Bom Großherzoglichen Hofe. II. KK.HH. der Großherzog und die Großherzogin besuchten am Mittwoch vormittag von Jagdschloß Wolfsgarten mit­tels Automobils die Erbprinzlich Erbach-Schönbergfchen Herrschaften auf deren Schloß in König im Odenwald und kehrten abends nach Wolfsgarten zurück. In Beglei­tung des Großherzoglichen Paares befand sich auf der Rückfahrt auch Prinzessin E d d a zu Erbach-Schönberg, die einige Tage zum Besuch bei der Großherzoglichen Fa-^ mitte verbleiben wird.

** Personalien. S. K. H. der Groß Herzog haben dem kath. Pfarrer Tobias Th al er zu Ober-Mörlen aus Anlaß seines fünfzigjährigen Priesterjubiläums das Ritterkreuz 1. Klasse des Berdienstordens Philipps des Groß­mütigen und dem früheren Bürgermeister, Ortsgerichts­vorsteher und Standesbeamten Johann Weidmann zu Bornheim das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten August Bei kl er aus Mainz eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Zellhausen. Die Schreibgehilfen Mart. Blüm zu Osthofen, Ludw. Friedr. Aug. Heilmann zu Zwingenberg, Pet. Marzellin Stad-^ l e r zu Seligenstadt und Hch. S ch ü ß l e r zu Offenbstch wurden zu Steuerkommissariatsgehilfen ernannt.

** Erledigt ist die Stelle des Forstwarts der Forst­wartei Wippenbach, Oberförsterei Konradsdorf.

** Zusammenkunft ehemaliger hessischer O stf i z i e r e. Am 12. Sept. d. I. würde Großherzog Lud­wig IV., der Kommandeur unserer Division im Feldzuge 1870/71, sein 70. Lebensjahr vollendet haben. An diesem Tage werden sich etwa 90 hessische Offiziere aus jener großen Zeit in Darmstadt zu einem gemeinsamen Mahle vereinigen und in Treue ihres Führers im Kriege gedenken. Tags zuvor findet ein Vortrag statt, in welchem die Tätig­keit der hessischen Truppenteile in der Schlacht bei Grave- lotte am 18. August 1870 eingehend erörtert werden soll. Ta in dem Geschrchtswerk, das von der kriegsgeschichtlichen Abteilung des Großen Generalstabes Über die Schlacht bei Gravelotte publiziert wird, ein Eingehen auf die Taten der einzelnen Truppenteile nur insoweit erfolgen konnte, als sie dazu beitragen, oas Gesamtbild plastisch auszu­gestalten, so besteht, wie dieTarmft. Ztg." vernimmt, die Absicht, in Ergänzung des Generalfrabswerkes aus Grund eines reichen Quellenmaterials den Anteil unserer Division an dem gewaltigen Kampfe eingehend darzustellen und zu veröffentlichen. Damit dürfte einem oft und laut zumal von den alten Soldaten geäußerten Wunsche ent­sprochen werden.

** Preisgekrönte Hundezüchter. Auf der Offen­bacher Hundeausstellung erhielten u. a. Ehren- und erste Preise August Schwan in Gießen für deutsche rauhhaarige Pinscher/ C. Volk in Gießen für Dobermannpinscher, Simm er in Gießen für irische Setters, Schumann in Breitfcheid für schottische Schäferhunde und Hermes in Wetzlar für deutsche Boxer.

** Neue deutsche Postkarten kommen in diejcnt Herbste zur Ausgabe. Veranlassung zu der Neuausgabe gaben die Beschlüsse des WeltpostkongresseS in Rom vorn vorigen Jahre, die am 1. Oktober zur Ausführung kommen. Der Kongreß hat unter anderem beschlossen, daß der Ab­sender in Zukunft über den linken Teil der Vorderseite der Postkarte verfügt. Diese Bestimmung erstreckt sich aus alle Postkarten, nicht nur auf die AnsichtZkarten. Ihr werden auch die amtlichen Formulare für den inneren deutschen Ver­kehr angepaßt.

s ch luß an den B in c enz v er ein , der berufen sei, durch intensive, charitative Tätigkeit zur Ausgleichung den sozialen Gegen­sätze beizutragen. Der Antrag wird angenommen. Amtsgerichls- direktor Giesler (Mannheim) behandelte dann die ländliche Krankenpflege.

Um 5 Uhr nachmittags begann in der Festhalle die zweite öffentliche Generalversammlung, zu der der An­drang wiederum sehr stark war.

.Als erster Redner sprach Pfarrer Barthels (Bielefeld) über die F ü r s o r g e e r z i e h u n g. Er begrüßt es mit Freuden, daß der preußische Kultusmmister Holle als früherer Landes­hauptmann von Westfalen die kirchlichen Einrichtungen zur Für­sorgeerziehung mit herangezogen habe. Wie groß die Arbeiten seien, erhelle daraus, daß im Jahre 1905 in Westfalen 745 Kinder in die Zwangserziehung kamen, . int Rheinland 1073, in Berlin 666, in ganz Preutzen 6636. In dm ersten 5 Jahren waren in Preußen 33 600 Minderjährige in Fürsorge. Der Mdner verlangt die Mithülfe der katholischen Vereine bei der Fürsorgeerziehung. Auch die Laien müßten mithelfen, da die Geistlichen allein nicht ausreichen. Er hob die Tätigkeit der protestantischen Inneren Mission hervor, die auch l^erstanden habe, die Laien zur Tätigkeit heranzu­ziehen.

Hierauf sprach Professor Dr. Spahn (Straßburg i. E.) über Katholizismus und Hochschulen. Der Redner wurde stürmisch begrüßt. Er führte aus: Wir stehen fest Jahr­zehnten unter dem Zeichen der sozialen Probleme. Wenn nicht alles täuscht, werden jetzt die Grundlagen unseres Bildungs­wesens und der Schulorganisation mehr und mehr der breiten Erörterung unterzogen werden. Zwei Fragen stehen im Vorder­grund, ob die deutschen Schulen den anerkannten Einfluß der Religion abschütteln können und ob die Schulen der Bil­dung unserer Söhne und Töchter zur abgeschlossenen Weltan­schauung zu verhelfen vermögen. Wir haben hauptsächlich Volks- sckMen. Aber daneben berührt uns das Problem: Was leisten die Schulen für die Weltanschauung der Nation? Die Welt­anschauung aber geht von den Hochschulen aus. Diese sind die Brennpunkte der Weltanschauung der deutschen Nation. Von dieser Tatsache aus müssen wir Katholiken, als Deutsche und als Katholiken uns fragen: Wieistdas Verhaltender Hoch­schulen zur Religion? Da müssen wir sagen, daß die Hochschulen vielfach ihre Mittel und ihren Einfluß in den Kampf gegen den Katholizismus stellen, daß sie aber ander­seits uns die Mittel an die Hand geben, diesen Kampf auf­zunehmen. Jeder Mensch braucht eine Weltanschauung. Er muß sich seiner religiösen und sittlichen Verpflichtungen bewußt werden. Leider sind immer weitere Kreise unseres tief angelegten Volkes oberflächlich und gleichgültig geworden und dadurch wird unsere nationale und christliche Zukunft gefährdet. Daher müssen die Universitäten der Erziehung der Studenten zu einer christlichen Weltanschauung ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Außerhalb der Universitäten ist keine Möglichkeit, dem ganzen Volk die Resultate der ganzen Forschung zu verschaffen und es an dem Gesamt- sortschritt teilnehmen zu lassen. Solange die Universitäten in ihrem Wesen unverkörpert bleiben, solange ihre organische Lebens- emheit nicht zerstört wird, solange werden sie trotz ungläu­biger Professoren auch für die Katholiken immer neue Streiter schaffen.

Solange tüchtige Männer immer wieder gezwungen sind, den Streit gegen das Halbwissen zu führen, solange darf man auch nicht den Schuldanteil leugnen, den die Universitäten daran tragen, daß eine Unsicherheit in der Weltanschauung eingetreten ist. Das Spezialistentum hat unter den Lehrern der Hochschulen überhand genommen. Dieser Geist werde leicht eng und be­schränkt. Man habe sich von Philosophen wie Häckel, die sich an die allerernstesten Probleme vorbeiflüchten, ein­fangen lassen. Erst Leute wie L o o f, Schell usw. hätten dem Räonismus Halt geboten. Zu derselben Zeit habe sich auch ein tüchtiger Mann wie Paulsen (Berlin) zu Gunsten der katho­lischen Weltanschauung ausgesprochen. Ihm sei dafür Dank zu sagen. Die Universitäten seien die edelsten Blüten des Mittelalters, des Strebens nach einheitlicher Auffassung. Die deutschen Uni­versitäten haben viele Früchte getragen auch für die deutschen Katholiken, denn auch sie sind auf die Universitäten angewiesen für ihre Bildungsbestrebungen. Daher erscheint es nicht schwer, die Haltung des Katholizisnms zu den Hochschulen zu bestimmen. Wir müssen alles fördern, was den Geist der Universitas und damit den christlichen deutschen Geist an den Hochschulen stärken kann. Wir müssen alle Angelegenheiten der Wissenschaft wie auch ernste populär wissenschaftliche Besttebungen förbent und starken. Wir müss en die Universitätendurch Presse und Literatur fördern, den Volksgeist anregen. Wir brauchen eine einheitliche befriedigende Welt­anschau irng auf Grund des chri st lichen, des deut­schen Geistes, ans welchem die Lehrer ihre Kraft schöpfen, ihre Pflicht zu erfüllen. Die Weltanschauung mu'H von innen heraus kommen. Mit Gewalt läßt sich nichts machen. Wir müssen auf das katholische Volk einwirken. Die Wasser fließen von den Bergen. Wir nttissen die katholische akademische Jugend zu gewinnen suchen, die vielen Tausende der christlichen Mitglieder des Volksschullehrerstandes und auch die arbeitenden Stände, welche sich für die Religion begeistern. Was können wir bei den Universitäten tun? Die Zeit den lallen Universitäten ist unwider­ruflich vorbei. DM Korporationsleben verliert Inhalt und Reiz. Turnerei und Singerei unb das Leben in den Kneipen tut es nicht mehr. Ein Vorbote dafür, wie es in den studen­tischen Kreisen aussieht, war die H o ch s chu l b e w e g u n g g e g e n die katholischen Korporationen. Sie war negativ, sie war sogar antiklerikal, aber sie war bemerkenswert als erste Blüte neuen Geistes, freilich als eine taube Blüte. Die Uni­versitäten müssen den Studenten mehr als bisher bieten. Der christlich nationale Gedanke muß unseren Sttcdenten neue Ziele eröfftren. Aus der Fülle und der Kraft katholischen Denkens und allem Ringen der deutschen Nation muß die Erkeicntnis konrMen, die das alte verteidigt und erhält und zu neuen Keilen den Boden bereitet. Das muß mehr und mehr das Ideal des deutschen Katholizismus werden. Wir müssen kämpfen um die christliche Weltanschauung. Wir müssen vorwärts gehen und Er­folge erringen auf den weiten fruchtbaren Fluren der Arbeit des deutschen Volkes und des christlichen katholischen Geistes, der auch auf deutschen Hochschulen leuchten und blühen muß. (Stürm. Beifall.) .

Ms dritter Redner sprach Rektor Brück (Bochum) über: Ka t ho l i z i s mus un d V o l ks schule. Die Volksschule scheine mehr Nsnd mehr der Kampfplatz zu werden, auf welchem sich entscheiden soll, ob Christtis über die menschliche Gesellschaft herrschen soll oder seine Widersacher. Auf dieser Frage beruht im letzten Grunde der ganze Kämpf auf dem Schulgebiete. Es handelt sich dabei nicht um den Gegerisatz zum gläubigen Pro­testantismus, mit dem die Katholiken in Bezug auf die Volks­schule vielfach zusammengehen. Die Führung der Kleinen zu ihrem Heiland wird in der konfessionellen Schule besser gefördert, wie in der Simultanschule. Deshalb fordern wir für die katho­lischen Kinder katholische Schulen und ferner auch gute katholische Lehrer, denn der Katholizismus gilt für alle Zeiten und Völker. Mag ein Volk noch so große Kulturfortschritte machen, sie werden ihnen keinen Segen bringen, wenn es die christliche Weltan­schauung vom öffentlichen Leben und von der Jugenderziehung

Aus der Dreibund-Ecke.

.m Ter Meldung von einer in Aussicht geirommenen Zusammen- H mft der Treibundherrscher in der Wiener Hofburg wird in dip- $ .rmüiiidjen Kreisen keine Glaubwürdigkeit beigemessen. t -h lieberem iiinunung damit bezeichnet dieVoss. Ztg.", von j nterrichteter Seite informiert, diese Nachricht als aus der Luft legrineu. Es wäre also kein WoA in der Sache mehr zu sagen, 1 'Cim nicht ein vielgelesenes italienisches Blatt, der Mailänder I oecolo", das Gerücht zum Anlaß genommen hätte zu einem ehassigen und beleidigenden Ausfall gegen » aifer Franz Josef. Taktgefühl ist zwar nie das Kenn- H sichen der Presse Italiens gewesen, doch zu einer Zeit, da die .czieHungen zwischen Italien und Oesterreich-Ungarn dank der "" 'cuhen der beiderseitigen Minister des Aeußeren freundlichere S l werden versprechen, wüste Schmähungen gegen den ehrwürdigen y «rridjer üt Wien auszustpßen, das hat wohl auch von einem] S reibundfeindischen Blatte, wie es derSecolo" ist, niemand 3 wartet. Wenn je, dann hat Italien jetzt Grund, zu feinend , ' üuoniä mit Oesterreich-Ungarn und Deutschland sich zu beglück- g ' ünlchen-______________________________________________________________

Deutscher Katholikentag.

(Unberechtigter Nachdruck verboten.)

S. u. H. Würzburg, 27. Ang.

Um 10 Uhr begann in derSchrannenhalle" die zweite j eschlossene Generalversammlung, die wieder von em Präsidenten Reichstagsabg. Fehr enb ach geleitet wurde. Dian bemerkte heute auch den früheren Zentrumsabg. Fußangel. S - ie Versammlung beschäftigte sich wieder mit der Beratung von ä Cntrügen.

5 Heber die Tätigkeit der deutschen Missions- I esellschaften in den Schutzgebieten sprach Missionsinspektor ms ho ff. Er betont, daß in den deutschen Kolonien etwa

6 30 k uholische Missionare im Priestergewande tätig seien.

;ji Missionsvikar Dr. Henninghaus aus Süd - Shantting et ihrte in der Debatte ans: Nach 21jähriger Tätigkeit aus China s umgekehrt nach meinem Heimatlande Deutschland kann ich nur »igen, daß ich fern von dem hiesigen katholischen Leben mit 2 kg« i st er un g von den Kätholikenversammlungen vernommen habe, iesen prächtigen Schaustellungen katholischen Lebens. (Lebhafte ustimmung.) Wir Pioniere des katholischen Glaubens freuen ns besonders darüber, daß Sie auch uns ein Plätzchen an der !onne gönnen und auf den Generalversammlungen unserer ge- tnken. Unsere katbolisc^ Missionstätigkeit ist kein exotischer Port, er ist das Lebensmark der katholischen Kirche. Die itholische Kirche ist die V öl k er m u t ter, der alle Völker ngehören. (Lebhafter Beifall.) Der Mission muß geholfen wer- m. China fei ein seltsames Land, das sich 4000 Jahre i ndurch seine nationale Einheit und Kultur erhalten habe.

Wort von dergelben Gefahr" habe etwas für sich. Die sie Rasse bereite sich vor, in den Weltmarkt einzugreifen 5 nd sich an der Weltpolitik zu beteiligen. Japan habe sich , ereits Cilenbogenfteiheit verschafft. China sei auf dem Wege ! rzu. Reformen, die man noch vor 20 Jahren für unmöglich ' telt, sind jetzt durchgeführt. Wir finden jetzt Posten, Tele- j mphen, eine eigene Presse. Mit hohen Beamten kann man tzt über alle Dinge sprechen: Parlamente, Banken, Anarchismus 1 nd Moral. Der erste Beamte der Provinz Süd-Shantung '8» at 12 Jahre in Deutschland studiert und eine deutsche Frau J eheiratet. Es besteht die Gefahr, daß das Christentum in hina unter protestantische Herrschaft kommt.

*1 tatholiken! Das darf nicht sein. Wir haben unseren H siatz in China mit schweren Entbehrungen und Blut erworben, tir lassen uns ihn nicht nehmen. Wir haben in China 10 000 gelauste Katholiken, 50 000 katechisierte, 70 katholische J rieftet erfüllen dort mit Hingabe ihr schweres Amt. Deutscher j anbei, deutsche Kultur, deutscher Unternehmungsgeist haben sich jt, t China geltend gemacht. Wir haben dankbar vernommen, i unsere Reichstagsabgeordnelen erklärt haben, daß Kolonial- 1 olitit nicht ohne Ideale möglich sei. (Lebhafter Beifall.) Eine sl ^olonialpolitik ohne Ideale ist und bleibt eine Kräm er- N olitit, eine Politik der Konquistadoren. Helfen Sie uns! j Le katholische Mission weiter fördern. Unterstützen Sie kräftig rs deutsche katholische Missionswesen. (Lebhafter Beifall.)

Heber christliche Charitas ^sprach Amtsgerichtsdirektor ' i e s l e r (Ptannheim). Er empfahl den Beittitt zum Cha- tas-Verein für das katholische Deutschland und zu den diöze- :ren Organisationen und den lokalen Vereinigungen.

Ein Antrag der Straßburger Katholiken empfiehlt dann der ugend, insbesondere der studierenden Jngend den An--